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Sonntag, 22. Juni 2025

Hagena, Katharina: Flusslinien

 

Margrit Raven ist hundertzwei und wartet auf den Tod. Früher war sie Stimmbildnerin, jetzt lebt sie in einer Seniorenresidenz an der Elbe. Jeden Tag lässt sie sich von dem jungen Fahrer Arthur in den Römischen Garten bringen. Dort, mit Blick auf den Fluss, erinnert sie sich: an ihre Kindheit, den Krieg, ihre Liebhaber und an das, was sie über die einstige Gärtnerin dieses Parks weiß, Else, die große Liebe ihrer Mutter. Die Erinnerungen halten Margrit am Leben – und die Besuche ihrer zornigen Enkelin. Luzie hat sich kurz vor dem Abitur von der Schule abgemeldet und übernachtet nun allein in einer Hütte an der Elbe. Während sie Margrit, deren Mitbewohner und sich selbst im Keller der Seniorenresidenz tätowiert, versucht sie, Stich für Stich, ihre Kraft und ihr Leben zurückzugewinnen. Und dann ist da noch Arthur. Wenn er gerade niemanden zur Dialyse fährt, sucht er mit einer Metallsonde den Strand ab, erfindet Sprachen, kämpft für gefährdete Arten und ringt mit einer Schuld. Um nicht vom Strom der eigenen Erinnerungen fortgerissen zu werden, müssen sich die drei auf sich selbst besinnen. Und aufeinander einlassen. (Verlagsbeschreibung)
  
DNB / Kiepenheuer & Witsch / 2025 / ISBN: 978-3-462-00729-9 / 400 Seiten
 

  
Kurzmeinung: Eine Erzählung, die träge dahinfließt wie ein Fluss, die Untiefen unter der Oberfläche erraten lässt aber nicht hinabtaucht...

Donnerstag, 1. August 2024

Briggs, Curtis & Lukschy, Stefan: Die Farbe der Sterne

 

Geld oder Liebe? Original oder Fälschung? Wandel oder Tradition? Gipfelstürmerei oder Höhenangst? Um all dies und noch viel mehr geht es in dieser turbulenten, romantischen Screwball-Krimi-Comedy. Es handelt von einem flugunfähigen Heißluftballon-Designer, der ein heruntergekommenes Hotel in den Bergen retten will, von einer selbstbewussten jungen Managerin, die das Hotel verkaufen soll, von einem schwulen Kunsträuber-Pärchen, von denen einer lieb und naiv, der andere brutal und bedrohlich ist, und einer Menge weiterer skurriler Gestalten. Es entspinnt sich ein Geflecht aus Liebe, einem echten und einem falschen Kandinsky, hinter denen alle her sind, um silberne und goldene Sterne – und nicht zuletzt um einen intellektuellen Marder, der das Paarungsverhalten dieser seltsamen Gruppe mit Interesse wissenschaftlich verfolgt, sich seine Gedanken macht und gelegentlich in die Handlung eingreift. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Langen Müller / 2024 / ISBN 978-3-7844-3712-5 / 328 Seiten

 

 

 

 

Im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks erhielt ich diesen Roman als Rezensionsexemplar, wofür ich mich beim Verlag bedanken möchte. Das Cover, der Titel und auch der Klappentext sprachen mich an, und so war ich wirklich neugierig auf das Buch. Etwas verwirrt war ich, weil der Roman bei Lovelybooks unter "Literatur" eingeordnet ist, auf dem Cover "Roman" steht und hinten von einer "turbulenten, romantischen Krimi-Komödie" die Sprache ist. Nach der Lektüre kann ich sagen: Roman - vielleicht. Alles andere - in meinen Augen - nicht. Was also dann? Lest selbst:


Samstag, 20. Juli 2024

Kennedy, Margaret: Die englische Scheidung

 

