Dienstag, 17. Februar 2026

Schneider, Richard C.: Die Sache mit Israel

DIE SACHE MIT ISRAEL von Richard C. Schneider erschien in einer ersten Fassung bereits am 28.06.2023. An einen terroristischen Angriff wie ihn die HAMAS am 07.10.2023 verübte, dachte noch keiner. Vorherrschend waren in meiner Erinnerung die Proteste von 10tausenden Israelis gegen die Regierung Netanjahu. Unmittelbar nach dem 07/10 las und rezensierte ich Saul Friedländers BLICK IN DEN ABGRUND, der mit der einzigen Demokratie im Nahen Osten schonungslos umgeht und die Gefahren für eben diese Demokratie deutlich benennt. Mit diesem Buch ermöglicht Friedländer es den Leserinnen und Lesern genau in diese „Ecken“ zu schauen und zu vergleichen

Die „israelische Sache“ beschäftigt mich an sich erst seit dem Herbst 2009, aufgrund des Besuches in diesem Land. Eine Reihe diesbezüglicher Büchern finden sich in Buchbesprechungen auf diesem Blog. Richard C. Schneider war bisher nicht dabei, dessen Gesicht aber war mir von einer Reihe von Filmdokumentationen aus dem Nahen Osten bekannt. Der ehemalige Chefkorrespondent der ARD in Tel Aviv (2006 – 2015) hat einen selbst gewonnen tiefen Blick auf Israel, dessen „Alltag (er) im Ausnahmezustand“ sieht.

Montag, 16. Februar 2026

Tetzner, Gerti: Karen W.

Es war ein Geburtstag, der mich auf diesen Roman aufmerksam werden ließ. Der 80ste Geburtstag des Aufbau Verlages, der bereits im August 1945 als erster Nachkriegsverlag gegründet wurde. Dieser Anlass führte zu einem Gesprächsabend im Neustrelitzer Kulturquartier. Davon berichtete ich hier.

Aus diesem Anlass suchte der Verlag nach einem authentischen Roman, der nach langer Zeit wieder (einmal) veröffentlicht werden könnte. Ein Roman, der in Vergessenheit geriet, sicher jedoch ab dem Jahre 1989/90, als sich niemand mehr für Literatur aus der Zeit der DDR interessierte.

Mir war die Autorin Gerti Tetzner (*1936) völlig unbekannt. Kein Wunder, denn aus der „Weiberrunde“ der Christa Wolf war mir einzig Brigitte Reimann bekannt, und selbst sie nur durch die Verfilmung der Franziska Linkerhand.

Ein Frauenname auf dem Cover, eine Autorin aus dem Kreise um Christa Wolf, ein Roman aus dem Jahre 1974 – ein Frauenroman?

DNB / Aufbau Verlag / 2.2025 / ISBN: 978-3-351-04264-6 / 308 S.

Samstag, 14. Februar 2026

Kinsky, Esther: Rombo

 

Im Mai und im September 1976 erschüttern zwei schwere Erdbeben eine Landschaft im nordöstlichen Italien. An die tausend Menschen sterben unter den Trümmern, unzählige sind ohne Obdach, viele verlassen ihre Heimat. In Esther Kinskys preisgekröntem Roman berichten sieben Bewohner eines abgelegenen Bergdorfs, Männer und Frauen, von ihrem Leben, in dem das Beben tiefe Spuren hinterlassen hat. Von der gemeinsamen Erfahrung von Angst und Verlust spleißen sich bald die Fäden individueller Erinnerung ab und werden zu eindringlichen und berührenden Erzählungen tiefer, älterer Versehrung. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Suhrkamp / 2023 / ISBN 978-3-518-47311-5 / 264 Seiten

Kurzmeinung: Sperriger, anstrengender Schreibstil, der besonders bei Beschreibungen und Schilderungen der Landschaft sehr fordert - ein mühsames Lesen...


Freitag, 13. Februar 2026

Kutscher, Volker: Rath

DER ZEHNTE RATH - ROMAN

Nun lag er vor mir, der zehnte Rath - Roman aus der Feder von Volker Kutscher. Er hatte vor einiger Zeit erklärt, dass er die Reihe mit dem Jahr 1938 abschließen würde, dem Jahr, in dem am 9. November die Synagogen brannten, dem Jahr der Reichspogromnacht.

Doch blicken wir kurz ein wenig zurück:

Im Jahr 1929 kommt ein junger Kommissar als Köln zu Berliner Polizei. Dies hat sein Vater vermittelt, der den Berliner Polizeipräsidenten Zörgiebel kannte. Gereon Rath hatte in Köln mit einem Fall um den Oberbürgermeister Konrad Adenauer zu tun. In Berlin fängt Rath erst bei der Sitte an und wechselt dann zur innovativen Mord-Inspektion, die von einem besonderen Kriminalrat, nämlich Ernst Gennat geleitet wird.
 
Gereon trifft auf Charlotte Ritter. Die Tochter eines Justizbeamten in Moabit arbeitet gelegentlich für die „Rote Burg“, das Polizeipräsidium und will unbedingt Kriminalassistentin werden. Beide kommen sich näher und werden einige Bände später auch heiraten. Charlie ist die zielstrebigere, die bewusstere von beiden, Gereon dagegen zwar ein brillanter Ermittler, aber politisch weitaus weniger weitblickend.

  • DNB / Piper / München 24.10.2024 / ISBN:978-3-492-07410-0 / 624 Seiten
  • audible / 21 Std. 49 Minuten 

Mittwoch, 11. Februar 2026

Trauboth, Jörg.H.: Operation Machtergreifung

Wenn die Welt verrückt spielt, so wie zurzeit, dann sollten sich die Medien diverser Spekulationen enthalten. Das heißt ja nicht, dass sie gar nicht in die Zukunft blicken dürfen, oder die Folgen politischer Entscheidungen nicht darstellen.

Romanautoren haben es da etwas einfacher, die dürfen ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Inwieweit sie dabei an Verschwörungstheorien kratzen, bleibt ihnen überlassen, es sind letztlich die Leserinnen und Leser, die über den Erfolg entscheiden; und die Verlage versteht sich.

Mit diesem Thriller begeben wir uns in die nahe Zukunft. Soweit weg ist die nicht, die nächste Bundestagswahl ist in drei Jahren. Was bei dieser rauskommt, ist sicherlich mit davon abhängig, wie die Demokratie verteidigt werden kann. Wenn dies nicht gelingt, dann gewinnt die PfD – die Partei für Deutschland. Das ist sicher keine Fantasie, das ist möglich.

Der Autor des Buches, Jörg H. Trauboth, das Fünfte, in dem der ehemalige KSK-Soldat Marc Anderson die Kastanien aus dem Feuer holen muss, hat bereits in den vorherigen Bänden aktuelle Ereignisse mit fiktiver Handlung verwoben. Diesmal bleiben wir hier, das schließt einen kurzen Ausflug auf der Rattenlinie (ich kannte die als „Römischer Weg“) mit ein.

  • DNB / ratio-books Verlag /bv01.02. 2026 / ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3961369751 / 572 Seiten
  • Anazon / Kindle

Samstag, 7. Februar 2026

Kutscher, Volker und Menschik, Kat: WESTEND

„Was aber soll im Jahre 38 gut laufen? - Die ganze Geschichte verbietet förmlich ein Happy End. Und am Ende geschieht ein Mord aus Rache. Ein Mann in schwarzer Uniform erschießt einen anderen Mann, einen mit weißem Kittel...“

Dies waren die letzten Zeilen zum Inhalt des 10. Gereon-Rath-Romans, die ich am 19. November 2024 im Blog veröffentlichte. Als es hieß, dass es einen Abschluss geben wird und dieser das dritte gemeinsame Buchprojekt von Kat Menschik und Volker Kutscher werden soll, war ich überaus gespannt auf das Ergebnis.

Freitag, 6. Februar 2026

Bronsky, Alina: Pi mal Daumen (Hörbuch)

 

Moni Kosinsky und Mathe, das passt auf den ersten Blick gar nicht zusammen. Denn Moni ist Anfang 50, hat diverse Nebenjobs und hütet voller Selbstaufgabe ihre drei Enkel, während Tochter Püppi beim Discounter an der Kasse sitzt. Aber trotzdem erfüllt sie sich einen Lebenstraum und beginnt, Mathematik zu studieren. Auch für Oscar, einen Überflieger mit autistischen Zügen aus gutbürgerlichem Hause, ändert sich alles, als er im Hörsaal auf Moni trifft – denn obwohl die beiden unterschiedlicher nicht sein könnten, findet er in ihr eine Freundin, die seinem Leben eine entscheidende Wendung gibt. (Verlagsbeschreibung)

DNB / dav / 2024 / ISBN 978-3-7424-3334-3 / 379 Minuten


Kurzmeinung: Mathematik als charmante Kulisse für eine Geschichte über Freundschaft, Mut und den Glauben daran, dass es nie zu spät für etwas Neues ist.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Schätte, Lena: Das Schwarz an den Händen meines Vaters

