Gelegentlich fragt man sich, auf welche Art Geschichte denn vermittelt werden könnte. Über Film und Buch im Allgemeinen bracht man dabei nicht zu diskutieren, auch nicht darüber ob Dokumentation oder Spielfilm, Sachbuch oder historischer Roman. Vor Jahren begann ich mich in diesem Zusammenhang mit den Genre graphic novel zu beschäftigen und ja, es eignet sich durchaus, Geschichte zu erzählen.
Das folgende Buch wäre als graphic novel allerdings ein Produkt in schwarzen und roten Tönen und gruseligen Bildern. Doch was schreibe ich, das sehen die geneigten Leserinnen und Leser dieses Blogs selbst hier rechts. Da passt das "düstere" Bild des Autors, Utz Anhalt, ganz gut dazu.
Dieser Utz Anhalt ist Historiker und als solcher sehr umtriebig zum Beispiel auf einer bekannten Social-Media-Plattform.
Eines Nachts kommt heimlich und verstohlen ein Jahrmarkt in eine kleine
Stadt in Illinois und schlägt seine Zelte auf. William »Will« Halloway
und James »Jim« Nightshade, zwei Jungs aus der Stadt, spüren als Erste,
dass mit dem Jahrmarkt etwas nicht geheuer ist. Sie entdecken das dunkle
Geheimnis eines Karussells, das auf zerstörerische Weise in das Leben
der Fahrgäste eingreift. Ihre Entdeckung bleibt nicht unbemerkt: Auf
leisen Sohlen, aber unerbittlich werden die Jungen vom Bösen verfolgt
und in die Enge getrieben.
Verlag: Diogenes; Auflage: 11., New edition (25. September 2013)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Norbert Wölfl
ISBN-10: 3257208669
ISBN-13: 978-3257208665
Originaltitel: Something Wicked This Way Comes
VERLOCKUNGEN...
Eine Bermerkung schon einmal vorab: das Cover passt überhaupt nicht zu der Geschichte - keine Ahnung, was der Verlag sich dabei gedacht hat? Das Bild eines altertümlichen Karussells wäre hier beispielsweise deutlich angemessener gewesen...
"Eines Jahres begann Allerheiligen schon am 24. Oktober,
drei Stunden nach Mitternacht. In diesem Jahr war James Nightshade (...)
dreizehn Jahre, elf Monate und dreiundzwanzig Tage alt. William
Halloway von nebenan war dreizehn Jahre, elf Monate und vierundzwanzig
Tage alt. Beide streckten ihre Hände nach dem vierzehnten Geburtstag
aus und spürten ihn fast schon leise zitternd zwischen ihren Fingern.
Das war jene Woche im Oktober, in der sie über Nacht erwachsen wurden,
in der das Jungsein ihnen entglitt..."
Obwohl
die beiden Jungen fast auf den Tag genau gleich alt sind und beste
Freunde noch dazu, sind sie von ihrer Wesensart her komplett
verschieden. Jim ist der, der Angst hat, das Leben zu verpassen - immer
vorneweg und ohne Furcht vor irgendetwas, doch mit viel Sehnsucht nach
dem, was da noch kommen mag. Will dagegen ist der, der nachdenkt, der
träumt, der innehält - doch er läuft mit Jim, um ihn nicht zu verlieren.
Heimliche nächtliche Ausflüge sind an der Tagesordnung, der Weg durchs
Fenster statt durch die Tür ist Ehrensache. Beide Jungen treiben aufs
Erwachsenwerden zu, doch während Jim es kaum abwarten zu können scheint,
tastet sich Will eher vorsichtig heran.
Als ein
Blitzableiterverkäufer in die kleine Stadt kommt, erfasst eine erste
dunkle Ahnung die Jungen. Und der unterschiedliche Charakter der beiden
offenbart sich einmal mehr: während Will darauf besteht, den
Blitzableiter am Haus zu befestigen, wagt Jim das Spiel mit dem Feuer
und reißt ihn wieder ab. In derselben Nacht kommt unerwartet ein alter
Zirkus in die Stadt. Die Jungen wachen bei dessen Ankunft auf und
beobachten die dunklen Schatten, die den Zirkus aufzubauen scheinen.
Doch tagsüber scheint alles normal...
"Ein Jucken spür' ich, ganz verstohlen, Das Böse kommt auf leisen Sohlen." (Shakespeare)
Der
Zirkus zieht die Menschen magisch an, mit seinen Karussells, seinen
Attraktionen, seinen Monstrositäten. Doch Jim und Will spüren, dass hier
das Böse Einzug hält. Unsichtbar für jeden, nur nicht für die
empfindsamen, vibrierenden Seelen der Heranwachsenden. Aber werden sie
sich der Gefahr erwehren können? Oder auch nur wollen? Denn die
Verlockungen sind groß...
