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Freitag, 26. Februar 2021

Binet, Laurent: Eroberung

Was ist das: DIE GESCHICHTE? Es gibt da eine Gruppe auf einer bekannten Social-Media-Plattform, die nennt sich Geschichte & Archäologie. Zu der gehören schon über 50.000 (!) Mitglieder. Das ist enorm, denke ich. Was da alles an geschichtlichen Ereignissen hervorgekramt wird, ist beachtlich. Gelegentlich gibt es Streit, zum Beispiel dann, wenn mal wieder jemand der Meinung ist, weit zurückliegende Ereignisse rein „faktisch“ und nicht durch die heutige opto-politische Brille zu sehen. Als ob das gehen würde. Geschichte ist immer Rückblick, Geschichte wurde durch die geschrieben, die meist was gewonnen hatten oder sonst „übrig“ geblieben sind. Nach einer Pandemie zum Beispiel, oder einem Krieg... 

Man kann Geschichte aber auch so sehen wie der Franzose Laurent Binet. Der hat Geschichte in Prag studiert, was nicht heißt, dass die folgende „Definition“ irgendeine Art von Prager Geschichtsauffassung darstellen würde. Gleichwohl, man muss sich solche Worte schon mal in Ruhe vornehmen:

„Die Geschichte lehrt uns, dass wenige Ereignisse es der Mühe wert erachten, sich rechtzeitig anzukündigen, dar manche, die sich jeglicher Vorhersage entziehen, und dass letztlich die allermeisten sich damit begnügen, einfach einzutreten.“ 

Vorsicht: Spoiler! 

Donnerstag, 25. Februar 2021

Ostertag, Heiger: Walkürenritt

Alternativweltgeschichten stammen eigentlich aus dem Genre der Sience-Fiction. Daher wurde ich bei Star Trek Beyond stutzig, als Kirk statt Spok in den Reakterraum kriecht. Das war im Jahr 2016, und aus diesem Jahr stammt die erste Rezension zu diesem Buch. In der Geschichtswissenschaft werden derartige Gedankenspiele, die allerdings Bezug auf die historischen Quellen nehmen, als kontrafaktische Geschichte bezeichnet.

Die Geschichten dieser Werke spielen in einer Welt, in der der Lauf der Weltgeschichte irgendwann (am so genannten Divergenzpunkt) von dem uns bekannten abgewichen ist. Während Science-Fiction mit dem Potentialis operiert, operiert die kontrafaktische Geschichte mit dem Irrealis, stellt also die Frage: „Was hätte sein können, wenn …?“ Das Genre wurde insbesondere in der englischsprachigen Literatur der Nachkriegszeit entwickelt. *

Mittwoch, 24. Februar 2021

Henkel, Oliver: Kaisertag



Im Oktober 2014 schrieben wir eine Rezension zu einem Buch, welches für den Deutschen Phantastik Preis nominiert war.  Es ging um Zeitreisen im Zusammenhang mit der deutschen Geschichte im sogenannten Dritten Reich. 

Mich hat das Thema wieder eingeholt. Zum einen mit dem eBook WALKÜRENRITT von Heiger Osttag und zum anderen mit KAISERTAG von Oliver Henkel.  Um das letztgenannte Buch aus dem Jahr 2014, welches den Deutschen Science-Fiction-Preis gewonnen hat geht es hier, WALKÜRENRITT sei schon mal angekündigt.

Wir bleiben damit schön in der zeitlichen Reihenfolge, denn KAISERTAG spielt zwar 1988, die Rückblenden reichen bis zum 1. Weltkrieg zurück. Was wäre gewesen, wenn der habsburgische Thronfolger, Erzherzog Ferdinand. gar nicht Opfer des bekannten, scheinbar den ersten Weltkrieg auslösenden Attentats geworden wäre?

Also ich gehe mal davon aus, dass es dann ein Paralleluniversum ohne diesen mörderischen Krieg gegeben hätte. Nein, nein, ich glaube eigentlich nicht an solche Fantastereien. (Übrigens, es geht nicht um Zeitreisen.) Ob Oliver Henkel daran glaubt weiß ich nicht, aber eins ist sicher, wir haben es mit einer etwas anderen Art von Science-Fiction zu tun.

