Mittwoch, 31. Dezember 2025

Crönert, Claudius: Das Erbe der Karolinger

Beginnen wir (ausnahmsweise) einmal mit dem Klappentext zu diesem historischen Romans:

„Was geschieht, wenn Neid und Gier zu Streit und Krieg führen: das große Karolinger-Epos. Eigentlich macht Ludwig, Kaiser der Franken und Sohn Karls des Großen, alles richtig: Er regelt seine Nachfolge früh, ernennt seinen ältesten Sohn Lothar zum Mitregenten und bedenkt die jüngeren Söhne mit großen Ländereien. Schnell zeigt sich jedoch, dass Ludwig und Lothar unterschiedliche Vorstellungen darüber haben, wie das Land regiert werden soll. Während sich der Vater um Frieden und Ausgleich bemüht, drängt der Sohn darauf, die Interessen des Reiches mit Härte durchzusetzen. Als Ludwig nach dem Tod seiner Frau ausgerechnet um Judith wirbt, für die sich auch sein Sohn interessiert, eskalieren die Streitigkeiten. Bald steht alles auf dem Spiel, was Karl der Große einst geschaffen hat …“ (Verlag)

Wer sich halbwegs an seinen Geschichtsunterricht erinnert, dem fällt auch etwas zu Karl dem Großen ein. Den Herrscher und Kaiser des Frankenreiches und wer einmal in Aachen war, bewunderte auch dessen Thron. Der Karlspreis für Verdienste um die Einheit Europas (und die Streitereien um die jeweiligen Preisträger) sei erwähnt (2025 - Dr. Ursula von der Leyen), auch wenn die Einheit seines Imperiums nach ihm wie ein Kartenhaus zusammenfiel…

Dienstag, 30. Dezember 2025

Wittstock, Uwe: Karl Marx in Algier


Karl Marx einmal anders. Uwe Wittstock, der hier bereits mit MARSEILLE 1940 Einzug hielt, hat für sein Porträt eine Rahmenhandlung gewählt, die es ermöglicht, sich Leben und Werk des Begründers des Marxismus etwas anders als vielleicht gewohnt zu nähern. Wittstock begleitet Marx nämlich gegen Ende seines Lebens (1818 – 1883) nach Algier und damit auf die einzige Reise, die ihn Europa verlassen ließ. Wenige Monate vorher starb seine innig geliebte Frau Jenny, während deren Begräbnis er selbst sehr krank im Bett lag. Nun soll er sich erholen und eigentlich hat er einen Packen Druckfahnen im Koffer, er soll nämlich eine neue Auflage seines Hauptwerkes durchsehen: DAS CAPITAL. Doch auch Algier bringt ihm gesundheitlich nur einen Aufschub.


  • DNB /   C.H. Beck / 20.03.25 / ISBN: 978-3-406-83072-3 / 249 S. / 26,00 € (Hardcover)

Donnerstag, 25. Dezember 2025

Oelker, Petra: Drei Wünsche

 

Dezember 1773. Auf dem Weihnachtsmarkt in der Hamburger Domkirche, mitten im Gedränge der Marktleute und ihrer flanierenden Kundschaft, suchen drei Frauen das Glück: Theda hat ihre Stellung als Gesellschafterin verloren, eine Vernunftehe in der ostfriesischen Heimat scheint der einzige Ausweg. In Geldnot geraten, will sie auf dem Weihnachtsmarkt eine Silberdose verkaufen, ihren einzigen Besitz von Wert, und gerät in der alten Kirche mitten hinein in den Trubel aus Besuchern, Taschendieben, Suppenköchen und Künstlern. Auch Madam Augusta ist im Dom, sie hadert mit dem Tod ihrer alten Vertrauten, trotz all der Menschen fühlt sie sich allein. Und dann ist da noch Elsi: Die junge Frau hat sich verliebt, doch ihr Vater ist alles andere als einverstanden mit ihrer Wahl. Drei Frauen, drei Wünsche. Sie alle hoffen auf ein Weihnachtswunder...

DNB / rowohlt / 2025 / ISBN: 978-3-8052-0127-8 / 128 Seiten

Kurzmeinung: Durch viele detaillierte Beschreibungen entstanden für mich Längen - ansonsten eine nette atmosphärische historische Weihnachtsgeschichte...


Montag, 22. Dezember 2025

Aden, Hanna: Die Kryptografin

 

Manchmal greift man nach einem Buch sogar schnell und ohne Zaudern, diesmal auf Grund der indirekten Empfehlung einer Bloggerkollegin, die historische Romane ebenso öfter bearbeitet.

Es ist nicht der erste Frauenroman, den ich las, es ist der erste, der, ungewöhnlich, eine junge Frau mit besonderen Talenten Anfang der fünfziger Jahre in die Organisation Gehlen bringt, den Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes. 

Margot ist DIE KRYPTOGRAFIN, da die Studentin der Mathematik für diese Sparte eine besondere Begabung aufweist. Außerdem spielt da noch etwas eine Rolle, was man Synästhesie nennt. Ist dies der besondere Schlüssel für kryptografische Aufgaben, wenn beides zusammentrifft? Für ihre Träume braucht sie Mut.

Samstag, 20. Dezember 2025

Schlögel, Karl: Auf der Sandbank der Zeit

Der Historiker als Chronist der Gegenwart

Ist der Historiker ein Chronist der Gegenwart? Zugegeben, ich beschäftige ich mehr mit historischen Romanen als mit Sachbüchern zur Geschichte, obwohl, das Verhältnis ändert sich seit einiger Zeit. 

