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Montag, 26. Oktober 2026

Lerch, Tankred: Gott schütze die NASA...

 ... und die Eier meiner Mutter

Wer heißt denn tatsächlich Tankred? Als mir der erste dieses Namens literarisch unterkam, war es ein fieser Kreuzritter im Film "Königreich der Himmel". Der war eine historische Figur, der hier, der Tankred Lerch,  ist ein humoriger Kerl, zu dessen Lesung ich wahrscheinlich nicht gefunden hätte ohne Patricia Holland-Moritz. Sie zu treffen macht immer wieder Spaß, nun höre ich, sie Programm und Lektorat des Verlages Bärmeuer und Nickel betreut.

Dienstag, 20. Oktober 2026

Victoria Bertrams (Beate Baum): Zwischen den Jahren

Bis zum ersten Advent vergehen noch 41 Tage, bis zur Bescherung am Heiligabend müssen Leseratten und andere auch noch 66 mal schlafen. Nach drei Tagen Weihnachten befinden wir uns angeblich "Zwischen den Jahren". wer auch immer das erfunden hat, aber der Spruch ist so etabliert, dass er auch als Buchtitel herhalten kann.

Zwischen den Jahren reisen wir mit Ines, John und Victoria Bertrams nach New York, wie unschwer zu erkennen sein ist.

Vielleicht hätte Victoria Bertrams diese Geschichte auch "Märchen in New York" nennen können, aber wenn die beiden aus den bisherigen drei Musikerkrimis bekannten Figuren auch ein erfolgreiches Märchen erleben und dabei "Fairytale of New York" als Cover-Version von The Pogues (1988) mehrfach zum besten geben, ist der Titel halt besetzt.

  • DNB / Redstart Verlag / 20.09.2026 / ISBN: 978-3565750603 / 132 Seiten
  • Beate Baum alias Victoria Bertrams: Wikipedia / Webseite


Kurz: Ein spannender Musikerkrimi als Weihnachtsschmöker mit viel Musik und Ansichten quer durch New York. Eine musische Reisebeschreibung.

Montag, 19. Oktober 2026

von Oehsen, Elke: Selbstbehauptung ungeschminkt

Dies ist ein Buch von einer Frau für Frauen. Dr. Elke von Oehsen
hat sich immer wieder selbstbehauptet, sie ist die höchstgraduierte Karateka im Deutschen Karateverband mit dem 9. Meistergrad (DAN). Gern und oft erzählte sie in geselliger Runde, was es bedeutete, in den 70er und 80er Jahren in der männerdominierten Karatewelt auch des verehrten Sensei Teuro Kono [1] als junge Frau zu trainieren und Anerkennung zu erwerben.

Die Meisten aus dieser Zunft, des Wadokai-Karate (Wado-Ryu), kennen sie wahrscheinlich ungeschminkt und dieses Wort meint nichts Kosmetisches, sie handelt und spricht im wahrsten Sinne des Wortes geradezu, offen und glaubwürdig.

Im Mai diesen Jahres hat sie „ein Praxisbuch für Frauen, um Handlungsfähigkeit, Schutz und Selbstwirksamkeit zu gewinnen“ im Kono-Verlag veröffentlicht.

Ihr Anspruch ist dabei

„Keine Lösungen vorzugeben, sondern verschiedene Möglichkeiten als Anregung für eine individuelle Auseinandersetzung darzustellen“ (Seite 12)
Wenn „Angst vor Gewalt das Leben von Frauen vor allem unterschwellig [prägt] und ihr Verhalten und ihre Handlungsmöglichkeiten sehr [beeinflusst]“, dann muss man sich mit Fakten, aber sowie mit Klischees, Vorurteilen und Urteilen auseinandersetzen.

