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Sonntag, 6. September 2026

WAS DARF ISRAEL? ein Streitgespräch zwischen...

 ... Hamed Abdel-Samad & 
Philipp Peyman Engel

Ein harter Austausch zu Nahost

Der Anschlag vom 7. Oktober und der Gazakrieg haben die Lage im Nahen Osten dramatisch verändert. Aber auch in Deutschland: Plötzlich werden Dinge ausgesprochen, die lange ein Tabu waren, plötzlich radikalisieren sich auch hier die Haltungen. Selbst unter Freunden: Hamed Abdel-Samad und Philipp Peyman Engel schreiben sich Briefe zur Lage im Nahen Osten und tauschen sich direkt und kontrovers zur Lage im Nahen Osten: Betreibt Israel in Gaza einen Genozid? Unterstützen die Palästinenser den Terror? Auf welcher Seite steht Deutschland? Und: Wie kann die Zukunft der Region aussehen?

©2025 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München (P)2025 RBmedia Verlag (audible.de)

  • DNB / audible / 3 Std. und 45 Min. / DTV / 11.09.2025 / ISBN: 978-3-423-44876-5 / 160 Seiten
  • mit Hilfe von Copilot erstellt
Kurzmeinung: Eine Streitschrift, intensiv, widerspruchsvoll, gegenüber der Auseinandersetzung in den Internet-Medien wohltuend höflich und sachlich.

Dienstag, 25. August 2026

Ferguson, Gary: Die acht großen Lehren der Natur

 

Gary Ferguson präsentiert uns die Natur als ein System, in dem auf faszinierende Weise alles mit allem zusammenhängt und merkwürdig miteinander verwoben ist. So anschaulich wie leidenschaftlich sensibilisiert er uns für allerlei Wunder und Mysterien, für das, was sich nicht erklären lässt, aber dennoch ganz selbstverständlich funktioniert. Welche Bedeutung hat ein einzelner Baum im Gesamtkomplex Wald? Wie können Wurzeln miteinander kommunizieren? Woher wissen Vögel, dass sie ihre lange Reise vom Sommer- zum Winterquartier im Formationsflug besser bewältigen als alleine? Diesen und vielen anderen Fragen geht der Autor nach. Er zeigt, wie fürsorglich und mitfühlend sich Wölfe im Rudel verhalten und wie zärtlich sich Elefanten von einem Artgenossen verabschieden, wenn sie merken, dass er im Sterben liegt. Immer wieder schlägt er eine Brücke von der unvorstellbar großen Vielfalt an Pflanzen, Tieren und Kleinstlebewesen zu menschlichen Gesellschaften, die ebenfalls umso produktiver und kreativer agieren, je bunter sie zusammengesetzt sind. Was in menschlichen Gemeinschaften oft nur mit Mühe funktioniert, klappt in der Natur mit größter Selbstverständlichkeit. Wir sollten aus den Lektionen lernen, die sie uns in puncto Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit, Loyalität, Kooperation und Diversität erteilt. (Verlagsbeschreibung)


DNB / dtv (Archiv) / 2020 / ISBN 9783423437349 / 256 Seiten


Kurzmeinung: Was in menschlichen Gemeinschaften oft nur mit Mühe funktioniert, klappt in der Natur mit größter Selbstverständlichkeit - interessant...


Sonntag, 23. August 2026

Gansel, Carsten: Ausradiert? - Wie die Literatur der DDR verschwand

Was passierte mit Millionen Büchern der DDR-Literatur nach 1989? Landeten diese auf dem Müll? Richtig ist, dass unzählige (momentan) nicht mehr verkäuflich waren, die Leserinnen und Leser wollten anderes lesen. Der Inhalt der Buchregale in den Buchhandlungen wurde förmlich ausgetauscht. Bibliotheken dichtgemacht. Gefühlt hatte jedes Dorf eine Bibliothek. Doch wurde die Literatur der DDR wirklich „ausradiert?“ – Ausradiert bedeutet doch gelöscht? Im Gedächtnis der Leserinnen und Leser sicher nicht.

