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Montag, 7. September 2026

Thürk, Harry: Taifun - Aufzeichnungen eines Geheimdienstmannes I-III


Zu Beginn eine „Buchgeschichte“ aus den Jahren 1988 und 2009.

Es wird im Jahre 1987 oder 88 gewesen sein. Da bekam ich ein Buch in die Hand gedrückt. Genauer gesagt, ich musste mich anstellen, denn eine Reihe anderer wollte es auch lesen. Dann las ich den ersten Band. Und wollte es kaufen. Also ging ich in das Haus des Buches am Dresdner Postplatz, die damalige Nr. 1 Buchhandlung der Stadt.

Ich: "Tag auch, ich hätte gern den Thürk Roman "Taifun". 
Verkäuferin: "...tut mir leid, Kenn ich nicht."
Ich: "Na so was, hab ich ja bereits gelesen..."
V: "Kann nicht sein..."
Ich: "Doch..."
V: "Sie meinen bestimmt "Der schwarze Monsun"
Ich: "Nee..."

So ging das eine Weile hin und her. Sie schaut ind die Bibliographie und sagt: "Gibt es nicht!!!" (Mit drei Ausrufezeichen) Langsam hielt sie mich wohl für bescheuert.

Raus kam aber später: Der Roman wurde zwar im mitteldeutschen Verlag verlegt, aber zuerst nur in Staatssicherheitskreisen vertrieben. So geheim waren die nun auch nicht, das Buch war dort wohl nicht als "Geheime Kommandosache" eingestuft. Bis 1989 war es nicht mehr weit hin, mein Exemplar ist von 1990, mit ISBN Suche wird auch nur 1990 angegeben. Jedenfalls hab ich es vor dem Erscheinen im Mitteldeutschen Verlag gelesen.

Sonntag, 6. September 2026

WAS DARF ISRAEL? ein Streitgespräch zwischen...

 ... Hamed Abdel-Samad & 
Philipp Peyman Engel

Ein harter Austausch zu Nahost

Der Anschlag vom 7. Oktober und der Gazakrieg haben die Lage im Nahen Osten dramatisch verändert. Aber auch in Deutschland: Plötzlich werden Dinge ausgesprochen, die lange ein Tabu waren, plötzlich radikalisieren sich auch hier die Haltungen. Selbst unter Freunden: Hamed Abdel-Samad und Philipp Peyman Engel schreiben sich Briefe zur Lage im Nahen Osten und tauschen sich direkt und kontrovers zur Lage im Nahen Osten: Betreibt Israel in Gaza einen Genozid? Unterstützen die Palästinenser den Terror? Auf welcher Seite steht Deutschland? Und: Wie kann die Zukunft der Region aussehen?

©2025 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München (P)2025 RBmedia Verlag (audible.de)

  • DNB / audible / 3 Std. und 45 Min. / DTV / 11.09.2025 / ISBN: 978-3-423-44876-5 / 160 Seiten
  • mit Hilfe von Copilot erstellt
Kurzmeinung: Eine Streitschrift, intensiv, widerspruchsvoll, gegenüber der Auseinandersetzung in den Internet-Medien wohltuend höflich und sachlich.

Samstag, 5. September 2026

Scott-Baumann, Michael: Die kürzeste Geschichte von Israel und Palästina.

Michael Scott-Baumann gelingt mit Die kürzeste Geschichte von Israel und Palästina etwas, woran viele Sachbücher scheitern: Er erklärt einen der komplexesten Konflikte der Gegenwart verständlich, ohne ihn auf einfache Wahrheiten zu reduzieren. Auf knappem Raum zeichnet er die historischen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen nach, die den Nahostkonflikt bis heute prägen.
Besonders überzeugend ist die ausgewogene Darstellung der unterschiedlichen Perspektiven. Der Autor lädt dazu ein, die historischen Erfahrungen und Interessen beider Seiten nachzuvollziehen. Dadurch eignet sich das Buch sowohl für Einsteiger als auch für Leser, die einen kompakten Überblick suchen.

