Mittwoch, 7. Oktober 2026

Wolffsohn, Michael: Israel - Palästina...

 ... Geschichte, keine Geschichten.

„Wem gehört das heilige Land?“ fragte Michael Wolffsohn zuletzt 22. Juni auf diesem Blog. Bereits in diesem Buch erwähnte er die Schaffung eines Bundesstaates in der Region. Nachdem ich den „100jährigen Krieg um Palästina“ von Khaled Rashidi kritisch betrachtete und dem Streitgespräch von Hamed Abdel-Samad und Philipp Peymann Engel unter dem Titel „Was darf Israel?“ folgte, anschließend Meron Mendels deutscher Debattendiskussion „Über Israel reden“ lauschte, komme ich heute am 07. Oktober erneut auf das Thema zurück.

Es ist ein bezeichnendes Datum: Heute vor drei Jahren überfielen Hamas-Terroristen ein Musikkonzert, Kibbuze und Ortschaften in der Nähe des Gaza-Streifens, töteten mehr als 1200 Israelis und verschleppten mehr als 200 Geiseln. Unter den Mordopfern auch die deutsche Staatsbürgerin Carolin Bohl; an die Sarah Maria Sander hier erinnert.

So viele Bücher, so viele Seiten und doch „schon wieder“ ein Buchvorschlag? Noch einmal der Historiker Wolffsohn, welcher hier mit einem anderen Format auftritt.

DNB / Klampen Verlag / 18.09.26 / ISBN: 978-3-98737-070-0 / 80 S. / 14,00 €
- Was darf Israel? - Ein Streitgespräch zwischen Hamed-Abdel Samad und Philipp Payman Engel
- Wem gehört das Heilige Land? (Michael Wolffsohn)
- Über Israel reden (Meron Mendel)
- Die kürzeste Geschichte von Israel und Palästina (Michael Scott-Baumann)

Kurzmeinung: Ein besonders kurzes und schmales Buch, mit oft nicht erwähnten Palästina-Aspekten und einer sachlich dargestellten, nicht einfach vorstellbaren Zukunft.

Ein Historiker (H), das könnte auch für Hochschullehrer stehn, eine Studentin (S1) und ein Student (S2) diskutieren die Lage in Israel und dem Nahen Osten nach dem 7. Oktober 2023 und die kollektiven Erinnerungen der Juden.

Die ganze Geschichte seit Theodor Herzl wird in Kürze aufgeblättert: „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen.“ Damit beendete der Begründer des Zionismus seinen Roman „Neuland“ – Gemeint ist das „Und nächstes Jahr in Jerusalem“

„Nicht nur einmal, sondern in jeder Generation versucht man, uns auszurotten.“ – Juden glauben, dass JHVE sie erretten wird.

Im Jahre 1948 war es geschafft. David Ben Gurion proklamierte den Staat Israel.

Was aber zeichnet dieses Buch vor allen anderen aus? Wenn Rashid Khalidi 100 Jahre Palästina in sechs Kriegserklärungen erzählt, verkürzt der palästinensische Historiker, die Rolle der Palästinenser. Der deutsch-jüdische Historiker zeigt unter Mithilfe der beiden „Studenten“ diese Rolle auf, die oft im Ausschlagen gereichter Hände bestand. Keine Idee, einen Staat zu gründen in den 18 Jahren zwischen der Besetzung des Westjordanlandes durch Transjordanien (das Haschemitische Königreich Jordanien) und statt Gaza nach 2005 zu einem anerkennenswerten Staat zu machen, besiegt die terroristische Hamas die korrupte Fatah. Im Westjordanland lebten 4000 jüdische Siedler nach 1967; heute sind 250.000.

Ein weiterer, meist nicht beachteter Umstand ist, dass 80 Prozent der Jordanier Palästinenser sind, die von einer anderen arabischen Familie, den Haschemiten, beherrscht wird. Bevor sie zu diesem Thema kommen, beleuchten die drei „Gesprächspartner“ die Rolle Großbritanniens (heuchlerische Treuhänder) und die Aufteilung Palästinas (Großsyrien) in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg.

Dies möge alles nicht neu sein, selten scheint mir aber die Betonung. 

Wie kommt man raus aus der Misere? Bereits im Jahr 2025, in der Neuauflage vom „heiligen Land“ formuliert der ehemalige Professor der Bundeswehr-Universität die Idee eines Bundesstaats. Angesichts der Zerrissenheit des Westjordanlandes, der ungleichen Verteilung der Bewohner Palästinas (Israel + Gaza + Westjordanland + Golan), erscheint dies in einer langen Zukunft eine Möglichkeit zur Konfliktlösung zu sein.



Dazu entwickeln die „drei“ die Idee von mehreren Kantonen in mehreren Landesteilen, in einer Konföderation Israel – Palästina – Jordanien werden gebildet:

- Ein palästinensischer Kanton Palästinenser in Gaza
- Ein jüdischer und ein palästinensischer Kanton in Israel als Bundesrepublik
- Ein palästinensischer und ein jüdischer Kanton im Westjordanland
- Ein palästinensischer und an weiterer arabischer Kanton in Jordanien

Die Kantone bilden paritätisch sinngemäß die Wahlbezirke für ein großes Parlament.

Das klingt spannend und in Bezug auf das Königreich Jordanien fast utopisch. Eine pratikable Aufteilung Palästinas in zwei Staaten wäre schon wegen der Umsiedlungsfrage problematisch und wegen des zerpflückten Westjordanlandes mit der Triple Zone.

„Wer bereit ist, sich zu verändern…, wer den Mut hat, sich zu verändern wird immer wieder von jenen als Verräter bezeichnet werden, die zu keiner Veränderung fähig sind und eine Heidenangst vor Veränderung haben, die Veränderung nicht verstehen und sie ablehnen.“
– Das lässt Amos Oz einen Protagonisten in seinem Roman „Judas“ sagen.

 Die Polarisierung, diese doppelt vorhandenen Lager, Israelis und Palästinenser und die Lager innerhalb Israels, stempeln viele zum Verräter. Wie oft müssen die Extremen überwunden werden. Die HAMAS und die Ultrarechten in Israel, dann ergibt sich vielleicht wieder eine Chance.


Knapp 80 Seiten, klare Fragen, klare Antworten. Vollständig? Nein. Verständlich? Aber ja. Und ein paar neue Seiten einer alten Geschichte. Entschieden kürzer als das oben verlinkte Buch zur "kürzesten Geschichte..." 

©️ Bücherjunge


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