Davon schreibt der Literaturprofessor Carsten Gansel in seinem Buch Ausradiert? – Wie die Literatur der DDR verschwand Nach eigenem Dafürhalten des Autors ist das Buch keine Abrechnung, bei aller Kritik an westdeutscher Lesart. Gansel darf „dem ‚Ausradieren‘ nachgehen, weil er, der Literaturprofessor an der Justus Liebig Universität „keine Rechnung mit dem Westen offen hat.“

DNB / Reclam Verlag / 18.03.26 / ISBN: 978-3-15-011566-4 / 383 S
Carsten Gansel - Webseite


Freitag, 21. August 2026

Stanley, Jason: Gefälschte Geschichte - Wie Faschisten die Vergangenheit umschreiben, um die Zukunft zu kontrollieren

 

Der namhafte Philosoph Jason Stanley enthüllt in seinem neuen Buch die globale Strategie der autoritären Rechten, die Geschichte umzuschreiben und ein Jahrhundert gesellschaftlichen Fortschritts auszulöschen. Die schlimmsten faschistischen Bewegungen der Menschheitsgeschichte begannen in Schulen - wenn man die Uhr in Bezug auf Bürgerrechte, Gerechtigkeit und Inklusion zurückdrehen will, sind Schulen ein guter Ausgangspunkt. Mit scharfem Blick zeigt Stanley, wie Bildung zur Frontlinie im Kampf um Demokratie wird. Erinnerungskultur, Kritik und Freiheit sind in Gefahr, warnt er. Sein Buch ist ein dringender Weckruf, die Vergangenheit zu verteidigen, um die Zukunft vor dem Faschismus zu bewahren. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Westend / 2026 / ISBN 9783987913600 / 208 Seiten


Kurzmeinung: Wichtige Zusammenhänge eindrucksvoll und verständlich auf den Punkt gebracht - für alle, die die Demokratie retten wollen!

Freitag, 24. Juli 2026

Kowalczuk, Ilko-Sascha: Faschismus ist keine Meinung

„Stabil bleiben in autoritären Zeiten“ - oder kurz davor. Leben wir schon in autoritären Zeiten? Man soll sich nicht einreden lassen, „dass Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Faschismus einfach nur andere Meinungen seien“. 

Nachdem der 1967 geborene Historiker mit Freiheitsschock und mit Bodo Ramelow gemeinsam Die neue Mauer bereits eindrücklich vor autoritären Entwicklungen warnte, geht er nun einen weiteren Schritt: Nun geht es um Faschismus.  Freiheitsschock / Die neue Mauer

DNB / C.H.Beck / München 2026 / ISBN: 978-3-406-84923-7 / 236 Seiten / 


Doch zuvor präsentiert er den Leserinnen und Lesern zehn Grundsätze und beginnt mit: „Wir leben in einem der zehn freiesten Ländern der Welt“ und „in einem der sozialsten Ländern der Welt“. „Demokratie ist keine Dienstleistung“ und „Freiheit bedeutet, sich in eigene Angelegenheiten einzumischen.“ Letzteres bedeutet, sich gesellschaftlich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen.

Mittwoch, 24. Juni 2026

Khalidi, Rashid: Der hundertjährige Krieg um Palästina

So unterschiedlich wie die öffentliche Wahrnehmung zur aktuellen Berichterstattung über den Nahostkonflikt ist auch die Literatur zum Thema. Schon der Titel des Sachbuches von Rashid Khalidi (*1948) lässt keine Zweifel offen, um was es geht, wenn der us-amerikanisch-palästinensische Historiker den Nahostkonflikt als einen hundertjährigen Krieg um Palästina beschreibt und mit einer Geschichte um Siedlerkolonialismus und Widerstand untertitelt, wobei mit Widerstand der der palästinensischen arabischen Bevölkerung gemeint ist.

Montag, 22. Juni 2026

Wolffsohn, Michael: Wem gehört das heilige Land?

