Dienstag, 22. September 2026

Scheuer, Norbert: Holunderholz

 

Nach dem Tod seiner Mutter versucht Johann, ein altes Tonbandgerät seines Großvaters zu reparieren. Was als technische Herausforderung beginnt, wird zu einer Suche, die ihn immer tiefer in die rätselhaften Aufnahmen hineinzieht. Als Programmierer ist es Johann gewohnt, Fehler in Systemen zu finden nun folgt er den Spuren einer Geschichte, die sich ihm nur bruchstückhaft erschließt. Die Tonbänder erzählen von einem ehemaligen Wehrmachtsobersten und einem stummen Mädchen, Rose. Zwischen Andeutungen und verstörenden Entdeckungen erkennt Johann Verbindungen zur verheerenden Explosion von Prüm im Sommer 1949. Während er in seiner Gegenwart zwischen beruflicher Entfremdung und einer heimlichen Affäre mit der verheirateten Maria taumelt, verdichten sich die Hinweise: Welche Verbindung besteht zwischen seiner Mutter und dem mysteriösen Mädchen? Wer war Rose wirklich? Und was geschah in jenem Sommer? (Verlagsbeschreibung)

DNB / C. H. Beck / 2026 / ISBN 978-3-406-85117-9 / 265 Seiten

Norbert Scheuer bei Litterae Artesque: Peehs Liebe I Flussabwärts



Kurzmeinung: Am Ende überwog nicht die Faszination für das Ungeklärte, sondern die Ernüchterung darüber, dass so vieles angedeutet und nicht wirklich greifbar wird...

Sonntag, 20. September 2026

Ravey, Yves: Nichts als heiße Luft

 

Barnett Trapp hat schon bessere Tage gesehen. Seine Firma für Krankentransporte befindet sich in Liquidation, und seine neue Geschäftsidee mit importierten Reinigungsmitteln läuft nicht richtig an. Zudem hat ihn seine Frau für einen penetranten Geschichtsprofessor verlassen, der schon mal prüft, wie man den gemeinsamen Hausstand der Trapps zu Geld machen kann. Da lernt Barnett seine neuen Nachbarn kennen, Miko und Sally. Miko gehört eine Wäscherei, in der augenscheinlich nicht nur schmutzige Wäsche gewaschen wird. Sally verbringt ihre Tage tendenziell am Pool, leicht bekleidet und schwer gelangweilt. Barnett zu verführen ist natürlich kein Problem. Doch dann schlägt sie vor, Mikos Safe auszurauben und gemeinsam nach Mexiko durchzubrennen. Was keine gute Idee ist. Denn Miko ist alles andere als ein sanfter Mensch… (Verlagsbeschreibung)

DNB / liebeskind / 2026 / ISBN 978-3-95438-184-5 / 112 Seiten

Kurzmeinung: Ein von schwarzem Humor durchzogener kurzer Noir-Roman über Selbstüberschätzung, Manipulation und den Versuch sich alles schönzureden...


Samstag, 19. September 2026

Capus, Alex: Querfeldein (Hörbuch)

 

In einem Schweizer Dorf an der Grenze zu Deutschland führt vor hundert Jahren der junge Wirt Arnold einen Gasthof. Bunte Vögel und düstere Gestalten überqueren die Grenze, manche kommen auch nachts und querfeldein. Am Stammtisch sitzen die Witzbolde aus dem Dorf. Eines Tages naht eine Fremde hoch zu Ross durch den Schnee. Ihr Name ist Betty. Arnold heiratet sie und bekommt mit ihr acht Kinder. Das Leben nimmt seinen Lauf, bis sich die älteste Tochter Clara 1933 in einen Schmuggler namens Hermann verliebt. Der bringt die Uniformierten auf beiden Seiten der Grenze gegen sich auf. Es kommt zum Drama – und das Dorf erhebt sich gegen eine Großmacht. (Verlagsbeschreibung)

DNB / der Hörverlag / 2026 / ISBN 978-3-8445-5722-0 / 429 Minuten

Alex Capus bei Litterae Artesque: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer I Léon und Louise I Königskinder


Kurzmeinung: Capus lässt Zeitgeschichte in den Alltag seiner Charaktere einfließen und das Geschehen dadurch sehr authentisch wirken. Gemächliche Autorenlesung...

Mittwoch, 16. September 2026

BlogPost 220: Dresden (er)lesen

Es ist bereits das zehnte Mal, dass auf Schloss Albrechtsberg, hoch über der Elbe bei Dresden, die kleine und feine Buch- und Verlagsmesse Dresden (er)lesen stattfand. Gleich hier ein Dank an Katharina Salomo, die es immer wieder schafft, am Tag des offenen Denkmals diese wunderschöne Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Natürlich war Litterae-Artesque wieder mit dabei.

Mit Carmen Rohrbach sprach ich über Reisen durch Patagonien und staunte über ihren Tripp allein durch den Jemen, mit Matthias Schildbach ging es um Kriegstagebücher und eine Idee zum Thema Königsstein, mit Jens Korch um Wannenbücher, mit Barbara Micklaw um Neues von Miarbilis, bei Thomas Zahn erinnerte ich mich an meinen Uropa, der Seilermeister war. Ich traf Patricia Holland Moritz und Frank Goldammer. Ein ausgiebiger Plausch mit Frank Eltsner zum Thema Liselotte Welskopf-Henrich musste sein.  Dann lauschte ich bei Lesungen Ulf Grossmann und Tankred Lerch und dann trof ich doch noch MissRose (Katja) zu einem Abschluss Capuccino. 

Einen Eindruck verschaffen vielleicht die drei folgenden Videos. Bis zum nächsten Mal.
©️ Der Bücherjunge


 





 

Dienstag, 15. September 2026

Finale: Babylon Berlin

Wir wissen, mit Volker Kutschers 10bändigem Werk hat die fünfstaffelige Serie Babylon Berlin nur noch einen Teil der Protagonisten und der Handlung gemein. 

In fünf Staffeln und 48 Folgen, 36 Stunden oder rund 2160 Minuten erzählen Tim Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten die Geschichte von Charlotte "Charly" Ritter und Gereon Rath und verwenden dazu Motive der ersten fünf Bücher von Volker Kutscher.

1929 kommt Gereon Rath (Volker Bruch), Kriminalkommissar, von Köln nach Berlin, und lernt dort Charly (Liv Lisa Fries) kennen, beide arbeiten später in der "Mord", der Inspektion von Kriminalrat Ernst Gennat (Udo Samel), der wirklich Kriminalgeschichte geschrieben hat. Zuschauer und Zuschauerinnen, Leserinnen und Leser lernten in Buch und Serie, dass die Ermittlungen am Tatort und die Spurensicherung grundlegend für den Erfolg von Kriminalfällen sind, äußeres Zeichen für die Berliner ende der zwanziger Jahre das "Mordauto" mit Spurentafeln und Fotoausrüstung zur Beweissicherung. Alles zur Vermeidung "Nasser Fische" - ungelöster Kriminalfälle. Daher der Name des ersten Kutscher-Buches: Der Nasse Fisch.

Montag, 14. September 2026

Pásztor, Susann: Von hier aus weiter

 

Nach dreißig Jahren Ehe ist Marlene plötzlich Witwe. Statt zu trauern, ist sie vor allem wütend. Die Mitglieder ihrer angeheirateten Großfamilie wundern sich über ihr Verhalten, aber Marlene lässt niemanden an sich heran. Bis sie eines Tages einen unerwarteten Mitbewohner bekommt. Nach Rolfs Tod schleppt sich Marlene mehr schlecht als recht durch ihren Alltag als Hinterbliebene. Erst als Klempner Jack, ihr ehemaliger Schüler, auftaucht und kurzerhand bei ihr einzieht, kommt Bewegung in ihr Leben: Jack entpuppt sich nicht nur als fantastischer Koch, sondern auch als einfühlsamer und aufmerksamer Mitbewohner. Aber warum Marlene nicht trauert, sondern vor allem wütend ist, kann auch er nicht so ganz begreifen. Während sich zwischen Jack und Marlenes Hausärztin Ida eine zarte Liebe anbahnt, taucht bei Marlenes Freundin Wally in Wien ein Brief von Rolf auf, der möglicherweise die Antwort auf alle offenen Fragen enthält. Gemeinsam mit Jack und Ida macht Marlene sich auf eine Reise, die völlig anders verläuft als erwartet. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Kiepenheuer & Witsch / 2025 / ISBN 978-3-462-00568-4 / 256 Seiten

Susann Pásztor bei Litterae Artesque: Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts I Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster I Die Geschichte von Kat und Easy


Kurzmeinung: Selbst ein Roman über Trauer kann unerwartet hoffnungsvoll sein und durch humorvolle Szenen eine schöne Leichtigkeit erhalten...

Samstag, 12. September 2026

Menasse, Eva: Alleinruhelage

 

Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen. Die nötige Hilfe ist quasi vom Himmel gefallen, Alla und Bolek aus Polen, zwei Kettenraucher, die alles können. Die Renovierungen und Rückschläge, die geplatzten Wasserleitungen und die Bosheiten der benachbarten Schrebergärtner lösen viele Erinnerungen und neue Erkenntnisse aus – und so manche Fallstricke der deutsch-deutschen Geschichte nimmt die Erzählerin womöglich genauer wahr, als Wienerin in der doppelten Fremde. Dann beschließt sie, das geliebte Haus zu verkaufen, um noch einmal aus- und aufzubrechen aus ihrer »stabilen Alleinruhelage«. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Kiepenheuer & Witsch / 2026 / ISBN 978-3-462-00262-1 / 224 Seiten

Kurzmeinung: Ruhiger Roman, der dem assoziativen Fluss der Gedanken und Erinnerungen der Ich-Erzählerin folgt - Zwischenbilanz eines Lebens...

Donnerstag, 10. September 2026

Neitzke, Mario: Orientierungslauf

 

Wie fühlt sich Reizüberflutung an? Warum kostet ein einfacher Behördengang manchmal mehr Kraft als ein Marathon? Wie klingt Misophonie? Wie denkt jemand, dessen Kopf nie wirklich still wird? Was passiert, wenn man den Kompass verlegt - und niemand erklärt hat, wofür er eigentlich gedacht war? Eine Sammlung literarischer Essays über Familie, Erinnerung, Reizüberflutung, Identität und den Versuch, im eigenen Kopf nicht verloren zu gehen. Es ist kein Ratgeber. Kein Fachbuch. Keine Autobiografie. Es sind Geschichten über das Leben mit einem Gehirn, das selten geradeaus denkt. Dieses Buch erklärt ADHS nicht von außen. Es versucht, von innen nach außen zu übersetzen. (Auszug aus der "Gebrauchsanweisung" zum Buch)

Lese- bzw. Rezensionsexemplar aus dem Selbstverlag / imkopfgegenstrom.de / 2026 / 168 Seiten



Kurzmeinung:  In den Social Media Kanälen erhält man durch manche Accounts einen Eindruck von einem Leben mit ADHS. Hier steht es schwarz auf weiß (oder weiß auf schwarz, je nachdem) und hat mich sehr beeindruckt.


Dienstag, 8. September 2026

Mendel, Meron: Über Israel reden

Fünfundzwanzig Jahre wuchs der Autor dieses Buches in Israel in einem Kibbuz auf und studierte Geschichte an der Universität in Haifa. Später setzte Meron Mendel das Studium in Frankfurt a.M. fort. Er promovierte an der Goethe-Universität über die Lebensraelitäten jüdischer Jugendlicher. 

Mendel leitet die Bildungsstätte Anne Frank. Wer wenn nicht er kann sich "einmischen" in die intensiven Debatten in Deutschland über Israel, die vermutlich in keinem anderen europäischen Land so geführt werden.

Der Pädagoge und Publizist beschäftigt sich in diesem Buch weniger mit dem Staat Israel selbst, mehr mit der emotional geführten, oft verbitterten Debatte, die sich aktuell auf deutschen Straßen in der Auseinandersetzung zwischen pro-palästinensischen und pro-israelischen Kundgebungen und Demonstrationen darstellt,  wobei die pro-Palästina Veranstaltungen überwiegen. Oft ist ein mehr als sichtbarer größerer Einsatz von Polizeikräften zum Schutz verschiedener Versammlungen, vor allem aber deswegen notwendig, damit jeweils Andersdenkende nicht angegriffen werden.

Kurzmeinung: Ein überaus informatives und aufschlussreiches Sachbuch über Israel und Deutschland.

Montag, 7. September 2026

Thürk, Harry: Taifun - Aufzeichnungen eines Geheimdienstmannes I-III


Zu Beginn eine „Buchgeschichte“ aus den Jahren 1988 und 2009.

Es wird im Jahre 1987 oder 88 gewesen sein. Da bekam ich ein Buch in die Hand gedrückt. Genauer gesagt, ich musste mich anstellen, denn eine Reihe anderer wollte es auch lesen. Dann las ich den ersten Band. Und wollte es kaufen. Also ging ich in das Haus des Buches am Dresdner Postplatz, die damalige Nr. 1 Buchhandlung der Stadt.

Ich: "Tag auch, ich hätte gern den Thürk Roman "Taifun". 
Verkäuferin: "...tut mir leid, Kenn ich nicht."
Ich: "Na so was, hab ich ja bereits gelesen..."
V: "Kann nicht sein..."
Ich: "Doch..."
V: "Sie meinen bestimmt "Der schwarze Monsun"
Ich: "Nee..."

So ging das eine Weile hin und her. Sie schaut ind die Bibliographie und sagt: "Gibt es nicht!!!" (Mit drei Ausrufezeichen) Langsam hielt sie mich wohl für bescheuert.

Raus kam aber später: Der Roman wurde zwar im mitteldeutschen Verlag verlegt, aber zuerst nur in Staatssicherheitskreisen vertrieben. So geheim waren die nun auch nicht, das Buch war dort wohl nicht als "Geheime Kommandosache" eingestuft. Bis 1989 war es nicht mehr weit hin, mein Exemplar ist von 1990, mit ISBN Suche wird auch nur 1990 angegeben. Jedenfalls hab ich es vor dem Erscheinen im Mitteldeutschen Verlag gelesen.