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Mittwoch, 7. Januar 2026

Maschik, Anna: Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten

 

Mit einem heimlich geschlachteten Schaf beginnt der Blick in die Innereien einer Familie. Hier rührt die Urgroßmutter das Blut für die Würste, der Großonkel schläft fünfzehn Jahre lang, und die Großmutter stiehlt nachts die Ziegel vom Dach. Am Ende steht die Urenkelin Alma und fügt die Einzelteile der Familiengeschichte zusammen: vom kargen Alltag auf einem Bauernhof an der Nordsee über den Krieg und den Neuanfang fern der Heimat bis in die Gegenwart, in der die Großmutter ins Heim muss und Alma versteht, dass sie das letzte Glied in der familiären Kette ist. In kurzen, virtuos verdichteten Passagen entfaltet Anna Maschik einen ganzen Kosmos – die Familie als ein großer Resonanzkörper, in dem die Prägungen widerhallen über die Generationen hinweg. Es ist eine Geschichte von bevorzugten Geschwistern, vom Scheitern am Schlaf und an der Sprache, von der Verwandlung in ein Möbel, einen Wolf, einen Zitronenbaum. Lakonisch und voll schwebender Magie erzählt sie davon, was Vorbestimmung ist und ob man ihr entkommen kann. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Luchterhand / 2025 / ISBN 978-3-630-87814-0 / 235 Seiten


Kurzmeinung: Eine ungewöhnliche, fragmentarisch erzählte Familiengeschichte über vier Generationen - schlicht-poetisch, distanziert-eindringlich...

Montag, 5. Januar 2026

Madreiter, Armela: südpol.windstill

 

Wenn die 10-jährige Ida nach Hause kommt, weiß sie nicht, was sie erwartet: Ihre Mutter ist Alkoholikerin und psychisch krank. An Südpol-Tagen ist sie aufgekratzt und unternehmungslustig; an Nordpol-Tagen depressiv und antriebslos. Doch mit Robert Falcon Scott hat Ida glücklicherweise einen imaginären Freund, der sich bestens mit Polarforschung auskennt. Mit Erfindergeist, Empathie und Intelligenz lernt Ida, ihre schwierige Situation zu meistern. (Verlagsbeschreibung)

DNB / reclam / 2025 / ISBN 978-3-15-014622-4 / 70 Seiten



Kurzmeinung: Ernst und doch von Stärke und Humor durchzogen - eine Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter u. kreative Möglichkeiten, damit klarzukommen...


Samstag, 3. Januar 2026

Unterthiner, Miriam: Blutbrot

 

Der Theatertext Blutbrot beschäftigt sich mit der nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Südtirol geleisteten Fluchthilfe. In Zuge dessen wurden zwischen 1945 und ca. 1950 Nationalsozialist:innen wie unter anderem Adolf Eichmann, Josef Mengele und Gerhard Bast über den Brennerpass, die sogenannte Grüne Grenze, von Österreich nach Italien gebracht, mit Hilfe von Südtiroler:innen, die ihre geheimen (Schmuggler-)Wege gegen Bezahlung teilten. In Blutbrot leistet die Kollektivfigur DasDorf diese Fluchthilfe, spricht jedoch nicht darüber und verweigert sich der Aufarbeitung der eigenen Taten. DasDorf beschäftigt sich stattdessen mit dem Brot, spricht im Kollektiv ausschließlich über Brot. Doch je mehr Nationalsozialist:innen die Grüne Grenze passieren, desto mehr Spuren hinterlassen sie, nicht nur im Dorf, sondern auch in dessen Landschaft, den Feldern und schließlich im Brot. So ist es auch die Landschaft, die nicht länger wegsehen kann und DasDorf mit der eigenen Vergangenheit, den eigenen Taten konfrontiert. In Blutbrot wird die Frage gestellt, wie ein in der Landschaft stattgefundenes Verbrechen sich auf sie auswirkt, einwirkt, sie verändert. Ebenso wird nach dem Raum, auf dem es stattfindet, gefragt und diesem als solchen eine Sprache gegeben. (Verlagsbeschreibung)

DNB / edition laurin / 2025 / ISBN 978-3-903539-50-1 / 72 Seiten


Kurzmeinung: Gewinner des Österreichischen Debütpreises 2025 - sehr experimentell, eher modernes Theater über ein totgeschwiegenes Thema...

