Kurzmeinung: Warmherzige Fortsetzung der Kinderbuchreihe - und an Spannung mangelt es auch diesmal nicht...
HERBSTFERIEN IN SOMMERBY...
Martha, Mikkel und Mats verbringen ihre Herbstferien wieder bei Oma Inge – zwischen Marmeladenbrötchen, Hühnereiern, Angeln, Milchtankstelle und jeder Menge norddeutscher Herbstidylle. Dazu treffen sie alte Bekannte wieder und lernen neue Freunde kennen. Vor allem aber hat sich bei Oma Inge einiges getan: Sie ist deutlich aufgetaut und schafft inzwischen die eigenwillige Gratwanderung zwischen schroffer Eigenbrötlerin und liebenswerter Oma.
Auch bei Martha und Mikkel zeigt sich eine Entwicklung - Martha muss sich mit ihrem ersten Verliebtsein und der damit verbundenen Eifersucht auseinandersetzen, während Mikkel lernen muss, moralisch schwierige Entscheidungen zu treffen und sich unangenehmen Wahrheiten zu stellen. Mats dagegen ist weiterhin ein verwöhnter Vierjähriger, der es nicht gewohnt ist, selbst nach Lösungen zu suchen und der schnell in Wut gerät und erwartet, dass alle auf seine Launen Rücksicht nehmen. Das empfand ich wie schon im ersten Band als reichlich anstrengend.
Besonders schön fand ich, dass alle drei Kinder inzwischen freiwillig zu Oma Inge wollen – obwohl es dort weder WLAN noch den gewohnten Komfort gibt und stattdessen Haus- und Hofarbeit wartet. Dass ein Urlaub bei der Oma auf dem Land für sie inzwischen attraktiver ist als sonnige Ferien im Süden, erzählt ganz nebenbei einiges über ihre Entwicklung und die Bedeutung, die Sommerby für sie bekommen hat.
Etwas weniger überzeugt hat mich allerdings der Handlungsstrang um den Immobilienmakler. Sein Versuch, Oma Inge mit gefälschten Urkunden aus ihrem Zuhause zu vertreiben, sorgt zwar für Spannung und gibt der Geschichte einen klaren roten Faden, wirkt auf mich aber stellenweise ziemlich konstruiert. Gerade die vielen kleinen Sommerby-Abenteuer – der ausgesetzte Hund, Mikkels Gewissenskonflikt, Mats' eigene Sorgen, Marthas Gefühle für Enes oder die Vorbereitungen auf Oma Inges 70. Geburtstag – hätten eigentlich schon genug Stoff für eine spannende Geschichte geliefert.
Trotzdem funktioniert die Mischung insgesamt: Kirsten Boie erzählt warmherzig, humorvoll und mit einem schönen Gespür für die Lebenswelt ihrer jungen Figuren. Die (leider) gekürzte Hörbuchausgabe (5 Stunden und 33 Minuten) wird auch diesmal wieder lebendig und unterhaltsam gelesen von Julia Nachtmann.
Ein nettes Hörvergnügen - und Fortsetzung folgt!
© Parden



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