Donnerstag, 2. Juli 2026

Die Chárdásfürstin im Schlossgarten Neustrelitz


Operetten-Festspiele in Neustrelitz – erneut erklingt der Chárdás im Schlossgarten

Mit der Premiere zur Neuaufführung der Operette Die Chárdásfürstin von Emmerich Kálmán startet am 03. Juli 26 die Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg / Neustrelitz die Festspiele im Schlossgarten Neustrelitz. Elf Aufführungen sind bis zum 26. Juli geplant.

Mittwoch Abend, zwei Tage zuvor im Schlosspark. Generalprobe. Die Sonne scheint vom Zierker See über die Baumwipfel, sie strahlt die Schlosskirche an, deren Backsteintürme hinter der Bühne in den Himmel ragen. Vor der hohen Zuschauertribüne eine Bühne, die aus einem einzigen roten, faltenwerfenden Vorgang zu bestehen scheint. Auf dem Boden liegt allerlei Krims-Krams. Ein Theater im Aufbruch oder im Abriss? Der Bühnenrand sieht aus wie eine Pier oder Mole mit Pollern, sollen da Schiffe anlegen können? Oder ist das der Donaustrand?

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Das Publikum begibt sich mit dem Ensemble nach Budapest, ungefähr in das Jahr 1910. Ein Fürstensohn ist mit einer Chansonsängerin liiert. Das passt dessen Eltern nicht, aber auf der geplanten und standesgemäßen Verlobung von Edwin mit Comtesse Anastasia erscheint jene Sylva Varescu und das Publikum wird sehen und hören, ob die Liebe über Standesfragen siegt.

Seit fünfundzwanzig Jahren gibt es diese Schlossgartenfestspiele, sie begannen 2001. Kálmáns Chárdásfürstin wurde bereits 2003 aufgeführt, auch seine Gräfin Mariza war 2013 im Programm, Die Zirkusprinzessin im Jahr 2025.

Diese Operettenfestspiele „sind die größten ihrer Art in Deutschland und das Sommer-Highlight in der mecklenburgischen Seenplatte.“ Die Theater- und Orchester GmbH (TOG) betont den „malerischen Spielort, die barocke Gartenanlage und die Kulisse vor der Schlosskirche“. Zwölf- bis sechzehntausend Zuschauer dürften auch in diesem Jahr die Festspiele besuchen.


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Berühmte Melodien mit vielseitigem Ensemble.

Mit den Solisten des Musiktheaters, dem Opern- und Extrachor der TOG, der deutschen Tanzkompanie und der Neubrandenburger Philharmonie unter der Leitung von Kenichiro Kojima tritt ein großes Ensemble auf die Bühne.

Der Dirigent meint, dass die immer wiederkehrenden Melodien enorme Wirkung entfalten. Charme, Humor und musikalische Tiefe hat der Schatz aus der Feder Kálmáns. Wenn die Mädis die Liebe nicht so tragisch nehmen, ohne die Weiber die Chose nicht geht und Anastasia und Edwin überlegen: machen wirs den Schwalben nach baun wir uns ein Nest, dann bleiben sie im Ohr.

Wer war dieser Emmerich Kálmán (1882)?

Aufnahme von
Wilhelm Willinger (1934)
Wikipedia
Seine erste Operette Tatárjárás wurde 1908 in Budapest aufgeführt, danach übersiedelte er nach Wien. Die Chárdásfürstin, uraufgeführt 1915 in Wien, zählt zu den berühmtesten Operetten. Als gebürtigem Ungar waren ihm die Musik der Sinti und Roma, Zigeuner spiel die Geige, heißt eines der Stücke der Chárdásfürstin und der Chárdás, ungarischer Nationaltanz, der langsam beginnt und rassant endet, vertraut.

Nach dem Anschluss Österreichs 1938 emigrierte Kálmán als Jude in die USA, kehrte nach dem Krieg nach Europa zurück. Bestattet wurde er in einem Ehrengrab in Wien 1953.

Die TOG ist überzeugt, dass die Melodien in der Inszenierung von Sven Müller, der Choreografie von Amy Share-Kissiov und dem Chor unter der Leitung von Josepf Feigl begeistern werden, nicht nur, weil das Werk zu den „Sternstunden der Operettenliteratur“ gehört.


Müller kündigt opulente Ausstattung, große Tanzszenen und einige Überraschungen an, das alles unter „einem farbenreichen, metaphorischem Bühnenbild“, entwickelt von Lena Brexendorff. Mit drehbaren Elementen „schaltet“ die Regie zwischen den Szenen hin und her. Ein solches Bühnenbild hat im Schlossgarten Tradition. Überraschungen sind in Operetten üblich, Zwischentexte zeigen oft Anspielungen der Gegenwart.


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Was gibt es auf der Bühne im Schlossgarten außerdem zu sehen?

Die Festspiele ergänzt ein Open-Air-Konzert von The Genesis & Phil Collins Tribute Show mit den größten Hits der Band und des Musikers am Donnerstag den 16.07.26 statt.

Am 08. Juli zeigt das Atze Musiktheater ein „mutmachendes Singspiel um Rebellen und Gerechtigkeit“: Robin Hood für Kinder ab sieben Jahre.

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Die Tickets für die Operette kosten je nach Platzgruppe zwischen 23 und 75 Euro. Karten und Informationen gibt es unter www.tog.de und telefonisch unter 03981 20 64 00 oder 0395 569 98 32.

©️ Bücherjunge


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