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Sonntag, 16. Juli 2023

Morgenstern, Christian: Galgenlieder...


Christian Morgensterns Palmström, Palma Kunkel und Der Ginganz... Wann hörte ich denn zum ersten mal von dessen Galgenliedern

Ich denke, es war ein Kinderbuch. Gestatten Oskar, geschrieben hat das Peter Brock. Das sind so die Jungs-Bücher für zehn- und elfjährige Bengel, die gern mal richtig frech sein wollten in der Schule oder so altklug wie Ottokar das Früchtchen, (Ottokar Domma)  Eigentlich gehören diese DDR-Kinderbücher nicht so richtig in diesen Post. Doch dieser oben erwähnte Oskar versuchte, seine Lehrerin mit einer Geheimsprache zu verblüffen, oder im Unterricht mit seinem Kumpel sich mit einer solchen zu verständigen, der ist bei mir haften geblieben. Den Konflikt gewinnt die Lehrerin, denn sie kennt tatsächlich eine Geheimsprache und trägt unmittelbar Das große Lalula vor. Teile davon kann ich heute noch auswendig.


Donnerstag, 4. August 2022

Fontane, Theodor: Das Trauerspiel von Afghanistan

Fontane 1860 - Wikipedia

Nun ist es ein Jahr her, dass sie die freie, die demokratische Welt sich plötzlich aber nicht unerwartet aus einem Land zurück zog, von dem ich vermutlich erstmals hörte, als Präsident Mohammed Nadschibullāh 1979 die Sowjetunion um Hilfe zu Sicherung der Macht in der Demokratischen Republik Afghanistan bat. Zumindest rückte das Land in den Fokus der Welt, vor allem der westlichen Welt, die alles dafür tat, dass die Allianz nicht erfolgreich blieb. Stinger gegen Mi-24 Hind in den Händen von Anhängern eines Osama bin Laden. Doch um den soll es gar nicht gehen.

Als ich Drachenläufer von Khaled Hosseini las, schrieb ich bei den Buchgesichtern eine inzwischen verschollene Buchgeschichte mit dem Titel Drachen über dem Himmel von Kabul. Das ist so lange her, dass die Rezension seltsamerweise keinen Platz auf unserem Blog fand. Es war tröstlich, dass die Kinder in Kabul wieder Wettkämpfe im Drachensteigen veranstalteten.


Als die Sowjets 1989 das Land verließen, wurde oft darüber gesprochen, gegebenenfall schwadroniert, dass es keine ausländische Macht schaffen könnte, dauerhaft ihre Interessen vor Ort zu vertreten.

Plötzlich stoße ich auf eine Ballade von Theodor Fontane mit dem Titel Das Trauerspiel von Afghanistan. Bei Jay, dem Betreiber von Silvae 

Dienstag, 29. März 2022

Friedenstaube

 

Quelle kleines Bild / Ausschnitt Sächsische Zeitung vom 29.03.2022


Ein Bild in der Zeitung. Darauf eine alte Dame. Fünfundneunzig Jahre alt ist sie, lebt in einem Thüringer Seniorenheim und wird gerade wieder berühmt. Ihr Name ist Erika Schirmer und ihren Mädchennamen, Erika Mertke, las ich bestimmt vor Jahrzehnten als kleiner Schuljunge in einem Lesebuch. Die ehemalige Kindergärtnerin schrieb ein Lied, welches jedes Kind in der DDR kannte, ein Lied frei von jeglicher Ideologie... Auch dann, wenn wir beim Singen ein Pionierhalstuch trugen... Davon erzählt der Artikel, denn bereits im März 1949 ersinnt sie dieses Lied, es verbreitet sich schnell, wenn auch nur in der sowjetischen Besatzungszone, die Gründung der beiden deutschen Staaten ist aber schon in Arbeit.

Freitag, 10. Juli 2020

Mácha, Karel Hynek: Mai

"Es war spät Abend – erster Mai – abends der Mai war Liebeszeit." Mit diesen Worten beginnt das Kurzepos über Liebe und Tod des tschechischen Romantikers Karel Hynek Mácha (1810–1836). Ein Räuberhauptmann wird hingerichtet, weil er die Verführung seiner Geliebten gerächt hat. In eindrucksvollen Bildern verabschiedet er sich von der Erde. 

Das Kurzepos Mai ist nicht nur eines der berührendsten Werke der Romantik, es diente auch wegen seines avantgardistischen Bilderreichtums den tschechischen Surrealisten als Vorbild und stellt bis heute ein Fundament der tschechischen Dichtung dar.




  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Ketos; Auflage: 1 (20. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Ondřej Cikán
  • ISBN-10: 3903124095
  • ISBN-13: 978-3903124097
  • Originaltitel: Máj (1836)



Manchmal reitet mich ja der Teufel. Als ich dieses Buch, dessen Cover mich irgendwie an ein liebloses Schulbuch erinnert, bei Lovelybooks entdeckte, war ich mir nicht sicher, ob ich mich für die anstehende Leserunde bewerben sollte. Der Übersetzer Ondřej Cikán sollte die Runde leiten und wollte auf Fragen Rede und Antwort stehen. Tschechische Literatur? Wenn man den in Prag geborenen Kafka nicht dazu zählen will, hatte ich bis dato meines Erachtens keine Berührung damit. Und nun gleich ein lyrisches Werk? Ondřej Cikán bezeichnet dieses Epos aus verschiedenen Gründen immerhin als tschechisches Nationalgedicht. Ich wagte letztlich den Schritt. Ob er sich gelohnt hat? Lest selbst:

Freitag, 3. April 2020

Das Meerbuch

Knapp einhundert Seiten Text und was für eine literarische Breite. Im Insel – Verlag erschien in diesem Jahr unter der Nummer 1481 ein Büchlein mit dem Titel DAS MEERBUCH. Die Texte wurden von Matthias Reiner ausgewählt und illustriert hat den schmalen Band Quint Buchholz.

Miguel de Cervantes / Daniel Defoe / Johann Wolfgang v. Goethe / Homer / Thomas Mann / Thomas Morus / Erich Kästner / Thomas Morus / Platon / Judith Schalansky / Christian Morgenstern  und das ist genau die Hälfte...