Dienstag, 6. August 2019

Harris, Robert: Vaterland


Robert Harris tauchte bisher zweimal in unserem Blog auf. Einmal hier mit ANGST und dann noch einmal hier mit KONKLAVE. Sehr unterschiedlicher Stoff, der von Aktien und einer Papstwahl handelt.

Außerdem kannte ich den Schriftsteller durch den Film VATERLAND, in dem der SS-Sturmbannführer Xaver März als Angehöriger der Kripo ermittelt und einem der größten „Geheimnisse“ der im Jahre 1964 immer noch existierenden Dritten Reiches. Also eine Alternativweltgeschichte. Auch solche Romane haben wir schon besprochen. WALKÜRENRITT von Heiger Ostertag wäre da zu nennen, oder KAISERTAG von Oliver Henkel.

Zum dem starb am 19.Juli 2019 der niederländische bekannte Schauspieler Rutger Hauer im Alter von 75 Jahren. Hauer verkörperte im Film von 1994 den Ermittler März.


Donnerstag, 23. November 2017

Bredemeyer, Mark: Runenzeit... (5+6)


Nach vier Bänden muss man ja die Lektüre zu einem glücklichen Ende bringen. 
Um was geht´s? Natürlich um RUNENZEIT


Was bescherte uns der vierte Band? Mit Handgranaten und Kalaschnikow ziehen Arminius und seine Armee aus den Stämmen der Germanen gegen die Legionen des Publius Quinctilius Varus. Man merkt, hier kann etwas nicht stimmen. Und richtig, in der Geschichte rühren so einige Leute dem 21. Jahrhundert rum. Aber das kennt der Leser dieses Blogs bereits, wenn er die kurzen Buchbesprechungen zu Bredemeyers „histo-fantastischem“ Roman verfolgt hat.

SCHIKSALSRUNEN, so heißt der fünfte Band und eigentlich weist dies auf das Ende hin. Das Schicksal des EWIGEN CHERUSKERS. Damit ist dann der sechste Band gleich mit genannt.

An das Ende darf man dabei als Mensch des 21. Jahrhunderts nicht denken, denn die Wolfszeit steht uns unmittelbar bevor, glaubt man den Göttern Wotan (Odin) und Donar (Thor). Über die Wolfszeit heißt es in der Völuspá, der Weissagung der Seherin:


Brüder schlagen dann,
morden einander;
Schwestersöhne
verderben Verwandtschaft;
wüst ist die Welt,
voll Hurerei; ’s ist
Beilzeit, Schwertzeit,
zerschmetterte Schilde,
Windzeit, Wolfszeit,
bis einstürzt die Welt –
nicht ein Mann will
den anderen schonen.

Die Wolfszeit gilt es zu verhindern, mindestens muss sie herausgezögert werden. Das ist der Grund, auf dessen die Hagedisen zu zeitverändernden Mitteln greifen, für diese eine Selbstverständlichkeit.

* * *

Wer sich so ein klein wenig auskennt, weiß, dass das Ende des Arminius nicht wirklich bekannt ist. Man spricht von Mord. Naja, bekannt ist auch, dass der Führer der Cherusker genügend Zoff in der eigenen Familie hatte. Schwiegervater Segestes und Bruder Flavus blieben den Römern verbunden. Thusnelda gebar den gemeinsamen Sohn Thumelicus in römischer Gefangenschaft.

Hier spaltet ein Verrat die Cherusker und auch vom Kampf gegen die Legionen des Germnicus erzählt Band 5 in dem die Munition knapp wird. Und MARBOD, auch ein „herbeigehexter“ Spätgermane spielt wieder eine Rolle.

Am Ende geht es darum, ob Arminius dem Schicksal entrinnen kann. Der harte Berufssoldat des 21. Jahrhunderts kennt ja das Ende des Cheruskers...





