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Dienstag, 27. Januar 2026

Woolf, Virginia: Orlando - Eine Biografie


Der Versuch, sich wieder einmal an Weltliteratur zu wagen. 

Tja, der Orlando, die Orlando. Sechzehnter Band der wirklich hervorragenden Reihe PERLEN DER LITERATUR, vielfach gelobt, fast schon besungen auf unserem Blog. Über die Buchreihe muss ich nicht mehr viel vermelden, dass ist den regelmäßigen Leserinnen und Lesern des Blogs bekannt. Warum ich sie als „hervorragend“ bezeichne, könnt ihr in einer der unten verlinkten Buchbesprechungen nachlesen. 

Nun also Band 16. Es gibt Bücher, für die braucht man entweder unendlich viel Zeit, oder aber sie sind nicht für einen geschrieben. Bei Orlando ist mir das nicht so recht klar. 

Samstag, 24. Januar 2026

Kicaj, Jehona: ë

 

Der ungewöhnliche Titel »ë« steht für einen Buchstaben, der in der albanischen Sprache eine wichtige Funktion hat, obwohl er meist gar nicht ausgesprochen wird. Als Kind von Geflüchteten aus dem Kosovo ist die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme. Sie wächst in Deutschland auf, geht in den Kindergarten, zur Schule und auf die Universität, sucht nach Verständnis, aber stößt immer wieder auf Zuschreibungen, Ahnungslosigkeit und Ignoranz. Als der Kosovokrieg Ende der 90er-Jahre wütet, erlebt sie ihn aus sicherer Entfernung. Doch auch in der Diaspora sind Krieg und Tod präsent – sie werden nur anders erlebt als vor Ort. Der Roman »ë« erzählt von dem in Deutschland kaum bekannten Kosovokrieg und erinnert an das Leid von Familien, die ihre Heimat verloren haben, deren ermordete Angehörige anonym verscharrt wurden und bis heute verschollen oder nicht identifiziert sind. Eine Vergangenheit, die nicht vergehen kann, weil sie buchstäblich in jeder Faser des Körpers steckt, wird von Jehona Kicaj im wahrsten Wortsinn zur Sprache gebracht. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Wallstein / 2025 / ISBN 978-3-8353-5949-9 / 176 Seiten



Kurzmeinung: Eindrucksvoller Roman um die Sprachlosigkeit angesichts von Verwüstung, Unterdrückung, Vernichtung - generationsübergreifendes Kriegs-Trauma...

Samstag, 17. Januar 2026

Casement, Nina: Dehumanisation - Wege in den Terror


 „Das vorliegende Buch enthält einzelne, kurze Schilderungen von Gewalt…“

Altersempfehlung: 16 Jahre

Der Titel zeigt, was die Leserin, den Leser - vermutlich - erwartet. Das Eingangsstatement verdeutlicht dies. Dass ein Zitat Barack Obamas, nachdem „Guantànamo wahrscheinlich mehr Terroristen auf der Welt geschaffen hat, als jemals dort inhaftiert wurden.“ dem Text vorangestellt wird, zeigt, warum sich Nina Casement dem Thema „Radikalisierung“ widmet. Gleich mehrfach.

Drei Schicksale stellt Casement in den Leseraum. Da ist der Iraker Ismat, der in der Nähe von Faludscha, einer ehemaligen IS-Hochburg im Irak beheimatet ist, dann der Brite Oliver aus London und der aus dem Iran stammende Naid, welcher ebenfalls in London lebt. 

Montag, 12. Januar 2026

Schiewe, Ulf: Der Bastard von Tolosa

Letztens veröffentlichte Anne PARDEN hier ihre Challenge 2026 Rezensionsexemplare. Einige Titel könnte ich hinzufügen, auf jeden Fall etwas überschaubarer. Annes Liste ist allerdings nicht der Grund für diese Rezension eines solchen Exemplars, das eBook bot sich erneut an, als eine lange Flugreise anstand. 

Diese Rezension des Bastards von Tolosa hat eine Vorgeschichte, denn ich erhielt das eBook vom Verlag, nachdem ich die Laudatio zu Ulf Schiewes Der eiserne Herzog während der Gala zum HOMER - Literaturpreis für historische Romane im Jahre 2023 halten durfte. Das ist über zwei Jahre her, nun endlich ist der Debüt-Roman des Erfolgsautors, der Auftakt zur Montalban-Reihe, gelesen.

