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Freitag, 17. Oktober 2025

Wolffsohn, Michael: Wem gehört das heilige Land?


Ein Frage, die (wieder einmal) überaus aktuell gestellt werden muss. Der Historiker Michael Wolffsohn, der bis 2012 an der Bundeswehruniversität München Neuer Geschichte lehrte, geht hier allerdings weit zurück. 

Die Frage, die der Publizist im Titel stellt, ist rein mit exakter Geschichtswissenschaft nicht zu beantworten.

Er widmet sich in diesem den Wurzeln des Palästinakonflikts zwischen Juden und Arabern im Nahen Osten. Die Frage nach dem Besitz betrachtet er einmal religiös unter Rückgriff auf das Alte Testament bzw. die Tora, geht weiter auf die verschiedenen "Besitzer" in den aufeinanderfolgenden geschichtlichen Epochen ein, einschließlich der aktuellen politischen Epoche. Hierbei word man unterscheiden müssen zwischen der Zeit vor 1948 und die Zeit nach der Staatsgründung Israels.

Wolffsohn räumt dabei mit vielen Mythen auf. Obwohl der Versuch, wissenschaftliche Fakten von religiösen und ideologischen Narrativen zu trennen dem versierten Wissenschaftler gelingt, kann er am Ende die selbstgestellte Frage nicht beantworten.

Samstag, 30. August 2025

Schildbach, Matthias: Der vergessene Angriff

Kommt man auf das Thema alliierter oder anglo-amerikanischer Bomberangriffe während des zweiten Weltkriegs, dann fallen Städtenamen wie Hamburg, Pforzheim, Würzburg, Düren, Köln, Essen, Berlin und München. Und natürlich Dresden. Letztere Stadt wurde dadurch in diesem Sinne bekannt, weil sie erst ab Februar 1945 massiv angegriffen und Dresdens Innenstadt in 48 Stunden am 13./15. Februar fast vollständig zerstört wurde. Seither ist dieses Datum nicht nur den Dresdnern eingebrannt.

Doch die Angriffe gingen weiter. Der 17. April 1945 war so ein Großkampftag für amerikanische Bomberverbände. In Dresden zerstörte man endgültig die noch vorhandenen Eisenbahnverbindungen (Bahnhof Dresden Friedrichsstadt / Güterbahnhof Walterstraße), aber die Luftschlacht fand über Sachsen und Teilen von Böhmen statt, große Zerstörungen erlitt z. B. Aussig (Usti nad Labem).
Der Zorn des Krieges überzog jetzt ebenfalls in diesen Gegenden die Bevölkerung, deren Volk ihn „frevelnd herraufbeschwor“, wie Reinhard Mey das mal besang.

Dieser 17. April ist weitgehend unbekannt, dies zu ändern, verschrieb sich Matthias Schildbach, der mit DER VERGESSENE ANGRIFF „erstmals das Luftkriegsgeschehen des 17. Aprils 1945 umfassend darstellte."

Doch nicht nur das...

Donnerstag, 26. Juni 2025

Thrall, Nathan: Ein Tag im Leben von Abed Salama

Es ist selten, wenn ein Buch in so kurzer Zeitspanne gleich zweimal auf diesem Blog besprochen werden soll. Diesmal hat sich Anne Parden zuerst in einen zur Zeit weltweit beobachteten Raum begeben, Ein Tag im Leben von Abed Salama führt uns in die Gegend um Jerusalem.

The Times of Israel titelt am 16. Februar 2012:

"10 killed in bus accident north of Jerusalem
Truck collided with bus carrying Shuafat schoolchildren on day trip, injuring at least 40; PA health minister: Israeli rescue forces failed to provide timely assistance."


Einigermaßen nüchtern sind die Berichte unter den Begriffen Schulbus+Unfall+Jerusalem. (Link bbc-Bericht). Das Hamburger Abendblatt schreibt zu diesem Unglück:

„Der Unfall geschah bei starkem Regen und Nebel an einer sehr belebten Straßenkreuzung zwischen Jerusalem und Ramallah. Eltern warfen den Organisatoren vor, sie hätten den Ausflug der Schüler angesichts des schlechten Wetters absagen müssen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ordnete eine dreitätige Trauer an.“

Sonntag, 15. Juni 2025

Über Palästina... und mehr

Über Palästina, den Nahost-Konflikt, Israel und Judentum, Araber und Islam, Holocaust und Antisemitismus. 