  • DNB / Kono-Verlag / Juni 2026 / ISBN: 978-3-910555-38-9 / 179 Seiten

Sonntag, 18. Oktober 2026

Brosius-Gersdorf, Frauke: Wahl und Wahrheit

Ist man kein Jurastudent, beziehungsweise kein Jurist, dann kennt man wohl nur sehr wenige Rechtswissenschaftler, Hochschullehrer oder Professoren. Selbst die, welche nominiert werden, Bundesverfassungsrichter und -richterinnen zu werden, geraten eher in Vergessenheit. In das Gedächtnis politisch interessierter Menschen prägen sich vielleicht die Namen von Präsidetinnen oder Präsidenten des obersten Gerichts ein, wenn diese Urteile von weitreichender Bedeutung verkünden.

Professor Dr. jur. Frauke Brosius Gersdorf sollte vor Jahresfrist Bundesverfassungsrichterin werden.
Mit dem damit einher-gehenden Plagiatsvorwurf  beschäftigte ich mich hier vor einem Jahr. Und damit hier nun Teil 2 zu einem unsäglichen Politikversagen, dessen Wirkungen noch gar nicht ganz absehbar sind. Gleichzeitig dürfte die Wissenschaftlerin für einige Zeit eine der bekanntesten Staatsrechtlerinnen unseres Landes sein.
Kurz: Das etwas andere "Lehrbuch" über das Demokratie- und Rechtstaatsprinzip, die Gewaltenteilung, das Bundesverfassungsgericht, Politik und Medien. Ganz praktisch am konkret eigenen Fall deiner Hochschulprofessorin. Für interessierte Laien und Zweifler. 

Mittwoch, 9. September 2026

Hilscher, Eberhard: Maestros Himmel- und Höllenfahrt


Szenen um Robert Schumann

Es ist selten, aber manchmal finden sich neue Bücher, die so neu gar nicht sind. Klar, die Personen, die in diesem Buch vorgestellt werden, lebten im 19. Jahrhundert. Bei diesem Buch, eine szenische Reisebeschreibung, ist das Besondere, dass Eberhard Hilscher  es bereits 1958/59 schrieb.

Es ist nicht nur eine szenische Reisebeschreibung, denn diese geht mit viel Musik einher. Im Jahre 1843 unternehmen Clara und Robert Schumann eine Winterreise, die führt sie von Dresden bis nach St. Petersburg und zurück. 


Ganz kurz: Es ist eine kurzweilige, aber zeitfressende Lektüre voller wunderbarer Begebenheiten um nicht nur musischen Beschreibungen, die neugierig macht, auf andere Werke des Autors.

Dienstag, 8. September 2026

Mendel, Meron: Über Israel reden

Fünfundzwanzig Jahre wuchs der Autor dieses Buches in Israel in einem Kibbuz auf und studierte Geschichte an der Universität in Haifa. Später setzte Meron Mendel das Studium in Frankfurt a.M. fort. Er promovierte an der Goethe-Universität über die Lebensraelitäten jüdischer Jugendlicher. 

Mendel leitet die Bildungsstätte Anne Frank. Wer wenn nicht er kann sich "einmischen" in die intensiven Debatten in Deutschland über Israel, die vermutlich in keinem anderen europäischen Land so geführt werden.

Der Pädagoge und Publizist beschäftigt sich in diesem Buch weniger mit dem Staat Israel selbst, mehr mit der emotional geführten, oft verbitterten Debatte, die sich aktuell auf deutschen Straßen in der Auseinandersetzung zwischen pro-palästinensischen und pro-israelischen Kundgebungen und Demonstrationen darstellt,  wobei die pro-Palästina Veranstaltungen überwiegen. Oft ist ein mehr als sichtbarer größerer Einsatz von Polizeikräften zum Schutz verschiedener Versammlungen, vor allem aber deswegen notwendig, damit jeweils Andersdenkende nicht angegriffen werden.

Kurzmeinung: Ein überaus informatives und aufschlussreiches Sachbuch über Israel und Deutschland.

Montag, 7. September 2026

Thürk, Harry: Taifun - Aufzeichnungen eines Geheimdienstmannes I-III


Zu Beginn eine „Buchgeschichte“ aus den Jahren 1988 und 2009.

