Sonntag, 22. November 2020

Rüdiger Safranski: SCHILLER oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus



"Das ist´s ja, was den Menschen zieret
Und dazu ward ihm der Verstand,
Dass er im innern Herzen spüret,
Was er erschafft mit seiner Hand."
Friedrich von Schiller


Rüdiger Safranski
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Rüdiger Safranskis Schiller-Biographie ist keine Neuerscheinung sondern gehört bereits seit Jahren zur Standardliteratur über Schiller. Das Buch, welches ich in einer dtv Taschenbuchausgabe besitze, hat lange darauf warten müssen, von mir gelesen zu werden. Die gegenwärtige Corona-Pandemie hat´s möglich gemacht: Auch mein Alltag wurde "entschleunigt" und so fand ich endlich Zeit und Muße, mich der Lektüre zu widmen. Und dies sei schon einmal gesagt: Zeit und Muße sind durchaus erforderlich, um das Werk zu lesen. Dies ist bedingt durch den Umfang, aber mehr noch durch den intellektuellen Anspruch. Wer sich daran wagt, den erwartet allerdings ein (anspruchsvolles) Lesevergnügen, das uns nicht nur das Werk sondern vor allem den Menschen Friedrich Schiller näher bringt.

Goethe/Schillerdenkmal in Weimar
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Von MjFe (Link to Wikipedia Germany) - Eigenes Werk,
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Betrachten wir Schiller (wie auch Goethe) nämlich aus heutiger Sicht, dann meistens aus der Perspektive eines Beobachters, der erstarrte Denkmale auf hohen Granitsockeln wahrnimmt. 

Wer sich auf die Lektüre des Buches einlässt, den nimmt der Autor mit auf eine spannende Reise in eine Vergangenheit der Dichter und Denker, welche die deutschen Geistes- und Humanwissenschaften, Philosophie, lyrische und prosaische Literatur sowie das Theater auf bislang einmalige Höhenflüge katapultierten. Gleiches gilt übrigens weitgehend auch für die Musik, die aber hier nicht unser Thema ist. Später wird man für die Epoche der beiden Geistesgrößen Goethe und Schiller den Begriff "Weimarer Klassik" prägen. Diese beiden waren es nicht allein, aber sie waren zweifellos die beiden großen "Gravitationskerne" der Weimarer Klassik, die viele andere in ihre geistigen Umlaufbahnen zogen. 



Will man sich der Person, dem Autor und Dichter Schiller nähern, so sollte man zunächst ein Gefühl für den Menschen Friedrich Schiller entwickeln, den man immer auch in "seiner" Zeit sehen muss. 

Safranski zeichnet ein stimmiges Bild von Schiller, das im Wesentlichen auf Berichten                        von Zeitzeugen, der erhaltenen Briefkorrespondenz und weiteren historischen                                    Dokumenten beruht. Zu Schillers Zeiten gab es noch keinen einheitlichen deutschen Nationalstaat, sondern einen Flickenteppich aus vielen kleinen autarken Fürstentümern, die alle eigene Gesetze sowie

Auflösung des Reiches 1804/06 durch Napoleon
z.B. jeweils ein eigenes Zoll- Post- und Militärwesen unterhielten, während sich ringsherum in Europa bereits zentralistisch geführte Monarchien und Nationalstaaten etabliert hatten und weitere im Entstehen begriffen waren.

In deutschen Landen war von solchen Veränderungen zu der Zeit nicht einmal ansatzweise die Rede. Fürsten herrschten absolutistisch in ihren Fürstentümern und die jeweiligen "Landeskinder" waren ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Dies sollte Schiller in seiner Jugend schmerzlich erfahren!

Kleinster gemeinsamer Nenner der deutschen Fürstentümer waren die deutsche Sprache und die deutsche Kultur im sog. "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation", dass im Spätmittelalter gegründet worden war und erst im Jahre 1806 durch Napoleon Bonaparte im Rahmen von dessen expansiver Eroberungspolitik beseitigt wurde. Im Klartext: Das deutsche Territorium wurde von französischen Truppen besetzt und gerieten bis zu Napoleons Niedergang im Jahre 1815 unter französische Besatzung und Hegemonie. 

Schiller wie auch Goethe waren Freigeister mit starker humanistischer Prägung. So ist es nicht verwunderlich, dass beide 1789 den politischen Veränderungen in Frankreich, der französischen Revolution, große Sympathien entgegenbrachten. Diese Sympathien für die neuen Freiheitsideale verwandelten sich jedoch alsbald in blankes Entsetzen über den gewalttätigen Verlauf, den die Revolution anschließend nahm und beide, Schiller wie Goethe, wandten sich mit Entsetzen ab.