* * *

Immer wieder erwischte ich mich bei dem Gedanken, dass es an sich eine komische Geschichte ist, wenn man eine solche Zeitreise erzählt. BLIKSMANI und sein Neffe / Sohn WITANDI, mit „bürgerlichen Namen Armin und Leon, greifen gemeinsam mit ein paar anderen in die Geschichte ein. Grundgedanke ist, dass ohne deren Eingreifen die Römer Germanien hätten erobern können. Daher holen sich die HAGEDISEN Unterstützung aus der Zukunft. Dies gelingt und damit läuft die Geschichte so ab, wie wir sie heute kennen. (Allerdings kennt sie eine Wissenschaftlerin am Ende besser und zwar aus berufenem Mund...)

Nun endlich, nach insgesamt sechs Bänden kann ich noch einmal bestätigen, was ich zum dritten Band schon einmal schrieb:

„Geschichtsrezeption ist die Sache vieler Jugendlicher heute nicht. Obwohl die Möglichkeiten der Geschichtslehrer durch unzählige Medien, massenweise Dokumentationen, heute fast ins unendliche gehen, scheint das Interesse selbst an eigener Geschichte ziemlich erlahmt zu sein. Vielleicht haben daher solche „histo-fantastischen“ Romane ihre neue Berechtigung. Es muss ja nicht gleich so was „Kompliziertes“ wie Augustus sein.“

Die „histo-fantastischen" Romane haben ihre Berechtigung. Genauso, wie heute Comics und Graphic Novels zur Geschichtsrezeption eingesetzt werden. Ganz ersetzen können sie den schulischen Geschichtsunterricht allerdings nicht. Zu den historischen Ereignissen kommen dann noch literarische dazu, denn es treten auch noch ein paar andere Typen dazu, die man aus den germanischen und nordischen Sagen kennt: Wenn es schon die Hagedisen (Hexen), die hier wirken, dann dürfen Wotan und Co. nicht fehlen.

Bredemeyer hat seine Bände jeweils mit einem umfangreichen Glossar versehen, in denen er die handelnden Personen vorstellt, die verschiedenen Stämme und auch die Gegenden, in denen die Geschichte spielt. Jeder Band beginnt mit einem prägnanten Rückblick, so dass der Leser gut an die vorangegangenen Bände erinnert wird, wenn die Lektüre bereits einige Wochen oder Monate zurücklag. Auch ermöglicht dies natürlich die gezielte Suche nach Begriffen und Erläuterungen im Internet.


* * *

Die Bücher bekam ich so nach und nach für einen „Eispreis“ und dann als Rezensionsexemplare von Katharina Salomo von Salomo Publishing. Dafür noch einmal recht herzlichen Dank.

Es gibt so Fantasy...




© Bücherjunge


Sonntag, 30. Juli 2017

Bredemeyer, Mark: Runenzeit... (4)


Legion der Donnergötter



In den Besprechungen der vorangehenden Bände habe ich bereits erwähnt, dass es zunehmend schwerer wird, etwas zum Inhalt zu schreiben, da die Spoiler immer deutlicher werden. Wer die Geschichte bisher hier verfolgt hat, der kann vielleicht schon am Titel erkennen, es sind wohl mehr als zwei Blitzschleuderer am Werk, als Witandi und Bliksmani.

Band 4 erzählt nun von der eigentlichen Schlacht im Teutoburger Wald, die hier den germanischen Stämmen ziemlich schwer gefallen wäre, wenn sie da nicht eine gewisse Unterstützung gehabt hätten.
Die Schlacht gegen die Legionen des Varus nimmt den größten Teil des Buches ein.

Die Verbindungen zum 21. Jahrhundert werden immer enger, und Mark Bredemeyer bringt einen neuen Fakt in die Geschichte ein, nämlich die Existenz eines gewissen Jesus von Nazareth, den in Germanien eigentlich keiner kennt, wären da nicht ein gewisser Leon, Arminius, ein paar andere und MARco BODwig...


* * *

Gegen die doch recht eigenwilligen und trotzdem verbündeten germanischen Stämme steht (etwas abseits) im Teutoburger Wald eine gewaltige römische Streitmacht.