Ein historischer Roman, so die allgemein verbreitete Ansicht, handelt mindestens vor Lebzeiten des Autors, dies hebt sich bei Sachbüchern sicherlich auf, vor allem dann, wenn die Autoren zum Beispiel die 70 überschritten haben; dies ist hier gerade der Fall.

Einer dieser Momente, also ein Sachbuch-Moment, war der 22. Juli 2022, an diesem Tag erschien die Rezension zu Karl Schlögels ENTSCHEIDUNG IN KIEW. Nun wurde weitere Texte durch den Hanser-Verlag zusammengefasst und nun werden „Historiker als Zeitgenossen, die sie auch sind, eingeholt von der Gegenwart und konfrontiert mit allen Fragen, die sie bisher an die Vergangenheit hatten richten können, und zwar im Ernstfall und in Echtzeit.“ (Vorwort - S. 9)

  • DNB / Hanser13.10.2025 / E-Book / ISBN 978-3-446-28703-7 / 176 Seiten / 16,99 €

Montag, 8. Dezember 2025

Rezensionsexemplare Challenge 2026

 


Ich schäme mich ja fast, es zuzugeben. Es gibt neben dem eh schon mühsam über Jahrzehnte herangezüchteten SuB (Stapel ungelesener Bücher) - ehrlicherweise doch wohl eher ein RuB (Regale ungelesener Bücher) - auch mittlerweile einen beachtlichen Stapel ungelesener Rezensionsexemplare. Verführungen durch Verlage, NetGalley oder das Bloggerportal sind an der Tagesordnung, hinzu kommen interessante Leserunden, die ebenfalls regelmäßig für neuen Lesestoff sorgen, Buchverlosungen u.v.m.... Unstillbare Quellen also, und der Lesehunger ist ungebrochen. Zeit jedoch ist zuweilen Mangelware, die Augen größer als der Magen, und so. Shit happens.


Ziel der Challenge soll es jedenfalls auch in diesem Jahr sein, den Stapel der ungelesenen Rezensionsexemplare deutlich zu reduzieren. Ein Haken sowie der Monat der Lektüre kommt hinter die gelesenen Bücher, aber es wird auch eine Liste über Neuzugänge geben, bei denen ich mich 2026 hoffentlich mehr beherrschen werde. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt. Oder etwa nicht? Also: auf geht's!

 

Sonntag, 7. Dezember 2025

ABC-Challenge 2026

 



Veranstaltet wird diese Challenge von Zeit für neue Genres.

Zeitraum: 01.01.2026 – 31.12.2026

 

 

Samstag, 6. Dezember 2025

Burnett, Frances Hodgson: Der kleine Lord

Es gibt wohl wenige Fernsehzuschauer im deutschen Raum, die den Film von 1980 mit Alec Guinness und Ricky Schroder nicht kennen. Vielleicht gibt es sogar noch mehr, wenn wir die mitrechnen, die sagen: „Solche Schnulzen schaue ich mir nicht an…“  - Es ist wieder Vorweihnachtszeit und Wikipedia listet sogar die Einschaltquoten seit 2003 auf.

Nein, ich erzähle hier jetzt nicht, dass der kleine Cedrick Errol und sein „Herzlieb“, das ist seine Mama plötzlich Besuch aus Old England bekommen, denn der Siebenjährige soll einen alten Grafen, also einen Earl beerben. THE LITTLE LORD FOUNTLEROY heißt das Kinderbuch von Frances Hodgson Burnett aus dem Jahre 1886. Für den alten Sir Alec Guinness war es eine Paraderolle. Muss ich an seine Erfolge als Prinz Faisal in LAWRENCE VON ARABIEN (1962) erinnern? Oder dass er einen gewissen OBI WAN KENOBI verkörperte? Oder an Jewgraf, den Bruder von DR. SCHIWAGO

Ricki Schroder dagegen konnte den Erfolg mit der Rolle, die ihn weltbekannt gemacht hat, nicht so erfolgreich umgehen. Kinderstar…

Freitag, 5. Dezember 2025

Demidow, Georgi: Zwei Staatsanwälte

 



Manchmal kommt man auf unerwartete Weise zu einem Stoff, so wie zu diesem hier. Denn Verwandte in Buenos Aires - Argentinien - wollten mit mir ins Kino. Eine Freundin von ihnen hatte diesen Film vorgeschlagen. Russisch, mit spanischen Untertiteln. Nur soviel noch dazu: die sprachlichen Fragmente ermöglichten mir den Inhalt zu erfassen, allerdings las ich vorsichtshalber nach, was ich zu Georgi Demidow, zu dessen Roman und Sergej Loznitsa und dessen Film fand. Anschließend lud ich mir das eBook herunter…

Dienstag, 2. Dezember 2025

Ebert, Sabine: Der Silberbaum - Das Ende der Welt

 

Sabine Ebert lässt uns wieder ins Mittelalter reisen, zum jungen Markgrafen Heinrich nach Meißen. Es ist die Zeit Kaiser Friedrich II., den man auch "stupor mundi" nannte: "Das Staunen der Welt".

Alte Bekannte stehen ihm zur Seite: Sie kommen aus Freiberg...


