Vier Personen, die nichts miteinander gemeinsam haben, bis auf ihren
Wohnort. Sie alle leben auf derselben Etage eines Hochhauses, das von
der KI Athena gesteuert wird. In der Zukunft, in der sie leben, ist
künstliche Intelligenz fest im Alltag verankert. Doch wie sieht es in
einer hochtechnologischen Gesellschaft mit der Liebe,
zwischenmenschlichen Beziehungen und dem Zauber des Weihnachtsfests aus?
Titus Müller erschafft eine fantastische Erzählwelt, in der
Füllfederhalter zu Relikten aus längst vergangenen Tagen werden und die
Suche nach dem Glück beinahe mehr Fragen als Antworten aufwirft.
(Verlagsbeschreibung)
Stell dir vor, du sitzt am Ufer der Loire mit einem Glas des besten
Weins. Du lauschst den sanften Klängen der umliegenden Natur und
plötzlich reißt dich ein Haufen winziger Allmikeys aus deinem
beschaulichen Winzerdasein und schleudert dich auf eine epische Odyssee
durch Raum und Zeit. So erging es Mike Westwing, dem unfreiwilligen
Protagonisten von ZEIT-BOTS. Moment mal, Mike? Winzer? Das stimmt doch
gar nicht. Doch, Leute. In dieser Novelle wird er noch so einiges
erleben, unter anderem, dass er nicht nur in einer Realität existiert.
Gut, wir haben schon erfahren, dass Mike in mindestens zwei Welten
unterwegs ist, eine davon ist die geschlossene Abteilung der
Psychiatrie. Begleite ihn in die entlegensten Winkel des Universums und
darüber hinaus. Denn Mike ist nicht nur Winzer/Paläograph/Psycho – er
ist der auserwählte Zeitreisende, dessen einzigartige Gabe es ihm
ermöglicht, in allen Zeitebenen gleichzeitig präsent zu sein.
(Verlagsbeschreibung)
Dies ist der zweite Band der lt. Autor auf vier Bände angelegten Serie. Die Cover haben definitiv einen Wiedererkennungswert, sie gefallen mir von der Gestaltung her ausnehmend gut. Auch die Kürze der einzelnen Folgen scheint sich durch die Reihe zu ziehen. Zeit - Code war der erste Band und lieferte einen echt schrägen Serienstart in die SF/Zeitreisereihe. Sagen wir mal so: hier geht es nun nicht weniger verwirrend weiter. Mehr dazu erfahrt Ihr hier:
Mike Westwing ist ein einsamer Mensch. Vor einigen Jahren musste
er seine Frau beerdigen. Er spult sein Leben ab wie eine
Tonbandkassette, die er abends auf die B-Seite drehen muss. Alles ist
Routine, bis eines Tages ein seltsamer Typ aufkreuzt und ihn in einen
alten, verlassenen Hilti-Store entführt, wo ein Zeitportal auf die
beiden wartet. Mike sieht dem, was ihn erwartet, gelassen entgegen.
Er hatte in seinem Leben schon einige Momente erlebt, die sich im
Nachhinein als nicht real herausgestellt hatten. So ist es für ihn
nichts Besonderes, als er auf der anderen Seite des Portals von zwei
Lobstern begrüßt wird. (Klappentext)
Unsichtbarkeit, das ist die Faust, die man nicht kommen sieht – Macht über andere. H.G. Wells' berühmter Roman läßt diesen Menschheitstraum zur grauenvollen Realität werden. Entsetzen
springt den Leser an: Hinter dem grotesk bandagierten Gesicht und der
dunklen Brille des unheimlichen Fremden, der da im Gasthof eines
englischen Dorfes absteigt, verbirgt sich ein schwarzes Nichts. Selbst
sehen, ohne gesehen zu werden, das bedeutet Macht über andere. Der
Chemiker Griffin hat diesen Menschheitstraum verwirklicht. Doch alles
hat seinen Preis: Gnadenlose Einsamkeit und hemmungslose Destruktivität
sind die Folge. Die Angst geht um. Wells' phantastisch-utopischer Roman von 1897 ist ein Klassiker. Reich an Gruseleffekten und packend erzählt... (Klappentext)
ASIN
:
B078C4RZ28
Herausgeber
:
Books on Demand; 1. Edition (28. November 2017)
Sprache
:
Deutsch
Dateigröße
:
364 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe
:
176 Seiten
Originaltitel : "The Invisible Man"
Vor sechs (!) Jahren bereits stellte ich hier im Blog das Hörspiel zu "The War of the Worlds" vor, das den Original-Rundfunkabend von 1938 präsentierte, der dazu führte, dass der damals 23jährige Sprecher Orson Welles eine ganze Nation in Panik versetzte, so echt war die Inszenierung gestaltet, die auf der Romanvorlage von H. G. Wells beruhte. "Der Unsichtbare" ist nun mein zweites gelesenes Buch des englischen Schriftstellers, der als Pionier des Science Fiction Genres gilt. Ob der Roman, der nunmehr vor 125 Jahren das erste Mal veröffentlicht wurde, heute noch aktuell ist? Lest selbst:
Alternativweltgeschichten stammen eigentlich aus dem Genre der Sience-Fiction. Daher wurde ich bei Star Trek Beyond stutzig, als Kirk statt Spok in den Reakterraum kriecht. Das war im Jahr 2016, und aus diesem Jahr stammt die erste Rezension zu diesem Buch. In der Geschichtswissenschaft werden derartige Gedankenspiele, die allerdings Bezug auf die historischen Quellen nehmen, als kontrafaktische Geschichte bezeichnet.
Die Geschichten dieser Werke spielen in einer Welt, in der der Lauf der Weltgeschichte irgendwann (am so genannten Divergenzpunkt) von dem uns bekannten abgewichen ist. Während Science-Fiction mit dem Potentialis operiert, operiert die kontrafaktische Geschichte mit dem Irrealis, stellt also die Frage: „Was hätte sein können, wenn …?“ Das Genre wurde insbesondere in der englischsprachigen Literatur der Nachkriegszeit entwickelt. *
Im Oktober 2014 schrieben wir eine Rezension
zu einem Buch, welches für den Deutschen Phantastik Preis nominiert war. Es ging um Zeitreisen im Zusammenhang mit der
deutschen Geschichte im sogenannten Dritten Reich.