Ein Frage, die angesichts der Diskussionen um Palästina immer wieder gestellt werden muss. Der Historiker Michael Wolffsohn, der bis 2012 an der Bundeswehruniversität München Neuer Geschichte lehrte, geht dabei weit in die Geschichte zurück.

Die Frage, die der Publizist im Titel stellt, ist rein mit exakter Geschichtswissenschaft nicht zu beantworten.

Er widmet sich in diesem den Wurzeln des Palästinakonflikts zwischen Juden und Arabern im Nahen Osten. Die Frage nach dem Besitz betrachtet er einmal religiös unter Rückgriff auf das Alte Testament bzw. die Tora, geht weiter auf die verschiedenen "Besitzer" in den aufeinanderfolgenden geschichtlichen Epochen ein, einschließlich der aktuellen politischen Epoche. Hierbei word man unterscheiden müssen zwischen der Zeit vor 1948 und die Zeit nach der Staatsgründung Israels.

Wolffsohn räumt dabei mit vielen Mythen auf. Obwohl der Versuch, wissenschaftliche Fakten von religiösen und ideologischen Narrativen zu trennen dem versierten Wissenschaftler gelingt, kann er am Ende die selbstgestellte Frage nicht beantworten.

  • DNB / 2002 Piper Verlag / Audio Verlag München 2024 - audible.de / ISBN - Print: 978-3-492-23495-5 / rund 300 Seiten oder 9 Std. und 20 Minuten
  • Wolffsohn, Michael: Webseite

Dienstag, 17. Februar 2026

Schneider, Richard C.: Die Sache mit Israel

DIE SACHE MIT ISRAEL von Richard C. Schneider erschien in einer ersten Fassung bereits am 28.06.2023. An einen terroristischen Angriff wie ihn die HAMAS am 07.10.2023 verübte, dachte noch keiner. Vorherrschend waren in meiner Erinnerung die Proteste von 10tausenden Israelis gegen die Regierung Netanjahu. Unmittelbar nach dem 07/10 las und rezensierte ich Saul Friedländers BLICK IN DEN ABGRUND, der mit der einzigen Demokratie im Nahen Osten schonungslos umgeht und die Gefahren für eben diese Demokratie deutlich benennt. Mit diesem Buch ermöglicht Friedländer es den Leserinnen und Lesern genau in diese „Ecken“ zu schauen und zu vergleichen

Die „israelische Sache“ beschäftigt mich an sich erst seit dem Herbst 2009, aufgrund des Besuches in diesem Land. Eine Reihe diesbezüglicher Büchern finden sich in Buchbesprechungen auf diesem Blog. Richard C. Schneider war bisher nicht dabei, dessen Gesicht aber war mir von einer Reihe von Filmdokumentationen aus dem Nahen Osten bekannt. Der ehemalige Chefkorrespondent der ARD in Tel Aviv (2006 – 2015) hat einen selbst gewonnen tiefen Blick auf Israel, dessen „Alltag (er) im Ausnahmezustand“ sieht.

Samstag, 20. Dezember 2025

Schlögel, Karl: Auf der Sandbank der Zeit

Der Historiker als Chronist der Gegenwart

Ist der Historiker ein Chronist der Gegenwart? Zugegeben, ich beschäftige ich mehr mit historischen Romanen als mit Sachbüchern zur Geschichte, obwohl, das Verhältnis ändert sich seit einiger Zeit. 

Ein historischer Roman, so die allgemein verbreitete Ansicht, handelt mindestens vor Lebzeiten des Autors, dies hebt sich bei Sachbüchern sicherlich auf, vor allem dann, wenn die Autoren zum Beispiel die 70 überschritten haben; dies ist hier gerade der Fall.