Wir haben schon so einige Markgrafen von Meißen und andere Fürsten in sächsischen, thüringer und anderen Landen von Sabine Ebert präsentiert bekommen. Es fing mit Markgraf Otto dem Reichen an, als der noch nicht ganz so reich war. Später, nach den Büchern über die Hebamme Marthe und ihren Ritter Christian, bewegte sich die Autorin etwas weiter zurück zu Markgraf Konrad, dem Vater von Otto. Nun liegt hier der zweite „Silberbaum-Roman“ vor, der neben Thomas von Akkon, der  nun bereits rund 70jährige Sohn Marthes dessen Herrn, Heinrich den Erlauchten vorstellt. Dieser soll, so der Verlag, der vielleicht außergewöhnlichste Fürst des Mittelalters gewesen sein.

Sonntag, 30. November 2025

Lorne, Mac P.: Robert Surcouf - Der Tiger des Indischen Ozeans

Ein neues spektakuläres Seefahrerabenteuer hat Mac P. Lorne verfasst, diesmal einen Gegner des Britischen Königreiches: Einen Franzosen…

Die beiden alten Filme, über den Tiger der Sieben Meere waren nicht ganz schuldlos dran, wie er hier (ab 2 Minuten + 10 Sekunden) gestand.


Dieser Robert Surcouf kommt einer augenscheinlich lebensgefährlichen Strafe in einer Jesuitenschule durch Flucht zuvor, es bleibt ihm, dem Nachfahren erfolgreicher Korsaren, nur das Anheuern auf einem Schiff, denn dass ihn die Eltern, der Vater ist Reeder in Saint Malo, zurückschicken würden, scheint ihm gewiss. Erst nach einigen Jahren sieht er sie wieder, so streng wie erwartet ist das Aufeinandertreffen keineswegs. Und bevor er wieder, diesmal mit Vaters Segen, in See sticht, wird Robert auf Marie-Catharine aufmerksam…

Samstag, 8. November 2025

Ægisdóttir, Eva Björg: Verlogen

 

In den schroffen Lavafeldern Islands wird eine Leiche gefunden. Ein vermeintlicher Selbstmord entpuppt sich als brutaler Mord und reißt alte Wunden in der kleinen Stadt Akranes wieder auf.

Eigentlich will Kommissarin Elma nach einem persönlichen Schicksalsschlag in ihrer Heimatstadt Akranes zur Ruhe kommen. Doch als Spaziergänger in einem Lavafeld die Überreste einer Frau entdecken, die vor Monaten verschwunden ist, wird sie sofort in einen neuen, erschütternden Fall hineingezogen. Was zunächst wie ein tragischer Suizid aussah, stellt sich schnell als ein sorgfältig vertuschtes Verbrechen heraus. Die Ermittlungen führen Elma tief in ein Netz aus Lügen, das weit in die Vergangenheit reicht. In der Abgeschiedenheit Islands, wo jeder jeden kennt, verbirgt sich hinter den Fassaden der kleinen Gemeinde ein Abgrund aus Neid, Wut und vergrabenen Familiengeheimnissen. Während Elma die Puzzleteile zusammensetzt, stößt sie auf eine Mauer des Schweigens. Je näher sie der Wahrheit kommt, desto mehr gerät sie selbst in Gefahr. Denn der Mörder hat alles zu verlieren und ist bereit, erneut zu töten, um die verlogene Idylle aufrechtzuerhalten.

DNB / Kiepenheuer & Witsch  / 2025 / ISBN: 978-3-462-00711-4  / 368 Seiten

Reihe: Mörderisches Island Bd. 2 (-> zu Bd. 1 Verschwiegen)


Kurzmeinung: Langsamer Handlungsverlauf mit einigen Längen, hinten heraus aber auch mit wirklichen Überraschungen und mehr Spannung...


Donnerstag, 6. November 2025

Nørdby, Anne: ROT. BLUT. TOD.

 


Liest man das zweites Buch von Anne Nørdby, versteht man besser, worauf sie insgesamt hinauswill. Diesmal lohnt es sich, die Edda daneben zu legen, vor allem dann, wenn man mit der Weltenesche, Odin und Fenrir nicht so sehr viel anfangen kann. Ich könnte mich nun Anne Parden anschließen, die das Buch bereits im vorigen Jahr hier vorstellte, weil es stimmt, dass wir es mit stellenweise mit etwas flacher Handlung zu tun haben und immer noch wissen wir recht wenig über diesen Jesper Baek, der nun zwischen drei Frauen gerät. Okay, Kirsten, die Chefin ist halt genau diese und sie gibt ihm etwas mehr Vertrauen. 

Aber eines hat dieses Buch auf jeden Fall: Eine enorme Spannungssteigerung und die beim Leser erzeugte Angst um zumindest zwei Menschen. Einen davon hat man eigentlich gleich „abgeschrieben“, doch plötzlich gibt es wieder Hoffnung. Zusätzlich findet sich eine durchaus heiße Szene für diesen Jesper, aber ob er „durchzieht“?

Wenn Anne schreibt, dass es eine gängige und doch überraschende Auflösung am Ende gibt, dann bleibt man am Ball. (Ich bin noch gar nicht ganz durch - aber da Spoilern keine gute Idee ist, kann ich meinen Eindruck auch gleich festhalten, da ich Anne nicht nur grundsätzlich vertraue, was ihr Händchen für Bücher betrifft.)


