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Donnerstag, 23. April 2026

Rudnick, Uwe: Drei Liter Himmel

 Im Schatten vom Ettersberg

Kurz nach Kriegsende wacht ein fünfzehnjähriger Junge in einem amerikanischen Militärhospital in Weimar auf. Flocke – So will er genannt werden, seinem Hitlerjungendausweis nach heißt er Karl-Leopold Schneeberger. Wo ist sein Vater, der Freund namens Zack, wo sind Fiona, Gerda und Rebekka, die beiden kleinen jüdischen Mädchen aus dem Nachbargarten?

Flocke muss sich zurückerinnern und erzählt den Lesern sein fünfzehnjähriges Leben. Die Mutter stirbt kurz nach der Geburt, als Vierjähriger kommt er dann mit Tante Lieselotte zum Vater nach Weimar, der ist dort Polizist. Den Deutschen Gruß, der seit einiger Zeit in Deutschland gebraucht, versteht der Knirps als „Drei Liter!“

Mittwoch, 25. März 2026

Lukaschewski, Manfred: Verschenkte Jugend - Robert und Franz

 

Bilder aus Wikipedia (Stalingrad, U-Boot-Krieg, Deportation)


Roman einer Jugend nannte Dieter Noll 1960 seinen ersten Band von Die Abenteuer des Werner Holt. Manfred Lukaschewski hat den sicher gekannt, als Jahrgang 1951 und in Altenzaun geboren, so wie vermutlich jeder (männliche) Jugendliche in der DDR. Die jungen Männer, die unmittelbar nach dem Abitur über die Flak und den Reichsarbeitsdienst (RAD) in die Wehrmacht gingen, freiwillig, lernen in den letzten Kriegsmonaten die Schrecken des Krieges kennen. Freundschaften gehen auseinander. Holt, zerrissen zwischen den Freunden nachdenklichen Gomulka und dem fanatischen Wolzow wird erst nach Kriegsende begreifen, was der Nationalsozialismus dem deutschen Volk brachte.

Jedoch sind es die Erlebnisse des Vaters vor Stalingrad, die Lukaschewski hier verarbeitet hat. Ist es ihm gelungen, Nationalsozialismus, Holocaust, Krieg so eindringlich darzustellen, dass dies den Weg in die Köpfe junger Menschen findet?

  • DNB / tolino media (Verlag) - Self-Publishing / 2026 / ISBN: 978-3-8194-0517-4 / 467 Seiten

Mittwoch, 11. Februar 2026

Trauboth, Jörg.H.: Operation Machtergreifung

Wenn die Welt verrückt spielt, so wie zurzeit, dann sollten sich die Medien diverser Spekulationen enthalten. Das heißt ja nicht, dass sie gar nicht in die Zukunft blicken dürfen, oder die Folgen politischer Entscheidungen nicht darstellen.

Romanautoren haben es da etwas einfacher, die dürfen ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Inwieweit sie dabei an Verschwörungstheorien kratzen, bleibt ihnen überlassen, es sind letztlich die Leserinnen und Leser, die über den Erfolg entscheiden; und die Verlage versteht sich.

Mit diesem Thriller begeben wir uns in die nahe Zukunft. Soweit weg ist die nicht, die nächste Bundestagswahl ist in drei Jahren. Was bei dieser rauskommt, ist sicherlich mit davon abhängig, wie die Demokratie verteidigt werden kann. Wenn dies nicht gelingt, dann gewinnt die PfD – die Partei für Deutschland. Das ist sicher keine Fantasie, das ist möglich.

Der Autor des Buches, Jörg H. Trauboth, das Fünfte, in dem der ehemalige KSK-Soldat Marc Anderson die Kastanien aus dem Feuer holen muss, hat bereits in den vorherigen Bänden aktuelle Ereignisse mit fiktiver Handlung verwoben. Diesmal bleiben wir hier, das schließt einen kurzen Ausflug auf der Rattenlinie (ich kannte die als „Römischer Weg“) mit ein.

