Freitag, 7. August 2020

Mercier, Pascal: Das Gewicht der Worte

„Jetzt, da er wieder eine Zukunft hatte, wollte er verschwenderisch mit seiner Zeit umgehen.“ – Der neue Roman von Pascal Mercier, dem Autor des Bestsellers „Nachtzug nach Lissabon“

Seit seiner Kindheit ist Simon Leyland von Sprachen fasziniert. Gegen den Willen seiner Eltern wird er Übersetzer und verfolgt unbeirrt das Ziel, alle Sprachen zu lernen, die rund um das Mittelmeer gesprochen werden. Von London folgt er seiner Frau Livia nach Triest, wo sie einen Verlag geerbt hat. In der Stadt bedeutender Literaten glaubt er den idealen Ort für seine Arbeit gefunden zu haben – bis ihn ein ärztlicher Irrtum aus der Bahn wirft. Doch dann erweist sich die vermeintliche Katastrophe als Wendepunkt, an dem er sein Leben noch einmal völlig neu einrichten kann. Wieder ist Pascal Mercier ein philosophischer Roman gelungen, bewegend wie der "Nachtzug nach Lissabon." 


  • Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 2 (27. Januar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446265694
  • ISBN-13: 978-3446265691



"Nachtzug nach Lissabon" steht schon lange auf meiner Wunschliste - immer wieder stolpere ich über diesen Roman. Als mir nun der neueste Roman des Autors in die Hände fiel, griff ich zu. Und es hat sich trotz kleinerer Abstriche gelohnt. Lebensnahe Figuren mit intellektuell-philosophischem Überhang, sprachliche Virtuosität, wenn auch zeitweise mit zu vielen Wiederholungen... Alles in allem beeindruckend!

Freitag, 31. Juli 2020

BlogPost Nr. 165: Unsere Beiträge im Juni und Juli 2020

© Parden
Endlich mal wieder eine Zusammenfassung unserer Beiträge. Da wir gerade ein kleines Sommerloch zelebrieren, haben wir beschlossen, diesmal gleich zwei Monate zusammenzufassen. Da kam dann immerhin doch einiges zusammen...









Donnerstag, 23. Juli 2020

Goldammer, Frank: Zwei fremde Leben

Dreißig Jahre ist es nun her, dass Deutschland wieder zueinander gefügt wurde. Zumeist zum Guten für seine Bürgerinnen und Bürger, von den allermeisten zur Kenntnis genommen, von vielen erfreut begrüßt, von manchen gefürchtet: Niemandem sollte es schlechter gehen, „blühende Landschaften“ verhieß der Bundeskanzler und ja, schauen wir uns doch einmal um, das lässt sich bestätigen. Für jeden?

Frank Goldammer bewegt sich seit einigen Jahren in die Geschichte des Landes(teils), in dem er geboren wurde, er hat den Buchhelden seiner Heimatstadt gefunden in Max Heller, dem Kriminalisten der ersten fünfzehn Jahre der DDR. Fünf Bücher sind es bereits und bald erscheint der sechste Roman.

In der Mitte dieses Jahres verlässt Goldammer erst einmal die fünfziger Jahre, um sich einem ernsten Thema zu widmen, welches in einem Roman zu kleiden nicht das Einfachste ist. Ein Thema, das im dreißigsten Jahr des Mauerfalls schon passt.

Mittwoch, 22. Juli 2020

Braithwaite, Oyinkan: Meine Schwester, die Serienmörderin

Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ayoola ist das Lieblingskind, unglaublich schön -- und sie hat die Angewohnheit, ihre Männer umzubringen. 

Korede ist eher praktisch veranlagt und dafür zuständig hinter ihrer Schwester aufzuräumen: die Krankenschwester kennt die besten Tricks, um Blut zu entfernen, und ihr Kofferraum ist groß genug für eine Leiche. Dann verknallt sich natürlich auch Tade, der hübsche Arzt aus dem Krankenhaus, in Ayoola, der doch eigentlich für Korede bestimmt ist. Jetzt muss die sich fragen, wie gefährlich ihr Schwester wirklich ist -- und wen sie hier eigentlich vor wem beschützt. 

Dieser euphorisch gefeierte Roman aus Nigeria ist so beiläufig feministisch wie abgründig, er ist "fiebrig heiß" (Paula Hawkins) und verdammt cool zugleich. 

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Blumenbar; Auflage: 4. (10. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Yasemin Dinçer
  • ISBN-10: 3351050747
  • ISBN-13: 978-3351050740

 
Manche Bücher reizen mich einfach. Über diesen Roman bin ich in den letzten Wochen immer wieder gestolpert, weshalb ich schließlich zugriff. 240 Seiten sind schnell gelesen, und versprochen war "Ein Granatenbuch: scharf, explosiv, wahnsinnig komisch" (Klappentext). Ein Lesevergnügen also? Ob dieses gehypte Buch bei mir punkten konnte, könnt Ihr hier nachlesen:

Dienstag, 21. Juli 2020

Izquierdo, Andreas: Schatten der Welt

Thorn in Westpreußen, 1910. Der schüchterne Carl, der draufgängerische Artur und die freche Isi sind frohen Mutes, dass der Ernst des Lebens noch ein wenig auf sich warten lässt. Nicht einmal die Nachricht, dass ein Komet namens »Halley« die Menschheit zu vernichten droht, kann die drei Jugendlichen schockieren. Im Gegenteil – ungerührt verkaufen sie Pillen gegen den Weltuntergang, während Halley still vorbeizieht. Doch das Erwachsenwerden lässt sich nicht aufhalten: Carl beginnt eine Ausbildung zum Fotografen, Artur und Isi werden ein Paar. Als 1914 die große Weltpolitik über sie hineinbricht, reißt es die Freunde auseinander. Artur und Carl werden eingezogen, fernab der Heimat werden die beiden Teil eines Kriegs, der jede Vorstellungskraft sprengt. Derweil hat Isi zuhause in Thorn ganz andere Kämpfe auszufechten. 1918 ist der Krieg endlich vorbei. Nichts ist geblieben, wie es einmal war – und doch scheint ein Neuanfang möglich...

  • Broschiert: 544 Seiten
  • Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (21. Juli 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3832164987
  • ISBN-13: 978-3832164980



Ein Roman, den ich im Rahmen einer Buchverlosung bei Lovelybooks gewonnen habe und den ich dadurch bereits vor dem eigentlichen Erscheinungsdatum lesen durfte. Es war dazu zwar keine Leserunde angelegt, aber der Autor hat netterweise doch  auf einzelne Kommentare reagiert. Dadurch entspann sich zeitweise ein netter Austausch und Fragen konnten rasch beantwortet werden. Aufmerksame Verfolger des Blogs werden wissen, dass ich hier bereits einige andere Romane von Andreas Izquierdo vorgestellt habe und dass mir diese durch die Bank weg gut gefallen haben. Dies war letztlich auch der Grund, weshalb ich selbst vor einem historischen Roman des Autors nicht zurückschreckte. Und so viel vorweg: ich habe es nicht bereut...

Sonntag, 19. Juli 2020

Melville, Herman: Moby Dick

Das Werk "Moby-Dick; oder: Der Wal" (englisch "Moby-Dick; or, The Whale") ist ein 1851 in London und New York erschienener Roman von Herman Melville. Das erzählerische Rückgrat des Romans ist die schicksalhafte Fahrt des Walfangschiffes "Pequod", dessen Kapitän Ahab mit blindem Hass den weißen Pottwal Moby Dick jagt, der ihm ein Bein abgerissen hat.

Entlang dieses erzählerischen Fadens, der knapp die Hälfte des Romans ausmacht, reiht Melville zahlreiche philosophische, wissenschaftliche, kunstgeschichtliche und mythologische Exkurse, zu denen noch viele subjektive, mal lyrische, mal auch ironische Betrachtungen des Autors kommen. In diesem Rahmen wird auch die Welt des Walfangs im 18. und 19. Jahrhundert detailreich dargestellt. 

(Quelle: Amazon.de)



Klassiker... Lohnt es sich heute noch, diese zu lesen? Sind sie nicht einfach nur antiquiert und längst überholt? Ich finde dies immer schwer zu sagen, so im Vorfeld, bevor ich mich zur Lektüre entscheide. Wie es mir mit diesem Werk erging, könnt Ihr hier lesen:


Freitag, 17. Juli 2020

Groeper, Kerstin: Donnergrollen...

... im Land der grünen Wasser

Im Capitol zu Washington hängt ein Bild. Es zeigt einen mörderischen Eroberer, vornehm Conquistador genannt. In Baracarroto, Spanien, steht ein Denkmal, welches ebenfalls diesen Mann namens Hernando DeSoto (1496 – 1542) zeigt. Zur Zeit werden Denkmäler von ihren Sockeln gestürzt. In den USA trifft es Sklavenhalter aus den ehemaligen Südstaaten, in London wollen Menschen sogar Hand an Churchill legen, sie stürzen einen Sklavenhändler in Bristol. In Neuseeland entfernen die Bewohner der Stadt Hamilton die Statue des Namensgebers. Auch die Monumente, die an Cristóbal Colón erinnern, sind hier und da schon kopflos geworden. Das DeSoto betroffen sei, habe ich noch nicht gelesen. Allein drei Countys, einmal in Mississippi und gleich zweimal in Florida, sind nach ihm benannt. Es gab sogar mal eine Automarke.

Was man nicht alles einreißen müsste, würde man die „Andenken“ an alle Verbrechen der Menschheit tilgen wollen. "Geschichte kann man nicht stürzen", das las ich gerade beim googeln. 

Besser ist, wir rücken die Geschichte in das rechte Licht, das richtige Licht. Das heutige Licht. Mit Hernando DeSoto hat dies Kerstin Groeper getan, die beim Schreiben des Romans Donnergrollen im Land der grünen Wasser die Denkmalstürmerei aber vermutlich nicht vor Augen hatte.

Doch sind Hernando DeSoto und sein Capitan der Lanzenreiter Juan de Anasco nicht die Hauptfiguren ihrer Geschichte. Kerstin Groper schreibt, wie könnte es anders sein, von denen, die durch die spanischen Eroberer erschlagen, gefoltert, verbrannt wurden, die den Reitern auf den riesigen „Hunden“ außer Pfeilen nicht viel entgegensetzen konnten und die allein durch den Kontakt mit denen, die über das Meer kamen, in unglaublichen Epidemien dahingerafft wurden.