Es wird im Jahre 1987 oder 88 gewesen sein. Da bekam ich ein Buch in die Hand gedrückt. Genauer gesagt, ich musste mich anstellen, denn eine Reihe anderer wollte es auch lesen. Dann las ich den ersten Band. Und wollte es kaufen. Also ging ich in das Haus des Buches am Dresdner Postplatz, die damalige Nr. 1 Buchhandlung der Stadt.

Ich: "Tag auch, ich hätte gern den Thürk Roman "Taifun". 
Verkäuferin: "...tut mir leid, Kenn ich nicht."
Ich: "Na so was, hab ich ja bereits gelesen..."
V: "Kann nicht sein..."
Ich: "Doch..."
V: "Sie meinen bestimmt "Der schwarze Monsun"
Ich: "Nee..."

So ging das eine Weile hin und her. Sie schaut ind die Bibliographie und sagt: "Gibt es nicht!!!" (Mit drei Ausrufezeichen) Langsam hielt sie mich wohl für bescheuert.

Raus kam aber später: Der Roman wurde zwar im mitteldeutschen Verlag verlegt, aber zuerst nur in Staatssicherheitskreisen vertrieben. So geheim waren die nun auch nicht, das Buch war dort wohl nicht als "Geheime Kommandosache" eingestuft. Bis 1989 war es nicht mehr weit hin, mein Exemplar ist von 1990, mit ISBN Suche wird auch nur 1990 angegeben. Jedenfalls hab ich es vor dem Erscheinen im Mitteldeutschen Verlag gelesen.

Sonntag, 6. September 2026

WAS DARF ISRAEL? ein Streitgespräch zwischen...

 ... Hamed Abdel-Samad & 
Philipp Peyman Engel

Ein harter Austausch zu Nahost

Der Anschlag vom 7. Oktober und der Gazakrieg haben die Lage im Nahen Osten dramatisch verändert. Aber auch in Deutschland: Plötzlich werden Dinge ausgesprochen, die lange ein Tabu waren, plötzlich radikalisieren sich auch hier die Haltungen. Selbst unter Freunden: Hamed Abdel-Samad und Philipp Peyman Engel schreiben sich Briefe zur Lage im Nahen Osten und tauschen sich direkt und kontrovers zur Lage im Nahen Osten: Betreibt Israel in Gaza einen Genozid? Unterstützen die Palästinenser den Terror? Auf welcher Seite steht Deutschland? Und: Wie kann die Zukunft der Region aussehen?

©2025 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München (P)2025 RBmedia Verlag (audible.de)

  • DNB / audible / 3 Std. und 45 Min. / DTV / 11.09.2025 / ISBN: 978-3-423-44876-5 / 160 Seiten
  • mit Hilfe von Copilot erstellt
Kurzmeinung: Eine Streitschrift, intensiv, widerspruchsvoll, gegenüber der Auseinandersetzung in den Internet-Medien wohltuend höflich und sachlich.

Samstag, 5. September 2026

Scott-Baumann, Michael: Die kürzeste Geschichte von Israel und Palästina.

Michael Scott-Baumann gelingt mit Die kürzeste Geschichte von Israel und Palästina etwas, woran viele Sachbücher scheitern: Er erklärt einen der komplexesten Konflikte der Gegenwart verständlich, ohne ihn auf einfache Wahrheiten zu reduzieren. Auf knappem Raum zeichnet er die historischen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen nach, die den Nahostkonflikt bis heute prägen.
Besonders überzeugend ist die ausgewogene Darstellung der unterschiedlichen Perspektiven. Der Autor lädt dazu ein, die historischen Erfahrungen und Interessen beider Seiten nachzuvollziehen. Dadurch eignet sich das Buch sowohl für Einsteiger als auch für Leser, die einen kompakten Überblick suchen.

