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Dienstag, 20. Februar 2024

Valencak, Hannelore: Das Fenster zum Sommer

Was passiert, wenn man eines Morgens aufwacht und stellt fest, man ist Monate in der Zeit zurück geworfen? In den letzten Monaten war so viel geschehen: Ursula hat geheiratet, das Paar hat außerhalb der Stadt ein Haus gekauft, der Garten sieht auch schon ansehnlich aus. Ein bisschen viel für sieben Monate.

„Vor dem Fenster war jedoch Nebel – ein wässriges Grau. Auf dem Fensterglas sah ich deutlich ein Eisblumenmuster. Ein eisfreier Fleck in der Mitte einer Scheibe gab den Blick auf die Äste eines Baumes frei, auf Zweige, die einen Pelz von Raureif trugen. Vor unserem Schlafzimmerfenster wuchs kein Baum. Wir hatten einen freien Blick vom Hügel über den Fluss, hin zu den grasigen Lehnen am anderen Ufer. Jetzt schaute ich in einen Hof. Ich sah durch die Zweige des Baumes eine dunkelgraue Wand, erkannte sie und wehrte mich, sie zu erkennen. So eine Mauer und so ein Baum befanden sich nämlich vor Tante Priskas Fenster.
Je wacher ich wurde, desto deutlich wurde die Szenerie, desto weniger konnte ich gleuben, was ich sah. Und jetzt kam auch noch Tante Priska zur Tür herein und sagte: ‚Willst du nicht aufstehen, Ursula?‘
Ich fragte leicht benommen: ‚Was für ein Tag ist heute?‘
Sie gab zur Antwort: ‚Der siebente Februar.‘“ (Seite 10)

Mittwoch, 6. Dezember 2023

Thietz-Bartram, Antje: Die Weihnachtsuhr

Erst letztlich stellte ich in der Weihnachtsbücherei die schmale, in blaues Leinen eingebundene und mit silberner Prägeschrift versehen Buch aus der Reihe Perlen der Literatur vor. Ein Schmökerbuch. Kein junges Buch. Die Autorin ist über neunzig Jahre alt und hat ihre gesammelten Werke dem Verleger des Input-Verlages zum Nachdruck zur Verfügung gestellt. Die gesammelten Werke sind das absolut richtige für Weihnachtsfans, vor allem, wenn sich diese am sonntäglichen Advent die nächste Kerze anzünden und sich in die Couch lümmeln, um eben zu schmökern. Zu schmökern zwischen Rezepten, Gedichten und kleinen Prosatexten, Geschichten aus der Kindheit der Autorin.

Jedes Jahr schrieb Antje Thietz-Bartram ein Gedicht für die Familie. Die Gedichte sind hier bis 1998 abgedruckt. Mit dieser Sammlung zeigt sie die Bedeutung des im Dezember bevorstehenden Festes, als wichtigstes in den Familien.

Mittwoch, 14. Dezember 2022

Goldammer, Frank: Der Weihnachtsmann ist tot...

 ... es lebe der Weihnachtsmann.

Ein ganz kurzer Rückblick in das Leben des Max Heller, der Weihnachten 1957 im Sachsenwerk Dresden ermitteln muss. Max Heller ist hiesigen Leserinnen und Lesern ja bekannt und eigentlich ist die Reihe vorerst abgeschlossen. Trotzdem hat dessen Autor, Frank Goldammer, im Rahmen einer DTV-Anthologie eine weitere Episode geschrieben.

Was ist, wenn der Weihnachtsmann keine Mandeln verträgt und darauf allergisch reagiert? Jedenfalls ist er nun tot und die Kinder auf der Weihnachtsfeier im Sachsenwerk muss nun ein anderer reich beschenken. Dazu wird Kollege Oldenbusch von Karin Heller gebeten, naja, eigentlich wird er gezwungen.

Die Kinder kommen zu ihren Geschenken und Heller, der sich noch kurzzeitig Kriminalrat nennen kann, muss herausbekommen, ob dem Weihnachtsmann der gefährliche Stollenabsichtlich verabreicht worden ist.  Auch politische Hintergründe sind nicht ganz von der Hand zu weisen.


Allerdings schreibt hier ja Goldammer und der macht, wie so oft in der Max-Heller-
Reihe, am Ende eine ziemlich unpolitische Sache draus.