  • DNB / Gmeiner Verlag / 2023 / ISBN 978-3-8392-0430-6 / 512 Seiten
  • Audible Studios 15h 52min / 18.05.23
© Der Bücherjunge

Sonntag, 2. November 2025

Michell, Tom: Der Pinguin meines Lebens

 "Sein Name war Juan Salvador Pingüino, und mit diesem Namen entstand eine wilde
Hoffnung und eine enge Verbundenheit. die ein Leben lang halten sollte. In diesem Augenblick wurde er zu meinem Pinguin, und egal, was die Zukunft bringen würde, wir würden uns ihr gemeinsam stellen." 
(S. 44)

Tom Michell, ein britischer Lehrer in Buenos Aires in den siebziger Jahren macht einen Ausflug nach Punta del Este an der Atlantikküste, dort wo in Uruguay der Rio de la Plata in den Oceano Atlantico übergeht,  und findet inmitten ölverschmierter toter Pinguine ein sehr widerstandsfähiges Exemplar. Den nimmt er mit und befreit ihn in der Badewanne vom Öl. Der um sich hackende kleine Kumpel merkt plötzlich, dass der da einen Helfer hat und hält still.

Samstag, 1. November 2025

Wolf, Daniel: Die Templer - Rose und Kreuz

 

Doch noch einmal ein Buch über und mit Tempelrittern? Vor fünfunddreißig Jahren widmete ich mich erstmals einem solchen Thema und war vor allem mit einer der größten Lügengeschichten konfrontiert, die doch so seriös aussah. Dem "heiligen Gral" folgten "Die Kinder des Grals" und wenn die meisten Bücher Peter Berlings hier gar nicht "untersucht" wurden weil das Lesen liegt länger zurück als der Blog existiert, dann liegt das wiederum an der Erschöpfung des Themas.

Dachte ich. 

Doch vor kurzem, es war in Unna, hörte ich den Christoph Lode alias Daniel Wolf aus diesem Buch hier lesen. Himmel, dachte ich, jetzt sucht auch noch ein Knappe nach einem Drachen und trifft dabei einige Templer, ein paar Ritter und Sergeanten und ein Turkopole ist auch dabei...

Und dann, 886 Seiten oder über 23 Stunden hören...

Freitag, 31. Oktober 2025

Scheuring, Josef: Den Menschen verpflichtet...

Vom Bundesgrenzschutz zur Bundespolizei

Die unter diesem Büchlein liegende Urkunde ist die letzte nach nun 35 Jahren Dienst in BGS & BPOL. Vorgestern wurde diese mir am Bundespolizeiaus- und Fortbildungszentrum Neustrelitz überreicht. Vorher konnte ich unter fachkundiger Anleitung im Kabinett Bahnpolizei das Signal für die Fahrt in die Pensionszeit auf "Grün" stellen. Heute, 2400 311025, endet damit ein Lebensabschnitt, in dem die Gewerkschaft der Polizei eine wesentliche Rolle spielte.

So kommt es, dass es heute ganz besonders passend erscheint, in diesem Büchlein Josef Scheurings zu blättern, denn hier schildert der Gewerkschafter zurückliegende Ereignisse, die für mich durchaus bedeutend waren. 

Das beginnt mit den Gesprächen in der Schnellerstraße 139 in Berlin, als es im Jahr 1990 darum ging, ob wir / ich  eine Zukunft im BGS haben können oder nicht. Josef erzählt von einer Juristin der Grenzschutzdirektion Koblenz, die diese Gespräche führte und versetzt mich wieder in die Zeit zurück. Er beschreibt sie als "überaus menschlich und faire Person" und so habe ich das auch in Erinnerung. Ob mir Josef Scheuring an diesem Tag begegnete, weiß ich nicht mehr. 

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Sakulowski, Rolf: Die Atompriester

Was bleibt, wenn wir längst vergangen sind?

In einer Welt, die sich ihrer radioaktiven Altlasten stellen muss, entwirft Rolf Sakulowski ein Szenario, das gleichermaßen realistisch wie mystisch ist. Die Atompriester erzählt die Geschichte von Elias Thomsen, der durch eine schicksalhafte Begegnung mit der geheimnisvollen Blanca in einen Orden gerät, dessen Aufgabe es ist, das Wissen über Atommüll über Jahrtausende hinweg zu bewahren.

Der Orden lebt abgeschieden in den Pyrenäen und folgt einer Mission, die zwischen Wissenschaft und Spiritualität oszilliert. Elias wird Teil eines Systems, das nicht nur die Zukunft schützen will, sondern auch die Gegenwart infrage stellt. Als sich persönliche Gefühle mit globaler Verantwortung vermischen, steht Elias vor einer Entscheidung, die weit über sein eigenes Leben hinausreicht.

Hochspannung trifft Tiefgang: Sakulowski gelingt es, eine reale ethische und wissenschaftliche Herausforderung in eine fesselnde Handlung zu übersetzen. Allerdings besteht die wissenschaftliche Herausforderung meiner Meinung nach in der Frage nach geeigneten Endlagern, weniger nach einer Warnung für in weiter Zukunft lebender Generationen. Sollte man nicht davon ausgehen, dass sich, sollte die Menschheit in tausenden Jahren noch existieren, auch der Fortschritt soweit entwickelt hat, dass radioaktive Endlager unserer Zeit keine Gefahr darstellen, zumindest insofern, dass man sie alle kennt?

Samstag, 18. Oktober 2025

Dohrweiler, Ralf H.: Der Herzschlag der Toten

Hat sich die geneigte Krimi-Lesegemeinde schon einmal gefragt, warum die Ur- oder UrUrGroßeltern auf deren Hochzeitsfoto oder Silberhochzeitsfoto so ernst drein schauen?