Samstag, 4. Oktober 2025

Haas, Wolf: Wackelkontakt

 

Franz Escher wartet auf den Elektriker. Seine Steckdose hat einen Wackelkontakt. Um sich die Zeit zu vertreiben, liest er ein Buch über den Mafia-Kronzeugen Elio Russo. Elio sitzt im Gefängnis und wartet auf die Entlassung. Er hat so viele Leute verraten, dass er um sein Leben fürchtet. Aus Angst liegt er nachts wach und liest ein Buch. Es handelt von Franz Escher. Der wartet auf den Elektriker. Seine Steckdose hat einen Wackelkontakt. Wolf Haas' neuer Roman zündet ein erzählerisches Feuerwerk: Was beginnt wie zwei halbwegs übersichtliche Lebensgeschichten, verwirbelt sich zu einem schwindelerregenden Tanz - mit einem toten Handwerker, familiären Verstrickungen und vielen ungelösten Geheimnissen, funkenschlagend und spannend bis zum finalen Kurzschluss. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Hanser Literaturverlage / 2025 / ISBN: 978-3-446-28272-8 / 240 Seiten

Wolf Haas bei Litterae Artesque: Eigentum


Kurzmeinung: Dieser Plot ist eine grandiose Überraschung - man fühlt sich gefangen in einer kuriosen Unmöglichkeit und findet am Ende doch alles logisch.

Sonntag, 14. September 2025

Walker, Christina: Kleine Schule des Fliegens

 

Jeden Tag versammeln sich mehr Krähen draußen in der Platane. Sollte Alexander Höch, der gerade eine Chemotherapie hinter sich hat, misstrauisch werden? Vielleicht auch, weil seine Frau Eva ihn ausgerechnet jetzt allein lässt? Doch bald entdeckt Höch seltsame Ähnlichkeiten zwischen sich und den Vögeln vor dem Fenster. Sehr zum Unmut von Melitta Miller, der Nachbarin, die zuweilen nach dem Rekonvaleszenten sieht und die mit ihrer Krähenabwehr immer radikalere Mittel findet, um die gefiederten Zuwanderer aus der Straße zu vertreiben. Soghaft und mit abgründiger Komik erzählt Kleine Schule des Fliegens von den realen und surrealen Provokationen des Lebens sowie von Leidenschaften, die einem den Boden unter den Füßen wegziehen. Gut, wer nun fliegen kann oder die richtigen Verbündeten hat! (Verlagsbeschreibung)

DNB / Braumüller Verlag / 2023 / ISBN: 9783992003426 / 208 Seiten


Kurzmeinung: Unzuverlässiger Erzähler, verwirrende surreale Szenen - und doch ein leiser Roman mit interessanten Untertönen und Interpretationsspielraum.


Sonntag, 7. September 2025

Fritsch, Valerie: Zitronen

 

August Drach wächst in einem Haus am Dorfrand auf, das Hölle und Paradies zugleich ist. Der Vater misshandelt seinen Sohn, Zärtlichkeit hat er nur für die Hunde übrig. Trost findet August bei seiner liebevollen Mutter. Doch als der Vater die Familie verlässt, verwandelt sich ihre Zuwendung: Sie mischt August heimlich Medikamente ins Essen, die ihn schwach und krank machen; von seiner Pflege erhofft sie sich Aufmerksamkeit und Bewunderung. Es sind quälende Jahre, bevor es August gelingt, sich von der Mutter zu befreien und ein selbständiges Leben zu führen. Die erste Liebe zu erfahren. Kann er das Trauma seiner Kindheit überwinden, in der Grausamkeit und Liebe untrennbar zusammengehörten? (Verlagsbeschreibung)

DNB / Suhrkamp / 2024 / ISBN: 978-3-518-43172-6 / 186 Seiten
 

Kurzmeinung: Poetisch nüchterner Bericht über eine grausame Kindheit und deren Folgen für das weitere Leben - sprachlich eindrucksvoll, bedrückend...

