Posts mit dem Label Horror werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Horror werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 3. Februar 2023

Anhalt, Uz: Die Bluthochzeit

Gelegentlich fragt man sich, auf welche Art Geschichte denn vermittelt werden könnte. Über Film und Buch im Allgemeinen bracht man dabei nicht zu diskutieren, auch nicht darüber ob Dokumentation oder Spielfilm, Sachbuch oder historischer Roman. Vor Jahren begann ich mich in diesem Zusammenhang mit den Genre graphic novel zu beschäftigen und ja, es eignet sich durchaus, Geschichte zu erzählen.

Das folgende Buch wäre als graphic novel allerdings ein Produkt in schwarzen und roten Tönen und gruseligen Bildern. Doch was schreibe ich, das sehen die geneigten Leserinnen und Leser dieses Blogs selbst hier rechts. Da passt das "düstere" Bild des Autors, Utz Anhalt, ganz gut dazu.

Dieser Utz Anhalt ist Historiker und als solcher sehr umtriebig zum Beispiel auf einer bekannten Social-Media-Plattform.

Samstag, 21. Januar 2017

Bradbury, Ray: Das Böse kommt auf leisen Sohlen



Eines Nachts kommt heimlich und verstohlen ein Jahrmarkt in eine kleine Stadt in Illinois und schlägt seine Zelte auf. William »Will« Halloway und James »Jim« Nightshade, zwei Jungs aus der Stadt, spüren als Erste, dass mit dem Jahrmarkt etwas nicht geheuer ist. Sie entdecken das dunkle Geheimnis eines Karussells, das auf zerstörerische Weise in das Leben der Fahrgäste eingreift. Ihre Entdeckung bleibt nicht unbemerkt: Auf leisen Sohlen, aber unerbittlich werden die Jungen vom Bösen verfolgt und in die Enge getrieben.

(Klappentext Diogenes Verlag)

  • Taschenbuch: 272 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 11., New edition (25. September 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Norbert Wölfl
  • ISBN-10: 3257208669
  • ISBN-13: 978-3257208665
  • Originaltitel: Something Wicked This Way Comes













VERLOCKUNGEN...




Eine Bermerkung schon einmal vorab: das Cover passt überhaupt nicht zu der Geschichte - keine Ahnung, was der Verlag sich dabei gedacht hat? Das Bild eines altertümlichen Karussells wäre hier beispielsweise deutlich angemessener gewesen...


"Eines Jahres begann Allerheiligen schon am 24. Oktober, drei Stunden nach Mitternacht. In diesem Jahr war James Nightshade (...) dreizehn Jahre, elf Monate und dreiundzwanzig Tage alt. William Halloway von nebenan war dreizehn Jahre, elf Monate und vierundzwanzig Tage alt. Beide streckten ihre Hände nach dem vierzehnten Geburtstag aus und spürten ihn fast schon leise zitternd zwischen ihren Fingern. Das war jene Woche im Oktober, in der sie über Nacht erwachsen wurden, in der das Jungsein ihnen entglitt..."


Obwohl die beiden Jungen fast auf den Tag genau gleich alt sind und beste Freunde noch dazu, sind sie von ihrer Wesensart her komplett verschieden. Jim ist der, der Angst hat, das Leben zu verpassen - immer vorneweg und ohne Furcht vor irgendetwas, doch mit viel Sehnsucht nach dem, was da noch kommen mag. Will dagegen ist der, der nachdenkt, der träumt, der innehält - doch er läuft mit Jim, um ihn nicht zu verlieren. Heimliche nächtliche Ausflüge sind an der Tagesordnung, der Weg durchs Fenster statt durch die Tür ist Ehrensache. Beide Jungen treiben aufs Erwachsenwerden zu, doch während Jim es kaum abwarten zu können scheint, tastet sich Will eher vorsichtig heran.

Als ein Blitzableiterverkäufer in die kleine Stadt kommt, erfasst eine erste dunkle Ahnung die Jungen. Und der unterschiedliche Charakter der beiden offenbart sich einmal mehr: während Will darauf besteht, den Blitzableiter am Haus zu befestigen, wagt Jim das Spiel mit dem Feuer und reißt ihn wieder ab. In derselben Nacht kommt unerwartet ein alter Zirkus in die Stadt. Die Jungen wachen bei dessen Ankunft auf und beobachten die dunklen Schatten, die den Zirkus aufzubauen scheinen. Doch tagsüber scheint alles normal...


