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Samstag, 24. Januar 2026

Kicaj, Jehona: ë

 

Der ungewöhnliche Titel »ë« steht für einen Buchstaben, der in der albanischen Sprache eine wichtige Funktion hat, obwohl er meist gar nicht ausgesprochen wird. Als Kind von Geflüchteten aus dem Kosovo ist die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme. Sie wächst in Deutschland auf, geht in den Kindergarten, zur Schule und auf die Universität, sucht nach Verständnis, aber stößt immer wieder auf Zuschreibungen, Ahnungslosigkeit und Ignoranz. Als der Kosovokrieg Ende der 90er-Jahre wütet, erlebt sie ihn aus sicherer Entfernung. Doch auch in der Diaspora sind Krieg und Tod präsent – sie werden nur anders erlebt als vor Ort. Der Roman »ë« erzählt von dem in Deutschland kaum bekannten Kosovokrieg und erinnert an das Leid von Familien, die ihre Heimat verloren haben, deren ermordete Angehörige anonym verscharrt wurden und bis heute verschollen oder nicht identifiziert sind. Eine Vergangenheit, die nicht vergehen kann, weil sie buchstäblich in jeder Faser des Körpers steckt, wird von Jehona Kicaj im wahrsten Wortsinn zur Sprache gebracht. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Wallstein / 2025 / ISBN 978-3-8353-5949-9 / 176 Seiten



Kurzmeinung: Eindrucksvoller Roman um die Sprachlosigkeit angesichts von Verwüstung, Unterdrückung, Vernichtung - generationsübergreifendes Kriegs-Trauma...

Dienstag, 19. August 2025

Deutscher Buchpreis 2025 - von der Longlist bis zum Gewinner

 

Heute wurden die Titel für den diesjährigen Deutschen Buchpreis nominiert - wieder 20 Stück an der Zahl. Da lohnt es sich doch, mal wieder einen Blick zu riskieren:

 

 


 

Montag, 12. Mai 2025

Hefter, Martina: Hey guten Morgen, wie geht es dir? (Hörbuch)

 

Tagsüber hilft Juno ihrem schwerkranken Mann Jupiter dabei, seinen Alltag zu meistern. Außerdem ist sie Künstlerin, tanzt und spielt Theater. Und nachts, wenn sie wieder einmal nicht schlafen kann, chattet sie mit Love-Scammern im Internet. Juno schreibt online mit Männern, die Frauen online ihre Liebe gestehen und so versuchen, sie um ihr Geld zu bringen. Doch statt darauf hereinzufallen, werden genau diese Männer zu einer Form von Freiheit für Juno. In den Gesprächen kann sie sein, wer sie will und sagen, was sie will – und das vermeintlich ohne Konsequenzen. Ganz im Gegensatz zu ihrem sonstigen Leben, in dem sie immer unterwegs, immer besorgt um Jupiter, immer beschäftigt und eingebunden ist. Also flüchtet Juno ab und zu vor ihrem Alltag ins Internet und spielt dort Spielchen mit Männern, die sie anlügen. Sie selbst wird zur Lügnerin. Aber ist es nicht so, dass man sich beim Lügen zuallererst selbst belügt? Eines Tages trifft Juno auf Benu, der ihre Behauptungen ebenso durchschaut wie sie seine. Und trotz der Entfernung zwischen ihnen entsteht eine Verbindung. (Verlagsbeschreibung)

DNB / argon hörbuch / 2024 / ISBN: 978-3-8398-2173-2 / 309 Minuten
 
Kurzmeinung: Selten so etwas Langweiliges gehört - zermürbender Alltag gepaart mit Internetfluchten und mythologischen Anleihen. Buchpreisgewinner 2024.