 

Mittwoch, 3. September 2025

Österreichischer Buchpreis 2025 - von der Longlist bis zum Gewinner

 

 

Heute wurden die Titel für den diesjährigen Österreichischen Buchpreis nominiert - wieder 10 Stück an der Zahl, also halb so viel wie die Anzahl der Titel auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Da lohnt es sich doch, mal wieder einen Blick zu riskieren:

 

 


Freitag, 6. September 2024

Österreichischer Buchpreis 2024 - von der Longlist bis zum Gewinner

 

 

Gestern wurden die Titel für den diesjährigen Österreichischen Buchpreis nominiert - wieder 10 Stück an der Zahl, also halb so viel wie die Anzahl der Titel auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Da lohnt es sich doch, mal wieder einen Blick zu riskieren:

 

Mittwoch, 4. Oktober 2023

Flašar, Milena Michiko: Oben Erde, unten Himmel

Herr Ono ist unbemerkt verstorben. Allein. Es gibt viele wie ihn, immer mehr. Erst wenn es wärmer wird, rufen die Nachbarn die Polizei. Und dann Herrn Sakai mit dem Putztrupp, zu dem Suzu nun gehört. Sie sind spezialisiert auf solche Kodokushi-Fälle. »Fräulein Suzu«, wie der Chef sie nennt, fügt sich widerstrebend in die neuen Aufgaben. Es braucht dafür viel Geduld, Ehrfurcht und Sorgfalt, außerdem einen robusten Magen. Die Städte wachsen, zugleich entfernt man sich voneinander, und häufig verschwimmt die Grenze zwischen Desinteresse und Diskretion. Suzu lernt schnell. Und sie lernt schnell Menschen kennen. Tote wie Lebendige, mit ganz unterschiedlichen Daseinswegen. Sie sieht Fassaden bröckeln und ihre eigene porös werden. Und obwohl ihr Goldhamster sich neuerdings vor ihr versteckt, ist sie mit einem Mal viel weniger allein. Milena Michiko Flašar hat eine frische, oft heitere Sprache für ein großes Thema unserer Zeit gefunden. Und sie hat liebenswert verschusselte Figuren erschaffen, die man gern begleitet. Ein unvergesslicher, hellwacher Roman über die ›letzten Dinge‹. (Verlagsbeschreibung)
 
DNB / Verlag Klaus Wagenbach / 2023 / ISBN 978-3-8031-3353-3 / 304 Seiten
 




Gelesen habe ich diesen Roman im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin, und ich möchte mich auf diesem Wege ganz herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken! Schon lange war ich neugierig auf die Romane dieser Autorin - "Ich nannte ihn Krawatte" steht bereits in meinem Bücherregal, "Herr Katō spielt Familie" befindet sich auf meinem eReader. Beide bisher ungelesen. Aber nach diesem aktuellen Roman, der es im übrigen auf die Longlist des Österreichischen Buchpreises geschafft hat, nehme ich mir fest vor, dass auch die anderen Titel baldmöglichst gelesen werden. Für mich eine tolle Entdeckung, und "Oben Erde, unten Himmel" gehört für mich nun definitiv zu den Jahreshighlights! Genaueres erfahrt Ihr hier:


