Sonntag, 1. Dezember 2019

Paulsen, Gary: Allein in der Wildnis / Der Fluss

Für bestimmte Abenteuer ist Zentraleuropa vermutlich nicht groß genug. Der dreizehnjährige Brian Robeson, dessen Eltern in Scheidung leben, soll seinen Vater weit im Norden Kanadas besuchen. Seine Mutter setzt ihn in eine kleine Cessna und los geht´s. 

Der Pilot, ein Mann um die fünfzig, ist ziemlich schweigsam, dann aber zeigt er dem Jungen, wie das mit dem Steuer und den Pedalen funktioniert. Linksrum, rechtsrum, runter, hoch, geradeaus: Fliegen ist nicht weiter schwer. So scheint es. Doch mit diesen „Lehr-Minuten“ muss Brian plötzlich auskommen, der Pilot erleidet einen Herzinfarkt und stirbt. Die Steuerkünste des Jungen reichen für eine Notlandung an einem See in den kanadischen Wäldern aus...

Brian heißt nicht umsonst Robeson. (In Anlehnung an Robinson?)  Er kann sich aus der Kabine befreien und, nur mit einem kleinen Campingbeil ausgerüstet muss er ums Überleben kämpfen. Zuerst helfen ihm ein paar Beeren und das Wasser des klaren Sees, das wird nicht reichen, denn er ist weit von der geplanten Flugroute abgekommen, ob er je einen Retter zu Gesicht bekommen wird?




Wenn man als Erwachsener ein Jugendbuch liest und es kaum aus der Hand legen kann, dann hat es mehr als nur Spannung. Die Geschichte führte dazu, dass in meiner engeren Familie plötzlich abwechselnd vorgelesen wurde. Das will etwas heißen.

Die Art mit dieser dreizehnjährige Junge sich mit den widrigen Gegebenheiten auseinandersetzt, ist keineswegs überzogen. Er vergleicht die Umstände mit denen seiner Abenteuerbücher, die durchaus etwas Hilfe bieten. Wie er sich um Nahrung und einen Unterschlupf bemüht, jagen lernt und sich im Laufe vieler Tage verändert, was er reflektiert, stellt eine Art Abenteuer dar, welches sich auf angenehme Art und Weise abhebt von anderen „Helden-Geschichten“. Ebenso bemerkt er mit der Zeit die Schönheit der Landschaft, natürlich erst, nachdem die vordringlichen Probleme, Hunger und Feuer dauerhaft geklärt sind.


pixabay

Das Buch wurde im Jahr 1987 veröffentlicht,
die erste deutsche Ausgabe stammt aus dem Jahr 1995. Das erklärt, dass im Buch weder von Computern noch von Handys die Rede ist, die Brian sicher keine Hilfe gewesen wären. Vielleicht ist dies eine Empfehlung?




Der Nachfolger, DER FLUSS, ebenfalls bei Carlsen erschienen, konnte mich nicht sonderlich begeistern. Brian reist mit dem Psychologen Derek erneut in die Wildnis, der Erwachsen will für künftige Überlebenstrainings lernen, wie man in scheinbar ausweglosen Situationen denkt. Damit das Ganze Unternehmen realistisch wirkt, lassen sie alle Ausrüstung außer zwei Taschenmesser im Flugzeug und schicken es zurück.  Nach einem Gewitter fällt Derek wegen eines Blitzes ins koma und Brian muss nun zusehn, wie sie beide da rauskommen.

Schon die Idee für das Unternehmen, sich also erneut in Lebensgefahr bringen, erscheint wenig glaubwürdig, und auch die Leistung von Brain, die er für die Rettung aufbringen muss ist hinsichtlich Zeitmaß und Kraft und Material etwas abenteuerlich. Spannend blieb es allemal.


* * *


Der Autor Gary Paulsen, wurde bereits 1939 geboren, nach einer Militärkarriere begann er Bücher zu schreiben. Den Durchbruch erreichte er mit DOGSONG, womit er den renommierten Newberry-Preis für US-Kinderliteratur gewann. Ebenso wurde ALLEIN IN DER WILDNIS ausgezeichnet. 

Das Buch wurde verfilmt unter A CRY IN THE WILD. In Englisch.

Der Carlsenverlag bietet zu diesem Buch ein Unterrichtsmodell an, auch an anderer Stelle findet man Hausarbeiten zu diesem Buch, welches für die 6. Klasse empfohlen wird. Es eignet sich aus meiner Sicht unbedingt für die Behandlung in der Schule.


DNB / Carlsen / Hamburg 2003 / ISBN: 978-3-351-35224-8 / 183 Seiten
Paulsen, Gary: Der Fluss / Carlsen
► zuerst veröffentlicht am 24.09.2019

© Bücherjunge


Kommentare:

  1. Das klingt nach einem durchaus lesenswerten Jugendbuch... Abwechselnd vorgelesen? Sehr schön!

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  2. Ergänzt mit ein paar Bemerkungen zur fortsetzung.

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