Mich hat das Thema wieder eingeholt. Zum einen mit dem eBook
WALKÜRENRITT von Heiger Osttag und zum anderen mit KAISERTAG von Oliver
Henkel.Um das letztgenannte Buch aus
dem Jahr 2014, welches den Deutschen Science-Fiction-Preis gewonnen hat geht es
hier, WALKÜRENRITT sei schon mal angekündigt.
Wir bleiben damit schön in der zeitlichen Reihenfolge, denn
KAISERTAG spielt zwar 1988, die Rückblenden reichen bis zum 1. Weltkrieg
zurück. Was wäre gewesen, wenn der habsburgische Thronfolger, Erzherzog
Ferdinand. gar nicht Opfer des bekannten, scheinbar den ersten Weltkrieg auslösenden
Attentats geworden wäre?
Also ich gehe mal davon aus, dass es dann ein
Paralleluniversum ohne diesen mörderischen Krieg gegeben hätte. Nein, nein, ich
glaube eigentlich nicht an solche Fantastereien. (Übrigens, es geht nicht um
Zeitreisen.) Ob Oliver Henkel daran glaubt weiß ich nicht, aber eins ist sicher,
wir haben es mit einer etwas anderen Art von Science-Fiction zu tun.
Wie ist das, wenn eine Reihe, die man über Jahre begeistert begleitet hat, auf ihr Ende zusteuert? Nun, man fiebert dem letzten Band entgegen und hält ihn dann schließlich mit einem lachenden und einem weindenden Auge in den Händen.
Wie bei den letzten Bänden auch, durfte ich Folge 7 ebenfalls im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks lesen - und ich danke der Autorin sehr, dass ich auch diesmal dafür ein Rezensionsexemplar erhielt. Doch auch wenn ich die Figuren lieb gewonnen habe und mir der Abschied nicht leicht fällt: eine ehrliche Rezension gibt es auch diesmal wieder...
Künstliche Intelligenz - ein Thema, das die Menschen schon lange beschäftigt, das aber immer noch nach Zukunftsmusik klingt. Doch ist das wirklich so? Liest oder schaut man entsprechende wissenschaftliche Beiträge, kann einem schon ganz anders werden - so weit weg ist das alles nicht mehr...
Bei Wikipedia ist zu lesen, dass McEwan es mag, "gewöhnliche Menschen mit ungewöhnlichen Situationen zu konfrontieren,
und (dabei) im Leser die Ahnung von
unmittelbar bevorstehenden Katastrophen zu wecken". Dieser Roman bestätigt diese Behauptung und verwebt dabei noch interessante Zeitfragen und philosophische Betrachtungen mit der Handlung. Eine anspruchsvolle Mischung also. Ob sie gelungen ist? Lest selbst:
Auch wenn ich nicht direkt zur Zielgruppe dieser auf sieben Bände angelegten Reihe gehöre, hat sie es mir angetan. Nun ist bereits der sechste und damit vorletzte Band gelesen, und immer noch kann ich sagen: ich bin Fan! Wie die Leserunde bei Lovelybooks zeigte, bin ich mit meiner Begeisterung nicht alleine. Und ich habe mich sehr gefreut zu erfahren, dass die Autorin inzwischen auch noch andere Romane geschrieben hat. Natürlich werde ich auch danach Ausschau halten, denn eines ist gewiss: Nadine Erdmann kann schreiben! Doch nun soll es erst einmal um Band 6 der CyberWorld gehen. Mal schauen, ob auch diesmal die Mischung stimmte, die die Autorin selbst als 'Cyberpunk Science Fiction' bezeichnet:
Nach den dramatischen Ereignissen in Yonderwood hoffen Jemma, Jamie,
Zack und ihre Freunde eigentlich bloß auf Ruhe, die Rückkehr in den
Alltag und einen coolen Ausflug nach CyberLondon, der neuen
Simulationswelt in der CyberWorld. Doch was als netter Abend in der
CyberCity geplant war, wird schon bald zu einem tödlichen Wettlauf gegen
die Zeit, denn Terroristen kapern die Stadt – und sie kennen kein
Erbarmen …
CyberLondon ist das virtuelle Abbild der britischen Hauptstadt, und ein
Stadtbummel oder ein Konzertbesuch lassen sich so ganz gemütlich vom
heimischen Sofa aus bewerkstelligen. Nach einem anstrengenden Tag wollen
die Zwillinge Jamie und Jemma sowie ihre Freunde Zack und Will in Ruhe
den Abend genießen und sich virtuell in die CyberCity begeben.
Schließlich haben die R.A.T.s für diesen Abend eine ganz besondere
Überraschung versprochen. Diese geheime Gruppe von Technologiegegnern
hat bereits in den vergangenen Wochen für einige originelle Aktionen in
CyberLondon gesorgt, doch dieser Abend soll alles andere in den Schatten
stellen.
Was die vier Freunde dann aber in CyberLondon
erwartet, entspricht so gar nicht ihrer Vorstellung von einem
gemütlichen Abend. Die Aktion der R.A.T.s entpuppt sich als
terroristischer Akt - und plötzlich finden sich die Vier in einer Art
Cybergame ohne Spielregeln: die Jagd ist eröffnet. Die Terroristen haben
die komplette CyberCity unter Kontrolle und jede Menge fieser Fallen
aufgebaut - sämtliche Avatare, die sich an dem Abend in die virtuelle
Stadt begeben haben, sind nun die Geiseln der R.A.T.s, und der Rückweg
in die reale Welt ist versperrt. Doch was will die Gruppe der
Technologiegegner wirklich? Und wird es den Freunden mit Hilfe von Ned
und seinem Vater gelingen, CyberLondon rechtzeitig zu verlassen?
Dies
ist bereits der fünfte Band der CyberWorld-Reihe, und wieder hat sich
Nadine Erdmann etwas ganz Besonderes ausgedacht: eine komplette
virtuelle Stadt, die Sightseeing vollkommen neu definiert, das hat schon
etwas. Aber natürlich geht es hier in erster Linie wieder um die
Abenteuer, die diesmal alleine Jamie, Jemma, Zack und Will in
CyberLondon bestehen müssen. Die anderen beiden 17Jährigen, Charlie und
Ned, haben an dem Abend andere Pläne, doch als der Terrorakt bekannt
wird, versuchen sie alles, um ihren vier in der CyberWorld gefangenen
Freunden zu helfen.