Montag, 2. Oktober 2023

Präauer, Teresa: Kochen im falschen Jahrhundert

Der Roman eines Abends und einer Einladung zum Essen. Voll mit Rezepten für ein gelungenes Leben und einen misslingenden Abend, der immer wieder neu ansetzt, schlau, witzig, heiter, gleichzeitig begleitet von den unterschwelligen oder ganz offen artikulierten Aggressionen der Beteiligten. In ihren Gesprächen verhandeln sie die ganz großen und kleinen Themen, von den ›Foodporn‹-Bildern im Internet über Kochen, Einkaufen und Wohnen als soziale Praktiken. Zunehmend wird der Abend komischer, tragischer, erotischer – dabei werden einzelne ›heutige‹ Begriffe diskutiert, während die Gastgeberin keine besonders talentierte Gastgeberin ist und sich immer wieder ins falsche Jahrhundert versetzt fühlt. Nebenbei wird in Anekdoten eine Geschichte der Waren, Speisen und des Kochens erzählt. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Wallstein Verlag / 2023 / ISBN:978-3-8353-5429-6 / 198 Seiten

 

 

 

 

 

Nachdem Uwe vor Kurzem mit "Gittersee" von Charlotte Gneuß hier im Blog den ersten Roman von der Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises vorgestellt hat, lege ich nun nach mit diesem Roman, der nicht nur auf selbiger Longlist zu finden ist, sondern gleich auch auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises. Bei letzterer besteht noch die Möglichkeit, dass das "Kochen im falschen Jahrhundert" es auch auf die Shortlist schafft (Bekanntgabe: 10.10.). Man darf gespannt sein. Hier reizten mich sowohl der schräge Titel des Buches als auch der Klappentext, und freundlicherweise stellte mir der Verlag über NetGalley ein Leseexemplar zur Verfügung. Dafür meinen herzlichen Dank! Wie mir der Roman nun gefallen hat, könnt Ihr hier nachlesen:

Mittwoch, 20. September 2023

Haas, Wolf: Eigentum

„Alles hin.“ Die Mutter, das Geld, das Leben. – Der neue Roman von Wolf Haas

„Ich war angefressen. Mein ganzes Leben lang hat mir meine Mutter weisgemacht, dass es ihr schlecht ging. Drei Tage vor dem Tod kam sie mit der Neuigkeit daher, dass es ihr gut ging. Es musste ein Irrtum vorliegen." Mit liebevoll grimmigem Witz erzählt Wolf Haas die heillose Geschichte seiner Mutter, die, fast fünfundneunzigjährig, im Sterben liegt. 1923 geboren, hat sie erlebt, was Eigentum bedeutet, wenn man es nicht hat. „Dann ist die Inflation gekommen und das Geld war hin." Für sie bedeutete das schon als Kind: Armut, Arbeit und Sparen, Sparen, Sparen. Doch nicht einmal für einen Quadratmeter war es je genug.  (Verlagsbeschreibung)


DNB / Hanser Literaturverlage / 2023 / ISBN: 9783446278332 / 160 Seiten






Gelesen habe ich diesen schmalen Roman im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks - und es war für mich der erste Titel von Wolf Haas. Tatsächlich ließ mich diesmal das Cover genauer hinschauen, packpapiermäßig und puristisch, mit einem Titel, der wie mit einem Stempel aufgedrückt wirkt. Eigentlich kein Hingucker - aber genau deshalb eben doch. Wie es sich kurz darauf ergab: dieser Titel steht auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises. Na, wenn ich schon bisher keinen Titel der Longlist des Deutschen Buchpreises gelesen habe... Aber um Buchpreise soll es hier ja gerade gar nicht gehen, sondern um diesen einen Roman:

Mittwoch, 6. September 2023

Österreichischer Buchpreis 2023 - von der Longlist bis zum Gewinner

 

 

 

 

Erstmals gehe ich hier auch auf den Österreichischen Buchpreis ein, da ich zufällig bereits zwei der für die Longlist nominierten Titel gelesen habe. Hier gibt es nur halb so viele Titel wie beim Deutschen Buchpreis - aber auch das sind zu viele, als dass ich sie alle lesen könnte...