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Sonntag, 10. August 2025

Ruthardt, Ralf M.: Das laute Schweigen des Max Grund - Rezension 2

und hier ist sie...
Als Anne Parden Ende Juli dieses Hörbuch vorstellte, war nach dem Lesen der Rezension der Entschluss, ebenfalls zu hören schnell gefasst.

Der Ersteindruck war ein positiver, aber ob das so blieb? Ein schreibender Unternehmensberater für Strategie und Innovationen, mit Erfahrungen zu Digitalisierung, Innovationsmanagement (Start-Ups) und mit künstlicher Intelligenz. A Propos künstliche Intelligenz: schreibt er wirklich „über gesellschaftliche Fragen, menschliche Beziehungen und Perspektivwechsel als Weg zur Versöhnung und zum friedlichen miteinander?“

Wobei ich hier eher den zweiten Teil der Frage in Frage stellen würde...

Inhalt: Max Grund ist ein Vater von drei erwachsenen Kindern und Unternehmer. Er hadert, wie viele, mit den aktuellen politischen Entscheidungen der Zeit mit den Schwerpunkten Covid-19-Pandemie und Migration. Vernünftige Diskussionen in Politik und Medien seien selten oder unmöglich geworden. Belehrungen durch Print- und TV-Medien wo es nur geht. Darf man noch sagen, was man denkt? Kann ein Satz, ein Post der eigenen Reputation, dem eigenen Unternehmen, der Familie schaden? „Im Alltag lehnt sich Max gegen eine politische und mediale Meinungskultur“, schreibt der Allitera Verlag und „dass der Roman dem schweigenden Bürgerinnen und Bürgern eine Stimme gibt.“

Freitag, 8. August 2025

Plagiat, Ghostwriter oder Beeinflussung von Politik? - die Causa Weber vs. Brosius-Gersdorf

1. Einleitung 
 

These: In diesem Blog gibt es vermutlich diese oder jene Textstelle, die ein Plagiat darstellen könnte, oder plagiatsähnlich ist. Immer unabsichtlich. Einmal wurden wir wegen eines vermeintlichen Verstoßes gegen das Urheberrecht sogar abgemahnt. Der beauftragte Rechtsanwalt sorgte für einen Vergleich: weniger als die Hälfte der Forderung. Heute würde ich diesen Fall vor Gericht ausfechten, denn es ging um ungenügende Zitierung und das Kleingedruckte in den AGB´s des Anbieters...

Das ist einige Jahre her. Seit dem gibt es gefühlt keine Woche, in der nicht irgend ein Fall von Plagiat, Ghostwriter-Nutzung oder Ähnlichem durch die Presse und das Netz wabert. Mit Herrn Guttenberg fing es an, momentan ist Frau Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf dran.

Dies hier ist meine Meinung zu einem unsäglichen Fall und die Rolle von Doz. Dr. Stefan Weber. Der steht „für gute wissenschaftliche Praxis“ und für „ehrliche Akademiker“. (1)


Sonntag, 29. Juni 2025

Peter, Ira: Deutsch genug?

 

Deutsch genug? - Warum wir endlich über Russlanddeutsche sprechen müssen

Schon der Klappentext beginnt mit Klischees beziehungsweise Vorurteilen: 

„Sie wählen rechts, sprechen nur russisch und unterstützen Putin?“ Noch ein paar gefällig? Lauwarmer Wodka mindestens "sto" Gramm; Russen sind kinderlieb, gewaltsam, haben keine Gardinen an den Fenstern, die Ehefrauen sind ziemlich dick und grell geschminkt, Russen und damit auch Deutschrussen, neigen zu mafia-ähnlicher Bandenbildung....

Damit habe ich gleich mal ein paar gängige Klischees von „früher“ mit genannt, wobei, die Wohnblöcke der Offiziersfamilien mit den fehlenden Gardinen und den außen wild geführten Antennenkabeln habe ich gesehen. Dass aus jungen hübschen Frauen nach der Hochzeit Matrioschkas werden, kann ich schon aus fehlender eigener Ansicht nicht bestätigen. Überhaupt fehlt der Kontakt, ich kenne nämlich keine Deutschrussen (Nur eine vor Jahren zugewanderte Ukrainerin, die einen Freund heiratete). Und die letzten Briefpartner waren Kinder aus Ulan-Ude und Irkutsk und das ist fünfzig Jahre her. Im Russischunterricht bekam man, wenn man wollte, Adressen zum Briefe schreiben....