Allerdings scheint der sich der Überblick im letzten Drittel etwas nach einer Seite zu neigen, wenn die durchaus berechtigte Kritik an der Politik der israelischen Regierung in der Vordergrund tritt. Außerdem geht auch dieser Autor nicht weiter auf die Frage ein, warum in den rund 20 Jahren, in denen von 1949 bis 1967 Jordanien das Westjordanland besetzt hielt, die arabisch - palästinensische Seite keine Anstalten machte, den durch die UNO avisierten Staat wenigstens dort zu gründen.

Natürlich kann ein so kurzes Buch nicht alle Facetten eines über hundert Jahre alten Konflikts behandeln. Gerade deshalb liegt seine Stärke in der klaren Struktur und der Fähigkeit, Orientierung in einem oft unübersichtlichen Thema zu bieten.

Fazit: Ein gut geschriebener und gesprochener, informativer und zugänglicher Einstieg in die Geschichte Israels und Palästinas. Wer die Hintergründe des Konflikts besser verstehen möchte, findet hier eine empfehlenswerte erste Lektüre.

©️ Bücherjunge
(mit KI-Unterstützung - Copilot)

Donnerstag, 3. September 2026

Amjahid, Mohamed: Alles nur Einzelfälle?

Das System hinter der Polizeigewalt

„Die moderne Polizei, wie wir sie heute kennen, basiert auf diesem Prinzip: Menschen und vor allem Besitz sollen geschützt werden.“ Das Prinzip beruht, so der Autor im 2. Kapitel, welches mit „Eine kleine Geschichte der Polizei“ überschrieben ist, darauf, dass die Polizei von alters her „Eigentum vor der verarmten Bevölkerung zu schützen, die naturgemäß ein Stück vom Kuchen abhaben wollte. Es ging darum, die proletarischen Massen zu kontrollieren und sie dem Adel und später dem Bürgertum als billige, ausgebeutete Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen.“ 

Das Kapitel enthält zwar Hinweise auf die Rolle der Polizei im NS-Staat und die Polizei in der DDR, aber Gründe dafür, wie und warum die Polizei der Bundesrepublik nach deren Gründung so aufgebaut wurde wie sie ist und sich entwickelt hat, führt Amjahid nicht an. 

Das Buch ist Ergebnis einer jahrelangen Beschäftigung mit dem dargestellten Phänomen, es bringt vermutlich jegliche Form von Polizeigewalt, Rassismus, Racial Profiling, Rechtsextremismus in der Polizei, extremistische Chatgruppen zur Sprache, Drohungen gegen den Autor und andere.

Eine große Menge an Fußnoten dient als „Beleg“ für die aufgezeigten Fälle, das Verzeichnis kann mittels QR-Code abgerufen werden. In der Masse sind das allerdings Internet-Adressen, ohne extra, also lesbarer Quelle und mehrfach verweist.

Mohammed Amjahid, geboren 1988, ist Journalist und Autor politischer Bücher, er hat für viele Medien gearbeitet und ist auch ausgezeichnet wurden.



Diese Buchbesprechung, eher ein Essay, erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit. Das Netz, ob YouTube oder Instagram ist voll von Berichten und Videos zum Thema, seien sie kurz, privat aufgenommen oder professionell, als Meldung, Bericht oder Reportage, von öffentlich-rechtlichen Medienanstalten oder anderen Portalen. Auf alle im Buch geschilderten Formen von Polizeigewalt werde ich daher nicht eingehen.
  • DNB / Piper / München 1924 / ISBN: 978-3-492-06520-7 / 349 Seiten

Sonntag, 23. August 2026

Gansel, Carsten: Ausradiert? - Wie die Literatur der DDR verschwand

Was passierte mit Millionen Büchern der DDR-Literatur nach 1989? Landeten diese auf dem Müll? Richtig ist, dass unzählige (momentan) nicht mehr verkäuflich waren, die Leserinnen und Leser wollten anderes lesen. Der Inhalt der Buchregale in den Buchhandlungen wurde förmlich ausgetauscht. Bibliotheken dichtgemacht. Gefühlt hatte jedes Dorf eine Bibliothek. Doch wurde die Literatur der DDR wirklich „ausradiert?“ – Ausradiert bedeutet doch gelöscht? Im Gedächtnis der Leserinnen und Leser sicher nicht.

