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Donnerstag, 2. Januar 2025

Berscheid, Martina: Fremder Champagner

 

Ein Familienfest, scheinbar ohne konkreten Anlass. Und wie immer in den letzten Jahren dominieren Belanglosigkeiten und Sticheleien das Gespräch – über wirkliche Probleme sprechen weder die drei erwachsenen Kinder noch ihre Eltern. »Nirgends wird so viel gelogen und verschwiegen wie in Familien«, denkt Claire. »Oder ist das nur in unserer so?« Doch dann werden die Geschwister unverhofft mit ihren Kindheitserinnerungen konfrontiert… Fünfzehn Erzählungen über Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen, einfühlsam und genau beobachtet, mit einem feinen Gespür für Stimmungen und zwischenmenschliche Beziehungen. Spannend und mit überraschenden Wendungen. (Verlagsbeschreibung)
 
DNB / Mirabilis Verlag / 2024 / ISBN: 978-3-947857-25-8 / 236 Seiten
 
 
Kurzmeinung: 15 außergewöhnliche Kurzgeschichten, oft eindringlich und intensiv, bis hin zum Schmerz und darüber hinaus...
 
 
 
 

Montag, 31. Juli 2023

Demirtaş, Selahattin: Kaltfront

Wenn ein Vater das Gesetz schützen soll, doch stattdessen das größte Unrecht geschehen lässt. Wenn sich ein Mann bei dem Versuch, sein Leben zu bestreiten, durch sein Schweigen schuldig macht. Wenn ein Kind in einer Gesellschaft aufwächst, in der Mitgefühl bestraft wird.

Die beinahe märchenhaft anmutenden Kurzgeschichten in »Kaltfront« blicken tief in die Seele der Türkei. Mitfühlend und liebevoll erzählt Demirtaş von den Ärmsten der Gesellschaft: den Hilfsarbeitern, den Busfahrern, den Straßendieben – sie alle eint der Wunsch nach einem glücklichen Leben und die schiere Ausweglosigkeit ihrer Situation.

(Verlagsbeschreibung)

 

DNB / Penguin Verlag / 2023 / ISBN: 978-3328601579  / 160 Seiten



An dieser Stelle möchte ich mich zunächst bei Whatchareadin und dem Penguin Verlag bedanken für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Kurzgeschichten im Rahmen einer Leserunde zu lesen, ist noch einmal eine ganz andere Herausforderung - aber sie wurde gemeistert. Teilweise wurde wieder sehr kontrovers diskutiert, manchmal gab es aber auch Denkanstöße, die das eigene Erleben der Geschichten etwas veränderten. Literatur aus der Türkei - hier im Blog eher eine Seltenheit. Mein letzter Beitrag dazu datiert wohl aus dem Jahr 2015: Der halbe Mond von Hasan Cevat Cobanli. Bei diesem Buch nun sorgte bereits die Widmung bei mir für Gänsehaut. Wie es mir ansonsten mit den Erzählungen erging, könnt Ihr hier nachlesen:


Sonntag, 28. August 2022

Babalola, Bolu: In all deinen Farben

Bolu Babalola hat die schönsten Liebesgeschichten der Mythologie mit unglaublicher Frische und Lebendigkeit neu erzählt. Sie konzentriert sich auf die magischen Volksmärchen Westafrikas und erfindet auch griechische Mythen, alte Legenden aus dem Nahen Osten und Geschichten aus Ländern neu, die in unserer Welt nicht mehr existieren. Die Frauen in ihren Love Stories sind kämpferische Verfechterinnen ihrer Leidenschaft, verlieren aber nie den Blick darauf, dass die wichtigste Liebe von allen die Selbstliebe ist. Während in der Mythologie Frauen oft die Opfer männlicher Begierde sind, geben bei Bolu Babalola immer die Frauen den Ton an und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. In all deinen Farben wechselt aufregend Perspektiven, Kontinente und Stile, durchschreitet Grenzen von Zeit und Raum – und feiert die Romantik in all ihren Formen. (Klappentext)

 

 