So ein Foto war eine ernste Sache, es kostete nämlich viel Geld. Ein Fotograf musste bestellt werden. Auf dessen Gebot, sich ja nicht zu rühren, wurde angestrengt geachtet, sonst war das Bild im Eimer statt im Kasten. Zudem sollte der sonst sehr feierliche Anlass auch nicht ins Lächerliche gezogen werden. In so mancher, vor allem ärmeren Familie gab es deswegen gar nicht so viele Fotos. Im Nachwort zu diesem Buch vergleicht Ralf H. Dohrweiler diesen Umstand mit der heutigen Zeit, in der wir unzählige und unzählig ähnliche Familienfotos irgendwo gespeichert haben. 

Heute wählen wir aus vielen Bildern meist eins aus, auf dem der liebe Verwandte lächelt und überhaupt freundlich schaut, so eines stellen wir auch vor oder auf dessen Sarg. Wir denken nicht gern daran, aber irgendwann wird es so sein. Mit uns selbst passiert dies ebenso. 

Freitag, 17. Oktober 2025

Wolffsohn, Michael: Wem gehört das heilige Land?


Ein Frage, die (wieder einmal) überaus aktuell gestellt werden muss. Der Historiker Michael Wolffsohn, der bis 2012 an der Bundeswehruniversität München Neuer Geschichte lehrte, geht hier allerdings weit zurück. 

Die Frage, die der Publizist im Titel stellt, ist rein mit exakter Geschichtswissenschaft nicht zu beantworten.

Er widmet sich in diesem den Wurzeln des Palästinakonflikts zwischen Juden und Arabern im Nahen Osten. Die Frage nach dem Besitz betrachtet er einmal religiös unter Rückgriff auf das Alte Testament bzw. die Tora, geht weiter auf die verschiedenen "Besitzer" in den aufeinanderfolgenden geschichtlichen Epochen ein, einschließlich der aktuellen politischen Epoche. Hierbei word man unterscheiden müssen zwischen der Zeit vor 1948 und die Zeit nach der Staatsgründung Israels.

Wolffsohn räumt dabei mit vielen Mythen auf. Obwohl der Versuch, wissenschaftliche Fakten von religiösen und ideologischen Narrativen zu trennen dem versierten Wissenschaftler gelingt, kann er am Ende die selbstgestellte Frage nicht beantworten.

Donnerstag, 16. Oktober 2025

Inselbücher - drei in einem Post


Geht man durch die Reihen der Regale im Buchmessenantiquariat in Leipzig, findet man meterweise die schmalen Bücher im Pappband und dem aufgeklebten Etikett der Insel-Bücherei. Stöbern in den unzähligen Titeln macht Spaß, so fand ich mal diesen Hemingway. Im Frühjahr sah ich dann am Insel-Stand ganz andere Insel-Bücher, solche kamen mir noch nicht unter die Augen. Drei möchte ich hier kurz vorstellen.

Keines der drei bedarf inhaltlich an sich einer Vorstellung. Sowohl Die Odyssee als auch Die Nibelungen sind bekannt, Ali Baba und die 40 Räuber aus 1000 und Eine Nacht vielen sicher auch. 

Dienstag, 14. Oktober 2025

GOLDENER HOMER 2025

Es ist Herbst. Oktober. 10. und 11. Oktober. In Unna wird ein Preis verliehen. Der HOMER -
Literaturpreis für historische Romane
. Doch zu Beginn gibt es eine Autorenlesung. Es geht um den Publikumspreis. Und diesmal auch um Performance. Die Preisverleihung findet am Sonnabend statt. Für Litterae-Artesque nutze ich die Chance, Mac P Lorne zu interviewen. Mac ist bereits 13x hier auf unserem Blog vertreten. Dass ich Abends gleich noch einmal ein BiF, ein Buch im Film, drehen muss war nicht absehbar. Fünf Jahre hat es gedauert, bis wir uns endlich einmal über den Weg liefen.


Die Nominierten für 2025 sind (nach Alphabet):

Die weiße Stunde – Ein Fall für August Emmerich von Alex Beer
Die Muse des Teufelsgeigers von Sina Beerwald
Der Herzschlag der Toten von Ralf H. Dorweiler
Im Nordwind von Miriam Georg
Captain Nelson – unter der Flagge des Königs von Mac P. Lorne
Mord im böhmischen Prater von Beate Maly
Mord im Stadtpalais von Beate Maly
Tankred – Adler und Dolch von Michael Römling
Henriette – Ärztin gegen alle Widerstände von Sabine Trinkaus
Die Templer – Rose und Kreuz von Daniel Wolf

Den Publikumspreis gewann Sina Beerwald. Eine Buchlesung als Rollenspiel mit Publikum wurde als besondere Performance gewürdigt. Die Gewinner des bronzenen, des silbernen und des goldenen Homers werden im folgenden Video benannt, welches von diesem Wochenende erzählt.

Donnerstag, 9. Oktober 2025

Des Bücherjungen TO-WANT-LIST bis Januar 2026


Das habe ich noch nie gemacht. Also To-Do-Lists veröffentlicht. 
Warum auch?
Interessiert das jemanden?
Nun, nach dem Blogtoberfest von Judith Peters versuche ich es mal mit dieser

TO-WANT-LIST

WAS ICH ERLEBEN WILL

Das ist ganz einfach: Im November bis Januar 🛫 bereise ich einen Teil von SüdamerikaArgentinien🇦🇷 & Uruguay 🇺🇾. Bis zum Beginn lese ich einfach ein paar Geschichten.