Topographische Karte
von Palästina
mit international
anerkannten
Staatsgrenzen
Seit dem 07.10.2023 trat der Nahostkonflikt wiederholt mit einem Knall in unser Leben. Die radikalislamistische Terror-Organisation HAMAS griff aus dem Gaza-Streifen Israel an, tötete mehr als 1200 Israelis und verschleppte mehr als 200 Geiseln in den Gazastreifen. Die israelische Antwort folgte sofort und seitdem herrscht Krieg. Aus dem Iran, dem Libanaon, dem Gaza-Streifen, selbst aus dem Jemen fliegen Raketen auf den kleinen säkularen und gleichzeitg jüdischen Staat, der 1948 gegründet wurde.

Auch in Israel brodelt es: Mit einer Justizreform könnte der amtierende Ministerpräsident die einzige Demokratie in diesem Raum nachhaltig beschädigen, da er an der Gewaltenteilung rüttelt.

Nun, seit dem 12.06.2025 fliegen die israelischen Luftstreitkräfte Angriffe auf Atom- und Militäranlagen in der Islamischen Republik Iran, womit der Konflikt eine Entwicklung nimmt, die 1948 (Palästinakrieg), 1967 (Sechstagekrieg) und 1973 (Jom-Kippur-Krieg) weit übertreffen könnte.


* * *


Im Jahr 2009 hatte ich die Gelegenheit, eine Studienreise mit der Gewerkschaft nach Israel zu machen. Diese führte von Tel Aviv - Jaffa, durch den Negev, Masada, En Gedi, Totes Meer, Jericho, Nazareth, den See Genezareth, Akkon, die Golanhöhen und das Hebron - Tal nach Jerusalem. Im Jahr 1998 war ich schon mal in der Gegend, damals stand auch Bethlehem auf dem Programm. Eine Wiederholung war im Oktober 2023 geplant. Der Flug sollte eine Woche nach dem 7. Oktober 23 stattfinden, er fiel natürlich aus.

Donnerstag, 3. April 2025

Masala, Carlo: Wenn Russland gewinnt - Ein Szenario

Wahrscheinlich jeder länger dienende Soldat, vor allem Berufssoldaten und unter diesen Einheitsführer, lernt die militärische Lage zu beurteilen. Den vermutlichen Zielen des Gegners, dessen Fähigkeiten in Angriff und Verteidigung, seiner Ausrüstung und seinen Kampfmitteln werden die Fähigkeiten der eigenen Einheit, des Bataillons, des Regiments, der Brigade gegenübergestellt, eigene taktische Ziele entwickelt, Entschlüsse gefasst und diese in Pläne und Befehle umgesetzt. Dabei geht es um Taktik als Theorie und Praxis der Führung solcher Formationen, das ist Bestandteil der Kriegführung. Strategie, operative Kunst und Taktik werden insgesamt als Kriegskunst bezeichnet.

Bevor Divisionen, Korps oder Armeen in Einsatzbereitschaft oder in Marsch gesetzt werden, wird die Strategie festgelegt, welche nicht nur, aber vor allem von der Politik bestimmt wird.

Der Einsatz der deutschen Kampfbrigade in Litauen, die aus 5000 Soldaten und Soldatinnen unserer Bundeswehr bestehen soll, ist Ergebnis der deutschen, der europäischen und NATO-Strategie im Ergebnis der Beurteilung der politischen militärischen Lage im Zusammenhang mit dem schon drei Jahre anhaltenden Krieges in der Ukraine.

Kriegstüchtig sein. Das erfordert vor allem Übung, Übung, Übung. Jede Übung im größeren Rahmen, oft Manöver genannt, folgt einer Idee, einem Szenarium, nachdem der militärische Gegner handeln könnte und geübt wird, wie ein möglicher Angriff zum Beispiel zurückgeschlagen werden kann.

Die genannte Brigade in Litauen (Panzerbrigade 45) muss aber gleichzeitig so leistungsfähig, geübt und ausgerüstet sein, das es sich der mögliche Gegner überlegt, den NATO-Staat Litauen anzugreifen. Als möglicher militärischer Gegner kommen im Norden der NATO-Flanke nur zwei Staaten in Betracht: Weißrussland und Russland.