Einer dieser Momente, also ein Sachbuch-Moment, war der 22. Juli 2022, an diesem Tag erschien die Rezension zu Karl Schlögels ENTSCHEIDUNG IN KIEW. Nun wurde weitere Texte durch den Hanser-Verlag zusammengefasst und nun werden „Historiker als Zeitgenossen, die sie auch sind, eingeholt von der Gegenwart und konfrontiert mit allen Fragen, die sie bisher an die Vergangenheit hatten richten können, und zwar im Ernstfall und in Echtzeit.“ (Vorwort - S. 9)

  • DNB / Hanser13.10.2025 / E-Book / ISBN 978-3-446-28703-7 / 176 Seiten / 16,99 €

Samstag, 30. August 2025

Schildbach, Matthias: Der vergessene Angriff

Kommt man auf das Thema alliierter oder anglo-amerikanischer Bomberangriffe während des zweiten Weltkriegs, dann fallen Städtenamen wie Hamburg, Pforzheim, Würzburg, Düren, Köln, Essen, Berlin und München. Und natürlich Dresden. Letztere Stadt wurde dadurch in diesem Sinne bekannt, weil sie erst ab Februar 1945 massiv angegriffen und Dresdens Innenstadt in 48 Stunden am 13./15. Februar fast vollständig zerstört wurde. Seither ist dieses Datum nicht nur den Dresdnern eingebrannt.

Doch die Angriffe gingen weiter. Der 17. April 1945 war so ein Großkampftag für amerikanische Bomberverbände. In Dresden zerstörte man endgültig die noch vorhandenen Eisenbahnverbindungen (Bahnhof Dresden Friedrichsstadt / Güterbahnhof Walterstraße), aber die Luftschlacht fand über Sachsen und Teilen von Böhmen statt, große Zerstörungen erlitt z. B. Aussig (Usti nad Labem).
Der Zorn des Krieges überzog jetzt ebenfalls in diesen Gegenden die Bevölkerung, deren Volk ihn „frevelnd herraufbeschwor“, wie Reinhard Mey das mal besang.

Dieser 17. April ist weitgehend unbekannt, dies zu ändern, verschrieb sich Matthias Schildbach, der mit DER VERGESSENE ANGRIFF „erstmals das Luftkriegsgeschehen des 17. Aprils 1945 umfassend darstellte."

Doch nicht nur das...

Freitag, 11. Juli 2025

Marseille 1940 - Ein Einstieg

 


Schon länger schlich ich um dieses Buch herum, Marseille 1940 von Uwe Wittstock, welches Anne PARDEN bereits vor knapp einem Jahr hier im Blog besprochen hat. Nun bot sich an, dem Buch endlich mal zu folgen, welches, ein Geschenk, seit Monaten auf dem Stapel der ungelesenen Bücher lag. Kathrin Matern, die literarisch umtriebige Inhaberinder noch jungen Buchhandlung „Frau Rilke“ in Neustrelitz, hatte Uwe Wittstock eingeladen, der nicht nur diesen Bestseller geschrieben hatte. Am 10. Juli saß ich also im Neustrelitzer Kulturquartier, angenehm mit einem kühlen Blonden und wartete auf Autor und Moderatorin. 

Am Büchertisch hatte ich den Vorgänger entdeckt: Februar 33 und interessant sind die Untertitel:

DER WINTER DER LITERATUR

DIE GROSSE FLUCHT DER LITERATUR

Die Jahreszahlen zeigen es, der Nationalsozialismus greift nach den Größen der deutschen und  Literatur.

Bevor ich mich in den Text versenke, was vermutlich zu einer Doppelbesprechung führen wird, will ich mal zugegeben, das ich nach einem ersten Blick vor Monaten in das Buch ein wenig Panik verspürte: Es erinnerte mich nämlich an an Florian Illies 1913 - und das harrt immer noch nach einem neuen Versuch, da mich diese Unzahl von mir unbekannten bildenden Künstlern verschreckte; etwas, was mit bei den Vertretern der Literatur trotz des umfangreichen Personen-verzeichnisses nicht blühen wird. Das erzählte ich dem Autor beim signieren.  