Wenn es um das Meer geht, dann ist es sinnvoll, über  Poseidon zu reden, den Meeresgott der griechischen Mythologie, der heute nicht mehr zu den Menschen spricht, in einem Text von Cees Nooteboom. Doch kehren wir mit Homer zurück und lesen, wie sich Odysseus von Kalypso verabschiedet.


Donnerstag, 14. November 2019

Söhler, Karl-Heinz: Der Menschenzunft fehlt die Vernunft

Dieses Buch wird man wohl schwerlich in anderen Blogs finden, da es mit seinem Erscheinungsdatum (1987) nicht zu den aktuellen Publikationen gehört und der Autor auch nicht so bekannt ist wie beispielsweise einst Heinz Erhardt oder Eugen Roth.

Gedichte geschrieben hat Karl-Heinz Söhler allerdings auch, und oft haftet ihnen ein humoristisch-satirischer Einschlag an. Ich selbst bin nicht auf den Autor gestoßen, das Buch ist Teil des Erbes meiner Eltern. Mein Vater kannte die Verse Söhlers aus vereinzelten Abdrucken in der Tageszeitung und hat sich irgendwann diese Sammlung zugelegt. Ob das antiquarische Büchlein auch heute noch überzeugen kann? Lest selbst!

Freitag, 21. September 2018

Herzog, C.M.: Der Steineiche goldene Zweige

DICHTUNG IN GESÄNGEN lautet der Untertitel - was mich zunächst zögern ließ, zu dem Buch zu greifen. Aber weil die Neugier bekanntlich siegt, warf ich schließlich doch einen Blick hinein.

Nun, dieses Buch ist weder Mainstream noch Trivialliteratur, ganz im Gegenteil. Und ich will auch nicht behaupten, dass ich jede Feinheit begriffen habe, jede Nuance würdigen konnte. Aber es gab einen Aspekt, der mich letztlich darin bestätigte, dass es sich lohnt, auch derartige Bücher zu lesen. Welchen Aspekt? Darauf gehe ich im Folgenden ein:




Mittwoch, 20. Dezember 2017

Meine Hand



Meine Hand


Zitternd der Schritt,
die Gesichter aschfahl
ein Urteil so hart -
meine Hand

Tränen und Angst
stark für den anderen
die Endlichkeit rückt nah -
meine Hand

Schwer sind die Beine
gehn der Wahrheit entgegen
Verschwommen der Blick -
meine Hand

Ich bin da
meine Schulter, mein Arm
ein Abschied, unausweichlich -
meine Hand

Du bist nicht allein.


© Parden  

Montag, 4. September 2017

Friebel, Volker (Hrsg.): Südwind


Das Haiku-Jahrbuch 2016. Eine Auswahl deutschsprachiger Haiku, für das Projekt „Haiku heute“ herausgegeben von Volker Friebel. Aus tausenden Texten ausgewählt 596 Haiku von 115 Autoren sowie 10 Tan-Renga.

„Haiku heute“ ist ein Projekt zur Förderung des deutschsprachigen Kurzgedichts. Die Netzpräsenz www.Haiku-heute.de erstellt aus der Vielzahl an eingereichten Texten jeden Monat eine Auswahl nach literarischen Gesichtspunkten. Die Jahrbücher, von denen hier das vierzehnte vorliegt, versammeln davon die interessantesten Haiku jedes Jahres und geben so einen Überblick zum Stand der deutschsprachigen Haiku-Dichtung. Zusätzlich werden im Jahrbuch auch in anderen Foren veröffentlichte Haiku und nur für das Jahrbuch eingereichte Haiku aufgenommen.



  • Taschenbuch: 104 Seiten
  • Verlag: Edition Blaue Felder (8. Mai 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3960390084
  • ISBN-13: 978-3960390084















HAIKU HEUTE...



"Welches Konzept liegt diesem vierzehnten Jahrbuch des Projekts Haiku heute zu Grunde? Die Verbreitung des Haiku in der deutsch­sprachigen Welt soll beobachtet und dokumentiert werden. Die Vielfalt und die Breite der Ausdrucksformen ist dabei ausdrücklich erwünscht. Literarische Qualität und Inspiration sind die wichtigsten Kriterien. Natürlich stellt sich auch manchmal die Frage, was noch als Haiku gelten kann und was nicht, eine Frage, auf die eine klare Antwort nicht möglich ist. In das Jahrbuch sind 596 Haiku von 115 Autoren und zehn Tan-Renga aufgenommen. " (aus dem Vorwort)

Ein Jahrbuch zur Dokumentation der Weiterentwicklung der Haiku-Dichtung im deutschsprachigen Raum - ein interessates Projekt.  Insgesamt ist das Haiku erstaunlich wenig definiert. Kürze (17 Silben und weniger), Konkretheit (kleine Beobachtungen, keine Interpretationen), Gegenwärtigkeit (Wörter aus dem Hier und Jetzt) und Offenheit werden als charakteristische Merkmale eines Haiku benannt, wobei gerade die Offenheit Raum für Assoziationen beim Leser schafft.

"Es [Das Haiku] hat eher mit Achtsamkeit zu tun als mit Zerstreuung, eher mit Werden und Vergehen als mit Statik, eher mit offener Wahrnehmung und Betrachtung als mit abstrakten Ideen, eher mit dem Kleinen als mit dem Großen." (aus dem Vorwort)

Diesmal bemühe ich ausnahmsweise das Vorwort sehr, weil es viel besser als ich zu erklären vermag, worum es hier eigentlich geht. Das Wesentliche des Buches sind natürlich die Haikus selbst, die hier nicht thematisch sortiert sind, sondern als jeweilige Sammlung eines Autors hintereinander weg erscheinen. Dies empfand ich an manchen Stellen als nicht so gelungen, weil ich dann beispielsweise ein Gedicht sehr ansprechend fand, ein anderes dagegen eher nichtssagend, aber manchmal einfach nur, weil ich emotional noch im ersten festsaß und das nächste womöglich ein ganz anderes Thema behandelte und dann eher störend war.

Interessant finde ich, dass mich Lyrik erst seit einigen Jahren anspricht, so auch die Haikus. Und beim Blick ins Register der Autoren fällt auf, dass bis auf wenige Ausnahmen auch alle schon älter sind. Wie kommt das eigentlich? Ich fände es jedenfalls sehr spannend, auch einmal Haikus einer jüngeren Generation zu lesen. Sicher gäbe es da auch andere Themen, andere Untertöne, andere Emotionen.