Montag, 5. Januar 2026

Madreiter, Armela: südpol.windstill

 

Wenn die 10-jährige Ida nach Hause kommt, weiß sie nicht, was sie erwartet: Ihre Mutter ist Alkoholikerin und psychisch krank. An Südpol-Tagen ist sie aufgekratzt und unternehmungslustig; an Nordpol-Tagen depressiv und antriebslos. Doch mit Robert Falcon Scott hat Ida glücklicherweise einen imaginären Freund, der sich bestens mit Polarforschung auskennt. Mit Erfindergeist, Empathie und Intelligenz lernt Ida, ihre schwierige Situation zu meistern. (Verlagsbeschreibung)

DNB / reclam / 2025 / ISBN 978-3-15-014622-4 / 70 Seiten



Kurzmeinung: Ernst und doch von Stärke und Humor durchzogen - eine Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter u. kreative Möglichkeiten, damit klarzukommen...


Samstag, 3. Januar 2026

Unterthiner, Miriam: Blutbrot

 

Der Theatertext Blutbrot beschäftigt sich mit der nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Südtirol geleisteten Fluchthilfe. In Zuge dessen wurden zwischen 1945 und ca. 1950 Nationalsozialist:innen wie unter anderem Adolf Eichmann, Josef Mengele und Gerhard Bast über den Brennerpass, die sogenannte Grüne Grenze, von Österreich nach Italien gebracht, mit Hilfe von Südtiroler:innen, die ihre geheimen (Schmuggler-)Wege gegen Bezahlung teilten. In Blutbrot leistet die Kollektivfigur DasDorf diese Fluchthilfe, spricht jedoch nicht darüber und verweigert sich der Aufarbeitung der eigenen Taten. DasDorf beschäftigt sich stattdessen mit dem Brot, spricht im Kollektiv ausschließlich über Brot. Doch je mehr Nationalsozialist:innen die Grüne Grenze passieren, desto mehr Spuren hinterlassen sie, nicht nur im Dorf, sondern auch in dessen Landschaft, den Feldern und schließlich im Brot. So ist es auch die Landschaft, die nicht länger wegsehen kann und DasDorf mit der eigenen Vergangenheit, den eigenen Taten konfrontiert. In Blutbrot wird die Frage gestellt, wie ein in der Landschaft stattgefundenes Verbrechen sich auf sie auswirkt, einwirkt, sie verändert. Ebenso wird nach dem Raum, auf dem es stattfindet, gefragt und diesem als solchen eine Sprache gegeben. (Verlagsbeschreibung)

DNB / edition laurin / 2025 / ISBN 978-3-903539-50-1 / 72 Seiten


Kurzmeinung: Gewinner des Österreichischen Debütpreises 2025 - sehr experimentell, eher modernes Theater über ein totgeschwiegenes Thema...

Donnerstag, 25. Dezember 2025

Oelker, Petra: Drei Wünsche

 

Dezember 1773. Auf dem Weihnachtsmarkt in der Hamburger Domkirche, mitten im Gedränge der Marktleute und ihrer flanierenden Kundschaft, suchen drei Frauen das Glück: Theda hat ihre Stellung als Gesellschafterin verloren, eine Vernunftehe in der ostfriesischen Heimat scheint der einzige Ausweg. In Geldnot geraten, will sie auf dem Weihnachtsmarkt eine Silberdose verkaufen, ihren einzigen Besitz von Wert, und gerät in der alten Kirche mitten hinein in den Trubel aus Besuchern, Taschendieben, Suppenköchen und Künstlern. Auch Madam Augusta ist im Dom, sie hadert mit dem Tod ihrer alten Vertrauten, trotz all der Menschen fühlt sie sich allein. Und dann ist da noch Elsi: Die junge Frau hat sich verliebt, doch ihr Vater ist alles andere als einverstanden mit ihrer Wahl. Drei Frauen, drei Wünsche. Sie alle hoffen auf ein Weihnachtswunder...

DNB / rowohlt / 2025 / ISBN: 978-3-8052-0127-8 / 128 Seiten

Kurzmeinung: Durch viele detaillierte Beschreibungen entstanden für mich Längen - ansonsten eine nette atmosphärische historische Weihnachtsgeschichte...


