Samstag, 1. Oktober 2022

Dröscher, Daniela: Lügen über meine Mutter (Hörbuch)

Daniela Dröscher erzählt vom Aufwachsen in einer Familie, in der ein Thema alles beherrscht: das Körpergewicht der Mutter. Ist diese schöne, eigenwillige, unberechenbare Frau zu dick? Muss sie dringend abnehmen? Ja, das muss sie. Entscheidet ihr Ehemann. Und die Mutter ist dem ausgesetzt, Tag für Tag.

Lügen über meine Mutter ist zweierlei zugleich: die Erzählung einer Kindheit im Hunsrück der 1980er, die immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Und es ist eine Befragung des Geschehens aus der heutigen Perspektive: Was ist damals wirklich passiert? Was wurde verheimlicht, worüber wurde gelogen? Und was sagt uns das alles über den größeren Zusammenhang: die Gesellschaft, die ständig auf uns einwirkt, ob wir wollen oder nicht? Schonungslos und eindrücklich lässt Daniela Dröscher ihr kindliches Alter Ego die Jahre, in denen sich dieses  »Kammerspiel namens Familie« abspielte, noch einmal durchleben. Ihr gelingt ein ebenso berührender wie kluger Roman über subtile Gewalt, aber auch über Verantwortung und Fürsorge. Vor allem aber ist dies ein tragik-komisches Buch über eine starke Frau, die nicht aufhört, für die Selbstbestimmung über ihr Leben zu kämpfen. (Klappentext)




Im August stellte ich hier im Blog die Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises vor und merkte an, dass ich doch bedauerte, aus Zeitgründen die Leserunde zu "Lügen über meine Mutter" ausgelassen zu haben. Aber wofür gibt es denn Hörbücher? Freundlicherweise stellte mir NetGalley ein kostenloses Exemplar zur Verfügung. Wie sich herausstellte, ist dieser Titel nun auch auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises gelandet, und damit habe ich nun bereits die Hälfte der sechs Titel auf der Liste gelesen bzw. gehört. Verrückt - das hatte ich bisher noch nie! An einem vierten Buch der Liste lese ich gerade, das fünfte steht in den Startlöchern. Nur das sechste reizt mich so überhaupt gar nicht. Sollen wir wetten, welches gewinnt? Den Preisträger habe ich bisher jedenfalls noch nie gelesen. Doch nun zu dem empörenden und beklemmenden Familienleben der kleinen Ela:

Freitag, 30. September 2022

Bervoets, Hanna: Dieser Beitrag wurde entfernt

Mindestens 500 Beiträge pro Tag, maximal 7 Minuten Pause, beim Gang aufs Klo läuft die Stoppuhr – die Arbeitsbedingungen bei HEXA sind hart. Aber Kayleigh gefällt der neue Job, das Gehalt ist gut, und die schrecklich verstörenden Bilder, die sie für die Plattform prüfen muss, behandelt sie mit professioneller Distanz. Als sie sich in ihre Kollegin Sigrid verliebt, scheint ihr Glück vollkommen. Bis ihre Kollegen plötzlich zusammenbrechen oder Verschwörungstheorien anhängen, und Sigrid sich immer mehr distanziert. Ist Kayleigh dem Job als Einzige gewachsen? Oder merkt sie nur nicht, wie auch ihr moralischer Kompass sich auf gefährliche Weise zu verschieben beginnt? "Dieser Beitrag wurde entfernt" ist ein faszinierender, aufwühlender Roman darüber, wer oder was bestimmt, wie wir die Welt sehen, in der wir heute leben.  (Klappentext)
 








Ich hatte Glück bei einer Buchverlosung bei Lovelybooks, und ich danke dem Hanser Verlag sehr für die Bereitstellung des Leseexemplars. Bei einer Buchverlosung gibt es keine Leserunde und dementsprechend auch kein Diskussionsforum, was ich in dem Fall schade fand, da es dieser Kurzroman doch so einige diskussionswürdige Aspekte bietet. Aber auch so beschäftig die Erzählung einen weit über das Lesen hinaus. Warum das so ist, könnt Ihr gerne hier nachlesen:


Montag, 26. September 2022

Stachnau, Hendrik: Voice of Nature - Ich und Ich

Buchmessen sind dafür da, dass man sich Bücher ansieht, oder gar erwirbt, nach denen man in Buchhandlungen oder im Netz kaum suchen würde. Zumindest hätte ich nach diesem nicht gesucht, obwohl mir solche Abenteuer durchaus liegen. Man suche nur nach dem Stichwort Everest auf diesem Blog.

