Donnerstag, 19. Februar 2026

Fipps, Lisa: Starfish

 

Ich bin richtig, genau so, wie ich bin! Das begreift die elfjährige Ellie nach einem Leidensweg aus Bodyshaming und Mobbing aufgrund ihres Gewichts. In Starfish erzählt sie von den unzähligen Diäten, zu denen ihre Mutter sie zwingt. Vom Aufstellen von Dicke-Mädchen-Regeln, um nicht aufzufallen. Aber Ellie erzählt auch von Akzeptanz, Solidarität und Freundschaft, die sie erfährt. Von ihrem sich wandelnden Selbstbild, ihrer Psychologin und ihrer besten Freundin, die ihr helfen, sich schließlich ihren mobbenden Mitschüler:innen, ihren Geschwistern und ihrer Mutter entgegenzustellen. Und Ellie erzählt von ihrer Liebe zu Wasser. Denn im Wasser treibend, alle viere von sich gestreckt wie ein Seestern, fühlt sie sich sicher, schwerelos, grenzenlos und frei. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Hanser / 2026 / ISBN 978-3-446-28752-5 / 272 Seiten


Kurzmeinung: Berührend und ermutigend - Bodyshaming, Mobbing, Selbstakzeptanz und der Wert echter Freundschaft. Und als Besonderheit alles in Versen. TOP







TOLLES DEBÜT!


"Für jedes Kind, dem schon einmal gesagt wurde: "Du könntest so hübsch sein, so gut aussehen, wenn..." Du BIST schön. Jetzt. So, wie du bist."


Bereits diese Widmung hat bei mir schon für die erste Gänsehaut gesorgt. Und die Faszination zog sich durch das gesamte Buch, so dass ich die 272 Seiten in einem Rutsch gelesen habe. Die elfjährige Ellie schreibt hier in der Ich-Perspektive und als Besonderheit auch noch alles in Versform. Keine gereimten Gedichte, aber ein poetisch-verknappter Schreibstil, der mühelos lesbar und dabei kristallklar ist und der die Dinge gekonnt auf den Punkt bringt. Der Witz und die Selbstironie, die Ellie ebenso auszeichnen wie ihr Mut, bringen Leichtigkeit und Tempo in die Geschichte - trotz der schwierigen Themen.

Ellie war schon immer pummelig. Und dadurch noch nie richtig. Nicht für ihre Mutter, nicht für ihre Geschwister. Belehrungen von der einen Seite, genervte, hämische und bösartige Bemerkungen von der anderen. Und dazu noch ein ständiges Mobbing durch die Mitschüler:innen. Nur bei ihrer besten Freundin fühlt sich Ellie sicher - doch die zieht nach der Scheidung ihrer Eltern in einen anderen Bundesstaat. Da bleibt nur noch der heimische Swimmingpool, denn Ellie ist auch immer schon gerne geschwommen, im Wasser ist sie leicht und schwerelos, und wenn sie traurig oder wütend ist, bleibt sie besonders lange im Pool.

Zu ihrem Glück zieht nebenan eine Familie ein, die auch eine Tochter in Ellies Alter hat. Und Catalina hat richtig viel Pepp - und sie nimmt Ellie genauso wie sie ist. Das Nachbarmädchen bekommt selbst ständig dumme Sprüche zu hören, da ihre Familie ursprünglich aus Mexiko stammt. Doch sie hat irgendwie ein dickeres Fell und zeigt Ellie, dass man nicht alles an sich heranlassen muss. Auch Ellies Vater sieht die große Not seiner Tochter - und bringt sie (zunächst gegen ihren Willen) zu einer Therapeutin.


"Wenn ich erwachsen bin, möchte ich Autorin und Dichterin werden, um Menschen dabei zu helfen, sich in die Haut anderer Leute zu versetzen. Als Journalistin ist Mom fest entschlossen, alles aufzudecken, was in der Welt falsch läuft, und auf die Fehler der Menschen aufmerksam zu machen. Ob sie dabei jemanden verärgert, interessiert sie nicht."


Nachdem sie dort zunächst gar nicht spricht, öffnet sich Ellie in den Therapiestunden schließlich doch und erkennt so allmählich, dass womöglich nicht sie selbst ein Problem hat, sondern vielmehr die Mutter, die ihr ständig medizinische Artikel unter die Nase hält, das Essen streng überwacht, Diäten für Ellie organisiert, Dicke-Mädchen-Regeln aufstellt, damit Ellie möglichst nicht auffällt, und sogar über eine Magen-OP für ihre Tochter nachdenkt. Die Mutter verhält sich keineswegs fürsorglich oder bestärkend, sondern ausschließlich verletzend und beleidigend, sie erniedrigt ihre Tochter oder stellt sie bloß. Ellies Selbstbild wandelt sich mit Hilfe der Therapeutin nach und nach, und schließlich gelingt es ihr, sowohl den Mitschüler:innen als auch ihrer Mutter und ihren Geschwistern Paroli zu bieten.

Das Buch ist an keiner Stelle larmoyant, was ich als sehr angenehm empfand. Trotzdem werden die Gedanken und Gefühle Ellies sehr gut transportiert - ich war stellenweise so wütend auf die Mutter und - fast noch schlimmer - auf den Bruder, dass ich erstmal tief durchatmen musste, um weiterlesen zu können. Bei anderen Passagen war ich berührt, beglückt und stolz, die gesamte Gefühlspalette also. Und das macht das Buch zu einem starken Plädoyer für mehr Akzeptanz - anderen aber auch sich selbst gegenüber. Und es zeigt nebenbei auch den Wert einer guten Freundschaft auf. Botschaften, die ganz unaufdringlich daherkommen, nicht belehrend oder mit dem erhobenen Zeigefinger arbeitend, sondern sich ganz natürlich ergebend im Rahmen der Entwicklung, die Ellie durchläuft.

Berührend und ermutigend - ein tolles Debüt und damit ein Kinderbuch (Altersempfehlung ab 11 Jahre), dem ich viele Leser:innen wünsche!


© Parden








Lisa Fipps war früher als Marketing Director einer öffentlichen Bibliothek und als Journalistin tätig. Ihr Kinderbuchdebüt »Starfish» (Hanser, 2026) wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und u. a. mit dem Michael L. Printz Award ausgezeichnet. Lisa Fipps lebt in Kokomo, Indiana. (Quelle: Hanser)

1 Kommentar:

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