Sonntag, 6. September 2026

WAS DARF ISRAEL? ein Streitgespräch zwischen...

 ... Hamed Abdel-Samad & 
Philipp Peyman Engel

Ein harter Austausch zu Nahost

Der Anschlag vom 7. Oktober und der Gazakrieg haben die Lage im Nahen Osten dramatisch verändert. Aber auch in Deutschland: Plötzlich werden Dinge ausgesprochen, die lange ein Tabu waren, plötzlich radikalisieren sich auch hier die Haltungen. Selbst unter Freunden: Hamed Abdel-Samad und Philipp Peyman Engel schreiben sich Briefe zur Lage im Nahen Osten und tauschen sich direkt und kontrovers zur Lage im Nahen Osten: Betreibt Israel in Gaza einen Genozid? Unterstützen die Palästinenser den Terror? Auf welcher Seite steht Deutschland? Und: Wie kann die Zukunft der Region aussehen?

©2025 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München (P)2025 RBmedia Verlag (audible.de)

  • DNB / audible / 3 Std. und 45 Min. / DTV / 11.09.2025 / ISBN: 978-3-423-44876-5 / 160 Seiten
  • mit Hilfe von Copilot erstellt
Kurzmeinung: Eine Streitschrift, intensiv, widerspruchsvoll, gegenüber der Auseinandersetzung in den Internet-Medien wohltuend höflich und sachlich.
* * *

Mit Was darf Israel? legen Hamed Abdel-Samad und Philipp Peyman Engel einen kontroversen Briefwechsel über den Gazakrieg, den Nahostkonflikt und die deutsche Debattenkultur vor. Ausgangspunkt ist die Auseinandersetzung der beiden Autoren über die Frage, wie Israels militärisches Vorgehen nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 zu bewerten ist. Statt einen Konsens zu suchen, stellen sie ihre gegensätzlichen Positionen offen gegenüber.

Die besondere Stärke des Buches liegt in seiner Form. Abdel-Samad und Engel schreiben einander Briefe, widersprechen sich deutlich und scheuen auch grundlegende Fragen nicht: Handelt Israel in Gaza völkerrechtswidrig? Welche Verantwortung trägt die Hamas? Wie reagiert Deutschland auf den Konflikt? Gerade weil beide Autoren unterschiedliche politische und biografische Perspektiven einbringen, entsteht ein lebendiger und teilweise sehr persönlicher Dialog.

Inhaltlich überzeugt das Buch vor allem dort, wo es Komplexität zulässt. Abdel-Samad kritisiert die israelische Kriegsführung scharf und warnt vor den Folgen für die Zivilbevölkerung. Engel verteidigt Israels Recht auf Selbstverteidigung und betont die Bedrohung durch Hamas und Antisemitismus. Der Leser erhält dadurch Einblick in zwei Argumentationslinien, die in öffentlichen Debatten häufig nur übereinander statt miteinander geführt werden.

Allerdings hat das Buch auch Grenzen. Wer eine ausgewogene wissenschaftliche Analyse ist dieses Buch nicht. Es handelt sich um eine Streit- und Debattenschrift. Die Argumente sind teilweise zugespitzt, Wiederholungen bleiben nicht aus, und manche historische oder politische Frage wird eher angerissen als vertieft. 

Insgesamt ist Was darf Israel? eine wichtige und mutige Veröffentlichung. Das Buch zeigt, dass harte politische Gegensätze nicht zwangsläufig zum Abbruch des Gesprächs führen müssen. Es bietet keine einfachen Antworten, aber es regt zum Nachdenken an und vermittelt, wie ein respektvoller Streit über eines der schwierigsten politischen Themen unserer Zeit möglich sein kann.

Ein weiteres Buch über den Nahostkonflikt, besonders interessant, wenn man zusätzlich die Biografien der beiden Verfasser berücksichtigt. Der 1972 geborene ägyptisch-deutsche Politikwissenschaftler Abdel-Samad ist bekannt für seine islamkritischen Werke, die vielleicht deswegen authentisch sind, weil er als Student mal Mitglied der Muslimbrüderschaft war.

Ihm gegenüber sitzt ein 1983 geborener deutscher Journalist. Engels Mutter floh 1967 aus dem Iran nach Deutschland. Seine Position in diesem Streit lässt gegenüber Abdel-Samad weitaus mehr Emotionalität sichtbar werden, dem Chefredakteur der Jüdischen Allgemeine würde etwas mehr Ruhe besser stehen.

©️ Bücherjunge

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