Ein großes Plakat mit Schlittenhunden in weiter Winterlandschaft erblickte ich am „Alexanderplatz“. Besser gesagt in Treptow auf der BuchBerlin. Schlittenhunde und das Wort YUKON. Da denkt man doch gleich an Jack London, Wolfsblut und die Goldsucher des 19. Jahrhunderts. 

Aber die Bewältigung des Yukon Quests, des längsten Schlittenhunderennens auf der Welt, ist nicht einfach Inhalt eines Sportbuches...

Inhalt. Der 1983 geborene Hamburger Hendrik Stachnau ist ein zielstrebiger Mensch. In jungen Jahren las er einmal von diesen Schlittenhunderennen in Alaska und das lies ihn nicht mehr los. Hilfreich war, dass seine Eltern so einen Alaska Malamute anschafften. Einen von den vier reinrassigen Schlittenhunderassen: Sibirien Husky, Samojede, der Alaska Malamute und der  Grönlandhund.  

Hendrik spannte den Hund vor einen Bollerwagen und versuchte schon als Junge, den Hund zum Laufen zu bekommen. Mit Würstchen. Jedoch merkte er alsbald, das nicht jeder Hund auch ein Leithund ist. 

Sonntag, 25. September 2022

Miller, Ben: Der Junge, der die Welt verschwinden ließ

Harrison gibt sich große Mühe, alles richtig zu machen. Er klaut nie, er gibt seiner kleinen Schwester immer etwas ab, und er schummelt nicht bei Brettspielen. Aber Harrison hat eine große Schwäche: seine berüchtigten Wutanfälle! Bei einem Kindergeburtstag bekommt er ein ganz besonderes Geschenk: ein Schwarzes Loch. Dort kann Harrison alles hineinwerfen, was ihn wütend macht: Brokkoli, Leber, Zwiebeln, Hausaufgaben … Aber plötzlich frisst das Schwarze Loch auch Dinge, die er liebt. Und Harrison begreift, dass man aufpassen sollte, was man sich wünscht... (Klappentext)








Bei NetGalley gibt es auch Kinderbücher - und die der arsEdition finde ich oft sehr schön aufgemacht. Obschon ich längst nicht mehr der Zielgruppe angehöre und auch mein Sohn schon länger eher an Büchern für Erwachsene Spaß hat, reizen mich Kinderbücher nach wie vor. Aber funktioniert das auch in der eBook-Version? Dies konnte ich nun testen, und in dem Fall kann ich sagen: ja, unbedingt. Es ist ja kein Bilderbuch, da stelle ich mir das schwieriger vor. Auch wenn es hier ebenfalls Zeichnungen gibt, sind diese in der eBook-Version zumindest ausreichend erkennbar. Wie mir das Buch ansonsten gefallen hat, könnt Ihr gerne hier nachlesen:
 

Samstag, 24. September 2022

Pfützner, Uta: Die Hölle misst 1000 Kilometer

Manchmal sind es die Geschichten hinter den Büchern, die einen aufhorchen lassen, so dass man unbedingt wissen will, wie die Geschichte ausgeht. Die Geschichte in diesem Fall hier ist eine Novelle und die hat einen realen Hintergrund. Doch war es zunächst das Cover, welches mich an einem Stand mit Fantasyliteratur der Dresden (er)erlesen am 11. September 2022, stutzen und halten ließ. Zwei gekreuzte Infanterie-Karabiner und ein Stahlhelm der Deutschen Wehrmacht.

Hinter dem Stand saß die Autorin, Uta Pfützner und erzählte vom Entstehen dieses schmalen Heftchens.

Ihr Großvater berichtete nie viel vom Krieg und viele Jahre hatte dies auch Gründe. Als er viel zu zeitig starb, fand sich im Haus unter den Dielen sein Kriegstagebuch. Der Vater der Autorin las ihr aus dem Tagebuch vor, denn wie so oft fällt es unserer Generation schwer, die Handschriften unserer Groß- und Urgroßeltern zu entziffern.

Uta Pfützner entschloss sich, die Erlebnisse ihres Großvaters in Form einer Novelle zu veröffentlichen. Der Titel ist bezeichnend und man ahnt, um was es geht. 


Die eintausend Kilometer lange Hölle des Majors Heinz Spoeck führt von Ostpreußen zurück in die Heimat. Jedoch ist es kein militärisch mehr oder weniger organisierter Rückzug im Bestand der deutschen Wehrmacht oder des Infanteriebataillons, in dem der Major diente.

Freitag, 23. September 2022

Winnetou - Teil 2 - Das Buch zum Film

Noch einmal und vermutlich zum letzten Mal ein Post zum Thema Kinder-Winnetou. Das Kinderbuch DER JUNGE HÄUPTLING WINNETOU liegt nun vor mir. Nein, ich habe es nicht bei eBay für einen mehr als zehn- bis fünfzehnfachen Preis erworben, ich habe es mir schlicht geborgt. Nach dem Post über den Film gleichen Titels, das Buch wurde als Buch zum Film ausgewiesen, geht es nun um den Text.

Erinnern wir uns: Die Apatschen suchen nach den Büffeln, die von weißen Gaunern in eine Schlucht getrieben wurden um die Apatschen zum Abzug aus dem Landstrich zu bewegen, damit ein Typ namens Todd Crow an das Gold der Apatschen kann. Der Sohn des Häuptlings heißt Winnetou und der muss mit einem kleinen weißen Pferdedieb namens Tom Silver die Situation retten. 

Das Buch folgt hier sehr genau dem Film, es erzählt ihn quasi nach. Was vor mir liegt ist schlicht eine Abenteuergeschichte für Kinder, eine Indianergeschichte. Drei Kinder, denn hinzu gesellt sich Nscho-tschi, die Schwester Winnetous, lösen die Probleme der Erwachsenen. Das lief bei den DREI FREUNDEN, bei DIE DREI???, das läuft bei den Pfefferkörnern und bei dem bekannten Emil und seinen Detektiven und bei vielen anderen Kindergeschichten.


Mit einem Wettlauf beginnt die Geschichte. Zu  dritt tritt das Team Winnetou an. Gemeinsam mit Schwester Nscho-Tschi und Tokala. Die Gegner kommen immer näher. die zehnjährige Schwester hält sich an Winnetous Seite. Doch da rutscht Tokala aus und fällt in einen Tümpel. Winnetou erreicht das Ziel und seine Pfeile treffen immer. Jedoch, sein Team gewinnt diesmal nicht. Ein Team soll halt ein Team sein...

Donnerstag, 22. September 2022

Gorcheva-Newberry, Kristina: Das Leben vor uns

Was bedeutet es, in den letzten Jahren der Sowjetunion erwachsen zu werden -  in einem Staat kurz vor dem Zerfall? Dieser Roman verwebt auf beeindruckende Weise die turbulente Geschichte eines Landes mit dem Schicksal einer verlorenen Jugend und erzählt dabei von einer unerschütterlichen Freundschaft zweier Mädchen zwischen Unsicherheit und Aufbruch. 
 
Anja und ihre beste Freundin Milka wachsen in den Achtzigerjahren am Stadtrand von Moskau auf. Während ihre Eltern gezeichnet sind von den Entbehrungen der Vergangenheit, blicken die beiden Mädchen einer Zeit der Umbrüche und Reformen entgegen. Frech und lebenshungrig versuchen sie, jeden Schnipsel westlicher Popkultur in die Finger zu kriegen. «We Are the Champions» ist für sie mehr als nur ein Lied, es ist eine Parole. Aber Anjas Jugend nimmt durch eine unerwartete Tragödie ein jähes Ende – und gleichzeitig der Staat, der ihr Zuhause bedeutet hat. Noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs beschließt sie, zum Studieren in die USA zu gehen und dort zu bleiben. Doch beim Versuch, sich im Sehnsuchtsland ihrer Jugend eine neue Heimat aufzubauen, merkt sie, dass sich die eigene Herkunft nicht einfach abschütteln lässt und ein Neuanfang nur möglich ist, wenn die Geister der Vergangenheit begraben sind. (Klappentext)
 
 
 
 
Im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks habe ich diesen sehr besonderen Roman lesen dürfen, der sich letztlich als ein Jahreshighlight entpuppte. Eine (verlorene) Jugend in den letzten Jahren der zerfallenden Sowjetunion - ein grandioses Debüt! Wie schon so oft finde ich es schwierig, im Rahmen einer Rezension auszudrücken, weshalb ein Roman mich so berühren, mitnehmen, in das Geschehen ziehen kann. Aber - wie immer: ich habe es versucht...