2019. Eine Berliner Yogalehrerin, die noch nie in Indien war. Ihr
liebevoller Vater, der in der Vergangenheit hängt. Und ihre Mutter, die
spurlos verschwindet. Lucy und ihr Vater Lou gehen auf die Suche, zurück
an den Ort, wo alles begann. --- 1968. Zwei Brüder und zwei Frauen
fahren auf dem Hippie-Trail nach Indien. In Rishikesh am Fuß des
Himalayas treffen sie ihre Idole, die Beatles. Und den Pop-Guru
Maharishi. Sie haben die beste Zeit ihres Lebens. Aber nur zwei von
ihnen kehren zurück. Lou hat etwas Unverzeihliches getan. Und Corinna
ist schwanger. Als ihre Tochter geboren wird, schwören sie, ihr
Geheimnis niemandem zu verraten. (Verlagsbeschreibung)
Was mich bei diesem Roman vor allem reizte, war die Reise in die Vergangenheit - und mit ihr die Begegnung mit den Beatles. Kaum ein Song, den ich nicht kenne, und die meisten davon mag ich sehr. Auch wenn ich sie nie live gesehen habe, kann ich wohl sagen: ich bin ein Fan der Beatles. Natürlich geht es hier nicht in erster Linie um die britische Beat-, Rock- und Pop-Band, und ich war daher gespannt, ob mir die eigentliche Geschichte, die hier erzählt wird, auch gefallen würde. Lest selbst:
Die 14-jährige Billie verbringt die meiste Zeit in ihrer
Hochhaussiedlung. Am Monatsende reicht das Geld nur für Nudeln mit
Ketchup, doch ihre Mutter Marika bringt mit Fantasie und einem großen
Herzen Billies Welt zum Leuchten. Dann reist unerwünscht die Großmutter
aus Ungarn an, und Billie verliert viel mehr als nur den bunten Alltag
mit ihrer Mutter. Als sie Marika keine Fragen mehr stellen kann, fährt
Billie im alten Nissan allein los – sie muss den ihr unbekannten Vater
finden und herausbekommen, warum sie so oft vom Meer träumt, obwohl sie
noch nie da war. (Verlagsbeschreibung)
Wieder ein Roman von der Longlist des diesjährigen Buchpreises - und erneut ein Rezensionsexemplar, das mich über NetGalley erreichte, wofür ich mich auch diesmal herzlich bedanken möchte! Dieser Roman ist ein Debüt und inosfern schon beachtenswert, eben aufgrund o.g. Nominierung. Dass er letztlich nicht auf der Shortlist landete, liegt sicher zum einen an der guten Lesbarkeit (mein Eindruck!) - aber womöglich auch an anderen Details. Jedenfalls könnt Ihr hier nachlesen, wie mir die Lektüre gefiel:
Im Juni 1954 wird der achtzehnjährige Emmett aus dem Gefängnis
entlassen. Zuhause in Nebraska wartet sein kleiner Bruder Billy auf ihn.
Nach dem Tod des Vaters möchten sie einen Neuanfang in Kalifornien
wagen, wo sie ihre verschwundene Mutter vermuten. Alles ist bereit für
die Fahrt mit dem 48 Studebaker, doch plötzlich tauchen zwei Freunde aus
dem Gefängnis auf. Sie haben allerdings ein anderes Ziel, New York
City. So beginnt eine Reise mit den witzigsten und unglaublichsten
Begegnungen – Clowns, Landstreicher, arbeitslose Schauspieler, Bettler
und besonders gefährliche Pastoren. ‚Lincoln Highway‘ erzählt die
ergreifende Odyssee von vier vaterlosen Jungen entlang der ersten
Autobahn Amerikas. (Klappentext)
Diesen Roman durfte ich im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks lesen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Von Armor Towles hatte ich bisher noch nichts gelesen, doch nach diesem Roadtrip bin ich nun v.a. auch auf seinen Roman „Ein Gentleman in Moskau“ sehr neugierig. Ich hoffe, bald berichten zu können. Doch jetzt soll es endlich um „Lincoln Highway“ gehen, eine ruhige Erzählung mit wechselnden Perspektiven, die bei mir Staunen, Empören, Kopfschütteln und Lachen hervorgerufen hat. Mehr dazu könnt Ihr hier lesen:
Als Onkel Willi stirbt, stehen der Drittel-Life-Crisis geplagte Lorenz
und seine drei Tanten vor einer Herausforderung. Willi wollte immer in
seinem Geburtsland Montenegro begraben werden. Doch da für eine
regelkonforme Überführung der Leiche das Geld fehlt, begibt man sich
kurzerhand auf eine illegale Fahrt im Fiat Panda von Wien bis auf den
Balkan. Auf der Reise finden die abenteuerlichen Geschichten der Familie
Prischinger auf kunstvolle Weise zueinander. Mirl, die älteste
Schwester, musste nach dem Krieg früh Verantwortung übernehmen und
wollte nur weg vom Land. Wetti interessierte sich bereits als Kind mehr
für Tiere als für Menschen. Und Hedi zerbrach fast an einem
Schicksalsschlag, kurz bevor sie Willi traf. Doch stets waren die drei
Schwestern füreinander da. (Klappentext)
Herausgeber
: Argon Verlag; 1. Edition (27. März 2019)
Sprache
:
Deutsch
Sprecher : Cornelius Obonya
Ausgabe : Ungekürzte Ausgabe, 13 Stunden und 39 Minuten
ISBN-10 : 3839817188
ISBN-13
:
978-3839817186
Immer wieder gibt es sie, die (Hör-)Bücher, die schreien: ich will unbedingt zu dir! Und die dann nach zufriedenstellendem Kauf doch immer wieder auf dem SuB herunterrutschen, bis sie womöglich ein wenig in Vergessenheit geraten. Mit diesem Hörbuch ging es mir defintiv so, wie ich zu meiner Schande gestehen muss. Doch im Rahmen einer Challenge passte der Titel einfach zu gut, so dass ich nun endlich zugriff. Wie mir der Roman letztlich gefallen hat, könnt Ihr hier nachlesen:
An einem heißen Sommertag treffen fünf Menschen aus
unterschiedlichen Gründen in einem Hotel ein. Jakob ist mit einem Fisch
ans Meer unterwegs, Sonja und Richard hatten eine Autopanne, Jen wartet
vergeblich auf ihren Liebhaber, und Alfred wurde mit seinem Hund Judy
von seiner Tochter vor dem Hotel ausgesetzt. Weil nur einer von ihnen
ein Auto zur Verfügung hat, schließen sich diese Menschen zu einer
Schicksalsgemeinschaft zusammen, und gemeinsam fahren sie an die See,
verbunden durch den Umstand, dass jeder von ihnen noch eine Sache im
Leben zu klären hat. (Klappentext)
Herausgeber
:
epubli; 2. Edition (8. August 2019)
Sprache
:
Deutsch
Taschenbuch
:
239 Seiten
ISBN-10
:
374857956X
ISBN-13
:
978-3748579564
Dass man abseits des großen Mainstreams und der bekannten Verlage auch auf Perlen stoßen kann, haben wir im Blog wohl schon mehrfach unter Beweis gestellt. Bei Lovelybooks durfte ich nun diesen Roman der mir bislang noch unbekannten Autorin im Rahmen einer kleinen Leserunde lesen, wofür ich mich auch an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken möchte. Ob sich auch dieser Roman als Perle herausstellte? Lest selbst:
Ihr älterer Bruder Kolja ist Nellies Ein und Alles. Gemeinsam
trotzen sie der ganzen Welt – zumindest war das einmal so. Jetzt aber
ist Kolja nach Frankreich abgehauen, und Nellie beschließt, dass sie was
