Whisper – so tauft Noa das 500 Jahre alte Haus auf dem Land, in dem sie
zusammen mit ihrer Mutter die Ferien verbringen soll. Etwas Unheimliches
und Wartendes geht von dem alten Gebäude aus, aber außer Noa scheint
das niemand zu spüren. Und dann überschlagen sich die Ereignisse:
Zunächst ist da David, der Junge aus dem Dorf mit den grünen Augen, der
Noas Puls zum Flattern bringt. Und dann ist da das Spiel – das Spiel,
das alles verändert. Animiert von ihrer Umgebung machen David und Noa
eine Geister-Séance, dabei spricht ein Geist zu ihnen. Es ist der Geist
eines verstorbenen Mädchens… (Verlagsbeschreibung)
Kurzmeinung:Unterhaltsames
Jugendbuch, gelungene Mischung aus Mystery-Thriller, Dorfdrama und
Lovestory. Zwischendurch etwas zäh, doch am Ende spannend!
Goldammer. Das hält schon sehr lange an. 2014 auf der Dresdner Schriftgut, da wurde er mir, glaube ich von Salomo – Publishing empfohlen. Also unterhielt ich mich mit dem Typen, der durch die tätowierten Unterarme auffiel. Und erstand zwei Bücher. Doch das steht ja hier und hier nochmal.
Nun, 2024, brachte Katharina Salomo in ihrem Verlag die zweite, etwas bearbeitete Auflage seines Erstlings, VERGISSMEINNICHT, heraus. Auf Dresden(er)lesen stellten beide diese Neuauflage vor.
Jedenfalls begegnete mit ein KHK Tauner von der Kripo Dresden. Da wusste ich noch nicht viel von den beiden, also dem Goldammer und dem Tauner. Dieser ermittelte erstmals 2006, im ersten Roman von Frank. In VERGISSMEINNICHT. Doch muss Falk Tauner erst über den Schatten seines Leiters in der Mordkommission 1 springen, einem gewissen KHK Lars Pulster. Dessen Truppe ermittelt erst einen, dann mehrere Mordfälle. Und sie werden augenscheinlich beobachtet.
In den Besprechungen der vorangehenden Bände habe ich bereits erwähnt, dass es zunehmend schwerer wird, etwas zum Inhalt zu schreiben, da die Spoiler immer deutlicher werden. Wer die Geschichte bisher hier verfolgt hat, der kann vielleicht schon am Titel erkennen, es sind wohl mehr als zwei Blitzschleuderer am Werk, als Witandi und Bliksmani.
Band 4 erzählt nun von der eigentlichen Schlacht im Teutoburger Wald, die hier den germanischen Stämmen ziemlich schwer gefallen wäre, wenn sie da nicht eine gewisse Unterstützung gehabt hätten.
Die Schlacht gegen die Legionen des Varus nimmt den größten Teil des Buches ein.
Die Verbindungen zum 21. Jahrhundert werden immer enger, und Mark Bredemeyer bringt einen neuen Fakt in die Geschichte ein, nämlich die Existenz eines gewissen Jesus von Nazareth, den in Germanien eigentlich keiner kennt, wären da nicht ein gewisser Leon, Arminius, ein paar andere und MARco BODwig...
* * *
Gegen die doch recht eigenwilligen und trotzdem verbündeten germanischen Stämme steht (etwas abseits) im Teutoburger Wald eine gewaltige römische Streitmacht.
"Man geht davon aus, dass die Streitmacht die drei Legionen XVII, XVIII, XIX, drei Alen (Reitereinheiten) und sechs Kohorten mit insgesamt 15.000 bis 20.000 Soldaten, dazu 4000 bis 5000 Reit-, Zug- und Tragtiere, umfasste, deren Zug 15 bis 20 km lang gewesen sein muss." (wikipedia)
Mit dabei ist der Centurio der XVIII. LegionMarcus Caelius, dessen Name uns nur bekannt ist durch den Kenotaph, den man in der frühen Neuzeit bei Xanten fand. Vermutlich gefallen in der Varusschlacht, setzt Mark Bredemeyer dem Veteranen ein Denkmal und beschreibt mit ihm so manch interessante Aspekte im Leben und Kampf der römischen Legionen.