"Man geht davon aus, dass die Streitmacht die drei Legionen XVII, XVIII, XIX, drei Alen (Reitereinheiten) und sechs Kohorten mit insgesamt 15.000 bis 20.000 Soldaten, dazu 4000 bis 5000 Reit-, Zug- und Tragtiere, umfasste, deren Zug 15 bis 20 km lang gewesen sein muss." (wikipedia)


Kenotaph
Mit dabei ist der Centurio der XVIII. Legion Marcus Caelius, dessen Name uns nur bekannt ist durch den Kenotaph, den man in der frühen Neuzeit bei Xanten fand. Vermutlich gefallen in der Varusschlacht, setzt Mark Bredemeyer dem Veteranen ein Denkmal und beschreibt mit ihm so manch interessante Aspekte im Leben und Kampf der römischen Legionen.

Dabei geht er gelegentlich ins Detail, wenn er erzählt, dass viele durch Schwertstreiche oder Lanzenstiche nicht tödlich verwundete Krieger oder Legionäre starben, weil die Waffen vorher in den Eingeweiden anderer steckten und damit Coli- und andere Bakterien übertragen wurden. 

Die Annalen des Leon Hollenbeck dürften wohl keinen genauen Aufschluss über den immer noch umstrittenen Ort der Schlacht geben, wir werden wohl bei Tacitus bleiben müssen.

„ductum inde agmen ad ultimos Bructerorum, quantumque Amisiam et Lupiam amnis inter vastatum, haud procul Teutoburgiensi saltu in quo reliquiae Vari legionumque insepultae dicebantur.“

„In einem Zug ging das Heer von dort bis zu den entferntesten Brukterern, und verwüstete alles zwischen Ems und Lippe, nicht weit vom Teutoburger Wald, wo, wie man sagte, die Überreste des Varus und seiner Legionen unbestattet lagen“ 
(wikipedia)



Zumindest aber hat sich Bredemeyer einer Theorie zugewandt und zu dieser das folgende Kartenbild als Anhang eingeführt:


Seite 544

* * *

So dominierend der Einfluss unserer Zeitreisenden im Buch auch wird, es bleibt auch ein Geschichtsbuch, welches zwar bestimmt nicht geeignet ist, im Geschichtsstudium an einer Universität eine Rolle zu spielen, aber zumindest Interesse an geschichtlichen Epochen und Episoden zu wecken.


© Bücherjunge

Samstag, 29. Juli 2017

Bredemeyer, Mark: Runenzeit


RUNENZEIT: 
Fantastischer Zeitreiseroman
 mit genauer Betrachtung der Lebensweise der germanischen Stämme 
von Mark Bredemeyer.








Band 1: ► Rezension:  Im Feuer der Chauken
Band 2: ► Rezension:  Krieg um Germanien
Band 3: ► Rezension:  Der Aufstieg des Arminius
Band 4: ► Rezension:  Legion der Donnergötter
Band 5: ► Rezension:  Schicksalsrunen
Band 6: ► Rezension:  Der ewige Cherusker



zum Verlag

Es war ein Buchmessengespräch auf der Dresdner Schriftgut, welches mich auf die Romanreihe aufmerksam machte. Da der Verlag gehört zu den von mit bevorzugten, hauptsächlich auch wegen der Angebote im Dresdner Buchverlag  (das Label gehört auch zu Salomo Publishing).

Beim Betrachten der Buchreihe im Buchmessen-Regal fiel ein Band besonders auf:
Es ist das Cover des zweiten Bandes, welches im Gegensatz zu den anderen fünf Bänden klar macht, hier geht es nicht mit rechten Dingen zu, denn zur Zeit der Runen wäre das als Kalaschnikow bekannte und meistproduzierte Sturmgewehr AK 47 ein gewaltiger Fremdkörper gewesen.

Wie kommt eine solche Waffe in die Zeit der letzten Regierungsjahre eines Kaisers namens Augustus, in die Zeit, da in der römischen Provinz Syria der Keim einer neuen monotheistischen Religion entsteht? Da gibt es nur eine Lösung und die heißt, da muss jemand durch die Zeit gereist sein...
Und nicht nur das...