Allerdings scheint der sich der Überblick im letzten Drittel etwas nach einer Seite zu neigen, wenn die durchaus berechtigte Kritik an der Politik der israelischen Regierung in der Vordergrund tritt. Außerdem geht auch dieser Autor nicht weiter auf die Frage ein, warum in den rund 20 Jahren, in denen von 1949 bis 1967 Jordanien das Westjordanland besetzt hielt, die arabisch - palästinensische Seite keine Anstalten machte, den durch die UNO avisierten Staat wenigstens dort zu gründen.

Natürlich kann ein so kurzes Buch nicht alle Facetten eines über hundert Jahre alten Konflikts behandeln. Gerade deshalb liegt seine Stärke in der klaren Struktur und der Fähigkeit, Orientierung in einem oft unübersichtlichen Thema zu bieten.

Fazit: Ein gut geschriebener und gesprochener, informativer und zugänglicher Einstieg in die Geschichte Israels und Palästinas. Wer die Hintergründe des Konflikts besser verstehen möchte, findet hier eine empfehlenswerte erste Lektüre.

©️ Bücherjunge
(mit KI-Unterstützung - Copilot)

Freitag, 24. Juli 2026

Kowalczuk, Ilko-Sascha: Faschismus ist keine Meinung

„Stabil bleiben in autoritären Zeiten“ - oder kurz davor. Leben wir schon in autoritären Zeiten? Man soll sich nicht einreden lassen, „dass Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Faschismus einfach nur andere Meinungen seien“. 

Nachdem der 1967 geborene Historiker mit Freiheitsschock und mit Bodo Ramelow gemeinsam Die neue Mauer bereits eindrücklich vor autoritären Entwicklungen warnte, geht er nun einen weiteren Schritt: Nun geht es um Faschismus.  Freiheitsschock / Die neue Mauer

DNB / C.H.Beck / München 2026 / ISBN: 978-3-406-84923-7 / 236 Seiten / 


Doch zuvor präsentiert er den Leserinnen und Lesern zehn Grundsätze und beginnt mit: „Wir leben in einem der zehn freiesten Ländern der Welt“ und „in einem der sozialsten Ländern der Welt“. „Demokratie ist keine Dienstleistung“ und „Freiheit bedeutet, sich in eigene Angelegenheiten einzumischen.“ Letzteres bedeutet, sich gesellschaftlich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen.

Mittwoch, 24. Juni 2026

Khalidi, Rashid: Der hundertjährige Krieg um Palästina

So unterschiedlich wie die öffentliche Wahrnehmung zur aktuellen Berichterstattung über den Nahostkonflikt ist auch die Literatur zum Thema. Schon der Titel des Sachbuches von Rashid Khalidi (*1948) lässt keine Zweifel offen, um was es geht, wenn der us-amerikanisch-palästinensische Historiker den Nahostkonflikt als einen hundertjährigen Krieg um Palästina beschreibt und mit einer Geschichte um Siedlerkolonialismus und Widerstand untertitelt, wobei mit Widerstand der der palästinensischen arabischen Bevölkerung gemeint ist.

Montag, 22. Juni 2026

Wolffsohn, Michael: Wem gehört das heilige Land?

Ein Frage, die angesichts der Diskussionen um Palästina immer wieder gestellt werden muss. Der Historiker Michael Wolffsohn, der bis 2012 an der Bundeswehruniversität München Neuer Geschichte lehrte, geht dabei weit in die Geschichte zurück.

Die Frage, die der Publizist im Titel stellt, ist rein mit exakter Geschichtswissenschaft nicht zu beantworten.

Er widmet sich in diesem den Wurzeln des Palästinakonflikts zwischen Juden und Arabern im Nahen Osten. Die Frage nach dem Besitz betrachtet er einmal religiös unter Rückgriff auf das Alte Testament bzw. die Tora, geht weiter auf die verschiedenen "Besitzer" in den aufeinanderfolgenden geschichtlichen Epochen ein, einschließlich der aktuellen politischen Epoche. Hierbei word man unterscheiden müssen zwischen der Zeit vor 1948 und die Zeit nach der Staatsgründung Israels.