Montag, 8. Dezember 2025

Rezensionsexemplare Challenge 2026

 


Ich schäme mich ja fast, es zuzugeben. Es gibt neben dem eh schon mühsam über Jahrzehnte herangezüchteten SuB (Stapel ungelesener Bücher) - ehrlicherweise doch wohl eher ein RuB (Regale ungelesener Bücher) - auch mittlerweile einen beachtlichen Stapel ungelesener Rezensionsexemplare. Verführungen durch Verlage, NetGalley oder das Bloggerportal sind an der Tagesordnung, hinzu kommen interessante Leserunden, die ebenfalls regelmäßig für neuen Lesestoff sorgen, Buchverlosungen u.v.m.... Unstillbare Quellen also, und der Lesehunger ist ungebrochen. Zeit jedoch ist zuweilen Mangelware, die Augen größer als der Magen, und so. Shit happens.


Ziel der Challenge soll es jedenfalls auch in diesem Jahr sein, den Stapel der ungelesenen Rezensionsexemplare deutlich zu reduzieren. Ein Haken sowie der Monat der Lektüre kommt hinter die gelesenen Bücher, aber es wird auch eine Liste über Neuzugänge geben, bei denen ich mich 2026 hoffentlich mehr beherrschen werde. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt. Oder etwa nicht? Also: auf geht's!

 

Dienstag, 2. Dezember 2025

Ebert, Sabine: Der Silberbaum - Das Ende der Welt

 

Sabine Ebert lässt uns wieder ins Mittelalter reisen, zum jungen Markgrafen Heinrich nach Meißen. Es ist die Zeit Kaiser Friedrich II., den man auch "stupor mundi" nannte: "Das Staunen der Welt".

Alte Bekannte stehen ihm zur Seite: Sie kommen aus Freiberg...


Wir haben schon so einige Markgrafen von Meißen und andere Fürsten in sächsischen, thüringer und anderen Landen von Sabine Ebert präsentiert bekommen. Es fing mit Markgraf Otto dem Reichen an, als der noch nicht ganz so reich war. Später, nach den Büchern über die Hebamme Marthe und ihren Ritter Christian, bewegte sich die Autorin etwas weiter zurück zu Markgraf Konrad, dem Vater von Otto. Nun liegt hier der zweite „Silberbaum-Roman“ vor, der neben Thomas von Akkon, der  nun bereits rund 70jährige Sohn Marthes dessen Herrn, Heinrich den Erlauchten vorstellt. Dieser soll, so der Verlag, der vielleicht außergewöhnlichste Fürst des Mittelalters gewesen sein.

Sonntag, 30. November 2025

Lorne, Mac P.: Robert Surcouf - Der Tiger des Indischen Ozeans

Ein neues spektakuläres Seefahrerabenteuer hat Mac P. Lorne verfasst, diesmal einen Gegner des Britischen Königreiches: Einen Franzosen…

Die beiden alten Filme, über den Tiger der Sieben Meere waren nicht ganz schuldlos dran, wie er hier (ab 2 Minuten + 10 Sekunden) gestand.


Dieser Robert Surcouf kommt einer augenscheinlich lebensgefährlichen Strafe in einer Jesuitenschule durch Flucht zuvor, es bleibt ihm, dem Nachfahren erfolgreicher Korsaren, nur das Anheuern auf einem Schiff, denn dass ihn die Eltern, der Vater ist Reeder in Saint Malo, zurückschicken würden, scheint ihm gewiss. Erst nach einigen Jahren sieht er sie wieder, so streng wie erwartet ist das Aufeinandertreffen keineswegs. Und bevor er wieder, diesmal mit Vaters Segen, in See sticht, wird Robert auf Marie-Catharine aufmerksam…

Samstag, 8. November 2025

Ægisdóttir, Eva Björg: Verlogen

 

In den schroffen Lavafeldern Islands wird eine Leiche gefunden. Ein vermeintlicher Selbstmord entpuppt sich als brutaler Mord und reißt alte Wunden in der kleinen Stadt Akranes wieder auf.

