Sonntag, 20. September 2026

Ravey, Yves: Nichts als heiße Luft

 

Barnett Trapp hat schon bessere Tage gesehen. Seine Firma für Krankentransporte befindet sich in Liquidation, und seine neue Geschäftsidee mit importierten Reinigungsmitteln läuft nicht richtig an. Zudem hat ihn seine Frau für einen penetranten Geschichtsprofessor verlassen, der schon mal prüft, wie man den gemeinsamen Hausstand der Trapps zu Geld machen kann. Da lernt Barnett seine neuen Nachbarn kennen, Miko und Sally. Miko gehört eine Wäscherei, in der augenscheinlich nicht nur schmutzige Wäsche gewaschen wird. Sally verbringt ihre Tage tendenziell am Pool, leicht bekleidet und schwer gelangweilt. Barnett zu verführen ist natürlich kein Problem. Doch dann schlägt sie vor, Mikos Safe auszurauben und gemeinsam nach Mexiko durchzubrennen. Was keine gute Idee ist. Denn Miko ist alles andere als ein sanfter Mensch… (Verlagsbeschreibung)

DNB / liebeskind / 2026 / ISBN 978-3-95438-184-5 / 112 Seiten

Kurzmeinung: Ein von schwarzem Humor durchzogener kurzer Noir-Roman über Selbstüberschätzung, Manipulation und den Versuch sich alles schönzureden...







AUS DEM LEBEN EINES LOSERS...


Barnett Trapp steckt ziemlich tief in der Krise: Seine Firma ist pleite, seine Ehe gescheitert und die Aussicht auf einen Neuanfang eher überschaubar. Dann taucht Sally auf und unterbreitet ihm einen Plan, der ebenso verlockend wie absurd ist: den Safe ihres Mannes Miko ausräumen und anschließend nach Mexiko verschwinden. Aus diesem Vorhaben entwickelt Yves Ravey kein klassisches Gangsterstück, sondern eine lakonische Geschichte über einen Mann, der sich in einem Netz aus Interessen, Lügen und Abhängigkeiten verfängt.

Besonders schräg ist Barnetts Selbstbild. Er hält sich für gerissen, glaubt, die anderen längst durchschaut zu haben, und ist überzeugt, die Kontrolle über die Situation zu besitzen. Tatsächlich aber wird er von allen Seiten manipuliert und lässt erstaunlich viel mit sich machen. Das Komische daran: Er bemerkt seine eigene Rolle nicht einmal. Während die anderen ihre Ziele verfolgen, bleibt Barnett am Ende als Einziger mit den Konsequenzen zurück. Ravey macht daraus keine große Tragödie, sondern beobachtet seinen Protagonisten mit einer fast schon gemeinen Nüchternheit.

Überhaupt lebt der Roman weniger von Spannung als von seinem Ton. Die Sprache ist knapp, trocken und immer wieder von schwarzem Humor durchzogen. Vieles wird nur angedeutet, manches bleibt bewusst unterkühlt – das muss man mögen. Mir hat diese Reduktion meistens gefallen, auch wenn ich mir an einigen Stellen etwas mehr Tiefe bei den Figuren gewünscht hätte. Gerade weil Ravey auf große Effekte verzichtet, bekommt die Geschichte etwas angenehm Boshaftes: Ein kleiner Noir-Roman über Selbstüberschätzung, Manipulation und den vergeblichen Versuch sich alles schönzureden...


© Parden 




Yves Ravey, 1953 in Besançon geboren, arbeitete lange Jahre als Lehrer an einer Mittelschule. Er ist Autor zahlreicher Romane, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Seine Theaterstücke kamen in Frankreich an vielen renommierten Bühnen zur Aufführung, u.a. an der Pariser Comédie-Française und am Théâtre national de Marseille. Auf Deutsch erschienen bislang die Romane »Bruderliebe« (2012) und »Ein Freund des Hauses« (2014). (Quelle: liebeskind)


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