Kurzmeinung: Ein von schwarzem Humor durchzogener kurzer Noir-Roman über Selbstüberschätzung, Manipulation und den Versuch sich alles schönzureden...
AUS DEM LEBEN EINES LOSERS...
Barnett Trapp steckt ziemlich tief in der Krise: Seine Firma ist pleite, seine Ehe gescheitert und die Aussicht auf einen Neuanfang eher überschaubar. Dann taucht Sally auf und unterbreitet ihm einen Plan, der ebenso verlockend wie absurd ist: den Safe ihres Mannes Miko ausräumen und anschließend nach Mexiko verschwinden. Aus diesem Vorhaben entwickelt Yves Ravey kein klassisches Gangsterstück, sondern eine lakonische Geschichte über einen Mann, der sich in einem Netz aus Interessen, Lügen und Abhängigkeiten verfängt.
Besonders schräg ist Barnetts Selbstbild. Er hält sich für gerissen, glaubt, die anderen längst durchschaut zu haben, und ist überzeugt, die Kontrolle über die Situation zu besitzen. Tatsächlich aber wird er von allen Seiten manipuliert und lässt erstaunlich viel mit sich machen. Das Komische daran: Er bemerkt seine eigene Rolle nicht einmal. Während die anderen ihre Ziele verfolgen, bleibt Barnett am Ende als Einziger mit den Konsequenzen zurück. Ravey macht daraus keine große Tragödie, sondern beobachtet seinen Protagonisten mit einer fast schon gemeinen Nüchternheit.
Überhaupt lebt der Roman weniger von Spannung als von seinem Ton. Die Sprache ist knapp, trocken und immer wieder von schwarzem Humor durchzogen. Vieles wird nur angedeutet, manches bleibt bewusst unterkühlt – das muss man mögen. Mir hat diese Reduktion meistens gefallen, auch wenn ich mir an einigen Stellen etwas mehr Tiefe bei den Figuren gewünscht hätte. Gerade weil Ravey auf große Effekte verzichtet, bekommt die Geschichte etwas angenehm Boshaftes: Ein kleiner Noir-Roman über Selbstüberschätzung, Manipulation und den vergeblichen Versuch sich alles schönzureden...
© Parden


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