Dabei geht er gelegentlich ins Detail, wenn er erzählt, dass viele durch Schwertstreiche oder Lanzenstiche nicht tödlich verwundete Krieger oder Legionäre starben, weil die Waffen vorher in den Eingeweiden anderer steckten und damit Coli- und andere Bakterien übertragen wurden.
Die Annalen des Leon Hollenbeck dürften wohl keinen genauen Aufschluss über den immer noch umstrittenen Ort der Schlacht geben, wir werden wohl bei Tacitus bleiben müssen.
„ductum inde agmen ad ultimos Bructerorum, quantumque Amisiam et Lupiam amnis inter vastatum, haud procul Teutoburgiensi saltu in quo reliquiae Vari legionumque insepultae dicebantur.“
„In einem Zug ging das Heer von dort bis zu den entferntesten Brukterern, und verwüstete alles zwischen Ems und Lippe, nicht weit vom Teutoburger Wald, wo, wie man sagte, die Überreste des Varus und seiner Legionen unbestattet lagen“ (wikipedia)
Zumindest aber hat sich Bredemeyer einer Theorie zugewandt und zu dieser das folgende Kartenbild als Anhang eingeführt:
Seite 544
* * *
So dominierend der Einfluss unserer Zeitreisenden im Buch auch wird, es bleibt auch ein Geschichtsbuch, welches zwar bestimmt nicht geeignet ist, im Geschichtsstudium an einer Universität eine Rolle zu spielen, aber zumindest Interesse an geschichtlichen Epochen und Episoden zu wecken.
Es war ein Buchmessengespräch auf der Dresdner Schriftgut, welches mich auf die Romanreihe aufmerksam machte. Da der Verlag gehört zu den von mit bevorzugten, hauptsächlich auch wegen der Angebote im Dresdner Buchverlag (das Label gehört auch zu Salomo Publishing).
Beim Betrachten der Buchreihe im Buchmessen-Regal fiel ein Band besonders auf:
Es ist das Cover des zweiten Bandes, welches im Gegensatz zu den anderen fünf Bänden klar macht, hier geht es nicht mit rechten Dingen zu, denn zur Zeit der Runen wäre das als Kalaschnikow bekannte und meistproduzierte Sturmgewehr AK 47 ein gewaltiger Fremdkörper gewesen.
Wie kommt eine solche Waffe in die Zeit der letzten Regierungsjahre eines Kaisers namens Augustus, in die Zeit, da in der römischen Provinz Syria der Keim einer neuen monotheistischen Religion entsteht? Da gibt es nur eine Lösung und die heißt, da muss jemand durch die Zeit gereist sein...
Und nicht nur das...
Runenzeit. Aber auch mit den Runen ist das so eine Sache. Die Hagedisen (Hexen), welche dafür sorgen das der "Nadarwinna" und sein Gegenpol zu Beginn der Zeitrechnung im Lande der Germanen auftauchen, sind sie eigentlich noch nicht bekannt. Laut Wikipedia stammen die ersten Runenfunde zwar aus dem Beginn der Zeitrechnung, das bekannte ältere und jüngere Futhark, bzw. die Verwendung als Handschrift stammt aus späteren Jahrhunderten.
Bertelsmann-Lexikothek (Band 12 / 1996)
Runen, german. Schriftzeichen, ursprüngl. in Holz geritzt, später auch in Stein, Elfenbein u.ä. ge schnitten, fast nur für Inschriften u. dgl. benutzt, erst in später Zeit u. nur in Skandinavien auch zur Abfassung von Handschriften verwendet. Vermut lich in den Jahrhunderten v. Chr. nach dem Muster südeurop.-nordalpiner Alphabete gebildet; zu nächst zu einem Alphabet von 24 Zeichen entwik kelt (gemeingerman. R., nach den ersten sechs Buchstabenzeichen Futhark genannt), später durch fries. Einfluß u. in England zu 28 Zeichen erweitert (angelsächs. R.), in Skandinavien durch Vereinfachung auf 16 Zeichen verkürzt (skandinav. R.).