Davon schreibt der Literaturprofessor Carsten Gansel in seinem Buch Ausradiert? – Wie die Literatur der DDR verschwand Nach eigenem Dafürhalten des Autors ist das Buch keine Abrechnung, bei aller Kritik an westdeutscher Lesart. Gansel darf „dem ‚Ausradieren‘ nachgehen, weil er, der Literaturprofessor an der Justus Liebig Universität „keine Rechnung mit dem Westen offen hat.“

DNB / Reclam Verlag / 18.03.26 / ISBN: 978-3-15-011566-4 / 383 S
Carsten Gansel - Webseite


Donnerstag, 13. August 2026

Weigele, Erika: Die Töchter von Zürich



Das 12. und das 13. Jahrhundert scheinen die beiden beliebtesten Jahrhunderte für Mittelalterromane zu sein. Es ist egal, in welcher Gegend sie handeln. Die Autorinnen und Autoren haben so ihre Lieblingsorte. Einer hat es mit Robin Hood, mag England und Aquitanien, eine andere findet Freiberg und Meißen toll, diese Autorin hier schickt die Leserinnen und Leser zum zweiten mal nach Zürich in die Jahre zwischen 1290 und 1293. Mit dem ersten Band war Erika Weigele schon für den Goldenen Homer für historische Romane 2024 nominiert.

Erika Weigele hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert, da kommt man um mittelalterliche Kunst nicht drumrum. Wer hat schon mal etwas von der Manessischen Liederhandschrift gehört? Wer nicht,  der schaue mal schnell in die Buchbesprechung zu Der Buchmaler von Zürich.

Montag, 3. August 2026

Goldammer, Frank: All Inclusive

Bereits zum zweiten mal begegnet uns so ein Hörbuch, ein Audible Original Thriller, aus der Feder von Frank Goldammer. Nach einer grusligen Wintergeschichte mit dem bezeichnendem Namen "Eingeschneit" begeben wir uns nun mit dem Autor in ein Urlaubsresort auf einer Isla de Español - irgendwo auf der Welt. Wir starten mit Luise, Monika (Mo), Valerie und Patricia. 

Doch das Paradies trügt. Erst verschwindet eine Urlauberin, dann ist plötzlich Valerie weg und Luise begreift: Hier geht es um Leben und Tod. Doch je tiefer sie gräbt, desto höher werden die Mauern des Schweigens. Hinter den Kulissen des scheinbar perfekten Ferienresorts verbirgt sich ein tödliches Geheimnis. Selbst der Polizei kann hier niemand trauen.

Ein atemloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt – werden alle lebend nach Hause zurückkehren? (audible)

Nur eine der vier unterschiedlichen Freundinnen aus Schul- und Kindertagen kann zur Lösung gleich mehrerer Vermisstenfälle beitragen, die einzige sympathische. Ein Frauenkrimi? Nicht unbedingt... Wie immer bei Goldammer, ist am Ende ein anderer der Täter. Oder sind es mehrere? 

Ein Sommerthriller in einer Hörlänge von 7 Stunden und 15 Minuten. Das reicht für einmal nach Dresden und zurück. Spannend, kurzweilig, gruslig. Typisch Goldammer, dem Schreibpausen vermutlich unangenehm sind.

Und Cluburlaub ist nichts für mich. 