Dienstag, 24. Dezember 2024

Lorne, Mac P.: Admiral Nelson - Unter Englands Flagge

„England expects that every man will do his duty.“ 

Dieser Satz ist belegt. Die HMS Victory, das Flaggschiff von Vizeadmiral Horatio Nelson, hatte die Toppen damit beflaggt; ob der ursprünglich so heißen sollte: „Nelson vertraut darauf, dass jedermann seine Pflicht tut“, ist wohl eher Fiktion.

Fiktion von Mac P. Lorne, der mit den beiden Bänden über den englischen Seehelden, der auf seinen Schiffen mit der sonst oft üblichen Quälerei und Bestrafung der Mannschaften Schluss gemacht hatte und zu dessen Kommandos die Männer sich oft freiwillig anmustern ließen, die Unmenge an vorhandener Sachliteratur durch einen tollen historischen Roman erweiterte.

Auf dem Trafalgar Square steht das Denkmal des Admirals, gegenüber vom Kap Trafalgar treffen die englische Kanalflotte und die vereinigte französisch - spanische Flotte aufeinander. Diese Schlacht wird Englands Seemacht für die nächsten 100 Jahre einleiten.

Samstag, 23. November 2024

Žhadan, Serhij: Himmel über Charkiw

 

Für ein Tagebuch fehlt ihm die Zeit. Serhij Zhadan ist Tag und Nacht im beschossenen Charkiw (Ost-Ukraine) unterwegs – er evakuiert Kinder und alte Leute aus den Vororten, verteilt Lebensmittel, koordiniert Lieferungen an das Militär und gibt Konzerte. Die Posts in den sozialen Netzwerken dokumentieren seine Wege durch die Stadt und sprechen den Charkiwern Mut zu, unermüdlich, Tag für Tag. Die Stadt leert sich. Freunde kommen um. Der Tod ist allgegenwärtig, der Hass wächst. Als die Bilder von Butscha um die Welt gehen, versagt auch Zhadan die Stimme. »Es gibt keine Worte. Einfach keine. Haltet durch, Freunde. Jetzt gibt es nur noch Widerstand, Kampf und gegenseitige Unterstützung.« (Verlagsbeschreibung)

DNB / Suhrkamp / 2022 / ISBN: 978-3-518-43125-2 / 239 Seiten

Kurzmeinung: Nachrichten vom Überleben im Krieg - eine Chronik der ersten vier Monate des völkerrechtswidrigen russischen Überfalls auf die Ukraine...
 
 
 
 
 

Dienstag, 23. Juli 2024

Sonne, Werner: Israel und wir… (Palästina und Israel 2023/24 - Part 5)

Bestimmte Bücher erscheinen manchmal ganz schnell. Das gilt insbesondere wohl für Sachbücher, die sich mit aktuell-politischen Geschehen beschäftigen. Ein solches ist der mit dem Oktober des Jahres 2023 wieder angefachten Nahost-Konflikt. Dies ist nun schon der fünfte Beitrag, der sich sich damit beschäftigt.  

Zur Erinnerung: Seit dem Jahre 2009, das Jahr indem ich mit einer Reisegruppe der Gewerkschaft der Polizei Palästina besuchte, sammeln sich eine Vielzahl von Büchern zum Thema im Regal. Einige habe ich hier bereits besprochen, nicht von ungefähr gibt es dafür eine extra Seite auf diesem Blog.

Deutschland steht seit Konrad Adenauer, seit Olympia 1972 uns nicht zuletzt nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel von der Sicherheit Israels als deutsche Staatsräson sprach, in eine besonderen Beziehung zu diesem jüdischen Staat, dessen aktuelle Regierung gerade die einzige (und doch in Blick auf europäische) Demokratie aufs Spiel setzt. Dazu schrieb ich vor kurzem in der Buchbesprechung zu Bedrohtes Israel.

Dienstag, 14. November 2023

Segev, Tom: Die ersten Israelis (Palästina und Israel 2023 - Part 1)


Was ist schon wieder los in diesem Palästina? Mit dem 7. Oktober zwingt die HAMAS (und der islamische Dschihad, von dem selten gesprochen wird) die Regierung Israels zu einem neuen Militärschlag - nun gegen die Komandozentralen in Gaza.
 
