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Sonntag, 16. Juni 2024

Schoeters, Gaea: Trophäe

 

Gaea Schoeters’ Roman ist ein „ethischer Mindfuck“ (Dimitri Verhulst) – provokant, radikal und eine erzählerische Ausnahmeerscheinung. Am Ende bleibt die Frage: Was ist ein Menschenleben wert?

Gaea Schoetersʼ preisgekrönter Roman ist von einer außerordentlichen erzählerischen Wucht. Die Tiefenschärfe, mit der sie die Geräusche und Gerüche der Natur beschreibt, lässt einen sinnlich erleben, was einen moralisch an die Grenzen zwischen Richtig und Falsch führt. 

Hunter, steinreich, Amerikaner und begeisterter Jäger, hatte schon fast alles vor dem Lauf. Endlich bietet ihm sein Freund Van Heeren ein Nashorn zum Abschuss an. Hunter reist nach Afrika, doch sein Projekt, die Big Five vollzumachen, wird jäh von Wilderern durchkreuzt. Hunter sinnt auf Rache, als ihn Van Heeren fragt, ob er schon einmal von den Big Six gehört habe. Zunächst ist Hunter geschockt, aber als er die jungen Afrikaner beim flinken Jagen beobachtet… (Verlagsbeschreibung)

DNB / Zsolnay / 2024 / ISBN 978-3-552-07388-3 / 256 Seiten

 

 

Wow. Dieser Roman hat es in sich - selbst Wochen, nachdem ich ihn gelesen habe (wieder einmal im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin), arbeitet er nach und fördert sofort wieder das Unbehagen zutage, das mich während des Lesens beschlich. Mein Kurzmeinung dazu: Eine moralisch-ethische Grenzwanderung, ein Roman von radikaler Konsequenz, der einen aus der eigenen Komfortzone heraustreibt. Verlangt einem alles ab, ist aber unbedingt lesenswert! Mehr dazu gibt es hier:

Freitag, 17. Mai 2024

Unger, Christina: Der seltsame Mr. Bridges

 

Henry Bridges lebt trotz seiner 42 Lenze immer noch im Haus seiner Mutter in New York. Diese versucht verbissen, ihren Sohn unter die Haube zu bringen, aber Henry zeigt keinerlei Interesse an Frauen oder einer Familie. Stattdessen hegt er einen lange verborgenen Traum: eine Bildungsreise nach Europa und eine Safari in Afrika. Eines Tages bucht Henry einen Flug nach London … und von da an kennt sein Schicksal nur noch Chaos und Katastrophen. Schöne und weniger schöne Frauen werden ihm regelmäßig zum Verhängnis. Er findet einen Koffer voller Geld, der kolumbianischen Drogenhändlern gehört und die ihn bis Amsterdam verfolgen. Henry flieht nach Paris und weiter nach Neapel – wo er in einem unheimlichen Dorf landet, in dem nur Männer leben – entkommt mit knapper Not und in Unterwäsche nach Sizilien, gerät dort an einen Mafioso und landet schlussendlich bei einem Naturvolk vom Stamm der Ponga-Ponga in Afrika. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Luzifer Verlag / 2022 / ISBN 978-3-95835-665-8 / 292 Seiten

 

 

 

 

Manchmal lese ich auch gerne einfach nur zur Unterhaltung, ohne großen Anspruch oder Tiefsinnigkeit. Im Rahmen einer Challenge stieß ich auf dieses Buch und versuchte einfach mal mein Glück. Die Sache mit dem Humor ist allerdings - so eine Sache. Hier nun vorab meine Kurzmeinung: Hastig aneinandergereihte slapstickhafte Szenen um einen naiv-gutgläubigen und konservativ-staubtrockenen Bibliothekar. Nervig statt lustig. Mehr dazu gibt's hier:

 

Freitag, 1. März 2024

De Saint-Exupéry, Antoine: Der kleine Prinz (Hörbuch)

 

Das moderne Märchen von der Begegnung des in der Wüste abgestürzten Piloten mit dem kleinen Prinzen, der von einem Asteroiden kommt - ein zeitloses Meisterwerk und ein Plädoyer für Menschlichkeit und Freundschaft. Als Lesung mit Musik von August Zirner eine unverzichtbare Ausgabe des Weltklassikers. Das zeitlose Meisterwerk in einer zauberhaften Neuübersetzung. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Oetinger Media / 2015 / ISBN 978-3-8373-6473-6 / 106 Minuten







Manchmal darf es auch ein Klassiker sein - und die Geschichte vom kleinen Prinzen mag ich einfach gern. In der Hörbuchversion kannte ich sie bisher noch nicht, und zum Glück geriet ich an diese Fassung, denn sie punktet einfach auch mit der sehr schönen Erzählstimme von August Zirner. Mehr dazu könnt Ihr hier lesen:


Dienstag, 7. November 2023

Boie, Kirsten: Thabo, Detektiv & Gentleman Bd. 1 - Der Nashorn-Fall

 

Der wahre Gentleman ist immer ein Junge der Tat: Thabo will eines Tages ein echter Gentleman werden. Oder noch besser: ein Privatdetektiv wie im Film. Dumm nur, dass es im afrikanischen Örtchen Hlatikulu noch nie einen Kriminalfall gab. Doch dann wird im angrenzenden Safaripark ein Nashorn wegen seines kostbaren Horns ermordet. Und ausgerechnet Vusi, Thabos Onkel, gerät in Verdacht. Und weil Onkel Vusi nicht gerade ein schnelles Gehirn besitzt, liegt es an Thabo und seinen Freunden, den wahren Nashorn-Mörder aufzuspüren. - Thabo von Kirsten Boie ist ein unterhaltsamer Kinderkrimi vor exotischer Kulisse. (Verlagsbeschreibung)
 