Actionlastig ist dieser fünfte Teil der
Reihe, und tatsächlich gönnt die Autorin ihren Helden - und dem Leser -
kaum einmal eine Atempause. Dabei sind die in CyberLondon lauernden
Gefahren abwechslungsreich und überraschend, und gekonnt spielt Nadine
Erdmann hier auch mit den Ängsten der Leser. Doch neben Action und
Spannung spielen auch wieder Themen wie Freundschaft
und Liebe, Ängste und Wut, Trauer und Verletzlichkeit eine große Rolle,
und dies alles in einer angemessenen Dosierung. Diese gelungene
Mischung sorgt zusammen mit dem wieder einmal flüssigen Schreibstil
dafür, dass man das eBook kaum einmal aus der Hand legen möchte. Seit
langem kam ich so wieder mal zu einer halb durchlesenen Nacht... Sehr
gelungen fand ich den ständigen Perspektivwechsel zwischen den
Abenteuern in der CyberWorld und dem Geschehen in der realen Welt, in
der sich fieberhaft bemüht wird, den Terrorakt zu beenden und die
tausenden von Geiseln zu retten. Gerade auch die Wechselwirkung zwischen
den beiden Welten hat Nadine Erdmann überaus glaubhaft und
nachvollziehbar dargestellt. Gut gefallen hat mir ebenfalls, dass in
dieser Folge auch einmal die Kehrseite der Medaille beleuchtet wird -
die möglichen Gefahren und Nachteile, die solch eine erweiterete
Technologie wie die CyberWorld mit sich bringen kann. Bei aller
Begeisterung, die die technischen Errungenschaften so mit sich bringen,
wird hier doch deutlich, dass man nicht alles kritik- und gedankenlos
hinnehmen kann und darf, und dass mit den zunehmenden Möglichkeiten auch
das Gefahrenpotenzial steigt.
Doch sind diese Themen nicht der
Schwerpunkt der Handlung - es erwarten den Leser also keine
philosophischen Grübeleien - sie sind vielmehr einfach der notwendige
Hintergrund für ein überaus spannendes Jugendbuch mit authentischen und
sympathischen Charakteren, die man am Ende gar nicht gerne ziehen lässt.
Zum Glück erwarten uns noch Band 6 und 7 - ich bin gespannt!
Im Laufe der Zeit haben die Bücher der Reihe mehrfach ihr Gewand sowie
den Titel gewechselt, was den Überblick womöglich etwas erschwert. Im
Blog gibt es aber Rezensionen zu allen vier vorherigen Bänden (in der jeweiligen Original-Version), auf die
ich an dieser Stelle gerne verweisen möchte:
Ich wuchs in einem Haus voller Bücher und Musik
auf und seit ich denken kann, liebe ich Geschichten. Selbst welche zu
schreiben, war aber lange Zeit nur eine fixe Idee, denn die
Schriftstellerei gilt als brotlose Kunst und so musste zunächst ein anständiger Beruf her.
Da ich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten
wollte, studierte ich Lehramt, verbrachte einen Teil meines Studiums in
London und unterrichtete als German Language Teacher an einer kleinen
Privatschule in Dublin. Zurück in Deutschland wurde ich Studienrätin für
Deutsch und Englisch und arbeitete an einem Gymnasium und einer
Gesamtschule in NRW. Der anständige Beruf war mir damit sicher, aber mein Herz hing mehr und mehr daran, Geschichten zu schreiben...
Yonderwood – der erste Erlebnispark, der ein LiveAction-Rollenspiel mit
Cyberabenteuern verbindet. Klar, dass Jemma, Charlie und die Jungs sich
diesen Spaß nicht entgehen lassen, als Will und Ned die Einladung
bekommen, gemeinsam mit anderen Spielern die Geheimnisse von Yonderwood
zu ergründen. Was ist in dem einsamen Dorf geschehen, dass immer mehr
Dorfbewohner die Flucht ergreifen? Warum herrscht über die Vergangenheit
eisiges Schweigen? Und was geht in den finsteren Wäldern rund um das
Dorf um und verbreitet Angst und Schrecken? Während die sechs auf
Spurensuche gehen und versuchen, den verbliebenen Dorfbewohnern zu
helfen, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Cyberwelt. Doch
der Spielspaß wendet sich jäh, als plötzlich ein alter Bekannter mit
neuen Freunden auftaucht – und sie alle haben noch eine Rechnung mit den
sechs offen …
Verlag: Greenlight Press; Auflage: 1 (20. April 2017)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
ASIN: B06Y24S9HS
Reihe: CyberWorld, Bd. 4
Ich danke der Autorin Nadine Erdmann ganz herzlich für die Möglichkeit, dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen zu dürfen!
ZWISCHEN REALITÄT UND CYBERWELT...
Was hat Nadine Erdmann sich
da wieder ausgedacht? Dass es ihr an Phantasie nicht mangelt, hat sie ja
bereits in den vorherigen drei Bänden hinlänglich bewiesen, aber das
hier war wieder ganz großes Kino.
Wills und Neds Vater erschafft
ja ebenfalls virtuelle Welten, doch 'Yonderwood' ist von der Konkurrenz
erdacht. Dennoch sind die beiden Brüder hocherfreut, als ihnen
angeboten wird, das Spiel als Betatester gemeinsam mit ihren Freunden
auszuprobieren. Und so begeben sie sich aufgeregt für drei Tage auf das
Spielgelände, das sich unter einer riesigen weißen Kuppel befindet. Zu
ihrem Erstaunen betreten sie nicht nur in der Cyberwelt die künstliche,
düstere Szenerie eines halbverfallenen Dorfes, sondern sie leben während
ihres gesamten Aufenthalts darin. Hier wird ein Live-Action-Rollenspiel
geschickt mit Cyberarbenteuern verknüpft, und der ständige Wechsel
zwischen beiden Ebenen bietet dabei einen ganz besonderen Reiz, da die
Grenzen zu verschwimmen scheinen.
Doch während Jemma, Jamie,
Charlie, Zack, Will und Ned die durchaus anspruchsvollen Aufgaben
genießen und sich ihr Teamgeist dabei noch weiter festigt, kommen
allmählich einige Misstöne hinzu. Russell, der seiner Meinung nach mit
Jamie und Zack noch ein Hühnchen zu rupfen hat, taucht plötzlich auf -
und mit ihm einige Kumpel, die versuchen, den sechs Freunden den
Aufenthalt zu vermiesen. Doch auch wenn die Störenfriede kaum Grenzen zu
kennen scheinen, wollen sich Jamie und die anderen davon nicht
abschrecken lassen - an ein vorzeitiges Aufgeben ist nicht zu denken!