Ich nehme dies als Anlass für mehrere Beiträge zum Thema und will nicht verhehlen, dass meine Sympathie bei des Israelis liegt. Hier. Jetzt. Unbedingt. Aber nicht ausschließlich. Warum, das werden wir hier auch sehen. In alten und neuen Texten, in älteren und aktuellen Büchern. Bisher Gesammeltes findet sich hier...

Donnerstag, 5. Oktober 2023

Knöppler, Florian: Südfall

Auf dem Weg zurück nach England fliegen die Bomberverbände über das Wattenmeer. Ihre Bombenlast haben sie über Hamburg oder anderen Städten abgeworfen. Gefährlich ist auch der Rückweg. Irgendwo , vielleicht zwischen Pellworm und Nordstrand liegt die Hallig Südfall. Vielleicht ist Dave dort abgestürzt. In welche Richtung soll er sich bewegen? Die Flut steigt, doch er trifft auf Anna, die ihm hilft.

Es ist Krieg, aber dort im Wattenmeer ist es ruhig. Aber es ist nicht ungefährlich, auch dort droht, vielleicht Verrat. Es sollen schon Piloten aus Rache umgebracht worden sein.

Dave ist im Zivilberuf Tierarzt. Er kann sich revanchieren. Der Weg über das Wattenmeer an der Küste entlang, ungefähr von Husum bis ins dänische Hoyer ist lang. Dort, im Fluss Vidå, liegt ein Boot und Simon, der Fischer kann Dave vielleicht über die Nordsee nach Hause zurückbringen. 

Donnerstag, 14. September 2023

Trauboth, Jörg. H.: Zarentod - Das Ende des Präsidenten

ZARENTOD – DAS ENDE DES PRÄSIDENTEN… Dahinter Zwiebeltürme vor dem Nachthimmel. Der Klappentext erklärt, dass der russische Präsident auf den Krieg mit der NATO aus ist. In der Ukraine geht es wohl deshalb nicht so richtig vorwärts? 

Doch der Oligarch Alexej Sokolow stellt sich dagegen. 

Derweil treffen die Leserinnen und Leser auf einen alten Bekannten, den Ex-KSK-Soldaten Mark Anderson, Inhaber einer Firma, die Unternehmen in Bezug auf Krisen berät und der mit seinen Kollegen so manche Krise selber beilegte. Zum Beispiel musste er schon mal die Familie des US-Präsidenten retten. 

Die Masse der Protagonisten finden sich in einem Flugzeug wieder, dessen Flugroute durch den Entführer immer wieder geändert wird: Er will seinen Bruder aus dem russischen Gefängnis retten - Nika kämpfte einst im ASOW – Stahlwerk…

Dienstag, 7. Februar 2023

Schütt, Rüdiger: Gorch Fock - Die Biografie

Gorch Fock dürfte heute den meisten „nur“ bekannt sein als Name für ein Segelschiff. Vielleicht weiß auch jemand, dass es mehrere Segelschiffe dieses Namens gab. Zwei gibt es aktuell und das auf dem 10 D-Mark-Schein fährt noch über die Weltmeere mit künftigen Offizieren der Bundesmarine als Kadetten an Ort. 

Gorch steht für Georg und Fock für den Familiennamen der Großmutter von Johann Wilhelm Kinau (1880 - 1916). Dieser hat unter dem Pseudonym Gorch Fock im Jahr 1912 den Roman Seefahrt ist not! herausgebracht und wurde damit berühmt.

Der Titel des Romans gab daher auch den Titel für die Biografie über den niederdeutschen Schriftsteller, der viele seiner Stücke auch in Plattdeutsch verfasste. Nun wurde der Roman zuletzt im Input – Verlag als Band 3 der Reihe Perlen der Literatur verlegt. Das Lesen des Romans führt fast zwangsläufig zur Beschäftigung mit dessen Autor, daher war der Fund der Biografie in der wissenschaftlichen Buchgesellschaft (WBG) die logische Folge nach der Buchbesprechung von Seefahrt ist not!

Samstag, 21. Januar 2023

Jysch, Arne: Wave and Smile

Auf Arne Jysch stieß ich während der Beschäftigung mit der Gereon-Rath-Reihe von Volker Kutscher. Der Grafiker und Autor hatte den ersten Band der Reihe, „Der nasse Fisch“, als graphic novel gestaltet. Schon mehrfach war diese Buchform bei verschiedenen Genres Thema in unserem Blog. Zu Beginn war ich etwas skeptisch, ob Politik und Geschichte in Form von „Comics“ vermittelt werden können. Doch insbesondere die „Bilderbücher“ mit Israel-Thema und sogar über Sophie Scholl brachten mich diesen Büchern näher.