Einerseits suche ich viele neue Eindrücke, viele schöne Familienerlebnisse UND ich will mir im Klaren sein, was ich weiter mit der ab November einsetzten Pension anfangen will. Dazu gehört die Frage, ob sich der anvisierte Journalistik-Kurs dafür eignet und lohnt.

Aktuell steht jetzt die Frage nach den vielen to-want-lists: Newsletter JA oder NEIN?



  1. Besuch der Marmor-Höhlen in Chile ❌
  2. Besuch des Perito-Moreno-Gletschers ✅
  3. Vier Wochen Pampa in Uruguay - Landwirtschaft, Sternenhimmel, Glühwürmchen... ✅
  4. Gaucho Reiten "selbstständig"... ✅


Bloggen in der weiten Welt...


Okay, die "Bücherbloggerei" wird sich bis Ende Januar eher in Grenzen halten, aber dafür werden Fotoseiten oder Videos eine größere Rolle spielen..
  1. 📷 Jeden Tag einen Instagram-Foto-Beitrag ❌
  2. 🎥 Jeden Tag ein Videoclip ❌
  3. 📝 Jeden zweiten Tag ein Blogbeitrag als Fotogeschichte für Litterae-Artesque-Lichtzeichner ❌
  4. 📸 Ein eigenes Fotobuch über Buenos Aires erstellen (bis Ende Februar 26)
  5. 📸 Ein Fotobuch mit Landschaftsfotos nach insgesamt drei Argentinenreisen erstellen (bis Ende Februar 26)

Dazu muss ich erreichen, dass ich die Canon 80D wieder umfangreich nutze UND den  Osmo Mobile 7P Gimbal beherrschen lerne. BIS ZUM FLUG am 06.11.2025. ✅




Spanisch lernen 🇪🇸

Bis Reisebeginn kann ich sicher nur wenig spanisch. Aber was bringt es, wenn ich am Ende nicht weiter gekommen bin? Daher...
  1. muss bis Reisebeginn wieder JEDEN TAG für eine Runde geBABBELt werden 1 Std für Español ⬇️ 😳
  2. muss die "Vokabelliste" in Argentinien und Uruguay JEDEN TAG erweitert: 5 Minuten für Español ⬇️ 😳

Damit die Literatur nicht zu kurz kommt:

Reisezeit wird diesmal eher nicht Lesezeit sein. Aber da gibt es ja den eReader. Und der bekommt für die abendlichen Mußestunden und die langen Flüge Material. Fünf Literaturbeiträge. Am Ende sollte stehen:

  1. Die Rezension zu Sabine Eberts   SILBERBAUM Teil II ✅
  2. Die Rezension zu Ken Folletts   STONEHENGE
  3. Die Rezension zu Uwe Wittstocks   KARL MARX IN ALGIER ✅
  4. Die Rezension zu Ulf Schiewes   BASTARD VON TOLOSA ✅
  5. Die Rezension zu Mac P. Lornes   ROBERT SURCOUF ✅
  6. Die Rezension zu Gerti Tetzners  Karen W


Sonstige Dinge & Ausblick
  1. 100 Liegestütze 🏋️‍♂️ und 10 Kg 🏋️‍♀️
  2. Journalistik-Kurs besuchen (2026)
  3. Spanisch weiter lernen ➡️ im ersten Quartal 26
  4. Südamerika - Film schneiden ➡️ im ersten Quartal 26
  5. 💻 In Social Media weniger Kommentare lesen, und schon gar nicht von Rechts.

Der Bücherjunge (11.01.2026)


Sonntag, 5. Oktober 2025

Thiem, Jana: Humboldt & der weiße Tod

 

Dieser Regionalkrimi gehört zu den Oberlausitzkrimis, obwohl sich die Handlung in Dresden abspielt. Die bisher vier "Humboldt-Romane" bezeichnet die Autorin Jana Thiem nämlich als solche. Gefunden hab ich den während Dresden (er)lesen 2025.

Vielleicht liegt das daran, dass neben dem Leiter einer Morduntersuchungskommission bei der KRIPO Dresden eine Journalistin namens Christin Weißenburg eine große Rolle spielt, die besonders in der Lausitz zu Hause ist, schon die wenigen Szenen, die dort spielen, machen Lust auf einen Besuch der Landschaft rund um den Oybin. 

Samstag, 4. Oktober 2025

Haas, Wolf: Wackelkontakt

 

Franz Escher wartet auf den Elektriker. Seine Steckdose hat einen Wackelkontakt. Um sich die Zeit zu vertreiben, liest er ein Buch über den Mafia-Kronzeugen Elio Russo. Elio sitzt im Gefängnis und wartet auf die Entlassung. Er hat so viele Leute verraten, dass er um sein Leben fürchtet. Aus Angst liegt er nachts wach und liest ein Buch. Es handelt von Franz Escher. Der wartet auf den Elektriker. Seine Steckdose hat einen Wackelkontakt. Wolf Haas' neuer Roman zündet ein erzählerisches Feuerwerk: Was beginnt wie zwei halbwegs übersichtliche Lebensgeschichten, verwirbelt sich zu einem schwindelerregenden Tanz - mit einem toten Handwerker, familiären Verstrickungen und vielen ungelösten Geheimnissen, funkenschlagend und spannend bis zum finalen Kurzschluss. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Hanser Literaturverlage / 2025 / ISBN: 978-3-446-28272-8 / 240 Seiten

Wolf Haas bei Litterae Artesque: Eigentum


Kurzmeinung: Dieser Plot ist eine grandiose Überraschung - man fühlt sich gefangen in einer kuriosen Unmöglichkeit und findet am Ende doch alles logisch.