  • DNB / ratio-books Verlag /bv01.02. 2026 / ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3961369751 / 572 Seiten
  • Amazon / Kindle

Samstag, 3. Januar 2026

Unterthiner, Miriam: Blutbrot

 

Der Theatertext Blutbrot beschäftigt sich mit der nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Südtirol geleisteten Fluchthilfe. In Zuge dessen wurden zwischen 1945 und ca. 1950 Nationalsozialist:innen wie unter anderem Adolf Eichmann, Josef Mengele und Gerhard Bast über den Brennerpass, die sogenannte Grüne Grenze, von Österreich nach Italien gebracht, mit Hilfe von Südtiroler:innen, die ihre geheimen (Schmuggler-)Wege gegen Bezahlung teilten. In Blutbrot leistet die Kollektivfigur DasDorf diese Fluchthilfe, spricht jedoch nicht darüber und verweigert sich der Aufarbeitung der eigenen Taten. DasDorf beschäftigt sich stattdessen mit dem Brot, spricht im Kollektiv ausschließlich über Brot. Doch je mehr Nationalsozialist:innen die Grüne Grenze passieren, desto mehr Spuren hinterlassen sie, nicht nur im Dorf, sondern auch in dessen Landschaft, den Feldern und schließlich im Brot. So ist es auch die Landschaft, die nicht länger wegsehen kann und DasDorf mit der eigenen Vergangenheit, den eigenen Taten konfrontiert. In Blutbrot wird die Frage gestellt, wie ein in der Landschaft stattgefundenes Verbrechen sich auf sie auswirkt, einwirkt, sie verändert. Ebenso wird nach dem Raum, auf dem es stattfindet, gefragt und diesem als solchen eine Sprache gegeben. (Verlagsbeschreibung)

DNB / edition laurin / 2025 / ISBN 978-3-903539-50-1 / 72 Seiten


Kurzmeinung: Gewinner des Österreichischen Debütpreises 2025 - sehr experimentell, eher modernes Theater über ein totgeschwiegenes Thema...

Samstag, 20. September 2025

Mohr, Francis: Gnadentod - Bedenke das Ende

 „Die Zeit rennt. Denn schon wieder ist ein Mensch gestorben. Die Angst geht um am Rande der Stadt. Eine mysteriöse Todesserie erschüttert die Sonnen-Klinik. Wann erwischt es den nächsten Patienten? Kommissar Kafka ermittelt – und zweifelt bald schon an seinem Verstand. Da gibt es ein neues Opfer." (Buchrücken) ...“

Das ist Stoff für einen vermutlich schon x-mal geschriebenen Roman und diverse TV-Krimis. Entweder Rache als Motiv oder assistierter Freitod oder eben Gnadentod...

Doch dieser Kommissar mit dem bezeichnenden Namen Kafka, den er aus begreiflichen Gründen auch mal verleugnet, muss weit über seinen Ermittlungsansatz hinaus.

Montag, 20. Juli 2015

Mann, Klaus: Mephisto...

... Roman einer Karriere

Lübeck im Juni 2015: Endlich einmal habe ich die Gelegenheit, in der Hansestadt in warmer Jahreszeit zu verweilen. Davon wird bestimmt noch einmal die Rede sein, hier aber geht es um ein Mitglied der Familie Mann. Es geht um Klaus Mann, Sohn des Thomas Mann, dem Nobelpreisträger von 1929, der diesen Preis für seinen Roman BUDDENBROOKS erhielt. Das BUDDENBOOKS-Haus steht in der Menge-Straße in Lübeck, es gehörte einmal dem Großvater von Klaus. 



Kann ein Bücherblogger in ein Literaturhaus (das Wort Museum widerstrebt mir etwas, auch wenn im Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum durchaus von Museum die Rede ist) gehen und ohne Bücher wieder hinausgehen? Kann er nicht. Was mich betrifft, so ging ich mit Roman und Film BUDDENBROOKS hinaus, darüber hat Rudolf Fröhlich alias TinSoldier aber schon ausführlich hier geschrieben. Da ich aber außerdem Klaus Manns MEPHISTO – Roman einer Karriere mitnahm, ist die Gelegenheit gekommen, die Buchgesichter-Rezension vom 10.08.2010 einmal etwas aufzufrischen.