Kurzmeinung: Ziemlich viele und ziemlich klischeehafte Charaktere, die hier im Altersheim zwischen Theaterproben und Mordermittlungen agieren, etwas lahm...
KEINE LANGEWEILE IM ALTERSHEIM...
"Nie gesehen ", sagte sie hernach mit fester Stimme und gab die Karte weiter. Gelogen war das nicht. Sie hatte ihn schließlich nach Gehör erschossen.
Bis zum Schluss konnte ich mir nur die wenigsten Namen merken, zum einen weil man hier auf eine große Anzahl an Personen trifft, zum anderen weil hier oft das Klischee wichtiger ist als der eigentliche Charakter, so dass selbst die Autorin oftmals dazu überging, vom Lehrer, Zahnarzt oder der Gräfin zu sprechen. Der ehemalige Feuilletonchef Friedhelm versucht jedenfalls, im Heim eine Inszenierung von Shakespeares "Hamlet" auf die Beine zu stellen, geprobt wird im Musikzimmer. Gleich die erste Probe verläuft jedoch schon chaotisch, weil plötzlich entdeckt wird, dass der Mops einer Heimbewohnerin erschossen wurde. Schon bald stoßen die eifrigen Senioren bei ihrer Spurensuche auf einen weiteren Toten - diesmal ist es ein Mensch.
Geleitet werden die heimlichen Ermittlungen (vorbei an Polizei und Personal) von der ehemaligen Yogalehrerin Katia. Sie stößt auf ein verwirrendes Knäuel an möglichen Hinweisen und Verdachtsmomenten und stochert dabei lange nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Dabei entstanden für mein Empfinden doch auch einige Längen, und der berühmtberüchtigte Alleingang, den ich mittlerweile so gar nicht mehr leiden kann, durfte hier natürlich auch nicht fehlen. Unterhaltsam ist der Heimkrimi dadurch, dass sich einzelne Charaktere selbst nicht so wichtig nehmen und trotz etlicher Gebrechen den Lebensmut nicht verlieren. Insgesamt hätte der Humor für meinen Geschmack jedoch großzügiger eingesetzt werden können.
"Hamlet" nimmt dagegen einen großen Raum ein, und Shakespeare Zitate werden auch im Zusammenhang mit den Ermittlungen immer wieder eingestreut. Dies wurde mir stellenweise doch etwas zu viel - (auch anstrengend zu lesen) - und sollten sich dahinter Hinweise verbergen, muss ich gestehen: ich kenne den "Hamlet" nicht, hätte die Hinweise dann also nicht verstanden.
Das Ende dann war doch recht wirr, wirkte hinsichtlich des Motivs (für einen der Morde) doch etwas hanebüchen, und am Ende war mir irgendwie nicht so ganz klar, wer nun für welche Tat verantwortlich war. Das Prinzip der Verwirrung hat funktioniert, führte aber dazu, dass ich am Ende nicht so recht zufrieden war. Fall gelöst, aber irgendwie bin ich nicht wirklich mitgekommen. Ich hatte dann aber auch keine Lust mehr, noch einmal zurückzublättern.
Alles in allem: phasenweise durchaus unterhaltsam, aber mit Längen, Verwirrtaktik und einem nicht ganz befriedigenden Ende doch kein Highlight. Nett zu lesen, aber nichts, an das ich mich lange erinnern werde...
© Parden


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