©️ Bücherjunge

Mittwoch, 29. Juli 2026

Hoffmann, E.T.A.: Meister Floh

Meister Floh - PdL 20

Ein Märchen in sieben Abenteuern zweier Freunde

„Hier werden Titel wiederveröffentlicht, die bereits im 19. oder 20. Jahrhundert in Europa erschienen sind und zeitweise sehr erfolgreich waren oder sprachliche Besonderheiten aufweisen und auf jeden Fall richtungsweisend waren“

Das sind die Perlen der Literatur aus dem Input-Verlag, hier nun die zwanzigste Vorstellung der Reihe, welche inzwischen bereits vierzig Bände umfasst.

Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann (1776 – 1822), der den Wilhelm wegen seiner Mozart-Verehrung gegen Amadeus austauschte, schrieb den Meister Floh am Ende seines Lebens und hatte dabei noch Ärger mit der Justiz und vielleicht ist das für diese oder jene Leser oder Leserinnen die eigentlich spannende Geschichte dieses Buches.

Welchem Dichter wird schon eine Oper nebst Hauptrolle gewidmet? Hoffmanns Erzählungen von Jaques Offenbach beruht auf drei Erzählungen und eine vierte, die von Klein Zaches, genannt Zinnober, erhält in der Oper ein eigenes Lied, gesungen vom Dichter. Allein dies sollte auf den Dichter neugierig machen, der eine ganze Reihe von Literaturperlen verfasste.

Dienstag, 28. Juli 2026

Ein Rückblick auf die Chárdásfürstin

 

Szenenbild TOG


Nun sind sie vorbei, die diesjährigen Operettenfestspiele im Schlosspark Neustrelitz. Auf strelitzius.blog lesen wir, dass 12.310 Zuschauer die 12 Vorstellungen von Emerich Kálmáns Werk gesehen haben. Am 02.Juli kündigte ich an, was die Besucherinnen und Besucher erwartet, sie wurden nicht enttäuscht. 

Dienstag, 7. Juli 2026

Thürk, Harry: Die Stunde der toten Augen

Autobiografisches in einem zeitlosen Kriegsbuch


Dieses ist ein für die DDR äußerst ungewöhnliches Kriegsbuch, das Harry Thürk (1927 – 2005) in den fünfziger Jahren schrieb. Die ersten Exemplare zwischen 1958 und 1960 wurden eingestampft und aus den Bibliotheken entfernt. Es wurde trotzdem eines der meistgelesenen Bücher im Osten Deutschlands. 
„Sie beherrschten alles, was nötig war, um ein Unternehmen wie dieses auszuführen. Sie beherrschten nicht nur ihre eigenen Waffen, sondern auch die, mit denen der Gegner ausgerüstet war. Sie waren im Kraftfahren ausgebildet, in der Technik des Sprengens und im Minenlegen. Sie beherrschten ein halbes Dutzend verschiedener Methoden zu töten.“ (Klappentext)

Montag, 6. Juli 2026

Links, Christoph: Verschwundene Verlage...

Verschwunden? Verlage und Literatur

... ein unbekanntes Kapitel ostdeutscher Kulturgeschichte

Die DDR war ein Leseland. Sagt man. Liest man immer wieder. Ihre Literatur ist umstritten. Im Streit geht es um die Frage, ob die Literatur nun einerseits das alltägliche Leben östlich der Elbe widerspiegeln kann oder ob sie, wenn die Autoren nicht zwischen 1949 und 1989 in die Bundesrepublik gewechselt sind, vor allem eine diktaturverherrlichende Literatur war. Doch darüber wird an anderer Stelle demnächst zu schreiben sein. Hier geht es darum, wie denn das Verlagswesen aussah, in dem die Bücher gedruckt wurden.

Für das erste Thema hat der Literaturprofessor Carsten Gansel das Buch Ausradiert? – Wie die Literatur der DDR verschwand geschrieben. Das zweite Thema bediente Christoph Links in Verschwundene Verlage – Ein unbekanntes Kapitel ostdeutscher Kulturgeschichte.

Beide Fragen gehören einerseits zusammen, beide Verfasser fragen nach Kulturgeschichte, andererseits geht es bei der Literatur hauptsächlich um die aus Verlagen, die "immer" da waren. 