Eigentlich will Kommissarin Elma nach einem persönlichen Schicksalsschlag in ihrer Heimatstadt Akranes zur Ruhe kommen. Doch als Spaziergänger in einem Lavafeld die Überreste einer Frau entdecken, die vor Monaten verschwunden ist, wird sie sofort in einen neuen, erschütternden Fall hineingezogen. Was zunächst wie ein tragischer Suizid aussah, stellt sich schnell als ein sorgfältig vertuschtes Verbrechen heraus. Die Ermittlungen führen Elma tief in ein Netz aus Lügen, das weit in die Vergangenheit reicht. In der Abgeschiedenheit Islands, wo jeder jeden kennt, verbirgt sich hinter den Fassaden der kleinen Gemeinde ein Abgrund aus Neid, Wut und vergrabenen Familiengeheimnissen. Während Elma die Puzzleteile zusammensetzt, stößt sie auf eine Mauer des Schweigens. Je näher sie der Wahrheit kommt, desto mehr gerät sie selbst in Gefahr. Denn der Mörder hat alles zu verlieren und ist bereit, erneut zu töten, um die verlogene Idylle aufrechtzuerhalten.

DNB / Kiepenheuer & Witsch  / 2025 / ISBN: 978-3-462-00711-4  / 368 Seiten

Reihe: Mörderisches Island Bd. 2 (-> zu Bd. 1 Verschwiegen)


Kurzmeinung: Langsamer Handlungsverlauf mit einigen Längen, hinten heraus aber auch mit wirklichen Überraschungen und mehr Spannung...


Mittwoch, 29. Oktober 2025

Sakulowski, Rolf: Die Atompriester

Was bleibt, wenn wir längst vergangen sind?

In einer Welt, die sich ihrer radioaktiven Altlasten stellen muss, entwirft Rolf Sakulowski ein Szenario, das gleichermaßen realistisch wie mystisch ist. Die Atompriester erzählt die Geschichte von Elias Thomsen, der durch eine schicksalhafte Begegnung mit der geheimnisvollen Blanca in einen Orden gerät, dessen Aufgabe es ist, das Wissen über Atommüll über Jahrtausende hinweg zu bewahren.

Der Orden lebt abgeschieden in den Pyrenäen und folgt einer Mission, die zwischen Wissenschaft und Spiritualität oszilliert. Elias wird Teil eines Systems, das nicht nur die Zukunft schützen will, sondern auch die Gegenwart infrage stellt. Als sich persönliche Gefühle mit globaler Verantwortung vermischen, steht Elias vor einer Entscheidung, die weit über sein eigenes Leben hinausreicht.

Hochspannung trifft Tiefgang: Sakulowski gelingt es, eine reale ethische und wissenschaftliche Herausforderung in eine fesselnde Handlung zu übersetzen. Allerdings besteht die wissenschaftliche Herausforderung meiner Meinung nach in der Frage nach geeigneten Endlagern, weniger nach einer Warnung für in weiter Zukunft lebender Generationen. Sollte man nicht davon ausgehen, dass sich, sollte die Menschheit in tausenden Jahren noch existieren, auch der Fortschritt soweit entwickelt hat, dass radioaktive Endlager unserer Zeit keine Gefahr darstellen, zumindest insofern, dass man sie alle kennt?

Samstag, 4. Oktober 2025

Haas, Wolf: Wackelkontakt

 

Franz Escher wartet auf den Elektriker. Seine Steckdose hat einen Wackelkontakt. Um sich die Zeit zu vertreiben, liest er ein Buch über den Mafia-Kronzeugen Elio Russo. Elio sitzt im Gefängnis und wartet auf die Entlassung. Er hat so viele Leute verraten, dass er um sein Leben fürchtet. Aus Angst liegt er nachts wach und liest ein Buch. Es handelt von Franz Escher. Der wartet auf den Elektriker. Seine Steckdose hat einen Wackelkontakt. Wolf Haas' neuer Roman zündet ein erzählerisches Feuerwerk: Was beginnt wie zwei halbwegs übersichtliche Lebensgeschichten, verwirbelt sich zu einem schwindelerregenden Tanz - mit einem toten Handwerker, familiären Verstrickungen und vielen ungelösten Geheimnissen, funkenschlagend und spannend bis zum finalen Kurzschluss. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Hanser Literaturverlage / 2025 / ISBN: 978-3-446-28272-8 / 240 Seiten

Wolf Haas bei Litterae Artesque: Eigentum


Kurzmeinung: Dieser Plot ist eine grandiose Überraschung - man fühlt sich gefangen in einer kuriosen Unmöglichkeit und findet am Ende doch alles logisch.

Dienstag, 30. September 2025

Leo, Maxim / Kat Menschik: Junge aus West-Berlin

Nein, der spielt keine Rolle in diesem Büchlein. Ich meine den Komponisten des Liedes mit den folgenden Versen. Obwohl doch der Titel der Erzählung diese erste Zeile förmlich eingibt.

„Stell dir vor, du kommst nach Ost-Berlin.

Und da triffst du ein ganz heißes Mädchen.

So ein ganz heißes Mädchen aus Pankow.

Und du findest sie sehr bedeutend, und sie dich auch...“

Das Rockkonzert auf dem Alexanderplatz wird sich allerdings als eine Kundgebung zeigen, nicht der Anfang, sondern das Ende? Der Titel, denke ich, war Absicht. Die Assoziation auch. Aber UDO wird auf den ganzen 80 Seiten nicht ein einziges Mal erwähnt. Nicht einmal im Nachwort.



Mädchen aus Ost Berlin (1979)


Samstag, 27. September 2025

Rohrbach Carmen: Solange ich atme

Betrachte ich mir den Titel dieses Taschenbuches, fallen drei Dinge auf: Eine fröhlich lachende sonnenbebrillte Frau, der deutliche Titel und mehr noch der Untertitel – Meine dramatische Flucht aus der DDR... – und dass das Buch bei Malik / National Geographic herausgekommen ist. Carmen Rohrbach las am 14. September 2025 aus dieser Autobiografie bei Dresden (er)lesen

Am Stand auf der kleinen feinen Buchmesse hoch über der Elbe im Schloss Albrechtsberg war sehr schnell zu erkennen, was ihr Leben prägte: Eine nicht sofort zu überschauende Zahl von Reisebüchern aus aller Welt lagen aus. 

Von Patagonien wird an anderer Stelle noch zu schreiben sein, bleiben wir vorerst bei der Autobiografie.

Donnerstag, 25. September 2025

Lynch, Paul: Jenseits der See

 

Der Fischer Bolivar lebt ein einfaches, unbeschwertes Leben. Im Gegensatz zu seinen Kollegen beginnt er seinen Tag meist erst mittags, raucht viel und trinkt Bier bei Rosa, der Frau, in die er verliebt ist. Er will gerade zu seinem Fang aufbrechen, als er von den Dorfbewohnern vor einem aufkommenden Sturm gewarnt wird. Aber Bolivar fährt entgegen jeder Vernunft an diesem Tag zur See. Er nimmt Hector mit, einen jungen Fischer, der das zusätzliche Geld gut gebrauchen kann, das Bolivar ihm für das Wagnis bietet. Obwohl er Angst vor dem Sturm hat, lässt er sich auf den Job ein. Als sie der Sturm aufs offenen Meer treibt, blicken sie gemeinsam – und doch jeder für sich – dem Untergang ins Auge. »Jenseits der See« zeichnet ein eindringliches Bild der menschlichen Psyche und geht der Frage nach, wie man es schafft, die Hoffnung in einer aussichtslosen Situation nicht zu verlieren. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Klett-Cotta / 2025/ ISBN: 978-3-608-96688-6 / 192 Seiten

Paul Lynch bei Litterae Artesque: Das Lied des Propheten 



Kurzmeinung
Düster, existenziell, zwei Männer auf sich selbst zurückgeworfen auf der unendlichen See - philosophisch, poetisch, brutal...


Dienstag, 23. September 2025

Salten, Felix: BAMBI...

... Eine Lebensgeschichte aus dem Walde

Es ist der Anspruch der Reihe Perlen der Literatur aus dem Input-Verlag Hamburg, bedeutsame Texte, die am Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des vergangenen Jahrhunderts erschienen sind, den Leserinnen und Lesern neu zu präsentieren. Sicher fällt uns eine Menge an Literatur ein, die diesem Anspruch genügen könnte, einige der inzwischen fünfunddreißig Bände wurde hier bereits besprochen.