Ludwig van Beethoven
 Vergleichbare Reaktionen lassen sich auch bei anderen beobachten. Beethoven beispielsweise ließ im Jahre 1804 wütend von seiner ursprünglichen Absicht ab, seine berühmte 3. Symphonie "Eroica" Napoleon Bonaparte zu widmen, und zwar als "Verbeugung" vor dessen republikanischen Idealen. Einem Zeitzeugen (Ferdinand Ries) zufolge, habe Beethoven das Titelblatt seiner Symphonie wütend zerrissen und zu Boden geworfen, als er von Ries erfuhr, dass Napoleon sich zum Kaiser gekrönt habe. (Vgl. hierzu: Das Beethoven Kompendium, Barry Cooper (Hrsg.), Droemer Knaur München 1992, ISBN 3-426-26574-5, Seite 258 unter Berufung auf eine weitere Quellenangabe).


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Das Phänomen Friedrich Schiller, sein Aufstieg in den Olymp der deutschen Dichter und Denker, ist untrennbar damit verbunden, dass sich in ihm tiefe Humanität, und ein höchst idealistisches Freiheitsstreben mit einzigartigen Begabungen zu einer überragenden schöpferischen Geisteskraft verbanden. Zusätzlich trägt es zum Verständnis des „Phänomens Schiller“ bei, sich mit den damaligen Lebensumständen und den gesellschaftlichen Verhältnissen zu beschäftigen.

Menschen sind seit jeher von ihren Bedürfnissen gesteuert, damals wie heute! Sind die Grundbedürfnisse (Nahrung, Wohnung, Sicherheit, soziale Kontakte) erst einmal dauerhaft befriedigt, so kommen verstärkt die "höheren" Bedürfnisse nach geistiger Nahrung, nach kulturellem Leben, kurz: Nach Unterhaltung und "Erbauung" hinzu. Nach heutigem Maßstab waren im 18. und 19. Jahrhundert solche kulturellen "Recourcen" aber nur sehr begrenzt verfügbar. In kulturellen Zentren (großen Städten) eher als auf dem Lande, in Fürstentümern mit kulturfreundlichen Oberhäuptern eher, in anderen Landstrichen hingegen kaum. Der Nachrichtenaustausch erfolgte über Entfernungen hinweg ausschließlich brieflich, Nachrichten verbreiteten sich nach heutigen Maßstäben eher "gemächlich". Was taten die Menschen, um sich zu zerstreuen? Richtig! Man las Bücher, man musizierte im häuslichen Kreis, man Empfing Gäste, man diskutierte. Wer konnte, ging ins Theater. Schillers „Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs“, entstanden

Christian Gottfried Körner
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zwischen 1789 und 1792 als Auftragsarbeit seines damaligen Verlegers Göschen zu dessen „Historischem Calender für Damen“ (sic!!!) ist ein Beispiel für diese These! Sie wurde ein „Bestseller“ und in vielen Haushalten und nicht nur von „Damen“ mit Begeisterung gelesen! Für Schiller war dies ein langwieriges Projekt, dass umfangreiches Quellenstudium voraussetzte („...ich bin täglich vierzehn Stunden, lesend oder schreibend, in Arbeit, und dennoch geht´s so leidlich, wie sonst nie...“ schrieb er dazu an seinen Freund Körner). Schiller musste die Arbeit an dem Projekt durch krankheitsbedingten Rückfälle mehrfach unterbrechen. Die Aufnahme beim Publikum war, wie gesagt, hervorragend. Welcher publizierende Historiker kann sich heutzutage noch eines so breiten Publikumsinteresse an seinen Büchern erfreuen? Was jener Zeit nach heutigen Maßstäben an Vielfalt und Geschwindigkeit fehlte, das sorgte folglich gleichzeitig für eine andere Qualität an Intensität der Wahrnehmung und Wissensdurst, für eine ungleich größere Wertschätzung  intellektueller und kultureller Befriedigung. Kultur war in jener Zeit noch keine Massenware! Die Beschäftigung mit ihr reichte mithin fast zwangsläufig tiefer, ihre Bedeutung war existenzieller! Am 25. Mai 1792 vermerkte Schiller seinem Freund und Gönner Körner gegenüber: „....Ich bin jetzt voll Ungeduld, etwas Poetisches vor die Hand zu nehmen; besonders juckt mir die Feder nach dem Wallenstein...“

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Anfang 1773, im Alter von 14 Jahren, wurde Schiller auf Befehl des Herzogs in die „militärische Pflanzschule“ auf der Solitüde eingezogen. Seine Elter hatten vergeblich versucht, das zu verhindern. Dies war das Ende seiner Kindheit. Schiller musste nun das behütende Elternhaus mit der straff militärisch geführten herzoglichen Kaderschmiede tauschen.

Ungeachtet seines Bestrebens, Geistlicher zu werden, begann er unter dem Zwang seines gestrengen

Originaluniform
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Herzogs Karl Eugen ein Studium der Rechtswissenschaften, wechselte aber später das Fach und wurde zum "Feldscher" ausgebildet. Schiller war nach Ende seines Studiums Regimentsmedicus im Regiment Auge‘ der Württembergischen Armee. 

Das frühe Interesse Schillers an der Philosophie bezeugen nicht nur seine Korrespondenz und zahlreichen späteren Schriften zur Kunst und Philosophie, sondern bereits auch die Titel seiner Dissertationen an der Karlsschule. Hier bevorzugt der junge Schiller Themen, die das Verhältnis zwischen Geist und Körper behandeln und so Raum für philosophische Betrachtungen nicht nur zulassen sondern geradezu fordern. 

Seinen ersten Anlauf betitelte er: 

"Philosophie der Physiologie

Diese Themenwahl ist ein Indiz für Schillers Interesse am menschlichen Geist. Denn nur über das Studium des menschlichen Geistes und durch genaue Beobachtung desselben konnte er seine literarischen Charaktere psychologisch treffend und überzeugend formen. Das Zusammenspiel von Geist und Körper war ihm mehr oder weniger ein Vorwand für eine Inspektion der menschlichen Seele und ihrer Bedeutung für die menschliche Existenz. Rüdiger Safranski prägt hierfür die Bezeichnung eines „philosophierenden Mediziners“. Schiller betrat damit ein Gebiet der Medizin, dass sich dazumal zu etablieren begann. Dieser erste Entwurf einer  Dissertation wurde hingegen von der Prüfungskommission, wahrscheinlich nicht zuletzt wegen einiger spöttischer Seitenhiebe Schillers auf anerkannte Autoritäten der Zeit, abgelehnt. Safranski urteilt: „Es herrscht in dieser Schrift ein stolzer, selbstbewusster Ton und eine schwunghafte Rhetorik.“ Für die Gutachter war dies offenbar ein Zuviel an Rhetorik und Selbstbewußtsein.

Unter dem Eindruck Ablehnung seines Entwurfs entschied sich Schiller nun für ein völlig anderes Thema:

"Über die Unterscheidung von entzündungsartigen Fiebern und Faulfiebern" und war in latainischer Sprache verfasst.

Diese wurde abermals, nunmehr "wegen fachlicher Mängel" abgelehnt.

Am Ende kehrte Schiller dann zur Thematik seines ersten Versuches zurück. Er gab Ihr den Titel

"Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen"

Diese Dissertation wurde von den Gutachtern schließlich akzeptiert.

Schiller als Regimentsarzt
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Die Tiefe, mit der sich Rüdiger Safranski all diesen inneren und äußeren Konflikten Friedrich Schillers innerhalb seiner jeweiligen Lebensabschnitte beschäftigt, und uns ein Bild der Persönlichkeit Schillers und seines Schaffens zeichnet, ist absolut beeindruckend. Viele, teils auch intime Aspekte des Schillerschen Charakters und seines Lebens, sind durch die Forschung anhand historischer Quellen belegt. Anderes bleibt spekulativ. Immer aber findet Rüdiger Safranski urteilssicher Wege, die Wahrscheinlichkeit verschiedener Deutungen aufzuzeigen und zu bewerten. Im Übrigen sind solche "Unschärfen" mangels historischer Quellen der Spannung nicht abträglich, lassen sie doch Raum für die Phantasie.  

Wir kommen nicht umhin, Rüdiger Safranskis Schiller-Biographie aufgrund ihrer Detailgenauigkeit und ihrer in höchstem Maße erhellenden Exkurse in die höchst intellektuelle und von hohen Idealen beseelten Gedankenwelt des Philosophen, Mediziners, Historikers und vor allem des begnadeten Theaterdichters Schiller zu bewundern.

Die Schilderung der, durch historische Quellen und Zeitzeugen gut dokumentierten Flucht Schillers aus dem Einflussbereich seines allmächtigen Herzogs Karl Eugen, erweckt Assoziationen vor allem an sein

Lll
Schillers Flucht aus Stuttgart 
späteres Drama „Wilhelm Tell“ über den eidgenössischen Freiheitshelden. Hier wie da geht es um die Auflehnung gegen den despotischen Zwang eines absolutistischen Machtanspruchs und das Durchsetzen von Freiheitsidealen gegen obrigkeitliche Willkür. 

Die Hintergründe und spannenden Umstände dieser Flucht im Jahre 1782 mag man bei Rüdiger Safranski nachlesen. Formal gesehen war es eine Desertion Schillers aus dem Würtembergischen Militärdienst, die ernsthafte Folgen gezeitigt hätte, wäre der Herzog seiner habhaft geworden. Schiller wird es erst 11 Jahre später wagen, zu einem letzten Besuch in seine Heimat zurückzukehren. Da aber war er bereits zum „Shooting-Star“ der deutschen Literatur- und Theaterszene geworden, was den württembergischen Herzog offenbar bewog, Schiller schlichtweg zu ignorieren. Eine Anekdote dieser Flucht und deren Vorbereitung will ich dennoch erwähnen, weil sie Friedrich Schiller zutreffend charakterisiert: Am Fluchttag morgens um 08:00 Uhr beendet Schiller seinen letzten Dienst im Militärlazarett seiner Garnison. Sein Freund und Fluchtbegleiter Andreas Streicher kommt in seine Wohnung, um ihn abzuholen. Er findet

Andreas Streicher
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Schiller, dem bei Zusammenpacken ein Buch mit den Oden Klopstocks in die Hand gefallen war, darin vertieft. Schiller hatte bereits begonnen, eine „Gegenode“ zu dichten. Es dauerte nach Bekunden Streichers geraume Zeit, Schiller in die Wirklichkeit zurückzuholen. Streicher hilft Schiller noch beim Packen und kehrt dann in seine Wohnung zurück. Abends um neun Uhr erscheint Schiller endlich bei Streicher und zeigt ihm stolz zwei Pistolen, die er bei sich trägt. Bei einer dieser Waffen fehlt der Feuerstein!, bei der anderen ist das Schloss zerbrochen! Safranski kommentiert dies mit den lakonischen Worten: „Es sind eben die Waffen eines Theatermannes.“



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Die völlige Abwesenheit von heute vorhandener Informations- und Reizüberflutung, das vergleichsweise viel kleinere Angebot, machte den Unterschied. Schillers erstes Drama, "Die Räuber", ist hierfür ein gutes Beispiel: Zeitzeugen zufolge sollen sich nach der Erstaufführung, bei der Schiller zugegen war, im Theaterraum tumultartige Szenen ereignet, Zuschauer sich vor Erregung und Rührung weinend in den Armen gelegen haben! 

Sehr unwahrscheinlich, dass sich solche Szenen in einem heutigen Theater abspielen könnten, allenfalls im Lichtspielhaus: Hier war ich nach der Aufführung des Kinofilms "Titanic" vor Jahren Zeuge, als im Kinosaal bei einigen Zuschauern/Innen Tränen der Rührung flossen.

Die Reaktionen der Zuschauer sind durch Augenzeugen beschrieben worden und geben damit Zeugnis davon, welche emotionalen Regungen der junge Dichter mit seinen Dramen beim Publikum zu entfesseln vermochte. Schiller jedenfalls gelangte mit der Aufführung seiner „Räuber“ mit einem Schlage zu Berühmtheit. Es war dies der erste Schritt, der in der Folge zur Flucht nach Mannheim führte und für Schiller damit den Beginn eines neuen Lebensabschnitts markierte. Zu jener Zeit arbeitete der unermüdliche, von seiner Schaffenskraft Getriebene, bereits an dem Stück „Die Verschwörung des Fiesko zu Genua“.

Zu guter letzt ist eine weitere Ursache im Zeitgeist von Schillers Epoche zu suchen, der sich von dem heutige in vielen Dingen fundamental unterscheiden dürfte. Schiller genießt (leider) heute nicht mehr die Popularität, die er einst besaß. Man lässt ihn heutzutage lieber auf seinem granitenen Sockel in erstarrtem Pathos stehen, ihn, dessen Pathos in seinen Werken dem heutige Zeitgeist nicht mehr entspricht. So wird Schiller, der noch im 19. Jahrhundert und bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts hinein als Held nationaler Bestrebungen gesehen wurde, an vielen Theatern heute leider nicht mehr oft und oft nicht mehr gern aufgeführt, da die Theaterregisseure der Gegenwart mehrheitlich offenbar eher knappe Dialoge und frugale Inszenierungen bevorzugen. Auch Schauspieler mögen heute Schillers Dialoge nicht mehr so sprechen, wie sie gesprochen werden müssen. Dies alles mag auch daran liegen, dass man es mit der Begeisterung in früheren Zeiten übertrieben hat, so dass sich die Überhöhung Schillers und seiner Dichtung ins Gegenteil verkehrt hat. Schon in früheren Zeiten übrigens, aber weniger als heute, war Schillers Pathos in seinen Versen das Ziel von Spott.
Und so lässt man Schiller heute auf seinem Granitsockel, während ein Großteil seiner Werke tief in der Schatzkiste deutscher Literatur verstaut sind.

Dennoch: Schiller hat in der deutschen Literatur den deutschen Idealismus nicht nur erfunden, sondern ihn und das idealistische Streben nach Freiheit im deutschen Bewusstsein fest verankert. Diese Kraft des Schiller´schen Geistes wirkt bis heute ungebrochen fort.

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Wer kennt sie nicht: Schillers Ode „An die Freude“?

