Mittwoch, 3. Oktober 2018

Erdmann, Nadine: CyberWorld 6.0 - Anonymous

Auch wenn ich nicht direkt zur Zielgruppe dieser auf sieben Bände angelegten Reihe gehöre, hat sie es mir angetan. Nun ist bereits der sechste und damit vorletzte Band gelesen, und immer noch kann ich sagen: ich bin Fan!

Wie die Leserunde bei Lovelybooks zeigte, bin ich mit meiner Begeisterung nicht alleine. Und ich habe mich sehr gefreut zu erfahren, dass die Autorin inzwischen auch noch andere Romane geschrieben hat. Natürlich werde ich auch danach Ausschau halten, denn eines ist gewiss: Nadine Erdmann kann schreiben! Doch nun soll es erst einmal um Band 6 der CyberWorld gehen. Mal schauen, ob auch diesmal die Mischung stimmte, die die Autorin selbst als 'Cyberpunk Science Fiction' bezeichnet:



Eigentlich läuft gerade alles sehr gut im Leben von Zack, Ned und dem Rest der Clique. Nach den schrecklichen Erlebnissen in CyberLondon ist der Alltag wieder eingekehrt und die Freunde testen ihr eigenes CyberGame, um es für die Veröffentlichung fertigzustellen. Doch dann tauchen Zacks Eltern überraschend in London auf und in der CyberWorld sucht ein Unbekannter die Aufmerksamkeit der Freunde – mit äußerst drastischen Mitteln. Wer verbirgt sich hinter Anonymous und was will er von Ned, Will und deren Freunden?

(Klappentext Amazon.de)

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 1734 KB
  • Verlag: Greenlight Press; Auflage: 1 (29. August 2018)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B07GFD3S9Y
  • Reihe: CyberWorld, Bd. 6










ENTWICKLUNGEN...


Lost Place - Quelle: Pixabay
Nach den letzten beiden doch sehr actionlastigen Folgen der CyberWorld-Reihe ist dieser sechste Band eher ruhiger gehalten. Im Mittelpunkt steht diesmal Zack, der schon seit Jahren im Elternhaus der Zwillinge Jamie und Jemma lebt, weil seine eigenen Eltern zwar offiziell in London wohnen, im Grunde aber laufend durch die Welt jetten und ihr eigentliches Quartier in New York aufgeschlagen haben. Bei einer ihrer seltenen Stippvisiten in Großbritanniens Hauptstadt bitten die Eltern Zack zum Abendessen, bei dem sie ihm etwas eröffnen wollen. Mit ungutem Gefühl begibt sich Zack in das protzige Haus seiner Erzeuger - und flieht nur zu bald schon wieder daraus. Unfassbar die Neuigkeiten, die ihm da mitgeteilt wurden. Und die Konsequenzen daraus lassen nicht lange auf sich warten...

Parallel zu dem Chaos um Zack kommt es zu mysteriösen Vorfällen bei den Testspielen des eigenen CyberGames von Will, Ned, Jamie und Zack. Gleich kommen Erinnerungen an die brutalen Vorkommnisse in CyberLondon hoch - doch sind es wirklich die R.A.T.s, die sich an den Freunden rächen wollen? Sie müssen dem Geheimnis auf die Spur kommen und herausfinden, wer hinter dem ominösen 'Anonymous' steckt. Doch merken sie rasch, dass sie ohne die Unterstützung ihrer Eltern diesmal keine Chance haben...

Vieles an diesem sechsten (und damit vorletzten, *schnief*) Band hat mir wieder sehr gut gefallen. Es war schön, den inzwischen schon bekannten Figuren wiederzubegegnen und mitzuerleben, wie sie allmählich erwachsener werden in ihren Gedanken und Reaktionen. Zukunftspläne beispielsweise spielen hier eine große Rolle. Zack erlebt eine enorme persönliche Krise und zeigt Verhaltensweisen, die deutlich machen, dass er eine Grenze erreicht hat - doch er erlebt viel Unterstützung durch seinen Freund Jamie und dessen  Familie sowie auch durch die anderen seiner Clique. Dieser Zusammenhalt ist etwas sehr Besonderes in dieser Reihe.

