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Samstag, 12. Juli 2025

Aitmatow, Tschingis: Djamila


Die Lieblingsbücher der Kat Menschik. Immer mehr davon werden auch zu meinen Lieblingsbüchern. Zuerst waren es die so passend illustrierten Auskopplungen MITTE und MOABIT der Gereon-Rath-Romane von Volker Kutscher, die mir überaus gefielen und wegen denen ich den Lieblingsbüchern der 1968 geborenen Zeichnerin immer wieder begegne. Auf der Leipziger Buchmesse stand in den Regalen des Berliner Galiani – Verlags ein Buch, welches mir als Schullektüre sofort wegen einer einzigen Szene erinnerlich war, dazu aber komme ich zum Schluss.

Sonntag, 8. Juni 2025

Némirovsky, Irène: "Gesprochene Filme"



Gesprochene Filme "Films parlés":  Stellen sie sich vor, sie sehen einen Film für blinde Menschen. Die Dialoge der handelnden Figuren hören Sie genauso wie der Blinde neben ihnen, dem aber die Szenen erklärt werden müssen und was die Figuren gerade tun. 

Vor Augen habe ich noch einen anderen Film, Jenseits der Stille, und darin die Szene, wie die 11jährige Tochter dem gehörlosen Vater sprechend und mit ihren Händen erzählt, wie das klingt, wenn der Schnee draußen fällt. Nun, der Schnee klingt nur, wenn er vom Dach rutscht oder unter den Füßen knirscht.

Es ist Winter in Finnland, dem Land mit kurzen Sommern und strengen Wintern. Schnee und Eis herrschen vor. Doch die Ruhe trügt, auch wenn „keine menschlichen Stimmen, kein Lärm, keine Schritte“ zu hören sind und „an diesem kalten stillen Wintertag alles eintönig und verschlafen scheint.“


Donnerstag, 20. Februar 2025

Schnitzler, Arthur: Sterben

Die inzwischen hinlänglich bekannten blauen Leinenbücher in ihrem charakteristischen Aussehen gehören durchaus zu einem wohl überlegten Leseplan. Der Plan folgt nicht dem Kalender, monatlich tatsächlich einen der mittlerweile 30 Bände zu lesen, zerschlug sich ziemlich schnell...

Warum aber machte ich dem Verleger des Input-Verlages einen „gebloggerten“ Vorschlag? In meinem gesamten Erwachsenenlesen fiel es mir immer schwer, die „Großen“ zur Hand zu nehmen. Damit meine ich weniger den Goethe, den Schiller oder den Shakespeare, mehr den Zola, den Balzac oder die Russen, die da Dostojewski, Turgenjew oder Tolstoi heißen. Wobei ich „Krieg und Frieden“ von Lew Tolstoi sehr gern las, unterstützt von diversen, davon zwei wirklich berühmten Filmproduktionen.

Diese Reihe nun, so versprach ich mir, sollte mich dazu bringen, Sachen zu lesen, die mir nie und nimmer in die Finger gekommen wären. Von den zwanzig Büchern, die inzwischen im Regal stehen, habe ich daher auch nicht die möglicherweise spannendsten zuerst gelesen, nein, es geht stur der Reihe nach. Ehrlich, würde ich das anders machen, kämen einige wohl erst im Greisenalter oder nie vor meine Augen.

Das welches nun hier an vierzehnter Stelle auf dem Blog vorgestellt wird, hätte dazu gehören können, obwohl es angenehm schmal ist mit seinen 160 Seiten.