Aber hier geht es ja um „Deutschrussen“. Aber wenn die kein astreines Deutsch sprechen, dann sind es wohl „Russen“?. Egal woher sie kommen oder kamen, aus Kasachstan, Sibirien, Georgien, dem Kaukasus oder der Ukraine, russisch sprachen alle von über 30 Jahren, so auch Ira (Irina) Peter, die kam nämlich 1992 aus Kasachstan, in ihrem sowjetischen Pass stand die Nationalität immer drin, also Russe, Kasache, Deutscher, Pole, Ukrainer, Jude...

Sie lädt die Leserinnen und Leser ein, „...2,4 Millionen Menschen kennenzulernen, von denen die meisten seit über 30 Jahren in diesem Land leben. Menschen, die keine fremden Nachbarn mehr sein mögen.“

Mittwoch, 18. Juni 2025

Von Neutsch bis Kowalczuk: der 17. Juni 1953

Der 17. Juni 1953: Ich weiß nicht, wann dieses Datum erstmals bewusst in mein Leben trat. Selbst Jahrgang 1963, geboren (in Dresden) 10,5 Jahre nach diesem bedeutenden Tag in der DDR-Geschichte, war dieses Datum lange Zeit für mich und in der Familie eher bedeutungslos. Unsere Eltern waren elf Jahre alt und daher nicht für direkte Erinnerungen geeignet. Einzig mein Großvater, den ich gerade ab 1989 hätte vieles fragen wollen, wäre in der Lage gewesen, seine Sicht auf diesen Tag darzulegen, es wäre vermutlich eine ddr-kommunistische Darstellung geworden.

In dessen Bücherschrank stand ein Buch von Erik Neutsch, das ist der, der einst SPUR DER STEINE (1964) schrieb, nach diesem Roman drehte Frank Beyer den weit bekannten gleichnamigen Film. Doch ich meine hier den Roman AUF DER SUCHE NACH GATT (1973), ebenfalls verfilmt, mit Dieter Mann in der Hauptrolle. Da kommt ein Mann aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause, wird Journalist, Kommunist, Bergmann und findet sich wieder in den Tagen des 17. Juni. Die Szenen im Buch und Film zeigen, wie Parteizentralen gestürmt und Fahnen verbrannt werden, GATT wird aus der protestierenden Menge angegriffen und verletzt. Ich glaube, das waren meine ersten Bilder zum 17. Juni und die waren bezeichnend: VOLKSAUFSTAND? Nee: Konterrevolution...

Sonntag, 15. Juni 2025

Über Palästina... und mehr

Über Palästina, den Nahost-Konflikt, Israel und Judentum, Araber und Islam, Holocaust und Antisemitismus. 

Topographische Karte
von Palästina
mit international
anerkannten
Staatsgrenzen
Seit dem 07.10.2023 trat der Nahostkonflikt wiederholt mit einem Knall in unser Leben. Die radikalislamistische Terror-Organisation HAMAS griff aus dem Gaza-Streifen Israel an, tötete mehr als 1200 Israelis und verschleppte mehr als 200 Geiseln in den Gazastreifen. Die israelische Antwort folgte sofort und seitdem herrscht Krieg. Aus dem Iran, dem Libanaon, dem Gaza-Streifen, selbst aus dem Jemen fliegen Raketen auf den kleinen säkularen und gleichzeitg jüdischen Staat, der 1948 gegründet wurde.

Auch in Israel brodelt es: Mit einer Justizreform könnte der amtierende Ministerpräsident die einzige Demokratie in diesem Raum nachhaltig beschädigen, da er an der Gewaltenteilung rüttelt.

Nun, seit dem 12.06.2025 fliegen die israelischen Luftstreitkräfte Angriffe auf Atom- und Militäranlagen in der Islamischen Republik Iran, womit der Konflikt eine Entwicklung nimmt, die 1948 (Palästinakrieg), 1967 (Sechstagekrieg) und 1973 (Jom-Kippur-Krieg) weit übertreffen könnte.