Wow, was für ein Cover! Als ich den Titel im Rahmen der letztjährigen Adventskalender-Aktion bei NetGalley entdeckte, war ich definitiv geflasht. Und afrikanische Mythologie war für mich auch etwas komplett Neues, da wurde ich doch neugierig. Da mir etliche Titel aus dem Adventskalender gefielen, rutschte dieses Rezensionsexemplar etwas nach hinten. Nach und nach las ich jedoch immer mal eine der Kurzgeschichten und notierte mir kurz etwas zum Inhalt und den Personen. Nun habe ich die Lektüre beendet, und wie mir das Buch gefiel, könnt Ihr hier nachlesen:

Montag, 23. Mai 2022

Kim, Un-Su: JAB

Ein Mann betrachtet einen alten Boxsack, der in seinem Garten an einem Zweig des Kakibaums hängt und dessen Leder durch die Witterungseinflüsse langsam abgebaut wird. Dieses Überbleibsel aus seiner Jugend ist der Ausgangspunkt für die Geschichte seines Lebens, von der Highschool bis ins Erwachsenenalter. Als Teenager wurde er von seinem Ethiklehrer zu Unrecht bestraft, weil er die herumwirbelnden Blätter vor dem Klassenzimmerfenster beobachtet hatte. Im Boxen findet der wütende junge Mann ein Ventil und einen Weg, sich der Welt zu stellen. Jahre später trifft er auf seinen ehemaligen Lehrer, einst das Objekt seines schrecklichen Hasses. Wer hätte gedacht, dass sie bei ihrem Wiedersehen an einer Autobahnraststätte vereint lachen würden?
 
Beim Boxen ist ein Jab eine abrupt geschlagene Gerade – hier ist es die Titelgeschichte von Un­su Kims erster Kurzgeschichtensammlung. Darin begegnet man einer Gruppe Krimineller, deren Einbruch schiefläuft, sodass sie in dem von ihnen geöffneten Tresorraum eingesperrt werden. Zum Zeitvertreib denken sie sich B­Movie­Szenarien aus und würfeln, wer mit der einzigen Frau in der Gruppe schläft. Es gibt einen rückfälligen Alkoholiker, der dennoch versucht, ein neues Leben zu beginnen, und einen missverstandenen Träumer, der ein Spielball der koreanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts ist. Die Protagonisten sind faszinierend und auf ihre Art Helden, ob nur für einen Tag oder ihr ganzes Leben lang.
 
Un­su Kims Geschichten zeigen die Auswirkungen der Zeit auf Menschen und auf Dinge. Frei von direkter Gesellschaftskritik und unterschwelligen Botschaften entführen sie in eine Welt von glücklichen und unglücklichen Zufällen, die über die Schicksale von gewöhnlichen und ungewöhnlichen Menschen entscheiden. Un­su Kim hat die unvergleichliche Fähigkeit, das Leben seiner Helden in einem ungekünstelten, kompakten und zugleich raffinierten Stil zu schildern – seine Geschichten gehen unter die Haut. (Klappentext)


  • Herausgeber ‏ : ‎ Europa Verlag; 1. Edition (31. März 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Übersetzung  : Kyong­hae Flügel  
  • Broschiert ‏ : ‎ 206 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958902464
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958902466






Im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks durfte ich dieses Buch mit einer Kurzgeschichtensammlung lesen. Der südkoreanische Autor Un-Su Kim sagte mir bislang noch gar nichts, obschon bereits zwei Thriller von ihm ins Deutsche übersetzt wurden. Literarisch bin ich nach Südkorea bisher nur mit Frauen gereist: Han Kang, Cho Nam-Joo und Min Jin Lee lieferten mir die weiblichen Einblicke in die asiatische Kultur. Nun also sollte ich Südkorea durch männliche Augen kennenlernen. Ob mir dieser Blickwinkel gefallen hat, könnt Ihr hier nachlesen:


Mittwoch, 2. März 2022

Arenz, Ewald: Meine kleine Welt

Eine völlig normale fünfköpfige Familie steht im Mittelpunkt dieser heiteren kleinen Geschichten. Eine beinahe normale jedenfalls. Wenn nicht gerade der vierjährige Otto mit gutem Gewissen böse Spielfiguren im Klosett versenkt. Oder die dreizehnjährige Philly die Eltern penetrant in fortschrittlichem Denken unterweist. Oder ihr eben volljährig gewordener, spätpubertärer Bruder Theo mal wieder meint, den Monarchisten und Provokateur mimen zu müssen. Also streitet und liebt man sich, lacht mit- und übereinander und bietet, wenn es darauf ankommt, der Welt geschlossen die Stirn.

