Im Frühling, also im November, fliegen wir von Buenos Aires an die Atlantikküste, nach Commodoro Rivadavia. Von November bis Mitte Dezember ist vielleicht die beste Zeit für eine solche Reise. Wind, Sonne und Staub begleiten uns auf dem Weg in Richtung Westen. Wir besuchen einen versteinerten Wald, eine Pinguin-Kolonie und betrachten eine Erdölpumpe in einem der größten Ölfelder der Welt, Vaca Muerte, aus der Nähe. Hier werden Schieferöl und Schiefergas durch Fracking gewonnen.
Den Mietautos wird auf den Schotterpisten eine Menge zugemutet. Wäre die berühmte Ruta 40 voll asphaltiert, könnte man schläfrig werden beim Durchfahren dieser oft ebenen Landschaft. Plötzlich: eine Kurve, eine Erhebung und die Sonne färbt eine Hügellandschaft neu ein. Manchmal hängt ein totes Guanako in den Zaunreihen.
Viele interessante Orte und Landschaften besuchen wir, fahren den stürmischen Lago Buenos Aires entlang und lassen uns durch die Cuevas de las Manos mit den prähistorischen Handabdrücken in der malerisch grünen Schlucht des Rio Pinturas führen. Das nächste Ziel ist El Chalten, eine junge Bergsteigerstadt, die nach dem Rauchenden Berg, dem Fitz Roy, benannt wurde. Das Wahrzeichen des Nationalparks Los Claciares ist meist wolkenverhangen. Bei strahlend blauem Himmel erreiche ich eine herrliche Aussicht auf das schneevereiste Felsmassiv und den von Gletschern gespeisten, kurvenreichen Rio de las Vueltas im Tal. Es gelingt, den Koloss als ausgegangene Räucherkerze abzulichten. Die indigenen Tehuelche nannten den schroffen schnee- und eisumgebenen, meist umwölkten Berg deswegen den Rauchenden, das erzählt Carmen Rohrbach, die weltreisende Biologin und Reiseautorin, in ihrem Buch Patagonien.Darin las ich auch, dass Francisco Pascasio Moreno, genannt Perito Moreno, ihm den Namen des Kapitäns der „Beagle“, mit der Darwin reiste, gab. Nach dem Forscher Moreno ist der berühmten Gletscher benannt, den wir entlang des Lago Argentino, von Calafate kommend, zum Abschluss der Reise besuchen. Aus donnernd abgebrochenen Eisblöcken werden kleine bläulich schimmernde Eisberge, die geräuschlos durch den See gleiten.
Auf rund 1350 Kilometern bereisten wir Patagonien, bevor uns der Flieger in die Stadt der Guten Winde, zurückbringt. Unübersehbare Weite, Steppe, Wind, Staub, Farben, Sonne, große Seen und die Kette der Anden. Unvergesslich.
©️ Bücherjunge