Donnerstag, 17. August 2023

Aldenhoven, Axel: Zeit - Bots

Stell dir vor, du sitzt am Ufer der Loire mit einem Glas des besten Weins. Du lauschst den sanften Klängen der umliegenden Natur und plötzlich reißt dich ein Haufen winziger Allmikeys aus deinem beschaulichen Winzerdasein und schleudert dich auf eine epische Odyssee durch Raum und Zeit. So erging es Mike Westwing, dem unfreiwilligen Protagonisten von ZEIT-BOTS. Moment mal, Mike? Winzer? Das stimmt doch gar nicht. Doch, Leute. In dieser Novelle wird er noch so einiges erleben, unter anderem, dass er nicht nur in einer Realität existiert. Gut, wir haben schon erfahren, dass Mike in mindestens zwei Welten unterwegs ist, eine davon ist die geschlossene Abteilung der Psychiatrie. Begleite ihn in die entlegensten Winkel des Universums und darüber hinaus. Denn Mike ist nicht nur Winzer/Paläograph/Psycho – er ist der auserwählte Zeitreisende, dessen einzigartige Gabe es ihm ermöglicht, in allen Zeitebenen gleichzeitig präsent zu sein. (Verlagsbeschreibung) 
 
 DNB / Selbstverlag / 2023 / ISBN: 979-8398841565 / 110 Seiten
 
 
 
 
 
 
 
 
Dies ist der zweite Band der lt. Autor auf vier Bände angelegten Serie. Die Cover haben definitiv einen Wiedererkennungswert, sie gefallen mir von der Gestaltung her ausnehmend gut. Auch die Kürze der einzelnen Folgen scheint sich durch die Reihe zu ziehen. Zeit - Code war der erste Band und lieferte einen echt schrägen Serienstart in die SF/Zeitreisereihe. Sagen wir mal so: hier geht es nun nicht weniger verwirrend weiter. Mehr dazu erfahrt Ihr hier:

Mittwoch, 5. April 2023

Aldenhoven, Axel: Zeit - Code

Mike Westwing ist ein einsamer Mensch. Vor einigen Jahren musste er seine Frau beerdigen. Er spult sein Leben ab wie eine Tonbandkassette, die er abends auf die B-Seite drehen muss. Alles ist Routine, bis eines Tages ein seltsamer Typ aufkreuzt und ihn in einen alten, verlassenen Hilti-Store entführt, wo ein Zeitportal auf die beiden wartet. Mike sieht dem, was ihn erwartet, gelassen entgegen. Er hatte in seinem Leben schon einige Momente erlebt, die sich im Nachhinein als nicht real herausgestellt hatten. So ist es für ihn nichts Besonderes, als er auf der anderen Seite des Portals von zwei Lobstern begrüßt wird. (Klappentext)
 
 
DNB / Selbstverlag / 2023 / ISBN: 979-8-3791-6413-3 / 94 Seiten
















































 
 

Kurzmeinung:

 
Ein wirklich schräger Serienstart in eine SF/Zeitreisegeschichte. Leider nur sehr kurz und mit fiesem Cliffhanger. Wo ist die Fortsetzung?!
 
 

Sonntag, 20. Februar 2022

Trauboth, Jörg H.: Bonjour, Saint - Ex!

Lange Zeit verband ich wie viele den Namen Antoine de Saint - Exupéry nur mit seinem bekanntesten Buch, weltweit bekannt ist Der kleine Prinz. Es war ja nicht einmal das Buch, es war die Doppel-Langspielplatte eines bekannten Liedermachers, die mich dann zum Buch brachte, um die Geschichten vom Fuchs, der Rose, der Schlange und des Weichenstellers hörend zu lesen.

Später, im Jahre 1998 lasen wir die Meldung, dass ein Fischer im Netz das Armband des dichtenden Fliegers gefunden hatte und weitere zwei Jahre später wird das Flugzeug identifiziert. 

Während Anne Parden auf unserem Blog bereits 2014 Le Petit Prince besprach, kam ich erst im Jahr 2019 mit dieser „patagonischen“ Geschichte und einer Filmbesprechung wieder darauf zurück und las sofort und endlich einen Roman von ihm, der natürlich in Südamerika spielte, NACHTFLUG heißt das Buch, in dem der Flieger Fabien seinen letzten Flug absolviert. Nicht umsonst zieren Blitze das Cover des Buches. 


