Freitag, 20. Februar 2026

Bhatter, Ina: Drei Tage im Schnee (Hörbuch)

 

Hannah führt ein turbulentes Großstadtleben. Sie hetzt von einem Termin zum nächsten und verbringt ihre Tage damit, auf Dinge zu reagieren, die von außen auf sie einströmen, findet kaum Zeit für sich selbst. Um abzuschalten, mietet sie sich für ein paar Tage ein kleines Holzhaus an einem See, eingebettet in weiß verschneite Natur. Plötzlich taucht dort ein Kind in einem roten Schneeanzug auf: die kleine Sophie. Die beiden freunden sich an. Während sie in der entrückten Winterwelt Iglus bauen und Schneeengel machen, kommt Hannah so allerlei in den Kopf, was sie längst verloren glaubte: alte Freundschaften, vergessene Sehnsüchte und Talente. Etwas verschiebt sich und alles ordnet sich neu an. Allmählich beginnt Hannah, ihr Leben und die Welt in einem neuen Licht zu sehen: bunt und echt wie in ihrer eigenen Kindheit.

DNB / argon hörbuch / 2025 / ISBN 978-3-7324-2174-9 / 202 Minuten

KurzmeinungKeine neuen Erkenntnisse, aber ein entschleunigter Reminder für mehr Achtsamkeit und eine wohlwollende Haltung sich selbst gegenüber...






ENTSCHLEUNIGTER REMINDER FÜR MEHR ACHTSAMKEIT IM LEBEN...


Hannah ist Mitte 30 und braucht eine Auszeit. Beruflich ist sie als erfolgreiche Leiterin der Pressestelle eines großen Unternehmens sehr eingespannt, privat verbringt sie die wenigen Stunden bis zum Schlafen in ihrer schicken Wohnung meist vor dem Fernseher - zu mehr reicht die Kraft oft nicht. Um Energie zu tanken und zur Ruhe zu kommen, verbringt Hannah ein Wochenende alleine in einem kleinen Holzhaus an einem See. Als sie ankommt, liegt dort Schnee - und es schneit weiter. 

Es fällt Hannah anfangs schwer, die Gedanken an die Arbeit in den Hintergrund zu rücken - pausenlos sendet das Handy ihr Nachrichten auf den Bildschirm, und normalerweise würde sie diese auch sofort beantworten. Es gelingt ihr aber letztlich, diese Nachrichten zu ignorieren und die Tage am See einfach zu genießen. Auch das Buch, das sie sich mitgebracht hat (es geht um die Optimierung von Arbeitszeit), lässt sie zugeschlagen und schaut lieber in der hauseigenen Bibliothek, welche Titel sie ansprechen. 

Während Hannah noch mit dem Auspacken beschäftigt ist, sieht sie draußen plötzlich ein Kind in einem roten Schneeanzug. Sie beobachtet das Mädchen, das ganz in sein Tun versunken ist: einen Schneeengel zu machen. Und sie überlegt, wann sie selbst das letzte Mal derart in etwas versunken war ohne die Gedanken an die nächsten zig Schritte, die an dem Tag noch anstehen. Hannah spricht das Mädchen an, und so entspinnt sich ein Kontakt, der die junge Frau ebenso fasziniert wie nachdenklich stimmt. Sie nimmt die Fragen von Sophie wahr, ihre kindliche Neugier, ihre Klarheit bei dem, was schön ist und wovon sie träumt. Und sie fragt sich plötzlich, was eigentlich aus ihren eigenen Träumen geworden ist, die sie selbst als Kind hatte.

Nach diesem Wochenende wird Hannah nicht ihren Beruf hinwerfen. Aber sie wird womöglich die bisherigen Prioritäten neu gewichten. Muss die Arbeit tatsächlich stets an erster Stelle stehen? Muss sie wirklich allzeit bereit und rund um die Uhr erreichbar sein? Ist die Fähigkeit, auch einmal "nein" sagen zu können, nicht in erster Linie etwas Negatives, weil man damit andere enttäuschen könnte, sondern im Gegenteil etwas Positives, weil es einem den Raum für andere wichtige Dinge im Leben gibt? Familie, Freunde, Lebensträume... Hannah erlebt mit Sophie an dem Wochenende eine Leichtigkeit und Freude, die sie auch in Zukunft nicht mehr missen will.

Im Roman gibt es Passagen, die einiges kritisch hinterfragen: die Werbung, die uns Träume verkaufen will und Trugbilder als erstrebenswert suggeriert; das Kaufen von Dingen, die man im Grunde nicht braucht usw. Allerdings empfand ich viele der angesprochenen Punkte doch eher als recht klischeehaft - ein wenig wie in einem Ratgeber für Achtsamkeit, nur in eine nette Geschichte verpackt. Es gab hier für mich letztlich keine neuen Erkenntnisse, konnte aber mit Hannah die Ruhe an dem tief verschneiten See genießen.

Im Grunde wirkte Hannah wie kurz vor einem Burnout - und das selbst verordnete Wochenende war hier womöglich eine heilsame Medizin, die gerade noch zur rechten Zeit kam. Am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen sozusagen. Vielleicht kann das Buch einen kleinen Impuls für Menschen in einer ähnlichen Lage bieten - für mehr fehlt hier allerdings die Tiefe.

Alles in allem bot das Buch für mich keine neuen Erkenntnisse, aber es war ein entschleunigter Reminder für mehr Achtsamkeit und für eine wohlwollende Haltung sich selbst gegenüber...


© Parden




Ina Bhatter hat Journalistik und Internationale Beziehungen in Leipzig und Paris studiert und beim Radio und in den Pressestellen verschiedener Unternehmen gearbeitet. Zwischendurch hat sie sich einen großen Traum erfüllt und ist für ein Jahr um die Welt gereist, wo sie viel über andere Kulturen gelernt hat, vor allem aber über sich selbst und darüber, was Menschen wirklich glücklich macht. Ina Bhatter hat zwei Kinder und lebt in Berlin. Drei Tage im Schnee ist ihr erster Roman. (Quelle: argon hörbuch)


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