»Alec und ich gehen getrennte Wege. Wir lassen uns scheiden.« Nicht dass zwischen den Müttern von Betsy und Alec Canning je ein gutes Wort gefallen wäre, doch als Betsys Brief eintrifft, sind sie sich sofort einig: Die Scheidung muss um jeden Preis verhindert werden! Weder Betsys Geständnis, in der Ehe unglücklich zu sein, noch Alecs Seitensprünge ändern daran auch nur das Geringste. Ist das letzte Wort möglicherweise noch nicht gesprochen? Alec hofft, seine Frau umzustimmen, wenn er an sich arbeitet, und vielleicht bedenkt Betsy ja die Folgen einer Trennung für ihre drei Kinder. Doch die Mütter und all die anderen, die auf einmal unbedingt mitreden wollen – Hausangestellte, Nachbarn, Freunde –, machen das letzte bisschen Hoffnung auf eine Versöhnung zwischen den Eheleuten zunichte. Betsy und Alec sind den Rosenkrieg bald leid, aber da ist so mancher Fehler schon nicht mehr rückgängig zu machen… (Verlagsbeschreibung)

DNB / Schöffling & Co. / 2024 / ISBN 978 3 89561 869 7 / 400 Seiten



 
Eine Leserunde bei Whatchareadin brachte mich erstmals mit einem Roman der britischen Autorin in Kontakt. Der Verlag Schöffling & Co. hat sich u.a. die Wiederentdeckungen literarischer und moderner Klassiker auf die Fahne geschrieben - und um eine solche Wiederentdeckung handelt es sich hierbei. Ob es sich gelohnt hat, die (zumindest für mich) unbekannte Autorin wieder ans Tageslicht zu holen? Lest selbst:


Samstag, 15. Juni 2024

Graver, Elizabeth: Kantika

 

Rebecca Cohen genießt als Tochter eines sephardischen Unternehmers die Privilegien der Istanbuler Oberschicht. Doch als sich in den 1920er-Jahren die Stimmung in Europa verdüstert, beginnt für sie eine jahrelange Odyssee, die sie über Barcelona und Havanna bis nach New York führt. Auf ihrer Flucht wird Rebecca, kaum Ehefrau und Mutter, zur Witwe, muss ihre Eltern zurücklassen, um ihren Kindern eine Zukunft zu bieten, und ihr Schicksal einem Mann anvertrauen, den sie nur aus Briefen kennt. Doch an jeden neuen Ort trägt sie ihre Erinnerung und ihre Lieder und baut sich daraus gegen alle Widerstände eine neue Heimat. Kantika (»Lied«) ist eine eindringliche, lyrische Erzählung über Identität und Exil und eine inspirierende Geschichte weiblicher Resilienz, mit der Elizabeth Graver ihrer Großmutter Rebecca Cohen ein Denkmal setzt. (Verlagsbeschreibung)

DNB / mare / 2024 / ISBN 978-3-86648-710-9 / 368 Seiten
 
 

 

Erneut ein Roman, den ich im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin lesen durfte - auch an dieser Stelle dafür meinen herzlichen Dank an den Verlag! Historische Romane lese ich ja eher selten, über die Verfolgung von Juden im 20. Jahrhundert dagegen schon eher. Daher entschied ich mich hier für die Teilnahme an der Leserunde. Ob mir der Roman dann auch gefallen hat? Das könnt Ihr hier nachlesen:
 

Freitag, 10. Mai 2024

Von Suffrin, Dana: Nochmal von vorne

 

Was hält eine Familie zusammen, in der es nur Fliehkräfte zu geben scheint und alles darauf hinausläuft, dass etwas zu Bruch geht? Am Ende nur die eigene Geschichte. Dana von Suffrin hat einen virtuosen Roman über modernes jüdisches Leben zwischen München und Tel Aviv geschrieben.

Der Tod ihres Vaters und die Auflösung seiner Wohnung bringt für Rosa vieles in Bewegung, bei dem sie eigentlich froh war, dass es geruht hatte. Denn die Geschichte der Familie Jeruscher ist ein einziges Durcheinander aus Streitereien, versuchten oder gelungenen Fluchten, aus Sehnsüchten und enttäuschten Hoffnungen und dem vergeblichen Wunsch, irgendwo heimisch zu werden. Nun ist alles wieder da: die Erinnerungen an ihre irrwitzige Kindheit in den 90ern, an das Scheitern der Ehe der Eltern und die Verwandtschaft in Israel, aber auch ihre verschwundene ältere Schwester, mit der sie aus gutem Grund gebrochen hatte. Kraftvoll und mit großartigem schwarzen Humor erzählt Dana von Suffrin von einer deutsch-jüdischen Familie, in der ein ganzes Jahrhundert voller Gewalt und Vertreibung nachwirkt – und von zwei Schwestern, die sich entzweien und wieder versöhnen, weil es etwas gibt, das nur sie aneinander verstehen. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Kiepenheuer & Witsch / 2024 / ISBN 978-3-462-00297-3 / 240 Seiten


