Montag, 14. September 2026

Pásztor, Susann: Von hier aus weiter

 

Nach dreißig Jahren Ehe ist Marlene plötzlich Witwe. Statt zu trauern, ist sie vor allem wütend. Die Mitglieder ihrer angeheirateten Großfamilie wundern sich über ihr Verhalten, aber Marlene lässt niemanden an sich heran. Bis sie eines Tages einen unerwarteten Mitbewohner bekommt. Nach Rolfs Tod schleppt sich Marlene mehr schlecht als recht durch ihren Alltag als Hinterbliebene. Erst als Klempner Jack, ihr ehemaliger Schüler, auftaucht und kurzerhand bei ihr einzieht, kommt Bewegung in ihr Leben: Jack entpuppt sich nicht nur als fantastischer Koch, sondern auch als einfühlsamer und aufmerksamer Mitbewohner. Aber warum Marlene nicht trauert, sondern vor allem wütend ist, kann auch er nicht so ganz begreifen. Während sich zwischen Jack und Marlenes Hausärztin Ida eine zarte Liebe anbahnt, taucht bei Marlenes Freundin Wally in Wien ein Brief von Rolf auf, der möglicherweise die Antwort auf alle offenen Fragen enthält. Gemeinsam mit Jack und Ida macht Marlene sich auf eine Reise, die völlig anders verläuft als erwartet. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Kiepenheuer & Witsch / 2025 / ISBN 978-3-462-00568-4 / 256 Seiten

Susann Pásztor bei Litterae Artesque: Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts I Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster I Die Geschichte von Kat und Easy


Kurzmeinung: Selbst ein Roman über Trauer kann unerwartet hoffnungsvoll sein und durch humorvolle Szenen eine schöne Leichtigkeit erhalten...






EIN ROADTRIP ZURÜCK INS LEBEN...


Was macht man, wenn der Mensch, mit dem man dreißig Jahre lang gelebt hat, plötzlich nicht mehr da ist – und man selbst eigentlich auch nicht mehr so recht weiterleben möchte? Marlene steht nach dem Tod ihres Mannes vor genau dieser Frage. Sie zieht sich zurück, ist wütend, traurig und entschlossen, möglichst wenig mit anderen Menschen zu tun zu haben. Dann taucht Jack auf, ein ehemaliger Schüler, der selbst gerade nicht weiß, wohin mit seinem Leben. Ausgerechnet diese ungewöhnliche Begegnung bringt Bewegung in Marlenes Stillstand.

Besonders mochte ich, wie unaufgeregt und gleichzeitig tiefgehend die Geschichte mit Trauer umgeht. Marlene wird nicht als sympathische Trauernde dargestellt, sondern darf sperrig, zynisch, wütend und manchmal auch ziemlich schwierig sein. Dazu kommen Jack und die Ärztin Ida, die auf ihre eigene Art versuchen, Marlene wieder ins Leben zurückzuholen. Als eine Nachricht aus Wien sie schließlich auf eine gemeinsame Reise schickt, entwickelt sich daraus eine leise, manchmal skurrile Geschichte über Verlust, Schuld, Freundschaft und zweite Chancen. Gerade die Mischung aus Schwermut und trockenem Humor hat für mich sehr gut funktioniert.

Was mir besonders gefallen hat: Hier wird nicht behauptet, dass Trauer irgendwann einfach verschwindet. Es geht vielmehr darum, mit ihr weiterzuleben und irgendwann wieder einen Platz für all das zu finden, was nach einem Verlust noch möglich ist. Pásztor erzählt das mit viel Menschenkenntnis, klugen Dialogen und einem Humor, der nie auf Kosten der Figuren geht. Selbst ein Roman über Trauer kann unerwartet hoffnungsvoll sein und durch humorvolle Szenen eine schöne Leichtigkeit erhalten... 

Lesenswert!


© Parden




Susann Pásztor, 1957 in Soltau geboren, lebt in Berlin und hat bereits zahlreiche Romane veröffentlicht. Ihr Bestseller »Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster« wurde 2018 mit dem Evangelischen Buchpreis ausgezeichnet und für die ARD verfilmt. (Quelle: Kiepenheuer & Witsch)


1 Kommentar:

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