Bei Ray Bradbury kommt das Grauen nicht
zähnefletschend und bluttriefend daher. Sondern mit Zuckerwatte, Musik
und verlockenden Versprechungen. Ein subtiles Gefühl von Bedrohung, von
Düsternis, aber auch von Melancholie, erfasste mich immer wieder beim
Lesen. Vor allem zu Beginn die 'Ruhe vor dem Sturm', die 'bleierne
Stille vor dem Gewitter' - die fand ich richtig gelungen. Hier wird
allegorisch eine Geschichte erzählt über das Leben, über Trauer, über
Freundschaft, über Träume, über die Verbundenheit von Vätern und Söhnen
und natürlich über den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, der nicht
hoffnungslos sein muss.
"Der Rest des Weges ging
glatt, wunderbar, leicht, herrlich. Sie schwangen sich über das
Fensterbrett und blieben dort eine Weile sitzen, gleich groß, gleich
schwer, getönt von denselben Sternen. Sie umarmten sich mit dem Gefühl
herrlicher Erschöpfung, lachten leise miteinander preßten einander die
Hand auf den Mund, aus Angst, jemanden zu wecken – Gott, das Land, die
Frau, die Mutter, die Hölle. Sie spürten die warem Quelle der Heiterkeit
dort, blieben noch einen Augenblick so sitzen, die Augen hell und
feucht vor Liebe.“
Und doch hatte ich trotz des
überzeugenden Ansatzes einige Probleme mit der Lektüre. Zum einen fiel
es mir schwer, mich an den doch altertümlich anmutenden Schreibstil zu
gewöhnen (die Originalausgabe erschien bereits 1962 unter dem Titel
'Something Wicked This Way Comes', die deutsche Ausgabe erstmals im
Jahr1969). Zum anderen gab es hier einige Schwachpunkte, die den
Gruseleffekt für mich immer wieder verwischten oder unterbrachen:
Ein
stellenweise inflationär anmutender Gebrauch von Bildern und Metaphern
war gelegentlich anstrengend zu lesen und zwang die Gedanken beim Lesen
immer wieder auf die mögliche hintergründige Bedeutung zwischen den
Zeilen. Langatmige Passagen philosophischer Gedankengänge und Monologe
wirkten auf mich teilweise zu raumfordernd und der Spannung abträglich.
Manche Szenen wirkten (alb-)traumartig und surreal und verwirrten mich
damit mehr als dass sie den Gruseleffekt verstärkten. Und auch wenn am
Ende das Tempo noch einmal deutlich anzog, war mir die Auflösung
letztlich zu einfach, zu 'platt'.
"Nein, ganz
stimmte das auch nicht. Aus sich selbst heraus macht er ein Geräusch, er
seufzt wie der Wind, der deine Gardinen bläht weiß wie der Atem des
Schaums. Oder er macht ein Geräusch wie die Sterne, die sich in deinem
Traum drehen. Vielleicht kündigt er sich auch an wie Mondaufgang und
Monduntergang. Ja das ist am besten: Wie der Mond über die Tiefen des
Alls segelt, so treibt ein Ballon dahin.“
Dennoch
war mein erstes Buch von Ray Bradbury insgesamt eine interessante
Lektüre - sein sicherlich bekanntestes Werk 'Fahrenheit 451' möchte ich
auch unbedingt noch lesen. Als einer der bekanntesten und
schöpferischsten Schriftsteller Amerikas hat Ray Bradbury viele seiner
schreibenden Kollegen der nachfolgenden Generationen zwangsläufig
beeinflusst und inspiriert. So offensichtlich auch Stephen King:
Parallelen von 'Das Böse kommt auf leisen Sohlen' beispielsweise zu 'Es'
lassen sich einfach nicht leugnen.
Ein Buch voller Symbolik und
Allegorien, das nicht immer einfach zu lesen ist, das aber den Leser
fordert, in die Abgründe hinter den Zeilen einzutauchen.