Runenzeit. Aber auch mit den Runen ist das so eine Sache. Die Hagedisen (Hexen), welche dafür sorgen das der "Nadarwinna" und sein Gegenpol zu Beginn der Zeitrechnung im Lande der Germanen auftauchen, sind sie eigentlich noch nicht bekannt. Laut Wikipedia stammen die ersten Runenfunde zwar aus dem Beginn der Zeitrechnung, das bekannte ältere und jüngere Futhark, bzw. die Verwendung als Handschrift stammt aus späteren Jahrhunderten.


Bertelsmann-Lexikothek (Band 12 / 1996)

Runen, german. Schriftzeichen, ursprüngl. in Holz geritzt, später auch in Stein, Elfenbein u.ä. ge­ schnitten, fast nur für Inschriften u. dgl. benutzt, erst in später Zeit u. nur in Skandinavien auch zur Abfassung von Handschriften verwendet. Vermut­ lich in den Jahrhunderten v. Chr. nach dem Muster südeurop.-nordalpiner Alphabete gebildet; zu­ nächst zu einem Alphabet von 24 Zeichen entwik­ kelt (gemeingerman. R., nach den ersten sechs Buchstabenzeichen Futhark genannt), später durch fries. Einfluß u. in England zu 28 Zeichen erweitert (angelsächs. R.), in Skandinavien durch Vereinfachung auf 16 Zeichen verkürzt (skandi­nav. R.).

Es ist eine spannende Geschichte in sechs einzelnen Romanen.

Mark Bredemeyer bei Salomo Publishers 


© Bücherjunge






Dienstag, 9. Mai 2017

Bredemeyer, Mark: Runenzeit... (3)



Der Aufstieg des Arminius


Mit einer gewissen Skepsis nahm ich im Frühjahr auf der Leipziger Buchmesse 2016 aus den Händen von Dirk Salomo das Buch Runenzeit - Im Feuer der Chauken entgegen. Schon auf dem Weg zur Dresdner Buchmesse Schriftgut wusste ich, Band 2, also Runenzeit - Krieg um Germanien musste in das persönliche Bücherregal. Vor einigen Tagen erhielt ich nun von Katharina Salomo, Chefin von salomo publishing den Band drei zugesendet. Wir unterhielten uns auf der Vorstellung von Vom Hängen und Würgen über die Fortsetzung der Reihe von Mark Bredemeyer.





Hier ist nur eine kurze Inhaltsangabe möglich, denn alles was man über den dritten Band der Reihe erzählen würde, ist von vornherein reichlich "spoilerhaft" wie man so sagt.

Also, um was geht es: 
In Band 1 und 2 gelangen Leon und sein Onkel (?) Armin in das Land der Chauken. Zwei Menschen aus ferner Zukunft sollen das Schicksal der germanischen Stämme bestimmen, die immer mehr von den Römern des Kaisers Augustus bedrängt werden. Dies machen die Hagedisen, Hexen oder besser Zauberinnen, die verschiedene Stämme repräsentieren. Beide Menschen aus der Gegend um Bremen kommen unabhängig in die Zeit um den Beginn unserer Zeitrechnung. Zu Armin und Leon gesellt sich dann noch Julia, Leons ehemalige Freundin und der Kriminalkommissar Paulus, der im dritten Band erstmal keine Rolle spielt.

Inzwischen ist Leon mit Frilike verheiratet, sie haben einen Sohn. Armin hat mit Julia ebenfalls einen Sohn gezeugt, der aber von Werthliko, einem Freund Leons, bei den Chauken aufgezogen wird. Armin wurde inzwischen von den Cheruskern adoptiert und wird Offizier der Reitertruppen der 18. Legion. Spätestens jetzt muss es funken beim Leser, es sei denn, er ist so geschichtsunwissend wie Leon. Der kennt sich zwar bei den Flüssen in Deutschland gut aus, aber dass aus Armin inzwischen Arminius wird, erkennt er erst, als dieser ihm das sagt. Als beide im zweiten Band noch einmal durch die Zeit "nach Hause" reisten, schmökerte sich der ehemalige Oberstleutnant der Bundeswehr durch mehrere Meter Geschichtsbücher und stellt sich selber eine Aufgabe.