unternehmen muss. Sie macht sich auf, um ihren Bruder nach Hause zu
holen. Unterwegs trifft sie die zauberhafte Miss Wedlock, die neben
geheimnisvollen Plastiktüten auch noch eine traumatische Vergangenheit
mit sich herumschleppt, und den ganz und gar hinreißenden Elias. In Miss
Wedlocks pfefferminzgrünem Oldtimer düsen sie nach Avignon, wo sie
nicht nur auf einen störrischen Kolja, sondern auch auf eine ganze Horde
Drogendealer stoßen… (Klappentext)
Herausgeber
:
Magellan (21. Juli 2014)
Sprache
:
Deutsch
Gebundene Ausgabe
:
272 Seiten
ISBN-10
:
3734850045
ISBN-13
:
978-3734850042
Lesealter
:
13 - 16 Jahre
Seit 2015 ziert dieses Buch mein Regal, zugelegt nach meiner begeisterten Lektüre von "Die Quersumme von Liebe". Leider dauert es manchmal etwas, bis Vorhaben in die Tat umgesetzt werden, doch endlich griff ich neugierig auch zu diesem Jugendbuch-Debüt von Katrin Zipse. Ob es mich genauso umgehauen hat wie o.g. Roman, könnt Ihr gerne hier nachlesen:
Hella, 69, will sterben. In der Schweiz, in einem Krankenhaus. Also
macht sie sich auf den Weg. Diese letzte Fahrt wird ihr alter Passat
schon noch schaffen. Doch kaum auf der Autobahn, fällt etwas Schweres
auf die Motorhaube ihres Wagens. Juli, 15, wollte sich von der
Autobahnbrücke in den Tod stürzen. Jetzt ist sie nur leicht verletzt –
und steigt zu Hella ins Auto. Zwei Frauen mit dem Wunsch zu sterben –
doch wollen sie zusammen noch, was ihnen einzeln als letzte Möglichkeit
erschien? Tieftraurig, elegant und lakonisch erzählt Ronja von Rönne von
zwei Frauen, denen der Tod als letzter Ausweg erscheint: ein
unvorhersehbares, dramatisches, unangemessen komisches Lesevergnügen.
Eine Leserunde bei Lovelybooks lockte - da konnte ich angesichts des Klappentextes einfach nicht nein sagen. Die Leserunde war dann auch in der Tat sehr interessant, denn dieser Roman von Ronja von Rönne entpuppte sich als polarisierend. Dementsprechend unterschiedlich waren die Meinungen zum Buch, die Interpretationen des Gelesenen und die Wertungen. Wie der Roman bei mir ankam? Lest selbst:
Nach dem Tod seiner Mutter entdeckt Edvard ein Sparbuch auf seinen
Namen. Ein kleines Vermögen hat sich angesammelt. Warum hat seine Mutter
ihm das Sparbuch verschwiegen? Steckt vielleicht sein vor 50 Jahren
verschwundener Vater dahinter? Jetzt will Edvard die Wahrheit wissen und
eine erste Spur führt ihn zu einer Bank in Oslo. Auf der Überfahrt
lernt er die junge Berliner Journalistin Alva kennen. Auch sie ist auf
der Suche – nach sich selbst.
Eine Reise durch Fjorde, Gebirge, einsame Hochebenen und magische Orte beginnt, die beide für immer verändert.
Herausgeber
:
Pendragon (14. August 2019)
Sprache
:
Deutsch
Gebundene Ausgabe
:
280 Seiten
ISBN-10
:
3865326552
ISBN-13
:
978-3865326553
Gelesen habe ich diesen Roman im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin - mit Autorenbeteiligung. Das kann sehr bereichernd sein, zuweilen aber auch anstrengend, wenn dem Leser beispielsweise der Roman nicht zusagt und alle unangenehm berührt umeinander herumeiern. So viel sei schon einmal verraten: hier wurde es nicht unangenehm. Der Autor ging freundlich auf Fragen und Anmerkungen ein, und tatsächlich gefiel mir der Roman mit jeder Zeile besser. Mit der Melancholie als Grundtenor muss man klarkommen, aber die Richtung, in die sich die Erzählung entwickelte, empfand ich als tröstlich.
Das ist die Geschichte von Novelle, Rofu, Mimi und von mir. Rofu hat nur
ein Ohr und ist über das Meer gekommen. Aus Afrika. Mimi ist
Engländerin. Sie hat ihren Mann umgebracht, nun versteckt sie sich unter
Perücken und hinter dunklen Brillen. Novelle ist noch sehr jung. Sie
liebt Mangas und die Sauferei. Manchmal fährt sie einfach aus der Haut
oder sie hört Stimmen. Den komischen Namen hat sie von ihrer Mutter. Als
unsere Geschichte damals losging, wusste ich das alles noch nicht. Ich,
ich heiße Ante, aber alle nennen mich Dante. Wegen des Infernos. Ich
bin, genau wie die anderen, auch auf der Flucht. Ich glaube, vor mir selbst.
Alles fing damit an, dass zwei Polizisten wegen Mimi in dem Hotel, in
dem wir gearbeitet hatten, auftauchten. Ich könnte jetzt noch erzählen,
wie Novelle verschwunden und wieder aufgetaucht ist, was wir in Berlin
getrieben haben oder wie wir Erleuchtung beim Pilgern nach Altötting
erlangten. Aber darum geht es in der Geschichte ja eigentlich gar nicht.
Es geht nämlich darum, dass wenn wir schon vor irgendwem oder
irgendetwas fliehen, wir uns besser nicht vor unseren Dämonen wegducken
sollten. Weil man sonst immer ein Geflüchteter bleiben wird und niemals
wo ankommt. Und es geht auch um Heimat, die wie eine Haut ist.
Herausgeber
:
Septime Verlag (18. Januar 2021)
Sprache
:
Deutsch
Gebundene Ausgabe
:
240 Seiten
ISBN-10
:
3991200015
ISBN-13
:
978-3991200017
Salih Jamal? Da war doch etwas? Oh ja. Im November 2017 stellte ich hier im Blog sein Debüt vor: 'Briefe an die grüne Fee'. Leider war ich damals nicht wirklich überzeugt von dem Roman, ich hatte einiges auszusetzen, vor allem am Hauptcharakter. Daher habe ich lange gezögert, mich für die Leserunde zu seinem aktuellen Roman zu bewerben, doch eine Weihnachtskarte des Autors, die mich in der Adventszeit 2020 erreichte, hatte mich schon sehr neugierig gemacht, und schließlich konnte ich nicht widerstehen. Zum Glück. Denn hier, so viel sei schon einmal vorweg verraten, erwartete mich gleich ein Jahreshighlight. Warum? Dazu könnt ihr hier mehr erfahren:
Roadtrips sind in - jedenfalls wenn man sich den Büchermarkt anschaut.
Mir begegnen die Schilderungen über diese besondere Art des Reisens zumindest
immer häufiger. Auch wenn ich Reiseberichte eher seltener lese: hier
wurde ich neugierig.
Ehrlich gesagt, war es das quietschorange Auto auf dem Cover, das mich auf das Buch aufmerksam werden ließ. Als ich dann bemerkte, dass dieses Auto auch noch Emma hieß, war mir klar, dass hier eine besondere Erzählung wartete. Ob sie mir gefiel? Lest selbst:
Road Fiction: Used for works in which a journey, as a life-changing experience, is a central part of the Action. [1]
Okay, dann stimmts. Die Reise führt den Polen Stani, den Galizier Igor und den Deutschen Hannes von Leipzig über Dresden nach Opole und nach Lwiw.
Also, der Hannes pendelt in den achtziger Jahren zwischen Leipzig, da ist er geboren, und Dresden hin und her. Mitte der Neunziger agiert er mit den beiden anderen von Opole aus. Stani „arbeitet“ mehr in Polen, kommt aber mit Igor auch mal bis nach Lwiw. Das ist Igors Heimatstadt und dessen Eltern leben dort. Igor war mal in Deutschland, als Soldat der Roten Armee und spezifische Erlebnisse als solcher, werden Einfluss auf das Ende der Roadfiction haben. An den Anführungszeichen sieht man, dass die „Arbeit“, nun sagen wir mal, zwar gegenständlich aber weniger ehrlich ist. Kurz gesagt, der Hannes nimmt Leuten in Deutschland die Westautos weg, in Opole werden sie umgefriemelt und Igor fährt die Kisten dann in die Ukraine. Mehr muss man zum Modus Operandi nicht erwähnen, nur dass sich das Mitleid bezüglich der ehemaligen Besitzer ob deren Verhalten und Benehmen in Grenzen hält. Kurz, die haben das verdient. [2]
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bislang noch kein Buch von F. Scott Fitzgerald gelesen habe - weder den berühmten Roman 'Der große Gatsby' noch 'Die Schönen und Verdammten' oder beispielsweise 'Diesseits vom Paradies'. Schon lange wollte ich den Autor kennenlernen und war überrascht, als ich auf dieses Hörbuch stieß. Das ist ein Jungwerk des Autors, der damals gerade 23 Jahre alt war, jedoch schon zu schreiben begonnen hatte. Ein verrückter Einfall steckt hinter dieser Road Novel - und dafür bin ich ja immer zu haben. Ob es mir gefallen hat? Lest selbst:
Tessa hat immer gewartet – auf den perfekten Moment, den perfekten
Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, dass sie noch Zeit hat.