Aber können sie sich wirklich vorstellen, wie weit Russell und seine
Bande gehen werden?
Was für eine Mischung mal wieder! Das
Ergründen von Geheimnissen, das Eintauchen in eine virtuelle, nahezu
lebensechte Spielwelt und aufregende Abenteuer auf der einen Seite -
Freundschaft und Liebe, Intrigen und Hass, Gemeinheiten des Lebens und
schwierige Entscheidungen auf der anderen Seite. Dabei fliegen die
Seiten dank des überaus flüssigen Schreibstils wieder einmal nur so
vorbei, und zusätzlich bedient Nadine Erdmann hier überaus gekonnt die
gesamte Klaviatur der Emotionen. Neugierde, Spannung, Spaß, Ärger, Wut
und Berührtsein geben sich hier beim Lesen die Klinke in die Hand - und
das stets in einem adäquaten Maß, also in keiner Weise übertrieben. An
einer Stelle allerdings war ich nahezu fassungslos und wollte schon
nicht weiterlesen - doch letztlich war ich einfach zu neugierig und
musste einfach herausfinden, wie es weitergeht. Mehr kann ich nicht
sagen ohne zu spoilern, aber an der Stelle hätte ich die Autorin gerne
verhauen.
Im Mittelteil gestaltete sich die Szenerie in der
Cyberworld stellenweise für meinen Geschmack etwas langatmig, da hier
mit kleinen Änderungen mehrfach dieselben Abläufe durchgezogen wurden.
Doch abgesehen davon habe ich tatsächlich keinen Kritikpunkt - außer
dass das Buch schon wieder ausgelesen ist und wir auf den Folgeband noch
warten müssen. Aber immerhin gibt es noch Folgebände - denn
ursprünglich waren nur vier Teile geplant, und dann wäre hier endgültig
Schluss gewesen. Nun sollen es insgesamt sieben Bände werden, und das
beruhigt das Herz des Fans doch ungemein.
Im Laufe der Zeit haben die Bücher der Reihe mehrfach ihr Gewand sowie
den Titel gewechselt, was den Überblick womöglich etwas erschwert. Im
Blog gibt es aber Rezensionen zu allen drei vorherigen Bänden (in der damaligen Version), auf die
ich an dieser Stelle gerne verweisen möchte:
Nadine Erdmann studierte Germanistik und Anglistik, verbrachte
einen Teil ihres Studiums in London und arbeitete als German Language
Teacher in einer kleinen Privatschule in Dublin. In Deutschland
unterrichtete sie Deutsch und Englisch an einem Gymnasium und einer
Gesamtschule in NRW. ► übernommen von Amazon.de
In einer Galaxie, in der Gewalt und Rache das Leben der Völker
beherrschen, besitzt jeder Mensch eine besondere Gabe, eine einzigartige
Kraft, die seine Zukunft mitgestaltet. Doch nicht jeder profitiert von
seiner Gabe …
Cyra ist die Schwester des brutalen Tyrannen Ryzek.
Ihre Gabe bedeutet Schmerz, aber auch Macht – was ihr Bruder gezielt
gegen seine Feinde einsetzt. Doch Cyra ist mehr als bloß eine Waffe in
Ryzeks Händen: Sie ist stark und viel klüger, als er denkt.
Akos
stammt aus einem friedliebenden Volk und steht absolut loyal zu seiner
Familie. Als Akos und sein Bruder von Ryzek gefangen genommen werden,
trifft er auf Cyra. Er würde alles dafür tun, seinen Bruder zu retten
und mit ihm zu fliehen, doch mächtige Feinde stehen ihm im Weg. Akos und
Cyra müssen sich entscheiden: sich gegenseitig zu helfen oder zu
zerstören …
Verlag: der Hörverlag; Auflage: Ungekürzte Lesung (17. Januar 2017)
Sprache: Deutsch
Übersetzung:
Petra Koob-Pawi und
Michaela Link
Sprecher: Laura Maire und Shenja Lacher
ISBN-10: 3844524975
ISBN-13: 978-3844524970
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
FANTASY IN GALAXY...
Der Eisplanet Thuvhe ist einer der neun Planeten in einer fernen
Galaxie. Er wird von zwei Völkern bewohnt, die unterschiedlicher nicht
sein könnten: den friedliebenden Thuvhesi und den stets gewaltbereiten
Shotet. Alle Planeten unterstehen dem Rat der Neun, und das Schicksal
der Planeten wird gelenkt von den drei Orakeln, die von allen Völkern
verehrt werden. Eines der Orakel ist die Mutter von Akos Kereseth und
seinen Geschwistern. Es sind die letzten friedlichen Tage der Kereseth,
mit denen Veronica Roth die Erzählung beginnt. Doch nur zu bald brechen
Ereignisse über sie herein, die die Familie zerstören: Shotet stürmen
das Haus der Kereseth, töten den Vater und entführen die beiden Brüder.
Über die Federgras-Steppe werden sie verschleppt bis in das Reich der
Shotet.
Ryzek ist der Herrscher der Shotet, in dessen Auftrag
Akos und sein Bruder entführt wurden. Sein eigenes Schicksal ist es, das
dem Herrscher keine Ruhe lässt - mit Hilfe der Brüder Kereseth erhofft
er sich eine Wendung zum Guten. Eijeh soll ihm als zukünftiges Orakel
helfen, mögliche Versionen seiner Zukunft zu sehen, und Akos soll mit
seiner Lebensgabe Cyra, der Schwester von Ryzek, helfen. Cyra leidet
unter ständigen Schmerzen, kann diese aber auch umlenken und auf jemand
anderen übertagen, weshalb Ryzek sie als Geißel seiner Herrschaft nutzt
und als tödliches Folterwerkzeug einsetzt. Durch Akos Berührung lassen
Cyras Schmerzen nach, so dass das Leben für sie wieder erträglicher wird
und sie für Ryzek von Nutzen bleibt.