Es war ein interessanter Abend, der vor allem neugierig macht auf einen Autor, welcher Germanistik studierte und von Hause aus Journalist ist. Wenn solche Leute Sachbücher schreiben, dann sind die ganz sicherlich empfehlenswert. Un was Illies betrifft: dessen Zauber der Stille zähle ich unbedingt dazu.

Mit diesem Abend habe ich meine lit(t)erarischen Aufgaben erweitert, momentan ist allerdings Karl Marx in Algier dran, das eBook aus der Feder von Wittstock erwarb ich unmittelbar nachdem ich mit den Platz für diese Lesung reservierte.



* * *

Bald gibt es mehr - und im September, das las ich vorhin, wenn der Jahrestag der Gründung des Aufbau-Verlages am Weltfriedenstag (01.09.) begangen wird, spricht „Frau Rilke“ mit Professor Carsten Gansel, der hier im Blog schon mehrfach Erwähnung fand.


© Der Bücherjunge

Donnerstag, 26. Juni 2025

Thrall, Nathan: Ein Tag im Leben von Abed Salama

Es ist selten, wenn ein Buch in so kurzer Zeitspanne gleich zweimal auf diesem Blog besprochen werden soll. Diesmal hat sich Anne Parden zuerst in einen zur Zeit weltweit beobachteten Raum begeben, Ein Tag im Leben von Abed Salama führt uns in die Gegend um Jerusalem.

The Times of Israel titelt am 16. Februar 2012:

"10 killed in bus accident north of Jerusalem
Truck collided with bus carrying Shuafat schoolchildren on day trip, injuring at least 40; PA health minister: Israeli rescue forces failed to provide timely assistance."


Einigermaßen nüchtern sind die Berichte unter den Begriffen Schulbus+Unfall+Jerusalem. (Link bbc-Bericht). Das Hamburger Abendblatt schreibt zu diesem Unglück:

„Der Unfall geschah bei starkem Regen und Nebel an einer sehr belebten Straßenkreuzung zwischen Jerusalem und Ramallah. Eltern warfen den Organisatoren vor, sie hätten den Ausflug der Schüler angesichts des schlechten Wetters absagen müssen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ordnete eine dreitätige Trauer an.“

Sonntag, 15. Juni 2025

Über Palästina... und mehr

Über Palästina, den Nahost-Konflikt, Israel und Judentum, Araber und Islam, Holocaust und Antisemitismus. 

Topographische Karte
von Palästina
mit international
anerkannten
Staatsgrenzen
Seit dem 07.10.2023 trat der Nahostkonflikt wiederholt mit einem Knall in unser Leben. Die radikalislamistische Terror-Organisation HAMAS griff aus dem Gaza-Streifen Israel an, tötete mehr als 1200 Israelis und verschleppte mehr als 200 Geiseln in den Gazastreifen. Die israelische Antwort folgte sofort und seitdem herrscht Krieg. Aus dem Iran, dem Libanaon, dem Gaza-Streifen, selbst aus dem Jemen fliegen Raketen auf den kleinen säkularen und gleichzeitg jüdischen Staat, der 1948 gegründet wurde.

Auch in Israel brodelt es: Mit einer Justizreform könnte der amtierende Ministerpräsident die einzige Demokratie in diesem Raum nachhaltig beschädigen, da er an der Gewaltenteilung rüttelt.

Nun, seit dem 12.06.2025 fliegen die israelischen Luftstreitkräfte Angriffe auf Atom- und Militäranlagen in der Islamischen Republik Iran, womit der Konflikt eine Entwicklung nimmt, die 1948 (Palästinakrieg), 1967 (Sechstagekrieg) und 1973 (Jom-Kippur-Krieg) weit übertreffen könnte.


* * *


Im Jahr 2009 hatte ich die Gelegenheit, eine Studienreise mit der Gewerkschaft nach Israel zu machen. Diese führte von Tel Aviv - Jaffa, durch den Negev, Masada, En Gedi, Totes Meer, Jericho, Nazareth, den See Genezareth, Akkon, die Golanhöhen und das Hebron - Tal nach Jerusalem. Im Jahr 1998 war ich schon mal in der Gegend, damals stand auch Bethlehem auf dem Programm. Eine Wiederholung war im Oktober 2023 geplant. Der Flug sollte eine Woche nach dem 7. Oktober 23 stattfinden, er fiel natürlich aus.

