Donnerstag, 13. August 2026

Weigele, Erika: Die Töchter von Zürich



Das 12. und das 13. Jahrhundert scheinen die beiden beliebtesten Jahrhunderte für Mittelalterromane zu sein. Es ist egal, in welcher Gegend sie handeln. Die Autorinnen und Autoren haben so ihre Lieblingsorte. Einer hat es mit Robin Hood, mag England und Aquitanien, eine andere findet Freiberg und Meißen toll, diese Autorin hier schickt die Leserinnen und Leser zum zweiten mal nach Zürich in die Jahre zwischen 1290 und 1293. Mit dem ersten Band war Erika Weigele schon für den Goldenen Homer für historische Romane 2024 nominiert.

Erika Weigele hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert, da kommt man um mittelalterliche Kunst nicht drumrum. Wer hat schon mal etwas von der Manessischen Liederhandschrift gehört? Wer nicht,  der schaue mal schnell in die Buchbesprechung zu Der Buchmaler von Zürich.
Rüdiger Manesse war ein wichtiger Ratsherr von Zürich Ende des 13. Jahrhunderts. Und ein Kunstmäzen. Ohne ihn hätte Bernhard von Kiburg schlechte Karten, denn er wird erpresst mit einem Erlebnis im fernen Lyon vor vielen Jahren. Der Arme traut sich nicht, seiner Frau Fides zu erzählen, dass es da gewisse Häuser gibt...

Aber er hat ja Töchter. Hedwig die Ältere, macht ihm einerseits das Leben schwer, denn sie findet es inzwischen sehr angenehm wenn die Männer ihr nachschauen. Agnes ist noch ein Backfisch. Aber Hedwig ist auch sehr geschickt bei seiner Zunft, den Bernhard macht Bücher. Er malt sie, denn bis zum Druck von Büchern dauert es noch 150 Jahre. Seit er Stadtschreiber ist und damit ein festes Einkommen erhält, braucht er sie noch mehr. Doch da ist dieser Jean de Lyon, obwohl doch Jakob viel besser zu ihr passt.

Es ist die Zeit, in der Adolf von Nassau nach dem Tod von Rudolf von Habsburg deutscher König wird. Albrecht, Rudolfs Sohn sucht seine Pfründe zu retten. Und Zürich meint, man könnte doch Winterthur mal angreifen und unter die eigene Herrschaft bringen. Als Albrecht von Habsburg vor Zürich steht, sind es die Töchter der Stadt, die den ganz großen Schaden abwenden können.

Leider kommt die "Buchkunst" (wieder) etwas zu kurz. Dafür lesen wir viel von den Regierungsgeschäften einer Reichsstadt. Während Bernhard von Kiburg und seine Familie der fiktive Kit für die Geschichte ist, finden sich viele historische Personen im Buch. Erika Weigele hat umfangreich recherchiert und sie lässt ihre Leserinnen und Leser mit den vielen Namen und Ereignissen nicht allein: Nachwort, Glossar und Personenbeschreibungen runden den spannenden Roman ab.

Große Helden kommen nicht vor. Es sind die kleinen, aber nicht unbedeutenden Leute, die uns sicher sympathisch werden. Die große Geschichte wird wie nebenher erzählt. Ein schöner Roman, der die Kenntnis seines Vorgängers nicht zwingend erfordert, doch besser ist es schon, wenn man ihn kennt, denn wie kommt ein Bernhard zu so mächtigen Freunden wie den Ratsherrn und den Protonotar des verstorben Königs? 

Ein Buch für einen Rutsch, naja, nicht ganz. Spannung, etwas Humor, Geschichte von , flüssiger Stil. Das Vorwort hatte ich allerdings bald vergessen. Jetzt, mit einem zweiten Blick, findet sich doch noch eine Erkenntnis. Damit empfehle ich den Roman aus dem Gmeiner-Verlag und bedanke mich bei Erika für das Rezensionsexemplar.


© Bücherjunge
   

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