Ebenso besonders empfinde ich die außergewöhnlichen Themen, die in der CyberWorld-Reihe immer wieder Einzug halten: Behinderung, Krankheit, Tod, die Möglichkeiten der Technik und ihre Grenzen, Homosexualität, Verantwortung für die Gesellschaft... Keine Selbstverständlichkeit in Jugendbüchern, dafür aber um so wichtiger. Positiv hervorheben möchte ich außerdem einmal mehr die Fähigkeit der Autorin, mit wenigen Worten eine intensive Atmosphäre zu kreieren und mit Gefühlen gekonnt zu jonglieren - hier wird einmal mehr die gesamte Klaviatur bedient, was beim Leser vom Lachen bis zum Weinen reicht, vom Kopfschütteln über Atemanhalten bis hin zum Wutfaustballen.

Ein paar kleine Kritikpunkte haben diesmal die 5-Sterne-Wertung verhindert, fallen in der Gesamtheit aber nicht übermäßig ins Gewicht. Nicht soooo gut gefallen haben mir diesmal z.B. die eh schon raren Ausflüge in die CyberWorld. Ich habe nichts gegen ruhigere Töne. Aber ein bisschen spannende CyberWorld hätte mir schon gefallen. Die Szenen, die es dazu gab, fand ich eher nichtssagend, weil immer wenn es spannend wurde bei den Testspielen, sagte jemand: wir wissen ja schon wie es ausgeht. Das ist wie jemandem den Lolli hinhalten und dann sagen: du weißt ja eh, wie der schmeckt - um ihn dann wieder einzuwickeln. Ja, ich weiß, Vergleiche hinken, aber so habe ich mich dabei oft gefühlt.

Dagegen fand ich die intensive Rolle, die die Väter von Jamie, Jemma, Ned und Will hier spielten, phasenweise etwas - zu viel. Das hatte manchmal etwas von 'Abenteuer mit Händchenhalten' und war für mich überraschend nach den vielen durchaus auch gefährlichen Situationen in der Vergangenheit, die die Jugendlichen im Wesentlichen im Alleingang gemeistert haben.

Insgesamt jedoch war dieser eher ruhige Teil nach den actionlastigen Vorgängern eine angenehme 'Erholung'. Andeutungen zufolge soll es im finalen Band wieder deutlich aufregender zugehen, und darauf warte ich nun gespannt mit einem lachenden (endlich geht's weiter!) und einem weindenden Auge (der Abschied naht...).


© Parden





Die anderen 5 Bände der Reihe


Im Laufe der Zeit haben die Bücher der Reihe mehrfach ihr Gewand sowie den Titel gewechselt, was den Überblick womöglich etwas erschwert. Im Blog gibt es aber Rezensionen zu allen fünf vorherigen Bänden (in der jeweiligen Original-Version), auf die ich an dieser Stelle gerne verweisen möchte:

  1.  CyberWorld 1.0: Mind Ripper

  2.  CyberWorld 2.0: House of Nightmares

  3.  CyberWorld 3.0: Evil Intentions

  4.  CyberWorld 4.0: The Secrets of Yonderwood

  5.  CyberWorld 5.0: Burning London









Nadine Erdmann schreibt über sich selbst:

Ich wuchs in einem Haus voller Bücher und Musik auf und seit ich denken kann, liebe ich Geschichten. Selbst welche zu schreiben, war aber lange Zeit nur eine fixe Idee, denn die Schriftstellerei gilt als brotlose Kunst und so musste zunächst ein anständiger Beruf her.


Da ich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten wollte, studierte ich Lehramt, verbrachte einen Teil meines Studiums in London und unterrichtete als German Language Teacher an einer kleinen Privatschule in Dublin. Zurück in Deutschland wurde ich Studienrätin für Deutsch und Englisch und arbeitete an einem Gymnasium und einer Gesamtschule in NRW. Der anständige Beruf war mir damit sicher, aber mein Herz hing mehr und mehr daran, Geschichten zu schreiben...

übernommen von der Homepage der Autorin

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