Vierzehn Autoren vereint die Anthologie mit dem etwas sperrigen Titel Stille Nacht, heilige Nacht - Morgen wirst du umgebracht. Goldammer las daraus am 8. Dezember aus Anlass des Deutschen Krimitages. 

Geneigte Leserinnen und Leser finden im Taschenbuch Geschichten von :

Dora Held, Anne B. Ragde, Dietmar Bittrich, Jussi Adler-Olsen, Marlies Ferber, Rudi Fuglehaug, Romy Hausmann, Ulrich Hefner, Rebecca Michéle, Ursula Schröder, Dani Baker, Charlotte Charonne und Jutta Profijt - und ein Schelm mag sich was dabei denken, dass das Verhältnis von Männern und Frauen mit 4 : 10 für die Damen ausgeht. 




© Der Bücherjunge




Samstag, 21. November 2020

Sturm, Andreas (Hg.): Märchenmorde

Von den Geschichten und den Mordbüchern war schon hier die Rede und da und auch dort und auch diesen Post würde ich erwähnen wollen. Alle aus dem Jahr 2020. Nun muss ich noch die MÄRCHENMORDE vorstellen, wieder eine vergnügliche Frühstückslektüre.

Märchen in die Gegenwart: Da wird in einer Geschichte von Bernd Köstering Rumpelstilzchen zu Don Corleone, dessen Töchter bezeichnenderweise Camorra, Yakuza und Triade heißen. 

Schneewitchen wird bei Matthias Ramtke zum Racheengel. Ach die arme Königin... Wer hätte gedacht, dass Rotkäppchen mal mit Seeräubern und einem Frauenhaus zu tun hat? Die Geschichte stammt vom Herausgeber, Andreas M. Sturm, heißt der und ist schon für eine Reihe solcher Geschichten verantwortlich. Martina Arnold, bekannt aus Winnetou und die Frau in Weiß hat Des Kaisers neue Kleider nach Bayern verlegt. Seltsame Praktiken eines Autohändlers um in der Politik mitmischen zu können. Aber auch hier geht es letztlich um Mord. Der Gevatter Tod begegnet bei Björn Götze einem ziemlich bekleckerten und angetrunkenem jungen Mann in einem öffentlichen Verkehrsmittel und sinniert darüber, wann die Stunde zum Gehen kommt. Bei Grit und Henri fallen uns vermutlich schnell Hänsel und Gretel ein. Wobei Connie Roters das Geschwisterpaar sehr gegenwärtig behandelt. Crack und deren Kräutertee kochende Oma spielen eine Rolle. Gisela Witte löst das Geheimnis der doch vorhandenen Treppe in Rapunzels Turm. Der hier schon mehrfach vorgekommene Uwe Wittenfeld hat Aschenbrödel neu aufgelegt und wieder einmal besuchen in seiner Geschichte Ruhris das schöne Sachsenland.


Und dann geht es noch um den gestiefelten Kater, Dornröschen, Schneeweißchen, einem der das Fürchten lernen wollte, Rosenrot nicht zu vergessen und die kleine Meerjungfrau. Sechszehn Geschichten in sechszehn Kaffeetassen. Reicht für sechzehn Werktage, wenn man am Wochenende anderes liest. Doch vorsicht, sie sind nicht gleich lang. Also schaut auf die Uhr, sonst droht Unpünktlichkeit in Schule und Beruf. 

© Bücherjunge

Samstag, 2. Mai 2020

Arnold, M. / Wittenfeld, U.: Winnetou und die Frau in Weiß

In den letzten Wochen waren Geschichten und Erzählungen ständige Begleiter, vor allem während des Frühstücks. Da war von Stammtischmorden und von Sachsenmorden die Rede und von so einigen Sammlungen, auch in Form von Anthologien.

Immer wider kamen mir dabei zwei Namen vor, Martina Arnold und Uwe Wittenfeld. Aufmerksame Leser des Blogs wissen, dass Wittenfeld hier schon öfter genannt wurde, Martina Arnold erst im Zusammenhang mit den genannten Taschenbüchern. Beide sprach ich im letzten Herbst während der BuchBerlin. Seit dem wollte ich immer einmal nachlesen, was den WINNETOU mit der FRAU IN WEISS zu tun hat.

Mörderische Geschichten: Klar, wenn sich Krimiautoren zusammen tun, dann kommen mörderische Geschichten raus. Das scheint übrigens derzeit Schule zu machen, denn soeben finde ich auf Krimi-Netz den Hinweis auf OSTERMORDE 1 und besagte Martina Arnold als Herausgeberin.

