Diese Rezension des Bastards von Tolosa hat eine Vorgeschichte, denn ich erhielt das eBook vom Verlag, nachdem ich die Laudatio zu Ulf Schiewes Der eiserne Herzog während der Gala zum HOMER - Literaturpreis für historische Romane im Jahre 2023 halten durfte. Das ist über zwei Jahre her, nun endlich ist der Debüt-Roman des Erfolgsautors, der Auftakt zur Montalban-Reihe, gelesen.
- DNB / Bastei-Lübbe / 1.12.2023 / ISBN: 978-3-7517-5504-7 / über 700 Seiten
Joufré de Montalban steht im Dienste des (Doppel)Grafen Bertran von Tolosa und Tripolis. Tolosa (Toulouse) in Frankreich, das war einmal und Tripolis ist die Grafschaft in Outremer, dem Land hinter dem Meer, die Bertran von Raimund, einem der „Befreier“ von Jerusalem im ersten Kreuzzug übernommen hatte. Joufre ist ein Castellan und Lehensmann von Bertran, ein nach 11 Jahren im „heiligen“ Land erfahrener Anführer in den Reihen der Kreuzritters.
Eines Tages erhält er einen Brief seines Onkels Odo, Bischof von Narbona (Narbonne) und Bertran lässt ihn zu seiner Verblüffung und Erleichterung ziehen. Beider Andeutungen sind geheimnisvoll und Kampfgefährten entpuppen sich als Leibwächter. Joufré nimmt seine Tochter Adela und den muslimischen Kampfgefährten Hamid sowie seinen Diener Alexis mit nach Rocafort, seinem Stammsitz.
Dort sitzt er übrigens und erzählt und diktiert seine Geschichte einem jungen Mönch im Jahre 1131.
Zu lesen gibt es eine spannende verwickelte Familiengeschichte voller Geheimnisse, Liebe und Freundschaft, sowie brutale Kämpfe um das Erbe nicht nur einer kleinen Burg bei Narbonne, sondern um die gesamte Grafschaft von Tolosa. Leserinnen und Leser werden nach Okzitanien entführt, dessen kulturelles Erbe in einigen Liedern und Gedichten anklingt. Selbst die bärbeißigen Krieger und ehemaligen Kreuzritter haben eine persönliche Note, das familiäre und dörfliche Umfeld des Ritters aus dem niederen (oder doch nicht?) höheren Adels ist meist sympathisch, hat Mut und Ängste, wir leiden gelegentlich mit ihnen mit. Die Gegner allerdings erscheinen in der Masse als grausame Mörder, wobei sein Hauptfeind nur eine Strafe verdient…
Ulf Schiewe hat die Geschichte in mehreren Romanen, auch die Montalbahnreihe genannt, fortgeschrieben. In zwei weiteren Bänden erzählt er von Joufrés Enkel Arnaut, - Sohn von Adela - und dessen Geliebten Ermengarda, Gräfin von Narbonne, diese ist eine historische Person. Aber Joufré hatte noch zwei weitere Söhne, Roul und Martin. Raoul schlägt den Weg seines Vaters ein und wird Kreuzritters. Eine spätere Auskopplung erzählt von seinem Leben und seinen Kämpfen als Tempelritter in Outremer. Auch Arnaut wird einen solchen Weg einschlagen, aber erst im Roman Die Hure Babylon.
Ulf Schiewe fand erst mit 50 Jahren zum Schreiben. Leider verstarb der 1947 geborene Erfolgsschriftsteller im Frühjahr 2023, den Preis für den Silbernen Homer 2023 (Der eiserne Herzog) musste ich seiner Schwester übergeben, die humorig davon erzählte, dass Schiewes Kinder einst abwinkten: „Ja, ja Papa. Dann schreib mal…“. Uns Bloggerinnen und Bloggern wurde er vor allem bekannt und war beliebt für seine aktiven Leserunden unter der Plattform Lovelybooks. Wer hatten das Gefühl, dass er 24/7 präsent war.
Im Rahmen der Blogtour 2023 für den genannten Literaturpreis, wurde Ulf Schiewe umfangreich vorgestellt. Auch für uns gibt es noch einiges zu lesen, mit seinem „Nachlass“ bin ich also noch nicht durch.
Dem Verlag vielen Dank für das Rezensionsexemplar.
- Ulf Schiewe auf Litterae - Artesque
- Der Attentäter (AP / UR )
- Die Kinder von Nebra (AP)
- Die Mission des Kreuzritters (UR / AP)
- Der eiserne Herzog (AP / UR)
- Ulf Schiewe bei Bastei Lübbe
- Ulf Schiewe Webseite und Wikipedia



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