Montag, 28. September 2026

Engler, Michael: Nase & Weis - Wieso falle ich eigentlich immer nach unten?

 

»Wieso falle ich immer nach unten?«, wundert sich Nase, die Maus. Zum Glück landet sie in der wunderbar weichen Tatze von Weis, einem Eisbären, der ihr verspricht, der Sache auf den Grund zu gehen. Und so werden die beiden zu Forschenden. Sie experimentieren, stellen Fragen und finden heraus, wie Erdanziehungskraft funktioniert, wer eigentlich dieser Isaac Newton war, was Fliehkräfte sind und welche Rolle der Mond bei all dem spielt. Selbst als Nase in hohem Bogen im Papierkorb landet, begreifen sie kichernd, dass auch misslungene Experimente Erkenntnisse bringen. Kindlich und anschaulich wird Wissenschaft so zum Abenteuer - und am Ende sind Nase und Weis nicht nur schlau, sondern auch beste Freunde. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Baumhaus / 2026 / ISBN 978-3-8339-1149-1 / 32 Seiten


Kurzmeinung: Für Fünfjährige doch sehr anspruchsvoll, für ältere Kinder als Bilderbuch vielleicht nicht mehr so ansprechend - interessant ist es allemal...








GROSSE THEMENVIELFALT NETT VERPACKT...


Die Grundidee von "Nase & Weis" ist wirklich nett: Die kleine Maus Nase fragt sich, warum sie immer nach unten fällt und nicht beispielsweise nach oben, und gemeinsam mit dem Eisbären Weis geht sie dieser Frage auf den Grund. Die beiden experimentieren, stellen Vermutungen an und lernen dabei, dass auch ein misslungenes Experiment eine Erkenntnis bringen kann. Wissenschaft wird als Abenteuer vermittelt, das mit Neugier und eigenen Fragen beginnt – eine schöne Botschaft.

Inhaltlich packt Michael Engler allerdings sehr viel in diese Geschichte. Erdanziehungskraft, Gravitation, Isaac Newton, Fliehkräfte und der Mond sind nur einige der Themen, die angesprochen werden. Dazu finden sich neben der eigentlichen Geschichte noch zahlreiche Kästchen am Rand mit zusätzlichen Informationen. Für die angegebene Zielgruppe ab fünf Jahren ist das stellenweise schlicht zu anspruchsvoll. Selbst beim Vorlesen muss man vieles erklären oder vereinfachen, sodass fraglich ist, wie viel vom eigentlichen Fachwissen bei den jüngsten Zuhörern wirklich ankommt.

Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass sich das Buch mit seiner Informationsfülle eher an ältere Kinder richtet – die wiederum möglicherweise nicht mehr so viel mit der klassischen Bilderbuchgestaltung anfangen können. Die vielen Infokästen verstärken diesen Zwiespalt: Sie machen das Buch zwar wissensreich, bremsen aber auch die Geschichte und lassen es stellenweise eher wie einen kleinen Physik-Kurs wirken. Zudem ist die Seitengestaltung dadurch recht unruhig.

Schade, denn gerade die Ausgangsfrage hätte m.E. genug Potenzial für ein anschauliches Sachbilderbuch geboten. Eine Reduktion der Themenvielfalt und dafür mehr Konzentration auf die ursprüngliche Frage hätten dem Buch vermutlich gutgetan. So werden zwar viele interessante Fakten präsentiert, die natürlich auch miteinander zusammenhängen, aber nicht unbedingt so kindgerecht vermittelt, dass sie von kleinen Lesern tatsächlich verstanden und behalten werden.

Nase und Weis selbst sind ein sympathisches Duo, und die Botschaft, dass Neugier, Ausprobieren und auch Scheitern zum Forschen dazugehören, gefällt mir sehr. Auch die Illustrationen von Martina Matos geben der Geschichte Charme. Mein größter Kritikpunkt bleibt jedoch die Zielgruppenfrage: Das Buch möchte gleichzeitig Bilderbuch für die Kleinen und Sachbuch für die Größeren sein – und landet dadurch ein wenig zwischen den Stühlen.

Von mir gibt es hier gute 3,5 Sterne.


© Parden  




Michael Engler studierte in Düsseldorf Visuelle Kommunikation und arbeitete zunächst als Szenarist und Illustrator. Anschließend war er mehrere Jahre lang als Artdirector in Werbeagenturen tätig. Heute lebt er als freier Autor mit seiner Familie in Düsseldorf und schreibt Bilder-, Kinder- und Jugendbücher, Theaterstücke und Hörspiele. (Quelle: Bastei Lübbe)


Martina Matos, geb. 1978 in Kiel, zog mit fünf Jahren nach Portugal und studierte Kunstmalerei an der FBAUL - Faculdade de Belas Artes in Lissabon. Seit 2004 lebt sie wieder in Deutschland als freie Illustratorin und Künstlerin. (Quelle: Bastei Lübbe)



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