 

Mittwoch, 21. August 2024

Deutscher Buchpreis 2024 - von der Longlist bis zum Gewinner

 

 

Gestern wurden die Titel für den diesjährigen Deutschen Buchpreis nominiert - wieder 20 Stück an der Zahl. Da lohnt es sich doch, mal wieder einen Blick zu riskieren:

 

Sonntag, 21. Juli 2024

Schachinger, Tonio: Echtzeitalter

 

Auf den ersten Blick ist es die Kulisse für ein großes Abenteuer: das traditionsreiche Internat mitten in Wien, umgeben von einem Park mit Hügeln, Sportplätzen und einer historischen Grotte. Aber Till kann weder mit dem Lehrstoff noch mit dem snobistischen Umfeld viel anfangen. Seine Leidenschaft sind Computerspiele, konkret: das Echtzeit-Strategiespiel Age of Empires 2. Ohne dass jemand aus seiner Umgebung davon wüsste, ist er mit fünfzehn eine Online-Berühmtheit, der jüngste Top-10-Spieler der Welt. Nur: Wie real ist so ein Glück? (Verlagsbeschreibung)

DNB / rowohlt / 2023 / ISBN 978-3-498-00317-3 / 368 Seiten








Der Gewinner des Deutschen Buchpreises 2023 - gerade noch rechtzeitig gelesen, bevor die Kandidaten für den diesjährigen Buchpreis bekannt gegeben werden (dieses Jahr am 20. August).  Die Begründung der Jury für den Preisträger lautete: "Auf den ersten Blick ist Tonio Schachingers „Echtzeitalter“ ein Schulroman. Auf den zweiten viel mehr als das: ein Gesellschaftsroman, der das Aufwachsen seines Helden Till an einer Wiener Eliteeinrichtung beschreibt, an der die künftigen Leistungsträger*innen mit reaktionärem Drill und bildungsbürgerlichen Idealen aufs Leben vorbereitet werden. Aus dieser repressiven Umgebung, verkörpert durch den mephistophelischen Lehrer Dolinar, flüchtet sich Till in die Welt des Gaming. Mit feinsinniger Ironie spiegelt Schachinger die politischen und sozialen Verhältnisse der Gegenwart: Aus gebildeten Zöglingen spricht die rohe Gewalt. Die Welt der Computerspiele bietet einen Ort der Fantasie und Freiheit. Auf erzählerisch herausragende und zeitgemäße Weise verhandelt der Text die Frage nach dem gesellschaftlichen Ort der Literatur." Wie es mir mit dem Roman erging, könnt Ihr hier nachlesen:

 

Mittwoch, 1. Mai 2024

Stichmann, Andreas: Eine Liebe in Pjöngjang

 

An der Spitze einer Delegation junger Kulturschaffender reist Claudia Aebischer ein letztes Mal nach Pjöngjang: zur feierlichen Eröffnung der dortigen Deutschen Bibliothek. Starke Empfindungen sind ihr eigentlich fremd. Doch schon kurz hinter der chinesischen Grenze sieht sie sich mit einer Erscheinung konfrontiert, die eine alte Sehnsucht in ihr weckt. Eine Begegnung, die alles neu und anders macht – gibt es das? Das Phänomen hat, wie Claudia erfährt, einen Namen. Sunmi ist Germanistin, Dolmetscherin und Agentin der DVRK. 

Von seiner Reise nach Nordkorea 2017 brachte Andreas Stichmann keine literarische Reportage und kein erzählendes Sachbuch heim, sondern die Idee zu einem Roman. «Eine Liebe in Pjöngjang» ist mehr als das, es ist ein Abenteuer. Die unwahrscheinliche Geschichte einer Liebe zwischen zwei ungleichen Frauen, zwei Lebensaltern, zwei Kulturen. Ein Buch, das sich das Fremde anverwandelt wie jemand, der sich verliebt: schlagartig, voller Hingabe, geblendet vom Leuchten der eigenen Projektionen. (Verlagsbeschreibung)