Ewald Arenz lässt uns mit feinem Witz und sanfter Ironie am nie alltäglichen Familienalltag teilhaben. Und seinem Alter Ego Heinrich gelingt es auf bewundernswerte Weise, über all den Widrigkeiten Humor zu bewahren und augenzwinkernd zu zeigen, um wie viel ärmer seine kleine Welt ohne diese kleinen Katastrophen wäre.
 
(Klappentext)



  • Herausgeber ‏ : ‎ ars vivendi; 1. Edition (25. Januar 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 215 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3747203515
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3747203514




Mit "Der große Sommer" stellte ich im vergangenen Jahr eines meiner Lesehighlights in diesem Blog vor. Dementsprechend war ich sehr erfreut, als ich nun das neueste Buch von Ewald Arenz im Rahmen einer Premierelesung bei Lovelybooks erhielt und lesen durfte. Natürlich kann man einen Band mit Kurzgeschichten nicht mit einem Roman vergleichen, in dem sich Charaktere in Ruhe entwickeln können und sich ganz allmählich ein wohliges Lesegefühl breitmachen kann. Aber einen gewissen Unterhaltungswert kann ich auch den Vignetten von Ewald Arenz nicht absprechen. Mehr dazu findet Ihr hier:

Sonntag, 9. Januar 2022

Crane, Stephen: Die tristen Tage von Coney Island

Humorvoll und mit feinsinniger Beobachtungsgabe:
13 von ­Stephen Cranes wichtigsten Erzählungen sind in ­diesem Band versammelt. Hier entfaltet er seine ganze Schaffensfreude, beschreibt spannende, ­tragische, teils auch absurde Situationen wie in Seefahrer wider Willen.

Stephen Crane gilt als einer der Wegbereiter der modernen amerikanischen Literatur. Seine Geschichten sind gerade ­deshalb so authentisch und mitreißend, weil er als ­Abenteurer und Reporter vieles davon selbst erlebt hat. Die ­großartige Darstellung eines Schiffbruchs in Das ­offene Boot und die in Nebraska angesiedelte Geschichte Das blaue Hotel ­zählen zu den Meisterwerken der Weltliteratur...

(Klappentext)

 

 

 

 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Pendragon Verlag; 1. Edition (15. September 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Übersetzung: Bernd Gockel 
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 272 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3865327621
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3865327628

 

 

 

Seinerzeit hatte ich auf die Leserunde zu "Die rote Tapferkeitsmedaille" verzichtet, da mich Kriegsgeschichten eher weniger interessieren. Bei diesem Kurzgeschichtenband wurde ich jedoch neugierig, und so freute ich mich, als NetGalley mir die Möglichkeit bot, ein Leseexemplar zu erhalten. Es war kein "einfaches Lesevergnügen", so viel sei vorweg schon einmal verraten. Aber einrucksvoll war es allemal...

 

Samstag, 27. November 2021

Nesbø, Jo: Eifersucht

Der Athener Ermittler Nikos Balli, ein Spezialist für das Mord-Motiv Eifersucht, ist seit dem Verlust seiner großen Liebe ein Getriebener. Auf der Insel Kalymnos soll er einen Vermissten finden, Julian. Er und sein Zwillingsbruder Franz waren in dieselbe Frau verliebt, Helena, Tochter eines Gastwirts der Insel. Es kam zum Streit, und seitdem hat man Julian nicht mehr gesehen. Sein Handtuch wurde am Strand gefunden, ist der junge Mann beim morgendlichen Schwimmen ertrunken?

Balli ermittelt und stößt auf immer mehr Beweise, dass Franz seinen Bruder ermordet hat – aber dann wird Julian gefunden, gefesselt und entkräftet in einer Höhle. Doch wo ist Franz? Balli muss all sein Gespür aufbringen, seine eigene schmerzvolle Erfahrung nochmals durchleben, um den Kampf der Zwillinge um Helena zu stoppen ...

(Klappentext)



  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Hardcover; 1. Edition (1. November 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Übersetzung: Günther Frauenlob 
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 272 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3550201524
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3550201523
  • Originaltitel ‏ : ‎ Sjalusimannen og andre fortellinger



Bei dem Namen Jo Nesbø werde ich immer hellhörig - als Fan seiner Thriller-Reihe um den Ermittler Harry Hole bin ich stets auch neugierig auf seine anderen Romane. Sehr erstaunt war ich daher, als ich entdeckte, dass sein neuestes Buch Kurzgeschichten enthält, dieses Format kannte ich bislang noch nicht von dem norwegischen Autor. Über NetGalley erhielt ich freundlicherweise ein Rezensionsexemplar, worüber ich mich sehr gefreut habe. Hier nun meine Meinung zu Nesbøs "Eifersucht":

 

Freitag, 4. Juni 2021

Schubert, Helga: Vom Aufstehen

Ein Jahrhundertleben – verwandelt in Literatur

Drei Heldentaten habe sie in ihrem Leben vollbracht, erklärt Helga Schuberts Mutter ihrer Tochter: Sie habe sie nicht abgetrieben, sie im Zweiten Weltkrieg auf die Flucht mitgenommen und sie vor dem Einmarsch der Russen nicht erschossen. In kurzen Episoden erzählt Helga Schubert ein deutsches Jahrhundertleben – ihre Geschichte, sie ist Fiktion und Wahrheit zugleich. Als Kind lebt sie zwischen Heimaten, steht als Erwachsene mehr als zehn Jahre unter Beobachtung der Stasi und ist bei ihrer ersten freien Wahl fast fünfzig Jahre alt. Doch vor allem ist es die Geschichte einer Versöhnung: mit der Mutter, einem Leben voller Widerstände und sich selbst.

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse...

 

 

 

  • Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft (18. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Gebundene Ausgabe : 224 Seiten
  • ISBN-10 : 3423282789
  • ISBN-13 : 978-3423282789

 

 

Ein Buch, zu dem ich ohne die Leserunde bei Whatchareadin vermutlich nicht gegriffen hätte. Und was wäre mir da entgangen! Ich kannte bislang kein Werk der ostdeutschen Autorin, die noch keinen Roman verfasst hat, sondern immer Kurzgeschichten - so auch hier. Und auch wenn mir nicht jede einzelne der 29 Erzählung gleichermaßen zusagte, so gab es hier von mir die Höchstwertung. Die leisen Geschichten überraschen mit Kippmomenten und Widersprüchlichkeiten und sind oft pointiert auf den letzten Satz zugeschrieben. Große Kunst!

Freitag, 19. März 2021

Heidenreich, Elke: Männer in Kamelhaarmänteln

„Wir vergessen die Namen, die Geschichten, aber fast nie vergessen wir die Kleider.“ – Die große Erzählerin Elke Heidenreich über die schönste Nebensache der Welt

Elke Heidenreich kennt sich aus, mit Jacke und Hose, Rock und Hut – vor allem aber mit den Menschen. Gut aussehen wollen alle, aber steckt nicht noch viel mehr dahinter? Warum sind einem die Jugendfotos im Faltenrock so peinlich? Warum kauft man sich etwas, was einem weder passt noch steht? Wenn Elke Heidenreich von Kleidern erzählt, dann erzählt sie vom Leben selber: von sich mit sechzehn, von Freundinnen und Freunden, von Liebe und Trennung, erzählt Geschichten, komisch und traurig wie nur sie es kann, in denen jeder sich wiedererkennt: sei‘s in ausgeleierten Jeans, sei’s in der wunderbaren Bluse, die schon keine Farben mehr hat, oder schlimmstenfalls im Kamelhaarmantel. 
 