Ray Bradbury, geboren 1920 in Waukegan (Illinois). Nach dem
Highschool-Abschluss verkaufte er an einer Straßenecke die Zeitschrift
›Futura Fantasia‹. Die Namen unter den Beiträgen täuschten: Geschrieben
hatte Bradbury fast alles selber. 1953 erschien ›Fahrenheit 451‹, sein
erster und berühmtester Roman, den François Truffaut verfilmte. Das
Spektrum des »Louis Armstrong der Science-Fiction« (Kingsley Amis)
reicht aber weiter, über Kinderbücher und Gedichte bis zu Drehbüchern,
wie jenes zu ›Moby Dick‹ von John Huston. Ray Bradbury starb 2012 in Los
Angeles.
Die Geschichten dieses Bandes streifen die Grenzbereiche des Horrors und
der Dark Fantasy. Sie reichen von brutal blutig, über skurril zynisch
bis subtil grausam. Manches, was Ihnen alltäglich erscheint, werden Sie
nach dem Lesen vermutlich mit anderen Augen sehen. Thomas Finn, Lena
Falkenhagen, Markus Heitz, Hanka Jobke, Boris Koch, Sonja Rüther und
Vincent Voss beweisen, dass der wahre Schrecken nur einen Steinwurf von
der Normalität entfernt darauf lauert, über uns alle hereinzubrechen.
Und neben der Gänsehautgarantie enthält der Band noch einen besonderen
Fan-Bonus: individuell von den Autoren gestaltete Titelblätter zu jeder
einzelnen Geschichte.
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Briefgestöber; Auflage: 1. (9. November 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3981557468
ISBN-13: 978-3981557466
DIE VIELSEITIGKEIT DES HORRORS...
Der Kleine schreckt vor nichts zurück...
Ich und Horror? Und dann noch eine Anthologie? Naja, hier ergab sich
für mich einfach die Möglichkeit, das Buch lesen zu dürfen - einige der
Autoren waren mir auch schon aus anderen Büchern bekannt, und so siegte
die Neugierde.
Mit einiger Vorsicht ging ich ans Lesen, und als
ich das Cover aus der Nähe betrachtete, gab es ein erstes Gruseln. Eine
blutbesudelte Hand hält eine große Schreibfeder bereit, von deren Spitze
ebenfalls das Blut trieft. Das Vorwort machte dann aber gleich
neugierig - von der Herausgeberin Sonja Rüther verfasst, wirkte es sehr
frisch und persönlich und damit authentisch, was mich durchaus ansprach.
"Die
Geschichten in dieser Anthologie sind so unterschiedlich wie die
Personen, die sie verfasst haben. Von ganz grauenhaft bis subtil
schrecklich und unheimlich lustig ist alles dabei." (S. 7)
Dem
Vorwort schließen sich acht Kurzgeschichten verschiedener Autoren an,
und als Bonus gibt es drei weitere Geschichten - es wäre auch zu schade
gewesen, wenn es die nicht gegeben hätte... Die Autoren haben das
Titelbild zu ihrer eigenen Geschichte jeweils selbst illustriert, was
ich als eine besonders individuelle und anschauliche Note empfand. Als
Autoren an der Anthologie haben sich beteiligt:
Hanka Jobke
Boris Koch
Sonja Rüther
Markus Heitz
Lena Falkenhagen
Thomas Finn
Vincent Voss
Eine
bunte Mischung mir bekannter und unbekannter Autoren und eine ebenso
bunte Mischung an kurzen Horrorgeschichten. Die kürzeste Geschichte
umfasst gerade einmal eine dreiviertel Seite, die längste etwa 60
Seiten. Aber auch in aller Kürze können sich einem die Nackenhaare
hochstellen, wie ich feststellen durfte. In manchen Geschichten näherte
sich die Angst ganz subtil an und umkreiste mich als Leser, bis es kaum
noch auszuhalten war. Solche Geschichten als Film sind prädestiniert
dafür, dass ich mir in der Hälfte der Szenen die Augen zuhalte - was
beim Lesen eines Buches natürlich nicht geht. Diese Art des Horrors ist
nach wie vor eher nichts für mich. Dennoch bemerkenswert, dass
Geschriebenes auch solch eine Wirkung erzielen kann.
Doch
beinhaltet die Anthologie mehr als die Angst vor der Angst: gruselig,
schwarzhumorig, skurril und grausam, alle Facetten des Genres werden
hier bedient... Thrillererfahren wie ich bin, schockten mich
splatterhafte Szenen weniger als vielleicht einige andere Leser.
Besonders gefallen aber haben mir die zynisch-schwarzhumorigen
Geschichten, denen man oft anmerken konnte, mit wieviel Vergnügen der
Autor selbst bei der Sache war.