Siebzehn Geschichten legen uns die zwei in „WINNTOU X“ vor und erklären in einem Vorwort warum. Nicht erklärt haben sie, dass sie vermutlich mehr Geschichten in einem Band zusammen veröffentlichen können, nicht wie in den anderen Mordsbüchern, in denen sie die meisten Seiten anderen Autoren überlassen müssen, wie das ja anthologisch die Regel ist. 

Montag, 20. April 2020

Hochstein, Hartwig (Hg.): Stammtischmorde III




Dreizehn Krimiexperten und Polizeipräsident Bernd Merbitz packen aus.  So steht das auf dem Deckel des Taschenbuches, herausgegeben von Hartwig Hochstein. Ich dachte, das wäre Andreas M. Sturm sein Metier, aber hier trifft sich ein Leipziger Stammtisch und tauscht auf diese Art und Weise seine morbiden Fantasien aus. Da sie dies veröffentlichen, scheint die Gruppe doch ungefährlich zu sein. 

Sonntag, 19. April 2020

Sturm, A.M. (Hg.): Sachsenmorde 3

Langsam komme ich auf den Geschmack. Es könnte zu einer Marotte werden, wahrscheinlich wird es das auch: Jeden Morgen zum Kaffee eine Geschichte lesen. Von Uwe Wittenfeld habe ich "letztens", naja, auf der BuchBerlin im letzten Herbst ein paar Krimibücher bekommen. Eins davon ist Sachsenmorde 3. Unschwer zu erkennen, das es nun schon der dritte Band ist. Entweder ist in Sachsen viel los, heißt, es werden viele Leute umgebracht, oder die Schriftstellerei muss immer mal wieder auf das Genre zurück kommen.

Herausgeber ist Andreas M. Sturm.Er hat schon einige Krimi-Anthologien herausgebracht. Dessen Buch Vollstreckung habe ich schon 2018 auf Litterae-Artesque vorgestellt. Selbst hat er in Sachsenmorde 3 zwei morbide Geschichten beigetragen. SCHABERNACK (Mittelsachsen) fand ich schon mal ganz interessant, da zieht eine Nachbarin auf Rache sinnend alle Register um diesen fiesen alten Nachbarn zur Räson zu bringen, oder gar zur Strecke? AUSSER KONTROLLE (Dresden) gerät einem soeben entlassenen Bankangestellten sein Leben, nachdem ein selbst gedrehter Pornofilm mit seiner Ex über die Monitore der Bank flimmerte.

Freitag, 3. April 2020

Das Meerbuch

Knapp einhundert Seiten Text und was für eine literarische Breite. Im Insel – Verlag erschien in diesem Jahr unter der Nummer 1481 ein Büchlein mit dem Titel DAS MEERBUCH. Die Texte wurden von Matthias Reiner ausgewählt und illustriert hat den schmalen Band Quint Buchholz.

Miguel de Cervantes / Daniel Defoe / Johann Wolfgang v. Goethe / Homer / Thomas Mann / Thomas Morus / Erich Kästner / Thomas Morus / Platon / Judith Schalansky / Christian Morgenstern  und das ist genau die Hälfte...

Wenn es um das Meer geht, dann ist es sinnvoll, über  Poseidon zu reden, den Meeresgott der griechischen Mythologie, der heute nicht mehr zu den Menschen spricht, in einem Text von Cees Nooteboom. Doch kehren wir mit Homer zurück und lesen, wie sich Odysseus von Kalypso verabschiedet.


Samstag, 18. März 2017

Heidenreich, Elke: Katzenmusik und Katerstimmung



»Was der Teufel für die Geige, das scheint die Hauskatze für das Klavier zu sein«, schreibt Bruno Aulich in »Mondscheinsonate und Katzenfuge«. Elke Heidenreich weiß, wovon er spricht: Ihr Kater Nero lief mit Vorliebe nachts über die Tasten und weckte alle mit modernster Musik. Auch in Frühlingsnächten ertönt Katzenmusik, wenn es bei den Katern um die Liebe und die Revierverteidigung geht. Kurzum: Das Feld der Katzenmusik ist ein weites. Ob schräge Katzenmusik, Katerstimmung oder andere tierisch-musikalische Zustände, das alles vereint diese Sammlung kecker, lustiger, ausgefallener und melancholischer Geschichten.

(Klappentext Verlagsgruppe Random House)

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (14. Oktober 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • Illustrationen: Rudi Hurzlmeier
  • ISBN-10: 3442746809
  • ISBN-13: 978-3442746804














KATZEN UND MUSIK...




Im Vorwort zu ihrer Anthologie erläutert Elke Heidenreich:

"Schreibt mir etwas", habe ich die Autoren gebeten, "über Katzenmusik, über Katzenjammer, ihr wisst schon...!" - Sie wussten nicht so recht, aber sie ahnten, und ich wusste auch nicht so recht, aber ich wollte solche Geschichten sammeln. Jeder kennt doch die schrillen Töne der Katzen, des Lebens, der Liebe und das scheußliche Gefühl, das schrille Töne in der Regel begleitet, und so kam Unterschiedlichstes zusammen: Von der Katze , die in der Oper mitsingt, bis zum Lebenskatzenjammer schlechthin ist alles dabei. Hat das alles noch mit Musik zu tun? O ja, mit der Musik unseres Lebens, in der es in Dur und Moll dahingeht, mal rauf, mal runter mit der Lebensmelodie, und mal klingt alles fröhlich, mal melancholsich und mal schrill und zerrissen. Katzenmusik eben.

Die andere Seite der Musik wird hier beleuchtet - das Schrille, das Grässliche, das, was einem auf die Nerven geht. Viele Autoren präsentieren hier kleine und kleinste Geschichten zum Thema, was im Leben aus dem Ruder läuft, was uns eben Katzenjammer beschert - eine Menge skurriler, lustiger und auch ernster Beiträge von einer Vielzahl von Autoren. Modeschöpfer Wolfgang Joop ist hier ebenso vertreten wie Bernd Schröder, Eva Demski, Harry Rowohlt, Jan Weiler u.v.m. Elke Heidenreich hat natürlich selbst auch eine Geschichte zu dieser Anthologie beigetragen - eine beinah wahre. Der Maler und Cartoonist Rudi Hurzlmeier hat die Geschichten noch mit seinen einzigartigen Bildern bereichert.

Was soll ich sagen? Manche der Geschichten haben mir gut gefallen, andere konnten mich leider gar nicht ansprechen - das Problem vieler Anthologien. Da ist eben für jeden Geschmack etwas dabei, und dass alles begeistert, kann man wohl nicht erwarten. Ein Buch v.a. für Katzenliebhaber. Keine Lektüre, die hintereinander weg gelesen werden sollte, sondern hier mal eine kleine Geschichte, dort vielleicht mal zwei. Häppchen für Häppchen eben, sonst wird es rasch zu viel. In jedem Fall ist es erstaunlich, wie unterschiedlich die einzelnen Beiträge sind.

Vielleicht auch eine schöne Geschenkidee...


© Parden












Die Verlagsgruppe Random House schreibt über die Herausgerberin:

Elke Heidenreich lebt in Köln. Sie hat jahrelang für Radio und Fernsehen gearbeitet, als Drehbuch- und Hörspielautorin, Talkmasterin, Literaturexpertin, früher auch als Kabarettistin. Ihre Arbeit gilt der Literatur und der Musik: an der Kölner Kinderoper wirkte sie zwölf Jahre lang mit. Beide Leidenschaften vereinigt sie seit 2008 in ihrer Rolle als Herausgeberin der Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann.

► übernommen von der Verlagsgruppe Random House


► Hier geht es zum Interview: Heidenreich interviewt Heidenreich... ☺

Mittwoch, 6. April 2016

Kampa, Daniel (Hrsg.): Nicht schon wieder Ostern!


Ostergeschichten von Erich Kästner, Patricia Highsmith, Ingrid Noll, Martin Suter und anderen - Herausgegeben von Daniel Kampa


Kaum stehen die letzten Schokoladen-Nikoläuse zum halben Preis an der Kasse, werden sie auch schon eingeschmolzen und zu Eiern gepresst: Nicht schon wieder Ostern!, denken viele. Jetzt gibt es zum Gefühl des Überdrusses die ultimative literarische Sammlung von hinterhältigen Geschichten und Gedichten zum Osterfest.

