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Mittwoch, 19. August 2026

Die Odyssee - Ein Film und ein "antikes" Buch


Das Buch ist nicht antik, die Geschichte schon, der Film gleich gar nicht.

  • Das hölzerne Pferd / Verlag Neues Leben / 1968, 1970
  • Die Odyssee / Inselverlag / 2025 / ISBN: 978-3-458-200574 / 127  Seiten

Freitag, 21. Juni 2024

Reimann, Brigitte: Die Geschwister

Mitte Juni 2024 stieß ich auf einen Artikel in DIE ZEIT. Überschrieben mit Die Auferstehung schrieb Adam Soboczynski zu Beginn:

„Dass die DDR noch einmal zu einem so großen Ruhm gelangt, hätte noch vor wenigen Jahren kaum jemand gedacht. Sobald ein deutsches Werk international Beachtung findet, darf man sich derzeit sicher sein: Es handelt von diesem kleinen, seit Langem zu Tode analysierten und nach dem Epochenbruch 1989 abgewickelten Land. Es sind vor allem drei Bücher über die DDR...“

Über eines, welches Kontroversen verursachte, habe ich bereits geschrieben, es geht mal wieder um Katja Hoyers Diesseits der Mauer. Hinzu kommt ein ganz neues, Jenny Erpenbeck bekam für ihren Roman Kairos einen internationalen Buchpreis. Schon der Name Erpenbeck, der mir weitestgehend unbekannt war, bietet Stoff genug über Literatur im Zusammenhang mit DDR zu schreiben, jedoch soll es mir um ein drittes Buch gehen, welches hier außerdem genannt wurde.

Brigitte Reimanns Die Geschwister ist eine Erzählung aus dem Jahre 1963, dessen Handlung aber zwei Jahre vorher angesiedelt ist. Wieso kommt plötzlich eine Erzählung, die den Kampf einer Schwester, welche ihren Bruder am Fortgehen aus der DDR hindern möchte, in den USA aktuell zu neuer Aufmerksamkeit?

Samstag, 4. Mai 2024

Vanderbeke, Birgit: Das Muschelessen

 

Angespannt wartet die Familie am gedeckten Tisch auf den Vater. Mutter, Tochter und Sohn sitzen vor einem Berg Muscheln, die allein das Oberhaupt der Familie gerne isst. Um die zähe Wartezeit zu überbrücken, beginnen sie miteinander zu reden. Je mehr sich der Vater verspätet, desto offener wird das Gespräch, desto unbarmherziger der Blick auf den autoritären Patriarchen und desto tiefer der Riss, der die scheinbare Familienidylle schließlich zu zerstören droht. (Verlagsbeschreibung)
 
DNB / Rotbuch Verlag / 2013 / ISBN 9783867891806 / 128 Seiten









Birgit Vanderbekes Debüt, die Erzählung "Das Muschelessen", trug ihr 1990 den Ingeborg-Bachmann-Preis ein, machte die Autorin mit einem Mal einem breiten literarischen Publikum bekannt und gilt bis heute als ihr bekanntestes Werk. Dies ist auch tatsächlich das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe - dabei muss es aber nicht bleiben! Dies eindringliche Erzählung in ungewöhnlichem Stil konnte mich jedenfalls beeindrucken. Weshalb? Das könnt Ihr hier gerne nachlesen:

 

Montag, 8. April 2024

McCann, Colum: Verschwunden

 

S’khol – so nennt man im Hebräischen Eltern, die ihr Kind verloren haben. Im Deutschen gibt es dafür kein Wort. Rebecca ist Übersetzerin aus dem Hebräischen. Ihr Mann hat sie verlassen, und sie lebt mit dem gemeinsam adoptierten Sohn Tomas im irischen Galway an der Atlantikküste.