Arne Jysch hat mit Winken und Lächeln bei Carlsen eine graphic novel herausgebracht, die sich mit einem ernsten und im Zeichen des Krieges im Osten Europas auch aktuellem Thema beschäftigt. Hierbei spielt es keine Rolle, dass das Buch bereits 2014 heraus kam. Der langjährige Bundeswehreinsatz im Rahmen der International Security Assistance ForceISAF – dauerte von 2002 bis 2014. Am 14. Januar 2002 patrouillierten  erstmals deutsche Soldaten in Kabul. Die letzten 254 Soldaten der Mission Resolute Support kehrten am 30. Juni 2021 aus Afghanistan nach Deutschland zurück. Eine etwas kleiner Mission war die UNAMA - United Nations Assistance Mission in Afghanistan. Deren Unterstützung afghanischer Behörden mit Blick auf Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Gleichberechtigung kann man auch nur letztlich glücklos nennen.

Samstag, 24. September 2022

Pfützner, Uta: Die Hölle misst 1000 Kilometer

Manchmal sind es die Geschichten hinter den Büchern, die einen aufhorchen lassen, so dass man unbedingt wissen will, wie die Geschichte ausgeht. Die Geschichte in diesem Fall hier ist eine Novelle und die hat einen realen Hintergrund. Doch war es zunächst das Cover, welches mich an einem Stand mit Fantasyliteratur der Dresden (er)erlesen am 11. September 2022, stutzen und halten ließ. Zwei gekreuzte Infanterie-Karabiner und ein Stahlhelm der Deutschen Wehrmacht.

Hinter dem Stand saß die Autorin, Uta Pfützner und erzählte vom Entstehen dieses schmalen Heftchens.

Ihr Großvater berichtete nie viel vom Krieg und viele Jahre hatte dies auch Gründe. Als er viel zu zeitig starb, fand sich im Haus unter den Dielen sein Kriegstagebuch. Der Vater der Autorin las ihr aus dem Tagebuch vor, denn wie so oft fällt es unserer Generation schwer, die Handschriften unserer Groß- und Urgroßeltern zu entziffern.

Uta Pfützner entschloss sich, die Erlebnisse ihres Großvaters in Form einer Novelle zu veröffentlichen. Der Titel ist bezeichnend und man ahnt, um was es geht. 


Die eintausend Kilometer lange Hölle des Majors Heinz Spoeck führt von Ostpreußen zurück in die Heimat. Jedoch ist es kein militärisch mehr oder weniger organisierter Rückzug im Bestand der deutschen Wehrmacht oder des Infanteriebataillons, in dem der Major diente.

Sonntag, 17. Juli 2022

Schlögel, Karl: Entscheidung in Kiew

„Wir wissen nicht, wie der Kampf um die Ukraine ausgehen wird; ob sie sich gegen die russische Aggression behaupten oder ob sie in die Knie gehn wird, ob die Europäer, der Westen, sie verteidigen oder preisgeben wird; ob die Europäische Union zusammenhalten oder auseinanderfallen wird. Nur so viel ist gewiss: die Ukraine wird nie mehr von der Landkarte in unseren Köpfen verschwinden.“ (Seite 11)

Der das schrieb war Karl Schlögel. Und er schrieb dies nicht etwa nach dem 24. Februar 2022, er schrieb es bereits 2015. Es sind die einleitenden Sätze das Buches, welches ich nun hier vorstellen und, ich greife vor, empfehlen möchte: ENTSCHEIDUNG IN KIEW.

Inhalt. Karl Schlögel erzählt zu Beginn auch davon, wie er mit Russland und der Ukraine in Verbindung kam, er blickt kurz in die „Familien-Rezeption“ zurück. Zeitig reiste er als bayerischer Gymnasiast (!) in den 60iger Jahren im Rahmen einer Schülerreise nach Russland. Das Interesse ist geblieben...