Auch Leon bekommt eine Aufgabe. Und am Ende wird von einer Ausgrabung in der Neuzeit berichtet, die eventuell die Geschichtsschreibung auf den Kopf stellt. Oder auf die Füße, wenn man dieser Fantasy-Geschichte Glauben schenken möchte.

Es ist eine durchaus eigene Geschichte, die zwar gerade nach dem Ende des dritten Bandes an Das Jesus - Video von Andreas Eschbach erinnert, aber vor allem dadurch besticht, dass sie Sitten und Gebräuche, sowie reale Geschichte spannend und ausführlich vor den Leserinnen und Lesern ausbreitet. Über den Umstand, dass da unlautere Mittel im "Spiel" des Armins / Arminius und des Witandis / Leon sind, kann nun berichtet werden, da das Titelbild des dritten Bandes "Bände" spricht.

Witandi (Leon) und der Blitzschleuderer Bliksmani (Armin) erweisen sich dann als Vater und Sohn, die Prophezeihung der Hagedisen scheint sich zu erfüllen. Die diese von Gegenspielern ausgehen, müüsen die beiden wohl unterschiedlich handeln und denken. Dem Armin ist hier eine unschöne Rolle zugedacht: Er sorgt sich zwar gelegentlich um seinen Sohn, bzw Söhne und um Julia, aber er beginnt letztlich rücksichtslos sich mit der historischen Rolle zu identifizieren. Dabei begeht er mehrfach Verrat und geht auch mal über Leichen.

Mit dem Epilog der Ausgrabung wollte Mark Bredemeyer die Geschichte eigentlich beenden, wurde aber von den Lesern "gezwungen", weiter zu schreiben. Die Geschichte sollte hier enden, als Witandi seinen Gürtel mit den zahlreichen Täschchen, Beuteln und dem Magazin anlegt, das Gepäck und das Gewehr schultert und das Dorf im Jahre 9 u.Z. verlässt um dem Ruf des Cheruskers zu folgen. Es ist nicht die einzige AK 47, die mit in den Teutoburger Wald genommen wird.


* * *




Diese Fotos stammen aus dem dem Ribe Viking Center, aus Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks. Dieses Museumsdorf lässt den Besucher in Langhäuser blicken, in denen Frilike und Witandi gewohnt haben könnten - klar, in paar hundert Kilometer weiter südlich. Das Foto rechts zeigt eine Art Heiligtum, wie es ähnlich durch Mark Bredemeyer beschrieben wurde.

Geschichtsrezeption ist die Sache vieler Jugendlicher heute nicht. Obwohl die Möglichkeiten der Geschichtslehrer durch unzählige Medien, massenweise Dokumentationen, heute fast ins unendliche gehen, scheint das Interesse selbst an eigener Geschichte ziemlich erlahmt zu sein. Vielleicht haben daher solche "histo-fantastischen" Romane ihre neue Berechtigung. Es muss ja nicht gleich so was "Kompliziertes" wie Augustus sein. 



© Bücherjunge




Mittwoch, 8. März 2017

Dick, Philip K.: Das Orakel vom Berge

Der Mann im hohen Schloss / The Man in the high Castle / Das Orakel vom Berge...

„Unzählige“ Titel einer Geschichte, die mir nicht als Buch in die Hände fiel, sondern als Fernsehserie. Eine AMAZON PRIME Fernsehserie und das scheint ein Format zu sein, welches sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Ein anderer „Sender“ ist NETFLIX, aber von dem soll gerade nicht die Rede sein, der kommt dann dran, wenn ich mal was über Elisabeth II. zu schreiben hätte...

Das Cover des Taschenbuches spricht ja Bände: Die japanische Kriegsflagge über dem Westen der USA, der Adler des Tausendjährigen Reiches über dem Osten und mittleren Westen. In der Mitte ein schmaler grauer Streifen, das ist die Pufferzone einiger weniger amerikanischer neutraler Staaten.