 

»Motte« wird die Ich-Erzählerin von ihrem Vater genannt. Der Vater ist Arbeiter, Spieler, Trinker. Eigentlich hat Motte sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann, beim Spielen alle Verstecke kennt und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Hand absägt. Und das mit dem Alkohol, sagt die Mutter, war eigentlich bei allen Männern in der Familie so. Auch Motte trinkt längst mehr, als ihr gut tut. Schon als Kind hat sie beim Schützenfest Kellnerin gespielt und die Reste getrunken, bis ihr warm wurde. Jetzt, als junge Frau, schläft sie manchmal im Hausflur, weil sie mit dem Schlüssel nicht mehr das Schloss trifft. Ihr Freund stützt sie, aber der kann meistens selbst nicht mehr richtig stehen. Nur ihr Bruder, der Erzieher geworden ist, schaut jeden Tag nach ihr. Als bei ihrem Vater Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, sucht Motte nach einem Weg, sich zu verabschieden – vom Vater und vom Alkohol. »Das Schwarz an den Händen meines Vaters« von Lena Schätte ist ein bewegender Roman über das Aufwachsen in einer Familie, die in den sogenannten einfachen Verhältnissen lebt und die zugleich, wenn es darauf ankommt, zusammenhält. Es ist ein harter, zarter Roman über die Liebe zu einem schwierigen Vater und den Weg ins Leben. (Verlagsbeschreibung)

DNB / S. Fischer / 2025 / ISBN 978-3-10-397657-1 / 192 Seiten


KurzmeinungSchilderung eines Familienlebens, in dem generationenübergreifender Alkoholismus eine große Rolle spielt - schnörkellos, leise, präzise...

Montag, 2. Februar 2026

Tannert, Ida: Crime im Heim

 

Das Haus Silberblick, ein progressives Seniorenstift, braucht mehr Kultur! So sieht das zumindest der ehemalige Feuilletonchef und Heimbewohner Friedhelm Klemp und fasst die Inszenierung von ›Hamlet‹ ins Auge. Unterstützt wird er von seiner vergeblich Angebeteten, Katia Horenfeld, dank derer sich eine bunte Truppe unterschiedlichster Charaktere zusammenrauft. Doch schon das erste Probentreffen wird von einer grausigen Tat begleitet: Ophelia, der Mops einer Darstellerin, wird tot aufgefunden. Das Ergebnis der Obduktion des Hundes, ausgeführt von einem pensionierten Zahnarzt mithilfe eines gräflichen Nageletuis, überrascht und entsetzt alle: Das Tier wurde erschossen. Also ein klarer Fall von Mord! Katia, der die Rolle von Hamlet zugedacht ist, soll auch die »Ermittlungen« durchführen. Dabei ergeben sich immer mehr Ungereimtheiten rund um die Tat. Während Katia noch überlegt, wie sie am besten vorgehen soll, taucht die nächste Leiche auf. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Dumont / 2025 / ISBN 978-3-8321-6722-6 / 272 Seiten


Kurzmeinung: Ziemlich viele und ziemlich klischeehafte Charaktere, die hier im Altersheim zwischen Theaterproben und Mordermittlungen agieren, etwas lahm...

Samstag, 31. Januar 2026

Mercier, Pascal: Der Fluss der Zeit

 

Die Romane »Nachtzug nach Lissabon« und »Das Gewicht der Worte« verführten ein Millionenpublikum dazu, über große Themen wie Identität, Freiheit, Zeit oder den Sinn des Lebens nachzudenken. Nun ist Pascal Mercier in fünf bisher unveröffentlichten Erzählungen auch als Meister der kurzen Form zu entdecken: Kann ein Mann auf dem Höhepunkt seiner Jahre noch einmal die Zeit seines Aufbruchs ins Leben heraufbeschwören? Wann beschädigt Großzügigkeit die Würde eines Künstlers? Gibt es Emotionen, die unser Verstand nicht mehr erreicht? Noch einmal lernen wir mit Pascal Mercier unvergessliche Figuren kennen, die uns mit ihren Gefühlen und Gedanken sehr nahekommen – und dabei unverhofft Einblicke in unser eigenes Selbst eröffnen. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Hanser / 2026 / ISBN 978-3-446-28577-4 / 112 Seiten

Pascal Mercier bei Litterae Artesque: Das Gewicht der Worte



Kurzmeinung: Fünf ruhige Vignetten, die aus dem Nachlass des Autors stammen - Szenen des Innehaltens, des Bangens, des Loslassens, einer Entscheidung...