Montag, 9. Juni 2025

Thrall, Nathan: Ein Tag im Leben von Abed Salama

 

Auf einer Straße außerhalb Jerusalems verunglückt ein Schulbus. Der besorgte Vater Abed Salama fährt sofort zur Unfallstelle. Doch die verletzten Kinder wurden bereits in verschiedene Krankenhäuser der Stadt gebracht, zu der Abed mit seinen palästinensischen Papieren keinen Zugang hat. Seine Odyssee auf der Suche nach seinem Sohn ist verwebt mit den Geschichten unterschiedlicher Menschen, deren Wege unerwartet zusammentreffen: Unter ihnen eine Erzieherin und ein Mechaniker, die Kinder aus dem Wrack bergen, und ein israelischer Kommandant sowie ein palästinensischer Beamter, die mit den Folgen des Unfalls konfrontiert werden. In seinem gut recherchierten Werk, das wenige Tage vor dem Anschlag am 7. Oktober 2023 veröffentlicht wurde, geht Nathan Thrall nicht nur auf die komplexe Geschichte der Besetzung ein, vielmehr macht er sichtbar, was oft übersehen wird: das Leben der Menschen in einem zerrütteten Land. (Verlagsbeschreibung)

 DNB / Pendragon / 2024 / ISBN: 978-3-86532-883-0 / 336 Seiten

 

Kurzmeinung: Irreführender Buchtitel, hinter dem sich ein erzählendes Sachbuch zu den Auswirkungen der israelischen Siedlungspolitik verbirgt...

 

Freitag, 2. Mai 2025

Schildbach, Matthias (Hrsg.): Juwelen, Ritter und Biskuits

Erneut stelle ich ein Heft mit Heimatgeschichten aus dem Landkreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge vor. 

Burgen, Kriege, Grenzgeschichten hieß das erste Heft, über welches ihr hier etwas lesen könnt.

Es geht bunt durch die Zeit und die Geschichte und beginnt diesmal mit Johann Melchior Dinglinger, einem der „Goldfasane des Königs“ wie er an anderer Stelle genannt wurde. Nicht nur er, der das großartige „Goldene Kaffeezeug“ oder das Kabinetsstück zum „Geburtstag des Großmoguls“, alles zu sehen im „Grünen Gewölbe“, schuf, sondern auch seine beiden Brüder Georg Christoph und Georg Friedrich zog es nach Sachsen und machten sich dort „breit.“ Da sie viele Nachkommen hatten, finden sich auch viele Spuren darüber, welche Marco Schröder aufdeckt. Dazu wird 2025 auch ein Buch erscheinen, schon die Geschichte hier im Heft weckt Neugier.

Freitag, 25. April 2025

Drosten, C. / Mascolo, G.: Alles Überstanden?

 Ein längst fälliges Gespräch.

Der einzige Schrecken, den in meinen Kinderjahren das Wort Impfen verursachte, war die Angst vor einer spitzen Nadel. Ansonsten war Impfen etwas völlig Normales. Eine Impfung war als Schluckimpfung, ein Stück Würfelzucker getränkt mit dem Stoff, vorgesehen. Die war gegen Polio (Polyomyelitis) gedacht, Kinderlähmung. Das muss was Hässliches gewesen sein.

In der dritten Staffel der Miniserie Charité wird ein Westberliner Junge in eine Eiserne Lunge gesteckt. Nebenbei wird die Geschichte erzählt, dass Walter Ulbricht, die Serie spielt unmittelbar zur Zeit des Baus der Mauer, dem Bundeskanzler 1 Million Dosen Impfstoff angeboten hatte, das Angebot wurde, weil es „Russenimpfstoff“ war, abgelehnt. Die Geschichte wird hier erzählt – eine Geschichte des kalten Impfkrieges. Womit wir beim Thema wären: Charité und Impfen.

Um was geht es?
Eigentlich stehen Wissenschaftler wie der Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie selten im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Den hier aber kennen wohl alle, da reicht ein Blick auf das Cover des vorliegenden Buches: Prof. Dr. Christian Drosten (1972) ist der Leiter des Instituts für Virologie an der Berliner Charité. Er ist der Gesprächspartner des zweiten Autors dieses gedruckten „podcasts“, dem investigativen Journalisten Georg Mascolo (1964), ein ehemaliger SPIEGEL-Chefredakteur.

Das eigentliche Wort oder Problem, um welches es hier geht, ist noch gar nicht gefallen: Corona, Covid-19, Pandemie. Das sind schon drei Wörter. Diese lernten wir mit Beginn des Jahres 2020 mehr als zur Genüge kennen.

Bevor ich weitermache, bekenne ich: Dreimal geimpft, regelmäßiger Hörer des Podcasts des genannten Professors, weitgehend disziplinierter Bürger was Mundschutz und Selbstisolation betrifft, zweimal infiziert, davon einmal mit ganz leichten Nachwirkungen, beide Male Wochen nach Impfungen.
Wenn mir irgendetwas richtig auf den Zeiger ging, dann war es das Wort „Fernlehre“ – Telefonunterricht ohne Kamera, weil das Netz den Augenkontakt mit den Lehrgruppen nicht lange mitgemacht hätte. Was mindestens die Hälfte der Schüler tatsächlich gemacht hat, das können sie nur selber beantworten.

Zurück zu Drosten und Mascolo.

Donnerstag, 3. April 2025

Masala, Carlo: Wenn Russland gewinnt - Ein Szenario

Wahrscheinlich jeder länger dienende Soldat, vor allem Berufssoldaten und unter diesen Einheitsführer, lernt die militärische Lage zu beurteilen. Den vermutlichen Zielen des Gegners, dessen Fähigkeiten in Angriff und Verteidigung, seiner Ausrüstung und seinen Kampfmitteln werden die Fähigkeiten der eigenen Einheit, des Bataillons, des Regiments, der Brigade gegenübergestellt, eigene taktische Ziele entwickelt, Entschlüsse gefasst und diese in Pläne und Befehle umgesetzt. Dabei geht es um Taktik als Theorie und Praxis der Führung solcher Formationen, das ist Bestandteil der Kriegführung. Strategie, operative Kunst und Taktik werden insgesamt als Kriegskunst bezeichnet.

Bevor Divisionen, Korps oder Armeen in Einsatzbereitschaft oder in Marsch gesetzt werden, wird die Strategie festgelegt, welche nicht nur, aber vor allem von der Politik bestimmt wird.

Der Einsatz der deutschen Kampfbrigade in Litauen, die aus 5000 Soldaten und Soldatinnen unserer Bundeswehr bestehen soll, ist Ergebnis der deutschen, der europäischen und NATO-Strategie im Ergebnis der Beurteilung der politischen militärischen Lage im Zusammenhang mit dem schon drei Jahre anhaltenden Krieges in der Ukraine.

Kriegstüchtig sein. Das erfordert vor allem Übung, Übung, Übung. Jede Übung im größeren Rahmen, oft Manöver genannt, folgt einer Idee, einem Szenarium, nachdem der militärische Gegner handeln könnte und geübt wird, wie ein möglicher Angriff zum Beispiel zurückgeschlagen werden kann.

Die genannte Brigade in Litauen (Panzerbrigade 45) muss aber gleichzeitig so leistungsfähig, geübt und ausgerüstet sein, das es sich der mögliche Gegner überlegt, den NATO-Staat Litauen anzugreifen. Als möglicher militärischer Gegner kommen im Norden der NATO-Flanke nur zwei Staaten in Betracht: Weißrussland und Russland.