Donnerstag, 2. Oktober 2025

Nørdby, Anne: Eis. Kalt. Tot.

Seit einiger Zeit sucht auch die deutsche Polizei sogenannte Super-Recognizer unter ihren  Beamten, es soll auch schon ein paar Erfolge beim Erkennen von gesuchten Straftätern geben. 

Super-Recognizer* sind Beamte, die eine Art fotografisches Gedächtnis haben und in der Lage sind, anhand selbst kleiner aber charakteristischer Merkmale Menschen zum Beispiel vom Foto her wieder zu erkennen. Das klappt auch, wenn diese plötzlich andere Kontaktlinsen tragen oder sich einen Bart wachsen ließen.Rekognoszierung

Eine mit solchen Fähigkeiten ausgestattete Fahnderin ist Marit Rauch Ingversen , die der dänischen Polizei in Kopenhagen unterstützen soll. Sie stammt allerdings aus dem Roman von Anne Nørdby. Den habe ich vor kurzem gehört, in der Annahme, dass Krimiautoren aus den skandinavischen Ländern die besten Ermitter auf dem Buchmarkt zu laufen haben. Die 1975 geborene Autorin ist in Dänemark sehr bekannt; hier schickt sie uns an mehrere Tatorte des Grauens in der Hauptstadt Dänemarks.

Dienstag, 30. September 2025

Leo, Maxim / Kat Menschik: Junge aus West-Berlin

Nein, der spielt keine Rolle in diesem Büchlein. Ich meine den Komponisten des Liedes mit den folgenden Versen. Obwohl doch der Titel der Erzählung diese erste Zeile förmlich eingibt.

„Stell dir vor, du kommst nach Ost-Berlin.

Und da triffst du ein ganz heißes Mädchen.

So ein ganz heißes Mädchen aus Pankow.

Und du findest sie sehr bedeutend, und sie dich auch...“

Das Rockkonzert auf dem Alexanderplatz wird sich allerdings als eine Kundgebung zeigen, nicht der Anfang, sondern das Ende? Der Titel, denke ich, war Absicht. Die Assoziation auch. Aber UDO wird auf den ganzen 80 Seiten nicht ein einziges Mal erwähnt. Nicht einmal im Nachwort.



Mädchen aus Ost Berlin (1979)


Samstag, 27. September 2025

Rohrbach Carmen: Solange ich atme

Betrachte ich mir den Titel dieses Taschenbuches, fallen drei Dinge auf: Eine fröhlich lachende sonnenbebrillte Frau, der deutliche Titel und mehr noch der Untertitel – Meine dramatische Flucht aus der DDR... – und dass das Buch bei Malik / National Geographic herausgekommen ist. Carmen Rohrbach las am 14. September 2025 aus dieser Autobiografie bei Dresden (er)lesen

Am Stand auf der kleinen feinen Buchmesse hoch über der Elbe im Schloss Albrechtsberg war sehr schnell zu erkennen, was ihr Leben prägte: Eine nicht sofort zu überschauende Zahl von Reisebüchern aus aller Welt lagen aus. 

Von Patagonien wird an anderer Stelle noch zu schreiben sein, bleiben wir vorerst bei der Autobiografie.

Donnerstag, 25. September 2025

Lynch, Paul: Jenseits der See

 

Der Fischer Bolivar lebt ein einfaches, unbeschwertes Leben. Im Gegensatz zu seinen Kollegen beginnt er seinen Tag meist erst mittags, raucht viel und trinkt Bier bei Rosa, der Frau, in die er verliebt ist. Er will gerade zu seinem Fang aufbrechen, als er von den Dorfbewohnern vor einem aufkommenden Sturm gewarnt wird. Aber Bolivar fährt entgegen jeder Vernunft an diesem Tag zur See. Er nimmt Hector mit, einen jungen Fischer, der das zusätzliche Geld gut gebrauchen kann, das Bolivar ihm für das Wagnis bietet. Obwohl er Angst vor dem Sturm hat, lässt er sich auf den Job ein. Als sie der Sturm aufs offenen Meer treibt, blicken sie gemeinsam – und doch jeder für sich – dem Untergang ins Auge. »Jenseits der See« zeichnet ein eindringliches Bild der menschlichen Psyche und geht der Frage nach, wie man es schafft, die Hoffnung in einer aussichtslosen Situation nicht zu verlieren. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Klett-Cotta / 2025/ ISBN: 978-3-608-96688-6 / 192 Seiten

Paul Lynch bei Litterae Artesque: Das Lied des Propheten 



Kurzmeinung
Düster, existenziell, zwei Männer auf sich selbst zurückgeworfen auf der unendlichen See - philosophisch, poetisch, brutal...


Dienstag, 23. September 2025

Salten, Felix: BAMBI...

... Eine Lebensgeschichte aus dem Walde

Es ist der Anspruch der Reihe Perlen der Literatur aus dem Input-Verlag Hamburg, bedeutsame Texte, die am Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des vergangenen Jahrhunderts erschienen sind, den Leserinnen und Lesern neu zu präsentieren. Sicher fällt uns eine Menge an Literatur ein, die diesem Anspruch genügen könnte, einige der inzwischen fünfunddreißig Bände wurde hier bereits besprochen.

