Dienstag, 17. März 2026

Vom Atlantik zum rauchenden Berg und donnerndem Eis.


Wohin in Argentinien? Warum nicht Patagonien, begrenzt von Rio Colorado im Norden und der Magellan-Straße im Süden. Rund eine Million Quadratkilometer umfasst das Gebiet in Argentinien und Chile.

Im Frühling, also im November, fliegen wir von Buenos Aires an die Atlantikküste, nach Commodoro Rivadavia. Von November bis Mitte Dezember ist vielleicht die beste Zeit für eine solche Reise. Wind, Sonne und Staub begleiten uns auf dem Weg in Richtung Westen. Wir besuchen einen versteinerten Wald, eine Pinguin-Kolonie und betrachten eine Erdölpumpe in einem der größten Ölfelder der Welt, Vaca Muerte, aus der Nähe. Hier werden Schieferöl und Schiefergas durch Fracking gewonnen.

Den Mietautos wird auf den Schotterpisten eine Menge zugemutet. Wäre die berühmte Ruta 40 voll asphaltiert, könnte man schläfrig werden beim Durchfahren dieser oft ebenen Landschaft. Plötzlich: eine Kurve, eine Erhebung und die Sonne färbt eine Hügellandschaft neu ein. Manchmal hängt ein totes Guanako in den Zaunreihen. 

Viele interessante Orte und Landschaften besuchen wir, fahren den stürmischen Lago Buenos Aires entlang und lassen uns durch die Cuevas de las Manos mit den prähistorischen Handabdrücken in der malerisch grünen Schlucht des Rio Pinturas führen. Das nächste Ziel ist El Chalten, eine junge Bergsteigerstadt, die nach dem Rauchenden Berg, dem Fitz Roy, benannt wurde. Das Wahrzeichen des Nationalparks Los Claciares ist meist wolkenverhangen. Bei strahlend blauem Himmel erreiche ich eine herrliche Aussicht auf das schneevereiste Felsmassiv und den von Gletschern gespeisten, kurvenreichen Rio de las Vueltas im Tal.  Es gelingt, den Koloss als ausgegangene Räucherkerze abzulichten. Die indigenen Tehuelche nannten den schroffen schnee- und eisumgebenen, meist umwölkten Berg deswegen den Rauchenden, das erzählt Carmen Rohrbach, die weltreisende Biologin und Reiseautorin, in ihrem Buch Patagonien.

Darin las ich auch, dass Francisco Pascasio Moreno, genannt Perito Moreno, ihm den Namen des Kapitäns der „Beagle“, mit der Darwin reiste, gab. Nach dem Forscher Moreno ist der berühmten Gletscher benannt, den wir entlang des Lago Argentino, von Calafate kommend, zum Abschluss der Reise besuchen.  Aus donnernd abgebrochenen Eisblöcken werden kleine bläulich schimmernde Eisberge, die geräuschlos durch den See gleiten.

Auf rund 1350 Kilometern bereisten wir Patagonien, bevor uns der Flieger in die Stadt der Guten Winde, zurückbringt. Unübersehbare Weite, Steppe, Wind, Staub, Farben, Sonne, große Seen und die Kette der Anden. Unvergesslich.


Der Text entstand für eine Einsendeaufgabe in meinem Journalistik-Kurs.  Kommentare sehr erwünscht.

Hier gibt es vollständigen, viel bebilderten Reisebericht durch Patagonien:

Tag 5 - Lago Buenos Aires - Verhinderte Bootstour
Tag 6 - Bunte Hände in den Cuevas de las Manos
Tag 8 - Nach El Calafate
Tag 10 - Perito Moreno


©️ Bücherjunge


Montag, 16. März 2026

Hein, Christoph: Das Narrenschiff

Das hier zu besprechende Buch ist vor einem Jahr veröffentlicht wurden. Der Grund, warum ich es mir nun vorgenommen habe, liegt in der Lektüre einer Rezension und eines Spiegel-Interviews, beides vom Mai 2025. Darauf komme ich bald zurück.

DDR-Geschichte zu rezipieren, scheint immer schwieriger zu werden. Momentan verstärken sich so Meldungen, die den Staat östlich der Elbe überaus positiv zeichnen. Die hiesige Tageszeitung, Nordkurier, druckt am 12.03.26 einen Artikel „Ostalgie fast ohne Zwischentöne“. Auf einer Bühne vereint: Egon Krenz, Gustav Adolf "Täve" Schur, Waldemar Chierpinski und Frank Schöbel. Schon der Artikel taugt nicht viel, denn vorgestellt werden neben einigen Zitaten vor allem Besucher, die aus marginalen Gründen hingingen, die mal einen Blick auf diese illustre Garde werfen wollten.  Einschließlich Autogrammmöglichkeit, Buchverkauf und einem neuen Lied eines Schlagerbarden.

Von den Genannten tritt nur einer als Nebenfigur im 700seitigen Roman von Christoph Hein auf, indirekt, denn er wird dort vom ehemaligen ZK-Mitglied und Ökonomieprofessor Karsten Emser immer nur „der Jungpionier“ genannt. (Als ich Pionier wurde, war Krenz Vorsitzender der Pionierorganisation, das war 1970).

Mittwoch, 11. März 2026

Follett, Ken: Stonehenge - Die Kathedrale der Zeit

Es gibt Orte in der Welt, die jeder kennt. Man muss nicht mal dort vor Ort gewesen sein. Manchmal nennt man diese Orte, die Bauten dort, Weltwunder. Jetzt würde jeder an die Pyramiden von Giseh denken, aber im Titel dieser Rezension steht Stonhenge.

"Der Name Stonehenge stammt aus dem Altenglischen stān hencg, wobei stān „Stein“ bedeutet und hencg entweder „Angel“ oder „Scharnier“ meint – eine Anspielung auf die zapfenartigen Verbindungen der Decksteine. „Henge“ bezeichnet heute einen ringförmigen Erdwall mit Graben, doch Stonehenge ist ein atypisches Beispiel, da der Graben innen liegt."

Aha, jetzt wissen wir (dank KI Comet) Bescheid. Aber wir wissen ja nichts. Während weiter im Osten, in Kleinasien - Mesopotamien, die ersten Stadtstaaten entstehen, große Bauten, Städte, Tempelanlagen und die Keilschrift, findet sich im Westen Europas nichts davon. Die jungsteinzeitlichen Menschen schrieben nichts auf...

Wie schreibt man dann ein Buch über die Errichtung des megalithischen Steinkreises in der Nähe von Salisbury? Ken Follett hat es getan...

Dienstag, 10. März 2026

Stürikow, Regina: Kommissar Gennat und der BVG-Lohnraub

 

Leserinnen und Leser, wenn sie gern Kriminalromane lesen, haben da so ihre kriminalistischen Vorlieben. Vor allem bei Regionalkrimis und diversen Buchreihen folgen sie ihren Spezies, die da Max Heller (Frank Goldammer) oder Julia Durant (Andreas Franz), Toni Sanftleben (Tim Pieper) oder Harry Hole (Jo Nesbø) heißen. (Hier auf diesem Blog gibt es außer diesen noch mehr)

Wer sich einer Reihe namens Babylon Berlin näherte und Volker Kutschers Gereon Rath folgte, lernte dabei einen dicken Kriminalrat kennen, der mal keine fiktive Figur darstellte, Ernst Gennat (1880 – 1939) arbeitete während der Kaiserzeit, der Weimarer Republik und unter den Nationalsozialisten in der Berliner Polizei, der Aufbau einer modernen Mordkommission geht dabei auf sein Konto. Bei Volker Kutscher lesen wir, dass das „Mordauto“, bestückt mit Tatortuntersuchungsmaterial, unter den Berlinern bekannt war.

Gennat galt länger als vergessen. Regina Stürickow hat ihren Anteil daran, dass er, der „Buddha vom Alexanderplatz“ in diversen Büchern wieder auflebt.

Montag, 2. März 2026

Dohrweiler, Ralf H: Die Farbe des Bösen

Kriminalkommissar Rieker hätte eher nicht angenommen, dass er noch einmal auf Johanna, die Tochter des Richters Ahrens treffen würde. Mitte der 80ger Jahre des 19. Jahrhunderts treiben sich höhere Töchter eher selten in alten Fabriken rum und versuchen herauszukriegen, ob unter den Beschäftigten einer Tapetenfabrik, welche sind, die den Sozis zuneigen. Wie macht man das? In der tagesüblichen Kleidung der Johanna Ahrens geht das nicht. Da muss man sich schon in andere Kluft werfen.

Johanna, deren Augen meist offener sind, als es gut sie wäre. beobachtet dann auch einen kleinen und einen großen Mann, die etwas transportieren, was seltsam aussieht. Dass sie dabei mit gerafften Rücken hinter einem Gebüsch hockt, was ja manchmal sein muss, passt zur Arbeiterin Mechthild...

Es dauert diesmal etwas länger, aber bald führt der Fall mit mehreren Toten ohne Zähne die beiden wieder zusammen. Auch Arsen ist im Spiel. In den Tapeten und anderswo.

Donnerstag, 26. Februar 2026

Das Lied von Eis und Feuer in der Vier-Tore-Stadt

Wissen Sie, wie viele Folgen Game of Thrones und House of Dragon (bisher) zusammen aufweisen? Oder haben Sie schon mal gegoogelt (oder eine KI befragt), wie viele einzelne veröffentlichte Musikstücke beide Serien zurzeit aufweisen? Ich sag es Ihnen: Es sind 91 Folgen und es sollen 323 Musikstücke sein.  Die Musik wurde unter der Leitung des Kompositeurs Ramin Djawadi geschaffen und wurde vor vierzehn Tagen in der Konzertkirche Neubrandenburg dargeboten. 