Dank der Vielfalt der Beiträge wird hier aber wohl jeder Leser auf Haikus stoßen, die ihn berühren - dass einem alle Kurzgedichte gefallen, wäre bei einer solchen Sammlung eher ungewöhnlich. Ich bin jedenfalls auf einige wundervolle Beiträge gestoßen, und das war letztlich genau das, was ich mir von dem Buch erhofft habe.


© Parden











Über den Herausgeber des Jahrbuchs:

Volker Friebel (*1956) ist promovierter Psychologe und Autor von Veröffentlichungen mit den Spezialgebieten Entspannung, Psychosomatik, Sprache und Musik sowie literarischer Art.

Dienstag, 25. Juli 2017

Wolfschütz, Stefan (Hg.): Mitten ins Gesicht - Haiku aus dem Krieg 1914-1918







Auch wenn die Form nicht allen angestammten Regeln der Haiku-Dichtung folgt, so sind die Gedichtminiaturen aus dem Krieg Anfang der zwanziger Jahre als anerkannte, französische Haiku in den dortigen Literaturzeitschriften erschienen. Ein Phänomen, das vor Augen führt, wieviel es noch aus jenen dunklen Zeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu entdecken gibt. Erschütternd ist es, dabei zu erkennen, welch kultureller Reichtum in den Orten und in den Köpfen der Menschen gnadenlos zerbombt, vernichtet und begraben wurde.

(Klappentext Amazon.de)


  • Taschenbuch: 132 Seiten
  • Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (21. Februar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3743134292
  • ISBN-13: 978-3743134294










HAIKU AUS DEM KRIEG 1914-1918...




Eine ungewöhnliche Anthologie ist dieses Büchlein, ein außergewöhnliches Zeitdokument. Mitten im Gefecht des Ersten Weltkrieges haben seinerzeit junge, französische Intellektuelle die ihnen kürzest mögliche Form verwendet, um das Unfassbare, das grauenhafte Geschehen eines menschenverachtenden Krieges zu dokumentieren: die Haiku-Dichtung.


Ein Granattrichter
Hat in seinem Wasser
Den ganzen Himmel aufbewahrt.



Auch wenn die Form nicht allen angestammten Regeln der Haiku-Dichtung folgt, so sind die Gedichtminiaturen aus dem Krieg Anfang der zwanziger Jahre als anerkannte, französiche Haiku in den dortigen Literaturzeitschriften erschienen. Erschütternd ist es, dabei zu erkennen, welch kultureller Reichtum in den Orten und in den Köpfen der Menschen gnadenlos zerbombt, vernichtet und begraben wurde.


Ein Kunstwerk, der Knauf
Dieses stolzen Säbels.
Wie man doch Verbrechen schönfärbt!



Den Ersten Weltkrieg in einem Haiku festhalten zu wollen, liefe auf dasselbe hinaus wie den ganzen Ozean in einen Fingerhut zu gießen. Doch Momentaufnahmen werden auf diese Art festgehalten wie in einem fotografischen Schnappschuss, mitsamt der ihm innewohnenden Emotionen. Und so kann auch diese minimale Form ein gewichtiges Wort mitreden bei der Rekonstruktion des Schreckens.


Ist es ein letzter Gedanke,
Der sich da in seinem Auge regt?
Nein. Es ist die erste Made.



Nach einer heute noch aktuellen Studie aus dem Jahre 1906 ist das Haiku 'ein schichtes Tableau aus drei Pinselstrichen, eine Vignette, eine Skizze, bisweilen nur ein einfaches Berührtsein, ein Eindruck.' Es ist ein Wahrnehmungskonzentrat, das Empfindungen hervorrufen soll. Und weil 'der Ausdruck auf das äußerste Minimum reduziert erscheint, ist es unmöglich, ein gutes Haiku zu verfassen, wenn man nicht zuvor ein starkes Gefühl oder eine aufrichtige Gemütsbewegung erlebt hat.' Das (oder der) Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt, mit 17 Silben oder weniger.


In den Wirbeln
Des schlecht vergrabenen Pferdes
Macht mein Fuß: Flosch...



Sehr erstaunt war ich über den Fund dieses Büchleins, denn mir war nicht bekannt, dass während des Ersten Weltkrieges so viele Haikus geschrieben wurden. Doch einige französische Intellektuelle, die dem Grauen des Krieges nicht entkommen konnten, haben zu vielen Szenen die kleinen Gedichte geschrieben, um den Schrecken des Momentes nicht zu vergessen - und Stefan Wolfschütz hat sie gesammelt.


Ring nicht so nach Luft!
Die Kugel hat dich mit Blut besudelt,
Doch nur deine Schläfe gestreift.



Es sind nicht immer die typischen Haiku, auf die man hier trifft, und nicht jedes Gedicht konnte mich erreichen. Doch die zahlreich gesetzten Lesezeichen beweisen, dass mich einige Miniaturen doch angesprochen haben und dass ich die Sammlung letztlich als einzigartig emfpunden habe.


Mit dem Tod im Herzen,
Dem Grauen in den Augen
Sind sie aus dem Graben gestürmt.



Die Fotografie war damals noch nicht so weit entwickelt - und so stellt das Haiku womöglich die unverfälschteste Form dar, die Grauen des Ersten Weltkrieges zu präsentieren. Man erahnt die schrecklichen Bilder, die sich den Soldaten lebenslang eingebrannt haben.


Mit einem Loch in der Stirn, in Zeltplane eingerollt,
So trägt ihn ein Kamerad auf der Schulter weg:
Trauriges Schlachtopfer ... auf das eine Mutter wartet.



Krieg und Poesie - geht das überhaupt? Ja, das geht, wie diese Anthologie beweist. Auch wenn mich nicht jedes Gedicht ansprechen konnte und mir gelegentlich nicht klar war, was manche der präsentierten Gedichte noch mit einem Haiku zu tun haben sollten, finde ich es lohnenswert, solcherlei Schätze zu sammeln und sich davon berühren zu lassen.