Es ist eine spannende Geschichte in sechs einzelnen Romanen.
Schatten, die sich von einem selbst lösen. Kinderspiele, die zu
tödlichen Geisterbeschwörungen werden. Eine verhängnisvolle Begegnung
mit einem Erlkönig der Neuzeit. Ein Schachspiel mit einem Toten.
Sportsgegner, die sich einfach nicht besiegen lassen wollen – oder zu
sehr ... Neudecker erzählt mit hypnotischer Spannungskunst von dem
winzigen Spalt, der sich von Zeit zu Zeit in unserer modernen, nur
scheinbar rationalen Welt auftut.
Christiane Neudeckers Geschichten versetzen das Genre der
unheimlichen Erzählung von E.T.A. Hoffmann bis Daphne du Maurier in
unser hoch technisiertes Dasein, in unsere vermeintlich entzauberte
Welt. Abgründig, verstörend intensiv und auf heimtückisch
unaufdringliche Weise beunruhigend. Diese Geschichten wirken lange
nach...
Sieben Geschichten mit vollkommen unterschiedlichen
Grundthemen erwarten den Leser hier, doch Christiane Neudecker hat sich
in die jeweilige Thematik intensiv hineingearbeitet. So ist es ihr
gelungen, den einzelnen Erzählungen eine glaubwürdige Authentizität zu
verleihen und sie gleichzeitig von einer beunruhigenden Atmosphäre
durchdringen zu lassen.
In 'Das siamesische Klavier',
das diesem Buch seinen Titel verlieh, wird im tiefsten Urwald ein
seltsames Doppelklavier gefunden. Da alle Versuche, es zu
transportieren, scheitern, wird an Ort und Stelle ein Konzerthaus
gebaut. Mit Liszts Bearbeitung von Beethovens 9. Symphonie soll es
glorios eröffnet werden - dass man aber an Klavier und Musik besser
nicht gerührt hätte, zeigt sich erst, als es längst zu spät ist.
'Gerufene Geister oder: Der Carpenter-Effekt' beschäftigt
sich mit einer Gruppe junger Mädchen, die sich mit Gläserrücken die
Zeit vertreiben und eine Katastrophe herauf beschwören. "Wann sie damit
anfingen, die Toten zu rufen, weiß im Nachhinein niemand so genau. Es
bgann doch als harmlose Feizeit auf dem Hof, aber dann wurden die Spiele
der Kinder immer beängstigender. Bis zu jener Nacht, von der sich die,
die sie überlebten, bis heute noch nicht erholt haben."
Ein Boxer kämpft in 'Ein Geräusch, so hässlich, so ein hässliches Geräusch'
gegen einen teuflisch guten Gegner. Als dem Gegner mit dem engelhaften
Gesicht Maden aus dem Mund zu quellen beginnen, weiß der Freefighter
nicht mehr, was er glauben soll. Ist seine Siegesgewissheit
gerechtfertigt?
'Dunkelkeime' weist
nahezu kafkaeske Züge auf. Hier wird ein Mann zunächst von seiner
Freundin verlassen und zieht anschließend in deren Landwohnung. Dort
schlüpft er - ohne es selbst zu merken - zuerst in deren Leben und dann
ganz unmerklich und immer mehr in deren Körper. Am Ende zweifelt der
Leser ernsthaft, was wahr ist und was nicht.
'J'adoube'
- Ich berichtige. Ein Ausdruck aus der Welt des Schachs, und hierum
dreht es sich in dieser Geschichte. Um eine Partie, die nicht real sein
kann. Weil eine junge Frau online von ihrem vor einigen Monaten
verstorbenen Freund zu einer Schachpartie herausgefordert wird.