Der CH.Links Verlag war eine der ersten Neugründungen im Herbst 1989 und versuchte, „die weißen Flecken der jüngsten deutschen Geschichte aufzuarbeiten und die realen Verhältnisse der DDR zu analysieren.“ Seit 2019 gehört der Verlag zu den Aufbau – Verlagen. Der Aufbau – Verlag des Kulturbundes erhielt bereits 1945 eine der ersten Lizenzen der Sowjetischen Militäradministration und brachte als erste Titel unter anderem Heinrich Heines Ein Wintermärchen“ und Theodor Pleviers „Stalingrad“ heraus. 

Mittwoch, 24. Juni 2026

Khalidi, Rashid: Der hundertjährige Krieg um Palästina

So unterschiedlich wie die öffentliche Wahrnehmung zur aktuellen Berichterstattung über den Nahostkonflikt ist auch die Literatur zum Thema. Schon der Titel des Sachbuches von Rashid Khalidi (*1948) lässt keine Zweifel offen, um was es geht, wenn der us-amerikanisch-palästinensische Historiker den Nahostkonflikt als einen hundertjährigen Krieg um Palästina beschreibt und mit einer Geschichte um Siedlerkolonialismus und Widerstand untertitelt, wobei mit Widerstand der der palästinensischen arabischen Bevölkerung gemeint ist.

Montag, 22. Juni 2026

Wolffsohn, Michael: Wem gehört das heilige Land?

Ein Frage, die angesichts der Diskussionen um Palästina immer wieder gestellt werden muss. Der Historiker Michael Wolffsohn, der bis 2012 an der Bundeswehruniversität München Neuer Geschichte lehrte, geht dabei weit in die Geschichte zurück.

Die Frage, die der Publizist im Titel stellt, ist rein mit exakter Geschichtswissenschaft nicht zu beantworten.

Er widmet sich in diesem den Wurzeln des Palästinakonflikts zwischen Juden und Arabern im Nahen Osten. Die Frage nach dem Besitz betrachtet er einmal religiös unter Rückgriff auf das Alte Testament bzw. die Tora, geht weiter auf die verschiedenen "Besitzer" in den aufeinanderfolgenden geschichtlichen Epochen ein, einschließlich der aktuellen politischen Epoche. Hierbei word man unterscheiden müssen zwischen der Zeit vor 1948 und die Zeit nach der Staatsgründung Israels.

Wolffsohn räumt dabei mit vielen Mythen auf. Obwohl der Versuch, wissenschaftliche Fakten von religiösen und ideologischen Narrativen zu trennen dem versierten Wissenschaftler gelingt, kann er am Ende die selbstgestellte Frage nicht beantworten.

  • DNB / 2002 Piper Verlag / Audio Verlag München 2024 - audible.de / ISBN - Print: 978-3-492-23495-5 / rund 300 Seiten oder 9 Std. und 20 Minuten
  • Wolffsohn, Michael: Webseite

Sonntag, 21. Juni 2026

Howidy, Hamza Abu: Muscheln am Strand von Gaza

Erinnerungen an ein zerstörtes Land untertitelt Hamza Abu Howidy das vorliegende Buch, der sich erinnert, am Strand von Gaza einst Muscheln gesammelt zu haben. Es ist ein neues, ein aktuelles Buch aus dem Fischer-Verlag.

Ein autobiografisches Buch aus der Feder eines 1997 in Gaza geborenen Palästinensers, erzogen in einer Welt, in der seit Jahren eine politische Organisation Politik macht, die ihre islamistischen Ansichten einerseits mit militärischer Gewalt gegen Israel darstellt, anderseits gegenüber der palästinensischen Bevölkerung mit Haft und Folter agiert, wenn diese nicht spurt. Die HAMAS und ihr militärischer Arm, bezeichnenderweise Islamischer Dschihad genannt, ist diese Organisation, die einst aus der Muslimbrüderschaft hervorging.