 

Ein Roman, den ich im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin lesen durfte - dafür meinen herzlichen Dank an den Verlag! Der Klappentext hat viel versprochen, ich fand ihn überaus ansprechend. Was ich tatsächlich bekommen habe? Sprachlich herausfordernd mit endlosen Schachtelsätzen wird hier das Bild einer dysfunktionalen Familie gezeichnet - generationenübergreifende Traumata, Sprachlosigkeit, Unverständnis. In der Leserunde kam der Roman auch überwiegend nicht gut weg. Hier geht es zu meiner Meinung:


Samstag, 4. Mai 2024

Vanderbeke, Birgit: Das Muschelessen

 

Angespannt wartet die Familie am gedeckten Tisch auf den Vater. Mutter, Tochter und Sohn sitzen vor einem Berg Muscheln, die allein das Oberhaupt der Familie gerne isst. Um die zähe Wartezeit zu überbrücken, beginnen sie miteinander zu reden. Je mehr sich der Vater verspätet, desto offener wird das Gespräch, desto unbarmherziger der Blick auf den autoritären Patriarchen und desto tiefer der Riss, der die scheinbare Familienidylle schließlich zu zerstören droht. (Verlagsbeschreibung)
 
DNB / Rotbuch Verlag / 2013 / ISBN 9783867891806 / 128 Seiten









Birgit Vanderbekes Debüt, die Erzählung "Das Muschelessen", trug ihr 1990 den Ingeborg-Bachmann-Preis ein, machte die Autorin mit einem Mal einem breiten literarischen Publikum bekannt und gilt bis heute als ihr bekanntestes Werk. Dies ist auch tatsächlich das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe - dabei muss es aber nicht bleiben! Dies eindringliche Erzählung in ungewöhnlichem Stil konnte mich jedenfalls beeindrucken. Weshalb? Das könnt Ihr hier gerne nachlesen:

 

Freitag, 5. April 2024

Manenzhe, Rešoketšwe: Wir Zerrissenen

 

Die Ehe zwischen Abram und seiner Frau Alisa ist nicht ohne Probleme, doch mit ihren beiden Töchtern führen sie ein komfortables Leben auf einer Farm Südafrika. Als 1927 ein Gesetz erlassen wird, das die Beziehung zwischen Schwarzen und Weißen unter Strafe stellt, geraten sie in große Gefahr, denn plötzlich sind die Kinder der Beweis für eine verbotene Beziehung. Abram ist ratlos, wie er seine Familie vor der Maschinerie des Gesetzes schützen kann, bisher sind sie durch ihren Wohlstand der schlimmsten Diskriminierung entgangen. Doch sein Zögern treibt das Paar immer weiter auseinander, immer stärker tut sich zwischen ihnen ein Graben auf. So weit, dass Alisa schließlich keinen anderen Ausweg mehr sieht, als ihre Familie in den Abgrund zu reißen. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Penguin Verlag / 2023 / ISBN 978-3-328-60270-5 / 352 Seiten

 

 

 

 

 

Wieder einmal ein Roman, den ich im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin lesen durfte. Das Cover ist ein echter Hingucker, das muss hier einmal gesagt werden. Der Roman selbst? Ein gefeiertes Debüt, das anfangs spannend und interessant gestaltet ist, dann aber zusehends zerfasert und von Brüchen durchsetzt ist - hm. Wie mir der Roman insgesamt gefallen hat, könnt Ihr hier nachlesen:
 
 

Mittwoch, 29. November 2023

Saucier, Jocelyne: Niemals ohne sie (Hörbuch)

 

Die Cardinals sind keine gewöhnliche Familie. Sie haben den Schneid und die Wildheit von Helden, sie haben Angst vor nichts und niemandem. Und sie sind ganze dreiundzwanzig. Als der Vater in der stillgelegten Mine eines kanadischen Dorfes Zink entdeckt, rechnet der Clan fest mit einem Anteil am Gewinn – und dem Ende eines kargen Daseins. Aber beides wird den Cardinals verwehrt, und so schmieden sie einen explosiven Plan, der, wenn schon nicht die Mine, so wenigstens die Ehre der Familie retten soll. Doch der Befreiungsschlag scheitert und zwingt die Geschwister zu einem Pakt des Schweigens, der zu einer Zerreißprobe für die ganze Familie wird. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Random House Audio / 2019 / ISBN 978-3-8371-4690-5 / 369 Minuten