Einbildung? Oder was?
Frostig wird es in 'Der Erlkönigjäger'.
Nahe dem Polarkreis testen viele Autokonzerne ihre streng geheimen
Erlkönige - und ein Fotograf kommt ihnen seit Jahren immer wieder auf
die Schliche. Doch plötzlich wird er in Eis und Schnee selbst zum
Gejagten...
'Wo viel Licht ist' gleitet
schließlich wieder sehr ins Surreale ab. Ein Softwarekünstler gerät in
seinem Spiel um Licht und Schatten an die Grenzen der Realität. Sein
Schatten stockt, bewegt sich nicht mehr kongruent zu ihm - und
schließlich beginnt eine verstörende Verwandlung.
Nicht jede der
außergewöhnlichen Geschichten konnte mich gleichermaßen begeistern, aber
in allen zeigt sich das sprachliche und stilistische Feingefühl der
Autorin. Die Erzählungen sind keine Gruselschocker, keine Horrorstorys -
und doch verstören sie durch die dunkle Atmospähre und die Verzerrung
der Realität.
Nach dieser Lektüre möchte ich jedenfalls noch weitere Bücher der Autorin lesen.
Christiane Neudecker, geb. 1974, studierte Theaterregie an der
"Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch" und lebt als freie
Schriftstellerin, Librettistin und Regisseurin in Berlin. 2005 erschien
ihr begeistert aufgenommenes Erzähldebüt "In der Stille ein Klang", 2008
ihr erster Roman "Nirgendwo sonst", 2010 "Das siamesische Klavier -
Unheimliche Geschichten". Sie wurde für ihr Schreiben mit zahlreichen
Literaturpreisen ausgezeichnet. Für den 2013 erschienenen Roman
"Boxenstopp" erhielt sie das Arbeitsstipendium des Deutschen
Literaturfonds, die 2015 erschienene "Sommernovelle" war NDR Buch des
Monats. Seit 2001 arbeitet sie mit dem Künstlernetzwerk phase7 zusammen.
Die Deutsche Oper Berlin eröffnete 2013 mit Neudeckers Libretto zu
"Himmelsmechanik - eine Entortung" ihre Spielzeit.
Mit einer gewissen Skepsis nahm ich im Frühjahr auf der Leipziger Buchmesse 2016 aus den Händen von Dirk Salomo das Buch Runenzeit - Im Feuer der Chauken entgegen. Schon auf dem Weg zur Dresdner Buchmesse Schriftgut wusste ich, Band 2, also Runenzeit - Krieg um Germanien musste in das persönliche Bücherregal. Vor einigen Tagen erhielt ich nun von Katharina Salomo, Chefin von salomo publishing den Band drei zugesendet. Wir unterhielten uns auf der Vorstellung von Vom Hängen und Würgen über die Fortsetzung der Reihe von Mark Bredemeyer.
Hier ist nur eine kurze Inhaltsangabe möglich, denn alles was man über den dritten Band der Reihe erzählen würde, ist von vornherein reichlich "spoilerhaft" wie man so sagt.
Also, um was geht es:
In Band 1 und 2 gelangen Leon und sein Onkel (?) Armin in das Land der Chauken. Zwei Menschen aus ferner Zukunft sollen das Schicksal der germanischen Stämme bestimmen, die immer mehr von den Römern des Kaisers Augustus bedrängt werden. Dies machen die Hagedisen, Hexen oder besser Zauberinnen, die verschiedene Stämme repräsentieren. Beide Menschen aus der Gegend um Bremen kommen unabhängig in die Zeit um den Beginn unserer Zeitrechnung. Zu Armin und Leon gesellt sich dann noch Julia, Leons ehemalige Freundin und der Kriminalkommissar Paulus, der im dritten Band erstmal keine Rolle spielt.