Wolffsohn räumt dabei mit vielen Mythen auf. Obwohl der Versuch, wissenschaftliche Fakten von religiösen und ideologischen Narrativen zu trennen dem versierten Wissenschaftler gelingt, kann er am Ende die selbstgestellte Frage nicht beantworten.

  • DNB / 2002 Piper Verlag / Audio Verlag München 2024 - audible.de / ISBN - Print: 978-3-492-23495-5 / rund 300 Seiten oder 9 Std. und 20 Minuten
  • Wolffsohn, Michael: Webseite

Mittwoch, 6. Mai 2026

Keerl, Inés: Die Frauen vom Tafelberg

 Catharina Ustings´ mutiger Kampf um ihr Glück

Der Stand von Inés Keerl auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse gehörte zum geplanten Programm des Besuches. Bereits 2024 war die Autorin mit ihrem Roman Die Löwin vom Tafelberg für den HOMER Literaturpreis für die besten historische Romane des Jahres 2023 nominiert. Mit der Fortsetzung über Die Frauen vom Tafelberg hat sich emons: gedacht, wir probieren das gleich nochmal. Schon in Erinnerung an Band eins zu Catharina Ustings kühnen Weg in die Freiheit findet der Blogger dies für eine gute Idee.

Der Weg in die Freiheit ist sperrig. Wenn Band zwei ihren mutigen Kampf um ihr Glück erzählt, dann ist der Weg in die Freiheit immer noch nicht abgeschlossen.

Sonntag, 26. April 2026

Gneuß, Charlotte: Gittersee

Eine Neuauflage mit Teil 3. Der Deutschlandfunk hat den Fall neu aufgerollt. Linkliste und Ergänzungen unten. Doch zuvor meine Rezension vom 26. September 1923.

* * *


Die Geschichte: 1976. Dresden – Zschertnitz. Wohnorts unserer Familie. Am Ende des Jahres werde ich dreizehn Jahre alt sein. Ein Schuljunge, der zweimal in der Woche zum Fechttraining geht und im Schulchor singt. Siebente Klasse. 

Siebenundvierzig Jahre später wird Charlotte Gneuß im Fischer-Verlag einen Roman herausbringen. Gittersee

Nicht weit weg gelegen von Zschertnitz. Auf der Höhe im Süden Dresdens, bekannt durch einen berühmten Bergbaubetrieb, die Wismut AG. Heldin des Romans ist die 16jährige Karin, die dort im Haus der Oma mit ihren desillusionierten Eltern und der kleinen geliebten Schwester lebt. Karin geht in eine ganz normale Schule, eine polytechnische Oberschule. Karin lebt zwischen Familie und den Schulfreundinnen, viel los scheint da nicht zu sein, wenigstens ist da Paul , den sie liebt.

Mittwoch, 25. März 2026

Lukaschewski, Manfred: Verschenkte Jugend - Robert und Franz

 

Bilder aus Wikipedia (Stalingrad, U-Boot-Krieg, Deportation)


Roman einer Jugend nannte Dieter Noll 1960 seinen ersten Band von Die Abenteuer des Werner Holt. Manfred Lukaschewski hat den sicher gekannt, als Jahrgang 1951 und in Altenzaun geboren, so wie vermutlich jeder (männliche) Jugendliche in der DDR. Die jungen Männer, die unmittelbar nach dem Abitur über die Flak und den Reichsarbeitsdienst (RAD) in die Wehrmacht gingen, freiwillig, lernen in den letzten Kriegsmonaten die Schrecken des Krieges kennen. Freundschaften gehen auseinander. Holt, zerrissen zwischen den Freunden nachdenklichen Gomulka und dem fanatischen Wolzow wird erst nach Kriegsende begreifen, was der Nationalsozialismus dem deutschen Volk brachte.

