Freitag, 6. November 2026

Vom Atlantik zum Rauchenden Berg und donnerndem Eis (Fotoreportage)

Wohin in Argentinien? Diese Frage stellt sich vor allem, wenn die Urlaubszeit begrenzt ist. Wie wäre es nun mit Patagonien?

Neben „Pampa“ ist „Patagonien“ sicher der zweite Begriff, den nicht nur Südamerikafans kennen. Patagonien ist ein riesiges Gebiet von 1.304.000 km2 , dessen größter Teil in Argentinien liegt, begrenzt vom Rio Colorado im Norden und der Magellan-Straße im Süden Das darunter liegende Tierra de Fuego, Feuerland, wird nicht mehr dazugezählt.  

Es ist Frühling. Im November 2025. Von Buenos Aires bringt uns Aerolinas Argentina nach Commodore Rivadavia an der Atlantikküste. Schon im Anflug und auf dem Flughafen bekommt man eine erste Ahnung von diesem weiten Land.


Patagonischer Flughafen – Die unendliche Weite ist gleich nach der Landung spürbar

Die Unterböden der Mietautos werden eine strapaziöse Fahrt aushalten müssen. Schotterpisten und Schlaglöcher. Bei Bahia Bustamente, etwas nördlich finden wir Überreste versteinerter Wälder inmitten zwar von Zäunen durchschnittener, aber fast menschen- und tierloser Gegend. Ein erster Eindruck eines Landes, welches von Horizont zum Horizont unveränderlich scheint.

 

Aus steinernem Holz wächst neuer Wald – „Versteinerte Wälder“ finden sich mehrfach bei Commodore Rivadavia
Vor 150 Millionen Jahren ernährten sich von 100 Meter hohen Bäumen die Dinosaurier


Es geht weiter immer Richtung Westen. Wir fahren durch ein großes Ölfördergebiet namens  „Vaca Muerte = Tote Kuh“. Öl wir hier seit 1901 gefördert. Durch Fracking werden bis zu 16,2 Milliarden Barrel Öl und 8,7 Billionen Kubikmeter Erdgas ausgebeutet. Erstmalig stupse ich einen Finger in Erdöl an einer knallgrün lackierten Förderpumpe.


„Grüne“ Ölpumpe mit „Probiermöglichkeit“  - Umweltschutz? - 
in einem der größten Öl- und Gasfelder Südamerikas


Die nächste Unterkunft findet sich nahe der Grenze zu Chile in Los Antiguos, am Lago Buenos Aires. Der ständige Wind und die Wellen verhindern den Ausflug zu dem Marmorhöhlen in Chico Chile (Klein Chile), die man nur per Boot erreichen kann. Zu gefährlich. Wenn man denkt, jetzt ist es ein ruhiger Bergsee, wähnt man sich zehn  Minuten später am Meeresstrand mit Wellengischt im Gesicht. Überhaupt bekommt eine  Windjacke  hier eine neue Bedeutung.

Nächste Station: Die Cuevas de las Manos. An den Felswänden am Rande eines malerischen weiten und grünen Canyons, durch den der Rio Pinturas mäandert, finden sich prähistorische Handabdrücke – mitten in der Pampa ein UNESCO Weltkulturerbe.


Cuevas do las Manos - Höhlen der Hände – Prähistorische Wandmalereien in einer beeindruckenden Landschaft 
Die Unesco beschreibt die Stätte als ein "außergewöhnliches Ensemble prähistorischer Felskunst",
das zwischen 13000 und 9500 Jahre alt ist.



Rio Pinturas: In der braun-grauen patagonischen Landschaft bot der Fluss prähistorischen Siedlern Wasser und Nahrung


Wäre die berühmte Ruta 40 voll asphaltiert, könnte man schläfrig werden beim Durchfahren dieser immer gleichen Landschaft. Und doch: ein kleiner Hügel, eine Kurve und wo eben noch alles flach war, bringt die Sonne Farben in eine Hügellandschaft. Zaunsetzer sind sicher eine besondere Spezies, die ob der kilometerlangen Zäune nicht aussterben werden. Ab und zu hängt ein totes Guanaco im Zaun. Abends erreichen wir in der beginnenden Dämmerung  El Chalten, eine kleine Bergsteigerstadt.


Vor El Chalten. Hinter den Wolken El Chalten – Der Rauchende Berg – Wie hier meist hinter Wolken verborgen


Der Name des Ortes weist auf IHN hin, den Rauchenden Berg, der sich in den Anden erhebt: Der Fitz Roy, das 3406 Meter hohe Wahrzeichen im Nationalpark Los Claciares, flankiert vom Aguja Poincenot und Aguja Saint-Exupéry. Die herrliche Aussicht am Mirador, dem Aussichtspunkt, erwandert über dem ebenso malerischen Rio de las Vueltas, der aus einer besonderen Gletscherwelt kommend den angrenzenden Lago Viedma speist.


Rio de las Vueltas – Fluss der Windungen, 
gespeist von drei Gletschern im Gebirge. Weithin sichtbar kein gerader Flussverlauf.


Der äußerst schwierig zu erkletternde Koloss hat seinen Namen von den indigenen Tehuelche, denn er ist eigentlich immer umwölkt. Ihn unter blauem Himmel und einem Wölkchen wie aus einem Räuchermännchen zu erblicken, ist selten. Der Geograph, Anthropologe und Entdecker Perito Moreno beschrieb ihn zuerst und benannte ihn nach dem Kapitän der Beagle, mit der einst Charles Darwin die Welt bereiste.


Fitz Roy - "Räucherberg" in den Anden / Foto Thomas Uhlig


Nach dem bekannten Forscher ist auch der letzte Höhepunkt benannt, denn von Calafate aus erreichen wir den berühmten Gletscher Perito Moreno, die abgebrochenen Eisblöcke schwimmen als kleine bläulich schimmernde Eisberge durch den riesigen Lago Argentino. Es gibt sie also noch, die Gletscher, die sich dynamisch bewegen und die nicht merklich kleiner werden trotz der großen Brocken, die mit lautem Donnern in den Lago Argentino "kalben". So nennt man das. Einer der größten Süßwasserspeicher nicht nur Südamerikas, wobei man sich nicht täuschen sollte: der Klimawandel schlägt trotz solch gewaltiger Massen wie den Moreno-Gletscher auch in Südamerika zu mit Gigatonnen von geschmolzenem Eis.


Gletscher Perito Moreno - Eines der Wahrzeichen Patagoniens -
immer wieder brechen "Eisberge" hinunter in den See


Vom Atlantik bis zu den Anden, von Berg zu Berg oder von See zu See: etwas mehr als 1350 Kilometer durch Patagonien, bevor der Flieger uns nach Buenos Aires, der Stadt der „Guten Winde“ bringt. Beeindruckend. „Sonne, Wind und Sterne“ nannte Antoine de Saint-Exupéry einst einen Erlebnisbericht aus dem Jahre 1939. Hinzukommen Weite, Staub, Farben, große Seen, Gletscher und die Kette der Anden. Unvergesslich.


© UR

(Diese Arbeit entstand zum Thema Fotojournalismus für den Journalistikkurs, den ich gerade absolviere. Eine ausführlichere Beschreibung der Reise befindet sich hier.)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Durch das Kommentieren eines Beitrags auf dieser Seite, werden automatisch über Blogger (Google) personenbezogene Daten, wie E-Mail und IP-Adresse, erhoben. Weitere Informationen findest Du in unserer Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google. Mit dem Abschicken eines Kommentars stimmst Du der Datenschutzerklärung zu.

Um die Übertragung der Daten so gering wie möglich zu halten, ist es möglich, auch anonym zu kommentieren.