"Ein Jucken spür' ich, ganz verstohlen,
Das Böse kommt auf leisen Sohlen." (Shakespeare)



Der Zirkus zieht die Menschen magisch an, mit seinen Karussells, seinen Attraktionen, seinen Monstrositäten. Doch Jim und Will spüren, dass hier das Böse Einzug hält. Unsichtbar für jeden, nur nicht für die empfindsamen, vibrierenden Seelen der Heranwachsenden. Aber werden sie sich der Gefahr erwehren können? Oder auch nur wollen? Denn die Verlockungen sind groß...

Bei Ray Bradbury kommt das Grauen nicht zähnefletschend und bluttriefend daher. Sondern mit Zuckerwatte, Musik und verlockenden Versprechungen. Ein subtiles Gefühl von Bedrohung, von Düsternis, aber auch von Melancholie, erfasste mich immer wieder beim Lesen. Vor allem zu Beginn die 'Ruhe vor dem Sturm', die 'bleierne Stille vor dem Gewitter' - die fand ich richtig gelungen. Hier wird allegorisch eine Geschichte erzählt über das Leben, über Trauer, über Freundschaft, über Träume, über die Verbundenheit von Vätern und Söhnen und natürlich über den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, der nicht hoffnungslos sein muss.


"Der Rest des Weges ging glatt, wunderbar, leicht, herrlich. Sie schwangen sich über das Fensterbrett und blieben dort eine Weile sitzen, gleich groß, gleich schwer, getönt von denselben Sternen. Sie umarmten sich mit dem Gefühl herrlicher Erschöpfung, lachten leise miteinander preßten einander die Hand auf den Mund, aus Angst, jemanden zu wecken – Gott, das Land, die Frau, die Mutter, die Hölle. Sie spürten die warem Quelle der Heiterkeit dort, blieben noch einen Augenblick so sitzen, die Augen hell und feucht vor Liebe.“


Und doch hatte ich trotz des überzeugenden Ansatzes einige Probleme mit der Lektüre. Zum einen fiel es mir schwer, mich an den doch altertümlich anmutenden Schreibstil zu gewöhnen (die Originalausgabe erschien bereits 1962 unter dem Titel 'Something Wicked This Way Comes', die deutsche Ausgabe erstmals im Jahr1969). Zum anderen gab es hier einige Schwachpunkte, die den Gruseleffekt für mich immer wieder verwischten oder unterbrachen:

Ein stellenweise inflationär anmutender Gebrauch von Bildern und Metaphern war gelegentlich anstrengend zu lesen und zwang die Gedanken beim Lesen immer wieder auf die mögliche hintergründige Bedeutung zwischen den Zeilen. Langatmige Passagen philosophischer Gedankengänge und Monologe wirkten auf mich teilweise zu raumfordernd und der Spannung abträglich. Manche Szenen wirkten (alb-)traumartig und surreal und verwirrten mich damit mehr als dass sie den Gruseleffekt verstärkten. Und auch wenn am Ende das Tempo noch einmal deutlich anzog, war mir die Auflösung letztlich zu einfach, zu 'platt'.


"Nein, ganz stimmte das auch nicht. Aus sich selbst heraus macht er ein Geräusch, er seufzt wie der Wind, der deine Gardinen bläht weiß wie der Atem des Schaums. Oder er macht ein Geräusch wie die Sterne, die sich in deinem Traum drehen. Vielleicht kündigt er sich auch an wie Mondaufgang und Monduntergang. Ja das ist am besten: Wie der Mond über die Tiefen des Alls segelt, so treibt ein Ballon dahin.“


Dennoch war mein erstes Buch von Ray Bradbury insgesamt eine interessante Lektüre - sein sicherlich bekanntestes Werk 'Fahrenheit 451' möchte ich auch unbedingt noch lesen. Als einer der bekanntesten und schöpferischsten Schriftsteller Amerikas hat Ray Bradbury viele seiner schreibenden Kollegen der nachfolgenden Generationen zwangsläufig beeinflusst und inspiriert. So offensichtlich auch Stephen King: Parallelen von 'Das Böse kommt auf leisen Sohlen' beispielsweise zu 'Es' lassen sich einfach nicht leugnen.

Ein Buch voller Symbolik und Allegorien, das nicht immer einfach zu lesen ist, das aber den Leser fordert, in die Abgründe hinter den Zeilen einzutauchen.


© Parden

















Ray BradburyDer Diogenes Verlag schreibt über den Autor:

Ray Bradbury, geboren 1920 in Waukegan (Illinois). Nach dem Highschool-Abschluss verkaufte er an einer Straßenecke die Zeitschrift ›Futura Fantasia‹. Die Namen unter den Beiträgen täuschten: Geschrieben hatte Bradbury fast alles selber. 1953 erschien ›Fahrenheit 451‹, sein erster und berühmtester Roman, den François Truffaut verfilmte. Das Spektrum des »Louis Armstrong der Science-Fiction« (Kingsley Amis) reicht aber weiter, über Kinderbücher und Gedichte bis zu Drehbüchern, wie jenes zu ›Moby Dick‹ von John Huston. Ray Bradbury starb 2012 in Los Angeles.

übernommen vom Diogenes Verlag

Sonntag, 24. Januar 2016

Rüther, Sonja (Hrsg.): Aus dunklen Federn (1)


Die Geschichten dieses Bandes streifen die Grenzbereiche des Horrors und der Dark Fantasy. Sie reichen von brutal blutig, über skurril zynisch bis subtil grausam. Manches, was Ihnen alltäglich erscheint, werden Sie nach dem Lesen vermutlich mit anderen Augen sehen. Thomas Finn, Lena Falkenhagen, Markus Heitz, Hanka Jobke, Boris Koch, Sonja Rüther und Vincent Voss beweisen, dass der wahre Schrecken nur einen Steinwurf von der Normalität entfernt darauf lauert, über uns alle hereinzubrechen. Und neben der Gänsehautgarantie enthält der Band noch einen besonderen Fan-Bonus: individuell von den Autoren gestaltete Titelblätter zu jeder einzelnen Geschichte.


  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: Briefgestöber; Auflage: 1. (9. November 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3981557468
  • ISBN-13: 978-3981557466
















DIE VIELSEITIGKEIT DES HORRORS...

Der Kleine schreckt vor nichts zurück...

Ich und Horror? Und dann noch eine Anthologie? Naja, hier ergab sich für mich einfach die Möglichkeit, das Buch lesen zu dürfen - einige der Autoren waren mir auch schon aus anderen Büchern bekannt, und so siegte die Neugierde.

Mit einiger Vorsicht ging ich ans Lesen, und als ich das Cover aus der Nähe betrachtete, gab es ein erstes Gruseln. Eine blutbesudelte Hand hält eine große Schreibfeder bereit, von deren Spitze ebenfalls das Blut trieft. Das Vorwort machte dann aber gleich neugierig - von der Herausgeberin Sonja Rüther verfasst, wirkte es sehr frisch und persönlich und damit authentisch, was mich durchaus ansprach.


"Die Geschichten in dieser Anthologie sind so unterschiedlich wie die Personen, die sie verfasst haben. Von ganz grauenhaft bis subtil schrecklich und unheimlich lustig ist alles dabei." (S. 7)


Dem Vorwort schließen sich acht Kurzgeschichten verschiedener Autoren an, und als Bonus gibt es drei weitere Geschichten - es wäre auch zu schade gewesen, wenn es die nicht gegeben hätte... Die Autoren haben das Titelbild zu ihrer eigenen Geschichte jeweils selbst illustriert, was ich als eine besonders individuelle und anschauliche Note empfand. Als Autoren an der Anthologie haben sich beteiligt:

  • Hanka Jobke
  • Boris Koch
  • Sonja Rüther
  • Markus Heitz
  • Lena Falkenhagen
  • Thomas Finn
  • Vincent Voss

Eine bunte Mischung mir bekannter und unbekannter Autoren und eine ebenso bunte Mischung an kurzen Horrorgeschichten. Die kürzeste Geschichte umfasst gerade einmal eine dreiviertel Seite, die längste etwa 60 Seiten. Aber auch in aller Kürze können sich einem die Nackenhaare hochstellen, wie ich feststellen durfte. In manchen Geschichten näherte sich die Angst ganz subtil an und umkreiste mich als Leser, bis es kaum noch auszuhalten war. Solche Geschichten als Film sind prädestiniert dafür, dass ich mir in der Hälfte der Szenen die Augen zuhalte - was beim Lesen eines Buches natürlich nicht geht. Diese Art des Horrors ist nach wie vor eher nichts für mich. Dennoch bemerkenswert, dass Geschriebenes auch solch eine Wirkung erzielen kann.

Doch beinhaltet die Anthologie mehr als die Angst vor der Angst:  gruselig, schwarzhumorig, skurril und grausam, alle Facetten des Genres werden hier bedient... Thrillererfahren wie ich bin, schockten mich splatterhafte Szenen weniger als vielleicht einige andere Leser. Besonders gefallen aber haben mir die zynisch-schwarzhumorigen Geschichten, denen man oft anmerken konnte, mit wieviel Vergnügen der Autor selbst bei der Sache war.

Diese Anthologie gibt einen guten Einblick in das Genre des Horrors und der Dark Fantasy und macht deutlich, welche Bandbreite dieses Genre hat. Fantastisch ist hier jede einzelne Geschichte, auch wenn mir manche besser gefielen als andere. Aber dafür sind Anthologien m.E. eben auch da: für jeden Geschmack findet sich da etwas.

Sehr gefreut habe ich mich, als ich erfuhr, dass Band 2 der dunklen Feder schon in den Startlöchern steht. Da darf man sicher wieder auf einiges gefasst sein. Hier jedenfalls habe ich einen guten Eindruck davon bekommen, was Horror alles bieten kann. Für Neugierige also bestens geeignet!


© Parden
















Sonja Rüther, geboren 1975 in Hamburg, betreibt in Buchholz/Nordheide einen Kreativhof („Ideenreich – der Kreativhof“) und den Verlag „Briefgestöber“.

Bei dotbooks veröffentlichte Sonja Rüther bereits den Thriller „Blinde Sekunden“ und die von ihr herausgegebene Anthologie „Aus dunklen Federn“, in der neben ihr auch Autoren wie Markus Heitz und Thomas Finn ihre schwärzesten Seiten zeigen.

Die Website der Autorin und Herausgeberin...
Die Autorin und Herausgeberin auf facebook...

Quelle Text und Bild

Sonntag, 17. Januar 2016

King, Stephen: Die Arena



Wenn kein Gesetz mehr gilt, zählt nur der Kampf ums nackte Überleben...


Mit „Die Arena” legt Stephen King ein faszinierendes neues Monumentalwerk vor – seinen umfangreichsten und fesselndsten Roman seit „The Stand – Das letzte Gefecht”. Urplötzlich stülpt sich eines Tages wie eine unsichtbare Kuppel ein undurchdringliches Kraftfeld über Chester’s Mill. Die Einwohner der neuenglischen Kleinstadt sind komplett von ihrer Umwelt abgeschnitten. Und auf einmal gilt kein herkömmliches Gesetz mehr ...

 (Klappentext Heyne Verlag)


  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 2350 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 1281 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (20. November 2009)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Wulf Bergner
  • ASIN: B004OVF0EM













 EXPERIMENTE...




Urplötzlich stülpt sich eines Tages wie eine unsichtbare Kuppel ein undurchdringliches Kraftfeld über Chester’s Mill. Die Einwohner der neuenglischen Kleinstadt sind komplett von ihrer Umwelt abgeschnitten. Flugzeuge zerschellen an der durchsichtigen Barriere, Autos explodieren, wenn sie dagegen fahren, Familien sind plötzlich getrennt in ein 'drinnen' und ein 'draußen'. Nach dem ersten Schock versuchen die Einwohner zunächst alles weiterlaufen zu lassen wie gewohnt, doch als die Gewissheit steigt, dass es gegen die Kuppel kein Mittel zu geben scheint, ändert sich alles...


"Das da sah aus, als wäre das Fallbeil einer unsichtbaren Guillotine herabgesaust."



Homo homini lupus - der Mensch ist des Menschen Wolf. Dies stellt Stephen King in seinem monumentalen Werk von sage und schreibe 1281 Seiten eindrücklich unter Beweis. Natürlich stellt sich die Frage, woher diese Kuppel stammt, wer dahinter steckt und wie man sie schnellstmögich wieder entfernen kann. Aber im Wesentlichen geht es hier um das, was innerhalb der Kuppel geschieht, um die kleinen und die großen Dramen und die Verschiebungen im Gefüge.


"Wenn ein Mann in Uniform einem berühmten Fernsehreporter das Mikrofon zuhielt, ohne ihn auch nur um Erlaubnis zu fragen, war gewiss das Ende aller Tage gekommen."


Obwohl angesichts der dramatischen Situation rasch das Militär eingeschaltet wird, zeigen sich alle auch drastischen Bemühungen, die Kuppel zu durchdringen oder zu entfernen als fruchtlos. So sind die verbliebenen Einwohner von Chester's Mill auf sich alleine gestellt, und rasch zeigt sich das wahre Gesicht so manchen Bürgers. Allen voran Jim Rennie sr. (Big Jim): eigentlich Gebrauchtwarenhändler und gläubiger Christ, ist er auch der zweite Stadtverordnete des Örtchens und der eigentliche Drahtzieher des politischen Geschehens, der einiges zu verbergen hat. Immer schon skrupellos, hat er sich bislang hinter der Fassade des angepassten und vorbildlichen Bürgers verborgen, doch veranlasst ihn das Geschehen um die Kuppel, seine Maske fallen zu lassen. Demagogisch geschickt denunziert er diejenigen, die gegen ihn arbeiten, sorgt für eine Aufstockung des Polizeiapparates mit willfährigen jungen Leuten, die kritiklos für Handlangerdienste zu gebrauchen sind, stellt sich gegen das vom Präsidenten der Vereinigten Staaten angeordnete Kriegsrecht, schürt Panik und Unzufriedenheit unter der Bevölkerung und scheut auch vor drastischeren Maßnahmen nicht zurück. Eine grässliche aber plausible Person, die gar nicht an der Behebung der Krise interessiert ist, sondern sie im Gegenteil noch verschärft und für seine Zwecke als Gunst der Stunde nutzt.

Auf den ersten paar Hundert Seiten ist der Leser etwas verzweifelt damit beschäftigt, durch die Vielzahl an auftauchenden Personen und Örtlichkeiten durchzublicken, bis schließlich deutlicher wird, wer hier wohl für die Handlung von Bedeutung sein wird und wer nicht. Zu sehr an jemanden gewöhnen sollte man sich sowieso nicht, denn Stephen King neigt dazu, spontan den einen oder anderen Charakter sterben zu lassen und mit einem Achselzucken zum weiteren Tagesgeschehen überzugehen. Schnell wird aber deutlich, dass sich hier zwei Seiten herauskristallisieren: Big Jim mit seinen Anhängern und den treuen Bürgern, die an ihn glauben - schließlich haben sie ihn ja gewählt! Und die anderen, die kritischen, denen es wirklich um das Wohl der Bürger geht und darum, mehr über die Kuppel herauszufinden, um nach Möglichkeit dafür zu sorgen, dass sie wieder verschwindet. Doch gegen Big Jim und seine Machenschaften haben sie einen schweren Stand - nicht zuletzt ist er ein begnadeter Redner...


"Bis die Kuppel wieder weg ist (...) dürfte legal sein, was wir dazu erklären..."


Ich war ehrlich gesagt froh, dieses Buch mit anderen im Rahmen einer Leserunde zu lesen und zwischendurch auch abschnittsweise zu besprechen. Dies half nicht nur beim Interpretieren der Geschehnisse sondern auch beim Durchhalten - denn 1281 Seiten lassen sich nicht einfach mal so runterlesen. Ausgetauscht haben wir uns auch über Besonderheiten (unglaublich viele Rechtschreib- und Übersetzungsfehler in der eBook-Ausgabe, z.T. auch irre Satzgebilde) und merkwürdige Kleinigkeiten wie beispielsweise ungeahnte Metaphern à la: "...high wie ein Drache, zufrieden wie eine Muschel, cool wie eine Gurke..." Hallo? Doch insgesamt bin ich wirklich froh, hier durchgehalten zu haben!

Ein spannendes Psychodrama präsentiert Stephen King hier, gespickt mit mysteriösen und gruseligen Elementen. Einige Längen werden wettgemacht durch die Neugierde, was sich da letztlich wohl entwickeln wird und worauf das ganze hinausläuft. Die Lösung - nun: es ist ein Buch von Stephen King. Überraschend fand ich, hinter dem ganzen schließlich aber auch auf einen philosophisch-ethischen Ansatz zu stoßen, den ich so nicht erwartet hätte, was mir aber gut gefiel.

Mit der mehrstaffeligen TV-Serie gleichen Namens ('Under the Dome') soll das Buch aber wenig gemein haben, habe ich mir sagen lassen. Grundidee, Charaktere und Örtlichkeiten wurden da übernommen, die Entwicklung der Handlung allerdings driftet im Vergleich zur Buchvorlage rasch weit auseinander.

Insgesamt ein unglaublich dickes Buch mit einigen Längen, aber auch mit einem interessanten Gedankenexperiment, das spannend ist und nachdenklich stimmt...


© Parden







 Trotz der benannten Unterschiede möchte ich jetzt doch mal in die TV-Staffel reinschauen...











Stephen King Der Heyne Verlag schreibt über den Autor:

Stephen King wurde am 21. September 1947 in Portland/Maine, USA geboren. Er zählt zu den erfolgreichsten Autoren des späten 20. Jahrhunderts. Insgesamt hat der vielfach ausgezeichnete Bestsellerautor über 40 Romane, über 100 Kurzgeschichten, Novellen, Drehbücher, Gedichte, Essays, Kolumnen und Sachbücher veröffentlicht. Ende 2003 erhält Stephen King den "National Book Award" für sein Lebenswerk. Weltweit hat er 400 Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft. Mit seiner Frau Tabitha lebt er in Bangor, Maine. Stephen King hat eine Tochter und zwei Söhne.
  übernommen vom Heyne Verlag - da gibt es auch noch mehr zum Autor