Für den überforderten Westen scheint die Ukraine eine Terra incognita zu sein. Diese Beschreibung kann der an Jahren wesentlich jüngere Blogger bestätigen, erst mit dem Jahr 2022 fing ich an das unbekannte Land zu erkunden, wenn auch nur durch Dokumentationen und Bücher.


Schlögel hilft uns Leserinnen die Ukraine zu entdecken. Die Ukraine erscheint so nah und doch so fern, irgendwie schien sie noch vor kurzem nicht unter unserem Horizont. Hinter Polen, so will ich es mal ausdrücken, da war irgendwie Russland. Selbst dann noch, als die baltischen Staaten EU-Mitglieder wurden. 


Donnerstag, 30. Juni 2022

Brühl, Gräfin Christine von: Die preußische Madonna

 Auf den Spuren der Königin Luise

Lebt man in Neustrelitz, einer betulichen Kleinstadt in der Mecklenburgischen Seenplatte, dann stößt man schnell in der Stadt und der näheren Umgebung auf die Person, um die es in diesem Buch geht. Der Landkreis hieß bis 2011 Mecklenbug–Strelitz, was sich mit dem Namen des ehemaligen Herzogtums deckt. Es ist der Name der Person, die Namensgeberin für den Titel der hier zu besprechenden Biografie ist: 

Luise Auguste Wilhelmine Amalie Herzogin zu Mecklenburg-Strelitz

Viel bekannter ist sie als Luise, Königin von Preußen. Es gibt unzählige Bücher über die viel zu früh verstorbene Mutter des ersten deutschen Kaisers, dieses hier hat allerdings eine Autorin aus nicht minder berühmten Hause verfasst. Christine Gräfin von Brühl, Vorfahren von ihr wirkten als Erzieher im Hause Hohenzollern, dem preußischen Königshaus; der berühmteste jedoch war der größte Feind des preußischen Königs, den man Friedrich den Großen nannte. Graf Heinrich von Brühl, erster Minister August III, König von Polen und Kurfürst von Sachsen. Aber Brühl starb dreizehn Jahre vor Luises Geburt. 


Es ist nicht die erste Biografie über „Jungfrau Husch“, die in meinem Regal landete, aber Christine von Brühl war vor nicht langer Zeit schon einmal präsent hier im Blog: 

Es ging um Schwäne in Weiß und Gold. Doch widmen wir uns nun einer Prinzessin und Königin, die nicht nur im ehemaligen Herzogtum Mecklenburg-Strelitz und im ehemaligen Königreich Preußen zu den bekanntesten weiblichen Persönlichkeiten deutscher Herrscherhäuser gehört.

Samstag, 25. Juni 2022

Bulgakow, Michail: Die Weiße Garde

Michail Affanassjewitsch Bulgakow (1891 bis 1940) zählt zu den bekanntesten russischen bzw. sowjetischen Schriftstellern. Begegnet ist er mir bisher durch  seinen Roman DER MEISTER UND MARGERITA. Auf den hier nun zu besprechenden Roman kam ich im Zusammenhang mit „Ukraine-Recherchen“. Es war ein Tipp, dem ich nachkam, um auf meine „bewährte“ Art und Weise Geschichte aus Romanen zu lernen. Also besorgte ich mir in der Buchhandlung Windlicht  eine Ausgabe aus dem Verlag Volk und Fortschritt, Berlin, aus dem Jahre 1969.

Ob ich entsprechend schlauer wurde, könnt ihr hier nachlesen.

* * *


Wir schreiben das Jahr 1918. Im Dezember. In DER STADT ist der Teufel los. Auf nichts kann man sich mehr verlassen. Wer hat denn das Sagen in der Ukraine, die am 25. Januar 1918 durch die Zentralna Rada ihre Unabhängigkeit erklärt hatte?  Am 08. Februar eroberten die Bolschewiki Kiew zum ersten Mal. Doch dann ging es hin und her. Der erste Weltkrieg war noch im Gang. Erst im März schied Sowjetrussland durch den Vertrag von Brest-Litowsk aus dem Krieg aus. Doch so leicht ließen sich die Mittelmächte ( Deutsches Kaiserreich / Österreich- Ungarn / Osmanisches Reich und Bulgarien) nicht zum vollständigen Rückzug bewegen. So sind neben der deutschen Armee noch die Kräfte des Hetmans Pawlo Skoropadsky (1973-1945)  in der Stadt. Im Vormarsch befinden sich Truppen eines gewissen Peturra (Symon Wassyljowytsch Petljura, 1879 – 1926).  und vor allem die WEISSE GARDE, zu der gehört Alexej Turpin, ein Militärarzt. Die Weiße Garde, oder die Weiße Armee, bildeten in der Regel Freiwillige und Junker (Fähnriche) aus der ehemaligen zaristischen Armee, bzw der Armee der provisorischen Regierung vor der bolschewistischen Oktoberrevolution. 