(Klappentext: Diogenes Verlag)


  • Broschiert: 320 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 5 (26. Februar 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257237456
  • ISBN-13: 978-3257237450















EIN LITERARISCH BUNT ANGEMALTES OSTEREI...




Erzählt wird hier vom traditionellen Osterspaziergang (Johann Wolfgang Goethe: 'Faust' und Kurt Tucholsky), vom Ostertisch (Siegfried Lenz), den Osterferien (René Goscinny), der Osternacht (Anton Cechov), der Entlarvung des Osterhasen (Erich Kästner) oder gar von ewigen Ostern (Joseph Roth). Daneben schreiben Joachim Ringelnatz, Patricia Highsmith, Friedrich Dürrenmatt, Martin Sutter und viele andere über Hühner, Eier oder Hasen. Ingrid Noll hat exklusiv für dieses Osterlesebuch eine Erzählung geschrieben, in der ein Meister Lampe es faustdick hinter den langen Ohren hat. Und kein Geringerer als Walter Benjamin führt uns ein in die hohe Kunst des Ostereier-Versteckens.


Und der Osterhase legt
(Bald sehr eitel, bald bewegt)
Rührei oder Spiegelei.
Schauerlich stöhnt er dabei.
(Joachim Ringelnatz)



Da eh immer die Rede davon ist, dass Osterhasen umgeschmolzene Weihnachtsmänner seien (oder umgekehrt?), möge mir hier verziehen werden, wenn bei 30 verschiedenen Erzählungen, Reimen und Geschichtchen namhafter Schriftsteller die nicht ganz ernst gemeinte Idee aufkommt, dieses Büchlein als eine Art literarischen Adventskalender zu Ostern zu nutzen. Jedenfalls habe ich festgestellt, dass sich diese Sammlung nicht einfach so hintereinander weglesen lässt, denn so mancher Text erfordert z.B. aufgrund der altertümlich anmutenden Schreibweise ein gehöriges Maß an Konzentration.

Manche der Texte sind sehr ernst oder auch nachdenklich, die meisten aber wurden mit einem offensichtlichen Zwinkern des Schriftstellers geschrieben. Wie das bei solchen Sammlungen wohl meistens ist: manches ist sehr ansprechend, unterhaltsam, beeindruckend oder auch berührend - anderes nimmt man dagegen eben einfach zur Kenntnis, ohne einen großartigen Zugang zum Text zu finden. Unabhängig davon bekommt der Leser aber einen guten Eindruck von der Art des Schreibens des jeweiligen Verfassers, und so mancher Beitrag weckte in mir die Lust, mehr von dem betreffenden Schriftsteller zu lesen. Gewünscht hätte ich mir noch eine Jahreszahl neben der Überschrift der einzelnen Texte, um noch besser einordnen zu können, wann sie entstanden sind.


Wer ahnte, dass zum Weihnachtsfest
die Adelheid mich sitzen lässt?
Das war noch nichts! Zu Ostern jetzt
hat sie mich ebenfalls versetzt!
Nun freu ich mich auf Pfingsten
nicht im Geringsten.
(Heinz Erhardt)



Eine interessante Sammlung von Texten, die deutlich macht, auf wie vielfältige Art ein Thema angegangen werden kann. Ein schönes Ostergeschenk, das auch noch nach den Festtagen unterhalten kann - denn eines ist gewiss: das nächste Osterfest kommt bestimmt!


© Parden


Sonntag, 24. Januar 2016

Rüther, Sonja (Hrsg.): Aus dunklen Federn (1)


Die Geschichten dieses Bandes streifen die Grenzbereiche des Horrors und der Dark Fantasy. Sie reichen von brutal blutig, über skurril zynisch bis subtil grausam. Manches, was Ihnen alltäglich erscheint, werden Sie nach dem Lesen vermutlich mit anderen Augen sehen. Thomas Finn, Lena Falkenhagen, Markus Heitz, Hanka Jobke, Boris Koch, Sonja Rüther und Vincent Voss beweisen, dass der wahre Schrecken nur einen Steinwurf von der Normalität entfernt darauf lauert, über uns alle hereinzubrechen. Und neben der Gänsehautgarantie enthält der Band noch einen besonderen Fan-Bonus: individuell von den Autoren gestaltete Titelblätter zu jeder einzelnen Geschichte.


  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: Briefgestöber; Auflage: 1. (9. November 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3981557468
  • ISBN-13: 978-3981557466
















DIE VIELSEITIGKEIT DES HORRORS...