BAMBI würde dabei vermutlich den wenigsten einfallen, denn Bambi ist bekanntlich ein süßes Reh aus dem Disney-Universum, halt, dort ist es ein Weißwedelhirschkalb, weil es Amerika gar keine Rehe gibt. Selbst wer den bereits 83 Jahre alten Zeichentrickfilm nicht kennt, weiß, dass man einen Bambi gewinnen kann, wofür allerdings etwas Prominenz von Nöten ist.

Die lange Vorrede ist dem informativen Vorwort von Charlotte Ueckert geschuldet, das uns den Autor Felix Salten (Siegfried Salzmann – 1869-1945) vorstellt und den Text für ein Kinder- und Erwachsenenbuch einordnet. Es gehört zu den Merkmalen der genannten Reihe, dass die Vorwörter oft neugierig machen. Dies ist hier im Besonderen der Fall.

Samstag, 20. September 2025

Mohr, Francis: Gnadentod - Bedenke das Ende

 „Die Zeit rennt. Denn schon wieder ist ein Mensch gestorben. Die Angst geht um am Rande der Stadt. Eine mysteriöse Todesserie erschüttert die Sonnen-Klinik. Wann erwischt es den nächsten Patienten? Kommissar Kafka ermittelt – und zweifelt bald schon an seinem Verstand. Da gibt es ein neues Opfer." (Buchrücken) ...“

Das ist Stoff für einen vermutlich schon x-mal geschriebenen Roman und diverse TV-Krimis. Entweder Rache als Motiv oder assistierter Freitod oder eben Gnadentod...

Doch dieser Kommissar mit dem bezeichnenden Namen Kafka, den er aus begreiflichen Gründen auch mal verleugnet, muss weit über seinen Ermittlungsansatz hinaus.

Donnerstag, 18. September 2025

Günther, Ralf: Ein grenzenloser Sommer

Wer ahnte im Jahre 1988 schon, dass in Kürze bestimmte Beziehungen in deutschen Landen unkompliziert werden sollten, zumindest, was die Überwindung von Grenzen betrifft?

Für Ronni ist die Möglichkeit, zur See zu fahren und andere Länder zu sehen, der Gipfel von Freiheit für einen Sachsen aus Dresden. Ob er aber ohne Onkel „Alex“ auf dem Dampfer hätte anheuern können, spielt letztlich weniger eine Rolle, wohl aber, ob er auf diesem bleiben kann.

Drei Seereisen unternimmt Ronni als Restaurantstewart auf dem Motorschiff ARKONA, welches einst als MS ASTOR und ZDF-Traumschiff über die Meere schipperte. Das über dubiose Wege in den Besitz der DDR gekommene „Urlauberschiff“ wechselt regelmäßig die Reisenden aus, so kommt die DDR zu Devisen und „Westurlauber“ zu billigeren Kreuzfahrten. Auf diese Weise lernt der Dresdner Ronni die Frankfurterin Studentin Sabine und deren Tante Hilde kennen. Die jungen Leute kommen sich näher... Nach der ersten Reise folgt die Trennung. In einem Roman aber gibt es bestimmt ein Wiedersehen....

Mittwoch, 17. September 2025

Dresden (er)lesen 2025



Alle Jahre wieder, könnte man sagen
(singen? 😉 )

Dresden (er)lesen auf Schloss Albrechtsberg, am Tag des offenen Denkmals. Seit Jahren komme ich deswegen nie dazu, mal ein anderes offenes Denkmal zu besuchen. Aber als Literaturblogger...

Die üblichen "Verdächtigen" hab ich alle getroffen. Francis Mohr las aus seinem erschütternden Buch GNADENTOD, Frank Goldammer lief mir kurz über den Weg, Katharina Salomo ganz kurz, mit Matthias Schildbach plauderte ich über den VERGESSENEN ANGRIFF und über dessen Wirkungen in Dresden Nickern, dem einstigen Wohnsitz meiner Großeltern. Patricia Holland-Moritz lauschte ich zu DREI SOMMER LANG PARIS (übrigens die Fortsetzung von Kaßbergen) und lachte mit dem Publikum bei den Ausführungen zur deutschen Sprache von Bastian Sick. Wir stöberten in Kinderbüchern, hielten bei Frank Elstner und den Palisander-Indianern an, besuchten Paperento und Jens Korch, schwatzten mit Barbara Miklaw von Mirabilis und Katja Völkel von UltraViolett. Natürlich durfte, auch aus ganz alter Verbundenheit, Peter Muschiol etwas über alte/neue Bücher erzählen. - Ich sag es ja, die üblichen Verdächtigen.

Dienstag, 16. September 2025

Lobrecht, Felix: Sonne und Beton (Hörbuch)

 

Ein heißer Sommer in der betonharten Gropiusstadt. Gino, Julius und Lukas kiffen, chillen, saufen, glotzen Mädchen hinterher. Bis Sanchez in ihr Leben tritt mit seiner charmanten und echt coolen Art. Er überredet die Jungs zu einem Einbruch. Sie ziehen das Ding völlig dilettantisch durch, aber es funktioniert. Nur wie vertickt man geklaute Computer, wenn man erst 15 ist und keine Hehlerkontakte hat? Sanchez macht eine Türken- Connection klar. Doch es kommt alles anders als geplant. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Sony Music/FEEZ / 2019 / ISBN: BOBK46DJMC / 262 Minuten


Kurzmeinung: Abgründe einer Jugend im Prekariat - abstoßende Sprache, aber die Abwärtsspirale ist authentisch gezeichnet, überzeugende Autorenlesung...