New York in den Zwanzigerjahren. Zwei junge jüdische Männer, Jacob
Berkowitz und Sholem Lipsky, lehnen sich gegen das Schicksal ihrer
Eltern auf, die vor den Progromen aus Russland geflohen waren und nun in
Amerika als Arbeiter ausgebeutet werden. Jacob wird Gangster, der im
Sold der Arbeitgeber auf Streikende einprügelt, Sholem
Gewerkschaftsmitglied. Während eines hitzigen Gefechts hat Jacob ihm ein
Auge ausgeschlagen. Sholem weiß, dass die Arbeiter ihre Forderungen
allein mit Streiks nicht durchsetzen können. Deshalb will er die
Gangster dazu bringen, an ihrer Seite gegen die Streikbrecher
vorzugehen. Dafür bietet er genau einen Cent mehr, als die Bosse zahlen.
Doch das ist nur der erste Schritt in Sholem Lipskys Plan. Denn er
sinnt auf Rache gegen Jacob.
- Autor:
Luca Di Fulvio
-
Gesprochen von:
Philipp Schepmann
-
Spieldauer:
01 Std. 35 Min.
-
ungekürztes
Hörbuch
- veröffentlicht: 16.02.2012
- Anbieter: Lübbe Audio
(
Angaben Audible.de)
ZU KURZ, UM WIRKLICH GUT ZU SEIN...
Luca di Fulvio hat bereits mit seinem 783 Seiten starken Buch 'Der
Junge, der Träume schenkte' sein Interesse an den Gegebenheiten New
Yorks zu Beginn des 20. Jahrhunderts bewiesen: viele Zuwanderer aus
aller Herren Länder, die oftmals in Armut lebten und als Arbeiter
ausgebeutet wurden - zusammengepfercht in Vierteln, auf denen das Gesetz
der Straße herrschte.
In dieser Kurzgeschichte berichtet di Fulvio
von den Söhnen zweier jüdischer Männer, die sich mit ihren Frauen zu
Beginn des 20. Jahrhunderts der Massenauswanderung der Juden aus
Russland angeschlossen hatten, nachdem ihre Familien im Rahmen der
Progrome umgekommen waren.
Jacob Berkowitz und Sholem Lipsky
haben in den New Yorker 1920er Jahren trotz der langjährigen und
andauernden Freundschaft ihrer Eltern nichts miteinander zu tun - außer
in dem Beschluss, sich als Söhne der ausgebeuteten Arbeiter nicht dem
Schicksal ihrer Eltern unterzuordnen. Jacob erhält als Mitglied einer
Gangsterbande seinen Sold für das Verprügeln streikender Arbeiter
(gezahlt von den Arbeitgebern), Sholem dagegen schließt sich einer
Gewerkschaft an, die genau zu diesen Streiks aufruft. Nachdem Jacob
Sholem während einer dieser Unruhen ein Auge ausgeschlagen hat, sinnt
dieser auf Rache. Er bringt die Gewerkschaft dazu, die Dienste der
Gangster in Anspruch zu nehmen - für einen Cent mehr als für den Betrag
der Bosse sollen die Gangster nun nicht mehr die Streikenden verprügeln,
sondern vielmehr die Streikbrecher. Dies ist aber nur der erste Schritt
Sholems in seinem Plan auf Rache...
Hätte man hieraus mehr
machen können? Das fragte ich mich nach dem Hören des von Philipp
Schepmann angemessen vorgetragenen Hörbuchs. Luca di Fulvio hat mich mit
dem Buch 'Der Junge, der Träume schenkte' mit einem prallen Feuilleton
der New Yorker 20er Jahre überrascht und hat den Charakteren dort Leben
und Farbe eingehaucht. In dieser Kurzgeschichte derselben Epoche bleiben
die Charaktere dagegen eher farblos und oberflächlich. Gewalt und
Ohnmacht sind die beherrschenden Themen, und vielleicht bietet gerade
diese schmucklose Präsentation der Zustände ein wahres Bild dieser Zeit.
Das Ende - ohne zu viel verraten zu wollen - lässt mich noch am ehesten
mit einem Schulterzucken zurück. Ein Gefühl, mit dem ich nicht gerne
aus einer Geschichte entlassen werde.
Eher eine grobe Skizze
denn ein Portrait der 20er Jahre in New York, und insgesamt eine
Geschichte, der ich mehr Seiten und mehr Zeit gewünscht hätte, um sich
zu entfalten.
© Parden

Der
Lübbe Verlag schreibt über den Autor:
Luca Di Fulvio, geb. 1957, lebt und arbeitet als freier Schriftsteller
in Rom. Bevor er sich dem Schreiben widmete, studierte er Dramaturgie
bei Andrea Camilleri an der Accademia Nazionale d'Arte Drammatica Silvio
D'Amico. Seine Romane
Der Junge, der Träume schenkte und
Das Mädchen, das den Himmel berührte standen monatelang auf den ersten Plätzen der Spiegel-Bestsellerliste.
► übernommen vom Lübbe Verlag