Diese Anthologie gibt einen
guten Einblick in das Genre des Horrors und der Dark Fantasy und macht
deutlich, welche Bandbreite dieses Genre hat. Fantastisch ist hier jede
einzelne Geschichte, auch wenn mir manche besser gefielen als andere.
Aber dafür sind Anthologien m.E. eben auch da: für jeden Geschmack
findet sich da etwas.
Sehr gefreut habe ich mich, als ich
erfuhr, dass Band 2 der dunklen Feder schon in den Startlöchern steht.
Da darf man sicher wieder auf einiges gefasst sein. Hier jedenfalls habe
ich einen guten Eindruck davon bekommen, was Horror alles bieten kann.
Für Neugierige also bestens geeignet!
Sonja Rüther, geboren 1975 in Hamburg, betreibt in Buchholz/Nordheide
einen Kreativhof („Ideenreich – der Kreativhof“) und den Verlag
„Briefgestöber“.
Bei dotbooks veröffentlichte Sonja Rüther
bereits den Thriller „Blinde Sekunden“ und die von ihr herausgegebene
Anthologie „Aus dunklen Federn“, in der neben ihr auch Autoren wie
Markus Heitz und Thomas Finn ihre schwärzesten Seiten zeigen.
Die Website der Autorin und Herausgeberin...
Die Autorin und Herausgeberin auf facebook...
Wenn kein Gesetz mehr gilt, zählt nur der Kampf ums nackte Überleben...
Mit „Die Arena” legt Stephen King ein faszinierendes neues
Monumentalwerk vor – seinen umfangreichsten und fesselndsten Roman seit
„The Stand – Das letzte Gefecht”. Urplötzlich stülpt sich eines Tages
wie eine unsichtbare Kuppel ein undurchdringliches Kraftfeld über
Chester’s Mill. Die Einwohner der neuenglischen Kleinstadt sind komplett
von ihrer Umwelt abgeschnitten. Und auf einmal gilt kein herkömmliches
Gesetz mehr ...
Urplötzlich stülpt sich eines Tages wie eine unsichtbare Kuppel ein
undurchdringliches Kraftfeld über Chester’s Mill. Die Einwohner der
neuenglischen Kleinstadt sind komplett von ihrer Umwelt abgeschnitten.
Flugzeuge zerschellen an der durchsichtigen Barriere, Autos explodieren,
wenn sie dagegen fahren, Familien sind plötzlich getrennt in ein
'drinnen' und ein 'draußen'. Nach dem ersten Schock versuchen die
Einwohner zunächst alles weiterlaufen zu lassen wie gewohnt, doch als
die Gewissheit steigt, dass es gegen die Kuppel kein Mittel zu geben
scheint, ändert sich alles...
"Das da sah aus, als wäre das Fallbeil einer unsichtbaren Guillotine herabgesaust."
Homo
homini lupus - der Mensch ist des Menschen Wolf. Dies stellt Stephen
King in seinem monumentalen Werk von sage und schreibe 1281 Seiten
eindrücklich unter Beweis. Natürlich stellt sich die Frage, woher diese
Kuppel stammt, wer dahinter steckt und wie man sie schnellstmögich
wieder entfernen kann. Aber im Wesentlichen geht es hier um das, was
innerhalb der Kuppel geschieht, um die kleinen und die großen Dramen und
die Verschiebungen im Gefüge.
"Wenn ein Mann in
Uniform einem berühmten Fernsehreporter das Mikrofon zuhielt, ohne ihn
auch nur um Erlaubnis zu fragen, war gewiss das Ende aller Tage
gekommen."
Obwohl angesichts der dramatischen
Situation rasch das Militär eingeschaltet wird, zeigen sich alle auch
drastischen Bemühungen, die Kuppel zu durchdringen oder zu entfernen als
fruchtlos. So sind die verbliebenen Einwohner von Chester's Mill auf
sich alleine gestellt, und rasch zeigt sich das wahre Gesicht so manchen
Bürgers. Allen voran Jim Rennie sr. (Big Jim): eigentlich
Gebrauchtwarenhändler und gläubiger Christ, ist er auch der zweite
Stadtverordnete des Örtchens und der eigentliche Drahtzieher des
politischen Geschehens, der einiges zu verbergen hat. Immer schon
skrupellos, hat er sich bislang hinter der Fassade des angepassten und
vorbildlichen Bürgers verborgen, doch veranlasst ihn das Geschehen um
die Kuppel, seine Maske fallen zu lassen. Demagogisch geschickt
denunziert er diejenigen, die gegen ihn arbeiten, sorgt für eine
Aufstockung des Polizeiapparates mit willfährigen jungen Leuten, die
kritiklos für Handlangerdienste zu gebrauchen sind, stellt sich gegen
das vom Präsidenten der Vereinigten Staaten angeordnete Kriegsrecht,
schürt Panik und Unzufriedenheit unter der Bevölkerung und scheut auch
vor drastischeren Maßnahmen nicht zurück. Eine grässliche aber plausible
Person, die gar nicht an der Behebung der Krise interessiert ist,
sondern sie im Gegenteil noch verschärft und für seine Zwecke als Gunst
der Stunde nutzt.
