Samstag, 24. Januar 2026

Kicaj, Jehona: ë

 

Der ungewöhnliche Titel »ë« steht für einen Buchstaben, der in der albanischen Sprache eine wichtige Funktion hat, obwohl er meist gar nicht ausgesprochen wird. Als Kind von Geflüchteten aus dem Kosovo ist die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme. Sie wächst in Deutschland auf, geht in den Kindergarten, zur Schule und auf die Universität, sucht nach Verständnis, aber stößt immer wieder auf Zuschreibungen, Ahnungslosigkeit und Ignoranz. Als der Kosovokrieg Ende der 90er-Jahre wütet, erlebt sie ihn aus sicherer Entfernung. Doch auch in der Diaspora sind Krieg und Tod präsent – sie werden nur anders erlebt als vor Ort. Der Roman »ë« erzählt von dem in Deutschland kaum bekannten Kosovokrieg und erinnert an das Leid von Familien, die ihre Heimat verloren haben, deren ermordete Angehörige anonym verscharrt wurden und bis heute verschollen oder nicht identifiziert sind. Eine Vergangenheit, die nicht vergehen kann, weil sie buchstäblich in jeder Faser des Körpers steckt, wird von Jehona Kicaj im wahrsten Wortsinn zur Sprache gebracht. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Wallstein / 2025 / ISBN 978-3-8353-5949-9 / 176 Seiten



Kurzmeinung: Eindrucksvoller Roman um die Sprachlosigkeit angesichts von Verwüstung, Unterdrückung, Vernichtung - generationsübergreifendes Kriegs-Trauma...

Donnerstag, 22. Januar 2026

Gottwald, Josefine: Die Eiselfen (I-III)

Litterae - Artesque liest Fantasy!

Ja, das kommt vor. Zugegeben, der Rezensent ist gegenüber „nichtklassischer“ Fantasystoffe generell skeptisch. Eigentlich sind Fantasystoffe wiederum immer irgendwie klassisch, irgendwas kommt immer vor: Elfen, Alben, Elben, Zwerge, Drachen, Könige, Götter, Druiden, Prister, Zauber, Magie…

Und irgendwie, da bin ich ein wenig stur, wurde durch DER HERR DER RINGE und Klett Cotta - Bücher (also J.R.R. & C. Tolkien - Bücher) sowie GAME OF THRONES alles gesagt. Selbst THE HOUSE OF DRAGON empfinde ich schon fast überflüssig wie DIE RINGE DER MACHT.

Und so einer liest plötzlich Fantasy? Und dann noch gleich eine neunbändige Reihe? Lest über das Ergebnis der Lektüre hier…




  • DNB / Eiselfen I  - Das Bündnis / Thalia - Tolino / EAN: 9783754628409 / EPUB
  • DNB / Eiselfen II -  Thírions Erbe / 15.12.2021 / Thalia - Tolino / EAN: 9783754628690 / EPUB
  • DNB / Eiselfen III - Der Kodex / Thalia - Tolino / EAN: 9783757923174 / EPUB

Samstag, 17. Januar 2026

Casement, Nina: Dehumanisation - Wege in den Terror


 „Das vorliegende Buch enthält einzelne, kurze Schilderungen von Gewalt…“

Altersempfehlung: 16 Jahre

Der Titel zeigt, was die Leserin, den Leser - vermutlich - erwartet. Das Eingangsstatement verdeutlicht dies. Dass ein Zitat Barack Obamas, nachdem „Guantànamo wahrscheinlich mehr Terroristen auf der Welt geschaffen hat, als jemals dort inhaftiert wurden.“ dem Text vorangestellt wird, zeigt, warum sich Nina Casement dem Thema „Radikalisierung“ widmet. Gleich mehrfach.

Drei Schicksale stellt Casement in den Leseraum. Da ist der Iraker Ismat, der in der Nähe von Faludscha, einer ehemaligen IS-Hochburg im Irak beheimatet ist, dann der Brite Oliver aus London und der aus dem Iran stammende Naid, welcher ebenfalls in London lebt. 

Montag, 12. Januar 2026

Schiewe, Ulf: Der Bastard von Tolosa

Letztens veröffentlichte Anne PARDEN hier ihre Challenge 2026 Rezensionsexemplare. Einige Titel könnte ich hinzufügen, auf jeden Fall etwas überschaubarer. Annes Liste ist allerdings nicht der Grund für diese Rezension eines solchen Exemplars, das eBook bot sich erneut an, als eine lange Flugreise anstand. 