© Parden











Bei Wikipedia ist über den Herausgeber zu lesen:

Stefan Wolfschütz (* 13. Januar 1953 in Kassel) ist ein deutscher Autor und Theologe. Stefan Wolfschütz studierte zunächst von 1971 bis 1976 Volkswirtschaft in Karlsruhe und Kiel, mit Abschluss 1976 zum Diplom-Volkswirt. 1977–1982 folgte ein Studium der Theologie in Kiel, seit 2002 ist er Pastor im Ruhestand. Wolfschütz ist Textautor vieler Neuer geistlicher Lieder. Er ist Mitglied der Textautoren- und Komponistengruppe TAKT. Er ist darüber Herausgeber von Haiku-Literatur.

übernommen von Wikipedia

Sonntag, 17. April 2016

Clement, Reinhard: Wortspielereimen



In diesem Buch finden Sie insgesamt 86 Gedichte mit Wortspielen und Wortwitz. Mit feinsinnigem Humor erfahren Sie Details aus dem Alltag schottischer Mütter. Wollen Sie außerdem wissen, wie man den Stoffwechsel anregen kann? Oder interessieren Sie sich für den jährlich stattfindenden Buchstabenkongress? Dann sind Sie hier genau richtig. HeREIMspaziert.

(Klappentext Amazon)


  • Taschenbuch: 60 Seiten
  • Verlag: Books on Demand; Auflage: 4 (3. Februar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3739218584
  • ISBN-13: 978-3739218588









Ich danke dem Autor Reihnhard Clement ganz herzlich für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars!









SPIELE MIT WORTEN IN REIMEN...




86 Gedichte und Wortspiele präsentiert Reinhard Clement in seinem zweiten Büchlein. Er schreibt dazu selbst in seinem Vorwort: 'Den Leserinnen und Lesern der vielen Gedichte des unvergessenen Heinz Erhard und allen, die den feinsinnigen Humor mögen, wird diese Sammlung gefallen.'

Ich muss gestehen, dass mir solche Worte vor einer Lektüre eher Bauchschmerzen bereiten. Denn wer sich mit Heinz Erhard auf eine Stufe stellt, muss sich auch daran messen lassen. Und gleichzeitig wird mir mit dem Satz aus dem Vorwort signalisiert, dass, sollte mir die Sammlung eher nicht zusagen, ich feinsinnigen Humor nicht mag und es somit an mir liegen muss, sollten das Büchlein und ich nicht kompatibel sein.

Da ich aber gelegentlich durchaus Gedichte lese und auch humoristischen Texten nicht abgeneigt bin (und Heinz Erhard gleich sowieso nicht), entschloss ich mich schließlich dennoch, den Versband zu lesen. Und anfangs war ich tatsächlich durchaus positiv überrascht. Denn der Spaß beim Spiel mit Worten und Doppeldeutigem ist den Versen anzumerken. Einiges wirkt leicht und beschwingt, dabei oftmals augenzwinkernd, so dass der Leser auch zwischen den Zeilen noch etwas zu entdecken hat.

Aber es gibt hier auch die anderen Gedichte. Manches wirkt bemüht, ohne wirklich 'rund' zu sein. Teilweise stimmt das Versmaß nicht konsequent, so dass es holperig wirkt. Und neben wirklich gelungenen Gedichten wie z.B. dem 'Schuppen-Problem', gibt es solche, die mich überhaupt nicht ansprechen oder überzeugen konnten. Dem Vergleich mit den Werken von Heinz Erhard jedenfalls hielten in meinen Augen hier die wenigsten Verse stand.

Das Werk eines Autors, dem das Vergnügen im Umgang mit den Möglichkeiten der deutschen Sprache anzumerken ist, der sensibel ist für Wortwitz und Doppeldeutigkeiten. Alles in allem eine bunte Mischung, die zu unterhalten weiß, die mich jedoch nicht vollständig überzeugen konnte.


© Parden











Wortspiele und Wortwitz in Reimen: 77 humorvolle Gedichte zum Lachen und SchmunzelnAuf der Seite von Amazon stellt sich der Autor selbst vor:

Fast dreißig Jahre lang war ich erfolgreich als Büttenredner auf den großen Bühnen in den rheinischen und westfälischen Karnevals-Hochburgen unterwegs. Dazu gehörten Fernseh-Aufzeichnungen im Kölner Gürzenich, im Kurhaus in Bad Neuenahr, in der alten Stadthalle in Düsseldorf (später CCD), und in der Westfalenhalle in Münster. Schon damals (seit 1981) waren Wortspiele ein ständiger und unverwechselbarer Bestandteil meiner Büttenreden. Im Jahr 1982 war ich erstmalig einer der Autoren des Buches "Närrische Reden für die Bütt", erschienen im Verlag Otto Teich. Einige Jahre später wurde ich GEMA-Mitglied und schrieb Texte für verschiedene Karnevalslieder. Im Jahr 2015 habe ich dann den Titel "Wortspiele und Wortwitz in Reimen" (als Ebook und Buch) veröffentlicht.

übernommen von Amazon

Samstag, 12. September 2015

Nielsen, Clara: Windschattengewächs


Clara Nielsen gehört zu den bekanntesten Slam-Poetinnen Deutschlands. Ihre bildhafte und doch ungekünstelte Poesie und ihre koketten Texte drehen sich um so weltbewegende Themen wie Windwatte, Farben, Knopflöcher, Jahreszeiten, Energiesparen, die Relativitätstheorie, die Liebe und um Fußball. Sprachverliebt und scharfsinnig verführt sie zum Träumen, Erinnern, Nachdenken - und zum Lachen - manchmal all das auf einmal - in nur 3 Minuten. „Windschattengewächs“ vereint 56 Gedichte und Geschichten, die als Hörbuch ebenso wunderbar funktionieren wie gelesen. Die CD zum Buch beinhaltet 72 Minuten Studioaufnahmen mit der Autorin.








 
  • Broschiert: 132 Seiten
  • Verlag: Periplaneta; Auflage: 1., Buch mit CD (1. November 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3943876535
  • ISBN-13: 978-3943876536


















SPRACHSPIELEREIEN...




Dieses Buch ist wieder einmal ein Zufallsfund, der mich begeistern konnte. Allerdings habe ich die eBook-Version gelesen, so dass ich auf die CD verzichten musste.


