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Mittwoch, 25. Juni 2025

Jelinek, Elfriede: Die Klavierspielerin (Hörbuch)

  

Als Kind von ihrer kontrollsüchtigen Mutter zum Klavierspiel gezwungen, übt sich Erika Kohut als erwachsene Frau in der Unterdrückung ihrer selbst. Unter der andauernden Umklammerung ihrer Mutter findet sie weder einen Zugang zu sich noch zu anderen Menschen. Nur im sadomasochistischen Verhältnis zu einem ihrer Schüler sieht die Klavierlehrerin einen Ausweg, verstrickt sich jedoch immer tiefer in grausame Machtspiele, die blutig enden. Das Psychogramm der Klavierlehrerin: verstörend schauerlich und ästhetisch grazil. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Der Audio Verlag (Antiquariat) / 2019/ ISBN: 978-3-7424-1130-3 / 222 Minuten
 
 
  
Kurzmeinung: Sprachvirtuos aber absolut verstörend...


Dienstag, 28. Februar 2023

Hamsun, Knut: Hunger

Ein junger Mann irrt durch eine Stadt, ohne Ziel und Daseinszweck, körperlich ausgezehrt, doch «vom fröhlichen Wahnsinn des Hungers gepackt». Das ist es, was ihn aufrecht hält: ein irrlichternder Geist, ein seismografisches Empfinden, eine fantastische Erfindungs- und Einbildungskraft. Den Kapriolen seiner halluzinatorischen Zustände verdankt der weltberühmte Roman jene ungeheure Komik, die schon Astrid Lindgren begeisterte. Nicht, was in ihm geschildert wird – nämlich die manischen Ausgeburten von «Hirnfieber» bei Nahrungsentzug –, sondern, wie diese existenzielle Grenzerfahrung gestaltet ist, macht ihn zu einem Meilenstein der literarischen Moderne. Der desolaten Verfassung des Ich-Erzählers entspricht ein fiebriger Sprachduktus, der Scham und Größenwahn, Verzweiflung und Überspanntheit nicht nur behauptet, sondern erstmals eine eigene radikale Erzählweise dafür findet. Über weite Strecken im inneren Monolog gehalten, entwickelt Hamsun hier Stilmittel, die Jahrzehnte später Marcel Proust, James Joyce oder Virginia Woolf aufgreifen werden. Nie zuvor oder danach sind Entbehrung und Hunger – der nach Brot wie der nach Anerkennung und Liebe – mit so ergreifender Tragikomik wiedergegeben worden wie im Hauptwerk des späteren Nobelpreisträgers.  (Klappentext)

DNB / Manesse / 2023 / ISBN: 978-3717525608 / 256 Seiten




 Kurzmeinung:

 
Das Wort "Klassiker" sagt nichts darüber aus, dass einem jedes Werk gefallen muss, das unter diesen Begriff fällt. Einfach nur anstrengend!
 

Sonntag, 20. November 2022

Gurnah, Abdulrazak: Nachleben

Ilyas ist elf, als er aus Not sein bitterarmes Zuhause an der ostafrikanischen Küste verlässt und von einem Soldaten der deutschen Kolonialtruppen zwangsrekrutiert wird. Jahre später kehrt er in sein Dorf zurück, doch seine Eltern sind tot. Ilyas macht sich auf die Suche nach seiner kleinen Schwester Afiya, die bei Verwandten untergekommen ist, wo sie wie eine Sklavin gehalten wird und niemand ihre Talente sehen will. Auch ein anderer junger Mann kehrt nach Hause zurück: Hamza war von seinen Eltern als Kind verkauft worden und hatte sich freiwillig den deutschen Truppen angeschlossen. Mit nichts als den Kleidern am Leib sucht er nun Arbeit und Sicherheit – und findet die Liebe der klugen Afiya. Während das Schicksal die drei jungen Menschen zusammenführt, während sie leben, sich verlieben und versuchen, das Vergangene zu vergessen, rückt aus Europa der nächste Weltkrieg bedrohlich näher… »Nachleben«, der jüngste Roman des Nobelpreisträgers Abdulrazak Gurnah, ist die ebenso kluge wie bestürzende Geschichte von Menschen, die im Schatten der kolonialen Weltordnung um ihre Unversehrtheit kämpfen. (Klappentext)





Im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin durfte ich den neuesten Roman des letztjährigen Literaturnobelpreisträgers kennenlernen. Gleichzeitig war dies auch das erste Werk Gurnahs, das ich gelesen habe. Es war sehr angenehm zu erfahren, dass auch ein Nobelpreisträger verständlich und klar schreiben kann ohne komplizierte literarische Kapriolen, dass der Aufbau des Romans trotzdem etwas Besonderes aufweisen kann und dabei Bedeutungsebenen hinter dem konkret Beschriebenen erkennbar sind. Da auch die Kolonialgeschichte ein dunkles Kapitel Deutschland ist, zählt der Roman für mich daher zu den im Blog vorgestellten Büchern "Gegen das Vergessen". Wikipedia weiß hierzu zu berichten: "In Deutsch-Südwestafrika begingen die deutschen Kolonialherren den Völkermord an den Herero und Nama, den ersten in der Geschichtsschreibung anerkannten Völkermord des 20. Jahrhunderts." Gurnah berichtet hier konsequent aus der Sicht der Betroffenen. Wie mir der Roman gefallen hat, könnt Ihr hier nachlesen:

Sonntag, 27. März 2022

Müller, Herta: Die Nacht ist aus Tinte gemacht (Hörbuch)

In Die Nacht ist aus Tinte gemacht erzählt die Berliner Schriftstellerin Herta Müller ihre Kindheit im rumänischen Banat. Aus dem Gespräch heraus, ohne Manuskriptvorlage, erzeugt ihre behutsam sich vorantastende Stimme eine dichte, spannungsreiche Atmosphäre, in der vor dem Ohr des Hörers eine Welt zum Leben erweckt wird, die nur noch in der Erinnerung existiert. (Klappentext)








  • Herausgeber ‏ : ‎ supposé; 1. Edition (16. Oktober 2009)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Erzählerin  : Herta Müller
  • Ausgabe  : ungekürzt, 1 Stunde und 54 Minuten
  • ASIN  : B002TVQDFY


     

Seit der Lektüre ihres Romans 'Atemschaukel' habe ich mich bislang an kein weiteres Werk der Literaturnobelpreisträgerin (2009) gewagt. Als ich dann auf dieses doch recht kurz gehaltene Hörbuch stieß, erwachte jedoch sogleich mein Interesse, hier einen kleinen Einblick in die frühe Lebensgeschichte der Schriftstellerin zu bekommen - zumal sie hier (ausschließlich) selbst zu Wort kommt. Wie es mir damit erging, könnt ihr gerne hier nachlesen:


Sonntag, 19. September 2021

Modiano, Patrick: Unsichtbare Tinte

Wer ist Noëlle Lefebvre? Warum verlor sich Mitte der 60er Jahre ihre Spur? Jean Eyben ist knapp zwanzig, als er in einer Pariser Detektei anheuert und auf die verschwundene Noëlle Lefebvre angesetzt wird. Alle Hinweise führen ins Leere, doch das Rätsel lässt Jean auch Jahre später nicht los. Da sind die Namen von Noëlles Kontakten, das schmale, damals heimlich entwendete Dossier und ihr sporadisch geführter Kalender mit dem geheimnisvollen Satz „Wenn ich gewusst hätte…“. Als Jean einen Jugendfreund trifft, erscheint ihm ein Detail plötzlich von Bedeutung: Noëlle Lefebvre stammt aus „einem Dorf in der Umgebung von Annecy“. So wie er selbst. Ein verblüffender, tief berührender Roman über die Hoheit der Erinnerung und die Deutung der eigenen Geschichte.
 
 
 
 
 
 
 
 
  • Herausgeber ‏ : ‎ Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; 3. Edition (15. Februar 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Übersetzung : Elisabeth Edl 
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 144 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3446269185
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3446269187
  • Originaltitel ‏ : ‎ Encre sympathique
 
 
 
Vor knapp acht Jahren - im September des Gründungsjahrs unseres Blogs - stellte ich hier schon einmal einen Roman von Patrick Modiano vor: "Im Café der verlorenen Jugend".  Das war also noch bevor der französische Schriftsteller den Nobelpreis für Literatur erhielt (2014). Als ich nun auf diesen schmalen Roman stieß, wurde ich erneut neugierig. Ich war gespannt, ob mich auch das neueste Werk Modianos in seinen Bann würde ziehen können...

Samstag, 10. Juli 2021

Deledda, Grazia: Schilf im Wind

In der Kunst, mit wenigen Worten Stimmungen zu zaubern, ist Grazia Deledda bis heute unerreicht. Auf der abgeschiedenen Insel der Granatapfelbäume und der wilden Kaktusfeigen siedelt die Erzählerin ihr archaisch anmutendes Drama um Schuld und Sühne an. Wie Schilf im Wind finden sich die Insel-Menschen vom Schicksal erfasst, geknickt, zu Boden gedrückt und zuweilen wieder aufgerichtet. Was an Deleddas Prosa jedoch am meisten bezaubert, sind die poetischen Natur- und Landschaftsbeschreibungen ihrer Heimat Sardinien: an den Ufern der türkisen Flüsse gelbliche Binsen, von Silberfäden umsponnen, Mandel- und Pfirsichhaine vor stahlblauem Himmel, meergrünes Schilf und Palmengestrüpp, inmitten hügeliger Flure da und dort weiße Dörfer mit Glockentürmen, zerfallenes Gartengemäuer, abbröckelnde Hauswände, Überbleibsel von Höfen, dazwischen heilgebliebene Katen, und hoch darüber thronend eine schwarze Schlossruine ... 





  • Herausgeber ‏ : ‎ Manesse Verlag (13. April 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Übersetzung : Bruno Goetz 
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 448 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3717525247
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3717525240
  • Originaltitel ‏ : ‎ Canne al vento




Nicht immer widmen sich die Leserunden bei Whatchareadin Krimis/Thrillern oder Zeitgenössischer Literatur. Dieses Werk der Literaturnobelpreisträgerin Grazia Deledda wurde zu ihrem 150. Geburtstag vom Manesse Verlag in einer ausgesprochen hübschen Ausgabe neu aufgelegt. Keine einfache Lektüre - eindrucksvoll, durchaus, aber auch düster und voller Metaphern. Doch bin ich froh, der sardischen Schriftstellerin, von der ich davor noch nicht einmal wusste, dass es sie gegeben hat, nun in dieser Form begegnet zu sein...
 

Dienstag, 2. Januar 2018

Munro, Alice: Tanz der seligen Geister


Alice Munro: Jonathan Franzen zählt sie zu den größten Erzählern der Welt und stellt sie über Tschechow, und für Doris Dörrie »schärft sie die Sinne«. Doch wie hat Alice Munro ihre Kunst entdeckt? In ihrem großartigen Debüt ›Tanz der seligen Geister‹ finden wir die Antwort: Das erste Buch der großen Meisterin der kleinen Form, 15 Erzählungen davon, erwachsen zu werden und die eigene Stimme zu finden. Im Original 1968 erschienen, zeigt sich Alice Munro bereits hier als präzise, unsentimentale und abgründige Chronistin zeitgenössischen Alltagslebens.

(Klappentext S. Fischer Verlage)

  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 3 (9. Dezember 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Heidi Zerning
  • ISBN-10: 359618875X
  • ISBN-13: 978-3596188758










VOM ERWACHSENWERDEN...



Schon lange befindet sich dieser Band von 15 Erzählungen in meinem Regal - zufällig sogar das Debüt der kanadischen Schriftstellerin (Erstveröffentlichung 1968) -, und spätestens seit Alice Munro 2013 den Nobelpreis für Literatur erhielt, war ich neugierig auf dieses Buch. Doch erst jetzt nahm ich mir die Zeit für die Lektüre und kann schon so viel vorweg verraten: es wird für mich nicht das letzte Buch der 1931 geborenen Preisträgerin gewesen sein.

Das verbindende Glied der 15 Erzählungen ist im weiteren Sinne der Abschied von der Kindheit, das Finden eines eigenen Weges. Angesiedelt sind die Geschichten etwa in den 40er und 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der kanadischen Provinz, und wie ich gelesen habe, beinhalten sie zahlreiche autobiografische Erlebnisse der Schriftstellerin. Dies lässt die meist zwischen 20 und 30 Seiten langen Erzählungen in einem besonderen Licht erscheinen.


"Es gibt nichts, was du im Augenblick tun kannst, außer die Hände in die Taschen zu stecken und dir ein unvoreingenommenes Herz zu bewahren." (S. 55)


Aber auch ohne dieses Wissen konnte mich Alice Munros Schreibstil beeindrucken: präzise, unsentimental und intensiv, dabei oftmals poetisch und melancholisch, zeitweise ironisch, immer aber durchzogen von einer tiefen Ernsthaftigkeit. Die Unausweichlichkeit der geschilderten Situationen wird dem Leser vor Augen geführt, nur gelegentlich begleitet von einem leisen Bedauern, stets aber mit der immensen Bedeutung des Geschilderten für das Schicksal der jeweiligen Hauptperson im Fokus. In wenigen Sätzen skizziert Munro den oftmals eher tristen Ort, die Situation, das Geschehen und schafft so ein scharfes Bild, das ein Wegschauen unmöglich macht.


"Wie die Kinder im Märchen, die gesehen haben, dass ihre Eltern mit furchterregenden Fremden einen Pakt schlossen, die entdeckt haben, dass unsere Ängste auf nichts als der Wahrheit beruhen, die aber nach wundersamer Rettung aus Gefahr heil nach Hause kehren, artig und wohlerzogen zu Messer und Gabel greifen und vergnügt bis an ihr seliges Ende leben - wie sie, von den Geheimnissen benommen und mit Macht begabt, sagte ich nie auch nur ein Wort." (S.79)

Die einzelnen Geschichten hier vorzustellen, würde m.E. den Rahmen sprengen, und so schließe ich die Rezension mit der Erwähnung meines anfänglichen Erstaunens und der mit dem Lesen wachsenden Erkenntnis, dass auch und gerade das Schreiben von Kurzgeschichten eine Kunst ist - eine so hohe, dass Alice Munro, die 13 Erzählbände und nur einen einzigen Roman geschrieben hat, den Nobelpreis für Literatur in meinen Augen zu Recht gewonnen hat. Eben als "Meisterin der zeitgenössischen Kurzgeschichte". Chapeau.

Für mich mit Sicherheit nicht das letzte Buch dieser Schriftstellerin!


© Parden









Die S. Fischer Verlage schreiben über die Autorin:

Alice Munro, geboren 1931 in Wingham, Ontario, ist eine der bedeutendsten Autorinnen der Gegenwart. Sie erhielt 2013 die höchste Auszeichnung für Literatur, den Nobelpreis. Ihr umfangreiches erzählerisches Werk wurde bereits zuvor mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Giller Prize, dem Book Critics Circle Award und dem Man Booker International Prize. Alice Munro lebt in Ontario, Kanada. Im Fischer Taschenbuch Verlag liegen vor: ›Himmel und Hölle‹, ›Die Liebe einer Frau‹, ›Der Traum meiner Mutter‹, ›Tricks‹, ›Wozu wollen Sie das wissen?‹, ›Zu viel Glück‹, ›Tanz der seligen Geister‹, ›Offene Geheimnisse‹, ›Glaubst du, es war Liebe?‹, ›Das Bettlermädchen‹, ›Der Mond über der Eisbahn‹, ›Liebes Leben‹, ›Was ich dir schon immer sagen wollte‹, ›Die Jupitermonde‹ und Munros einziger Roman ›Kleine Aussichten‹.

Literaturpreise:
(Auswahl:)
Canada-Australia Literary Prize (1977)
Commonwealth Writers' Prize (1991)
Giller Prize for Fiction (1998 und 2004)
Man Booker International (2009)
Trillium Award (2013)
Nobelpreis für Literatur (2013)

übernommen von S. Fischer Verlage