Sonntag, 26. Januar 2025

Stachnau, Hendrik: Voice of Nature - Ich und Ich

Buchmessen sind dafür da, dass man sich Bücher ansieht, oder gar erwirbt, nach denen man in Buchhandlungen oder im Netz kaum suchen würde. Zumindest hätte ich nach diesem nicht gesucht, obwohl mir solche Abenteuer durchaus liegen. Man suche nur nach dem Stichwort Everest auf diesem Blog.

Ein großes Plakat mit Schlittenhunden in weiter Winterlandschaft erblickte ich am „Alexanderplatz“. Besser gesagt in Treptow auf der BuchBerlin. Schlittenhunde und das Wort YUKON. Da denkt man doch gleich an Jack London, Wolfsblut und die Goldsucher des 19. Jahrhunderts. 

Aber die Bewältigung des Yukon Quests, des längsten Schlittenhunderennens auf der Welt, ist nicht einfach Inhalt eines Sportbuches...

Inhalt. Der 1983 geborene Hamburger Hendrik Stachnau ist ein zielstrebiger Mensch. In jungen Jahren las er einmal von diesen Schlittenhunderennen in Alaska und das lies ihn nicht mehr los. Hilfreich war, dass seine Eltern so einen Alaska Malamute anschafften. Einen von den vier reinrassigen Schlittenhunderassen: Sibirien Husky, Samojede, der Alaska Malamute und der  Grönlandhund.  

Hendrik spannte den Hund vor einen Bollerwagen und versuchte schon als Junge, den Hund zum Laufen zu bekommen. Mit Würstchen. Jedoch merkte er alsbald, das nicht jeder Hund auch ein Leithund ist. 

Samstag, 23. November 2024

Žhadan, Serhij: Himmel über Charkiw

 

Für ein Tagebuch fehlt ihm die Zeit. Serhij Zhadan ist Tag und Nacht im beschossenen Charkiw (Ost-Ukraine) unterwegs – er evakuiert Kinder und alte Leute aus den Vororten, verteilt Lebensmittel, koordiniert Lieferungen an das Militär und gibt Konzerte. Die Posts in den sozialen Netzwerken dokumentieren seine Wege durch die Stadt und sprechen den Charkiwern Mut zu, unermüdlich, Tag für Tag. Die Stadt leert sich. Freunde kommen um. Der Tod ist allgegenwärtig, der Hass wächst. Als die Bilder von Butscha um die Welt gehen, versagt auch Zhadan die Stimme. »Es gibt keine Worte. Einfach keine. Haltet durch, Freunde. Jetzt gibt es nur noch Widerstand, Kampf und gegenseitige Unterstützung.« (Verlagsbeschreibung)

DNB / Suhrkamp / 2022 / ISBN: 978-3-518-43125-2 / 239 Seiten

Kurzmeinung: Nachrichten vom Überleben im Krieg - eine Chronik der ersten vier Monate des völkerrechtswidrigen russischen Überfalls auf die Ukraine...
 
 
 
 
 

Samstag, 9. November 2024

Hamilton-Paterson, James: Vom Meer

 

Was ist an Sonnenuntergängen romantisch? Warum fasziniert uns der grüne Blitz und wieso glauben wir, er beeinflusse unser Liebesglück? Halten wir Delfine zu Recht für unsere Freunde? James Hamilton-Paterson durchleuchtet das Meer in all seinen Facetten, und er liefert erhellende und unterhaltsame Erklärungen zu zahlreichen maritimen Phänomenen – von Tieren über Inseln und Schiffe bis hin zu Mythen und Fabelwesen: Mondregenbogen und Narrenschiffe, Korallen und Seeungeheuer bevölkern das Universum seiner Texte. (Verlagsbeschreibung)

DNB / mare / 2010 / ISBN: 978-3-86648-119-0 / 286 Seiten

 

 

 

 

   


 

 
Kurzmeinung: Von der Faszination des Meeres, dem Erholungswert, der Artenvielfalt und der Bedrohung durch den Menschen...