 
 
 
  • Herausgeber : Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; 9. Edition (21. September 2020)
  • Sprache : Deutsch
  • Gebundene Ausgabe : 224 Seiten
  • ISBN-10 : 3446268383
  • ISBN-13 : 978-3446268388
 
 
 
Literaturliebhabern_innen ist Elke Heidenreich sicherlich ein Begriff. Die streitbare Frau nimmt kein Blatt vor den Mund, was seinerzeit beispielsweise das Literarische Quartett - damals noch mit dem legendären Marcel Reich-Ranicki - sehr belebte. Elke Heidenreich bricht für das Lesen eine Lanze, lässt sich dabei nicht verbiegen, und sie traut sich was. Doch sie liest nicht nur, sondern sie schreibt auch. Dieses Buch mit kurzen Geschichten über Kleider und Leute ist ihr neuestes Werk. Ich war nicht die Einzige in der Leserunde (diesmal bei Lovelybooks), die erstaunt reagierte, als das Thema des Kurzgeschichtenbandes deutlich wurde - Elke Heidenreich und Mode? Aber ja! Sie hat nicht nur ein Faible dafür, sie hat auch jede Menge dazu zu sagen. Und das oft tiefgründiger als der Klappentext vermuten lässt...

Samstag, 21. November 2020

Sturm, Andreas (Hg.): Märchenmorde

Von den Geschichten und den Mordbüchern war schon hier die Rede und da und auch dort und auch diesen Post würde ich erwähnen wollen. Alle aus dem Jahr 2020. Nun muss ich noch die MÄRCHENMORDE vorstellen, wieder eine vergnügliche Frühstückslektüre.

Märchen in die Gegenwart: Da wird in einer Geschichte von Bernd Köstering Rumpelstilzchen zu Don Corleone, dessen Töchter bezeichnenderweise Camorra, Yakuza und Triade heißen. 

Schneewitchen wird bei Matthias Ramtke zum Racheengel. Ach die arme Königin... Wer hätte gedacht, dass Rotkäppchen mal mit Seeräubern und einem Frauenhaus zu tun hat? Die Geschichte stammt vom Herausgeber, Andreas M. Sturm, heißt der und ist schon für eine Reihe solcher Geschichten verantwortlich. Martina Arnold, bekannt aus Winnetou und die Frau in Weiß hat Des Kaisers neue Kleider nach Bayern verlegt. Seltsame Praktiken eines Autohändlers um in der Politik mitmischen zu können. Aber auch hier geht es letztlich um Mord. Der Gevatter Tod begegnet bei Björn Götze einem ziemlich bekleckerten und angetrunkenem jungen Mann in einem öffentlichen Verkehrsmittel und sinniert darüber, wann die Stunde zum Gehen kommt. Bei Grit und Henri fallen uns vermutlich schnell Hänsel und Gretel ein. Wobei Connie Roters das Geschwisterpaar sehr gegenwärtig behandelt. Crack und deren Kräutertee kochende Oma spielen eine Rolle. Gisela Witte löst das Geheimnis der doch vorhandenen Treppe in Rapunzels Turm. Der hier schon mehrfach vorgekommene Uwe Wittenfeld hat Aschenbrödel neu aufgelegt und wieder einmal besuchen in seiner Geschichte Ruhris das schöne Sachsenland.


Und dann geht es noch um den gestiefelten Kater, Dornröschen, Schneeweißchen, einem der das Fürchten lernen wollte, Rosenrot nicht zu vergessen und die kleine Meerjungfrau. Sechszehn Geschichten in sechszehn Kaffeetassen. Reicht für sechzehn Werktage, wenn man am Wochenende anderes liest. Doch vorsicht, sie sind nicht gleich lang. Also schaut auf die Uhr, sonst droht Unpünktlichkeit in Schule und Beruf. 

© Bücherjunge

Dienstag, 25. August 2020

Schlink, Bernhard: Abschiedsfarben

Über das Gelingen und Scheitern der Liebe, über Vertrauen und Verrat, über bedrohliche und bewältigte Erinnerungen und darüber, wie im falschen Leben oft das richtige liegt und im richtigen das falsche. Geschichten von Menschen in verschiedenen Lebensphasen und ihren Hoffnungen und Verstrickungen. »Liebe und mache, was du willst« ist kein Rezept für ein gutes Ende, aber eine Antwort, wenn andere Antworten versagen.