 
DNB / rowohlt / 2022 / ISBN 978-3-498-00293-0 / 160 Seiten
 



2022 stand dieser Roman auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Jetzt bin ich endlich dazu gekommen, ihn zu lesen. Nordkorea - dort war ich bisher noch nie, in Südkorea dagegen schon einige Male. Lesetechnisch, meine ich, in der Realität natürlich weder noch. Daher war ich gespannt, etwas über die Lebensverhältnisse in dem totalitären Staat zu erfahren. Ob meine Erwartungen erfüllt wurden? Lest selbst:
 
 

Samstag, 4. November 2023

Fischer, Elena: Paradise Garden

Die 14-jährige Billie verbringt die meiste Zeit in ihrer Hochhaussiedlung. Am Monatsende reicht das Geld nur für Nudeln mit Ketchup, doch ihre Mutter Marika bringt mit Fantasie und einem großen Herzen Billies Welt zum Leuchten. Dann reist unerwünscht die Großmutter aus Ungarn an, und Billie verliert viel mehr als nur den bunten Alltag mit ihrer Mutter. Als sie Marika keine Fragen mehr stellen kann, fährt Billie im alten Nissan allein los – sie muss den ihr unbekannten Vater finden und herausbekommen, warum sie so oft vom Meer träumt, obwohl sie noch nie da war. (Verlagsbeschreibung)
 
 
DNB / Diogenes Verlag/ 2023 / ISBN 978-3-257-07250-1 / 352 Seiten
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wieder ein Roman von der Longlist des diesjährigen Buchpreises - und erneut ein Rezensionsexemplar, das mich über NetGalley erreichte, wofür ich mich auch diesmal herzlich bedanken möchte! Dieser Roman ist ein Debüt und inosfern schon beachtenswert, eben aufgrund o.g. Nominierung. Dass er letztlich nicht auf der Shortlist landete, liegt sicher zum einen an der guten Lesbarkeit (mein Eindruck!) - aber womöglich auch an anderen Details. Jedenfalls könnt Ihr hier nachlesen, wie mir die Lektüre gefiel:
 
 

Mittwoch, 18. Oktober 2023

Schenk, Sylvie: Maman

Eine Annäherung an die eigene Mutter und eine schmerzhafte Abrechnung: 1916 wird Sylvie Schenks Mutter geboren, die Großmutter stirbt bei der Geburt. Angeblich war diese eine Seidenarbeiterin, wie schon die Urgroßmutter. Aber stimmt das? Und welche Geschichte wird den Nachkommenden mit auf den Weg gegeben? Als Kind leidet Sylvie Schenk unter dieser Unklarheit, als Schriftstellerin ist sie deshalb noch immer von großer Unruhe geprägt. Mit poetischer Präzision spürt sie den Fragen nach, die die eigene Familiengeschichte offenlässt. „Maman“ ist waghalsiges Unterfangen und explosive Literatur zugleich. (Verlagsbeschreibung)
 
 
DNB / Hanser Literaturverlage/ 2023 / ISBN 978-3446276239 / 176 Seiten
 
 
 
 
 
 
 
 
Einer der Vorteile bei NetGalley ist es, dass dort die Möglichkeit besteht, sämtliche Titel des Deutschen Buchpreises sowie des Österreichischen Buchpreises von der Longlist an anzufragen. Man muss es dann nur noch schaffen, die gewährten Titel auch zu lesen. "Maman" ist solch ein Roman. Die Autorin webt hier ein schemenhaftes Bild einer zu Lebzeiten oft unzugänglichen Frau - ihrer eigenen Mutter... Der Roman hat den Deutschen Buchpreis nicht gewonnen - dafür hat er mir aber gefallen. Weshalb? Lest selbst:
 

Montag, 9. Oktober 2023

Öziri, Necati: Vatermal (Hörbuch)

Arda weiß nicht, wie viel Zeit ihm noch bleibt. Er liegt mit Organversagen im Krankenhaus seiner Heimatstadt im Ruhrgebiet;  an seinem Bett sitzen abwechselnd seine Mutter Ümran und seine Schwester Aylin. Seit zehn Jahren haben die beiden kein Wort miteinander gesprochen. Zum Abschied wendet er sich an seinen Vater, den er nie kennengelernt hat. Arda erzählt dem Unbekannten von Geburtstagen im Ausländeramt und vom letzten Sommer auf dem Bahnhofsplatz, bevor alle seine Freunde verschwinden: Bojan wird abgeschoben. Danny wird zu früh Vater. Savaș geht zurück in die Türkei, nachdem er seine Mutter verliert. Aber Arda erzählt auch von Schwester und Mutter: von Aylin, die von zuhause wegrennt. Und von Ümran, die sich ihr Leben ganz sicher anders vorgestellt hat. Necati Öziri schreibt eine Familiengeschichte über einen Sohn, eine Mutter und eine Schwester, deren Leben und Körper gezeichnet sind von sozialen und politischen Umständen. Ein Roman von radikaler Wahrheit, Wut, Kraft, Liebe und Sehnsucht – und das dringlichste Debüt des Jahres. (Verlagsbeschreibung)


DNB / Hörbuch Hamburg / 2023 / ISBN: 978-3-8449-3623-0 / 384 Minuten

 

 

 

Erst nach einigem Zögern habe ich zu diesem Hörbuch gegriffen. Von den Titeln auf der diesjährigen Longlist des Deutschen Buchpreises sprach mich "Vatermal" nicht wirklich an. Ich wollte eigentlich keine weitere Geschichte lesen oder hören, in der sich ein Sohn oder eine Tochter mit einem seiner Elternteile auseinandersetzt. Nun ist "Vatermal" auf der Shortlist gelandet, befindet sich also unter den sechs Titeln, die noch die Chance haben, den diesjährigen Buchpreis zu gewinnen (Preisverleihung: 16.10.). Daher habe ich mich für die Hörbuchvariante entschieden, weil mein Lesestapel für diesen Monat bereits so hoch ist, dass ich das Buch wohl nicht mehr hätte dazwischen schieben können. Ob sich das Hörbuch jetzt gelohnt hat? Lest selbst:


Montag, 2. Oktober 2023

Präauer, Teresa: Kochen im falschen Jahrhundert

Der Roman eines Abends und einer Einladung zum Essen. Voll mit Rezepten für ein gelungenes Leben und einen misslingenden Abend, der immer wieder neu ansetzt, schlau, witzig, heiter, gleichzeitig begleitet von den unterschwelligen oder ganz offen artikulierten Aggressionen der Beteiligten. In ihren Gesprächen verhandeln sie die ganz großen und kleinen Themen, von den ›Foodporn‹-Bildern im Internet über Kochen, Einkaufen und Wohnen als soziale Praktiken. Zunehmend wird der Abend komischer, tragischer, erotischer – dabei werden einzelne ›heutige‹ Begriffe diskutiert, während die Gastgeberin keine besonders talentierte Gastgeberin ist und sich immer wieder ins falsche Jahrhundert versetzt fühlt. Nebenbei wird in Anekdoten eine Geschichte der Waren, Speisen und des Kochens erzählt. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Wallstein Verlag / 2023 / ISBN:978-3-8353-5429-6 / 198 Seiten

 

 

 

 

 

Nachdem Uwe vor Kurzem mit "Gittersee" von Charlotte Gneuß hier im Blog den ersten Roman von der Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises vorgestellt hat, lege ich nun nach mit diesem Roman, der nicht nur auf selbiger Longlist zu finden ist, sondern gleich auch auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises. Bei letzterer besteht noch die Möglichkeit, dass das "Kochen im falschen Jahrhundert" es auch auf die Shortlist schafft (Bekanntgabe: 10.10.). Man darf gespannt sein. Hier reizten mich sowohl der schräge Titel des Buches als auch der Klappentext, und freundlicherweise stellte mir der Verlag über NetGalley ein Leseexemplar zur Verfügung. Dafür meinen herzlichen Dank! Wie mir der Roman nun gefallen hat, könnt Ihr hier nachlesen:

Dienstag, 26. September 2023

Gneuß, Charlotte: Gittersee

Die Geschichte: 1976. Dresden – Zschertnitz.. Wohnorts unserer Familie. Am Ende des Jahres werde ich dreizehn Jahre alt sein. Ein Schuljunge, der zweimal in der Woche zum Fechttraining geht und im Schulchor singt. Siebente Klasse. 

Siebenundvierzig Jahre später wird Charlotte Gneuß im Fischer-Verlag einen Roman herausbringen. Gittersee. Nicht weit weg gelegen von Zschertnitz. Auf der Höhe im Süden Dresdens, bekannt durch einen berühmten Bergbaubetrieb, die Wismut AG. Heldin des Romans ist die 16jährige Karin, die dort im Haus der Oma mit ihren desillusionierten Eltern und der kleinen geliebten Schwester lebt. Karin geht in eine ganz normale Schule, eine polytechnische Oberschule. Karin lebt zwischen Familie und den Schulfreundinnen, viel los scheint da nicht zu sein, wenigstens ist da Paul , den sie liebt.

Eines Tages möchte er sie mit auf einen Ausflug nehmen, einen Ausflug ohne Wiederkehr. Doch Karin erscheint nicht am Treffpunkt und dann ist Paul weg, auch dessen Freund Rühle weiß nicht viel davon. Als zwei Mitarbeiter der Stasi, des Ministeriums für Staatssicherheit, auftauchen, und Karin mitnehmen, ein paar Stunden festsetzen und befragen, wird schnell klar, es geht um den § 213 des Strafgesetzbuches der DDR. Der beinhaltet den „ungesetzlichen Grenzübertritt“ kurz „Republikflucht“ genannt. Wo ist dieser Paul?

Karin steht unter dem Verdacht der Mitwisserschaft, da hat es ein gewisser Wickwalz nicht übermäßig schwer, sie eine „Verpflichtungserklärung“ unterschreiben zu lassen. Und Karin erzählt. Zum Beispiel über Marie, ihre Freundin, die in letzter Zeit so viel mit Marlene rumhängt und tuschelt...

Marie hat einen Vater, aber das soll keiner wissen, denn der lebt im Westen. Marie bittet ihn, dort nach Paul zu forschen...

Mittwoch, 23. August 2023

Deutscher Buchpreis 2023 - von der Longlist bis zum Gewinner

 

 

 

Gestern wurden die Titel für den diesjährigen Deutschen Buchpreis nominiert - wieder 20 Stück an der Zahl. Da lohnt es sich doch, mal wieder einen Blick zu riskieren:

 

Dienstag, 17. Januar 2023

Leupold, Dagmar: Dagegen die Elefanten!

Herr Harald ist der Mann in der Garderobe. Er gehört zum Theater wie der Vorhang, aber niemand kommt seinetwegen, das Rampenlicht ist für andere. Er nimmt den Menschen die Mäntel ab, die Taschen, was immer sie ihm anvertrauen, um für kurze Zeit unbeschwert zu sein, und wartet bis zum Schlussapplaus, das ist sein Einsatz. Doch eines Abends bleibt ein Mantel zurück, und in dem Mantel findet sich eine Pistole. Herr Harald trägt sie nach Hause, nur: Was will er damit tun? Er kann sich schlecht gegen alles zur Wehr setzen, was ihm an der Welt und den Mitmenschen als Zumutung erscheint. Aber vielleicht kann er ihre Aufmerksamkeit auf jemanden lenken, der wie er ein Schattendasein führt: die Frau, die für einen anderen die Noten umblättert und die er aus der Ferne verehrt.

Der tragische wie komische Protagonist dieser hinreißend erzählten Geschichte ist ein Held des Alltags, ein Mann in Dienstkleidung, einer, dem es niemand dankt. Und gäbe es die Literatur nicht – und Autorinnen wie Dagmar Leupold –, wie sollten wir wissen, was für ein Reichtum an Gedanken und Gefühlen, wie viel waches Leben und wehe Sehnsucht sich dahinter verbirgt.
(Klappentext)

DNB / Jung und Jung / 2022 / ISBN: 978-3-99027-262-6 / 272 Seiten 

nominiert für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2022

 

Montag, 5. Dezember 2022

Inokai, Yael: Ein simpler Eingriff (Hörbuch)

Meret ist Krankenschwester. Die Klinik ist ihr Zuhause, ihre Uniform trägt sie mit Stolz, schließlich kennt die Menschen in ihrem Leiden niemand so gut wie sie. Bis eines Tages ein neuartiger Eingriff entwickelt wird, der vor allem Frauen von psychischen Leiden befreien soll. Die Nachwirkungen des Eingriffs können schmerzhaft sein, aber danach fängt die Heilung an. Daran hält Meret fest, auch wenn ihr langsam erste Zweifel kommen. (Klappentext)

 

 

 

 

Im August stellte ich hier im Blog die Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises vor, längst ist bereits der Preisträger bekannt gegeben worden. "Ein simpler Eingriff" hat es allerdings nicht auf die Shortlist geschafft, doch gehört habe ich es trotzdem. So viel sei schon einmal verraten: es hat mich nicht verblüfft, dass der Roman für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde, anders als beispielsweise bei "Ein Sommer in Niendorf" von Heinz Strunk. Wie mir der Roman letztlich gefallen hat, könnt Ihr hier nachlesen:

Montag, 24. Oktober 2022

Strunk, Heinz: Ein Sommer in Niendorf

Ein bürgerlicher Held, ein Jurist und Schriftsteller namens Roth, begibt sich für eine längere Auszeit nach Niendorf: Er will ein wichtiges Buch schreiben, eine Abrechnung mit seiner Familie. Am mit Bedacht gewählten Ort – im kleinbürgerlichen Ostseebad wird er seinesgleichen nicht so leicht über den Weg laufen – gerät er aber bald in die Fänge eines trotz seiner penetranten Banalität dämonischen Geists: ein Strandkorbverleiher, der Mann ist außerdem Besitzer des örtlichen Spirituosengeschäfts. Aus Befremden und Belästigtsein wird nach und nach Zufallsgemeinschaft und irgendwann Notwendigkeit. Als Dritte stößt die Freundin des Schnapshändlers hinzu, in jeder Hinsicht eine Nicht-Traumfrau – eigentlich. Und am Ende dieser Sommergeschichte ist Roth seiner alten Welt komplett abhandengekommen, ist er ein ganz anderer… (Klappentext)








Im August stellte ich hier im Blog die Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises vor, nun ist bereits der Preisträger bekannt gegeben worden. "Ein Sommer in Niendorf" hat es allerdings nicht auf die Shortlist geschafft, doch gelesen habe ich es trotzdem. Rezensionen zu seinen anderen Büchern hatten mich schon vorgewarnt: Strunk ist derb. Überraschen sollte es mich daher nicht, dass er da auch diesmal keine Ausnahme gemacht hat. Wie ich letztlich mit dem Roman zurecht kam, könnt Ihr gerne hier nachlesen:

Sonntag, 16. Oktober 2022

Nickel, Eckhart: Spitzweg

Als zufriedener Kunstbanause offenbart sich der Erzähler zu Beginn und berichtet davon, wie Carl, bewunderter Freund, ihn mit seiner Spitzweg-Begeisterung vom Gegenteil überzeugt. In der Mitte des Geschehens: eine Dreiecksbeziehung, ein hochbegabtes Mädchen und der verräterische Diebstahl eines Gemäldes. Durch raffinierte Rachepläne wird die Schülerfreundschaft auf ihre schwerste Probe gestellt. Eckhart Nickel erzählt wie in „Hysteria“ die Geschichte einer Obsession: War darin von der Natur nur noch künstliche Reproduktion übrig, wird nun die Kunst zur zweiten Natur des Menschen. Eine raffinierte Kritik an der Bildvergötterung der sozial verwahrlosten Digitalgesellschaft und ihrer allmächtigen Instagrammatik. (Klappentext)












Im August stellte ich hier im Blog die Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises vor, morgen schon wird der Preisträger bekanntgegeben. Von der Shortlist habe ich bereits einige Bücher gelesen und hier im Blog vorgestellt (Dschinns, Nebenan und Lügen über meine Mutter), dies ist nun der vierte Roman  der Liste - einen herzlichen Dank dafür wieder einmal an NetGalley! Den fünften Roman (Blutbuch) stelle ich demnächst vor, das gelingt kaum noch vor der Preisverleihung. Nur den sechsten (Trottel) werde ich nicht lesen, selbst wenn er den Preis gewinnen sollte, da regen sich schon bei der Leseprobe Widerstände in mir, und die bisherigen Rezensionen zum Buch scheinen mir da Recht zu geben. Doch nun soll es um "Spitzweg" gehen: in jedem Fall kann man ihm schon einmal das Prädikat "ausßergewöhnlich" attestieren. Mehr dazu könnt Ihr hier lesen: 

Samstag, 1. Oktober 2022

Dröscher, Daniela: Lügen über meine Mutter (Hörbuch)

Daniela Dröscher erzählt vom Aufwachsen in einer Familie, in der ein Thema alles beherrscht: das Körpergewicht der Mutter. Ist diese schöne, eigenwillige, unberechenbare Frau zu dick? Muss sie dringend abnehmen? Ja, das muss sie. Entscheidet ihr Ehemann. Und die Mutter ist dem ausgesetzt, Tag für Tag.

Lügen über meine Mutter ist zweierlei zugleich: die Erzählung einer Kindheit im Hunsrück der 1980er, die immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Und es ist eine Befragung des Geschehens aus der heutigen Perspektive: Was ist damals wirklich passiert? Was wurde verheimlicht, worüber wurde gelogen? Und was sagt uns das alles über den größeren Zusammenhang: die Gesellschaft, die ständig auf uns einwirkt, ob wir wollen oder nicht? (Klappentext)


Im August stellte ich hier im Blog die Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises vor und merkte an, dass ich doch bedauerte, aus Zeitgründen die Leserunde zu "Lügen über meine Mutter" ausgelassen zu haben. Aber wofür gibt es denn Hörbücher? Freundlicherweise stellte mir NetGalley ein kostenloses Exemplar zur Verfügung. Wie sich herausstellte, ist dieser Titel nun auch auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises gelandet, und damit habe ich nun bereits die Hälfte der sechs Titel auf der Liste gelesen bzw. gehört. Verrückt - das hatte ich bisher noch nie! An einem vierten Buch der Liste lese ich gerade, das fünfte steht in den Startlöchern. Nur das sechste reizt mich so überhaupt gar nicht. Sollen wir wetten, welches gewinnt? Den Preisträger habe ich bisher jedenfalls noch nie gelesen. Doch nun zu dem empörenden und beklemmenden Familienleben der kleinen Ela:

Dienstag, 23. August 2022

Deutscher Buchpreis 2022 - Longlist

 





Heute wurden die Titel für den diesjährigen Deutschen Buchpreis nominiert - wieder 20 Stück an der Zahl. Da lohnt es sich doch, mal wieder einen Blick zu riskieren:

 

 



Mittwoch, 3. August 2022

Bilkau, Kristine: Nebenan

Ein kleiner Ort am Nord-Ostsee-Kanal, zwischen Natur, Kreisstadt und Industrie, kurz nach dem Jahreswechsel. Mitten aus dem Alltag heraus verschwindet eine Familie spurlos. Das verlassene Haus wird zum gedanklichen Zentrum der Nachbarn: Julia, Ende dreißig, die sich vergeblich ein Kind wünscht, die mit ihrem Freund erst vor Kurzem aus der Großstadt hergezogen ist und einen kleinen Keramikladen mit Online-Shop betreibt. Astrid, Anfang sechzig, die seit Jahrzehnten eine Praxis in der nahen Kreisstadt führt und sich um die alt gewordene Tante sorgt. Und dann ist da das mysteriöse Kind, das im Garten der verschwundenen Familie auftaucht. Sie alle kreisen wie Fremde umeinander, scheinbar unbemerkt von den Nächsten, sie wollen Verbundenheit und ziehen sich doch ins Private zurück. Und sie alle haben Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste. Ihre Wege kreuzen sich, ihre Geschichten verbinden sich miteinander, denn sie suchen, wonach wir alle uns sehnen: Geborgenheit, Zugehörigkeit und Vertrautheit. (Klappentext)







Diesen Roman erhielt ich freundlicherweise als Rezensionsexemplar durch das Bloggerportal, wofür ich mich ganz herzlich bedanke! Dies hat natürlich keinerlei Einfluss auf die Bewertung des Gelesenen - und doch möchte ich hier vorab schon einmal kundtun, dass dieser Roman für mich ein Jahreshighlight war. Noch Wochen nach dem Lesen beschäftigt mich die Erzählung, und ich habe lange gebraucht, um mich an die Rezension zu wagen. Doch hier ist sie nun:

Freitag, 24. Juni 2022

Wolff, Iris: Die Unschärfe der Welt

Iris Wolff erzählt die bewegte Geschichte einer Familie aus dem Banat, deren Bande so eng geknüpft sind, dass sie selbst über Grenzen hinweg nicht zerreißen. Ein Roman über Menschen aus vier Generationen, der auf berückend poetische Weise Verlust und Neuanfang miteinander in Beziehung setzt.
Hätten Florentine und Hannes den beiden jungen Reisenden auch dann ihre Tür geöffnet, wenn sie geahnt hätten, welche Rolle der Besuch aus der DDR im Leben der Banater Familie noch spielen wird? Hätte Samuel seinem besten Freund Oz auch dann rückhaltlos beigestanden, wenn er das Ausmaß seiner Entscheidung überblickt hätte? In »Die Unschärfe der Welt« verbinden sich die Lebenswege von sieben Personen, sieben Wahlverwandten, die sich trotz Schicksalsschlägen und räumlichen Distanzen unaufhörlich aufeinander zubewegen. So entsteht vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks und der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts ein großer Roman über Freundschaft und das, was wir bereit sind, für das Glück eines anderen aufzugeben. Kunstvoll und höchst präzise lotet Iris Wolff die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache und Erinnerung aus – und von jenen Bildern, die sich andere von uns machen.  
 
 
 
 
  • Herausgeber ‏ : ‎ Klett-Cotta; 14. Druckaufl. 2021 Edition (15. August 2020)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 216 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3608983260
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3608983265
 
 
 
 
 
Da ich gestern verblüfft feststellen musste, dass es die Rezension zu dem Roman bisher nicht in den Blog geschafft hat - warum auch immer?! - hole ich dies hiermit gleich nach, bevor es wieder in Vergessenheit gerät. Dies war das erste Buch, das ich über NetGalley lesen durfte, worüber ich mich immer noch sehr freue. 2020 war das, und in dem Jahr wurde der Roman auch u.a. für den Deutschen Buchpreis nominiert. Doch nun soll es endlich um den Roman selbst gehen, der für mich in dem Jahr definitiv zu den Jahreshighlights gehörte!