Inzwischen ist Leon mit Frilike verheiratet, sie haben einen Sohn. Armin hat mit Julia ebenfalls einen Sohn gezeugt, der aber von Werthliko, einem Freund Leons, bei den Chauken aufgezogen wird. Armin wurde inzwischen von den Cheruskern adoptiert und wird Offizier der Reitertruppen der 18. Legion. Spätestens jetzt muss es funken beim Leser, es sei denn, er ist so geschichtsunwissend wie Leon. Der kennt sich zwar bei den Flüssen in Deutschland gut aus, aber dass aus Armin inzwischen Arminius wird, erkennt er erst, als dieser ihm das sagt. Als beide im zweiten Band noch einmal durch die Zeit "nach Hause" reisten, schmökerte sich der ehemalige Oberstleutnant der Bundeswehr durch mehrere Meter Geschichtsbücher und stellt sich selber eine Aufgabe.
Auch Leon bekommt eine Aufgabe. Und am Ende wird von einer Ausgrabung in der Neuzeit berichtet, die eventuell die Geschichtsschreibung auf den Kopf stellt. Oder auf die Füße, wenn man dieser Fantasy-Geschichte Glauben schenken möchte.
Es ist eine durchaus eigene Geschichte, die zwar gerade nach dem Ende des dritten Bandes an Das Jesus - Video von Andreas Eschbach erinnert, aber vor allem dadurch besticht, dass sie Sitten und Gebräuche, sowie reale Geschichte spannend und ausführlich vor den Leserinnen und Lesern ausbreitet. Über den Umstand, dass da unlautere Mittel im "Spiel" des Armins / Arminius und des Witandis / Leon sind, kann nun berichtet werden, da das Titelbild des dritten Bandes "Bände" spricht.
Witandi (Leon) und der Blitzschleuderer Bliksmani (Armin) erweisen sich dann als Vater und Sohn, die Prophezeihung der Hagedisen scheint sich zu erfüllen. Die diese von Gegenspielern ausgehen, müüsen die beiden wohl unterschiedlich handeln und denken. Dem Armin ist hier eine unschöne Rolle zugedacht: Er sorgt sich zwar gelegentlich um seinen Sohn, bzw Söhne und um Julia, aber er beginnt letztlich rücksichtslos sich mit der historischen Rolle zu identifizieren. Dabei begeht er mehrfach Verrat und geht auch mal über Leichen.
Mit dem Epilog der Ausgrabung wollte Mark Bredemeyer die Geschichte eigentlich beenden, wurde aber von den Lesern "gezwungen", weiter zu schreiben. Die Geschichte sollte hier enden, als Witandi seinen Gürtel mit den zahlreichen Täschchen, Beuteln und dem Magazin anlegt, das Gepäck und das Gewehr schultert und das Dorf im Jahre 9 u.Z. verlässt um dem Ruf des Cheruskers zu folgen. Es ist nicht die einzige AK 47, die mit in den Teutoburger Wald genommen wird.
* * *
Diese Fotos stammen aus dem dem Ribe Viking Center, aus Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks. Dieses Museumsdorf lässt den Besucher in Langhäuser blicken, in denen Frilike und Witandi gewohnt haben könnten - klar, in paar hundert Kilometer weiter südlich. Das Foto rechts zeigt eine Art Heiligtum, wie es ähnlich durch Mark Bredemeyer beschrieben wurde.
Geschichtsrezeption ist die Sache vieler Jugendlicher heute nicht. Obwohl die Möglichkeiten der Geschichtslehrer durch unzählige Medien, massenweise Dokumentationen, heute fast ins unendliche gehen, scheint das Interesse selbst an eigener Geschichte ziemlich erlahmt zu sein. Vielleicht haben daher solche "histo-fantastischen" Romane ihre neue Berechtigung. Es muss ja nicht gleich so was "Kompliziertes" wie Augustus sein.