Der Kleine schreckt vor nichts zurück...

Ich und Horror? Und dann noch eine Anthologie? Naja, hier ergab sich für mich einfach die Möglichkeit, das Buch lesen zu dürfen - einige der Autoren waren mir auch schon aus anderen Büchern bekannt, und so siegte die Neugierde.

Mit einiger Vorsicht ging ich ans Lesen, und als ich das Cover aus der Nähe betrachtete, gab es ein erstes Gruseln. Eine blutbesudelte Hand hält eine große Schreibfeder bereit, von deren Spitze ebenfalls das Blut trieft. Das Vorwort machte dann aber gleich neugierig - von der Herausgeberin Sonja Rüther verfasst, wirkte es sehr frisch und persönlich und damit authentisch, was mich durchaus ansprach.


"Die Geschichten in dieser Anthologie sind so unterschiedlich wie die Personen, die sie verfasst haben. Von ganz grauenhaft bis subtil schrecklich und unheimlich lustig ist alles dabei." (S. 7)


Dem Vorwort schließen sich acht Kurzgeschichten verschiedener Autoren an, und als Bonus gibt es drei weitere Geschichten - es wäre auch zu schade gewesen, wenn es die nicht gegeben hätte... Die Autoren haben das Titelbild zu ihrer eigenen Geschichte jeweils selbst illustriert, was ich als eine besonders individuelle und anschauliche Note empfand. Als Autoren an der Anthologie haben sich beteiligt:

  • Hanka Jobke
  • Boris Koch
  • Sonja Rüther
  • Markus Heitz
  • Lena Falkenhagen
  • Thomas Finn
  • Vincent Voss

Eine bunte Mischung mir bekannter und unbekannter Autoren und eine ebenso bunte Mischung an kurzen Horrorgeschichten. Die kürzeste Geschichte umfasst gerade einmal eine dreiviertel Seite, die längste etwa 60 Seiten. Aber auch in aller Kürze können sich einem die Nackenhaare hochstellen, wie ich feststellen durfte. In manchen Geschichten näherte sich die Angst ganz subtil an und umkreiste mich als Leser, bis es kaum noch auszuhalten war. Solche Geschichten als Film sind prädestiniert dafür, dass ich mir in der Hälfte der Szenen die Augen zuhalte - was beim Lesen eines Buches natürlich nicht geht. Diese Art des Horrors ist nach wie vor eher nichts für mich. Dennoch bemerkenswert, dass Geschriebenes auch solch eine Wirkung erzielen kann.

Doch beinhaltet die Anthologie mehr als die Angst vor der Angst:  gruselig, schwarzhumorig, skurril und grausam, alle Facetten des Genres werden hier bedient... Thrillererfahren wie ich bin, schockten mich splatterhafte Szenen weniger als vielleicht einige andere Leser. Besonders gefallen aber haben mir die zynisch-schwarzhumorigen Geschichten, denen man oft anmerken konnte, mit wieviel Vergnügen der Autor selbst bei der Sache war.

Diese Anthologie gibt einen guten Einblick in das Genre des Horrors und der Dark Fantasy und macht deutlich, welche Bandbreite dieses Genre hat. Fantastisch ist hier jede einzelne Geschichte, auch wenn mir manche besser gefielen als andere. Aber dafür sind Anthologien m.E. eben auch da: für jeden Geschmack findet sich da etwas.

Sehr gefreut habe ich mich, als ich erfuhr, dass Band 2 der dunklen Feder schon in den Startlöchern steht. Da darf man sicher wieder auf einiges gefasst sein. Hier jedenfalls habe ich einen guten Eindruck davon bekommen, was Horror alles bieten kann. Für Neugierige also bestens geeignet!


© Parden
















Sonja Rüther, geboren 1975 in Hamburg, betreibt in Buchholz/Nordheide einen Kreativhof („Ideenreich – der Kreativhof“) und den Verlag „Briefgestöber“.

Bei dotbooks veröffentlichte Sonja Rüther bereits den Thriller „Blinde Sekunden“ und die von ihr herausgegebene Anthologie „Aus dunklen Federn“, in der neben ihr auch Autoren wie Markus Heitz und Thomas Finn ihre schwärzesten Seiten zeigen.

Die Website der Autorin und Herausgeberin...
Die Autorin und Herausgeberin auf facebook...

► Quelle Text und Bild