Mittwoch, 8. Juni 2022

Shashenko, Valeria: 24 Februar

Und der Himmel war nicht mehr blau.

LITERATURTEST bot vor einigen Tagen ein Büchlein an, dessen Cover eine nachdenkliche junge Frau zeigt; der Titel ist im Jahr 2022 bezeichnend – ein Datum, welches ähnlich einschneidend ist, wie der 11. September 2001. Wer das übertrieben findet, dem sei gesagt, dass der Krieg, den Russland am 24. Februar gegen die Ukraine begonnen hat, inzwischen weit mehr Todesopfer gefordert hat.

Wenn der Himmel nicht mehr blau ist und eine Familie in einem bomb shelter sitzt, dann braucht man sinnvolle Dinge, die man in einem solchen machen kann. Valeria Shashenko, die zwanzigjährige Influenzerin (Instagram und TikTok) postete dann eben Things that make sense in a bomb shelter.

Dazu zählen, Tanzen, Singen, Musik machen. „Eine Mischung aus Langeweile, meiner Idee, etwas zu diesem TikTok-Trend zu machen, und einfach auch ein wenig Spaß zu haben in dieser an sich schrecklichen Situation:“ Eine Situation, in der auf Tschernihiw Bomben und Granaten fallen. Tschernihiw ist die Heimatstadt Valerias.


Auf das Video wurden dann sogar CNN und BBC aufmerksam, es entstand ein Interview. Valeria Shashenko erzählt so  „weltweit“ wie es ist, wenn der Himmel nicht mehr blau ist.


Dienstag, 29. März 2022

Friedenstaube

 

Quelle kleines Bild / Ausschnitt Sächsische Zeitung vom 29.03.2022


Ein Bild in der Zeitung. Darauf eine alte Dame. Fünfundneunzig Jahre alt ist sie, lebt in einem Thüringer Seniorenheim und wird gerade wieder berühmt. Ihr Name ist Erika Schirmer und ihren Mädchennamen, Erika Mertke, las ich bestimmt vor Jahrzehnten als kleiner Schuljunge in einem Lesebuch. Die ehemalige Kindergärtnerin schrieb ein Lied, welches jedes Kind in der DDR kannte, ein Lied frei von jeglicher Ideologie... Auch dann, wenn wir beim Singen ein Pionierhalstuch trugen... Davon erzählt der Artikel, denn bereits im März 1949 ersinnt sie dieses Lied, es verbreitet sich schnell, wenn auch nur in der sowjetischen Besatzungszone, die Gründung der beiden deutschen Staaten ist aber schon in Arbeit.

Dienstag, 22. Februar 2022

#ichbinsophiescholl - Ein Projekt des SWR


Heute, am 22.Februar 2022 geht ein Projekt zu Ende, welches ein besonderes Projekt war. Es ist ein besonderes Datum, denn die junge Betreiberin des Projektes wurde am heutigen Tag vor 79 Jahren hingerichtet nachdem sie ebenfalls heute erst in München zum Tode verurteilt wurde. Am 18. Februar wurde sie gemeinsam mit ihrem Bruder verhaftet.

Ich denke, dass informierte Leser wissen, von wem hier die Rede ist, es ist Sophia Magdalena „Sophie“ Scholl, geboren am 09. Mai 1921. Das Projekt, von dem ich schreibe, ist der Instagram-Kanal #ichbinsophiescholl

Der SWR hat das Projekt im April 2021 gestartet, kurz vor dem 100. Geburtstag der jungen Widerstandskämpferin. Es war der Tag, an dem Sophie Scholl von Ulm nach München fährt, endlich studieren, endlich frei, endlich ihren Bruder Hans wieder sehen. An diesem Tag beginnt Luna Wedler, eine junge österreichische Schauspielerin, unter #ichbinsophiescholl ihr Leben öffentlich zu machen mit den Mitteln von Instagram.