Wir schreiben das Jahr 1962. Die beiden Supermächte, Japan und Deutschland, sind sich nicht sonderlich grün. Auch regt sich Widerstand und die junge Judolehrerin Juliana sucht in den Rockies nach einem mysteriösen Autor, der den Widerstand entfachen könnte. „Nur er scheint zu wissen, wie man dem Albtraum der falschen Geschichte entkommt“ [1]

Alles ist irgendwie anders gelaufen:
Roosevelt ermordet, im Jahr 1947 siegen die Achsenmächte. Deutschland hat das Mittelmeer trocken gelegt. (Atlantropa [2]). Reichskanzler Bormann ist Tod und mehrere Gruppen kämpfen um die Macht.

Ein Hauptmann der Abwehr namens Wegener will die Japaner vor einem Atomangriff der Nazis warnen. Ein Frank Frink fälscht ehemalige amerikanische Alltagsgegenstände und will diese über den amerikanischen Kunsthändler Childan an Japaner verkaufen. In San Francisco residiert ein Mr. Tagomi in der japanischen Handelsmission. Und Juliana Frink, Exfrau von Frank verliebt sich (fast) in Joe, einen italienischen Trucker.

Dienstag, 22. November 2016

Bredemeyer, Mark: Runenzeit ... (2)

Krieg um Germanien
























Die Zeitreise geht weiter und um eine solche handelt es sich ja. Leon Hollenbeck aus Bremen, der im Teil 1 nach Germanien verschlagen wurde, einige Jahre vor der Schlacht im Teutoburger Wald, heiratet Frilike, die Tochter des Chaukenhäuptlings Ingimundi. Do bevor er seinen Sohn in die Arme schließen kann, wird er nach einem Kampf mit den Römern "zurück geschickt": Er ist der Gegenspieler des Bliksmani, seines eigenen Onkels Armin, welcher ebenfalls im ersten Jahrhundert gelandet ist. (Der Name kommt einem ja auf jeden Fall bekannt vor)

Die Pläne der Hagedisen, einer Gruppe von Zauberinnen, kennt er noch nicht. Schwer verletzt von einem römischen Speer landet er wieder "zu Hause" - unabsichtlich schwer verletzt von einer Spitzhacke, die der Kriminalkommissar Paulus handhabte, kehrt er, gemeinsam mit diesem Paulus zurück und begibt sich nach zwei Jahren auf die Suche nach Frau und Sohn. Findet er sie auf einer abenteuerlichen Schiffsreise durch das Mare Fricisum?





Doch wo ist Armin?
 
* * * 

Fantasy? Nun ja, eigentlich mag ich das weniger, zumal hier die erste Direktive der Sternenflotte gröblichst verletzt wird, denn der Gang der Geschichte wird durch die Handhabung moderner Gegenstände beeinflusst. Bliksmani, der Blitzschleuderer hat nämlich eine Kalaschnikow mit genommen. Deren Wirkung ist natürlich verheerend...

Trotzdem gelingt es Bredemeyer dem Leser auch auf solche Weise ein wenig Geschichte zu vermitteln, denn spannend ist die Reise des jungen Witandi (Leon) alle mal. Die Lebensweise der germanischen Stämme, zum Beispiel Ackerbau, Viezucht, Kampf und Krieg, ihre Kleidung, Nahrung, die verschiedenen Götter - all das wird sehr schön erzählt.

Daher kann ich, der ich die Geschichte enes unbekannten Kriegers der Chauken genauso gern gelesen hätte, es verschmerzen, dass Bredemeyer ein bisschen an James Tiberius erinnert, der seinen Scotty im 20. Century auch technisch "zaubern" lässt.

Das Buch hat ein paar interessante Anhänge erhalten, die uns die Orte, dei Stämme, die römische und germanische Götterwelt sowie historische Personen, aber auch irische und keltische Begriffe erläutern.



Der Kampf um Germanien also ist ebenso zu empfehlen wie Im Feuer der Chauken, dem ersten Teil von Runenzeit.

* * *

Die Geschichte passt zum Autor Mark Bredemeyer. Der 1971 in Bremen geborene Wirtschaftswissenschaftler und IT-Berater hat damit Zukunft und Vergangenheit, mit seiner „Leidenschaft für germanische Geschichte“ verbunden.



