Es gibt Orte in der Welt, die jeder kennt. Man muss nicht mal dort vor Ort gewesen sein. Manchmal nennt man diese Orte, die Bauten dort, Weltwunder. Jetzt würde jeder an die Pyramiden von Giseh denken, aber im Titel dieser Rezension steht Stonhenge.
"Der Name Stonehenge stammt aus dem Altenglischen stān hencg, wobei stān „Stein“ bedeutet und hencg entweder „Angel“ oder „Scharnier“ meint – eine Anspielung auf die zapfenartigen Verbindungen der Decksteine. „Henge“ bezeichnet heute einen ringförmigen Erdwall mit Graben, doch Stonehenge ist ein atypisches Beispiel, da der Graben innen liegt."
Aha, jetzt wissen wir (dank KI Comet) Bescheid. Aber wir wissen ja nichts. Während weiter im Osten, in Kleinasien - Mesopotamien, die ersten Stadtstaaten entstehen, große Bauten, Städte, Tempelanlagen und die Keilschrift, findet sich im Westen Europas nichts davon. Die jungsteinzeitlichen Menschen schrieben nichts auf...
Wie schreibt man dann ein Buch über die Errichtung des megalithischen Steinkreises in der Nähe von Salisbury? Ken Follett hat es getan...
- DNB / Bastei Lübbe / 23.09.25 / ISBN: 978-3-7577-0123-9 / 672 S.
Die Geschichte:
Auf der großen Ebene leben verschiedene Menschengruppen. Es gibt da die Hirten und die Waldmenschen, die Feuersteinsucher und die Bauern. Die Familie von Neen und Joia leben in der Nähe des Monuments, welches Priesterinnen nutzen um das Jahr zu bestimmen. Zur Sonnenwende gibt es Feste und die Menschen kommen zum Handeln, Essen, Feiern und Lieben zusammen. Sonst bleiben die Gruppen eher unter sich. Die Bauern haben Getreide, die Waldmenschen Nüsse, Früchte und wild, die Hirten Schafe und Kühe und die Feuersteinsucher die Steine für alle Arten von Werkzeugen.
Seft ist so ein Feuersteinsucher, ein Bergmann. Der trifft eines Tages Neen und sie verlieben sich ineinander. Joia wird zu den Priesterinnen gehen. Bei den Bauern aber ist das Zusammenleben schwieriger. Troon, der „Große Mann“ herrscht wie ein Diktator über die Menschen, bei denen die Frauen gar nichts bedeuten. Bei den Hirten ist das ganz anders und bei den Waldmenschen ebenso. Einzig die Bauern arbeiten hart von früh bis spät, ihnen kommt Beeren lesen, Tiere hüten wie Müßiggang vor.
Die neue Oberpriesterin Joia hat einen Traum. Sie will das Holz Monument zu Stein machen. Es gibt nur einen Handwerker, der das mit ausführen kann. Seft. Die geborene Anführerin und ein Mann mit geschickten Händen.
Schaffen sie es, diese riesigen Steinblöcke zu bewegen?
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Bild von Pete Linforth auf Pixabay |
Die Zeit:
Der Bau der Steinkreise begann vor ungefähr 5000 Jahren. Alle Erkenntnis stammt aus Laboranalysen und der Untersuchung von Kratz und Schleifspuren an den tonnenschweren Brocken. Man bekommt heraus, dass die ersten Steine über 25 bis 30 km transportiert wurden, bei später dazu gekommenen sind es gar bis 300 km. Wie haben die Menschen das gemacht? In der Jungsteinzeit. Bronze war noch nicht bekannt.
Follett lässt Bilder entstehen von der einfachen Kleidung und den einfachen Werkzeugen, Geweihschaufeln und Hacken und Messer aus Stein und Feuerstein. Er erzählt, wie dieser mühselig gesucht und dann bearbeitet wurde. Es sind die ersten Bergleute, die das tun.
Dass das riesige Bauwerk auf mathematischer und astronomischen Grundlagen beruht, nehmen wir heute mit Sicherheit an. Daher mussten zumindest bestimmte Menschen mathematische Grundlagen beherrschen. So lässt Follett die Priesterinnen zählen, sie können die Tage des Jahres bestimmen und wissen, wann zum Beispiel das Wild in Richtung Norden zieht. Seft und seine Leute brauchen perspektivisches Verständnis, sie arbeiten experimentell und probieren viel aus.
Das die Menschengruppen so unterschiedliche Gesellschaftsregeln des Zusammenlebens aufstellen, das hat sich der Autor dann schlicht ausgedacht, ebenso wie das für unsere Verhältnisse etwas zügellose Liebesleben.
Buch:
Es ist also schwer, ein Buch zu schreiben, wenn man „nichts“ weiß. Gleichzeitig macht es die Geschichte interessant. Es könnte ja so oder so gewesen sein. Vielleicht so ähnlich wie noch 2000 Jahre eher, als im Zweistromland und anderswo Jäger und Sammler erste Formen des Zusammenlebens änderten.
Follett hält sich, und das ist gut so, mit religiösen Dingen zurück. Die Priesterinnen um Joia haben zwar Götter, aber die Regeln des Glaubens erläutert er nicht weiter. Es ist die Sonne, die die Regeln macht, an die sich die Menschen, angeleitet von den Priesterinnen, halten. Follett hat sich zuerst auf die Menschen und das Zusammenleben in der Jungsteinzeit und dann auf die Aufgabe, den Steinkreis zu errichten, konzentriert.
Der 1949 in Cardiff, Wals, geborene Autor hat seit 1976 rund dreißig Werke geschrieben, dies hier ist sicher der Stoff, der am weitesten in die Zeit zurück reicht.
Fazit
Der Roman überzeugt letztlich, weil Follett nicht versucht, irgendeine besondere Form von Religion zu erzählen, die womöglich Ähnlichkeiten mit anderen antiken Glaubensformen aufweist. Die oben erwähnte Konzentration lässt die Leser am Ball bleiben. Sowohl die Kenntnisse der Priesterinnen, hier Zahlen und die Fähigkeit zum Addieren und Subtrahieren mit hohen Zahlen, als auch die handwerklichen Fähigkeiten passen zu den beschriebenen Gruppen und bieten eine Erklärung für die im Laufe der Handlung gewaltigen Leistungen.
Es lohnt sich, abseits von Wikipedia und KI-Apps, zu lesen, wie der Aufbau des berühmten Steinkreises möglich gewesen sein könnte.
©️ Der Bücherjunge


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