Freitag, 18. Juni 2021

Helfer, Monika: Die Bagage

Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin. Mit großer Wucht erzählt Monika Helfer die Geschichte ihrer eigenen Herkunft. 










  • Herausgeber ‏ : ‎ Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; 12. Edition (1. Februar 2020)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 160 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3446265627
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3446265622





Wieder ein Roman, der es bislang nicht in den Blog 'geschafft' hat - irgendwie hinke ich da sträflich hinterher. Nun wird es aber Zeit, weil ich mittlerweile auch bereits den zweiten Teil der Familienchronik gelesen habe, den ich hier ebenfalls vorstellen will. Monika Helfer hat eine ganz eigene Art des Schreibens und der Annäherung an die Geschichte ihrer eigenen Familie. Ruhig, distanziert, trotzdem berührend...



Sonntag, 13. Juni 2021

Strohmeyr, Armin: Ferdinandea...

 ... Die Insel der verlorenen Träume

Kurz nach Beginn der ansprechenden Lektüre verspürte ich das unbedingte Bedürfnis zu wissen, was Wikipedia zu dieser Insel zu bieten hat. Siehe da, sowohl die Insel als auch einige der Figuren, die zu Beginn des Romans handeln, sind dort ausführlich vermerkt. Es drängte sich die Frage auf, ob man denn einen Roman auf der Grundlage eines Wikipedia-Artikels schreiben könnte. Vielleicht, dennoch würde das dem Autoren sicher unrecht tun.

Nahe Siziliens kocht das Meer. Stellen wir uns eine „bleigraue aufgepeitschte Meeresszenerie“ vor.


„Über dem Horizont gewittert ein grüngelber Himmel. Aber nicht allein die schwefelige Giftigkeit der Wolken und die gleißende Helle der Blitze ließen Angelo den Atem stocken. Im Vordergrund sah er ein Fischerboot hilflos in den Wogenkämmen krängen... Die Fischer krallten sich an Ruder und Tauen fest, während ein Brecher über sie hinwegging. In der Mitte Dees Bildes, wo sich der Horizont zwischen aufgepeitschtem Meer und blitzdurchzucktem Himmel schwach abzeichnete, erhob sich ein graues Ungetüm.... Mit sicherer Hand setzte Kupfer [der Maler] einen leuchtenden Punkt auf die Bergkuppe – das Auge eines Dämons. Mit einem weiteren Pinselstrich, jetzt glutrot, ließ er dieses Auge auslaufen. Ein Feuerbach strömte über die Bergflanke und ergoss sich ins Meer.“ (Seite 67/68)

Freitag, 11. Juni 2021

Dicker, Joël: Das Geheimnis von Zimmer 622 (Hörbuch)


Eine dunkle Nacht im Dezember, ein Mord im vornehmen Hotel Palace de Verbier in den Schweizer Alpen. Doch der Fall wird nie aufgeklärt. Einige Jahre später verbringt der bekannte Schriftsteller Joël Dicker seine Ferien im Palace. Während er die charmante Scarlett Leonas kennenlernt und sich mit ihr über die Kunst des Schreibens unterhält, ahnt er nicht, dass sie beide in den ungelösten Mordfall hineingezogen werden. Was geschah damals in Zimmer 622, das es offiziell gar nicht gibt in diesem Hotel...

Mit der Präzision eines Schweizer Uhrmachers legt Joël Dicker die Spuren zu einer Dreiecksgeschichte aus Machtspielen, Eifersucht und Verrat in den vornehmsten Kreisen der Gesellschaft.
 
  • Gesprochen von: Torben Kessler
  • Spieldauer: 18 Std. und 54 Min. (ungekürzt)
  • Erscheinungsdatum: 01.03.2021
  • Sprache: Deutsch 
  •  Übersetzung:  Amelie Thoma und Michaela Meßner
  • Anbieter: HörbucHHamburg HHV GmbH 
  •  ASIN : B08WM2GR7L 