Akos und Cyra verbringen
fortan den größten Teil ihrer Zeit miteinander und lernen sich
allmählich kennen - und mit ihnen auch der Hörer, der durch die
wechselnden Perspektiven von Cyra und Akos auch in die Gedankenwelt
beider Charaktere Einblick erhält. Die zarte Liebesgeschichte, die sich
hier anbahnt, dominiert dabei zu keinem Zeitpunkt das Geschehen, was ich
als angenehm und maßvoll empfand. Akos bemüht sich neben dem reinen
Überleben in erster Linie darum, aus der Gefangenschaft zu entkommen -
aber nur gemeinsam mit seinem Bruder. Doch zunehmend wächst bei ihm die
Erkenntnis, dass er dies alleine nicht schaffen kann - Cyra ist seine
einzige Chance, diesen Plan auch tatsächlich umzusetzen. Doch wird sie
ihm wirklich helfen?
Was einige Teilnehmer der Hörrunde als
störend empfanden, fand ich im Gegenteil überzeugend: Veronica Roth
lässt sich zu Beginn der Erzählung viel Zeit, um die fremden Welten,
Völker, Gegebenheiten und Charaktere vorzustellen. So war es mir
möglich, trotz der Vielzahl an fremden Namen und Dingen allmählich
wirklich in Thuvhe und Shotet anzukommen und mir ein Bild der fernen
Galaxie zu machen. In der zweiten Hälfte dann zog die Spannung zunehmend
an, und auch wenn mir mancher Abschnitt gelegentlich etwas sprunghaft
erschien, konnte mich die Handlung in den Bann ziehen. Empfindlich
sollte man als Hörer dabei allerdings nicht sein, denn hier herrschen
Gewalt, Schmerz, Blut und Tod vor.
Die Zeichnung der Charaktere
ist für mich plastisch und mehrdimensional und durch die Ausgewogenheit
an Stärken und Schwächen auch authentisch und glaubhaft. Der Wechsel
der Perspektiven in der Erzählung bringt beide Hauptcharaktere
gleichermaßen nahe, auch wenn Cyra (gelesen von Laura Maire) in der
Ich-Perspektive präsentiert wird, Akos dagegen (gelesen von Shenja
Lacher) etwas distanzierter in der personalen Erzählperspektive. Der
Schreibstil ist flüssig und bildhaft, die Lesung der jeweiligen
Erzählperspektive entsprechend angemessen.
Auch wenn die
Präsentation der fremden Galaxie den Scienc-Fiction-Gedanken nahelegt,
liegt für mich der Schwerpunkt der Geschichte in erster Linie im Bereich
der Fantasy. In meinen Augen ist dies der gelungene Auftakt einer
vielschichtigen Dilogie, die durch eine ausgewogene Mischung von
Spannung und Gefühl punkten kann. Auf die Fortsetzung bin ich jedenfalls
gespannt!
Veronica Roth lebt in Chicago und studierte an der dortigen Northwestern
University Creative Writing. Im Alter von nur 20 Jahren schrieb sie
während ihres Studiums den Roman, der später "Die Bestimmung" wurde und
den Auftakt zu ihrer internationalen Bestseller-Trilogie bildet. Nun hat
ihr Buchhit auch die Leinwand erobert. In der Verfilmung der
preisgekrönten Romane begeistern die Stars Shailene Woodley als die
tapfere junge Heldin Tris und Theo James als deren große Liebe Four.
Der Mann im hohen Schloss / The Man in the high Castle / Das Orakel vom Berge...
„Unzählige“ Titel einer Geschichte, die mir nicht als Buch in die Hände fiel, sondern als Fernsehserie. Eine AMAZON PRIME Fernsehserie und das scheint ein Format zu sein, welches sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Ein anderer „Sender“ ist NETFLIX, aber von dem soll gerade nicht die Rede sein, der kommt dann dran, wenn ich mal was über Elisabeth II. zu schreiben hätte...
Das Cover des Taschenbuches spricht ja Bände: Die japanische Kriegsflagge über dem Westen der USA, der Adler des Tausendjährigen Reiches über dem Osten und mittleren Westen. In der Mitte ein schmaler grauer Streifen, das ist die Pufferzone einiger weniger amerikanischer neutraler Staaten.
Wir schreiben das Jahr 1962. Die beiden Supermächte, Japan und Deutschland, sind sich nicht sonderlich grün. Auch regt sich Widerstand und die junge Judolehrerin Juliana sucht in den Rockies nach einem mysteriösen Autor, der den Widerstand entfachen könnte. „Nur er scheint zu wissen, wie man dem Albtraum der falschen Geschichte entkommt“[1]
Alles ist irgendwie anders gelaufen: Roosevelt ermordet, im Jahr 1947 siegen die Achsenmächte. Deutschland hat das Mittelmeer trocken gelegt. (Atlantropa [2]). Reichskanzler Bormann ist Tod und mehrere Gruppen kämpfen um die Macht.
Ein Hauptmann der Abwehr namens Wegener will die Japaner vor einem Atomangriff der Nazis warnen. Ein Frank Frink fälscht ehemalige amerikanische Alltagsgegenstände und will diese über den amerikanischen Kunsthändler Childan an Japaner verkaufen. In San Francisco residiert ein Mr. Tagomi in der japanischen Handelsmission. Und Juliana Frink, Exfrau von Frank verliebt sich (fast) in Joe, einen italienischen Trucker.
Am 5. Februar 2018 landete ein außerirdisches Raumschiff mit mehr als
5000 Flüchtlingen an Bord auf dem Flughafen München. Charly lebt
glücklich in einer mittelalterlichen bayrischen Kleinstadt, bis nebenan
eine Außerirdische einzieht. Die geht ihr ganz furchtbar auf die Nerven.
Und dann beschmieren Fremde auch noch ihr Elternhaus. Zufall? Oder gibt
es eine geheimnisvolle Verbindung zwischen Charlys Familie und den
Flüchtlingen von einer anderen Welt? Die beiden ungleichen Mädchen
raufen sich zusammen und stellen sich der größten Herausforderung ihres
Lebens: Ist alles so wie es scheint? Was zählt wirklich im Leben? Wie
weit sind wir bereit zu gehen, um die Wahrheit zu erfahren? Wem können
wir trauen?
Eine spannende Geschichte, erzählt mit einer Prise Humor,
für Leser und Leserinnen ab 10. Das Abenteuer schlägt eine Brücke von
den Kreuzrittern bis hin zu fernen Planeten und zeigt, dass Freundschaft
nicht nach Hautfarbe oder Herkunft fragt. Und Krzschrk mag zwar
furchtbar stinken, schmeckt aber einfach himmlisch.
Taschenbuch: 216 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform; Auflage: 1 (1. Januar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 1542302900
ISBN-13: 978-1542302906
EIN TOLLES KINDERBUCH!
Die Sommerferien sind zu Ende, der erste Schultag ist angebrochen.
Charly freut sich darauf, ihre beste Freundin endlich wieder zu sehen,
und auf ihren alten Geschichtslehrer ebenso - Charly liebt dieses Fach
einfach am allermeisten, und irgendwann will sie mal Archäologin werden!
Doch kaum in der Klasse angekommen, werden gleich alle Erwartungen
enttäuscht. Charlys Freundin sitzt neben einem anderen Mädchen, und vor
der Tafel steht eine ganz andere Geschichtslehrerin. Und als ob das
nicht reichen würde, sitzt in der Klasse nun auch noch eine Lausianerin!
Was das ist? Nun, eben ein Mädchen der Außerirdischen, die vor
ein paar Monaten mit einem Raumschiff auf dem Flughafen München
gelandet waren. 5000 lausianische Flüchtlinge leben seither in Bayern -
und eben auch in der Kleinstadt, in der Charly wohnt. Wie sich
herausstellt, geht Sarah nicht nur in dieselbe Klasse wie Charly,
sondern ist mit ihrer Mutter auch noch in das Haus neben dem von Charlys
Familie gezogen. Die blaue Haut lässt die Lausianer fremdartig
erscheinen, dazu riechen sie so merkwürdig, und seltsam kleiden tun sie
sich auch. Als Sarah mit Charly zusammen zur Schule fahren will, wird
dieser ganz anders. Was ist, wenn die anderen denken, sie sei mit Sarah
befreundet?!
Doch Charly hat noch mehr Grund, sich aufzuregen.
Einige Lausianer beschmieren das Haus ihrer Familie - und als Sarah ihr
übersetzt, was da geschrieben steht (schließlich kann Charly kein
Lausianisch), wird sie nachdenklich. Ob sie es will oder nicht, es
scheint eine Verbindung zu geben zwischen den Lausianern und Charlys
Familie - eine Verbindung, die schon seit Jahrhunderten besteht. Charly
und Sarah geraten unversehens in ein Abenteuer, das mehr Gefahren birgt,
als sie denken, das sie bis in die Zeit der Kreuzritter zurückführt -
und das ihnen klar macht, welche Werte im Leben wirklich zählen.
"Ich
dachte Menschen und Lausianer wären sich so ähnlich?" --- "Körperlich,
rein körperlich." --- "Und mental seid ihr die Einsteins und wir die
Affen?" --- "Einstein war auch nur ein Mensch."
Als
ich den Titel dieses Buches las, war ich hin und weg. Wie zum T...
spricht man das aus?! Auch der Klappentext sprach mich an, und so
beschloss ich, dass es wieder einmal an der Zeit wäre, ein Kinderbuch zu
lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht - hier kommen Kinder auf ihre
Kosten!
Charly ist ein glaubhafter Charakter, ein starkes,
selbstbewusstes Mädchen, das dennoch irgendwie 'dazugehören' will. Die
inneren Konflikte im Umgang mit den Gleichaltrigen sind gut geschildert,
wie z.B. die Angst, selbst ausgegrenzt zu werden, wenn man mit dem
Außenseiter befreundet ist. Mir gefällt, dass Charly kein
'Überfliegercharakter' ist und nicht einfach selbstverständlich immer
die moralisch guten Entscheidungen trifft, sondern sich um mögliche
Konsequenzen durchaus Gedanken macht.
Die Situation mit den
Außerirdischen ist durchaus unterhaltsam, und doch stehen hier die
Themen 'Andersartigkeit' und ' gegenseitige Vorurteile' mit im Raum. Die
geschilderte Flüchtlingssituation der Lausianer bietet dazu vermutlich
nicht von ungefähr Parallelen zur aktuellen Weltlage und könnte z.B.
beim Vorlesen oder auch beim Lesen im Klassenverband als
Diskussionsgrundlage dienen.
Doch im Vordergrund steht hier
natürlich das Abenteuer, die Suche nach einem alten Schatz, auf den
plötzlich viele Jagd machen, so dass Charly bald nicht mehr weiß, wem
sie eigentlich noch trauen kann. Einige Szenen gerade gegen Ende hin
wirkten auf mich etwas zu überzogen, aber Kinder mag es ansprechen, wenn
ihre Helden sich gelegentlich ein wenig wie Superman verhalten. Einige
etwas unlogische Stellen seien dem Buch verziehen, denn insgesamt wird
hier Spannung, Humor und Nachdenkliches in einem sehr unterhaltsamen
Gesamtpaket geboten.
Empfohlen wird dieses Buch für Leser und
Leserinnen ab 10. Manche gewaltbetonte Passagen fand ich bezüglich
dieser Altersangabe etwas grenzwertig - da sollte man als Eltern
entscheiden, wie reif sein eigenes Kind ist und bei einem ängstlicheren
Naturell vielleicht noch etwas mit der Lektüre warten.
Insgesamt ist dies aber ein tolles Kinderbuch, unterhaltsam, flott zu lesen und spannend. In jedem Fall empfehlenswert!
Marcus Schneider ist Ostwestfale, der im selbstgewählten bayrischen Exil
lebt. Er schreibt Bücher, seit sich seine Tochter ankündigte. Nachdem
sie langsam dem Jugendbuchalter entwächst erschien 2016 sein erster
Krimi. In den Musterbiographien folgt nun eine Aufzählung der
Buchpreise. Die muss in diesem Fall mangels Masse leider entfallen.
Immerhin freut sich der Author über zahlreiche freundliche Bewertungen,
insbesondere zu der Eviana-Reihe, von der alle Verwandten nach wie vor
behaupten, sie sei das Beste, was der Author bisher veröffentlich habe,
wobei Marcus Schneider den Krimi auch gar nicht so schlecht findet. Und
auch den gestohlenen Wunsch. Aber das nur am Rande. ► übernommen von Amazon.de
Gelegentlich unterhält man sich ja auch in der Verwandtschaft über Bücher. Und Verwandtschaft hat beileibe nicht, oder nicht immer, oder meist nicht den gleichen Lesegeschmack. Letztens suchten wir den Roman PLANET DES TODES von Stanislaw Lem. Zuerst fanden wir nur GAST IM WELTRAUM von ebendiesem polnischen Autoren.
Den Film DER SCHWEIGENDE STERN, die Geschichte des PLANET DES TODES sahen wir dann von einer DVD. Filmmaterial aus den sechziger Jahren. Man siehe, wenn nicht zu Hand irgendeine Folge aus der ersten STAR TREK Serie.
Im Zuge der Diskussion, was denn eigentlich Sience-Fiction wäre, was utopisch und was wissenschaftlich-fantastisch, ging es plötzlich um ENDERS GAME. Oder auf Deutsch ENDERS SPIEL von Orson Scott Card.
Vermutlich wäre es interessant, die vergangenen Ausgaben (1977, 1985,1991) mal zu vergleichen, hier bleibt nun aber erstmal nur die Besprechung der deutschen Ausgabe von 2012 aus dem Heyne Verlag mit Hinweisen auf die Verfilmung im Jahr 2013.
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Die Geschichte:
Vor rund 70 bis 80 Jahren wurde die Erde von Außerirdischen, den ameisenähnlichen Krabblern angegriffen. In mehreren Invasionskriegen gelang es, die Angriffe zurückzuweisen und die Krabbler zu schlagen. Als großer Held steht Mazer Rackham immer noch im Rampenlicht. Diese Krabbler verfügen über außergewöhnliche „Echtzeitkommunikation“ und können sich äußerst schnell auf neue Gegebenheiten, Waffen, Taktiken und mehr einstellen. Doch die „Königin“ der Krabbler führt absolut zentral. Es gibt nur die eine Zentrale.
Die Erde ist (wieder einmal) in zwei Pakte zerfallen. Noch arbeiten die Staaten in der I.F. (International Forces) zusammen. Aber der Anführer der Staaten, der HEGEMON gehört dem westlichen Bündnis an, der POLEMARCHOS, der Oberbefehlshaber ist wohl Russe. Außerdem gibt es noch den STRATEGOS, den Heerführer – Die Staaten leiten die Titel ihrer Führer aus der griechischen Antike ab, sie wollen wohl darstellen, das von der Demokratie etwas übrig wäre. Beschrieben wird allerdings eher eine Diktatur und in dieser lebt die Familie Wiggins.
Zwei Kinder, Peter und Valentine, waren bereits auf der sogenannten Kampfschule der I.F. Peter allerdings ist ein brutaler, über Leichen gehender Typ, Valentine´s Sanftmut passte den Vorgesetzten auch nicht ins Konzept. So durften die Eltern einen (in der Gesellschaft verachteten) „DRITT“ bekommen, denn die Intelligenz der älteren Geschwister war einzigartig. Der DRITT ist Andrew, genannt ENDER. Dessen Geschichte wird nun auf 465 Seiten erzählt.
Oberst Graff und Major Anderson sind Lehrer und Erzieher an der Kampfschule, die der sechsjährige Ender nun kennenlernt. Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten, insbesondere sein Können, die „Computerspiele“ viel schneller als andere zu durchschauen, führen zu Beförderungen: Er verlässt das START-Team viel schneller, setzt sich im Kommando der Salamander gegen den Kommandanten durch, kommt in ein weiteres Team und bekommt danach als jüngster dann ein eigenes Team, die DRACHEN. Mit denen zeigt er seine Führungseigenschaften, er setzt auf Eigeninitiative, Variantenreichtum und auf die Fähigkeiten der Untergebenen. So kommt es, dass er die Kampfschule bereits mit elf Jahren verlässt und mit Oberst Graff auf die Kommandoschule auf einem ehemaligen Krabbler-Stützpunkt, dem Asteroiden Eros fliegt. Er ist der, welcher die vermutlich bevorstehende erneute Invasion der Krabbler abwehren und diese vernichten soll. Wird er es schaffen, gemeinsam mit Mazer Rackman, mit Alai, dem Freund aus der Startergruppe, mit Petra, die, selbst Außenseiterin, mit ihm im Kampfraum trainierte und mit Bean, ebenfalls einem kleinerem Jungen, der ihm bei den Drachen zugeteilt wurde?...
Die Geschwister:
Der ältere brutale Peter hat den jüngsten, den verachteten „Dritt“ gequält und gedemütigt. Beschützt wurde er von der Zweitgeborenen, von Valentine. Sie spielt eine wichtige Rolle in der jahrelangen Ausbildung ihres jüngeren Bruders. In einer Ausbildungskrise Enders gewinnt Oberst Graff Valentine dafür, ihren Bruder von der Sinnhaftigkeit seiner Ausbildung zu überzeugen.
Eine „kleine“ Erpressung ist im Spiel: Peter und Valentine haben sich, obwohl noch Kinder, in den größten Computernetzen der Erde zu bekannten Kolumnisten entwickelt. Der nach Macht strebende Peter schreibt als Locke (nach dem bekannten Menschenrechtler) und Valentine als Demosthenes (athenischer Redner und Staatsmann). Während Peter selbst an die Spitze der Weltregierung will (Hegemon), aber auch den drohenden Krieg der Gesellschaftssysteme verhindern möchte, hetzt Valentine als Gegenpart demagogisch gegen zweiten Warschauer Pakt. Sie ist hin und her gerissen: Sie kennt die Abscheulichkeiten Peters (z.B. Tierquälerei), meint aber auch, dass er anders geworden ist. Beide besetzen mit ihren Kolumnen eigentlich die Person des jeweils anderen.
Valentin liebt Ender immer noch, trotz jahrelang unterbrochenen Kontaktes, sämtliche Kommunikation wir durch Graff und Co verhindert. Valentine wird am Ende erneut der wichtigste Partner für Ender; ob Peter sein Ziel erreichen wird?
Ender hat Angst, denn bereits zweimal hat er brutal andere Schüler zusammengeschlagen (dass er sie getötet hat, weiß er gar nicht) und meint, wie Peter zu sein. Valentine gesteht er, dass er aber nur eines möchte: Auch von Peter geliebt zu werden.
Die Gesellschaft:
Es ist nicht ganz klar, was für eine Art Gesellschaft sich auf der Erde entwickelt hat. Die Art und Weise, wie das Militär befähigte Kinder aus den Familien wegholt um sie als Raumpiloten und Kommandeure auszubilden, die Verhinderung jeglicher Kommunikation, die Darstellung der bisherigen Krabbler-Invasionen gegenüber der „nicht eingeweihten“ Menschen, lassen auf eine Diktatur schließen, in der sich zwei, auch kriegsbereite Staatengemeinschaften gegenüberstehen. Der Begriff des Zweiten Warschauer Paktes ist vermutlich der Überarbeitung der Ausgaben geschuldet, in der ersten Ausgabe gab es den „ersten“ ja noch wirklich. Von einer NATO als solcher wird gar nicht gesprochen. Das Ziel der vollständigen Vernichtung des außerirdischen Lebens zeigt den Hang zum Völkermord. Im Zusammenhang mit seiner Angst, so zu werden wie sein Bruder, lehnt Ender am Ende eine solche Lösung selber ab.
Das Militär:
Kampf- und Kommandoschule unterrichten einerseits durch Drill, andererseits zeigen auch Graff und Anderson, dass sie sich mit den Eigenschaften der anvertrauten Kindersoldaten intensiv beschäftigen und diese keinesfalls als Kanonenfutter sehen. Major Anderson geht dabei weiter als Graff, der seinen Vorgesetzten, die erst am Ende als solche sichtbar werden, berichten muss. Andererseits ist es seltsam, dass sie Jungs als Kommandeure einsetzen, die augenscheinlich und eindeutig nicht als solche geeignet sind. Es steht wohl die ziemlich verzweifelte Suche nach dem EINEN Flottenkommandeur dahinter, auf den man hofft. Die im Buch gezeigten Widersprüche scheinen diesbezüglich unlösbar. Warum eigentlich schult man Kinder?
Die Lösung, die Ender am Ende seiner Abschlussprüfung auf der Kommandoschule zeigt, erinnert ein wenig an den Kobayashi-Maru-Test aus dem zweiten Star Trek Film DER ZORN DES KHAN: Nun unter großen Opfern oder Selbstvernichtung ist der Sieg möglich.
Computerspiele:
Im Jahr 1977, als die Geschichte als Kurzgeschichte erstmals veröffentlicht wurde, aber auch im Jahr 1985, als der Roman erschien, waren Computerspiele in der Regel zweidimensionale „Spielereien“. Zumindest für die „allgemeinen“ Computerspieler, die sich ein solches Gerät schon mal leisten konnten. Die beschriebenen äußerst komplexen Spiele und Simulationen dürften eine Spannung aufgebaut haben, die wahrhaftig fantastisch wirkte.
Heute sind viele solcher Dinge bereits vorhanden. Die Komplexität scheint noch nicht erreicht zu sein, doch viele Schritte fehlen wohl nicht. Das Psychospiel, welches Ender immer wieder versucht, zeigt in den fortgeschrittenen Levels plötzlich „Eigenleben“, die Psyche des Spielers wird unmittelbar vom „Spiel“ verwendet.
Warum Kindersoldaten? Der Autor spielt wohl, und das ist für die Entstehungszeit des Romans bemerkenswert, auf deren Leistungsfähigkeit an, die es ermöglicht, spielerisch komplexe Situationen zu erfassen und Lösungen zu finden. Heute wäre es wohl eher denkbar, aus den besten „Spielerkindern“ einige herauszufinden, deren Leistungsfähigkeit für die Lösung solch komplexer Situationen gegeben ist. Ob dies Erwachsenen gleichwohl möglich wäre?
Der Film: Harrison Ford spielt den Oberst Graff, Ben Kingsley den Mazer Rackham und Viola Davis Major Anderson. Anders als im Buch spielt die Handlung nicht während mehrerer Jahre, sondern nur in Monaten oder Wochen. Dadurch wird die Ausbildung und Entwicklung des Ender Wiggins allerdings ziemlich unglaubwürdig. Die gesellschaftlichen Gegebenheiten auf der Erde wurden ausgeblendet, alles konzentriert sich auf den Kampf gegen die Außerirdischen. Die Rollen von Peter und Valentine wurden auf die Geschwisterrolle reduziert. Dass die Krabbler nun Formics heißen, spielt keine Rolle.
Die Erläuterung des Produzenten, Card selbst, hilft da weiter. Die Konzentration erfolgte noch stärker auf Ender. Dem Film dürfte so besser zu folgen sein, bekannter Weise sollte man ja eh nicht annehmen, dass solch komplexe Romane gleichermaßen verfilmt werden könnten.
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Trailer YouTube
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Buch wie Film waren einerseits durchaus lesenswertwie spannungsreich anzuschauen. Das Buch mit seinen Hintergründen und Nebengeschichten natürlich noch mehr. Die Botschaft allerdings erachte ich als ziemlich fragwürdig. Das betrifft natürlich zuerst das Thema Kindersoldaten, denen eingetrichtert wird, dass sie die militärischen Retter der Menschheit werden sollen. Dem Ziel, der Vernichtung der Menschheit zu entgehen, wird sehr viel untergeordnet. Da lässt man schon mal ungeeignete Jungs in Führungspositionen um herauszufinden, wie diese auf andere wirken. Dass dies nicht öfter in Mord und Totschlag (nur einmal) endet, wirkt ebenfalls unglaubwürdig. Welche Gegensätze auf der Erde wirken, ein Krieg zwischen den Pakten wird nach der Abwehr der möglichen Krabbler-Invasion als sehr wahrscheinlich angesehen, wird kaum erklärt.
Während die Fähigkeit von Kindern, unkonventionelle Lösungen für Videospiel zu finden noch verständlich erscheint, so ist die Manipulation, welche die Kinder Peter als Kolumnist LOCKE und Valentine als DEMOSTHENES erreichen, trotz ihres brillanten Verstandes nicht nachzuvollziehen. Denn dies ist kein Spiel.
Die Kritiken reichen von Ablehnung wegen Verherrlichung des Kriegsspieles der Kindersoldaten und kritiklose Nichtbeantwortung moralischer Fragen bis zur Attestierung eines gewissen Unterhaltungswertes. Der Roman selbst wirkt wesentlich gesellschaftskritischer als der Film, bei dem das Kriegsspiel bei weitem überwiegt.
SPRECHER DER TOTEN und ENDERS SCHATTEN könnte man daher vielleicht für Fans empfehlen.
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Ausgabe 1986
Der 1951 geborene US-amerikanische Schriftsteller Orson Scott Card schreibt wohl hauptsächlich Science Fiction und wurde mit DAS Große spiel bekannt. Der Roman erhielt mehrere Auszeichnungen, ebenso wie der Nachfolger SPRECHER FÜR DIE TOTEN. Laut Wikipedia wird er eher als rechts-konservativ eingeschätzt, was Buch und Film aus meiner Sicht eher bestätigen.