Doch dann erfährt das 17-jährige Mädchen, dass es bald sterben muss.
Tessa ist fassungslos, wütend, verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen
Jungen, der hinter ihre Fassade zu blicken vermag, der keine Angst vor
ihrem Geheimnis hat, der ihr immer zur Seite steht. Er überrascht sie
mit einem großartigen Plan. Und schafft es so, Tessa einen perfekten
Sommer zu schenken. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und
Gefühle alles sind …
Tessa ist eine hübsche, begabte Siebzehnjährige, der alles im Leben
immer zuflog. Eine Einserschülerin in der Schule, eine talentierte
Klavierschülerin, ein Stipendium in Oxford. Das Leben wäre perfekt -
wenn Tessa nicht sterben müsste. Vor einigen Wochen hat sie erfahren,
dass es keine Aussicht auf Heilung mehr gibt, und seither verkriecht
sich Tessa in ihr Zimmer, wenn sie nicht gerade wieder zu einer
Untersuchung muss.
"Ich habe immer gewartet -
wie es sich jezt herausstellt zu lange. Auf die Liebe, auf das Leben
(...) Ich wollte den perfekten Augenblick, und vielleicht ist es an der
Zeit einzusehen, dass ich ihn verpasst habe (...) Mein gesamtes Leben
bestand aus dem ersten Gang, weil ich irgendwie dachte, dass ich für den
zweiten noch genug Zeit habe."
Auf dem Weg zum
Arzt begegnen Tessas Blicke in der Bahn eines Tages denen eines Jungen
in ihrem Alter. Das Mächen fühlt sich unglaublich hingezogen zu dem
Fremden, doch es ist voll in der Bahn, und ihnen bleiben nur ihre Blicke
und ihr Lächeln, die sie nicht mehr voneinander lösen können - bis
Tessa aussteigen muss. Wieder etwas, das der Siebzehnjährigen nicht
vergönnt zu sein scheint. Aber dann steht eben dieser Junge einige Tage
darauf plötzlich vor ihr, unerwartet, für beide ein Schock - und doch
ist da gleich wieder die Faszination füreinander, das Hingezogensein
zueinander, das Versinken in den Augen des anderen.
"Das Leben wird nicht definiert von den Momenten, in denen du atmest, sondern von denen, die dir den Atem rauben."
Oskar
heißt der Junge aus der Bahn, der Tessa immer wieder aufs Neue den Atem
raubt - und sie ihm. Doch darf eine Liebe unter diesen Vorzeichen sein?
Eine Liebe, die keine Zukunft hat? Oskar kämpft um diese Liebe, und
auch als er erfährt, dass ihm und Tessa nur noch einige Wochen bleiben,
bleibt er bei ihr. Er kann ihr nicht mehr Zeit schenken, aber Momente,
die alles bedeuten können. Oskar geht mit Tessa auf eine Reise - ihre
letzte in ihrem letzten Sommer. Ihre Eltern lassen sie schließlich
gehen, denn es ist ihr Leben, und davon bleibt nicht mehr viel. Italien
heißt das Ziel der Reise, und Oskar und Tessa leben dort ihren Traum.
"Noch
vor ein paar Wochen habe ich nur an die Zeit gedacht, die ich nicht
bekommen werde. An die vielen Jahre, die ich verdient hätte, und an all
die Träume, die sich nie erfüllen werden. Ich habe immer noch zu wenig
Zeit, aber ich bin froh, ihr noch eine Bedeutung geben zu können. Ich
bin froh, dass es noch nicht zu spät ist. Was auch passiert, morgen
beginnt ein neues Leben. Ein neuer Abschnitt. Und es wird mein letzter
sein."
Eine Liebesgeschichte ohne Happy End?
Geht das überhaupt? Ja, das geht, wie Anne Freytag hier beweist. All die
Gefühle einer jungen Liebe sind da, vielleicht noch intensiver als bei
anderen Paaren, die von einer Begrenztheit der Zeit nichts ahnen. Die
Neugierde aufeinander, die Gefühlsexplosionen, die Unsicherheit, das
Entdecken des anderen - all dies liegt da zwischen den beiden
Buchdeckeln. Die Bedeutung des Augenblicks jedoch ist hier eine andere,
eine intensivere als in anderen Liebesgeschichten.
"Wir alle haben zwei Leben. Das zweite beginnt, wenn wir realisieren, dass wir nur eines haben."
Erzählt
wird größtenteils aus der Perspektive Tessas, im letzten Drittel jedoch
immer wieder auch aus der von Oskar. Dieser Schachzug hat mir gut
gefallen, denn natürlich ist Tessa diejenige, deren Lebenserwartung
begrenzt ist - aber die Menschen, die sie lieben, sind ebenso von dem
vernichtenden Urteil der Ärzte betroffen. Welch eine nahezu
unmenschliche Aufgabe Oskar da übernommen hat, mit Tessa zu verreisen
und ihre Liebe zu leben, bis der Tod dem ein Ende setzt, wird deutlich
in den Abschnitten, die einen Einblick in Oskars Gefühlswelt gewähren.
Sehr berührend, ebenso wie Tessas Erzählung.
"Wir
schweben in einer Seifenblase, von der wir genau wissen, dass sie schon
sehr bald platzen wird. Aber noch ist sie da. Noch umgibt sie uns wie
eine schützende Haut. Im Hier und Jetzt bin ich glücklich.
Unbschreiblich glücklich. Und ich kann nicht aufhören zu lächeln."
Tessa
wirkte auf mich nicht auf Anhieb sympathisch, und auch wenn ich ihr
Schicksal bedauerlich fand, gab es für mich persönlich in der ersten
Hälfte des Buches doch ein Zuviel an Wut und Selbstmitleid, auch wenn
mir klar ist, dass diese Empfindungen bei der Aussicht, nur noch einige
Wochen zu leben, nachvollziehbar sind. Die Entwicklung, die Oskar und
sie im Verlaufe ihres Roadtrips durchliefen, hat mir dagegen sehr gut
gefallen - und wieder einmal aufgezeigt, dass auch oder vielleicht
gerade bei einer zeitlich begrenzten Lebensdauer das JA zum Leben
großartig ausfallen kann.
"Ich dachte, ich gehe
als unbeschriebenes Blatt, aber das werde ich nicht. Oskar hat Spuren
hinterlassen. Seine Gefühle in meinem Herzen, seine Stimme in meinem
Kopf und seine Hände auf meiner Haut. Ich glaube, ich habe es
verstanden. Liebe ist genug. Und ich wurde geliebt."
Die
Lieder, die die beiden auf ihrer Reise durch Italien gehört haben, gibt
es als Playlist am Ende des Buches noch einmal zusammengestellt - und
manche davon habe ich mir auch angehört, was für mich eine schöne
Ergänzung beim Lesen war, da die Songs die jeweiligen Stimmungslagen
sehr gut widerspiegelten.
Eine süßtraurige Liebesgeschichte, ein
ganz besonderer Roadtrip, ein Jugendbuch, das Lächeln und Tränen einen
gleichwertigen Platz einräumt. Mich hat das Buch berührt.
Anne Freytag, geboren 1982, hat International Management studiert und
für eine Werbeagentur gearbeitet, bevor sie sich ganz dem Schreiben
widmete. Die Autorin veröffentlichte bereits mehrere Romane für
Erwachsene, unter anderem unter ihrem Pseudonym Ally Taylor. Mit ihrem
ersten Jugendbuch Mein bester letzter Sommer schrieb sie sich
direkt in die Herzen ihrer Leser und wurde von der Presse gefeiert. Anne
Freytag liebt Musik, Serien sowie die Vorstellung, durch ihre
Geschichten tausend und mehr Leben führen zu können. In diesem
Leben wohnt und arbeitet sie derzeit in München – wenn sie nicht gerade
in ferne Länder und fremde Städte reist. Manchmal auch nur in Gedanken
...