 
DNB / Verlagsgruppe Oetinger/ 2016 / ISBN 978-3-7891-2033-6 / 304 Seiten
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Was soll ich sagen? Wieder war es besagte Jahreschallenge, die mich zu einem Buch greifen ließ - diesmal zu einem Kinderbuch, das im kleinen Königreich Eswatini spielt. Wo? Ähm, nie gehört. Doch bekannte virtuelle Suchmaschinen verrieten mir, dass ich die Umbenennung von Swasiland 2018 wohl nicht mitbekommen hatte. So was. Wieder was gelernt. Kirsten Boie ist ja eine rennomierte Kinderbuchautorin, und da kann man kaum etwas verkehrt machen, wenn man zu einem ihrer Bücher greift. Oder? Lest selbst:

 

Sonntag, 20. November 2022

Gurnah, Abdulrazak: Nachleben

Ilyas ist elf, als er aus Not sein bitterarmes Zuhause an der ostafrikanischen Küste verlässt und von einem Soldaten der deutschen Kolonialtruppen zwangsrekrutiert wird. Jahre später kehrt er in sein Dorf zurück, doch seine Eltern sind tot. Ilyas macht sich auf die Suche nach seiner kleinen Schwester Afiya, die bei Verwandten untergekommen ist, wo sie wie eine Sklavin gehalten wird und niemand ihre Talente sehen will. Auch ein anderer junger Mann kehrt nach Hause zurück: Hamza war von seinen Eltern als Kind verkauft worden und hatte sich freiwillig den deutschen Truppen angeschlossen. Mit nichts als den Kleidern am Leib sucht er nun Arbeit und Sicherheit – und findet die Liebe der klugen Afiya. Während das Schicksal die drei jungen Menschen zusammenführt, während sie leben, sich verlieben und versuchen, das Vergangene zu vergessen, rückt aus Europa der nächste Weltkrieg bedrohlich näher… »Nachleben«, der jüngste Roman des Nobelpreisträgers Abdulrazak Gurnah, ist die ebenso kluge wie bestürzende Geschichte von Menschen, die im Schatten der kolonialen Weltordnung um ihre Unversehrtheit kämpfen. (Klappentext)





Im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin durfte ich den neuesten Roman des letztjährigen Literaturnobelpreisträgers kennenlernen. Gleichzeitig war dies auch das erste Werk Gurnahs, das ich gelesen habe. Es war sehr angenehm zu erfahren, dass auch ein Nobelpreisträger verständlich und klar schreiben kann ohne komplizierte literarische Kapriolen, dass der Aufbau des Romans trotzdem etwas Besonderes aufweisen kann und dabei Bedeutungsebenen hinter dem konkret Beschriebenen erkennbar sind. Da auch die Kolonialgeschichte ein dunkles Kapitel Deutschland ist, zählt der Roman für mich daher zu den im Blog vorgestellten Büchern "Gegen das Vergessen". Wikipedia weiß hierzu zu berichten: "In Deutsch-Südwestafrika begingen die deutschen Kolonialherren den Völkermord an den Herero und Nama, den ersten in der Geschichtsschreibung anerkannten Völkermord des 20. Jahrhunderts." Gurnah berichtet hier konsequent aus der Sicht der Betroffenen. Wie mir der Roman gefallen hat, könnt Ihr hier nachlesen:

Sonntag, 28. August 2022

Babalola, Bolu: In all deinen Farben

Bolu Babalola hat die schönsten Liebesgeschichten der Mythologie mit unglaublicher Frische und Lebendigkeit neu erzählt. Sie konzentriert sich auf die magischen Volksmärchen Westafrikas und erfindet auch griechische Mythen, alte Legenden aus dem Nahen Osten und Geschichten aus Ländern neu, die in unserer Welt nicht mehr existieren. Die Frauen in ihren Love Stories sind kämpferische Verfechterinnen ihrer Leidenschaft, verlieren aber nie den Blick darauf, dass die wichtigste Liebe von allen die Selbstliebe ist. Während in der Mythologie Frauen oft die Opfer männlicher Begierde sind, geben bei Bolu Babalola immer die Frauen den Ton an und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. In all deinen Farben wechselt aufregend Perspektiven, Kontinente und Stile, durchschreitet Grenzen von Zeit und Raum – und feiert die Romantik in all ihren Formen. (Klappentext)

 

 




Wow, was für ein Cover! Als ich den Titel im Rahmen der letztjährigen Adventskalender-Aktion bei NetGalley entdeckte, war ich definitiv geflasht. Und afrikanische Mythologie war für mich auch etwas komplett Neues, da wurde ich doch neugierig. Da mir etliche Titel aus dem Adventskalender gefielen, rutschte dieses Rezensionsexemplar etwas nach hinten. Nach und nach las ich jedoch immer mal eine der Kurzgeschichten und notierte mir kurz etwas zum Inhalt und den Personen. Nun habe ich die Lektüre beendet, und wie mir das Buch gefiel, könnt Ihr hier nachlesen: