Kurzmeinung: Für Fünfjährige doch sehr anspruchsvoll, für ältere Kinder als Bilderbuch vielleicht nicht mehr so ansprechend - interessant ist es allemal...
GROSSE THEMENVIELFALT NETT VERPACKT...
Die Grundidee von "Nase & Weis" ist wirklich nett: Die kleine Maus Nase fragt sich, warum sie immer nach unten fällt und nicht beispielsweise nach oben, und gemeinsam mit dem Eisbären Weis geht sie dieser Frage auf den Grund. Die beiden experimentieren, stellen Vermutungen an und lernen dabei, dass auch ein misslungenes Experiment eine Erkenntnis bringen kann. Wissenschaft wird als Abenteuer vermittelt, das mit Neugier und eigenen Fragen beginnt – eine schöne Botschaft.
Inhaltlich packt Michael Engler allerdings sehr viel in diese Geschichte. Erdanziehungskraft, Gravitation, Isaac Newton, Fliehkräfte und der Mond sind nur einige der Themen, die angesprochen werden. Dazu finden sich neben der eigentlichen Geschichte noch zahlreiche Kästchen am Rand mit zusätzlichen Informationen. Für die angegebene Zielgruppe ab fünf Jahren ist das stellenweise schlicht zu anspruchsvoll. Selbst beim Vorlesen muss man vieles erklären oder vereinfachen, sodass fraglich ist, wie viel vom eigentlichen Fachwissen bei den jüngsten Zuhörern wirklich ankommt.
Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass sich das Buch mit seiner Informationsfülle eher an ältere Kinder richtet – die wiederum möglicherweise nicht mehr so viel mit der klassischen Bilderbuchgestaltung anfangen können. Die vielen Infokästen verstärken diesen Zwiespalt: Sie machen das Buch zwar wissensreich, bremsen aber auch die Geschichte und lassen es stellenweise eher wie einen kleinen Physik-Kurs wirken. Zudem ist die Seitengestaltung dadurch recht unruhig.
Schade, denn gerade die Ausgangsfrage hätte m.E. genug Potenzial für ein anschauliches Sachbilderbuch geboten. Eine Reduktion der Themenvielfalt und dafür mehr Konzentration auf die ursprüngliche Frage hätten dem Buch vermutlich gutgetan. So werden zwar viele interessante Fakten präsentiert, die natürlich auch miteinander zusammenhängen, aber nicht unbedingt so kindgerecht vermittelt, dass sie von kleinen Lesern tatsächlich verstanden und behalten werden.
Nase und Weis selbst sind ein sympathisches Duo, und die Botschaft, dass Neugier, Ausprobieren und auch Scheitern zum Forschen dazugehören, gefällt mir sehr. Auch die Illustrationen von Martina Matos geben der Geschichte Charme. Mein größter Kritikpunkt bleibt jedoch die Zielgruppenfrage: Das Buch möchte gleichzeitig Bilderbuch für die Kleinen und Sachbuch für die Größeren sein – und landet dadurch ein wenig zwischen den Stühlen.
Von mir gibt es hier gute 3,5 Sterne.
© Parden



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Durch das Kommentieren eines Beitrags auf dieser Seite, werden automatisch über Blogger (Google) personenbezogene Daten, wie E-Mail und IP-Adresse, erhoben. Weitere Informationen findest Du in unserer Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google. Mit dem Abschicken eines Kommentars stimmst Du der Datenschutzerklärung zu.
Um die Übertragung der Daten so gering wie möglich zu halten, ist es möglich, auch anonym zu kommentieren.