Sonntag, 12. Juli 2026

Reva, Maria: Ein Königreich für eine Schnecke

 

Ukraine, 2022. Jewa ist eine Schneckenforscherin, die aussterbende Arten – sogenannte Endlinge – in einem mobilen Labor retten will. Die immer erfolglosere Arbeit finanziert sie mit ihrer Schönheit. Als „Braut“ einer Heiratsagentur unterhält sie westliche Männer auf der Suche nach einer fügsamen Frau fürs Leben. So lernt sie die Schwestern Nastia und Sol kennen, die das aktivistische Werk ihrer vermissten Mutter fortsetzen wollen. Ihr Plan: Heiratstouristen in Jewas Transporter kidnappen und aufmerksamkeitsträchtig im Wald aussetzen. Bald geht's los: drei wütende Frauen, dreizehn ahnungslose Junggesellen und Lefty, eine linksgewundene Schnecke, das letzte Exemplar ihrer Art – doch dann überfallen die Russen das Land... Und der Roman nimmt eine ungeahnte Wendung. Oder zwei. Denn wenn die Wirklichkeit in die Fiktion einfällt, wird es wild und schwarzhumorig. (Verlagsbeschreibung)

DNB / dtv / 2026 / ISBN 978-3-423-28548-3 / 480 Seiten

Kurzmeinung: Ein eigenwilliger, intelligenter Roman, der Humor und Verzweiflung, Naturbeobachtung und Metafiktion auf beeindruckende Weise verbindet...

Donnerstag, 9. Juli 2026

Cronin, Marianne: Die hundert Jahre von Lenni und Margot

 

Das Leben ist kurz. Niemand weiß das besser als die siebzehnjährige Lenni. Sie leidet an einer unheilbaren Krankheit, die ihr nicht mehr viel Zeit lässt. Was soll sie mit gleichaltrigen Freunden, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben? Was soll sie anfangen mit der ihr verbleibenden Zeit, wenn sie noch so viele Fragen hat, die das Leben ihr nie beantworten wird? In einem Malkurs im Krankenhaus trifft sie auf Margot: dreiundachtzig, voller Lebenserfahrung, Witz und Widerspenstigkeit. Margot weiß, wie es ist, im letzten Kapitel des Lebens angekommen zu sein. Als sie entdecken, dass sie zusammen genau einhundert Jahre gelebt haben, fühlt es sich für Lenni an wie ein Weckruf. Sie wollen gemeinsam Bilder malen – für jedes ihrer hundert Jahre eins. Für all die kostbaren Momente, voller Liebe, Lachen und Weinen, voller Erinnerungen, von denen sie sich gegenseitig erzählen. Und auch wenn ihre gemeinsame Geschichte sich dem Ende neigt, spüren sie doch umso mehr, dass im Leben jeder Moment zählt, bis zum letzten Augenblick… (Verlagsbeschreibung)

DNB / C. Bertelsmann / 2022 / ISBN 978-3-570-10462-0 / 400 Seiten

Kurzmeinung: Berührend, lebensbejahend - und mit kleinen Längen...

Dienstag, 7. Juli 2026

Thürk, Harry: Die Stunde der toten Augen

Autobiografisches in einem zeitlosen Kriegsbuch


Dieses ist ein für die DDR äußerst ungewöhnliches Kriegsbuch, das Harry Thürk (1927 – 2005) in den fünfziger Jahren schrieb. Die ersten Exemplare zwischen 1958 und 1960 wurden eingestampft und aus den Bibliotheken entfernt. Es wurde trotzdem eines der meistgelesenen Bücher im Osten Deutschlands. 
„Sie beherrschten alles, was nötig war, um ein Unternehmen wie dieses auszuführen. Sie beherrschten nicht nur ihre eigenen Waffen, sondern auch die, mit denen der Gegner ausgerüstet war. Sie waren im Kraftfahren ausgebildet, in der Technik des Sprengens und im Minenlegen. Sie beherrschten ein halbes Dutzend verschiedener Methoden zu töten.“ (Klappentext)

Montag, 6. Juli 2026

Links, Christoph: Verschwundene Verlage...