* * *


Im Jahr 2009 hatte ich die Gelegenheit, eine Studienreise mit der Gewerkschaft nach Israel zu machen. Diese führte von Tel Aviv - Jaffa, durch den Negev, Masada, En Gedi, Totes Meer, Jericho, Nazareth, den See Genezareth, Akkon, die Golanhöhen und das Hebron - Tal nach Jerusalem. Im Jahr 1998 war ich schon mal in der Gegend, damals stand auch Bethlehem auf dem Programm. Eine Wiederholung war im Oktober 2023 geplant. Der Flug sollte eine Woche nach dem 7. Oktober 23 stattfinden, er fiel natürlich aus.

Freitag, 25. April 2025

Drosten, C. / Mascolo, G.: Alles Überstanden?

 Ein längst fälliges Gespräch.

Der einzige Schrecken, den in meinen Kinderjahren das Wort Impfen verursachte, war die Angst vor einer spitzen Nadel. Ansonsten war Impfen etwas völlig Normales. Eine Impfung war als Schluckimpfung, ein Stück Würfelzucker getränkt mit dem Stoff, vorgesehen. Die war gegen Polio (Polyomyelitis) gedacht, Kinderlähmung. Das muss was Hässliches gewesen sein.

In der dritten Staffel der Miniserie Charité wird ein Westberliner Junge in eine Eiserne Lunge gesteckt. Nebenbei wird die Geschichte erzählt, dass Walter Ulbricht, die Serie spielt unmittelbar zur Zeit des Baus der Mauer, dem Bundeskanzler 1 Million Dosen Impfstoff angeboten hatte, das Angebot wurde, weil es „Russenimpfstoff“ war, abgelehnt. Die Geschichte wird hier erzählt – eine Geschichte des kalten Impfkrieges. Womit wir beim Thema wären: Charité und Impfen.

Um was geht es?
Eigentlich stehen Wissenschaftler wie der Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie selten im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Den hier aber kennen wohl alle, da reicht ein Blick auf das Cover des vorliegenden Buches: Prof. Dr. Christian Drosten (1972) ist der Leiter des Instituts für Virologie an der Berliner Charité. Er ist der Gesprächspartner des zweiten Autors dieses gedruckten „podcasts“, dem investigativen Journalisten Georg Mascolo (1964), ein ehemaliger SPIEGEL-Chefredakteur.

Das eigentliche Wort oder Problem, um welches es hier geht, ist noch gar nicht gefallen: Corona, Covid-19, Pandemie. Das sind schon drei Wörter. Diese lernten wir mit Beginn des Jahres 2020 mehr als zur Genüge kennen.

Bevor ich weitermache, bekenne ich: Dreimal geimpft, regelmäßiger Hörer des Podcasts des genannten Professors, weitgehend disziplinierter Bürger was Mundschutz und Selbstisolation betrifft, zweimal infiziert, davon einmal mit ganz leichten Nachwirkungen, beide Male Wochen nach Impfungen.
Wenn mir irgendetwas richtig auf den Zeiger ging, dann war es das Wort „Fernlehre“ – Telefonunterricht ohne Kamera, weil das Netz den Augenkontakt mit den Lehrgruppen nicht lange mitgemacht hätte. Was mindestens die Hälfte der Schüler tatsächlich gemacht hat, das können sie nur selber beantworten.

Zurück zu Drosten und Mascolo.

Donnerstag, 3. April 2025

Masala, Carlo: Wenn Russland gewinnt - Ein Szenario

Wahrscheinlich jeder länger dienende Soldat, vor allem Berufssoldaten und unter diesen Einheitsführer, lernt die militärische Lage zu beurteilen. Den vermutlichen Zielen des Gegners, dessen Fähigkeiten in Angriff und Verteidigung, seiner Ausrüstung und seinen Kampfmitteln werden die Fähigkeiten der eigenen Einheit, des Bataillons, des Regiments, der Brigade gegenübergestellt, eigene taktische Ziele entwickelt, Entschlüsse gefasst und diese in Pläne und Befehle umgesetzt. Dabei geht es um Taktik als Theorie und Praxis der Führung solcher Formationen, das ist Bestandteil der Kriegführung. Strategie, operative Kunst und Taktik werden insgesamt als Kriegskunst bezeichnet.

Bevor Divisionen, Korps oder Armeen in Einsatzbereitschaft oder in Marsch gesetzt werden, wird die Strategie festgelegt, welche nicht nur, aber vor allem von der Politik bestimmt wird.