Nein, nein, es wurden vom Cinema Festival Symphonics Orchestra unter Leitung von Stephen Ellery laut Programmheft ohne Zugabe fünfunddreißig Stücke gespielt. Die Akustik war, wie immer in diesem wunderbaren Musiktempel der Vier-Tore-Stadt, brillant. Optisch spielte das Orchester in schmaler Besetzung, allerdings waren gleich drei Schlagwerker im Einsatz. Die Musikerinnen und Musiker boten Musik vom Feinsten, Soli von Posaune, Waldhorn oder E-Piano wirkten dabei als Glanzpunkte. The Light of Seven, eines der Stücke, in denen der Pianist eine tragende Rolle besitzt, kam dabei etwas kurz, dies zeigt, dass es inzwischen unzählbare Versionen gibt.

Hervorgehoben werden kann das beeindruckende Zusammenwirken von Chor und Orchester, einschließlich der drei Gesangssolisten. Der Bass, Yonatan Pandelaki, begeisterte im zweiten Teil mit dem Lied Regen von Castamaer, bei dem Ellery eine Elektrogitarre spielte und das Stück förmlich zum Rocksong mutierte. 

Montag, 23. Februar 2026

Krüger, Michael: Aus dem Leben eines Erfolgsschriftstellers


Welche Kurzgeschichte fanden Sie am amüsantesten? Das fragt Ralf Plenz, der Verleger des Input-Verlages zu Beginn der Fragestellungen für Lesegruppen oder Lesekreise. Ich weiß es nicht. Oder doch? Bis ich bei „Ein Mord, den jeder begeht“, der zwölften von 13 Geschichten angelangte, meint ich, den „Onkel“ dazu küren zu müssen.

Sonntag, 22. Februar 2026

Chafe, Perry: Sommer auf Perigo Island

 

Sommer 1991 auf Perigo Island vor der Küste Neufundlands. Der zwölfjährige Pierce und seine Freunde Bennie und Thomas verbringen ihre Ferien damit, den im Hafen ankommenden Fischern beim Sortieren ihres schwindenden Fangs zu helfen. Bis sie erfahren, dass ein Mädchen von der Insel vermisst wird: ausgerechnet Anna, die in geheimer Verbundenheit zu Pierce stand und als Einzige von seiner Angst vor dem offenen Wasser wusste, die ihn quält, seit sein Vater auf See verschwand. Zusammen mit Bennies New Yorker Cousine Emily setzen die Freunde alles daran, Anna zu finden. Auf ihrer abenteuerlichen Suche werden sie einem mysteriösen Meeresbiologen begegnen, eine Faszination für die Geheimnisse des Ozeans entwickeln, sich zum ersten Mal verlieben und sich ihren größten Ängsten stellen müssen. (Verlagsbeschreibung)

DNB / mare / 2026 / ISBN 978-3-86648-720-8 / 272 Seiten


Kurzmeinung: Verlust, Freundschaft und erste Liebe in einem Genremix aus Coming-of-Age, Jugendroman, Krimi, Abenteuerroman - atmosphärisch und spannend.


Samstag, 21. Februar 2026

Kästner, Erich: Als ich ein kleiner Junge war


Wer hat diesen Satz nicht schon gebraucht. Je älter jemand wird, desto häufiger vermutlich. Erich Kästner hat ein ganzes Buch so genannt. Ein Buch, bei dem man durchaus sagen kann, dass es für Kinder und Erwachsene geschrieben wurde. Kästner will den Kindern selbst von der Zeit vor 50 Jahren erzählen. Heute sind es bereits mehr als 100 Jahre vergangen, seit Erich Kästner ein kleiner Junge war.

Gestern spielte Walter Sittler im Schauspielhaus Dresden den Erich Kästner und erzählte aus der Zeit  als der ein kleiner Junge war. Werfen wir einen Blick in das Buch und auf die Bühne.

  • DNB / Hellerau - Verlag / 1999 / ISBN: 9-783-910184688 / S
  • Atrium Verlag / 978-3-85535-611-9

Freitag, 20. Februar 2026

Bhatter, Ina: Drei Tage im Schnee (Hörbuch)

 

Hannah führt ein turbulentes Großstadtleben. Sie hetzt von einem Termin zum nächsten und verbringt ihre Tage damit, auf Dinge zu reagieren, die von außen auf sie einströmen, findet kaum Zeit für sich selbst. Um abzuschalten, mietet sie sich für ein paar Tage ein kleines Holzhaus an einem See, eingebettet in weiß verschneite Natur. Plötzlich taucht dort ein Kind in einem roten Schneeanzug auf: die kleine Sophie. Die beiden freunden sich an. Während sie in der entrückten Winterwelt Iglus bauen und Schneeengel machen, kommt Hannah so allerlei in den Kopf, was sie längst verloren glaubte: alte Freundschaften, vergessene Sehnsüchte und Talente. Etwas verschiebt sich und alles ordnet sich neu an. Allmählich beginnt Hannah, ihr Leben und die Welt in einem neuen Licht zu sehen: bunt und echt wie in ihrer eigenen Kindheit.

DNB / argon hörbuch / 2025 / ISBN 978-3-7324-2174-9 / 202 Minuten

KurzmeinungKeine neuen Erkenntnisse, aber ein entschleunigter Reminder für mehr Achtsamkeit und eine wohlwollende Haltung sich selbst gegenüber...