  • Diesmal kein Roman für eine Leserunde, sondern ein Hörbuch von audible. Vermutlich überwog die Enttäuschung bei den Lesern von Whatchareadin was den letzten Roman von Joël Dicker - "Das Verschwinden der Stephanie Mailer" - anbelangt, so dass es das neueste Werk des Schweizer Autors wohl nicht in die Leserunden-Auswahl schaffte. Da ich aber seinerzeit von "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" so begeistert war, wollte ich trrotzdem gerne auch Dickers aktuellem Roman eine Chance geben. Ob sich das gelohnt hat? Lest selbst:

    Donnerstag, 10. Juni 2021

    Dicker, Joël : Das Verschwinden der Stephanie Mailer

    Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommerabend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord sterben der Bürgermeister und seine Familie sowie eine zufällige Passantin. Zwei jungen Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott, werden die Ermittlungen übertragen, und sie gehen ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt nach, bis ein Schuldiger gefunden ist. Doch zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau ... - 

    Die idyllischen Hamptons sind Schauplatz einer fatalen Intrige, die Joël Dicker mit einzigartigem Gespür für Tempo und erzählerische Raffinesse entfaltet. 




    • Herausgeber ‏ : Piper; 4. Edition (2. April 2019)
    • Sprache ‏ : Deutsch
    • Übersetzung : Amelie Thoma und Michaela Meßner  
    • Gebundene Ausgabe ‏ : 672 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : 3492059392
    • ISBN-13 ‏ : 978-3492059398
    • Originaltitel ‏ : La Disparition de Stephanie Mailer



    Auch diesen Roman las ich im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin - allerdings bereits im Mai 2019. Weshalb ich ihn bislang nicht hier im Blog vorgestellt habe? Zeitmangel? Meine nicht so große Begeisterung im Vergleich zu Dickers fulminantem Welterfolg "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert"? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr. Aber da ich im Folgenden auch Joël Dickers neuesten Roman hier präsentieren möchte, gehört diese Buchvorstellung der Vollständigkeit halber m.E. unbedingt dazu. Hier ist sie also:

    Mittwoch, 9. Juni 2021

    Grünberg, Arnon: Besetzte Gebiete

    Wegen einer fehlgelaufenen Liebesgeschichte und falschen Anschuldigungen verliert Otto Kadoke seine Approbation als Psychiater in Amsterdam. Vor dem Nichts stehend, beschließt er, die Einladung seiner Verwandten Anat, einer fanatischen Zionistin, ins Westjordanland anzunehmen. Als der überzeugte Atheist und Anti-Zionist dort ankommt, muss er sich der Etikette halber zunächst als Anats Verlobter ausgeben, verliebt sich aber schließlich ernsthaft in sie. Sie willigt jedoch nur ein, ihn zu heiraten, wenn die beiden eine gottgefällige Ehe – das heißt mit vielen Kindern – führen, um das Heilige Land zu bevölkern und den Holocaust wettzumachen. Auf Kadoke warten viele Prüfungen. Ein Roman mit fast wahnwitzigen Wendungen und urkomischen Szenen, der zeigt, wie sehr die Vergangenheit unser Verhalten bestimmt. Die tragischkomische Liebesgeschichte des Antihelden Kadoke verwebt schonungslose Gesellschaftskritik, historische Analyse und die Untersuchung tiefmenschlicher, existenzieller Fragen. 

     


    • Herausgeber ‏ : Kiepenheuer&Witsch; 2. Edition (15. April 2021)
    • Sprache ‏ : Deutsch
    • Übersetzung : Rainer Kersten  
    • Gebundene Ausgabe ‏ : 432 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 346200106X
    • ISBN-13 ‏ : 978-3462001068
    • Originaltitel ‏ : Bezette gebieden

     

     

     "Der fünfzehnte Roman des niederländischen Bestsellerautors Arnon Grünberg wird von Kritik und Publikum als Höhepunkt seines schon vielfach preisgekrönten Werkes gefeiert (...) Ein Buch, das in den Niederlanden Begeisterungsstürme auslöste und auch in Deutschland seine Wirkung nicht verfehlen wird." - Diese Sätze gehören ebenfalls zum Klappentext und ließen mich Großes erwarten. Gelesen habe ich den neuen Roman Grünbergs im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin. Dort wurde das Buch sehr kontrovers diskutiert - und entsprechend bewertet. Ich gehörte leider nicht zu denen, die das Werk begeistern konnte. Weshalb nicht? Lest selbst:

    Sonntag, 6. Juni 2021

    Apuleius, Lucius: Amor und Psyche (Hörbuch)

    Als die Göttin Venus von der überirdischen Schönheit der Königstochter Psyche erfährt, schickt sie ihren Sohn Amor auf die Erde. Er soll die unliebsame Konkurrentin mit einem schrecklichen Dämon verheiraten. Doch auch Amor erliegt Psyches Schönheit und statt die Wünsche seiner Mutter zu erfüllen, lässt er die Geliebte heimlich in ein abgelegenes Schloss bringen. Dort besucht er sie Nacht für Nacht - bis Venus den Betrug ihres Sohnes entdeckt und die Liebe der beiden auf eine harte Probe stellt.  
     
     
     
     
     
     
     
    • Herausgeber : Der Audio Verlag (10. März 2017)
    • Sprache : Deutsch
    • Übersetzung : August Rode
    • Sprecherin : Helene Grass 
    • ISBN-10 : 3742400150
    • ISBN-13 : 978-3742400154
    • ungekürzte Ausgabe : 1 Stunde und 48 Minuten





    Auf dieses mir vollkommen unbekannte Hörbuch stieß ich, als ich durch das Programm von NDR-Kultur stöberte. Den sog. Klassikern widme ich mich eher selten - zumal wenn ich wie hier noch nie zuvor etwas davon gehört habe. Doch da die Dauer der Lesung nicht sehr umfangreich war, beschloss ich, hier einen Versuch zu wagen. Und so entdeckte ich ein antikes Märchen aus dem 2. Jhd. nach Christus, bei dem sich etliche Elemente finden, die in späteren Märchen aufgegriffen wurden. Angenehm zu hören war es außerdem...

    Samstag, 5. Juni 2021

    Bennett, Alan: Così fan tutte

    Mit allen Finessen der Ironie erzählt Bennett die Geschichte eines englischen Middleclass-Ehepaars, das vom Opernbesuch nach Hause kommt und seine Wohnung vollkommen leer vorfindet. Mit dem Verlust der gediegenen Einrichtung beginnt für sie ein neues, weniger weich gepolstertes Leben.

    Mozart spielte in ihrer Ehe eine wichtige Rolle. Sie hatten keine Kinder und ohne Mozart hätten sie sich wahrscheinlich schon vor Jahren getrennt. An jenem Abend waren die Ransomes in »Così fan tutte« gewesen, und als sie nach Hause kamen, war ihre Wohnung vollkommen leergeräumt. Nichts war geblieben, weder der Kronleuchter noch der Teppichboden, nur die Fußleisten. Während Mr. Ransome darauf besteht, am nächsten Morgen im Abendanzug in seine Anwaltskanzlei zu gehen, als sei nichts geschehen, beschließt Mrs. Ransome leicht irritiert, das Beste daraus zu machen und zieht los, um das Nötigste für den Alltag zu erwerben: eine ochsenblutfarbene Schuhcreme für ihren Mann, zwei Tassen und Teebeutel, ein Sieb, Spülmittel und einen Geruchsstein fürs WC. Eine merkwürdige Abenteuerlust und Lebensfreude bemächtigt sich ihrer – und als die komplette Einrichtung eines Tages wieder auftaucht, ist es schon zu spät: Nichts wird mehr so sein wie es einmal war.

     

    • Herausgeber : Wagenbach; Neuauflage. (15. Februar 2009)
    • Sprache : Deutsch
    • Übersetzung : Brigitte Heinrich 
    • Gebundene Ausgabe : 120 Seiten
    • ISBN-10 : 3803112133
    • ISBN-13 : 978-3803112132
    • Originaltitel : The Clothes They Stood Up In

     

     

    Laaaang ist's her, dass hier im Blog etwas zu Alan Bennetts wohl bekanntestem Werk: "Die souveräne Leserin" geäußert wurde - fast auf den Tag genau vor acht Jahren... Doch der britische Schriftsteller, Dramatiker, Regisseur, Schauspieler sowie Drehbuchautor hat noch einige andere Bücher verfasst, zu einem davon habe ich jetzt endlich gegriffen.