Die Zeitreise geht weiter und um eine solche handelt es sich ja. Leon Hollenbeck aus Bremen, der im Teil 1 nach Germanien verschlagen wurde, einige Jahre vor der Schlacht im Teutoburger Wald, heiratet Frilike, die Tochter des Chaukenhäuptlings Ingimundi. Do bevor er seinen Sohn in die Arme schließen kann, wird er nach einem Kampf mit den Römern "zurück geschickt": Er ist der Gegenspieler des Bliksmani, seines eigenen Onkels Armin, welcher ebenfalls im ersten Jahrhundert gelandet ist. (Der Name kommt einem ja auf jeden Fall bekannt vor)
Die Pläne der Hagedisen, einer Gruppe von Zauberinnen, kennt er noch nicht. Schwer verletzt von einem römischen Speer landet er wieder "zu Hause" - unabsichtlich schwer verletzt von einer Spitzhacke, die der Kriminalkommissar Paulus handhabte, kehrt er, gemeinsam mit diesem Paulus zurück und begibt sich nach zwei Jahren auf die Suche nach Frau und Sohn. Findet er sie auf einer abenteuerlichen Schiffsreise durch das Mare Fricisum?
Doch wo ist Armin?
* * *
Fantasy? Nun ja, eigentlich mag ich das weniger, zumal hier die erste Direktive der Sternenflotte gröblichst verletzt wird, denn der Gang der Geschichte wird durch die Handhabung moderner Gegenstände beeinflusst. Bliksmani, der Blitzschleuderer hat nämlich eine Kalaschnikow mit genommen. Deren Wirkung ist natürlich verheerend...
Trotzdem gelingt es Bredemeyer dem Leser auch auf solche Weise ein wenig Geschichte zu vermitteln, denn spannend ist die Reise des jungen Witandi (Leon) alle mal. Die Lebensweise der germanischen Stämme, zum Beispiel Ackerbau, Viezucht, Kampf und Krieg, ihre Kleidung, Nahrung, die verschiedenen Götter - all das wird sehr schön erzählt.
Daher kann ich, der ich die Geschichte enes unbekannten Kriegers der Chauken genauso gern gelesen hätte, es verschmerzen, dass Bredemeyer ein bisschen an James Tiberius erinnert, der seinen Scotty im 20. Century auch technisch "zaubern" lässt.
Das Buch hat ein paar interessante Anhänge erhalten, die uns die Orte, dei Stämme, die römische und germanische Götterwelt sowie historische Personen, aber auch irische und keltische Begriffe erläutern.
Der Kampf um Germanien also ist ebenso zu empfehlen wie Im Feuer der Chauken, dem ersten Teil von Runenzeit.
* * *
Die Geschichte passt zum Autor Mark Bredemeyer. Der 1971 in
Bremen geborene Wirtschaftswissenschaftler und IT-Berater hat damit Zukunft und
Vergangenheit, mit seiner „Leidenschaft für germanische Geschichte“ verbunden.
Römische Trireme: Von F. Mitchell, Department of History, United States Military Academy - http://www.au.af.mil/au/awc/awcgate/gabrmetz/gabr0066.htm, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62610
Drei junge Leute aus Reykjavík planen, ein heruntergekommenes Haus in
einem verlassenen Dorf in den kargen Westfjorden Islands wieder
aufzubauen; sie ahnen nicht, welch gewaltige Ereignisse sie damit in
Gang setzen. In einer Kleinstadt am anderen Ende des Fjords
ermittelt zur selben Zeit Polizistin Dagný gemeinsam mit Freyr, einem
Psychologen, in einer Reihe von unnatürlichen Todesfällen. Welche
Geheimnisse bergen die staubigen Polizeiakten aus dem vorigen
Jahrhundert? Und warum hat Freyr auf einmal das Gefühl, dass sein
verschollener Sohn noch am Leben sein könnte? Erst als die Verbindung
zwischen diesen rätselhaften Geschehnissen sichtbar wird, enthüllt sich
die grausige Wahrheit.
Dieser unheimliche und furchteinflößende Roman
der internationalen Bestseller-Autorin Yrsa Sigurðardóttir ist, neben
diversen Kinderbüchern, ihr sechstes Buch für Erwachsene und beruht zum
Teil auf Tatsachen.