Jedoch sind es die Erlebnisse des Vaters vor Stalingrad, die Lukaschewski hier verarbeitet hat. Ist es ihm gelungen, Nationalsozialismus, Holocaust, Krieg so eindringlich darzustellen, dass dies den Weg in die Köpfe junger Menschen findet?

  • DNB / tolino media (Verlag) - Self-Publishing / 2026 / ISBN: 978-3-8194-0517-4 / 467 Seiten

Mittwoch, 11. März 2026

Follett, Ken: Stonehenge - Die Kathedrale der Zeit

Es gibt Orte in der Welt, die jeder kennt. Man muss nicht mal dort vor Ort gewesen sein. Manchmal nennt man diese Orte, die Bauten dort, Weltwunder. Jetzt würde jeder an die Pyramiden von Giseh denken, aber im Titel dieser Rezension steht Stonhenge.

"Der Name Stonehenge stammt aus dem Altenglischen stān hencg, wobei stān „Stein“ bedeutet und hencg entweder „Angel“ oder „Scharnier“ meint – eine Anspielung auf die zapfenartigen Verbindungen der Decksteine. „Henge“ bezeichnet heute einen ringförmigen Erdwall mit Graben, doch Stonehenge ist ein atypisches Beispiel, da der Graben innen liegt."

Aha, jetzt wissen wir (dank KI Comet) Bescheid. Aber wir wissen ja nichts. Während weiter im Osten, in Kleinasien - Mesopotamien, die ersten Stadtstaaten entstehen, große Bauten, Städte, Tempelanlagen und die Keilschrift, findet sich im Westen Europas nichts davon. Die jungsteinzeitlichen Menschen schrieben nichts auf...

Wie schreibt man dann ein Buch über die Errichtung des megalithischen Steinkreises in der Nähe von Salisbury? Ken Follett hat es getan...

Dienstag, 17. Februar 2026

Schneider, Richard C.: Die Sache mit Israel

DIE SACHE MIT ISRAEL von Richard C. Schneider erschien in einer ersten Fassung bereits am 28.06.2023. An einen terroristischen Angriff wie ihn die HAMAS am 07.10.2023 verübte, dachte noch keiner. Vorherrschend waren in meiner Erinnerung die Proteste von 10tausenden Israelis gegen die Regierung Netanjahu. Unmittelbar nach dem 07/10 las und rezensierte ich Saul Friedländers BLICK IN DEN ABGRUND, der mit der einzigen Demokratie im Nahen Osten schonungslos umgeht und die Gefahren für eben diese Demokratie deutlich benennt. Mit diesem Buch ermöglicht Friedländer es den Leserinnen und Lesern genau in diese „Ecken“ zu schauen und zu vergleichen

Die „israelische Sache“ beschäftigt mich an sich erst seit dem Herbst 2009, aufgrund des Besuches in diesem Land. Eine Reihe diesbezüglicher Büchern finden sich in Buchbesprechungen auf diesem Blog. Richard C. Schneider war bisher nicht dabei, dessen Gesicht aber war mir von einer Reihe von Filmdokumentationen aus dem Nahen Osten bekannt. Der ehemalige Chefkorrespondent der ARD in Tel Aviv (2006 – 2015) hat einen selbst gewonnen tiefen Blick auf Israel, dessen „Alltag (er) im Ausnahmezustand“ sieht.

Freitag, 13. Februar 2026

Kutscher, Volker: Rath

DER ZEHNTE RATH - ROMAN

Nun lag er vor mir, der zehnte Rath - Roman aus der Feder von Volker Kutscher. Er hatte vor einiger Zeit erklärt, dass er die Reihe mit dem Jahr 1938 abschließen würde, dem Jahr, in dem am 9. November die Synagogen brannten, dem Jahr der Reichspogromnacht.

