Sonntag, 14. Oktober 2018

Hohler, Franz: Die blaue Amsel

Ein hierzulande eher unbekannter Autor, Kurzgeschichten statt eines Romans, dazu ein Buch, das über 20 Jahre alt ist - weshalb greift man gelegentlich zu solchen Werken? Die Gründe sind vielschichtig, und Titel und Cover haben mich zumindest so angesprochen, dass ich neugierig wurde.

Bei Zufallsfunden entpuppt sich bei mir erstaunlicherweise meist ein Hopp oder Topp - ein richtig gutes Buch oder eben ein Flop. Wie es diesmal war? Das müsst Ihr hier schon selbst lesen:






Franz Hohler ist als Erzähler ein Virtuose der Überraschung. In seinem Erzählungsband aus dem Jahr 1995, in dem tatsächlich eine blaue Amsel auftritt, allerdings sehr zum Missfallen der meisten schwarzen Amseln, stellt er seine ganz einzigartige Fähigkeit mit viel Witz, Ironie und Lust an grotesken Wendungen und absurden Pointen unter Beweis.

(Klappentext Verlagsgruppe Randomhouse)
  • Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag, Muenchen (11. August 1995)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 363086869X
  • ISBN-13: 978-3630868691








KLEIN ABER FEIN...


Quelle: Pixabay
Franz Hohler hat ein feines Gespür für die kleinen Ereignisse im Alltag, die alles andere als banal sind. Und so verwandelt sich dabei unter der Hand das Aufräumen der Wohnung bei ihm in eine Schlacht um Leben und Tod, und nach einem schlechten Kinofilm wird ihm plötzlich klar, dass er einen kostbaren Nachmittag herumgebracht, nein: umgebracht hat. Und wie stumpf erst viele Zeitgenossen sind, wie lange es dauert, bis sie etwas empfinden! Da müssen sich schon Jesus und der Teufel zusammentun, um dem Papst einen Schrecken einzujagen...

Genau beobachten kann er, der Schweizer Autor Franz Hohler. Scheinbar alltägliche Situationen werden durch die akribische und minutiöse Schilderung zu etwas Besonderem. Und so sind die 29 kurzen und manchmal auch etwas längeren Geschichten allesamt kleine Überraschungen mit vollkommen unterschiedlichen Themen. Der Schreibstil ist akkurat, stellenweise nahezu poetisch, oftmals aber auch von unerwartetem Humor durchzogen.


"Vor dem Eisenbahnfenster wird Dänemark durchgezogen. Der Bühnenbildner hat sich für Bäume, Büsche, Äcker und Wiesen entschieden. Auf zusammenhängende Wälder hat er verzichtet. (...) Die Windknechte stehen gern in der Nähe des Meeres, es sind hohe Masten mit dreiflügligen Propellern, die den Wind einfangen und in die Steckdosen jagen."


Wie immer bei einer Sammlung von Kurzgeschichten konnte mich auch hier nicht jede einzelne begeistern, doch ich war jedesmal gespannt, wovon die jeweilige Erzählung nun handelte und wurde oftmals angenehm überrrascht. Das Schwizerdütsch tauchte glücklicherweise nur punktuell auf - und überforderte mich dann prompt, wenn keine Übersetzung angeboten wurde. Aber das meiste war gut verständlich, und in der Summe bin ich von dem Büchlein wirklich angetan!

Ein Überraschungsfund, der sich gelohnt hat!


© Parden








Die Verlagsgruppe Randomhouse schreibt über den Autor:

Franz Hohler wurde 1943 in Biel, Schweiz, geboren. Er lebt heute in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Erzähler seines Landes. Hohler ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Alice-Salomon-Preis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis. Sein Werk erscheint seit über vierzig Jahren im Luchterhand Verlag.

übernommen von der Verlagsgruppe Randomhouse

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