Ich will dich in Zeitlupe, um deine Augen zu sehen
und dein Lächeln.
Auch wenn du nur an mir vorübergehst,
will ich mir jeden einzelnen Gesichtszug einprägen, bevor du dich wieder umdrehst.
Ich will diesen einen Augen-Blick
nicht nur für eine Millisekunde,
ich will ihn für eine Stunde.



Die Texte und Gedichte von Clara Nielsen sind intelligent, komisch, nachdenklich, treffsicher. Sie beschäftigen sich mit einer großen Bandbreite von Themen und sind sowohl ernsthaft als auch einfach witzig, da findet sich jeder wieder in dem ein oder anderen Text. Es ist zu merken, wie gern Clara Nielsen mit Sprache spielt - und wie ihr das oftmals hervorragend gelingt.


Und wenn Leute sagen, ich wäre verrückt...
Ja, verrückt nach dem Leben, weil es mich verzückt.
Und hat nicht jeder einen Schatten?
Und steht man sich nicht selbst viel zu oft im Weg?
Und das nicht nur, wenn abends die Sonne untergeht?
Sondern jede Sekunde, jede Minute, jede Stunde, jeden Tag.
Man muss den Menschen, die man mag,
immer wieder aufs Neue zeigen,
dass sie wichtig sind,
dass es interessiert, dass sie bleiben.



Viele Poetry Slamer sind entweder witzig, legen besonderen Wert auf die Poesie oder den Reim innerhalb ihrer Texte oder wenden sich ernsten Themen des Lebens zu. Clara Nielsen ist irgendwie alles davon. Diese Vielseitigkeit hat mir in diesem Band gefallen. Der Autorin gelingt es auch, an ernsthafte Themen mit einem gewissen Witz heranzugehen ohne sie "lächerlich" zu machen.


...und als Schauspieler spiele ich, was ich nicht bin
und als Poet, mache ich mir einen Sinn,
einen eigenen Reim auf die Welt,
verdichte die Löcher der Leere meines Lebens
und hoffe der Satzbau hält,
verstecke mich hinter dem lyrischen Ich und schreibe...



Wie immer bei solchen Sammlungen: manche Texte sprechen einen an, andere sind einfach nett zu lesen. In jedem Fall klingt nichts davon abgehoben, alles ist verständlich geschrieben, und Clara Nielsens Wortneuschöpfungen, die hier gelegentlich auftauchen, gefallen mir sehr.


Es ist schon so spät,
aber ich habe Angst, schon schlafen zu gehen.
Ich gehe hinaus in die Nacht,
umd den Mond anzusehen.
Laufe über den nassen Asphalt,
meine Fäuste geballt
und halte die Luft an, um nicht im Regen zu ertrinken
oder im Morast meiner Gedanken zu versinken.



Schön war, neben den kleinen Geschichten und Poetry Slams auch hübsche, schwarz-weiß gehaltene Fotos der Autorin in dem Kleid auf dem Cover zu entdecken - Lebensfreude pur! Der Ausdruck der Fotos passt in jedem Fall hervorragend zu dem Geschriebenen - eine schöne Ergänzung!


Doch ich will auch nicht, dass du mich vergisst
und wünsch mir wohl auch, dass du mich manchmal vermisst.
Wenn du mir nur ab und zu einen Gedanken schenkst
und deine Stimme für mich senkst
und meinen Namen flüsterst, ganz leise
hinaus in die Nacht
auf sanfte Weise,
wie es sonst niemand macht,
dann wäre ich erfüllt bis oben mit Glück.
Bitte denk an mich, denk an mich zurück!



Ein schöner Zufallsfund!


© Parden










Mal ein kleiner Eindruck der jungen Poetin...













Clara Nielsen, geboren und aufgewachsen in Schleswig-Holstein, tritt seit November 2007 auf Poetry Slams und Lesungen im gesamten deutschsprachigen Raum auf. Mit über 80 Siegen auf vielen großen Poetry Slams zwischen Kiel und Zürich, Düsseldorf und Linz gilt sie als eine der erfolgreichsten deutschen Slam-Poetinnen. Sie qualifizierte sich 2008, 2009, 2010, 2011und 2012 für die deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam und wurde 2010 vom Goetheinstitut für einen Gastauftritt nach Rom eingeladen. 2011 trat sie im Rahmen der Frauenfußballweltmeisterschaft des DFB als Mitglied der Slamnationalmannschaft auf.
Quelle Text


Freitag, 21. August 2015

Meier, Arno: Wolkentürme


http://s3-eu-west-1.amazonaws.com/cover.allsize.lovelybooks.de/Wolkenturme-9783732223183_l.jpgSind Gedichte noch modern? Sie sind es! Eine Situation, eine ganze Lebensgeschichte, eine gemachte Erfahrung auf einer Seite zu (ver)dichten, das ist eine Kunst, die gerade in Zeiten von sms, facebook und twitter sehr gut ankäme, -wenn sie denn noch jemand beherrschen würde! Dass es möglich ist weiß jeder, der diesen kleinen Gedichtband einmal gelesen hat. Mal vergnüglich, mal traurig tauchen diese kleinen Lebensgeschichten genau da auf, wo man sie nicht erwartet.



  • Taschenbuch: 80 Seiten
  • Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (12. Juli 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839191440
  • ISBN-13: 978-3839191446





















SIND GEDICHTE NOCH MODERN?



Sind Gedichte noch modern? Sie sind es! Eine Situation, eine ganze Lebensgeschichte, eine gemachte Erfahrung auf einer Seite zu (ver)dichten, das ist eine Kunst, die gerade in Zeiten von sms, facebook und twitter sehr gut ankäme, -wenn sie denn noch jemand beherrschen würde! Dass es möglich ist weiß jeder, der diesen kleinen Gedichtband einmal gelesen hat. Mal vergnüglich, mal traurig tauchen diese kleinen Lebensgeschichten genau da auf, wo man sie nicht erwartet.


Du hast mir
Deine Hand gegeben
Vertrauend Dich
an meine Schulter gelehnt
Aus unserer Haut
einen Mantel
gegen Finsternis
und Einsamkeit gemacht
Du hast mir
Deine Hand gegeben



Immer wieder einmal greife ich gerne zu einem Gedichtband, denn das komprimierte Gefühl, der ausgeleuchtete Fokus, der poetische Ausdruck - ist es gekonnt, ist es tatsächlich berührend.