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An der Mannheimer Bühne, wo am 13. August 1782 die Uraufführung von Schillers Drama „Die Räuber“ stattgefunden hatte, erlangte Schiller schließlich eine Anstellung als Theaterdichter.
Diese Engagement hielt aber aus verschiedenen Gründen leider nicht allzu lange. Da zu Schillers Zeiten noch kein Urheberrecht existierte, konnte er nach Veröffentlichung keinerlei Rechte mehr an seinen Werken geltend machen. Einkünfte aus der Vermarktung seiner Werke konnte er somit nicht erzielen, nachdem er sie einmal verkauft hatte. Jedermann konnte fortan damit verfahren, wie es ihm beliebte. Aufführungen, ja selbst Veränderungen an seinen Werken konnte er nicht verhindern.
Die Rettung für Schiller aus drückender finanzieller Not kam schließlich im Juni 1784 in Form eines Briefes aus Leipzig:
Christian Gottfried Körner, wohlhabender Jurist und Schriftsteller, dessen Freund Ludwig Ferdinand Huber sowie die Schwestern Dora und Minna Stock waren zwei Brautpaare, deren Verbindung nicht „standesgemäß“ war und deshalb bei den großbürgerlichen Vätern der beiden Ehemänner in spe auf Ablehnung stieß. Diese Vier konnten sich deshalb insbesondere mit Schillers Drama „Kabale und Liebe“, in dem es ebenfalls um eine nicht standesgemäße Verbindung geht, stark identifizieren.
Die Vier verehrten mithin Schillers Werke und luden ihn zu sich nach Leipzig ein.
Schiller zögerte, nahm aber die Einladung unter zunehmendem finanziellen 
Druck schließlich an und reiste nach Leipzig. Dies war der Beginn einer lebenslangen Freundschaft insbesondere mit Körner.
Auf Anregung Körners hin verfasste Schiller für die Freimaurerloge, in der Körner Mitglied war, seine Ode „An die Freude“. Darin verarbeitete er überschwänglich seine Gefühle, die er mit der Freundschaft zum zum Freundeskreis um Körner verband.
Es war letztlich Beethoven, der diese unsterblichen Verse in seiner 9. Symphonie verherrlichte und endgültig in den Olymp der deutschen Kunst erhob.

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Der Beginn von Schillers letztem Lebensabschnitt ist markiert durch seine Eheschließung mit Charlotte von Lengefeld und seiner Übersiedlung nach Weimar am 03. Dezember 1799. Charlotte war es auch, die kraft ihrer Beziehungen  eine erste Begegnung zwischen Schiller und Goethe arrangierte. Diese verlief aber enttäuschend. Schiller bemerkte dazu in einem Brief an Körner (02. Februar 1789) mit spitzer Feder u.a.: „Öfters um Goethe zu sein, würde mich unglücklich machen: er hat auch gegen seine nächsten Freunde kein Moment der Ergießung, er ist an nichts zu fassen; ich glaube in der Tat, er ist ein Egoist in ungewöhnlichem Grade [...]
Ich betrachte ihn wie eine stolze Prüde, der man ein Kind machen muss, um sie vor der Welt zu demütigen.“ (sic!) 
Der Beginn der fruchtbaren Freundschaft zwischen beiden Genies ließ also noch auf sich warten. 
Schiller war in seinen Weimarer Jahren auf dem Gipfel seiner Popularität und zunehmend bar finanzieller Bedrückungen, die ihn über viele Jahre seines Lebens begleitet hatten. Wir lesen in seiner Korrespondenz u.a.: „...auch wundere ich mich selbst über den Mut, den ich bei diesen drückenden Arbeiten beibehalte; eine Wohltat, die ich nur meiner schönen häuslichen Existenz verdanke.“ (Brief vom Juni 1790 an Körner).

Von Andreas Trepte - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5,
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1802 kaufte Schiller ein Haus an der Esplanade in Weimar (heute Schillerstraße). Hier lebte und arbeite er bis zu seinem Tode am 09. Mai 1805 im Alter von 45 Jahren.
Die Öffnung seiner Leiche förderte Erschütterndes zutage. Details beschreibt Safranski gleich zu Beginn seines Buches anhand der Obduktionsprotokolle und ärztlicher Berichte. Schillers innere Organen waren demnach in einem desaströsen Zustand. Dieser Befund legt nahe, dass Schiller über viele Jahre hinweg erhebliche Beschweren ertragen musste. Unter diesen Umständen lieferte Friedrich Schiller den Beweis, dass Geist und Wille über den Körper triumphieren können.