Auf den ersten paar Hundert Seiten ist der
Leser etwas verzweifelt damit beschäftigt, durch die Vielzahl an
auftauchenden Personen und Örtlichkeiten durchzublicken, bis schließlich
deutlicher wird, wer hier wohl für die Handlung von Bedeutung sein wird
und wer nicht. Zu sehr an jemanden gewöhnen sollte man sich sowieso
nicht, denn Stephen King neigt dazu, spontan den einen oder anderen
Charakter sterben zu lassen und mit einem Achselzucken zum weiteren
Tagesgeschehen überzugehen. Schnell wird aber deutlich, dass sich hier
zwei Seiten herauskristallisieren: Big Jim mit seinen Anhängern und den
treuen Bürgern, die an ihn glauben - schließlich haben sie ihn ja
gewählt! Und die anderen, die kritischen, denen es wirklich um das Wohl
der Bürger geht und darum, mehr über die Kuppel herauszufinden, um nach
Möglichkeit dafür zu sorgen, dass sie wieder verschwindet. Doch gegen
Big Jim und seine Machenschaften haben sie einen schweren Stand - nicht
zuletzt ist er ein begnadeter Redner...
"Bis die Kuppel wieder weg ist (...) dürfte legal sein, was wir dazu erklären..."
Ich
war ehrlich gesagt froh, dieses Buch mit anderen im Rahmen einer
Leserunde zu lesen und zwischendurch auch abschnittsweise zu besprechen.
Dies half nicht nur beim Interpretieren der Geschehnisse sondern auch
beim Durchhalten - denn 1281 Seiten lassen sich nicht einfach mal so
runterlesen. Ausgetauscht haben wir uns auch über Besonderheiten
(unglaublich viele Rechtschreib- und Übersetzungsfehler in der
eBook-Ausgabe, z.T. auch irre Satzgebilde) und merkwürdige Kleinigkeiten
wie beispielsweise ungeahnte Metaphern à la: "...high wie ein Drache,
zufrieden wie eine Muschel, cool wie eine Gurke..." Hallo? Doch
insgesamt bin ich wirklich froh, hier durchgehalten zu haben!
Ein
spannendes Psychodrama präsentiert Stephen King hier, gespickt mit
mysteriösen und gruseligen Elementen. Einige Längen werden wettgemacht
durch die Neugierde, was sich da letztlich wohl entwickeln wird und
worauf das ganze hinausläuft. Die Lösung - nun: es ist ein Buch von
Stephen King. Überraschend fand ich, hinter dem ganzen schließlich aber
auch auf einen philosophisch-ethischen Ansatz zu stoßen, den ich so
nicht erwartet hätte, was mir aber gut gefiel.
Mit der
mehrstaffeligen TV-Serie gleichen Namens ('Under the Dome') soll das
Buch aber wenig gemein haben, habe ich mir sagen lassen. Grundidee,
Charaktere und Örtlichkeiten wurden da übernommen, die Entwicklung der
Handlung allerdings driftet im Vergleich zur Buchvorlage rasch weit
auseinander.
Insgesamt ein unglaublich dickes Buch mit einigen
Längen, aber auch mit einem interessanten Gedankenexperiment, das
spannend ist und nachdenklich stimmt...
Stephen King wurde am 21. September 1947 in Portland/Maine, USA geboren.
Er zählt zu den erfolgreichsten Autoren des späten 20. Jahrhunderts.
Insgesamt hat der vielfach ausgezeichnete Bestsellerautor über 40
Romane, über 100 Kurzgeschichten, Novellen, Drehbücher, Gedichte,
Essays, Kolumnen und Sachbücher veröffentlicht. Ende 2003 erhält Stephen
King den "National Book Award" für sein Lebenswerk. Weltweit hat er 400
Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft. Mit seiner Frau
Tabitha lebt er in Bangor, Maine. Stephen King hat eine Tochter und zwei
Söhne. ► übernommen vom Heyne Verlag - da gibt es auch noch mehr zum Autor