Wölfe
in den Wäldern
der Angst
nachtschwarz
heulen zum Mond
so groß
so kalt
so fern
in den Ebenen
der Einsamkeit



In diesem schmalen Buch bin ich auf etliche Verse gestoßen, die mich wirklich ansprechen konnten. Dazu ist es gar nicht notwendig, dass sich die Verse tatsächlich reimen - ich habe oft schon die Erfahrung gemacht, dass die Schilderung eine eindringlichere ist, wenn die Poesie frei ist von vorgegebenen Formen. Zwanglose Gedichte, die einen jedoch zum Nachdenken, Nachhorchen, Nachfühlen zwingen.


Ein Weg ins ungewisse Weite
schaukelnde Vögel
die im Nebel verschwinden
und Bäume
die angedeutet verharren
Die alten Wege
endlich verlassen
und drüben brennt die Sonne
orange hinter den Bergen
und Singen und Luft
damit die Herzen
endlich
das Fliegen lernen



Den größten Teil des Büchleins nehmen die Gedichte in Anspruch - fast schon als Anhang überraschen dann noch einige satirische Texte. Erfrischend, manchmal fast schon albern, erweisen sie sich als gelungener Kontrast zu den eher ernsten Gedichten.

Mich konnte dieser Band in der Tat sehr ansprechen.


© Parden











Arno Meier, geboren 1954, ist als Dozent und Lernberater tätig.
1976 Jugendsonderpreis für Theaterstücke des Landes Baden-Württemburg. Vater zweier Kinder, Buchhalter. Quelle


Sonntag, 29. März 2015

Heine, Heinrich: Ein Wintermärchen

Schulstoff. Der kommt an Heinrich Heine nicht vorbei. Wie aber habe  ich Heinrich Heine wieder entdeckt? Zum einen durch dieses Buch des Reclam - Verlages aus dem Jahre 1989, welches ich mal von meiner Großmutter erhielt. Allerdings zog ich es erst wieder aus dem Regal, als ich nach dem Tod des Schauspielers Eberhard Esche mir dessen CD´s zulegte. Da war auch DEUTSCHLAND. EIN WINTERMÄRCHEN dabei.

Nun, es weiß vielleicht nicht gleich jeder, wie sie anfängt, diese lyrische Reise Heinrich Heines, aber jeder weiß, dass folgende Zeilen dazu gehören:


Buch Seite 9

Im traurigen Monat November war´s,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar, 
Die Augen begunnen zu tropfen.


Das Wintermärchen ist ein satirischens Versepos, so wird es im Wikipedia-Artikel bezeichnet, manchmal nennt man es auch ein politisches Gedicht.*  Heinrich Heine, dessen Schriften zeitweise verbotern waren, hatte aber auch "politisch unkorrekte" Gedanken. Er hatte ein Ziel:


Buch Seite 15
Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Seine Texte und Schriften musste er schmuggeln. Das wurden sie auch. Aber Heine spottete dem "Douanenverein, den misstraischen Preußen:

 Ihr Toren, die ihr im Koffer sucht!
Hier werdet ihr nichts entdecken!
Die Konterbande, die mit mir reist,
Die hab ich im Kopfe stecken..






Das Buch wurde mit Zeichnungen von Max Schwimmer (1890 - 1960) gut geschmückt. Damit wurde es zu einem "Bilderbuch". Der Maler und Grafiker ist Heine nachgereist, er "zeichnete den Abschied von Paris, die preußischen Hemden-, Hosen- und Schnupftuchbeschnüffler des Zolls und den zu Aachen im alten Dom begraben liegenden Carolus Magnus, Das Zopfmilitär... den Vater Rhein... Tacitus... den Kaiser Rotbart... So wird Schwimmer Heines charmanter Bildreporter." (Schutzumschlag Text)



Lyrik lesen, politische Lyrik die hier auch "Geschichtsunterricht" sein kann, ist nicht jedermanns Sache. In diesem Fall hier kann man sie auch hören. Denn der Schauspieler Eberhard Esche hat sich verdient gemacht, um den Heine sowieso und um DAS WINTERMÄRCHEN um so mehr. Der im März 2013 verstorbene Mime reiste mit Goethe und Heine im Gepäck gern umher und gastierte an vielen Theatern. Wenn Esche das Wintermärchen vortrug, dann wurde dies plötzlich wieder hoch aktuell. Das Publikum hatte keine Schwierigkeiten, Heines Verse auf die aktuelle Zeit anzuwenden. Das lag an diesem Schauspieler, dessen unverwechselbare Vortragsart begeisterte. Schade, dass es kein Video gibt davon, weil seine Mimik dem Ganzen bestimmt noch den Punkt auf das bekannte i setzte.

Darum schaut die kleine Bücherraupe auf das bebilderte und das gesprochene Wintermärchen. Es ist ein Genuss, sich dem deklamierenden "Schauspieler, den seine Freunde Ebi nennen" ** hinzugeben, auch das Mitlesen in einem solchen Buch macht Freude. Vielleicht erhöht sich dadurch auch das Verständnis für die 170 Jahre "alten" Texte.


► Heinrich Heine in der DNB
► Max Schwimmer in der DNB
► Eberhard Esche in der DNB
► "Esches" Wintermärchen im Buschfunk

Reclam Verlag / Leipzig 1989 / ISBN: 3-379-00516-9 / 155 Seiten / DNB


* Man sagt, Wikipedia-Artikel sind als wissenschaftlicher Beleg nicht zu gebrauchen. Aber das müssen sie ja auch nicht. Sie taugen vor allem für den Überblick zu Personen, Geschehnissen, Episoden, Litaratur, Theater... Ich finde, da sich so viele Menschen dran beteiligen, sind diese Artikel auch für uns Bücherblogger eine gute Grundlage für Recherchen und Hinweise, sicher aber auch für unsere Leser. 

** Zitat aus DER HAASE IM RAUSCH

© KaratekaDD








Samstag, 18. Oktober 2014

Hesse, Hermann: Musik des Einsamen


Das lyrische Werk Hermann Hesses (1877-1962) steht gleichwertig neben den großen Romanen "Siddharta", "Der Steppenwolf", "Narziss und Goldmund". Dem Autor selbst waren seine Gedichte stets unverzichtbare Möglichkeit zu unmittelbarem, wahrem Ausdruck von Sorgen und Sehnsüchten. Der Band "Musik des Einsamen" (1915) führt dies in eindrücklicher Weise vor Augen. In den leisen und zarten Tönen dieser Dichtungen offenbart sich jenes wunschhafte Streben nach einer alles umspannenden Harmonie, das sich in der Folge für sein Werk als bestimmend erweisen sollte.