© Bücherjunge

Römische Trireme: Von F. Mitchell, Department of History, United States Military Academy - http://www.au.af.mil/au/awc/awcgate/gabrmetz/gabr0066.htm, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62610


Sonntag, 27. März 2016

Bredemeyer, Mark: Runenzeit... (1)


Im Feuer der Chauken




Geschichte einmal anders.

Wie lernt man Geschichte, wie blickt man zurück, wenn man eigentlich ein totaler Fantasy-Leser ist und Geschichte in der Schule irgendwie öde fand? Im Falle germanischer Geschichte, der um den Beginn unserer Zeitrechnung, kann man das mit RUNENZEIT probieren. RUNEN aus der Vergangenheit führen in der Gegenwart zur Zeitreise des Studenten Leon, zurück in die Zeit des beginnenden Kampfes germanischer Stämme gegen die Römer.
Bei Chauken taucht der Student in Jeans und Treckingschuhen auf, er findet zum Glück bei einem Schmied Unterkunft, dem er bei der Entwicklung der Schmiedekunst mit bereits etwas verschütteten Werkstoffkunde-Wissen weiter.
Ungewollt wird er zum Helden der Chauken, mit etwas „unlauteren“ Mitteln, wie „dem Feuer, das nicht brennt“. Doch ist er allein in der Zeit?
Die erste Direktive der Sternenföderation mehrere Jahrtausende später lautet sinngemäß, dass man sich in die Geschicke fremder Planeten und deren Völker nicht einmischen soll. Aus anderen Filmen von jenseits des atlantischen Ozeans wissen wir, dass man die Zukunft in der Vergangenheit nicht verändern sollte, dies könnte gefährlich werden. Leon beschreitet einen gefährlichen Pfad mit einem eroberten „Götterblitz“, dem Wotan gleich…
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Es ist glücklicherweise keine Zeitmaschine, die diesen Leon Hollenbeck in die Vergangenheit katapultiert. Er wird förmlich in die Vergangenheit geholt. Verursacher sind die HAGEDISEN, altgermanische Hexen, die verzweifelt nach Hilfe gegen die römische „Schlange“ suchen. Trotzdem gäbe es Kritisches anzumerken, wenn dies nicht zu einem gewaltigen Spoiler führen würde.
Ganz hervorragend allerdings sind die Beschreibungen des Stammeslebens der Chauken und der römischen Kultur und Kriegskunst. (Meines Wissens allerding spricht ein römischer Legat seine Centurionen aber nicht mit „Sie“ und „Meine Herren Offiziere“ an. Das Lateinische kennt doch gar kein „Sie“, oder?) Die Suche nach dem Rasenerz, die Waffenherstellung, die Unterkünfte und das Zusammenleben der Germanen sind sehr gut beschrieben. Die erzählte Abenteuergeschichte macht Hunger auf mehr. Trotz Zeitreise…
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Der erste Band der sechsbändigen Reihe ist kurzweilig und spannend erzählt. Noch erscheinen einige Figuren etwas blass, aber dies wird sich vermutlich in hunderten weiteren Seiten ändern. In einigen Jahren wird Leon auf einen gewissen Armin treffen. Diese Begegnung macht mir etwas Angst. Siehe Sternendirektive…



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Dirk Salomon vom Dresdner Buchverlag hat mir die Geschichte am Verlagsstand der Leipziger Buchmesse 2016 schmackhaft gemacht. Ausgangspunkt war durchaus das Thema „Fantasy für Nicht-Fantasy-Leser“. Er hat es geschafft und trotz kritischer Ansichten des Bloggers ist diese Geschichte zu empfehlen. Auf Grund gewisser brutaler Kampf- und Vergewaltigungsszenen aber erst für ältere Jugendliche oder eben junge Erwachsene.

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Die Geschichte passt zum Autor Mark Bredemeyer. Der 1971 in Bremen geborene Wirtschaftswissenschaftler und IT-Berater hat damit Zukunft und Vergangenheit, mit seiner „Leidenschaft für germanische Geschichte“ verbunden.


© Bücherjunge