Wenn die Welt verrückt spielt, so wie zurzeit, dann sollten sich die Medien diverser Spekulationen enthalten. Das heißt ja nicht, dass sie gar nicht in die Zukunft blicken dürfen, oder die Folgen politischer Entscheidungen nicht darstellen.
Romanautoren haben es da etwas einfacher, die dürfen ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Inwieweit sie dabei an Verschwörungstheorien kratzen, bleibt ihnen überlassen, es sind letztlich die Leserinnen und Leser, die über den Erfolg entscheiden; und die Verlage versteht sich.
Mit diesem Thriller begeben wir uns in die nahe Zukunft. Soweit weg ist die nicht, die nächste Bundestagswahl ist in drei Jahren. Was bei dieser rauskommt, ist sicherlich mit davon abhängig, wie die Demokratie verteidigt werden kann. Wenn dies nicht gelingt, dann gewinnt die PfD – die Partei für Deutschland. Das ist sicher keine Fantasie, das ist möglich.
Der Autor des Buches, Jörg H. Trauboth, das Fünfte, in dem der ehemalige KSK-Soldat Marc Anderson die Kastanien aus dem Feuer holen muss, hat bereits in den vorherigen Bänden aktuelle Ereignisse mit fiktiver Handlung verwoben. Diesmal bleiben wir hier, das schließt einen kurzen Ausflug auf der Rattenlinie (ich kannte die als „Römischer Weg“) mit ein.
Zum Inhalt:
Die Bundestagswahl steht im Jahr 2029 kurz bevor. Der Kanzlerkandidat der PfD sieht sich schon als neuen Kanzler. Allerdings erwarb sich Joachim Münster, der aktuelle Regierungschef, international einen guten Ruf. Das wird wohl eine Kopf-an-Kopf-Wahl. Während der rechtsextreme Kandidat nicht nur einfach per Wahl an die Spitze will, denkt der Kanzler an eine Rede an die Nation der etwas drastischeren Art im Sinn von Inhalt, Wort und Ort. Ausgerechnet Anderson, der des Kanzlers Frau, eine ehemalige Komandosoldatin, bereits aus Bundeswehrzeiten kennt, schlägt ihm einen gewichtigen Ort vor:
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| Wikipedia - Wewelsburg |
Die Wewelsburg – welche einst Heinrich Himmler seinem schwarzen Orden, der SS, widmen wollte. Im Obergruppenführersaal, dem mit der „Schwarzen Sonne“ will Münster dem Souverän, dem Volk, die Gefahren für die Demokratie eindringlich verdeutlichen. Während der Vorbereitung dieser Veranstaltung wird der Kanzler genau aus diesem Saal entführt. Der Vizekanzler übernimmt die Führung. Führen die Spuren nach Argentinien? Verena Münster und Marc Anderson nutzen Marcs Netzwerk und ermitteln „privat“.
Was wird der Vizekanzler beschließen? Hält er sich an die Auffassung eines Helmut Schmidt, nachder sich der Staat nicht erpressen lassen darf? Damals waren es linke Terroristen der RAF, die mit der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer Gefangene freipressen wollten.
Doch dieses Rechtswerk ist nicht "nur" rechtsextrem. Dieses würde die „Schwarze Sonne“ so verändern, dass jeder die Hakenkreuze sofort erkennt. Es verlangt nicht nur 100 Millionen Kryptowährung. Und es ist groß. So groß, dass der Kreis der mit der Suche nach dem entführten Kanzler beschäftigt ist, ständig verkleinert werden muss.
Das Buch
besticht durch die Sachkenntnis des Autors, wenn es um Krisenmanagement und Entführungen geht. Der ehemalige Luftwaffen- und Generalstabsoffizier hat sich nach dem Dienst genau damit intensiv beschäftigt und pflegt sicher sein eigenes Netzwerk. Ein Fallschirmsprung zu zweit mit einem Schirm erscheint dabei plötzlich möglich und ein Flugzeug unerkannt über Kontinente zu steuern ebenso. Wenn auch mit etwas Glück.
Kann man die Informationen zur Wewelsburg oder zum Hotel Eden im Internet nachlesen, ebenso wie Fragen zur Familie Heinrich Himmlers, sind die Verknüpfungen zwischen Regierungshandeln, geheimdienstlichen Ermittlungen unter Verwendung technischer Raffinessen auf das unmittelbaren Wissen des Autors zurück zuführen.
Einen besonderen Aspekt setzt Trauboth, wenn er mit dem Vater von Marc Anderson, den alten Arzt in Wewelsbung, eigene biografische Erinnerungen verwebt, die er im Anhang auch erklärt. Dies ergibt eine zusätzliche sympathische Authentizität, wenn man den gesamten Anhang liest.
Überhaupt ist genau dieser Anhang nicht nur informativ, er ist sicher notwendig. Gerade die Bezüge zur nationalsozialistischen Ideologie benötigen diese oder jene Erklärung.
Warum aber einige der handelnden Gestalten, die in der Lage sind, ein breites und handlungsfähiges Untergrundnetzwerk einzurichten, neben ihrer NS-Ideologie und einem Hang zum Sadismus so dumm sind, dieses „Werk“ durch billige Fehler, Unachtsamkeit und Äußerlichkeite wie schwarze Uniformen im Verborgenen aufs Spiel zu setzen, erschließt sich mir nicht. Der Gipfel ist eine Gaskammer...
Das gilt auch für die Dame, die gleich drei Identitäten aufweist, welche durchzuhalten, eine gewisse Intelligenz erfordern sollte.
* * *
Lassen wir den vorherigen kritischen Absatz mal außer acht, diesen Roman am späten Abend wegzulegen, fällt schwer, denn die Spannung steigt fortwährend immens. Jörg H. Trauboth ist es gelungen, jegliche Auflösung ins letzte Drittel zu verschieben, indem die „Schwarze Sonne“ vor ihresgleichen nicht Halt macht. Der abrupte Strategiewechsel am Ende zeigt, das Netzwerk bleibt am Leben, auch wenn man dem Kopf verblüffend nah kam.
Und das ist die Botschaft. Man lasse die extreme Rechte nicht ans Ruder. Eindringliche Ermahnung von Trauboth, mehrfach betont im umfangreichen Anhang. Die extreme Rechte wohnt und arbeitet nebenan. "Rechts" ist ein harmloser Begriff. Aber die extreme Rechte zeigt immer mehr deutlich auch faschistische Züge und Ansichten.
Dem aktuellen Bundeskanzler bleibt zu wünschen, dass er ohne „Entführungsbonus“ mit guter Politik die Partei, für die Ähnlichkeiten zwar deutlich aber rein zufällig angegeben werden, vom regieren dauerhaft abhalten kann.
Ich habe alle Romane der Reihe mit Freude gelesen, dieser hier erscheint mir als der vielleicht eindringlichste.
Vielen Dank für das eBook - Rezensionsexemplar.
- J. H. Trauboth auf Litterae-Artesque
- Drei Brüder (UR) / Operation Jerusalem (UR) / Omega (UR) / Zarentod - Das Ende des Präsidenten (UR
- Jakobs Weg (UR) / Bonjour, Saint - Ex! (UR)
© Der Bücherjunge



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