BAMBI würde dabei vermutlich den wenigsten einfallen, denn Bambi ist bekanntlich ein süßes Reh aus dem Disney-Universum, halt, dort ist es ein Weißwedelhirschkalb, weil es Amerika gar keine Rehe gibt. Selbst wer den bereits 83 Jahre alten Zeichentrickfilm nicht kennt, weiß, dass man einen Bambi gewinnen kann, wofür allerdings etwas Prominenz von Nöten ist.

Die lange Vorrede ist dem informativen Vorwort von Charlotte Ueckert geschuldet, das uns den Autor Felix Salten (Siegfried Salzmann – 1869-1945) vorstellt und den Text für ein Kinder- und Erwachsenenbuch einordnet. Es gehört zu den Merkmalen der genannten Reihe, dass die Vorwörter oft neugierig machen. Dies ist hier im Besonderen der Fall.

Samstag, 20. September 2025

Mohr, Francis: Gnadentod - Bedenke das Ende

 „Die Zeit rennt. Denn schon wieder ist ein Mensch gestorben. Die Angst geht um am Rande der Stadt. Eine mysteriöse Todesserie erschüttert die Sonnen-Klinik. Wann erwischt es den nächsten Patienten? Kommissar Kafka ermittelt – und zweifelt bald schon an seinem Verstand. Da gibt es ein neues Opfer." (Buchrücken) ...“

Das ist Stoff für einen vermutlich schon x-mal geschriebenen Roman und diverse TV-Krimis. Entweder Rache als Motiv oder assistierter Freitod oder eben Gnadentod...

Doch dieser Kommissar mit dem bezeichnenden Namen Kafka, den er aus begreiflichen Gründen auch mal verleugnet, muss weit über seinen Ermittlungsansatz hinaus.

Donnerstag, 18. September 2025

Günther, Ralf: Ein grenzenloser Sommer

Wer ahnte im Jahre 1988 schon, dass in Kürze bestimmte Beziehungen in deutschen Landen unkompliziert werden sollten, zumindest, was die Überwindung von Grenzen betrifft?

Für Ronni ist die Möglichkeit, zur See zu fahren und andere Länder zu sehen, der Gipfel von Freiheit für einen Sachsen aus Dresden. Ob er aber ohne Onkel „Alex“ auf dem Dampfer hätte anheuern können, spielt letztlich weniger eine Rolle, wohl aber, ob er auf diesem bleiben kann.

Drei Seereisen unternimmt Ronni als Restaurantstewart auf dem Motorschiff ARKONA, welches einst als MS ASTOR und ZDF-Traumschiff über die Meere schipperte. Das über dubiose Wege in den Besitz der DDR gekommene „Urlauberschiff“ wechselt regelmäßig die Reisenden aus, so kommt die DDR zu Devisen und „Westurlauber“ zu billigeren Kreuzfahrten. Auf diese Weise lernt der Dresdner Ronni die Frankfurterin Studentin Sabine und deren Tante Hilde kennen. Die jungen Leute kommen sich näher... Nach der ersten Reise folgt die Trennung. In einem Roman aber gibt es bestimmt ein Wiedersehen....

Sonntag, 14. September 2025

Walker, Christina: Kleine Schule des Fliegens

 

Jeden Tag versammeln sich mehr Krähen draußen in der Platane. Sollte Alexander Höch, der gerade eine Chemotherapie hinter sich hat, misstrauisch werden? Vielleicht auch, weil seine Frau Eva ihn ausgerechnet jetzt allein lässt? Doch bald entdeckt Höch seltsame Ähnlichkeiten zwischen sich und den Vögeln vor dem Fenster. Sehr zum Unmut von Melitta Miller, der Nachbarin, die zuweilen nach dem Rekonvaleszenten sieht und die mit ihrer Krähenabwehr immer radikalere Mittel findet, um die gefiederten Zuwanderer aus der Straße zu vertreiben. Soghaft und mit abgründiger Komik erzählt Kleine Schule des Fliegens von den realen und surrealen Provokationen des Lebens sowie von Leidenschaften, die einem den Boden unter den Füßen wegziehen. Gut, wer nun fliegen kann oder die richtigen Verbündeten hat! (Verlagsbeschreibung)

DNB / Braumüller Verlag / 2023 / ISBN: 9783992003426 / 208 Seiten


Kurzmeinung: Unzuverlässiger Erzähler, verwirrende surreale Szenen - und doch ein leiser Roman mit interessanten Untertönen und Interpretationsspielraum.