Der Einsatz der deutschen Kampfbrigade in Litauen, die aus 5000 Soldaten und Soldatinnen unserer Bundeswehr bestehen soll, ist Ergebnis der deutschen, der europäischen und NATO-Strategie im Ergebnis der Beurteilung der politischen militärischen Lage im Zusammenhang mit dem schon drei Jahre anhaltenden Krieges in der Ukraine.

Kriegstüchtig sein. Das erfordert vor allem Übung, Übung, Übung. Jede Übung im größeren Rahmen, oft Manöver genannt, folgt einer Idee, einem Szenarium, nachdem der militärische Gegner handeln könnte und geübt wird, wie ein möglicher Angriff zum Beispiel zurückgeschlagen werden kann.

Die genannte Brigade in Litauen (Panzerbrigade 45) muss aber gleichzeitig so leistungsfähig, geübt und ausgerüstet sein, das es sich der mögliche Gegner überlegt, den NATO-Staat Litauen anzugreifen. Als möglicher militärischer Gegner kommen im Norden der NATO-Flanke nur zwei Staaten in Betracht: Weißrussland und Russland.

Montag, 30. Dezember 2024

BlogPost Nr. 211: Mein Bücherrückblick 2024

 


Es war ein politisches Jahr. Dies soll heißen, dass ich fast jeden Monat auf ein Sachbuch hätte zurückgreifen können. Trotz relativ weniger Posts, unter 200 in diesem Jahr, fiel die Auswahl schwer. So einige interessante Titel bleiben also auf der Strecke und hätten es mehr als verdient, erwähnt zu werden.

Mittwoch, 16. Oktober 2024

Kowalczuk, Ilko - Sascha: Freiheitsschock -

Eine andere Geschichte Ostdeutschlands von 1989 bis heute...
„(Das) Prinzip lautet: daß der einzige Grund, aus dem die Menschheit, einzeln oder vereint, sich in die Handlungsfreiheit eins ihrer Mitglieder einzumengen befugt ist, der ist: sich selbst zu schützen. Daß der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gemeinschaft rechtmäßig ausüben darf, der ist: die Schädigung anderer zu verhüten...

Man kann einen Menschen nicht rechtmäßig zwingen, etwas zu tun oder zu lassen, weil dies besser für ihn wäre, weil es ihn glücklicher machen, weil er nach Meinung anderer klug oder sogar richtig handeln würde.“ (John Stuart Mill in ÜBER DIE FREIHEIT - 1859 - Seite 206)
Und wer darf das? Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland führt Grundrechte in den Artikeln 1 – 19 auf. In ein solches darf nur durch ein Gesetz eingegriffen werden. Ausgenommen davon ist einzig die Würde des Menschen, denn diese ist unantastbar. Der Wesensgehalt dieser Grundrechte darf keinesfalls verändert werden. Die Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie vollzieht sich in Wahlen und Abstimmungen sowie durch Organe der Rechtssprechung (Judikative) der Gesetzgebung (Legislative) und die vollziehende Gewalt, die Regierung (Exekutive).

Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden. Das nennt man Gewaltenteilung und wenn mich nicht alles täuscht, können die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen dies ziemlich genau erläutern, denn die uns anvertrauten Polizeischüler lernen das in Fächern wie Einsatzrecht und Staats- und Verfassungsrecht bzw. politischer Bildung. Der Wesensgehalt des Grundgesetzes und dieser deutschen Republik lässt sich nicht einfacher, zumindest nicht kürzer darstellen finde ich.

Montag, 14. Oktober 2024

Kinderbuchautor? Klar doch. Warum auch nicht...

Lieber Dr. Robert Habeck,

vor wenigen Monaten erzählte mir der Verleger Ralf Plenz, den Sie vielleicht kennen sollten, von den kleinen Märchenbüchern, welche da einst im Hamburger Stadtteil Ottesen hergestellt wurden und die sich durch einige Besonderheiten auszeichneten. Erinnern Sie sich? An „Der kleine Märchentraum“ und an „Die Blumen der Prinzessin vom gelben Schloß“? An eine farbverlaufende individuelle Schriftart und die filigranen Bilder, die an Tolkiens Elben erinnernden Rahmenelemente auf jeder Seite?