Verschwunden? Verlage und Literatur

... ein unbekanntes Kapitel ostdeutscher Kulturgeschichte

Die DDR war ein Leseland. Sagt man. Liest man immer wieder. Ihre Literatur ist umstritten. Im Streit geht es um die Frage, ob die Literatur nun einerseits das alltägliche Leben östlich der Elbe wieder spiegeln kann oder ob sie, wenn die Autoren nicht zwischen 1949 und 1989 in die Bundesrepublik gewechselt sind, vor allem eine diktaturverherrlichende Literatur war. Doch darüber wird an anderer Stelle demnächst zu schreiben sein. Hier geht es darum, wie denn das Verlagswesen aussah, in dem die Bücher gedruckt wurden.

Für das erste Thema hat der Literaturprofessor Carsten Gansel das Buch Ausradiert? – Wie die Literatur der DDR verschwand geschrieben. Das zweite Thema bediente Christoph Links in Verschwundene Verlage – Ein unbekanntes Kapitel ostdeutscher Kulturgeschichte.

Beide Fragen gehören einerseits zusammen, beide Verfasser fragen nach Kulturgeschichte, andererseits geht es bei der Literatur hauptsächlich um die aus Verlagen, die "immer" da waren. 

Der CH.Links Verlag war eine der ersten Neugründungen im Herbst 1989 und versuchte, „die weißen Flecken der jüngsten deutschen Geschichte aufzuarbeiten und die realen Verhältnisse der DDR zu analysieren.“ Seit 2019 gehört der Verlag zu den Aufbau – Verlagen. Der Aufbau – Verlag des Kulturbundes erhielt bereits 1945 eine der ersten Lizenzen der Sowjetischen Militäradministration und brachte als erste Titel unter anderem Heinrich Heines Ein Wintermärchen“ und Theodor Pleviers „Stalingrad“ heraus. 

Donnerstag, 2. Juli 2026

Die Chárdásfürstin im Schlossgarten Neustrelitz


Operetten-Festspiele in Neustrelitz – erneut erklingt der Chárdás im Schlossgarten

Mit der Premiere zur Neuaufführung der Operette Die Chárdásfürstin von Emmerich Kálmán startet am 03. Juli 26 die Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg / Neustrelitz die Festspiele im Schlossgarten Neustrelitz. Elf Aufführungen sind bis zum 26. Juli geplant.

Mittwoch Abend, zwei Tage zuvor im Schlosspark. Generalprobe. Die Sonne scheint vom Zierker See über die Baumwipfel, sie strahlt die Schlosskirche an, deren Backsteintürme hinter der Bühne in den Himmel ragen. Vor der hohen Zuschauertribüne eine Bühne, die aus einem einzigen roten, faltenwerfenden Vorgang zu bestehen scheint. Auf dem Boden liegt allerlei Krims-Krams. Ein Theater im Aufbruch oder im Abriss? Der Bühnenrand sieht aus wie eine Pier oder Mole mit Pollern, sollen da Schiffe anlegen können? Oder ist das der Donaustrand?

©️UR

Mittwoch, 24. Juni 2026

Khalidi, Rashid: Der hundertjährige Krieg um Palästina

So unterschiedlich wie die öffentliche Wahrnehmung zur aktuellen Berichterstattung über den Nahostkonflikt ist auch die Literatur zum Thema. Schon der Titel des Sachbuches von Rashid Khalidi (*1948) lässt keine Zweifel offen, um was es geht, wenn der us-amerikanisch-palästinensische Historiker den Nahostkonflikt als einen hundertjährigen Krieg um Palästina beschreibt und mit einer Geschichte um Siedlerkolonialismus und Widerstand untertitelt, wobei mit Widerstand der der palästinensischen arabischen Bevölkerung gemeint ist.

Montag, 22. Juni 2026

Wolffsohn, Michael: Wem gehört das heilige Land?

Ein Frage, die angesichts der Diskussionen um Palästina immer wieder gestellt werden muss. Der Historiker Michael Wolffsohn, der bis 2012 an der Bundeswehruniversität München Neuer Geschichte lehrte, geht dabei weit in die Geschichte zurück.

Die Frage, die der Publizist im Titel stellt, ist rein mit exakter Geschichtswissenschaft nicht zu beantworten.

Er widmet sich in diesem den Wurzeln des Palästinakonflikts zwischen Juden und Arabern im Nahen Osten. Die Frage nach dem Besitz betrachtet er einmal religiös unter Rückgriff auf das Alte Testament bzw. die Tora, geht weiter auf die verschiedenen "Besitzer" in den aufeinanderfolgenden geschichtlichen Epochen ein, einschließlich der aktuellen politischen Epoche. Hierbei word man unterscheiden müssen zwischen der Zeit vor 1948 und die Zeit nach der Staatsgründung Israels.