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 6 (9. September 2011)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Tina Flecken
ISBN-10: 3596192730
ISBN-13: 978-3596192731
Originaltitel: Ég man ðig
GÄNSEHAUT GARANTIERT...
Ein junges Paar und seine Freundin quartieren sich in einem verlassenen
Dorf in den kargen Westfjorden Islands ein, um dort ein verfallenes Haus
wieder aufzubauen. Einsam und menschenleer gelegen, lehrt dieser Ort
sie bald das Grauen. Seltsame Geräusche und Erscheinungen versetzen sie
in Angst und Schrecken. Viele Kilometer entfernt ermittelt die
Polizistin Dagny gemeinsam mit dem Psychiater Freyr in einem
ungewöhnlichen Fall von Selbstmord. Immer weiter tauchen sie ein in die
Vergangenheit, forschen in staubigen Polizeiakten aus dem vorigen
Jahrhundert. Und Freyr gerät plötzlich sehr persönlich in die
mysteriösen Geschehnisse, denn er hört unvermutet die Stimme seines
verschwunden geglaubten Sohnes...
Sigurðardóttir baut von
Anfang an eine konsequent düstere und unheimliche Atmosphäre auf, die
sich durch das gesamte Buch zieht. Karge Landschaften, einsam gelegen,
düsteres Licht, winterliche Kälte, unerklärliche Geräusche und Gerüche
sorgen dafür, dass sowohl bei den Charakteren im Roman als auch beim
Leser selbst die Fantasie angekurbelt wird und sich von Beginn an eine
begleitende Gänsehaut einstellt, die sich auch nicht mehr verlieren
soll. In zwei offensichtlich vollkommen unzusammenhängenden
Erzählsträngen kriecht das Unheil immer näher heran, und jede Antwort,
die sich ergibt, hinterlässt noch größere Fragezeichen. Obwohl die
mysteriösen Ereignisse zunehmen, lässt Sigurðardóttir genügend Spielraum
für die Fantasie des Lesers - was es nicht weniger gruselig macht. Der
Psychiater Freyr sorgt mit seiner wissenschaftlich-analytischen
Denkweise dafür, dass der Roman nicht frühzeitig ins Übernatürliche
abgleitet. Doch als die unerklärlichen Phänomene sich häufen und
massiver werden, fallen auch Freyr die logischen Erklärungen zunehmend
schwerer. Wenn sich die Handlungsstränge schließlich doch einander
annähern, fällt ein Puzzlesteinchen nach dem anderen an seinen Platz und
lassen das Ganze noch einmal eine erschreckende Wendung nehmen...
Dieses
Buch war - einfach gruselig. Die Gänsehaut auf meinem Körper habe ich
mir nicht eingebildet, genausowenig wie die Tatsache, dass ich nur bei
hellem Licht und nicht etwa abends im Bett lesen wollte, um nachts nicht
wachzuliegen und plötzlich Geräusche zu vernehmen, die mir das Herz in
die Hose hätten rutschen lassen können. Die Cliffhanger am Ende der
meist kurzen Kapitel verführten dazu, immer weiterzulesen. Einmal von
der Überraschung erholt, dass es sich nicht wie angekündigt um einen
reinen Thriller handelt (der Titel hätte da schon ein Hinweis sein
können), hat mir der meist subtile Horror wirklich gut gefallen. Selten
habe ich mich beim Lesen eines Buches so gegruselt wie bei diesem und
war dennoch begeistert. Sicher nicht mein letztes Buch dieser Autorin!
Yrsa Sigurðardóttir studierte Bauingenieurwesen in Reykjavík und
Montreal. Seit 1998 schreibt sie Kinderbücher, im Jahre 2005 erschien
ihr erster Kriminalroman »Das letzte Ritual«. Ihre Bücher sind
mittlerweile in 30 Sprachen übersetzt. Neben dem Schreiben arbeitet sie
als Ingenieurin in Reykjavík.
Literaturpreise:
2000 IBBY Honour List (International Board on Books for Young People) für "Við viljum jólin í júlí" - 2011
Blóðdropinn (nationaler isländischer Preis für Kriminalliteratur) für
Ég man þig (dt. Geisterfjord. Fischer, Frankfurt/M. 2011)
Wie lernt man Geschichte, wie blickt man zurück, wenn man eigentlich ein totaler Fantasy-Leser ist und Geschichte in der Schule irgendwie öde fand? Im Falle germanischer Geschichte, der um den Beginn unserer Zeitrechnung, kann man das mit RUNENZEIT probieren. RUNEN aus der Vergangenheit führen in der Gegenwart zur Zeitreise des Studenten Leon, zurück in die Zeit des beginnenden Kampfes germanischer Stämme gegen die Römer.
Bei Chauken taucht der Student in Jeans und Treckingschuhen auf, er findet zum Glück bei einem Schmied Unterkunft, dem er bei der Entwicklung der Schmiedekunst mit bereits etwas verschütteten Werkstoffkunde-Wissen weiter.
Ungewollt wird er zum Helden der Chauken, mit etwas „unlauteren“ Mitteln, wie „dem Feuer, das nicht brennt“. Doch ist er allein in der Zeit?
Die erste Direktive der Sternenföderation mehrere Jahrtausende später lautet sinngemäß, dass man sich in die Geschicke fremder Planeten und deren Völker nicht einmischen soll. Aus anderen Filmen von jenseits des atlantischen Ozeans wissen wir, dass man die Zukunft in der Vergangenheit nicht verändern sollte, dies könnte gefährlich werden. Leon beschreitet einen gefährlichen Pfad mit einem eroberten „Götterblitz“, dem Wotan gleich…
* * *
Es ist glücklicherweise keine Zeitmaschine, die diesen Leon Hollenbeck in die Vergangenheit katapultiert. Er wird förmlich in die Vergangenheit geholt. Verursacher sind die HAGEDISEN, altgermanische Hexen, die verzweifelt nach Hilfe gegen die römische „Schlange“ suchen. Trotzdem gäbe es Kritisches anzumerken, wenn dies nicht zu einem gewaltigen Spoiler führen würde.
Ganz hervorragend allerdings sind die Beschreibungen des Stammeslebens der Chauken und der römischen Kultur und Kriegskunst. (Meines Wissens allerding spricht ein römischer Legat seine Centurionen aber nicht mit „Sie“ und „Meine Herren Offiziere“ an. Das Lateinische kennt doch gar kein „Sie“, oder?) Die Suche nach dem Rasenerz, die Waffenherstellung, die Unterkünfte und das Zusammenleben der Germanen sind sehr gut beschrieben. Die erzählte Abenteuergeschichte macht Hunger auf mehr. Trotz Zeitreise…
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Der erste Band der sechsbändigen Reihe ist kurzweilig und spannend erzählt. Noch erscheinen einige Figuren etwas blass, aber dies wird sich vermutlich in hunderten weiteren Seiten ändern. In einigen Jahren wird Leon auf einen gewissen Armin treffen. Diese Begegnung macht mir etwas Angst. Siehe Sternendirektive…
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Dirk Salomon vom Dresdner Buchverlag hat mir die Geschichte
am Verlagsstand der Leipziger Buchmesse 2016 schmackhaft gemacht. Ausgangspunkt
war durchaus das Thema „Fantasy für Nicht-Fantasy-Leser“. Er hat es geschafft
und trotz kritischer Ansichten des Bloggers ist diese Geschichte zu empfehlen.
Auf Grund gewisser brutaler Kampf- und Vergewaltigungsszenen aber erst für
ältere Jugendliche oder eben junge Erwachsene.
* * *
Die Geschichte passt zum Autor Mark Bredemeyer. Der 1971 in
Bremen geborene Wirtschaftswissenschaftler und IT-Berater hat damit Zukunft und
Vergangenheit, mit seiner „Leidenschaft für germanische Geschichte“ verbunden.