„Es gibt noch Prinzessinnen. Ich weiß es, weil ich selbst einmal eine getroffen habe. Aber da war sie schon eine alte Frau mit dem warmen Gesicht einer alten Frau. Sie war sehr schön, als sie jung war, wie es nun mal alle Prinzessinen sind...“ (Seite 5) 

Und Prinzessinnen brauchen Prinzen und beide brauchen Thronfolger, und entgegen der Wirklichkeit sollten sie sich lieben, der Prinz und die Prinzessin...




Im siebenten kleinen Märchenbuch wurde ihre Geschichte veröffentlicht. Sie reihen sich ein in eine Gruppe begeisterter Autorinnen und Autoren, die eine einmalige Gelegenheit erhielten, in solch schöner Aufmachung vielleicht sogar über Hamburg hinaus bekannter zu werden.


Mittwoch, 2. Oktober 2024

BlogPost Nr. 209: HERRHAUSEN - Herr des Geldes (Miniserie ARD)

Geschichte lernt man aus Romanen, Filmen und Sachbüchern. Zumindest machen das die Laien so. Solche wie ich. Historiker nutzen Sachliteratur und Archive in ganz anderem Umfang.

Die ARD hat nun eine wirklich kurze Miniserie herausgebracht, in deren Mittelpunkt einer steht, der vielleicht mehr als man gemeinhin denkt, den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung vorgedacht hat.

Der Tod des Vorstandssprechers der Deutschen Bank Alfred Herrhausen jährt sich am 30. November zum 35. Male. Die Öffnung des eisernen Vorhangs auch inmitten Deutschlands erlebte er noch mit.

Als "Herr des Geldes" stand er wie andere auch (Hans M. Schleyer, Detlef K. Rohwedder) als maßgeblicher Vertreter des Großkapitals auf der Abschussliste der terroristischen Roten Armeefraktion.

Der Mord wurde bisher nicht aufgeklärt, die RAF bekannte sich aber zum Anschlag, dessen akribische Durchführung erstaunte. 

Sonntag, 11. August 2024

Clancy, Tom: Die Macht des Präsidenten / Pflicht und Ehre


Es erscheint seltsam, wie man so an einer Reihe hängen kann, deren eigentlicher Autor bereits vor über zehn Jahren das Zeitliche segnete. Lange Zeit verschlang der spätere Literaturblogger die Polit-Militär-Thriller des Tom Clancy. Allerdings lies die Begeisterung spürbar nach, als Co-Autoren auftraten und Clancy mit Command Authority – Kampf um die Krim das letzte mal selbst mit Hand anlegte an sein Jack - Ryan – Universum.

Bereits bei dem eben genannten Buch verblüffte der Autor nicht zum ersten Mal, ein Jahr nach dem Lesen holte sich der echte amtierende russische Präsident tatsächlich die Krim. Vier Bücher später, gibt Mark Greaney den Band DIE MACHT DES PRÄSIDENTEN heraus und plötzlich kommt es dem Literaturblogger vor, als käme da etwas von Clancys alter Stärke zurück.

Mittwoch, 31. Juli 2024

Primor, Avi: Der Himmel war weit über Palästina (Part 6)

(Palästina & Israel 2023/24 - Part 6)

Vor vielen Jahren hielt ein Kommandeur der Haganah eine Trauerrede auf den ermordeten Bürgermeister eines dem Kibbuz nahegelegenen arabischen Dorfes. Seid Kindesbeinen waren sie Freunde. Ermordet, weil er von seinen jüdischen Freunden nicht lassen wollte, des Verrats nicht fähig war. Die Geschichte von Ari Ben Kanaan und Taha kennt an sich die ganze Welt. 1958 schrieb Leon Uris diesen Roman, der erfolgreich unter dem gleichnamigen Titel EXODUS verfilmt wurde. 
Knapp fünfundzwanzig Jahre später konnten die Leserinnen und Leser in einem anderen Roman mit dem Titel HADSCH einen Hadschi namens Ibrahim al-Sukari al-Wahabi folgen, der ebenfalls einen, nicht ganz so engen, jüdischen Gefährten hat, und den sein Weg bis nach Genf führt und in ein Flüchtlingslager in der Westbank bei Jericho. Im Jahre 2014 schrieb ich über beide Romane des US-amerikanischen Schriftstellers jüdisch-polnischer Herkunft.

Aus historischen Romanen lernen ist etwas für Nichthistoriker. Man sollte sich vergegenwärtigen, dass man eben einen solchen Roman liest, der Begleitliteratur, Sachliteratur förmlich fordert. Zwischendurch, also bis heute, las ich dann auch mehr Sachliteratur und ein seit einigen Jahren ein literarisches Novum, einige graphic novels.