  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Anaconda (31. Juli 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866475322
  • ISBN-13: 978-3866475328







 MELANCHOLISCHE POESIE...




Manchmal ist es gut, unbedarft an Bücher heran zu gehen. Hermann Hesse habe ich immer schon gerne gelesen, und so traute ich mich nun auch an sein lyrisches Werk heran.

Nach den ersten Gedichten und poetischen Stücken legte ich allerdings erst einmal eine Pause ein. Und informierte mich bei wikipedia, ob meine Vermutung hinsichtlich Hesses Gemütsverfassung wohl zuträfe. Und ja, es war so wie gedacht: Hesse war schwermütig, melancholisch, depressiv, versuchte schon mit 15 Jahren, sich das Leben zu nehmen...
Diese Haltung spiegelt sich in der vorliegenden Sammlung an Gedichten wieder. Viel ist von Heimweh, Todessehnsucht, Einsamkeit und Dunkelheit die Rede.

Dennoch wohnt vielen der Stücke ein besonderer Zauber inne, die poetische Sprache nahm mich einige Male gefangen. Dabei gefielen mir in der Regel die Gedichte am besten, die auf Reime verzichteten - hier kam Hesses Kunst mit Sprache zu spielen meiner Meinung nach am besten zur Geltung.
Die Gestaltung des Bandes ist sehr liebevoll und hebt dadurch jedes einzelne Gedicht hervor.

Gewünscht hätte ich mir noch eine Datierung der Gedichte, damit man Parallelen zu Hesses jeweils aktueller Lebensgeschichte hätte ziehen können.
Aber auch so ist der Band eine schöne Sammlung lyrischer Texte und Gedichte, die häppchenweise genossen zu empfehlen sind.












***

Abschließend ein Auszug aus dem Gedicht "Wandlung":


Da ich ein Jüngling war,
Da meine ersten schüchternen Gänge
In das ersehnte Land der Liebe
Alle mich trostlos und elend wiederbrachten
In den unverstandenen grellen Tag,
Da war es mir einziger Trost,
Tief im Leid mit vollen Händen zu wühlen, Selbstzerstörend mit wollüstiger Bitterkeit
Jede holde Farbe in Schwarz zu wandeln, Wild auf brechenden Saiten
Hinzustürmen meiner Entbehrung Qual...





 
© Parden









Hermann Karl Hesse (Pseudonym Emil Sinclai; * 2. Juli 1877 in Calw, Königreich Württemberg, Deutsches Reich; † 9. August 1962 in Montagnola, Kanton Tessin, Schweiz) war ein deutschsprachiger Schriftsteller, Dichter und Maler. Weltweite Bekanntheit erlangte er mit Prosawerken wie Siddhartha oder Der Steppenwolf und mit seinen Gedichten (z. B. Stufen). 1946 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur und 1954 der Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste verliehen.


 ► Quelle Text und Bild

Montag, 22. September 2014

Herbstimpressionen - eine poetische Reise durch die Jahreszeit von TinSoldier und Anne Parden

Das nachfolgende Gedicht ist ein gemeinschaftliches Produkt von Parden und TinSoldier. Gedacht ist es als der erste Teil eines Zyklus über die Jahreszeit. Wir hatten Spaß beim Schreiben - und wünschen euch nun Spaß beim Lesen!
Einen schönen Herbst wünschen


Anne Parden und der TinSoldier!



Foto: TinSoldier


Am Morgen


Geheimnisvoll silbrig im ersten Schein
der Sonne die Wiese am Morgen liegt.
Der glänzende Tau am Halm, ganz rein
sich zittrig im feinen Gespinste wiegt:
der Spinnen Kunst, so zart, so fein.
Und um alles sich diesig der Nebel schmiegt.


Luft scheint verzaubert, so sanft und so rein 
Vom  Bachlauf am Wegrain wallt Nebel empor;
Welt scheint verzaubert von Engeln zu sein -
Ganz leis nur vom Kirchturm dringt Geläute an´s Ohr:
Wir atmen die Schöpfung tief in uns ein
Und rufen jauchzenden Dank zum Schöpfer empor!


Die stolze Eiche, so alt, steht allein -
als Schemen jetzt nur im Nebel zu sehn.
Seit ewger Zeit scheint sie dort schon zu sein, 
kein Ästchen bewegt sich am Baume so schön.
Fast schwarz sind die Blätter im ersten Schein
der Sonne, ganz milchig am Himmel zu stehn.

   
 Den borkigen Stamm ein Eichhorn erklimmt,
Und beäugt mit glänzenden Lichtern den Raum.
Von fern man den Ruf einer Krähe vernimmt,
Ein rot-buntes Blatt fällt taumelnd vom Baum:
Die Natur färbt sich bunt und beginnt
Ihr farbiges Fest, bevor den Winter wir schaun´n!


Die Schuhe berühren das feuchte Gras,
so klein die Welt hier im Nebelgrau´n
gedämpft die Geräusche im kühlgrauen Nass
nur wenige Meter sind weiterzuschau´n.
Und modrig dumpf streicht die Luft um die Nas´:
verrottendes Laub und die Pilze am Baum.

 
Feuchte Erde duftet dunkel und schwer
Der Bauer  pflügt am Acker die schwarz-braune Scholle;
Noch segeln silbrige Fäden im Winde daher,
Doch bald schon herrscht im Lande Frau Holle:
Breitet weiße Laken aus über Land und Meer
Und spielt eiskalt ihre frostige Rolle!


Die Sonne durchdringt die silbrige Wand
malt golden die Blätter, farbig die Welt.
Der frühe Wanderer, den Stock in der Hand
vor lauter Ehrfurcht den Atem anhält. 
Es rieselt ganz langsam der Jahresuhr Sand,
doch die Natur zeigt nun Farbe, alles was zählt. 


