Welche Kurzgeschichte fanden Sie am amüsantesten? Das fragt Ralf Plenz, der Verleger des Input-Verlages zu Beginn der Fragestellungen für Lesegruppen oder Lesekreise. Ich weiß es nicht. Oder doch? Bis ich bei „Ein Mord, den jeder begeht“, der zwölften von 13 Geschichten angelangte, meint ich, den „Onkel“ dazu küren zu müssen.
- DNB / Input - Verlag / Hamburg 2022 /ISBN: 978-3-941905-47-4 / 159 S.
Aber irgendwie nehme ich an, dass es für einen Verleger bequemer ist, eine blaue Buchreihe herauszubringen, deren Autoren in den meisten Fällen längst verstorben sind. Es braucht keine Lektorinnen oder Lektoren, die sich grämen, vom Erfolg des Erfolgsschriftstellers nichts abzubekommen, wie in der „Mord-Geschichte“.
Obwohl, Michael Krüger ist erst Jahrgang 43 und die Geschichten in diesem Buch brauchten jetzt „nur“ die mit den „Literaturperlen“ bestens vertrauten Charlotte Ueckert, welche das obligatorische Vorwort schrieb. In diesem bereitet sie die Leserinnen und Leser vor auf: „slapstickartige Überspitzung“, „burleske Sprache“ und „floskelhafte Redewendungen“.
Michael Krüger hat 40 Bücher geschrieben und ist daher ein Erfolgsschriftsteller, zudem war er Verleger des Hansa-Verlages, er weiß gewiss, wovon er schreibt und Ralf Plenz ebenso. Welche Bedingungen beide aushandelten, steht nicht im Vorwort, auf ein Nachwort wurde diesmal verzichtet und der bibliophile Rückblick zeigt uns ein Buch aus dem Jahre 1998.
Kurzerhand, dieses ziemlich schmale Buch ist was für bibliophile Leser, denen „Buchgeschichten“ besonders gut gefallen. Für den einen ist es ein Traum, für den anderen ein Alptraum, vom Bücherhaus des Onkels zu lesen:
| Typisch kalligrafische Hervorhebung / Das Bücherhaus des Onkels |
Der Onkel bat den Neffen einmal, „die zusätzlichen Kommas in einer späten Ausgabe von Montaignes Essays mit der Erstausgabe zu vergleichen und in Listen festzuhalten, weil Eri einen Aufsatz über wandelnde Satzzeichen schreiben wollte...“ – Teil einer „Geschichte und Theorie des Druckfehlers seit Gutenberg".
Gibt es Schriftsteller, die davon träumen, mit ihrem Erfolg ihre ganze familiäre Bagage aushalten zu können, wobei „aushalten“ auch für Finanzierung steht? Literarisches Merchandising auf die Spitze getrieben in „Das Tier“.
Die letzte Frage an die Leserkreise lautet, ob diese gern ein alkoholisches Getränk beim Lesen zu sich nehmen. Und die letzte Geschichte, als Anhang bezeichnet, fragt dann nach dem Geflecht von lesen, schreiben und trinken. Ein Lehrsatz lautet: „Ein Alkoholnebel liegt über der Weltliteratur.“
Da dieses Büchlein ein ausgesprochen absurd witziges ist, können diese daraus abgeleiteten drei Erkenntnisse hier zum Abschluss stehen:
| Drei alkoholische Regeln für Leser dieses Perlenbuches |
Über Optik, Ziele und Beschaffenheit der „Perlen der Literatur“ wurde in den bereits vorliegenden siebzehn Buchbesprechungen auf diesem Blog alles erwähnt, unten verweise und verlinke ich auf diese.
Überlegend, ob ich nicht langsam schnödes Geld verlangen sollte, vermerke ich, dass auch dieses blaue Buch ein Rezensionsexemplar ist, bedanke mich dafür, empfehle es und wünsche fröhliches Lesen, vorzugsweise inmitten überfüllter Bücherregale.
Sehr zum Wohle.
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