Jocelyne Saucier auf Litterae Artesque: Ein Leben mehr 


 

 

Nachdem ich seinerzeit von "Ein Leben mehr" von Jocelyne Saucier so angetan war, verlor ich die Autorin nie ganz aus den Augen, kam jetzt aber erst dazu, mir wieder einen ihrer Romane zu Gemüte zu führen. Diesmal als Hörbuch. Da auch dieser Roman etwas Besonderes ist, so viel sei schon einmal verraten, halte ich definitiv Ausschau nach weiteren Werken der kanadischen Autorin... Doch nun erst einmal zu diesem Buch:
 

Dienstag, 28. November 2023

Schulman, Alex: Endstation Malma

 

Ein Zug fährt durch eine Sommerlandschaft. An Bord sind ein Ehepaar in der Krise, ein Vater mit seiner kleinen Tochter sowie eine Frau, die das Rätsel ihres Lebens lösen will. Sie alle fahren nach Malma, einen kleinen Ort, wenige Stunden von Stockholm entfernt, umgeben von Wäldern. Und keiner von ihnen weiß, wie ihre Schicksale verwoben sind und ob das, was sie in Malma erwartet, ihrem Leben nicht eine neue Wendung geben wird. In bestechender Prosa baut Alex Schulman seine Erzählung auf: wie einen Zug, der durch die Zeit fährt und in dem jedes Kapitel ein eigener Waggon ist, der an den nächsten angehängt wird. Lässt sich die Zukunft frei gestalten, oder ist sie durch Vergangenes vorgezeichnet? (Verlagsbeschreibung)

DNB / dtv / 2023 / ISBN 978-3-423-28353-3 / 320 Seiten

Alex Schulman bei Litterae Artesque: Die Überlebenden (2021)

 

 

 

 

 

Alex Schulman ist kein Unbekannter hier im Blog. "Die Überlebenden" war für mich vor zwei Jahren ein Jahreshighlight, und so habe ich den Roman hier gerne vorgestellt. Den neuen Roman las ich im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin, und eine der Teilnehmerinnen berichtete, dass sie auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit dem Autor hatte sprechen dürfen - auf Schwedisch. Hut ab! Zu dem aktuellen Titel kann ich nur sagen: Selten hat ein Roman bei mir so viel Unbehagen verursacht - düster, bedrückend, grausam. Generationenübergreifendes Schweigen, Einsamkeit... Und vieles wiederum autobiografisch geprägt. Mehr dazu erfahrt Ihr hier:


Montag, 27. November 2023

Dueck, Dora: Unter der still stehenden Sonne

 

Einer der wesentlichen Elemente dieses Romans ist die Perspektive einer Frau auf das Leben der Pioniere in einer von Männern dominierten Gemeinschaft. Zu empfehlen nicht nur für seine Schilderung des Lebens in einer bahnbrechenden Familie, sondern auch, weil es das Wesen der paraguayischen mennonitischen Erfahrungen erfasst. Neben der interessanten Erzählung enthält das Buch auch eine ausgezeichnete Schilderung des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, psychologischen, religiösen Hintergrundes eines bedeutenden Kapitels in der Geschichte der Mennoniten. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Books on Demand / 2015 / ISBN 978-3734795008 / 168 Seiten

 

 

 

 

 

 

Wieder einmal ein Zufallsfund, ein Titel, auf den ich aufgrund der Recherche nach geeigneten Büchern für eine Challenge gestoßen bin. Frei nach dem Motto: durch Lesen wird man nicht dümmer, begab ich mich also an die Lektüre, obschon eigentlich weder der historische Aspekt noch die Mennoniten mein Interesse weckten. Mühsames Leben - mühsames Lesen, muss ich leider konstatieren. Mehr dazu könnt Ihr hier nachlesen: 


Sonntag, 26. November 2023

Shree, Geetanjali: Mai

 

Während Sunaina mit ihrem Bruder durch den Guavenhain streift und auf Mangobäume klettert, ist ihre Mutter Mai stets zu Hause. Unter den Argusaugen ihrer Schwiegermutter stampft sie Linsen, röstet Papadam, backt Chapati. Still umsorgt sie die ganze Familie, fast unsichtbar hinter den Mauern des großen Anwesens. Als Sunaina und ihr Bruder älter werden, lehnen sie sich gegen die starren Regeln der Familie auf und setzen sich ein gemeinsames Ziel: Mai aus ihrer so eng scheinenden Welt zu befreien. Erst spät bemerken sie allerdings, dass Mais Welt eine ganz andere ist, als sie glauben. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Unionsverlag / 2023 / ISBN 978-3-293-20974-9 / 240 Seiten

 

 

 

 

 

 

 

Ein weiterer Roman, den ich im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin lesen durfte. Manchmal entstehen da ganz interessante Diskussionen. Dieser Roman versprach einen interessanten Einblick in den Wandel der Lebensverhältnisse in Indien im Laufe der letzten Jahrzehnte - Frauenbilder Indiens zwischen Tradition und Moderne. Wie mir der Roman gefiel, könnt Ihr hier nachlesen:


Montag, 9. Oktober 2023

Öziri, Necati: Vatermal (Hörbuch)

Arda weiß nicht, wie viel Zeit ihm noch bleibt. Er liegt mit Organversagen im Krankenhaus seiner Heimatstadt im Ruhrgebiet;  an seinem Bett sitzen abwechselnd seine Mutter Ümran und seine Schwester Aylin. Seit zehn Jahren haben die beiden kein Wort miteinander gesprochen. Zum Abschied wendet er sich an seinen Vater, den er nie kennengelernt hat. Arda erzählt dem Unbekannten von Geburtstagen im Ausländeramt und vom letzten Sommer auf dem Bahnhofsplatz, bevor alle seine Freunde verschwinden: Bojan wird abgeschoben. Danny wird zu früh Vater. Savaș geht zurück in die Türkei, nachdem er seine Mutter verliert. Aber Arda erzählt auch von Schwester und Mutter: von Aylin, die von zuhause wegrennt. Und von Ümran, die sich ihr Leben ganz sicher anders vorgestellt hat. Necati Öziri schreibt eine Familiengeschichte über einen Sohn, eine Mutter und eine Schwester, deren Leben und Körper gezeichnet sind von sozialen und politischen Umständen. Ein Roman von radikaler Wahrheit, Wut, Kraft, Liebe und Sehnsucht – und das dringlichste Debüt des Jahres. (Verlagsbeschreibung)


DNB / Hörbuch Hamburg / 2023 / ISBN: 978-3-8449-3623-0 / 384 Minuten

 

 

 

Erst nach einigem Zögern habe ich zu diesem Hörbuch gegriffen. Von den Titeln auf der diesjährigen Longlist des Deutschen Buchpreises sprach mich "Vatermal" nicht wirklich an. Ich wollte eigentlich keine weitere Geschichte lesen oder hören, in der sich ein Sohn oder eine Tochter mit einem seiner Elternteile auseinandersetzt. Nun ist "Vatermal" auf der Shortlist gelandet, befindet sich also unter den sechs Titeln, die noch die Chance haben, den diesjährigen Buchpreis zu gewinnen (Preisverleihung: 16.10.). Daher habe ich mich für die Hörbuchvariante entschieden, weil mein Lesestapel für diesen Monat bereits so hoch ist, dass ich das Buch wohl nicht mehr hätte dazwischen schieben können. Ob sich das Hörbuch jetzt gelohnt hat? Lest selbst:


Samstag, 26. August 2023

Wright, Camron: Briefe für Emily

Harry Whitney hat Alzheimer. Nach seinem Tod finden sich Briefe, die er an seine kleine Enkelin Emily geschrieben hat. Harry erzählt darin von den Herausforderungen des Lebens, von der Liebe und dem Verzeihen. Mit großem Erstaunen erkennt die Familie, dass Harry ihr ein Geschenk von unschätzbarem Wert gemacht hat. (Verlagsbeschreibung)


DNB / Fischer Verlage (Antiquariat) / 2005 / ISBN:  978-3596159567 / 256 Seiten







Manche Bücher liegen jahrelang und fast schon vergessen auf dem SuB (Stapel ungelesener Bücher), bis ein Anstoß sie daraus befreit. Solch ein Buch ist dieses hier. Ich weiß nicht mehr, wie ich auf diesen Roman stieß oder was mich seinerzeit veranlasst hat, ihn mir zuzulegen - aber nun ist er endlich auch gelesen. Ein nettes Buch für zwischendurch, das neben ernsten Themen auch Leichtigkeit vermitttelt, so viel sei an dieser Stelle schon verraten. Alles Weitere lest Ihr hier:

Freitag, 25. August 2023

Sherriff, R. C.: Zwei Wochen am Meer

Voller Vorfreude bricht die Familie Stevens an die englische Südküste auf, mit sorgsam gepacktem Koffer und diesem wunderbar freien Gefühl im Bauch, wenn der Urlaub beginnt. Die geliebte Pension ist ein wenig in die Jahre gekommen, aber irgendetwas sagt Mr Stevens, dass diese Ferien die schönsten werden, die sie je hatten. Und so lassen sie sich verführen: vom Geflatter des Drachens und Cricket im warmen Sand, von einem behaglichen Glas Port und der erleuchteten Promenade am Abend. Und jeden Tag wieder lockt das Meer, das so sehr glitzert, dass man es vor Glück kaum fassen kann.

Die Familie Stevens besitzt die Fähigkeit, das Dunklere, das jeder in sich trägt, zu verwandeln und die verborgene Größe des Selbstverständlichen zu genießen. Sie nimmt uns mit in einen unvergesslichen Sommer. (Verlagsbeschreibung)

 

DNB / Unionsverlag / 2023 / ISBN: 978-3-293-00604-1 / 352 Seiten

 

 

 

Gelesen habe ich das Buch im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin - verbunden mit einem herzlichen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Die meisten Teilnehmer:innen der Leserunde waren sehr angetan von dem bereits 1931 im Original erschienenen Roman - ebenso wie Kazuo Ishiguro, der sich seinerzeit womöglich davon hat inspirieren lassen zu seinem eigenen Roman: "Was vom Tage übrig blieb". Das aber nur mal so am Rande. Ob ich mich dem Reigen der Begeisterten anschließen kann, könnt Ihr hier lesen:

 

Sonntag, 12. Februar 2023

Groeper, Kerstin: Brennnesseln schmecken nur im Frühling.

Ein Foto wie es auch von meinen Großeltern stammen könnte. In diesem Zusammenhang fallen auch mir Brennnesseln ein, wenn es um die Ernährungslage nach dem Krieg ein. Oma hat sie erwähnt und dass sie nur im Frühling schmecken, liegt bestimmt daran, dass sie dann noch frisch sind.

Es dauert, bis wir auf den Titel des Familienromans im Text stoßen. Es ist tatsächlich die Nachkriegszeit. Doch in diesem Buch schaut die Autorin weiter zurück. Bis in die Mitte der zwanziger Jahre.

Kerstin Groeper führt uns zum einen nach Leer, Ostfriesland, dort lebt Gredel, Tochter eines Lehrers. Aus Ostpreußen kommt Hellmuth, Sohn des Bürgermeisters von Wehlau. 

Während Gredel glücklich ist durch die Fürsprache eines Onkels eine Ausbildung zur Röntgenassistentin aufnehmen kann, muss Helmuth die geplante höhere Laufbahn als Jurist an den Nagel hängen, als sein Vater bei einem Unfall ums Leben kommt. Nun muss er sich um Mutter und Schwester kümmern, letztere hat eine Tochter, deren Herkunft auch vor 1933 schon nicht anerkannt wurde, ihr Vater war ein Jude. Ab 1933 sagt Anna-Marie zur Mutter Schwester und zur Großmutter Mutter.

Auch Gredel hat es schwer, denn ihre Tochter Rosemarie, die von einem SS-Arzt stammt, der die Verlobung und geplante Heirat auflöst, wird vom strengen Großvater zunächst nicht anerkannt.

In Berlin treffen Gredel und Hellmuth aufeinander, eine Heiratsanzeige führt sie zusammen, die Großeltern der Autorin.

Dienstag, 29. November 2022

Helfer, Monika: Löwenherz

Monika Helfer erinnert sich an ihren Bruder Richard. Seit dem Tod der Mutter wachsen sie und ihre Schwestern getrennt vom kleinen Bruder auf. Sie sehen sich selten, verlieren die Verbindung. Es ist die Zeit des Deutschen Herbstes. Richard ist da bereits ein junger Mann, von Beruf Schriftsetzer. Er ist ein Sonderling, das Leben scheint ihm wenig wichtig. Verantwortung übernimmt er nur, wenn sie ihm angetragen wird. So auch, als ihm auf merkwürdige Weise eine verflossene Liebe ein Kind überlässt, von dem er nur den Spitznamen kennt. Die unfreiwillige Vaterrolle gibt ihm neuen Halt, zumindest für eine Zeit. Ein inniges Portrait, eine Geschichte über Fürsorge, Schuldgefühle und Familienbande.  (Klappentext)









Nach "Die Bagage" und "Vati" (beide Romane wurden hier im Blog im vergangenen Jahr vorgestellt) ist dies nun der dritte und wohl finale Roman der Reihe, wiederum gespickt mit Lebenserinnerungen um die Familiengeschichte der Autorin. Im Mittelpunkt steht diesmal ihr Bruder Richard, und es war beim Lesen zu spüren, welch inneres Anliegen es Monika Helfer war, diesem Familienmitglied gerecht zu werden und ihre eigene Rolle als Schwester dabei zu reflektieren. Schwierig stelle ich mir das vor, denn Richard nahm sich mit 30 Jahren das Leben - als Hinterbliebene kein leichtes Los. Wie ich das Portrait des Bruders empfand, könnt Ihr hier nachlesen:

Samstag, 1. Oktober 2022

Dröscher, Daniela: Lügen über meine Mutter (Hörbuch)

Daniela Dröscher erzählt vom Aufwachsen in einer Familie, in der ein Thema alles beherrscht: das Körpergewicht der Mutter. Ist diese schöne, eigenwillige, unberechenbare Frau zu dick? Muss sie dringend abnehmen? Ja, das muss sie. Entscheidet ihr Ehemann. Und die Mutter ist dem ausgesetzt, Tag für Tag.

Lügen über meine Mutter ist zweierlei zugleich: die Erzählung einer Kindheit im Hunsrück der 1980er, die immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Und es ist eine Befragung des Geschehens aus der heutigen Perspektive: Was ist damals wirklich passiert? Was wurde verheimlicht, worüber wurde gelogen? Und was sagt uns das alles über den größeren Zusammenhang: die Gesellschaft, die ständig auf uns einwirkt, ob wir wollen oder nicht? (Klappentext)


Im August stellte ich hier im Blog die Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises vor und merkte an, dass ich doch bedauerte, aus Zeitgründen die Leserunde zu "Lügen über meine Mutter" ausgelassen zu haben. Aber wofür gibt es denn Hörbücher? Freundlicherweise stellte mir NetGalley ein kostenloses Exemplar zur Verfügung. Wie sich herausstellte, ist dieser Titel nun auch auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises gelandet, und damit habe ich nun bereits die Hälfte der sechs Titel auf der Liste gelesen bzw. gehört. Verrückt - das hatte ich bisher noch nie! An einem vierten Buch der Liste lese ich gerade, das fünfte steht in den Startlöchern. Nur das sechste reizt mich so überhaupt gar nicht. Sollen wir wetten, welches gewinnt? Den Preisträger habe ich bisher jedenfalls noch nie gelesen. Doch nun zu dem empörenden und beklemmenden Familienleben der kleinen Ela:

Donnerstag, 1. September 2022

Kühmel, Miku Sophie: Triskele

Drei Schwestern treffen sich in der Wohnung der Mutter. Die zielstrebige Mercedes ist 48, die flatterhafte Mira ist 32, und Matea, die noch zuhause lebt, ist 16. Ihre Mutter Mone hat sich das Leben genommen und nur wenig hinterlassen: alten Schmuck, die Katze Muriel und einen Brief. Als drei Kinder aus drei Generationen sind sie mit der gleichen Frau aufgewachsen, aber nicht gemeinsam. Wer war Mone für jede einzelne von ihnen? Und was teilen die drei, wenn schon keine Erinnerungen? Matea, verschlossen und in sich gekehrt, muss sich bei ihrer ältesten Schwester in Berlin einleben und verbringt ihre Tage online. Mercedes vergisst manchmal, dass plötzlich ein Teenager bei ihr wohnt, und Mira fühlt sich, wie immer, überflüssig. (Klappentext)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Diese Wette hätte ich nun glatt verloren. Ich war mir nach der Lektüre dieses  Romans nämlich sicher, dass auch dieser auf der Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises landen würde. Aber Pustekuchen. Über NetGalley hatte ich die Möglichkeit, diese Familiengeschichte zu lesen, wofür ich mich einmal mehr bedanken möchte. Ob mir der Roman nun auch gefallen hat? Das könnt Ihr hier nachlesen:
 

Sonntag, 22. Mai 2022

Kaiser, Vea: Rückwärtswalzer oder Die Manen der Familie Prischinger (Hörbuch)

Als Onkel Willi stirbt, stehen der Drittel-Life-Crisis geplagte Lorenz und seine drei Tanten vor einer Herausforderung. Willi wollte immer in seinem Geburtsland Montenegro begraben werden. Doch da für eine regelkonforme Überführung der Leiche das Geld fehlt, begibt man sich kurzerhand auf eine illegale Fahrt im Fiat Panda von Wien bis auf den Balkan. Auf der Reise finden die abenteuerlichen Geschichten der Familie Prischinger auf kunstvolle Weise zueinander. Mirl, die älteste Schwester, musste nach dem Krieg früh Verantwortung übernehmen und wollte nur weg vom Land. Wetti interessierte sich bereits als Kind mehr für Tiere als für Menschen. Und Hedi zerbrach fast an einem Schicksalsschlag, kurz bevor sie Willi traf. Doch stets waren die drei Schwestern füreinander da. (Klappentext)
 
 
  • Herausgeber: Argon Verlag; 1. Edition (27. März 2019)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Sprecher  : Cornelius Obonya 
  • Ausgabe  :  Ungekürzte Ausgabe, 13 Stunden und 39 Minuten
  • ISBN-10 : 3839817188
  • ISBN-13 ‏ : ‎  978-3839817186
 
 
 
 
Immer wieder gibt es sie, die (Hör-)Bücher, die schreien: ich will unbedingt zu dir! Und die dann nach zufriedenstellendem Kauf doch immer wieder auf dem SuB herunterrutschen, bis sie womöglich ein wenig in Vergessenheit geraten. Mit diesem Hörbuch ging es mir defintiv so, wie ich zu meiner Schande gestehen muss. Doch im Rahmen einer Challenge passte der Titel einfach zu gut, so dass ich nun endlich zugriff. Wie mir der Roman letztlich gefallen hat, könnt Ihr hier nachlesen:
 

Samstag, 16. April 2022

Aydemir, Fatma: Dschinns

Dreißig Jahre hat Hüseyin in Deutschland gearbeitet, nun erfüllt er sich endlich seinen Traum: eine Eigentumswohnung in Istanbul. Nur um am Tag des Einzugs an einem Herzinfarkt zu sterben. Zur Beerdigung reist ihm seine Familie aus Deutschland nach. Fatma Aydemirs großer Gesellschaftsroman erzählt von sechs grundverschiedenen Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind. Alle haben sie ihr eigenes Gepäck dabei: Geheimnisse, Wünsche, Wunden. Was sie jedoch vereint: das Gefühl, dass sie in Hüseyins Wohnung jemand beobachtet. Voller Wucht und Schönheit fragt „Dschinns“ nach dem Gebilde Familie, den Blick tief hineingerichtet in die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte und weit voraus. (Klappentext)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  • Herausgeber ‏ : ‎ Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; 2. Edition (14. Februar 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 368 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3446269142
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3446269149
 
 
 
 
Bei dem ganzen Hype um diesen Roman war ich ehrlich gesagt lange unschlüssig, ob ich ihn wirklich lesen wollte. Oft genug schon erging es mir mit solch gehypten Romanen nämlich nicht so gut. Doch als ich bei Lovelybooks eine Leserunde zu diesem Titel entdeckte, bewarb ich mich schließlich doch um ein Exemplar - und erhielt freundlicherweise den Zuschlag. Die Leserunde entpuppte sich als sehr lebendig und diskussionsfreudig, und einige Aspekte wurden mir erst durch die Anmerkungen anderer Teilnehmer deutlich. Aber eigentlich steht und spricht der Roman durchaus für sich selbst. Wie es mir letztlich damit erging, könnt Ihr gerne hier nachlesen: