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Samstag, 24. September 2022

Pfützner, Uta: Die Hölle misst 1000 Kilometer

Manchmal sind es die Geschichten hinter den Büchern, die einen aufhorchen lassen, so dass man unbedingt wissen will, wie die Geschichte ausgeht. Die Geschichte in diesem Fall hier ist eine Novelle und die hat einen realen Hintergrund. Doch war es zunächst das Cover, welches mich an einem Stand mit Fantasyliteratur der Dresden (er)erlesen am 11. September 2022, stutzen und halten ließ. Zwei gekreuzte Infanterie-Karabiner und ein Stahlhelm der Deutschen Wehrmacht.

Hinter dem Stand saß die Autorin, Uta Pfützner und erzählte vom Entstehen dieses schmalen Heftchens.

Ihr Großvater berichtete nie viel vom Krieg und viele Jahre hatte dies auch Gründe. Als er viel zu zeitig starb, fand sich im Haus unter den Dielen sein Kriegstagebuch. Der Vater der Autorin las ihr aus dem Tagebuch vor, denn wie so oft fällt es unserer Generation schwer, die Handschriften unserer Groß- und Urgroßeltern zu entziffern.

Uta Pfützner entschloss sich, die Erlebnisse ihres Großvaters in Form einer Novelle zu veröffentlichen. Der Titel ist bezeichnend und man ahnt, um was es geht. 


Die eintausend Kilometer lange Hölle des Majors Heinz Spoeck führt von Ostpreußen zurück in die Heimat. Jedoch ist es kein militärisch mehr oder weniger organisierter Rückzug im Bestand der deutschen Wehrmacht oder des Infanteriebataillons, in dem der Major diente.

Dienstag, 2. August 2022

Groen, Hendrik: Eierlikörtage (Hörbuch)

Hendrik Groen mag alt sein (83 ¼, um genau zu sein), aber er ist noch lange nicht tot. Zugegeben, seine täglichen Spaziergänge werden kürzer, weil die Beine nicht mehr recht wollen, und er muss regelmäßig zum Arzt. Aber deshalb nur noch Kaffee trinken, die Geranien anstarren und auf das Ende warten? Kommt nicht in Frage! Ganz im Gegenteil. 83 Jahre lang hat Hendrik immer nur Ja und Amen gesagt. Doch in diesem Jahr wird er ein Tagebuch führen und darin endlich alles rauslassen – ein unzensierter Blick auf das Leben in einem Altenheim in Amsterdam-Nord. Das ist richtig lustig und zugleich so herzzerreißend, dass wir Hendrik am Ende dieses Jahres nicht mehr aus unserem Leben lassen wollen. (Klappentext)







Dieses Buch lachte mich schon lange an - nun habe ich zur Hörbuchversion gegriffen, und es war eine gute Wahl. Was ich vorher nicht wusste: dies ist der erste Band einer Trilogie. Womit auch dem/der unbedarften Hörer:in klar sein dürfte, dass der knapp 84jährige Hendrik Groen die Ereignisse in dieser Folge wohl überleben wird. Trotzdem gibt es in diesem einen Jahr der Tagebucheinträge viele Veränderungen. Was ich sonst noch zu dem Roman zu sagen habe, könnt Ihr hier nachlesen:

Mittwoch, 10. Februar 2021

Bergel, Hans: Von Palmen, Wüsten und Basaren

Reisenotizen aus Israel und diese beinhalten natürlich noch viel mehr, als nur Palmwedel, Sand und Felsen, Ramsch und Menschengedränge.

Hans Bergels (*1925 in Rosenau - Siebenbürgen / Burzenland / Rumänien) Roman Wenn die Adler kommen fiel mir auf einer der wenigen Buchmessen des Jahres 2021 in die Hände, am Stand der Edition Noack & Block. Auf der Suche nach weiteren Büchern dies fünfundneunzigjährigen Autoren stieß ich im selben Verlag auf seine Reisenotizen aus Israel. Ein Thema, was mich seit einigen Jahren immer wieder interessiert.

Die Liste der Veröffentlichungen des Autors ist lang wie sein Leben, reich an Begegnungen und an nicht nur literarischen Themen, dies zeigt auch der schmale Band einer Reise im Jahr 2006. Nach wenigen Seiten ahnt der (noch) unkundige Leser, dass er es hier mit einer Breitseite von Informationen zu tun bekommt, die nachzuvollziehen breite „Recherche“ erfordert.

Und doch, da ist Bekanntes, wenn Bergel gleich einen Abstecher ins Jerusalemer Museum wünscht, um einen Blick auf die Schriftrollen aus Qumran zu werfen, er ist beeindruckt von der „Präzision der Kalligraphie“ der Essener. Deren Zusammenleben bezeichnet Bergel als eine Art „vorkommunistisches Gemeinschaftsmodell“, welches allerdings nicht „auf die Massenerweiterung ihrer Lebensformel“ drängte, welche vor der Geschichte immer zum Scheitern verurteilt wäre. So wird man gleich zu Beginn verblüfft, Essener und Kommunismus, Gedanken eines Autors, der im rumänischen Siebenbürgen in der Nachkriegszeit vermehrt verhaftet, verhört und eingekerkert wurde.