Kurzmeinung: Mathematik als charmante Kulisse für eine Geschichte über Freundschaft, Mut und den Glauben daran, dass es nie zu spät für etwas Neues ist.
HERRLICH SKURRIL...
Sie begegnen sich zum ersten Mal in einer Vorlesung: Moni Kosinsky hat drei Enkel, mehrere Nebenjobs und liebt knalligen Lippenstift und hohe Absätze. Sie ist fest entschlossen, heimlich ihrem Traum vom Mathe-Studium nachzugehen, auch wenn sie am Anfang für die Putzfrau gehalten wird. Der hochbegabte Oscar ist 16, hat einen Adelstitel und ist noch nie mit der U-Bahn gefahren. In der Not helfen sich die beiden Außenseiter – und begreifen bald, dass sie nur gemeinsam weiterkommen können.
"Die mathematischen Fachbereiche akzeptierten jeden Bewerber und zogen es vor, in den ersten Wochen ein Blutbad zu veranstalten, anstatt die Ahnungslosen vorab auf Eignung zu überprüfen..."
Die Geschichte ist aus der recht unbedarften (und autistisch geprägten) Sicht von Oscar geschrieben und dadurch gespickt mit viel unfreiwilliger Situationskomik. Einerseits erfüllen die zwei Hauptcharaktere sämtliche Klischees, andererseits passt hier vieles einfach sehr gut. Moni schließt man sofort ins Herz – mit ihrer direkten, herzlichen Art, ihrem knalligen Lippenstift und ihrer unerschütterlichen Lebensfreude. Doch es ist auch unmöglich, den jungen Oscar mit seiner Hochbegabung, seiner Naivität und seinem fehlenden Gespür für soziale Situationen nicht zu mögen. Während Moni beweist, dass weder Alter noch sozialer Status zählen, wenn man seinem Wunsch nach Wissen nachgeht, kämpft der talentierte Oscar mit dem Alltag. Zwischen dem so ungleichen Duo entwickelt sich im Verlauf der Geschichte eine besondere und berührende Freundschaft, die einen nicht kalt lässt.
Das Thema Mathe muss einen nicht abschrecken, auch wenn die Materie nicht jedem liegt. Mathematik dient hier in erster Linie als charmante Kulisse für eine Geschichte über Freundschaft, Mut und die Erkenntnis, dass es nie zu spät für etwas Neues ist.
Das Ende hätte ich mir ehrlich gesagt etwas anders gewünscht, aber irgendwie passte es auch zu der Geschichte.
Das "Lieblingsbuch der Unabhängigen 2024" wird in der ungekürzten Hörbuchfassung (6 Stunden und 19 Minuten) sehr angenehm gelesen von Fabian Busch, dessen Stimme zum Ich-Erzähler Oscar wunderbar passend erscheint.
Ein kurzweiliges Hörvergnügen, auch wenn das Ende für mich anders hätte gestaltet sein dürfen...
© Parden


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