Schillers Gesammelte Werke
Bildquelle: R. Fröhlich


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Anmerkungen zu dieser Rezension:
Liebe literaturinteressierte Leserinnen und Leser,
als bekennender Schiller - Fan war es mir ein Bedürfnis, die m.E.hervorragende Schiller-Biografie des fach- und sachkundigen Autors Rüdiger Safranski bei Litterae Artesque zu rezensieren. Ich hatte vor dieser anspruchsvollen Aufgabe größten Respekt und habe das Projekt daher immer wieder vor mir hergeschoben. Nun aber habe ich, auch nach vielerlei Vorbereitung und Beschäftigung mit den Thema, in etlichen Stunden auch nächtlicher Arbeit, die Herausforderung angenommen. Diese Rezension kann nur aus der Sicht eines Dilettanten und Amateurs, der ich nunmal bin, geschrieben sein. Aber sie gibt das wieder, was ich von dem Thema verstanden habe und welche Wirkung sowohl die Werke Schillers als auch die vorliegende Schiller-Biografie des Philosophen und Literaturwissenschaftlers, mithin des professionellen Sachkundigen Safranski, in mir auslösen.
Schiller Fan bin ich seit Jahrzehnten. Werkausgaben von Schiller und Goethe erwarb ich bereits im Alter von ca. 20 Jahren. Diese Bücher standen nicht nur ungenutzt in meinem Bücherschrank, sondern ich habe tatsächlich bereits vor 45 Jahren viel darin gelesen und ebenfalls (auch in Vorbereitung dieser Rezension) gegenwärtig erneut. Ich stelle fest: Meine Begeisterung und Faszination ist über diesen langen Zeitraum ungebrochen. Daher mag es rühren, dass ich in meinem Text der Erzählung von Einzelaspekten über Schillers Leben und Werke sehr viel Raum eingeräumt habe. Aber seien Sie gewiss: Es ist nur ein Bruchteil dessen, was eigentlich zu erzählen wäre! Meine Intention ist vielmehr die, den Freunden unseres Blogs Appetit zu machen auf Rüdiger Safranskis Schiller - Biografie. Alles, was Sie über Friedrich Schiller wissen möchten, finden Sie dort und sachkundiger beschrieben und bewertet, als ich es jemals könnte.
Die Frage nach der heutigen Bedeutung Schillers (und Goethes) zu beantworten, ist schwer und zugleich leicht in Zeiten, wo sich überwiegend nur noch ein Fachpublikum (und vielleicht wenige interessierte Laien wie ich) mit den Werken der beiden beschäftigen. Ich beantworte die Frage für mich selbst wie folgt: Schiller wie Goethe haben ihren Stempel im deutschen Bewusstsein hinterlassen und wirken deshalb fort. Dies auch ungeachtet der Tatsache, dass die meisten heutigen Schüler das „Lied von der Glocke“ wohl nicht mehr gelesen haben. Zur Frage der Popularität Goethes und Schillers ist es interessant, dass diese heute im Ausland m.E. größer ist als in Deutschland selbst. Dabei dürfen Schiller und Goethe, untrennbar verbunden, nein müssen, getrost als Weltbürger gesehen werden. Das aus heutiger Sicht oft überhöhte Pathos in Schillers Werken war ihm nichts weniger aber auch nicht mehr als ein dramaturgisches Mittel. Seit dem Missbrauch „deutscher Werte“ durch die Nationalsozialisten gelten Pathos und Nationalstolz in Deutschland als anrüchig. Dabei war Schiller alles andere als ein Nationalist und die Formel „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ war ihm fremd. Der Nationalsozialismus, diese deutsche Katastrophe, zeigt, was geschieht, wenn mit dem moralischen Kompass Freiheit und Humanismus verloren gehen und als Folge daraus der Idealismus pervertiert! Schiller steht für mich deshalb für ein zutiefst idealistisch und humanistisch geprägtes Weltbild, das zu pflegen heute wichtiger ist denn je. Schiller (und wenn ich ihn nenne, dann denken Sie getrost immer Goethe hinzu) kann uns auch heute in schwierigen Zeiten noch viel Orientierung geben: 

„Fruchtbar und weit umfassend ist das Gebiet der Geschichte; in ihrem Kreise liegt die ganze moralische Welt. Durch alle Zustände, die der Mensch erlebte, durch alle abwechselnde Gestalten der Meinung, durch seine Torheit und seine Weisheit, seine Verschlimmerung und seine Veredlung, begleitet sie ihn, von allem, was er sich nahm und gab, muß sie Rechenschaft ablegen. Es ist keiner unter Ihnen allen, dem Geschichte nicht etwas wichtiges zu sagen hätte; alle noch so verschiedene Bahnen Ihrer künftigen Bestimmung verknüpfen sich irgendwo mit derselben; aber eine Bestimmung teilen Sie alle auf gleiche Weise miteinander, diejenige, welche Sie auf die Welt mitbrachten - sich als Menschen auszubilden - und zu dem Menschen eben redet die Geschichte.....“
(Auszug aus Schillers akademischer Antrittsrede als Geschichtsprofessor an der Universität in Jena: Was heisst und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?)

*

Festen Mut in schwerem Leiden,
Hülfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschworenen Eiden
Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königsthronen, -
Brüder gält es Gut und Blut-
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Lügenbrut!
(Friedrich Schiller)

*

Rüdiger Safranski
SCHILLER 
oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus
Deutscher Taschenbuch Verlag dtv
München 2007
559 Seiten
www.dtv.de

Rüdiger Safranski
Dt. Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Philosoph
Geb. 01.01.1945 in Rottweil

Publikationen (Auswahl):

-Goethe und Schiller. Geschichte einer Freundschaft
  Hanser, München u.a. 2009

-Romantik. Eine deutsche Affäre
  Hanser, München u.a.2007

-Goethe. Kunstwerk des Lebens. Biografie
  Hanser, München 2013

-Zeit, was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen
  Hanser, München 2015

-Hölderlin. Komm ins Offene, Freund!
  Hanser, München 2019

Rezension 
Copyright by 
R. Fröhlich, Unna 
(TinSoldier) 2020

Samstag, 21. November 2020

Sturm, Andreas (Hg.): Märchenmorde

Von den Geschichten und den Mordbüchern war schon hier die Rede und da und auch dort und auch diesen Post würde ich erwähnen wollen. Alle aus dem Jahr 2020. Nun muss ich noch die MÄRCHENMORDE vorstellen, wieder eine vergnügliche Frühstückslektüre.

Märchen in die Gegenwart: Da wird in einer Geschichte von Bernd Köstering Rumpelstilzchen zu Don Corleone, dessen Töchter bezeichnenderweise Camorra, Yakuza und Triade heißen. 

Schneewitchen wird bei Matthias Ramtke zum Racheengel. Ach die arme Königin... Wer hätte gedacht, dass Rotkäppchen mal mit Seeräubern und einem Frauenhaus zu tun hat? Die Geschichte stammt vom Herausgeber, Andreas M. Sturm, heißt der und ist schon für eine Reihe solcher Geschichten verantwortlich. Martina Arnold, bekannt aus Winnetou und die Frau in Weiß hat Des Kaisers neue Kleider nach Bayern verlegt. Seltsame Praktiken eines Autohändlers um in der Politik mitmischen zu können. Aber auch hier geht es letztlich um Mord. Der Gevatter Tod begegnet bei Björn Götze einem ziemlich bekleckerten und angetrunkenem jungen Mann in einem öffentlichen Verkehrsmittel und sinniert darüber, wann die Stunde zum Gehen kommt. Bei Grit und Henri fallen uns vermutlich schnell Hänsel und Gretel ein. Wobei Connie Roters das Geschwisterpaar sehr gegenwärtig behandelt. Crack und deren Kräutertee kochende Oma spielen eine Rolle. Gisela Witte löst das Geheimnis der doch vorhandenen Treppe in Rapunzels Turm. Der hier schon mehrfach vorgekommene Uwe Wittenfeld hat Aschenbrödel neu aufgelegt und wieder einmal besuchen in seiner Geschichte Ruhris das schöne Sachsenland.


Und dann geht es noch um den gestiefelten Kater, Dornröschen, Schneeweißchen, einem der das Fürchten lernen wollte, Rosenrot nicht zu vergessen und die kleine Meerjungfrau. Sechszehn Geschichten in sechszehn Kaffeetassen. Reicht für sechzehn Werktage, wenn man am Wochenende anderes liest. Doch vorsicht, sie sind nicht gleich lang. Also schaut auf die Uhr, sonst droht Unpünktlichkeit in Schule und Beruf. 

© Bücherjunge

Sonntag, 15. November 2020

Nesbø, Jo: Ihr Königreich

Als die Polizei erneut in dem ungelösten Fall ihres verschwundenen früheren Chefs ermittelt, ist der Automechaniker Roy alarmiert. Die kürzliche Rückkehr seines Bruders Carl in die kleine Stadt Os bringt anscheinend Unglück. Auch dass dessen Frau genau Roys Typ ist, macht ihn nervös. Carl hingegen ist voll großer Pläne und verspricht, ganz Os reich zu machen. Doch plötzlich kursieren im Ort Gerüchte und Verdächtigungen zum Unfalltod ihrer Eltern. Roy hat seinen kleinen Bruder immer beschützt, aber jetzt stehen sie sich als Rivalen gegenüber.

 

 

 

 

 

 

  • Gebundene Ausgabe : 592 Seiten
  • ISBN-10 : 3550050747
  • ISBN-13 : 978-3550050749
  • Herausgeber : Ullstein Hardcover; 1. Edition (2. September 2020)
  • Sprache : Deutsch
  • Originaltitel : Kingdom
  • Übersetzung : Günther Frauenlob   

 

Gelesen habe ich den neuesten Kriminalroman des norwegischen Autors Jo Nesbø im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks. Dort gab es viele begeisterte Stimmen zum Buch, aber auch einige negative. Tatsächlich ist es kein Pageturner im herkömmlichen Sinne. Aber für mich entwickelte es nach und nach einen ganz eigenen Sog, und das überzeugte mich letztlich.


Wie es Uwe mit dem Krimi erging? Er hat ihn nicht gelesen, sondern gehört. Und sicherlich hat er eine ganz eigene Meinung zu dem Werk. Diese sei hier ebenfalls nicht verschwiegen...


 

Samstag, 14. November 2020

Ebert, Sabine: Schwert und Krone - Preis der Macht (V)

Wir schreiben das Jahr 1195. Braunschweig. Es ist der 5. Tag im August. Ein alter Mann liegt in seiner Kammer. Die Sterbesakramente hat er schon erhalten. Er erwacht:

 „Sein ganzes Leben lang hatte er gekämpft – um den gebührenden Platz für das Fürstengeschlecht der Welfen, gegen viele Feinde, die schon seinem erlauchten Vater den Thron gestohlen hatten... Doch wenn er die lange Liste seiner Feinde durchging, derjenigen, die ihm den Herzogtitel nicht gönnten, weder für Sachsen noch für Bayern, die sich gegen ihn verschworen, verbündet und erhoben hatten... Er hatte sie alle überlebt.“

Auch der Kaiser war elend auf dem Weg ins Heilige Land gestorben, ohne es je zu erreichen...

* * *

Im Braunschweiger Dom liegt der alte Mann begraben, neben seiner schon Jahre vorher verschiedenen Gemahlin: Mathilde von England, Tochter Heinrichs Plantagenet, König von England, und Eleonore von Aquitanien.

Heinrich heißt er und genannt wird er „der Löwe“. Doch ist es nicht nur seine Geschichte, die hier am 6. August endet, hier, am Ende des 12. Jahrhunderts. Doch Heinrich der Löwe, geboren zwischen 1129 und 1135, ist es nicht, der in dem fünfbändigen Werk von Sabine Ebert die Hauptrolle übernimmt, es ist sein Vetter, Friedrich von Schwaben, Rex Romanorum, später Kaiser Barbarossa genannt. 

Barbarossa – Epos nennt der Verlag die Pentalogie, die im Dezember 1137 beginnt. Dreitausend Seiten Hochmittelalter in fünf Büchern. Schwert und Krone – Preis der Macht beendet diese Reihe, deren Fortsetzung schon vor Beginn geschrieben war.

Band 1: Meister der Täuschung / Band 2: Der junge Falke / Band 3. Zeit des Verrats / Band 4: Herz aus Stein

Dienstag, 10. November 2020

Foer, Jonathan, Safran: Wir sind das Klima!: Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können (Hörbuch)

Es gibt Menschen, die nicht an den Klimawandel glauben. Und es gibt Menschen, die wissen – gestützt durch intensive wissenschaftliche Untersuchungen –, dass sich unser Planet durch menschliche Aktivitäten erwärmt. Aber glauben WIR wirklich daran? Warum handeln wir dann nicht? Auf überraschend unterhaltsame und eindringliche Weise erkundet Jonathan Safran Foer das zentrale Dilemma unserer Zeit. Wir haben unseren Planeten in eine Fleischfarm verwandelt, und die Folgen sind katastrophal. Es sind gemeinsame Maßnahmen erforderlich, um der größten Krise der Menschheit Einhalt zu gebieten. Und Jonathan Safran Foer bietet eine konkrete und durchaus realisierbare Lösung: Tierische Produkte nur einmal täglich zur Hauptmahlzeit! 
 
  • Spieldauer: 6 Stunden und 36 Minuten, ungekürzte Ausgabe
  • ISBN: 978-3-8398-1737-7
  • ASIN: B07X6FV8C3
  • Herausgeber: Argon Verlag
  • Audible-Erscheinungsdatum: 12. September 2019
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Stefanie Jacobs und Jan Schönherr
  • Sprecher: Christoph Maria Herbst
 
 
 
Schon lange war ich neugierig auf dieses Buch, weshalb ich nicht zögerte zuzugreifen, als sich mir die Gelegenheit bot. Meine Erwartung? Fakten zum Ernst der Lage auf der einen Seite, konkrete Möglichkeiten, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, auf der anderen Seite. Ob ich bekam, was ich mir erhoffte? Lest selbst:
 

Mittwoch, 4. November 2020

Schilddorfer, Gerd: Das Tartarus - Projekt (zum dritten)

So klein und so gefährlich. Es wird noch eine Weile dauern, aber es kommt. Es kommt
bestimmt. 
In Gestalt einer Drohne, die man nicht mehr wahrnehmen kann. Ob sie aber vom Office39 gesteuert wird?


Vor noch nicht zu langer Zeit hätte es utopisch geklungen, was uns
Gerd Schilddorfer hier erzählt. Drohnen sind ja schon gegenwärtig, noch nicht ständig und überall zu sehen, aber doch vorhanden. Was wird passieren, wenn Künstliche Intelligenz dazu kommt? Wenn sich die Dinger selbst reproduzieren? In Größen von Zehn hoch Minus Neun, also im Nanobereich, wenn sich Nanobots, Naniten, selbst vermehren?  Dann stehen wir nicht mehr am Eingang der Unterwelt, wo uns der Fährmann über den Styx rudert, den der ZERBERUS bewacht, dann sind wir an der tiefsten Stelle des Hades angelangt, da wo die verdammten Seelen hausen, im TARTARUS.


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Als den Unternehmern Winter und Zahlmann Zweifel kommen, ist es fast schon zu spät. Können ein Journalist, eine professionelle Pokerspielerin und eine extravagante Verlegerin verhindern, dass TARTARUS zu unseren Lebzeiten Wirklichkeit wird? Zumindest der Journalist und die Pokerin, komplettiert durch einige Leute verschiedenster Geheimdienste, von denen die geneigte Leserin, der geneigte Leser nicht so schnell wissen, auf welcher Seite wer eigentlich steht.