Plötzlich darf ich mit Jörg H. Trauboth „Bonjour!“ sagen, „Bonjour, Saint – Ex“ und bin wieder dran, gemeinsam mit anderen Leserinnen und Lesern auf Lovelybooks in einer Leserunde.


Dienstag, 13. Juli 2021

Tolstoi, Leo: Die Kreutzersonate

Auf einer nächtlichen Bahnreise durch das winterliche Russland entspinnt sich zwischen wechselnden Fahrgästen ein Gespräch über Liebe, Ehe, Moral und Gesellschaft. Gegen Ende erzählt der ehemalige Gutsbesitzer Posdnyschew einem Mitreisenden vom tragischen Verlauf seiner Ehe und legt ein erschütterndes Geständnis ab: Zunehmend enttäuscht und von unbegründeter Eifersucht zerfressen hat er seiner Frau das Leben genommen. Meisterhaft setzt Leo Tolstoi die authentische Geschichte in Literatur um und entfaltet subtil das innere Drama seiner Figuren. Zugleich ist dieses bedeutende Alterswerk Ausdruck der eigenen sozialkritischen und moralischen Positionen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  • Herausgeber ‏ : ‎ Anaconda Verlag (7. August 2012)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Übersetzung : Raphael Löwenfeld  
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 144 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 9783866478671
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3866478671
 
 
 
 
Manche Projekte dauern etwas länger - und entwickeln sich eher zufällig. Nachdem ich vor etwa vier Jahren "Kreutzersonate" von Margriet de Moor gelesen habe, stieß ich bei Recherchen auf den gleichnamigen Titel von Tolstoi und wurde neugierig. Nicht neugierig genug, um die Novelle aus dem 19. Jahrhundert gleich nach dem zeitgenössischen Roman der niederländischen Autorin zu lesen, aber das Vorhaben blieb im Gedächtnis haften. Und nun wurde es umgesetzt. Zu meinem Erstaunen ist das Projekt damit aber keinesfalls beendet. Ein Roman wenigstens wird sich wohl noch anschließen...


Donnerstag, 7. Januar 2021

Meyer, Conrad Ferdinand: Das Amulett (Hörbuch)

Conrad Ferdinand Meyers erste Prosanovelle schildert die Ereignisse der Bartholomäusnacht 1572 aus Sicht des Calvinisten Hans Schadau und stellt in dessen Selbstgerechtigkeit den religiösen Dogmatismus grundsätzlich in Frage.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  • VerlagHörGut! Verlag, 26 Mai 2011
  • Sprache : Deutsch
  • Sprecher : Ulrich Hilke
  • Ungekürzte Ausgabe : 2 Stunden und 13 Minuten
  • ASIN B0052U0Q7U
 
 
 
Die lieben Challenges sorgen dafür, dass ich immer wieder zu (Hör-)Büchern greife, auf die ich ansonsten wohl kaum aufmerksam geworden wäre. Außer dass diese Erzählung wohl 'älteren Datums' ist, wusste ich vor dem Hören nichts von dessen Inhalt. Manchmal gibt es da tolle Überraschungen - manchmal aber auch eher Enttäuschungen. Wozu dieses Hörbuch für mich zählt, könnt ihr hier nachlesen...

Sonntag, 3. Januar 2021

Storm, Theodor: Pole Poppenspäler

 „Neben unserer Haustür stand damals eine kleine weiße Bank mit grünen Stäben in den Rücken- und Seitenlehnen, von der man nach der einen Seite die lange Straße hinab bis an die Kirch, nach der anderen Seite hinaus bis in die Felder sehen konnte. An Sommerabenden saßen meine Eltern hier, der Ruhe nach der Arbeit pflegend; in den Stunden vorher aber pflegte ich sie in Beschlag zu nehmen und hier in der freien Luft unter erquickendem Ausblick nach Ost und West meine Schularbeit anzufertigen.

So saß ich auch eines Nachmittags – ich weiß noch gar wohl, es war im September, eben nach unserem Michaelis-Jahrmarkte – und schrieb für den Rechenmeister meine Algebra-Exempel auf die Tafel, als ich unten von der Straße ein seltsames Gefährt heraufkommen sage. Es war ein zweirädriger Karren, der von einem kleinen grauen Pferde gezogen wurde. Zwischen zwei ziemlich hohen Kisten, mit denen er beladen war, saß eine große blonde Frau mit steifen hölzernen Gesichtszügen und ein etwa neunjähriges Mädchen, dass sein schwarzhaariges Köpfchen lebhaft von einer Seite nach der anderen drehte; nebenher ging, den Zügel in der Hand, ein kleiner, lustig blickender Mann, dem unter seiner grünen Schirmmütze die kurzen schwarzen Haare wie Spieße vom Kopf abstanden.“


Wer das erzählt, ist der Kunstdrechsler und Mechanikus Paul Pauslen, er erzählt das seinem Lehrjungen, welcher ihn nach seinem Spitznamen gefragt hatte: Erst wird Paulsen wütend, denn „Pole Poppenspäler“ sei ein Schimpfname, der, damit wird Paulsen wieder ruhiger, allerdings §das Beste ausdrücke, was ihm im Leben gegeben wurden sei". Dann erzählt er die Geschichte seiner Kindheit, die von der Puppenspielerfamilie Tendler, und deren Tochter, dem Puppenspieler-Lisei.

Freitag, 3. April 2020

Das Meerbuch

Knapp einhundert Seiten Text und was für eine literarische Breite. Im Insel – Verlag erschien in diesem Jahr unter der Nummer 1481 ein Büchlein mit dem Titel DAS MEERBUCH. Die Texte wurden von Matthias Reiner ausgewählt und illustriert hat den schmalen Band Quint Buchholz.

Miguel de Cervantes / Daniel Defoe / Johann Wolfgang v. Goethe / Homer / Thomas Mann / Thomas Morus / Erich Kästner / Thomas Morus / Platon / Judith Schalansky / Christian Morgenstern  und das ist genau die Hälfte...

Wenn es um das Meer geht, dann ist es sinnvoll, über  Poseidon zu reden, den Meeresgott der griechischen Mythologie, der heute nicht mehr zu den Menschen spricht, in einem Text von Cees Nooteboom. Doch kehren wir mit Homer zurück und lesen, wie sich Odysseus von Kalypso verabschiedet.


Freitag, 10. Januar 2020

Leconte, Patrice: Die Liebe ist ein guter Grund, den Ärmelkanal zu durchschwimmen

Erhältlich ist dieser schmale Roman wohl nur noch gebraucht - Bastei Lübbe führt ihn jedenfalls nicht mehr in seinem aktuellen Sortiment. Glücklicherweise entdeckte ich ihn eines Tages in einer Grabbelkiste voller Mängelexemplare - und schon war er mein...
 
Verrückte Titel ziehen mich magisch an - und französische Autoren lese ich ab und an auch ganz gern. Ob ich mich mit dem kleinen Büchlein anfreunden konnte, könnt Ihr hier erfahren:







Sonntag, 15. Dezember 2019

McEwan, Ian: Die Kakerlake

Ian McEwan - der Name ist doch ein Garant für besondere Romane. Ohne zu zögern beteiligte ich mich daher an einer Leserunde bei Whatchareadin und bekam darüber ein Exemplar des Buches vom Verlag gestellt. Dafür meinen herzlichen Dank.

In der Kürze liegt die Würze, möchte man meinen, wenn man das Büchlein dann in der Hand hält. Gerade einmal 144 Seiten umfasst das neueste Werk des Kult-Autors, das sich, das ist kein Geheimnis, mit dem Brexit beschäftigt. Bereits in seinem vorherigen Werk 'Maschinen wie ich' ging er u.a. auch auf dieses Thema ein, ließ kritische Anmerkungen fallen und wies auf Gefahren hin. Doch das reichte ihm offensichtlich nicht, und so veröffentlichte McEwan nun dieses Werk. Wie es auf mich wirkte, könnt Ihr hier nachlesen:

Samstag, 3. Juni 2017

Günther, Ralf: Die Badende von Moritzburg

Novelle – Novella – Novelette. Kürzere Erzählung. Kurzepik in Prosaform. Sie hat „eine mittlere Länge, was sich daran zeige, dass sie in einem Zug zu lesen sei.“ (wikipedia)

Aha. Aber eigentlich will ich mich gerade nicht in „literaturwissenschaftlichen Betrachtungen“ ergehen, obige zwei Zeilen habe ich außerdem soeben in der bekannten Online-Enzyklopädie nachgeschlagen. Aber es passt. In einem Zug zu lesen, zumindest, wenn man rechtzeitig am Tage damit anfängt. 

Eine Sommernovelle namens DIE BADENDE VON MORITZBURG. Wir begeben uns zurück in das Jahr 1910 und begleiten die Bürgerstochter Clara Schimmelpfenninck auf den Dresdner Weißen Hirsch, wo das Lahmann-Sanatorium zu finden ist. Die junge Frau leidet an hysterischen  Anfällen und soll sich beruhigen. Dazu gehört viel frische Luft beim sogenannten Luft- und Sonnenbaden. Dazu tragen die Damen das sogenannte Luftbadehemd.

„Darin fühlte sie sich kaum weniger als nakt. Es musste ohne Unterwäsche getragen werden, der Baumwollstoff fiel locker um den Leib, damit möglichst viel Luft auf die Haut ventiliert wurde. Weich schmiegte er sich an ihren Körper und verwies dezent auf ihre Formen. Über die Schulter floss das rötlich blonde Haar, offen, wie sie es auf der Straße niemals zu tragen wagen würde.“ (Seite 9)
Der junge Dr. Maximilian Brandstetter vertritt den behandelnden Arzt und ist ein Anhänger
Sigmund Freuds. Daher landet Clara auf der Couch, muss Fragen beantworten und nicht nur das. Brandstetter lädt sie ein, die Kur an einem Wochenende in Moritzburg fortzusetzen. Nach etwas Gezeter und Ziererei, der Max ist durchaus auch attraktiv, willigt Clara ein.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Doerr, Anthony: Memory Wall


Unser Leben, unsere Welt werden durch unsere Erinnerungen zusammengehalten. Was geschieht mit uns, wenn wir sie verlieren, und welche Möglichkeiten tun sich auf, wenn andere unsere Erinnerungen wiederbeleben können? 
Der 74-jährigen Alma Konachek, die in einem Vorort von Kapstadt lebt, widerfährt genau dies. Sie verliert ihr Gedächtnis. Unbekannte brechen mehrfach in ihr Haus ein, auf der Suche nach Hinweisen zu einem spektakulären Fossilienfund ihres plötzlich verstorbenen Mannes. Denn Alma hat eine Wand voller Fotos, Gedächtnisstützen, Speichermedien, in der sich irgendwo der fehlende Hinweis zu dem gesuchten Fossil befindet.In dieser lichten, wunderschönen Novelle gelangt schließlich ein Junge in den Besitz des Geheimnisses dieser alten Frau und ihres Mannes, einer Episode aus ihrer Vergangenheit mit der Macht, ein Leben zum Guten zu wenden. Der Junge reist dazu in die Karoo-Wüste und setzt sich dieser wilden Landschaft aus. Wie alle Werke Doerrs zeugt auch dieses von der Größe des Lebens – von der geheimnisvollen Schönheit der Fossilien, Wolken, Blätter - vom atemberaubenden Glück, in diesem Universum zu leben. Die Vorstellungskraft und Sprachmacht, das Einfühlungsvermögen und die Erzählkunst Anthony Doerrs sind unvergleichlich.

(Klappentext C.H. Beck Verlag)

  • Gebundene Ausgabe: 135 Seiten
  • Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (10. Februar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Werner Löcher-Lawrence
  • ISBN-10: 3406689612
  • ISBN-13: 978-3406689611
  • Originaltitel: Memory Wall













EIN GANZES LEBEN...