  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (22. Juli 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 325707137X
  • ISBN-13: 978-3257071375


Wieder ein Buch, das ich erfreulicherweise im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin lesen durfte - herzlichen Dank auch diesmal an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars! Ein Erzählband - Kurzgeschichten also. Nicht jedermanns Sache, und meist gefällt naturgemäß nicht alles gleichermaßen. Aber die Kunst des Erzählens zeigt sich in solch einem Band schon, zumindest bei einem versierten Autor wie Bernhard Schlink. Wie mir die Geschichten im einzelnen gefallen haben, könnt Ihr hier nachlesen:

Freitag, 3. April 2020

Das Meerbuch

Knapp einhundert Seiten Text und was für eine literarische Breite. Im Insel – Verlag erschien in diesem Jahr unter der Nummer 1481 ein Büchlein mit dem Titel DAS MEERBUCH. Die Texte wurden von Matthias Reiner ausgewählt und illustriert hat den schmalen Band Quint Buchholz.

Miguel de Cervantes / Daniel Defoe / Johann Wolfgang v. Goethe / Homer / Thomas Mann / Thomas Morus / Erich Kästner / Thomas Morus / Platon / Judith Schalansky / Christian Morgenstern  und das ist genau die Hälfte...

Wenn es um das Meer geht, dann ist es sinnvoll, über  Poseidon zu reden, den Meeresgott der griechischen Mythologie, der heute nicht mehr zu den Menschen spricht, in einem Text von Cees Nooteboom. Doch kehren wir mit Homer zurück und lesen, wie sich Odysseus von Kalypso verabschiedet.


Dienstag, 10. September 2019

Duken, Kerstin: Mehr als du siehst

Erzählungen oder Kurzgeschichten - das ist immer so eine Sache. Es ist nun einmal eine Kunst, in wenigen Seiten eine interessante Geschichte zu präsentieren, die wenigstens auch eine kleine Überraschung beinhaltet oder auf irgendeine Weise etwas Besonderes verkörpert, damit sie wirklich zum Tragen kommt.

Gelegentlich lasse ich mich aber auf dieses Experiment ein, denn fast immer finde ich in einer solchen Sammlung zumindest einige Geschichten, die mich ansprechen. Diesmal hatte ich Glück, und mir gefiel sogar der Großteil der Erzählungen. Weshalb, könnt Ihr hier lesen:




Sonntag, 14. Oktober 2018

Hohler, Franz: Die blaue Amsel

Ein hierzulande eher unbekannter Autor, Kurzgeschichten statt eines Romans, dazu ein Buch, das über 20 Jahre alt ist - weshalb greift man gelegentlich zu solchen Werken? Die Gründe sind vielschichtig, und Titel und Cover haben mich zumindest so angesprochen, dass ich neugierig wurde.

Bei Zufallsfunden entpuppt sich bei mir erstaunlicherweise meist ein Hopp oder Topp - ein richtig gutes Buch oder eben ein Flop. Wie es diesmal war? Das müsst Ihr hier schon selbst lesen:






Montag, 3. September 2018

Schäfer, Miriam: Das Fehlen des Flüsterns im Wind

Gelesen habe ich dieses tolle Buch aus dem Acabus Verlag bereits vor drei Monaten - doch weil die immense Sommerhitze mich außer Gefecht gesetzt hat, gab es von meiner Seite im Blog eine ungeplante Sommerpause. Nun aber sind die Temperaturen endlich wieder erträglich und ich kann damit beginnen, die Buch-Schätze, die mir in letzter Zeit in die Finger gefallen sind, nach und nach hier vorzustellen.

Dieses Buch durfte ich mit einigen anderen glücklichen Gewinnern im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks lesen, gemeinsam mit der Autorin selbst, die nicht nur passende Musikuntermalungen zu den einzelnen Geschichten beisteuerte, sondern auch viel Hintergrundwissen vermittelte, was ich sehr bereichernd fand. Mehr zum Buch gibt es hier:

Samstag, 13. Januar 2018

Multhaupt, Philipp: Herrn Murmelsams Fieberträume


„Einmal war Herr Murmelsam sehr krank. Im Fieberwahn ersann er die Kunst des knisternden Flüsterns, schwelgte in der Heimlichkeit der ersten Liebe und in der eisernen Schönheit der Einsamkeit. Er schenkte den Menschen die Knautschvögel und eines Nachts erfand er sogar den Mond.“

Philipp Multhaupt erzählt Geschichten für Erwachsene, die im Herzen Kinder geblieben sind und sich heute noch trauen, an die Macht der Fantasie zu glauben. Seine Helden sind vergessene Träumer in einer kalten, erstarrten Gesellschaft. Zwischen Luftschlössern und Irrlichtern suchen sie die Liebe, das Glück und ihren Weg. Sie entdecken das Besondere im Verborgenen. Und manchmal finden sie dabei auch sich selbst.


(Klappentext periplaneta Verlag)


  • Taschenbuch: 164 Seiten
  • Verlag: Periplaneta; Auflage: 1 (1. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3943876721
  • ISBN-13: 978-3943876727












POETISCHE FIEBERTRÄUME...



29 Träume fabuliert Herr Murmelsam in seinem Fieberwahn, der drei lange Tage und Nächte anhält - 29 Kurzgeschichten erwarten den Leser hier, die ihn mitnehmen auf eine fantastische Reise. Er begegnet hier z.B. einem Flüsterkünstler, dem Mädchen mit dem Mondscheinlächeln, einem Knautschvogel und macht sich auf die Suche nach dem Geschmack von Wolken.

Dabei entpuppt sich nicht nur eine faszinierende Fantasiewelt, die haarscharf an unserer Realität vorbeischrammt - aber so ist das nun einmal bei Träumen - sondern es öffnen sich auch Einblicke in das Seelenleben von Menschen wie du und ich. Von Ängsten, vom Mutigwerden, von Liebe, von Glück, von der Suche nach etwas - und manchmal von sich selbst.

Eine Rezension kann diesen Geschichten nicht gerecht werden, denn dafür müsste man auf jede einzelne der 29 Träume eingehen. Doch die fein geschliffene, bildhafte Sprache, die sanfte Poesie, die Liebenswürdigkeit in der Darstellung der Figuren, das ist allen Geschichten gemein. Als beispielsweise ein alter Mann zu erzählen beginnt, wie er den Mond an den Himmel gemalt hat:


"Ich krame einfach alles hervor, was ich dabeihabe", hat der Alte erklärt und es gewissenhaft aufgezählt. "Eine Handvoll kleiner Gedankenknospen (...) ein geborgtes Lächeln, ein paar perlmuttfarbene Traumreste aus der vorigen Nacht, eine Landstreichermelodie, einen ungeschriebenen Liebesbrief, eine Erinnerung an meinen ersten Tag am Meer, ein paar Sekunden, von denen ich schon geglaubt hatte, ich hätte sie verloren, dabei hatte ich sie nur verlegt. All diese Dinge fülle ich in ein halbvolles Honigglas (...) und rühre sie mit dem verbliebenen Honig an, um die Mischung einzudicken (...) und dann, im honigblassen Licht des neugeborenen Mondes, lieben wir uns viele Male." (S. 55 f.)


In dieser Sammlung von Träumen ist es erstmals geschehen, dass mir keine einzige der Geschichten nicht gefiel - wie sonst stets bei derartigen Büchern mit Kurzgeschichten. Dabei gibt es welche zum Selber-Träumen, melancholische Erzählungen, Texte, bei denen man schmunzeln kann - und stets kleine Gedankenanstöße, die sich aber als leises Angebot verstehen und nicht mit der Keule schwingen. Eine überaus angenehme Mischung, und für mich hätte Herr Murmelsam ruhig noch ein wenig weiter fiebern können - (oh, Entschuldigung).

Nach Philipp Multhaupt jedenfalls halte ich weiter Ausschau. Vielleicht hat er ja eines Tages auch so viel zu erzählen, dass er einen Roman schreibt. Ich darf ja auch wohl mal träumen...


© Parden













Der periplaneta Verlag schreibt über den Autor:

Philipp Multhaupt wurde 1989 in Detmold geboren und schreibt – um gleich mit einem Klischee zu beginnen – seitdem er denken kann. Dem zweiten Klischee folgend, wusste er schon sehr früh, dass er nur Schriftsteller werden will und vielleicht studiert er genau deshalb auch seit 2009 Literaturwissenschaften an der Uni Tübingen. Als Kind versuchte er sich als der umbekümmerte Phantast, als Teenager driftete er in die dunkelpoetische Weltschmerzlyrik ab und heute schreibt er Geschichten, in denen die Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit verschwimmt. Zu seinen Vorbildern zählen Michael Ende oder auch Jorge Luis Borges. Seit ein paar Jahren ist er in der baden-württembergischen Poetry-Slammer-Szene aktiv und konnte sich dreimal in Folge für die Landesmeisterschaften qualifizierten.

übernommen vom periplaneta Verlag

Mittwoch, 22. November 2017

Völker, Melanie: Zwischen Leben und Ich


In unserer hektischen Zeit entflieht uns oftmals der Blick für das Wesentliche.
Wir hasten von einem Termin zum nächsten, planen das Morgen ohne zu sehen, was heute um uns herum passiert.


Zehn kleine Geschichten bieten Momente des Innehaltens, Atempausen im Strudel der Zeit.




  • Taschenbuch: 76 Seiten
  • Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (13. November 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3734706157
  • ISBN-13: 978-3734706158










ATEMPAUSEN IM STRUDEL DER ZEIT...



In ihren Geschichten lässt Melanie Völker die Welt alter Mythen aufleben, was nicht von ungefähr kommt - geht es ihr doch darum, gedanklich zum Kern des Menschseins zurückzukehren. Die Erzählungen lesen sich wie alte, indisch angehauchte Märchen, was der Namensgebung der Figuren geschuldet ist.


"Jeder Abzweig, an dem wir uns für eine Richtung entscheiden, jeder Schritt, den wir setzen, bringt uns neue Erkenntnis. Selbst ein Pfad, der sich am Ende als Irrweg entpuppt und auf dem wir umkehren müssen, erweist sich als lehrreiche Lektion für die Zukunft. Ein Weg ist dann richtig, (...) wenn er dein eigener ist."


Einzeln gelesen, können die Geschichten einen Ruhepol im hektischen Alltag darstellen, voller Farben, Bilder und Wärme, und nebenher noch einen kleinen Gedankenanstoß geben, um bei aller Hektik im Leben das Träumen nicht zu vergessen, um zu versuchen, alles im Gleichgewicht zu halten, um zu überprüfen, ob der eingeschlagene Weg noch der eigene ist.

Nicht dogmatisch, sondern behutsam transportieren die Erzählungen eine Botschaft, sind aber auch für sich genommen ein schönes Erlebnis. Um die Stimmung noch zu verstärken, sind einigen der Geschichten Fotos vorangestellt, die die Ruhe und die Kraft ausstrahlen, die den Leser hier bei der Lektüre überkommen soll.

Mir hat die Sammlung gut gefallen, auch wenn die Fremdartigkeit der Namensgebung es teilweise erschwerte, dass ich mir die einzelnen Charaktere merken konnte.

Tatsächlich ein schöner Fund...


© Parden 










Melanie Völker ist in Dortmund geboren und in Schwerte aufgewachsen, wo sie auch heute noch lebt. Neben ihrem Beruf als Dipl.-Verwaltungswirtin schrieb sie zunächst Gedichte und Kurzgeschichten, später dann auch längere Geschichten im Fantasy-Genre. Mit der Veröffentlichung ihres ersten Romans »Dämmernebel«, dem Auftakt zur Trilogie »Flamme der Seelen« erfüllte sie sich 2014 einen großen Traum. Derzeit schreibt sie am dritten Band der Reihe. Weitere Projekte sind in Arbeit.