Dienstag, 24. März 2026

Riley, Lucinda - Whittaker, Harry: Das Mädchen aus Yorkshire




Dass dieses Buch vor Jahresfrist als Geschenk aus einem Regal einer Buchhandlung herausgenommen wurde, hatte nicht nur mit dem Namen der erfolgreichen Autorin Lucinda Riley zu tun, sondern auch mit dem Umstand, dass ihr Sohn, Harry Whittaker, erneut als Coautor auftrat. Whittaker hatte schon den letzten Roman der Sieben-Schwestern-Reihe, Pa Salt, herausgegeben, da ihn seine Mutter nicht mehr beenden konnte.
Dies hier ist der zweite Roman, den Riley einst unter dem Namen Lucinda Edmonds in England (1993) veröffentlichte. Der Sohn erzählte, dass sie diese „alte“ Geschichte gern erneut herausgegeben hätte und hat dies nun selbst getan, wobei er leicht Hand angelegt hat. Ist das Projekt gelungen?

Die Geschichte:    Leserinnen und Leser lernen zuerst Leah Thompson und Mirenda Delencey kennen. Sie kennen sich aus der Schule, aber Leahs Mutter arbeitet bei Rose Delencey im Haushalt. Eines Tages ist dort Brad zu Gast, ein Cousin Mirendas. Leah und Brad kommen sich näher. Die Zeichnung, die der jungen Mann, Sohn eines schwerreichen Immobilienhändlers, von ihr macht, wird zu einer sagenhaften Karriere für sie führen. Mirenda hat noch einen undurchsichtigen Bruder, Miles.

So kommt Leah mit 17 Jahren in die glamouröse Modelszene und erlebt dort die Höhen und Tiefen dieses Jobs, ihre innere Resilienz wird ihr helfen, die Tiefen zu überstehen, im Gegensatz zu ihrer Freundin Jenny, die ihr zu Beginn zur Seite steht.

Mirenda hingegen gerät im Verlaufe des 624 Seiten dicken Buches in die Fänge eines Supermilliardärs.

Doch nicht nur das: Rose und ihr Bruder David, haben als Kinder polnischer Juden im Gegensatz zu ihren Eltern den Holocaust und Treblinka überlebt. Den musikalisch begabten Jungen hat ein SS-Offizier „gerettet“, als er ihn in eine Streichergruppe aus Häftlingen steckt. Nach der Befreiung gehen beide nach England.

Doch wie hängt das alles zusammen?

Buch und Handlung:   Riley / Edmonds schrieb den Roman Anfang der neunziger Jahre und siedelt die Handlung der Mädchen weit eher an. Letztlich umfasst er zwei, fast drei Generationen, es fällt aber manchmal schwer, dem Zeitablauf zu folgen, die Zeitsprünge kommen zu Beginn etwas abrupt.

Wohin uns die Geschichte führt, ist bis fast zum Schluss unklar, was einerseits die Spannung aufrecht erhält, andererseits durch nebulöse „Bemerkungen“ irritiert. Zu Beginn erhält Leah eine Prophezeihung, derer es für die Geschichte nicht bedurft hätte.

Leah wirkt sympathisch, ein Mädchen mit Prinzipien, das aus Erfahrungen lernt. Trotzdem vorhersehbar, ein bisschen flach. Die Model-Geschichte eines armen aber überaus schönen Mädchens vom Lande – wie oft gab es das schon? Dem gegenüber Miranda: überheblich, eingebildet, auch wenn man sie ab einem bestimmten Zeitpunkt bemitleidet. Was bei beiden Mädchen ähnlich ist, sie kommen aus unterschiedlichen aber eher einfachen Verhältnissen in die Gesellschaft von Superreichen.

Die bereits erwähnte Spannung beruht darauf, dass Riley es schafft, den Leser bei der Stange zu halten, der wissen will, was es mit der Geschichte nun auf sich hat. Sie verknüpft verschiedene Handlungsstränge geschickt miteinander – das was sie in der bereits erwähnten Sieben-Schester-Reihe dann meisterhaft fortführt. Das Schicksal der Kinder David und Rose offenbart sich in einem erschütternden Ende, die Geschichte von Leah, über weite Teile vorherrschend, mutiert plötzlich zu einer sekundären Handlung, mit einer schlussendlichen auflösenden Verknüpfung.

Ganz am Schluss stellt sich die Frage, ob seelische und körperliche Grausamkeit vererbbar ist.

Fazit:   Bereits in diesem Buch offenbart sich, mit dem Wissen über das Spätwerk der Autorin, ihre Kunst, Geschichten zu verknüpfen und zu erzählen. Frauenromane, die auch immer in die Geschichte zurückgreifen und Bekanntes (hier) und oft Unbekanntes (Schwestern-Reihe) zu erzählen. An einzelnen Stellen, hat sie es anscheinend übertrieben – hier hätte Harry Whittaker stärker eingreifen können, aber wer will ihm das vorwerfen? Übrigens nimmt er an, dass Lucinda Riley eigene Erfahrungen aus ihrer Zeit als Model mit verarbeitet hat, dabei kommt erfahrenen Leserinnen und Lesern eine Figur namens Sonnenschwester in den Sinn. 

Ein spannendes Buch mit erschütternden, teils grausamen Geschichten, Brutalität und Gewalt - Trotz Klappentext nicht das, was ich eigentlich erwartet hätte. 


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* Cover Bild mit Copilot und PowerPoint erstellt


©️ Bücherjunge



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