Die Memory Wall befindet sich im Hause der reichen Witwe Alma Konachek. Vor vier Jahren starb ihr Ehemann Harold, und seither kümmert sich nur noch ihr treuer schwarzer Diener Pheko um sie. Alma lebt in einem wohlhabenden Vorort oberhalb des Zentrums von Kapstadt - und leidet mit ihren 74 Jahren an einer fortschreitenden Demenz. Die Wand der Erinnerungen in ihrem Schlafzimmer ist geradezu gepflastert mit Fotos, vollgeschriebenen Notizzetteln - und Kassetten.

Dies sind jedoch keine gewöhnlichen Kassetten, sondern Erinnerungsbewahrer. Ein wenig fühlte ich mich hier an Harry Potter und das Denkarium von Professor Dumbledore erinnert - nur dass es sich hier um das Produkt einer neuen (fiktiven) medizinischen Methode handelt. Nach einer Operation am kahlrasierten Kopf, bei der vier Löcher bis zum Gehirn gebohrt wurden, ist es nun möglich, dort einen Port anzuschließen und so mittels eines technischen Gerätes Erinnerungen abzuzapfen, die anschließend auf Kassetten gespeichert werden. So kann Alma täglich in ihren Erinnerungen schwelgen, auch wenn ihr Gehirn längst nicht mehr in der Lage dazu ist, selbst diese Erinnerungen hervorzurufen.


"Man muss erst beginnen, sein Gedächtnis zu verlieren, und sei's nur stückweise, um sich darüber klar zu werden, dass das Gedächtnis unser ganzes Leben ist (...)" (S. 7)


Doch ist diese Novelle nicht einfach eine der traurigen Erzählungen um einen demenzkranken Menschen. Hier gibt es ein ganzes Geflecht an Themen, die aufgrund der Kürze der Novelle nur angerissen werden können - und die dennoch beim Lesen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das gewachsene Verhältnis von Schwarz und Weiß, Arm und Reich, Jung und Alt spielt hier ebenso eine Rolle wie die Frage nach dem Wesen des Menschseins, dem Sinn des Seins, der Schicksalhaftigkeit oder des Determinismus des Lebens.

Kein erhobener Zeigefinger schleicht da durch die Zeilen, doch gerade wegen der leisen Töne und der bildhaften Beschreibung der Szenen stehen die angerissenen Fragen um so deutlicher vor Augen. Trotz einger surreal anmutender Passagen konnte ich mich einer einnehmenden Eindringlichkeit nicht erwehren. Die hervorgerufene Stimmung ist oftmals düster, und doch vermag Anthony Doerr mit seinem teils klaren, teils mit Metaphern gespickten Schreibstil zu überzeugen.

Eine nachhallende Novelle, die trotz des geringen Umfangs nicht einfach so heruntergelesen werden sollte. Ein beeindruckendes Stück Erzählkunst...


© Parden







Im amerikanischen Original sind sogar sechs Geschichten in dem Band versammelt - im deutschen Werk nur eine.







Der C.H. Beck Verlag schreibt über den Autor:

Anthony Doerr, 1973 in Cleveland geboren, lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in Boise, Idaho. Neben Erzählungsbänden wie „Der Muschelsammler“ (2007) veröffentlichte Doerr die Romane „Winklers Traum vom Wasser“ (2005) und „Alles Licht, das wir nicht sehen“ (2014), für den er 2015 den Pulitzer Prize erhielt. Der Roman, der in den USA annähernd 2 Millionen Exemplare verkaufte, wurde auch in Deutschland zu einem Bestseller, und in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Für seine Erzählungen hat Doerr bislang vier Mal den renommierten O. Henry Prize erhalten, neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt er auch drei Mal den Pushcart Prize. Im Jahr 2007 wurde Anthony Doerr von der Britischen Literaturzeitschrift Granta auf die Liste der „21 Best Young American Novelists“ gesetzt.

übernommen vom C.H. Beck Verlag