Der seit einem dreiviertel Jahr wieder aufgeflammte Nahostkonflikt lies mich wieder nach aktuellen Büchern greifen. So wurde ich auf Avi Primor aufmerksam, geboren 1935 in Tel Aviv, der von 1993 bis 1999 israelischer Botschaft in Deutschland war. BEDROHTES ISRAEL las ich und schieb hier darüber. Primor hat nun im Jahr 2020 einen Roman herausgebracht, in dem der Himmel sich weit über drei Familien wölbt, deren Geschichte bereits 1869 beginnt.

Dienstag, 23. Juli 2024

Sonne, Werner: Israel und wir… (Palästina und Israel 2023/24 - Part 5)

Bestimmte Bücher erscheinen manchmal ganz schnell. Das gilt insbesondere wohl für Sachbücher, die sich mit aktuell-politischen Geschehen beschäftigen. Ein solches ist der mit dem Oktober des Jahres 2023 wieder angefachten Nahost-Konflikt. Dies ist nun schon der fünfte Beitrag, der sich sich damit beschäftigt.  

Zur Erinnerung: Seit dem Jahre 2009, das Jahr indem ich mit einer Reisegruppe der Gewerkschaft der Polizei Palästina besuchte, sammeln sich eine Vielzahl von Büchern zum Thema im Regal. Einige habe ich hier bereits besprochen, nicht von ungefähr gibt es dafür eine extra Seite auf diesem Blog.

Deutschland steht seit Konrad Adenauer, seit Olympia 1972 uns nicht zuletzt nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel von der Sicherheit Israels als deutsche Staatsräson sprach, in eine besonderen Beziehung zu diesem jüdischen Staat, dessen aktuelle Regierung gerade die einzige (und doch in Blick auf europäische) Demokratie aufs Spiel setzt. Dazu schrieb ich vor kurzem in der Buchbesprechung zu Bedrohtes Israel.

Samstag, 13. Juli 2024

Primor, Avi: Bedrohtes Israel... (Palästina und Israel 2023/24 - Part 4)

Einmal oder mehrfach in jedem Jahrzehnt sticht der seit 80 Jahren oder mehr schwelende Palästinakonflikt in den Nachrichten hervor. Wird auch das Jahr 2023/2024 im Bewusstsein der Welt so verankert werden wie andere? - Bedrohtes Israel - Ein Land im Ausnahmezustand.

Die Welt nahm am 07. Oktober 2023 den aus dem Gazastreifen heraus verübten terroristischen Überfall der HAMAS auf Israel zur Kenntnis, der mit über tausend getöteten Menschen und rund dreihundert entführten Geiseln einherging und der einen andauernden Krieg verursachte. Doch nicht nur das, weltweit sehen wir Proteste, die sich vordergründig gegen die militärischen Handlungen Israels wenden, sich für die Palästinenser einsetzen und antizionistisch, antijudaistisch sowie oft antisemitisch gekennzeichnet sind. Irgendwie scheint man dabei das Elend der betroffenen Gaza-Bevölkerung zur Begründung heranzuziehen und gleichzeitig wieder zu negieren, denn die Rolle der HAMAS diesbezüglich ist mehr als nur nebensächlich.

„From the river to the sea“ soll Palästina befreit werden und zwar von den Juden. „Free, Free Palätine!“-Rufe richten sich in der Regel gegen den Staat Israel und nicht gegen die terroristische HAMAS oder deren militärischen Arm, den Islamischen Dschihad. 

Es ist schon eine Weile her, denn bereits im November 2023 aktualisierte ich meinen Blick auf  DIE ERSTEN ISRAELIS mit Tom Segev, folgte Saul Friedländers BLICK IN DEN ABGRUND und las im Januar 24 bei Abdel-Hakim Ourghi über DIE JUDEN IM KORAN: Nun ist es Zeit, dass ich meine Palästina-Betrachtungen erweitere, dies beginnt mit Avi Primors Buch BEDROHTES ISRAEL – ein Land im Ausnahmezustand.

Donnerstag, 9. Mai 2024

Salzer, Monika: Omas gegen rechts (Hörbuch)

 

In vielen Ländern Europas schlagen rechte Stimmen immer schrillere Töne an. "Omas gegen rechts" ist die sympathische Gegenbewegung dazu. Schon von weitem an ihren roten Strickmützen zu erkennen, kämpft eine stetig wachsende Zahl von Omas in Deutschland und Österreich für Demokratie und gegen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Bewegung "Omas gegen rechts" entstand 2017 als Reaktion auf die Nationalratswahlen in Österreich, aus der eine Regierung mit Beteiligung des rechten Lagers hervorging. Inzwischen schwappt sie auf immer mehr europäische Länder über. Monika Salzer, die die Bewegung zusammen mit einer Handvoll "Omas" gründete, legt hier ein beindruckendes, streitbares Manifest für mehr gesellschaftliche Solidarität und Eintreten gegen rechte Positionen vor. (Verlagsbeschreibung)

DNB / argon hörbuch / 2019 / ISBN 978-3-7324-5340-5 / 226 Minuten



Aus aktuellem Anlass sozusagen fiel mir dieses Hörbuch in die Hände. Letztendlich kam ich zu dem Schluss, dass aufgrund der vielen wichtigen Themen das Printbuch dem Hörbuch wohl vorzuziehen ist - ansonsten aber gilt: interessant und wichtig mit klarer Aussage! Hier gibt es mehr dazu:


Sonntag, 31. März 2024

2000 Seiten Geschichte... Eine Buchvorstellung in Berlin


Vorgestern, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften am Gendarmenmarkt in Berlin. Neunzehn Uhr. Ein großes Publikum, Durchschnittsalter um die 50 - 60 schätze ich trifft sich, die Veranstaltung kostet keinen Cent. Beteiligt an der Veranstaltung sind neben der Akademie der Tagesspiegel, rbb24 und der Berliner Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Über der Bühne winkt Walter Ulbricht, um den und andere gehts, denn Ilko-Sascha Kowalczuk stellt beide Bände seiner Biografie über den "erfolgreichsten Kommunisten Deutschlands" vor. Die Eingangsrede hält der Präsident der Gastgeberin, Christoph Markschies, er hat durchaus Beziehungen zu Ulbricht gefunden, denn in diesem Gebäude saß ehemals die Akademie der Wissenschaften der DDR. Nach einem Grußwort von Frank Ebert, trat Ilko-Sascha Kowalczuk an das Rednerpult und stellte zum Beispiel fest, dass es ein Verlag wie C.H. Beck sicherlich nicht so toll findet, wenn der Autor einer 2000seitigen Biografie sich eigentlich keinen Deut darum scheert, wie es denn um den Verkauf eines solchen Werkes stehen könnte. Ansonsten wäre der Verlag der "Olymp" für einen Historiker wie ihn.

Der Hinweis auf die Marx-Biografie des "großen marxistischen Historikers" Franz Mehring lies mich gestern das eBook besagter Biografie erwerben. Mal sehen, wie sich die über einhundert Jahre alte Biografie lesen lässt.

Dann fragte er noch, ob denn Geschichte überhaupt einen Sinn aufweist, und ob dann eine Biografie fragwürdig wäre, wenn dies nicht so wäre. Trotz des Bezuges auf Leute wie Sartre oder Popper, das Publikum wird schon einen Sinn darin gesehen haben, der Diskussion rund um die Buchvorstellung zu folgen.

Mittwoch, 27. März 2024

Kowalczuk, Ilko-Sascha: Walter Ulbricht - Der deutsche Kommunist

Als Walter Ulbricht am 1. August 1973 starb, fanden in Berlin, der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik, die X. Weltfestspiele statt. Das Ereignis, also die vom Weltbund der demokratischen Jugend (WBDJ) veranstalteten Weltjugendspiele, drang natürlich bis das Klassenzimmer des damals neunjährigen Dresdner Jungen, der nun diese Zeilen hier schreibt. Sicherlich auch die Meldung, dass der Vorsitzende des Staatsrates der DDR, der Genosse Walter Ulbricht (mittendrin) verstarb. Vielleicht wurde das auf einem Schulappell der Pionierfreundschaft bzw der FDJ-Grundorganisation der 35./54. POS in Dresden-Löbtau auf der Clara-Zetkin-Straße erwähnt, erinnern kann ich mich daran nicht. Ebenso nicht daran, dass das Stadion der Weltjugend, in dem diese Weltjugendspiele eröffnet wurden, bis vor kurzem noch Walter-Ulbricht-Stadion hieß.

Viel mehr im Gedächtnis dieser ersten Schuljahre des damaligen begeisterten Jungpioniers ist das Sammeln von Bleistiften und Schulheften für die nordvietnamesischen Bauernkinder, die Rosenkarten für US-Kommunistin Angela Davis, die als terrorverdächtig angeklagt war, die Niederschlagung der Unidad Popular von Salvador Allende durch den Putsch des Generals Pinochets und ein Lied: „Alle auf die Straße, rot ist der Mai, alle auf die Straße, Saigon ist frei“. Doch das war bereits 1975. Angela Davis und Luis Corvalan, der Vorsitzende der kommunistischen Partei Chiles, neben denen immer irgendwie Erich Honecker, Ulbrichts Nachfolger als Generalsekretär der SED stand, waren als Namen weit geläufiger als der des „erfolgreichsten deutschen Kommunisten“.

Walter Ulbrichts Name spielte vielleicht noch eine Rolle als Nebenfigur in den Ernst-Thälmann-Filmen, sonst erinnerte ich mich wahrscheinlich erst wieder an ihn, als ich das Erinnerungsbuch eines gewissen Obersts Wilhelm Adam las, der über den Schweren Entschluss seines Vorgesetzten, des Generalfeldmarschalls Friedrich Paulus schrieb. Im Kriegsgefangenenlager bei Moskau trafen Generäle und Truppenführer der deutschen Wehrmacht auch auf Walter Ulbricht... Auch das ist Thema in dieser Biografie...

Samstag, 27. Januar 2024

Ourghi, Abdel-Hakim: Die Juden im Koran... (Palästina und Israel 2023 - Part 3)

In großen Teilen der Welt demonstrieren Menschen wegen des neuen Gaza-Krieges, den der Staat Israel gegen die HAMAS, der palästinesisch-sunnitisch-islamistischen Organisation, die am 7. Oktober 2023 einen umfassenden Terroranschlag mit über tausend Toten und mehreren hundert entführten meist israelischen Staatsbürgern beging. Die Versammlungen, Kundgebungen und Demonstrationen richten sich entweder gegen die terroristische Organisation oder gegen den Staat Israel, der die HAMAS endgültig beseitigen will und den Proteste aus aller Welt über die Art der Kriegführung scheinbar wenig beeindrucken.

Dabei zeigt sich mehr als zuvor, dass die Kritik zur Kriegführung gekoppelt oder ersetzt wird durch antijudaistische, antiisraelische und vor allem antisemitische Sprüche und Sprechchöre. „Free, free palestine, from the river to the sea“ tönt es nicht nur gelegentlich. Der Spruch verlangt die Vertreibung der Juden vom Jordan bis zum Mittelmeer und damit die Auflösung, das Verschwinden des Staates Israel.

Warum ist dies so? Oder anders gefragt, gibt es dafür Gründe, die vielleicht weit vor der Einwanderungswelle von meist osteuropäischen Juden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts nach Palästina und damit weit vor der Gründung des Staates Israel liegen?

Freitag, 29. Dezember 2023

Des Bücherjungen Lesejahr 2023

Jedes Jahr verlangt vom bibliophilen Dresdner Bücherjungen eine schwere Entscheidung: Welche Bücher charakterisieren denn nun das Jahr? Unter den vielen gilt es, 12 Bücher auszuwählen, aber wie immer werde ich da etwas dran hängen müssen. Doch hier erst mal die grafische Auswahl:


Im Januar reiste ich mit 80 Büchern um die Welt, versuchte Brennnesseln im Frühling bereits im Februar, folgte im März den Erlebnissen von Donna Leon, tätigte Dresdner Geschäfte  mit Beate alias Kirsten im April, löste endlich den Fall von Pa Salt im Mai, lente im Juni den Mörder von Großherzog Ferdinand durch Ulf Schiewe kennen, begab mich im Juli mit Patricia Holland Moritz nach Chemnitz Kaßbergen, „erledigte“ im August meine Aufgaben für den Homer-Literaturpreis gemeinsam mit Silke Elzner, folgte sodann der Charlotte Gneuß nach Dresden Gittersee um am Ende endlich zu lesen, wie Max Heller zur Dresdner Kripo kam und mit Winterherz ein weiteres Weihnachtsbuch von Ralf Günther in mein Regal stellen zu können.