Noch verhüllt in spätsommerlicher Tarnung
Schwingt doch schon des Herbstes Melodie;
Natur verharrt in dumpfer Ahnung
Ein jedes Herz befällt Melancholie;
  Alles, alles ist Teil göttlicher Planung,
Und ob der Mensch auch zweifelt - 
Gott hingegen irrt sich nie!



© Parden und TinSoldier


Sonntag, 27. Juli 2014

Heine, Heinrich: Deutschland. Ein Wintermärchen


Heine war davon überzeugt, daß er mit seinem "Werkchen" Deutschland. Ein Wintermärchen etwas verfaßt hatte, das "mehr Furore machen wird, als die populärste Broschüre, und das dennoch den bleibenden Wert einer klassischen Dichtung haben wird". Recht hatte er. Mit seinem Versepos sollte er zwar in kürzester Zeit die gesamte empörte Presse gegen sich haben, aber auch heute noch ist es aus unseren Bücherschränken nicht wegzudenken.
Was hier zunächst als genauer Reisebericht über eine Reise daherkommt, die Heine im Jahre 1843 von Paris über Aachen und Köln nach Hamburg führte, entpuppt sich auf den zweiten Blick als eine bissige politische Satire. Heine prangert u.a. die politische Rückständigkeit an, die das in viele Kleinstaaten zersplitterte Deutschland kennzeichnete; die drastischen Zensurpraktiken, mit denen die freie Meinungsäußerung verhindert wurde; sowie die Willkür des Polizeistaats Preußen unter der Herrschaft von Friedrich Wilhelm IV.
Es verwunderte niemanden, daß Heines Werk sofort nach dem Erscheinen verboten wurde. Was ihm als besonders negativ vorgeworfen wurde, war nicht nur der brisante Inhalt, sondern vielmehr die Verbindung von Form und Inhalt. Der Dichter hatte hier nämlich eine Variation der Vagantenstrophe verwendet, durch die die Strophen eine besondere Leichtigkeit erhielten und die zusammen mit der saloppen Sprache den Kritikern und Bewahrern der politischen Zustände geradezu wie schallendes Hohngelächter anmuteten.


  • Taschenbuch
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (1000)
  • ASIN: B00HLR1OJG






Reisebilder und kritische Dichtung...




Auszug aus dem Werk Heines


Da ich Heinrich Heines Klassiker "Deutschland. Ein Wintermärchen" noch gar nicht kannte, aber bereits in Erfahrung gebracht hatte, dass es zum Verständnis des Werkes gut wäre, über bestimmte historische, politische, religiöse, mythologische und literarische Kenntnisse der damaligen Zeit zu verfügen, beschloss ich, mir nicht nur den Text als solchen zu besorgen, sondern gleich ein Buch, in dem auch Erläuterungen und Kommentare dazu abgedruckt sind.
Ich entschied mich letztlich für das Werk aus der Reihe "Suhrkamp BasisBibliothek".

Nach der Lektüre des Buches nun die Frage: wie kann man es bewerten? Wonach sich dabei richten?
Bei den Kommentaren war mir wichtig, dass sie leicht verständlich, strukturiert und informativ gleichzeitig waren. Dabei nicht zu lang, also nicht ermüdend. Mir hat das in diesem Buch wirklich gut gefallen. Kurz und prägnant waren die Erläuterungen sowie äußerst hilfreich, um das Werk Heines in einen angemessenen Gesamtrahmen einordnen zu können.

Wie aber kann man nun einen "Klassiker" bewerten? Die Form - es handelt sich bei dem Werk um ein Versepos - ist sicher nicht mehr zeitgemäß, genauso wenig die Sprache. Erstmals erschien "Deutschland. Ein Wintermärchen" im Jahr 1844.
Doch obwohl das Versepos für mich teilweise anstrengend zu lesen war, gerade auch durch die unterbrechenden Texterläuterungen, ohne die ein Verständnis jedoch erschwert oder sogar unmöglich wäre, fand ich es sehr beeindruckend. Mit dem nun vorhandenen Hintergrundwissen um die damaligen politischen und gesellschaftlichen Umsände ist das Werk m.E. nicht hoch genug einzuschätzen...

Nach 12 Jahren Emigrantentums in Paris erfasst Heine das Heimweh, und er tritt eine Reise quer durch Deutschland an bis in seine Heimatstadt Hamburg. Beim Wintermärchen handelt es sich jedoch nicht nur um in Verse gebrachte Reisebilder.
Das Werk ist vielmehr in erster Linie eine Satire auf die Missstände der damaligen deutschen Gegenwart, eine kritische Dichtung, die den vorherrschenden politischen Zuständen sozusagen den Spiegel vorhielt. Dabei war es nicht einfach, das Werk an der scharfen Zensur vorbei so zu erhalten, dass es seinen Charakter nicht verlor...

Auch wenn Heine in einem anderen Jahrhundert (-tausend) lebte als wir heute, war es für mich tatsächlich ein Vergnügen, die Verse zu lesen. An manchen Stellen musste ich richtig schmunzeln, weil ich mir die Reaktionen der politischen wie kirchlichen Obrigkeit auf derartige "Frechheiten" gut vorstellen konnte.

Insgesamt komme ich trotz anstrengender Lektüre also zu einer sehr guten Bewertung - sowie zu der dämmernden Erkenntnis, dass Klassiker wohl nicht umsonst Klassiker geworden sind...


© Parden








Christian Johann Heinrich Heine (* 13. Dezember 1797 als Harry Heine in Düsseldorf, Herzogtum Berg; † 17. Februar 1856 in Paris) war einer der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten des 19. Jahrhunderts.
Heine gilt als „letzter Dichter der Romantik“ und zugleich als deren Überwinder. Er machte die Alltagssprache lyrikfähig, erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform und verlieh der deutschen Literatur eine zuvor nicht gekannte elegante Leichtigkeit. Die Werke kaum eines anderen Dichters deutscher Sprache wurden bis heute so häufig übersetzt und vertont. Als kritischer, politisch engagierter Journalist, Essayist, Satiriker und Polemiker war Heine ebenso bewundert wie gefürchtet. Wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Einstellung wurde er immer wieder angefeindet und ausgegrenzt. Diese Außenseiterrolle prägte sein Leben, sein Werk und dessen wechselvolle Rezeptionsgeschichte.


Quelle Text und Bild