Doch blicken wir kurz ein wenig zurück:

Im Jahr 1929 kommt ein junger Kommissar als Köln zu Berliner Polizei. Dies hat sein Vater vermittelt, der den Berliner Polizeipräsidenten Zörgiebel kannte. Gereon Rath hatte in Köln mit einem Fall um den Oberbürgermeister Konrad Adenauer zu tun. In Berlin fängt Rath erst bei der Sitte an und wechselt dann zur innovativen Mord-Inspektion, die von einem besonderen Kriminalrat, nämlich Ernst Gennat geleitet wird.
 
Gereon trifft auf Charlotte Ritter. Die Tochter eines Justizbeamten in Moabit arbeitet gelegentlich für die „Rote Burg“, das Polizeipräsidium und will unbedingt Kriminalassistentin werden. Beide kommen sich näher und werden einige Bände später auch heiraten. Charlie ist die zielstrebigere, die bewusstere von beiden, Gereon dagegen zwar ein brillanter Ermittler, aber politisch weitaus weniger weitblickend.

  • DNB / Piper / München 24.10.2024 / ISBN:978-3-492-07410-0 / 624 Seiten
  • audible / 21 Std. 49 Minuten 

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Crönert, Claudius: Das Erbe der Karolinger

Beginnen wir (ausnahmsweise) einmal mit dem Klappentext zu diesem historischen Romans:

„Was geschieht, wenn Neid und Gier zu Streit und Krieg führen: das große Karolinger-Epos. Eigentlich macht Ludwig, Kaiser der Franken und Sohn Karls des Großen, alles richtig: Er regelt seine Nachfolge früh, ernennt seinen ältesten Sohn Lothar zum Mitregenten und bedenkt die jüngeren Söhne mit großen Ländereien. Schnell zeigt sich jedoch, dass Ludwig und Lothar unterschiedliche Vorstellungen darüber haben, wie das Land regiert werden soll. Während sich der Vater um Frieden und Ausgleich bemüht, drängt der Sohn darauf, die Interessen des Reiches mit Härte durchzusetzen. Als Ludwig nach dem Tod seiner Frau ausgerechnet um Judith wirbt, für die sich auch sein Sohn interessiert, eskalieren die Streitigkeiten. Bald steht alles auf dem Spiel, was Karl der Große einst geschaffen hat …“ (Verlag)

Wer sich halbwegs an seinen Geschichtsunterricht erinnert, dem fällt auch etwas zu Karl dem Großen ein. Den Herrscher und Kaiser des Frankenreiches und wer einmal in Aachen war, bewunderte auch dessen Thron. Der Karlspreis für Verdienste um die Einheit Europas (und die Streitereien um die jeweiligen Preisträger) sei erwähnt (2025 - Dr. Ursula von der Leyen), auch wenn die Einheit seines Imperiums nach ihm wie ein Kartenhaus zusammenfiel…

Dienstag, 30. Dezember 2025

Wittstock, Uwe: Karl Marx in Algier


Karl Marx einmal anders. Uwe Wittstock, der hier bereits mit MARSEILLE 1940 Einzug hielt, hat für sein Porträt eine Rahmenhandlung gewählt, die es ermöglicht, sich Leben und Werk des Begründers des Marxismus etwas anders als vielleicht gewohnt zu nähern. Wittstock begleitet Marx nämlich gegen Ende seines Lebens (1818 – 1883) nach Algier und damit auf die einzige Reise, die ihn Europa verlassen ließ. Wenige Monate vorher starb seine innig geliebte Frau Jenny, während deren Begräbnis er selbst sehr krank im Bett lag. Nun soll er sich erholen und eigentlich hat er einen Packen Druckfahnen im Koffer, er soll nämlich eine neue Auflage seines Hauptwerkes durchsehen: DAS CAPITAL. Doch auch Algier bringt ihm gesundheitlich nur einen Aufschub.


