Samstag, 14. Februar 2026

Kinsky, Esther: Rombo

 

Im Mai und im September 1976 erschüttern zwei schwere Erdbeben eine Landschaft im nordöstlichen Italien. An die tausend Menschen sterben unter den Trümmern, unzählige sind ohne Obdach, viele verlassen ihre Heimat. In Esther Kinskys preisgekröntem Roman berichten sieben Bewohner eines abgelegenen Bergdorfs, Männer und Frauen, von ihrem Leben, in dem das Beben tiefe Spuren hinterlassen hat. Von der gemeinsamen Erfahrung von Angst und Verlust spleißen sich bald die Fäden individueller Erinnerung ab und werden zu eindringlichen und berührenden Erzählungen tiefer, älterer Versehrung. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Suhrkamp / 2023 / ISBN 978-3-518-47311-5 / 264 Seiten

Kurzmeinung: Sperriger, anstrengender Schreibstil, der besonders bei Beschreibungen und Schilderungen der Landschaft sehr fordert - ein mühsames Lesen...








EIN ZÄHES LESEERLEBNIS...


Dieses Buch stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2022.

Im Friaul, im äußersten Nordosten Italiens, bebte die Erde und veränderte Landschaft und Menschen nachhaltig. Im Vordergrund des Romans stehen die Erinnerungen von sieben Menschen, Bewohner:innen eines abgelegenen Bergdorfs, die die beiden Erdbeben 1976 überlebten und damals noch jung waren, Kinder zumeist. Die Schilderungen der sich Erinnernden sind episodenhaft, nicht chronologisch, und beleuchten das Leben in dem Bergdorf vor, während und nach den Erdbeben. Man erhält Einblicke in eine raue, unwirtliche Gegend, in der Fluten, Erdrutsche, Erdbeben immer wieder vorkommen - und doch leben dort Menschen, die dieses Fleckchen Erde Heimat nennen und nicht weichen wollen. 


"Wohin mit all den Trümmern, hab ich mich manchmal gefragt. Wo sollen die bloß hin?" 


Die mosaikartigen Erinnerungsschnipsel der Überlebenden sind eingebettet in wortgewaltige und lyrisch-ausgefeilte (für mich sperrig und anstrengend zu lesende) Schilderungen der umgebenden Landschaft, von Flora, Fauna und Wetter, Legenden und Märchen des Landstrichs, Beschreibungen der einzelnen Berge -  die Natur so präsent, dass deutlich wird, dass der Mensch ein Eindringling ist und bleibt und sich mit den Naturgewalten arrangieren muss, so er denn bleiben will. Leider fehlt diesen zahllosen geologischen und biologischen Exkursen, den Berichten der irgendwie gesichtslos bleibenden Figuren, den skizzenhaften Ergänzungen zu Land und Leuten jedoch ein narrativer Überbau und damit ein roter Faden, der die aneinandergereihten Schnipsel tatsächlich zu einem Roman zusammenführen würde.

Es war ein forderndes, langatmiges, zähes Leseerlebnis - immer wieder legte ich das Buch bereits nach wenigen Abschnitten zur Seite. Schicksale, die auf Distanz bleiben, ausufernde Schilderungen, bei denen ich am Satzende teilweise schon nicht mehr wusste, wie der Satz begann, ermüdende, endlos scheinende Passagen, die nach vielen ähnlichen Szenen rasch ihre Faszination verlieren - ich war ehrlich gesagt froh, als ich endlich am Schluss angekommen war. 

Alles in allem sehr mühsam - ich ahnte nicht, wie lang 264 Seiten sein können...


© Parden





Esther Kinsky wurde in Engelskirchen geboren und wuchs im Rheinland auf. Für ihr umfangreiches Werk, das Lyrik, Essays und Erzählprosa ebenso umfasst wie Übersetzungen aus dem Polnischen, Russischen und Englischen, wurde sie mit zahlreichen namhaften Preisen ausgezeichnet.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Durch das Kommentieren eines Beitrags auf dieser Seite, werden automatisch über Blogger (Google) personenbezogene Daten, wie E-Mail und IP-Adresse, erhoben. Weitere Informationen findest Du in unserer Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google. Mit dem Abschicken eines Kommentars stimmst Du der Datenschutzerklärung zu.

Um die Übertragung der Daten so gering wie möglich zu halten, ist es möglich, auch anonym zu kommentieren.