Der dreizehnjährige Tomas schwimmt für sein Leben gern im offenen Meer. Rebecca erfüllt seinen großen Traum und schenkt ihm einen Neoprenanzug – am nächsten Morgen, als sie aufwacht, sind er und der Anzug verschwunden. Es beginnen Tage des Suchens, des Wartens, des Hoffens, der Schuldgefühle, der Verzweiflung… (Verlagsbeschreibung)
 
 
DNB / Edition Kattegat / 2016 / ISBN 9783038200307 / 112 Seiten
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Bei Uwe klingelt vielleicht nicht sofort etwas, aber der Name des Autors könnte ihm etwas sagen. Wir haben jedenfalls das gleiche dicke Buch von ihm im Regal stehen, ungelesen, will ich meinen. Bei mir auf jeden Fall, was v.a. am Umfang liegt. Aber es soll bald gelesen werden. Im Gegensatz dazu ist dieses Büchlein von Colum McCann sehr schmal, bietet aber einen guten Einblick in seine Schreibweise. Mir hat die Erzählung gut gefallen - mehr dazu könnt Ihr hier lesen:
 

Mittwoch, 1. November 2023

Roth, Joseph: Die Legende vom heiligen Trinker

Paris, 1934: Durch eigenes Verschulden ist Andreas Kartak auf der Straße gelandet und schläft von nun an unter den Brücken der Seine. Als ihm eines Tages ein Fremder 200 Franc leiht, verpflichtet sich Andreas – ein Mann von Ehre –, diesen Betrag wieder zurückzugeben. Doch anstatt seinem Vorsatz nachzukommen, vertrinkt er das Geld. Getrieben von schlechtem Gewissen verdient er es durch ehrliche Arbeit erneut, aber auch dieses Mal vertrinkt er das Geld erneut. Doch Andreas scheint das Glück gepachtet zu haben, denn die Wunder häufen sich – aber wie lange kann das Glück wirklich anhalten? (Verlagsbeschreibung)
 
 

DNB / Penguin Verlag/ 2023 / ISBN 978-3-328-11074-3 / 112 Seiten
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Joseph Roth war mir bislang nur theoretisch ein Begriff. Natürlich habe ich von seinen Titeln "Hiob" und "Radetzkymarsch" schon gehört - aber noch nichts davon gelesen. Um erst einmal einen Eindruck von seinem Schreibstil zu gewinnen, erschien mir diese Erzählung (Roths letztes Werk) geeignet. Und so nahm ich an einer Leserunde bei Whatchareadin teil, wo wir das Büchlein gemeinsam gelesen und ein wenig darüber diskutiert haben. Ob ich nun geneigt bin, nach den anderen bekannten Werken von Joseph Roth Ausschau zu halten? Lest selbst:

Montag, 20. März 2023

Blixen, Tania: Babettes Gastmahl

Die Französin Babette hat es ins nordnorwegische Dörfchen Berlevaag verschlagen, wo sie ihren Dienst im Haushalt der Pfarrerstöchter Philippa und Martine tut und tagsaus, tagein Brotsuppe und Stockfisch zubereitet. Denn ihre Herrinnen ahnen nicht, welches Talent in ihr schlummert: Menschen mit ihren Kochkünsten glücklich zu machen. Babette war ehemals die gefeierte Meisterköchin eines Gourmettempels, des Pariser «Café Anglais». Doch für Schwelgereien und sublime Genüsse hat im hohen pietistischen Norden niemand einen Sinn. Bis Babette eines Tages in der Lotterie gewinnt und die Gemeinde zu einem echt französischen Festmahl lädt. Endlich kann sie beweisen, dass Gaumenfreuden Wunder wirken – und das selbst bei überzeugten Asketen und Kostverächtern. Jenseits der realistischen Lesart offenbart Blixens Erzählung eine parabelhafte Botschaft: die der Erhöhung des Menschen durch die Kunst. (Klappentext)
 
DNB / Manesse  / 2022 / ISBN: 978-3717560012 / 120 Seiten
 






Kurzmeinung:

 
Eine parabelhafte Erzählung als Klassiker der Weltliteratur - atmosphärisch gelungen zwischen Strenggläubigkeit, Genuss und Kunst...

Dienstag, 24. November 2015

Di Fulvio, Luca: Ein Cent für ein Leben - Hörbuch




New York in den Zwanzigerjahren. Zwei junge jüdische Männer, Jacob Berkowitz und Sholem Lipsky, lehnen sich gegen das Schicksal ihrer Eltern auf, die vor den Progromen aus Russland geflohen waren und nun in Amerika als Arbeiter ausgebeutet werden. Jacob wird Gangster, der im Sold der Arbeitgeber auf Streikende einprügelt, Sholem Gewerkschaftsmitglied. Während eines hitzigen Gefechts hat Jacob ihm ein Auge ausgeschlagen. Sholem weiß, dass die Arbeiter ihre Forderungen allein mit Streiks nicht durchsetzen können. Deshalb will er die Gangster dazu bringen, an ihrer Seite gegen die Streikbrecher vorzugehen. Dafür bietet er genau einen Cent mehr, als die Bosse zahlen. Doch das ist nur der erste Schritt in Sholem Lipskys Plan. Denn er sinnt auf Rache gegen Jacob.

  • Autor: Luca Di Fulvio
  • Gesprochen von: Philipp Schepmann
  • Spieldauer: 01 Std. 35 Min. 
  • ungekürztes Hörbuch
  • veröffentlicht: 16.02.2012
  • Anbieter: Lübbe Audio

(Angaben Audible.de)













ZU KURZ, UM WIRKLICH GUT ZU SEIN...


Luca di Fulvio hat bereits mit seinem 783 Seiten starken Buch 'Der Junge, der Träume schenkte' sein Interesse an den Gegebenheiten New Yorks zu Beginn des 20. Jahrhunderts bewiesen: viele Zuwanderer aus aller Herren Länder, die oftmals in Armut lebten und als Arbeiter ausgebeutet wurden - zusammengepfercht in Vierteln, auf denen das Gesetz der Straße herrschte.
In dieser Kurzgeschichte berichtet di Fulvio von den Söhnen zweier jüdischer Männer, die sich mit ihren Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Massenauswanderung der Juden aus Russland angeschlossen hatten, nachdem ihre Familien im Rahmen der Progrome umgekommen waren.

Jacob Berkowitz und Sholem Lipsky haben in den New Yorker 1920er Jahren trotz der langjährigen und andauernden Freundschaft ihrer Eltern nichts miteinander zu tun - außer in dem Beschluss, sich als Söhne der ausgebeuteten Arbeiter nicht dem Schicksal ihrer Eltern unterzuordnen. Jacob erhält als Mitglied einer Gangsterbande seinen Sold für das Verprügeln streikender Arbeiter (gezahlt von den Arbeitgebern), Sholem dagegen schließt sich einer Gewerkschaft an, die genau zu diesen Streiks aufruft. Nachdem Jacob Sholem während einer dieser Unruhen ein Auge ausgeschlagen hat, sinnt dieser auf Rache. Er bringt die Gewerkschaft dazu, die Dienste der Gangster in Anspruch zu nehmen - für einen Cent mehr als für den Betrag der Bosse sollen die Gangster nun nicht mehr die Streikenden verprügeln, sondern vielmehr die Streikbrecher. Dies ist aber nur der erste Schritt Sholems in seinem Plan auf Rache...

Hätte man hieraus mehr machen können? Das fragte ich mich nach dem Hören des von Philipp Schepmann angemessen vorgetragenen Hörbuchs. Luca di Fulvio hat mich mit dem Buch 'Der Junge, der Träume schenkte' mit einem prallen Feuilleton der New Yorker 20er Jahre überrascht und hat den Charakteren dort Leben und Farbe eingehaucht. In dieser Kurzgeschichte derselben Epoche bleiben die Charaktere dagegen eher farblos und oberflächlich. Gewalt und Ohnmacht sind die beherrschenden Themen, und vielleicht bietet gerade diese schmucklose Präsentation der Zustände ein wahres Bild dieser Zeit. Das Ende - ohne zu viel verraten zu wollen - lässt mich noch am ehesten mit einem Schulterzucken zurück. Ein Gefühl, mit dem ich nicht gerne aus einer Geschichte entlassen werde.

Eher eine grobe Skizze denn ein Portrait der 20er Jahre in New York, und insgesamt eine Geschichte, der ich mehr Seiten und mehr Zeit gewünscht hätte, um sich zu entfalten.


© Parden











Luca Di Fulvio - AutorDer Lübbe Verlag schreibt über den Autor:

Luca Di Fulvio, geb. 1957, lebt und arbeitet als freier Schriftsteller in Rom. Bevor er sich dem Schreiben widmete, studierte er Dramaturgie bei Andrea Camilleri an der Accademia Nazionale d'Arte Drammatica Silvio D'Amico. Seine  Romane Der Junge, der Träume schenkte und Das Mädchen, das den Himmel berührte standen monatelang auf den ersten Plätzen der Spiegel-Bestsellerliste.

übernommen vom Lübbe Verlag