  • DNB /   C.H. Beck / 20.03.25 / ISBN: 978-3-406-83072-3 / 249 S. / 26,00 € (Hardcover)

Samstag, 20. Dezember 2025

Schlögel, Karl: Auf der Sandbank der Zeit

Der Historiker als Chronist der Gegenwart

Ist der Historiker ein Chronist der Gegenwart? Zugegeben, ich beschäftige ich mehr mit historischen Romanen als mit Sachbüchern zur Geschichte, obwohl, das Verhältnis ändert sich seit einiger Zeit. 

Ein historischer Roman, so die allgemein verbreitete Ansicht, handelt mindestens vor Lebzeiten des Autors, dies hebt sich bei Sachbüchern sicherlich auf, vor allem dann, wenn die Autoren zum Beispiel die 70 überschritten haben; dies ist hier gerade der Fall.

Einer dieser Momente, also ein Sachbuch-Moment, war der 22. Juli 2022, an diesem Tag erschien die Rezension zu Karl Schlögels ENTSCHEIDUNG IN KIEW. Nun wurde weitere Texte durch den Hanser-Verlag zusammengefasst und nun werden „Historiker als Zeitgenossen, die sie auch sind, eingeholt von der Gegenwart und konfrontiert mit allen Fragen, die sie bisher an die Vergangenheit hatten richten können, und zwar im Ernstfall und in Echtzeit.“ (Vorwort - S. 9)

  • DNB / Hanser13.10.2025 / E-Book / ISBN 978-3-446-28703-7 / 176 Seiten / 16,99 €

Freitag, 5. Dezember 2025

Demidow, Georgi: Zwei Staatsanwälte

 



Manchmal kommt man auf unerwartete Weise zu einem Stoff, so wie zu diesem hier. Denn Verwandte in Buenos Aires - Argentinien - wollten mit mir ins Kino. Eine Freundin von ihnen hatte diesen Film vorgeschlagen. Russisch, mit spanischen Untertiteln. Nur soviel noch dazu: die sprachlichen Fragmente ermöglichten mir den Inhalt zu erfassen, allerdings las ich vorsichtshalber nach, was ich zu Georgi Demidow, zu dessen Roman und Sergej Loznitsa und dessen Film fand. Anschließend lud ich mir das eBook herunter…

Dienstag, 2. Dezember 2025

Ebert, Sabine: Der Silberbaum - Das Ende der Welt

 

Sabine Ebert lässt uns wieder ins Mittelalter reisen, zum jungen Markgrafen Heinrich nach Meißen. Es ist die Zeit Kaiser Friedrich II., den man auch "stupor mundi" nannte: "Das Staunen der Welt".

Alte Bekannte stehen ihm zur Seite: Sie kommen aus Freiberg...


Wir haben schon so einige Markgrafen von Meißen und andere Fürsten in sächsischen, thüringer und anderen Landen von Sabine Ebert präsentiert bekommen. Es fing mit Markgraf Otto dem Reichen an, als der noch nicht ganz so reich war. Später, nach den Büchern über die Hebamme Marthe und ihren Ritter Christian, bewegte sich die Autorin etwas weiter zurück zu Markgraf Konrad, dem Vater von Otto. Nun liegt hier der zweite „Silberbaum-Roman“ vor, der neben Thomas von Akkon, der  nun bereits rund 70jährige Sohn Marthes dessen Herrn, Heinrich den Erlauchten vorstellt. Dieser soll, so der Verlag, der vielleicht außergewöhnlichste Fürst des Mittelalters gewesen sein.

Freitag, 31. Oktober 2025

Scheuring, Josef: Den Menschen verpflichtet...

Vom Bundesgrenzschutz zur Bundespolizei

Die unter diesem Büchlein liegende Urkunde ist die letzte nach nun 35 Jahren Dienst in BGS & BPOL. Vorgestern wurde diese mir am Bundespolizeiaus- und Fortbildungszentrum Neustrelitz überreicht. Vorher konnte ich unter fachkundiger Anleitung im Kabinett Bahnpolizei das Signal für die Fahrt in die Pensionszeit auf "Grün" stellen. Heute, 2400 311025, endet damit ein Lebensabschnitt, in dem die Gewerkschaft der Polizei eine wesentliche Rolle spielte.

So kommt es, dass es heute ganz besonders passend erscheint, in diesem Büchlein Josef Scheurings zu blättern, denn hier schildert der Gewerkschafter zurückliegende Ereignisse, die für mich durchaus bedeutend waren. 

Das beginnt mit den Gesprächen in der Schnellerstraße 139 in Berlin, als es im Jahr 1990 darum ging, ob wir / ich  eine Zukunft im BGS haben können oder nicht. Josef erzählt von einer Juristin der Grenzschutzdirektion Koblenz, die diese Gespräche führte und versetzt mich wieder in die Zeit zurück. Er beschreibt sie als "überaus menschlich und faire Person" und so habe ich das auch in Erinnerung. Ob mir Josef Scheuring an diesem Tag begegnete, weiß ich nicht mehr. 

Sonntag, 31. August 2025

Ramelow, Bodo und Ilko-Sascha Kowalczuk: Die Neue Mauer

Ein Gespräch über den Osten.

Seit einigen Tagen kursieren Artikel und Beiträge im Netz, in denen Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow vorgeworfen wird, die schwarz-rot-goldenen Farben der Nationalflagge und die Nationalhymne ändern zu wollen. - Gleich vorweg: Am 05.06.2025 stellte die AFD im Bundestag einen Antrag, die Flagge und Farben besonders zu schützen, und „die traditionelle Beflaggung von Dienstgebäuden des Staates wiederherzustellen“. (BT - Drucksache 21 / 348)

Die Sitzung leitete Bodo Ramelow und zum Ende der Debatte verwies er auf den Bauernkrieg und die Verwendung der Flagge durch den schwäbischen Haufen, denn es ging nicht um eine Änderung der Nationalfarben, sondern letztlich darum, ob zu bestimmten Anlässen andere Flaggen auf dem Bundestag und staatlichen Behörden gehisst werden dürfen.

Wieso aber komme ich auf diesen Punkt, den ich gar nicht weiter und näher erörtern will? Bodo Ramelow und llko-Sascha Kowalczuk haben in ihrem Gespräch über den Osten und einer neuen Mauer in bestimmten Köpfen im Kapitel 7 über Verfassungsdebatten gesprochen und ob wir eine solche brauchen. Damit beginnend, möchte ich das Buch der beiden hier vorstellen.

Samstag, 30. August 2025

Schildbach, Matthias: Der vergessene Angriff

Kommt man auf das Thema alliierter oder anglo-amerikanischer Bomberangriffe während des zweiten Weltkriegs, dann fallen Städtenamen wie Hamburg, Pforzheim, Würzburg, Düren, Köln, Essen, Berlin und München. Und natürlich Dresden. Letztere Stadt wurde dadurch in diesem Sinne bekannt, weil sie erst ab Februar 1945 massiv angegriffen und Dresdens Innenstadt in 48 Stunden am 13./15. Februar fast vollständig zerstört wurde. Seither ist dieses Datum nicht nur den Dresdnern eingebrannt.

Doch die Angriffe gingen weiter. Der 17. April 1945 war so ein Großkampftag für amerikanische Bomberverbände. In Dresden zerstörte man endgültig die noch vorhandenen Eisenbahnverbindungen (Bahnhof Dresden Friedrichsstadt / Güterbahnhof Walterstraße), aber die Luftschlacht fand über Sachsen und Teilen von Böhmen statt, große Zerstörungen erlitt z. B. Aussig (Usti nad Labem).
Der Zorn des Krieges überzog jetzt ebenfalls in diesen Gegenden die Bevölkerung, deren Volk ihn „frevelnd herraufbeschwor“, wie Reinhard Mey das mal besang.

Dieser 17. April ist weitgehend unbekannt, dies zu ändern, verschrieb sich Matthias Schildbach, der mit DER VERGESSENE ANGRIFF „erstmals das Luftkriegsgeschehen des 17. Aprils 1945 umfassend darstellte."

Doch nicht nur das...