Diese Rezension des Bastards von Tolosa hat eine Vorgeschichte, denn ich erhielt das eBook vom Verlag, nachdem ich die Laudatio zu Ulf Schiewes Der eiserne Herzog während der Gala zum HOMER - Literaturpreis für historische Romane im Jahre 2023 halten durfte. Das ist über zwei Jahre her, nun endlich ist der Debüt-Roman des Erfolgsautors, der Auftakt zur Montalban-Reihe, gelesen.

Montag, 5. Januar 2026

Madreiter, Armela: südpol.windstill

 

Wenn die 10-jährige Ida nach Hause kommt, weiß sie nicht, was sie erwartet: Ihre Mutter ist Alkoholikerin und psychisch krank. An Südpol-Tagen ist sie aufgekratzt und unternehmungslustig; an Nordpol-Tagen depressiv und antriebslos. Doch mit Robert Falcon Scott hat Ida glücklicherweise einen imaginären Freund, der sich bestens mit Polarforschung auskennt. Mit Erfindergeist, Empathie und Intelligenz lernt Ida, ihre schwierige Situation zu meistern. (Verlagsbeschreibung)

DNB / reclam / 2025 / ISBN 978-3-15-014622-4 / 70 Seiten



Kurzmeinung: Ernst und doch von Stärke und Humor durchzogen - eine Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter u. kreative Möglichkeiten, damit klarzukommen...


Samstag, 3. Januar 2026

Unterthiner, Miriam: Blutbrot

 

Der Theatertext Blutbrot beschäftigt sich mit der nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Südtirol geleisteten Fluchthilfe. In Zuge dessen wurden zwischen 1945 und ca. 1950 Nationalsozialist:innen wie unter anderem Adolf Eichmann, Josef Mengele und Gerhard Bast über den Brennerpass, die sogenannte Grüne Grenze, von Österreich nach Italien gebracht, mit Hilfe von Südtiroler:innen, die ihre geheimen (Schmuggler-)Wege gegen Bezahlung teilten. In Blutbrot leistet die Kollektivfigur DasDorf diese Fluchthilfe, spricht jedoch nicht darüber und verweigert sich der Aufarbeitung der eigenen Taten. DasDorf beschäftigt sich stattdessen mit dem Brot, spricht im Kollektiv ausschließlich über Brot. Doch je mehr Nationalsozialist:innen die Grüne Grenze passieren, desto mehr Spuren hinterlassen sie, nicht nur im Dorf, sondern auch in dessen Landschaft, den Feldern und schließlich im Brot. So ist es auch die Landschaft, die nicht länger wegsehen kann und DasDorf mit der eigenen Vergangenheit, den eigenen Taten konfrontiert. In Blutbrot wird die Frage gestellt, wie ein in der Landschaft stattgefundenes Verbrechen sich auf sie auswirkt, einwirkt, sie verändert. Ebenso wird nach dem Raum, auf dem es stattfindet, gefragt und diesem als solchen eine Sprache gegeben. (Verlagsbeschreibung)

DNB / edition laurin / 2025 / ISBN 978-3-903539-50-1 / 72 Seiten


Kurzmeinung: Gewinner des Österreichischen Debütpreises 2025 - sehr experimentell, eher modernes Theater über ein totgeschwiegenes Thema...

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Crönert, Claudius: Das Erbe der Karolinger

Beginnen wir (ausnahmsweise) einmal mit dem Klappentext zu diesem historischen Romans:

„Was geschieht, wenn Neid und Gier zu Streit und Krieg führen: das große Karolinger-Epos. Eigentlich macht Ludwig, Kaiser der Franken und Sohn Karls des Großen, alles richtig: Er regelt seine Nachfolge früh, ernennt seinen ältesten Sohn Lothar zum Mitregenten und bedenkt die jüngeren Söhne mit großen Ländereien. Schnell zeigt sich jedoch, dass Ludwig und Lothar unterschiedliche Vorstellungen darüber haben, wie das Land regiert werden soll. Während sich der Vater um Frieden und Ausgleich bemüht, drängt der Sohn darauf, die Interessen des Reiches mit Härte durchzusetzen. Als Ludwig nach dem Tod seiner Frau ausgerechnet um Judith wirbt, für die sich auch sein Sohn interessiert, eskalieren die Streitigkeiten. Bald steht alles auf dem Spiel, was Karl der Große einst geschaffen hat …“ (Verlag)

Wer sich halbwegs an seinen Geschichtsunterricht erinnert, dem fällt auch etwas zu Karl dem Großen ein. Den Herrscher und Kaiser des Frankenreiches und wer einmal in Aachen war, bewunderte auch dessen Thron. Der Karlspreis für Verdienste um die Einheit Europas (und die Streitereien um die jeweiligen Preisträger) sei erwähnt (2025 - Dr. Ursula von der Leyen), auch wenn die Einheit seines Imperiums nach ihm wie ein Kartenhaus zusammenfiel…

Dienstag, 30. Dezember 2025

Wittstock, Uwe: Karl Marx in Algier


Karl Marx einmal anders. Uwe Wittstock, der hier bereits mit MARSEILLE 1940 Einzug hielt, hat für sein Porträt eine Rahmenhandlung gewählt, die es ermöglicht, sich Leben und Werk des Begründers des Marxismus etwas anders als vielleicht gewohnt zu nähern. Wittstock begleitet Marx nämlich gegen Ende seines Lebens (1818 – 1883) nach Algier und damit auf die einzige Reise, die ihn Europa verlassen ließ. Wenige Monate vorher starb seine innig geliebte Frau Jenny, während deren Begräbnis er selbst sehr krank im Bett lag. Nun soll er sich erholen und eigentlich hat er einen Packen Druckfahnen im Koffer, er soll nämlich eine neue Auflage seines Hauptwerkes durchsehen: DAS CAPITAL. Doch auch Algier bringt ihm gesundheitlich nur einen Aufschub.


  • DNB /   C.H. Beck / 20.03.25 / ISBN: 978-3-406-83072-3 / 249 S. / 26,00 € (Hardcover)

Freitag, 26. Dezember 2025

Evans, Richard Paul: Die Weihnachtsschatulle (Hörbuch)

 

Richard, seine Frau Keri und ihre kleine Tochter Jenna leben in ziemlich beengten Verhältnissen. Als sie in der Zeitung die Anzeige der alten Dame Mary-Ann Parkin lesen, die während der Adventszeit Hilfe für Haushalt und Garten sucht und dafür eine Wohnung bietet, müssen sie nicht lange überlegen. Bald schon ziehen sie in der vornehmen Villa der Witwe ein. Zufällig findet Richard auf dem Dachboden eine kleine, kunstvoll verzierte Schatulle. Gerade rechtzeitig zu den Weihnachtsfeiertagen lässt ihr Inhalt Richard erkennen, wie sehr er den Blick für das Wertvollste im Leben verloren hat. Ist er womöglich gerade dabei, einen beinah unverzeihlichen Fehler zu begehen? (Verlagsbeschreibung)

DNB / Audiobuch / 2024 / ISBN 978-87-27-19233-8 / 130 Minuten


Kurzmeinung: Nette Weihnachts-Kurzgeschichte - Ersterscheinung 1994, vom Stil her wirkt die Geschichte auf mich aber wie aus dem Jahrhundert davor...

Donnerstag, 25. Dezember 2025

Oelker, Petra: Drei Wünsche

 

Dezember 1773. Auf dem Weihnachtsmarkt in der Hamburger Domkirche, mitten im Gedränge der Marktleute und ihrer flanierenden Kundschaft, suchen drei Frauen das Glück: Theda hat ihre Stellung als Gesellschafterin verloren, eine Vernunftehe in der ostfriesischen Heimat scheint der einzige Ausweg. In Geldnot geraten, will sie auf dem Weihnachtsmarkt eine Silberdose verkaufen, ihren einzigen Besitz von Wert, und gerät in der alten Kirche mitten hinein in den Trubel aus Besuchern, Taschendieben, Suppenköchen und Künstlern. Auch Madam Augusta ist im Dom, sie hadert mit dem Tod ihrer alten Vertrauten, trotz all der Menschen fühlt sie sich allein. Und dann ist da noch Elsi: Die junge Frau hat sich verliebt, doch ihr Vater ist alles andere als einverstanden mit ihrer Wahl. Drei Frauen, drei Wünsche. Sie alle hoffen auf ein Weihnachtswunder...

DNB / rowohlt / 2025 / ISBN: 978-3-8052-0127-8 / 128 Seiten

Kurzmeinung: Durch viele detaillierte Beschreibungen entstanden für mich Längen - ansonsten eine nette atmosphärische historische Weihnachtsgeschichte...