Wolffsohn räumt dabei mit vielen Mythen auf. Obwohl der Versuch, wissenschaftliche Fakten von religiösen und ideologischen Narrativen zu trennen dem versierten Wissenschaftler gelingt, kann er am Ende die selbstgestellte Frage nicht beantworten.

  • DNB / 2002 Piper Verlag / Audio Verlag München 2024 - audible.de / ISBN - Print: 978-3-492-23495-5 / rund 300 Seiten oder 9 Std. und 20 Minuten
  • Wolffsohn, Michael: Webseite

Sonntag, 21. Juni 2026

Howidy, Hamza Abu: Muscheln am Strand von Gaza

Erinnerungen an ein zerstörtes Land untertitelt Hamza Abu Howidy das vorliegende Buch, der sich erinnert, am Strand von Gaza einst Muscheln gesammelt zu haben. Es ist ein neues, ein aktuelles Buch aus dem Fischer-Verlag.

Ein autobiografisches Buch aus der Feder eines 1997 in Gaza geborenen Palästinensers, erzogen in einer Welt, in der seit Jahren eine politische Organisation Politik macht, die ihre islamistischen Ansichten einerseits mit militärischer Gewalt gegen Israel darstellt, anderseits gegenüber der palästinensischen Bevölkerung mit Haft und Folter agiert, wenn diese nicht spurt. Die HAMAS und ihr militärischer Arm, bezeichnenderweise Islamischer Dschihad genannt, ist diese Organisation, die einst aus der Muslimbrüderschaft hervorging.

Dienstag, 16. Juni 2026

Goldammer, Frank: Strandopfer

Aus dem offiziellen Polizeibericht des deutschen Bundeskriminalamtes und der Komenda Wojewódzka Policji Szczecinie:

Sachverhalt:
Am Montag gegen 08:00 Uhr wurde am Hauptstrand von Misdroy (Wasserkante, fester Sand) die Leiche einer männlichen Person entdeckt. Die Identität wurde zweifelsfrei als Joachim Hundt (53), deutscher Staatsbürger, festgestellt. Das Opfer war lediglich mit einer dunklen, eng anliegenden Badehose bekleidet...

Todesursache: Ertrinken...
Fremdkörper: Polierter Bernstein (39g) im Rachen (Blockade der Atemwege)...
Traumata: Keine Anzeichen von Gewaltanwendung, keine Abwehrspuren oder Verletzungen im Mundraum...
Bewertung: Ein Unfall wird aufgrund der Platzierung des Bernsteins ausgeschlossen. Es besteht ein direkter Kausalzusammenhang mit der Entführung der zehnjährigen Luisa....“

Unterschrieben haben den Bericht Lena Schuldt vom deutschen BKA und Adam Krawczyk von der polnischen Polizei.

So steht es im „Offiziellen Polizeibericht“, den der Verlag zum Rezensionsexemplar gleich mit lieferte. Dafür und überhaupt schon mal lieben Dank und ein kleiner Tipp: Ich habe noch nie einen „Inoffiziellen Polizeibericht“ gesehen...
Goldfarben wie der Bernstein, der im Halse stecken blieb...

Samstag, 13. Juni 2026

Ayoub, Susanne: Rondo Veneziano

 

Die Zahnärztin Adele kann ohne Arbeit nicht sein, Bibliothekarin Chris ist frisch pensioniert und Biggi musste kürzlich ihre Boutique für immer zusperren. Auf einem Vaporetto in Venedig begegnen sich die drei ehemaligen Schulfreundinnen - und sind gleich darauf in einen Kriminalfall verstrickt: Adeles reiche Wahltante, die Kunstsammlerin Pauline, hatte in ihrem Palazzo angeblich einen tödlichen Unfall. Hat sie etwa jemand die Treppe hinuntergestoßen? Der dubiose Neffe aus Amerika wird verdächtigt, zu Unrecht? Eine Spur führt die drei Frauen zu einem armenischen Kloster auf der Insel San Lazzaro in der Lagune. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Gmeiner / 2023 / ISBN 978-3-8392-0405-4 / 288 Seiten


Kurzmeinung: Weniger ein klassischer Krimi als ein atmosphärischer Genremix in Venedig - der eigentliche Fall bietet dann noch einige Überraschungen...