Eine Jugendbuchtrilogie, die über einen Zeitraum von vierundzwanzig Jahren veröffentlicht wird, insgesamt aber „nur“ einen Zeitraum von einem reichlichen Jahr abbildet, ist vermutlich selten.
Dieses Jugendbuch hat der Literaturprofessor Carsten Gansel auf eine Liste von 334 Büchern lesenswerter DDR-Literatur gesetzt, es könnte helfen, Gesellschaft, Land, Biografien, Vorstellungswelten besser zu verstehen. Wenn man sich mit ostdeutscher Geschichte und den Menschen zugewandt beschäftigen will, bietet sich belletristische Literatur an. Dabei muss beachtet werden, dass es sich hier um Literatur handelt, die auf dem beruht, was man „sozialistischen Realismus“ nennt. Dazu später etwas mehr.
- DNB / Kinderbuchverlag Berlin / Berlin 1988 / ISBN: 978-3-358-00342-8 / 588 S.
Über den sozialistischen Realismus in der Literatur wurde dort gesprochen, der die „Hauptmethode der sowjetischen schönen Literatur und Literaturkritik darstellt [und] vom Künstler wahrheitsgetreue, historisch konkrete Darstellung der Wirklichkeit in ihrer revolutionären Entwicklung [fordert]. Wahrheitstreue und historische Konkretheit der künstlerischen Darstellung muss mit den Aufgaben der ideologischen Umgestaltung und Erziehung der Werktätigen im Geiste des Sozialismus verbunden werden.“ (Seite 969/970 - Nachwort zu Wir selbst)
Dies dürfte mit ursächlich dafür sein, dass eine große Menge Kinder- und Jugendliteratur in diesem Sinne auf dem Markt kam. Bei Gegenwartsliteratur geht es weniger um historische Korrektheit. Die geforderte Zurückstellung in Folge der 2. Bitterfelder Konferenz von "Fehlerdiskussionen" war bei der Schilderung von "sozialistischen" Widersprüchen umgehbar, wenn sie aufgelöst werden konnten, natürlich durch die "allseits entwickelte sozialistische Persönlichkeit."
Stefan Wolle hat bei der Bundeszentrale für politische Bildung unter dem Stichwort DDR kompakt zum Thema Literatur erklärt:
"Die eigene Literatur, insbesondere soweit sie Themen in der unmittelbaren Gegenwart wählte, war schwierig. Das aus der Sowjetunion übernommene Dogma vom Sozialistischen Realismus war nicht sehr förderlich, zumal niemand genau wusste, wie er aussehen sollte. 1959 wurde auf einer Konferenz in Bitterfeld die Kampagne „Greif zur Feder Kumpel“ eröffnet. Die Schriftsteller sollten in die Betriebe gehen und vom Arbeitsalltag berichten. Doch wenn sie dies taten, gab es Ärger, weil die reale Welt so gar nicht mit der Propagandawelt übereinstimmen wollte." *
Jedoch macht es sich die BPB etwas zu einfach, in den Beiträgen zu genannten Literaturbegriffen fehlen sowohl Beispiel für diesen Umstand, als auch Bücher, die eine besondere Bedeutung entwickelten. Erinnert sei dabei an Ankunft im Alltag und Franziska Linkerhand von Brigitte Reimann, an Erik Neutsch mit Spur der Steine und Der Friede im Osten und Horst Bastian mit Gewalt und Zärtlichkeit.
Bücher werden unterschiedlich rezipiert. Ich las Karl Neumanns Bücher aus der Bibliothek erst Mitte der siebziger, Anfang der achtziger Jahre. Pro DDR eingestellt und erzogen, schmunzelte ich über die Traktoristen-Partisanen (auf so etwas wären wir nicht gekommen)und fand insgesamt, dass die Ziele, die die Figuren, Jugendliche und Erwachsene, entwickelten verständlich seien und notwendig.
Noch einmal sei betont, dass DDR auch durch ihre bestimmte, nicht immer gute, Literatur "gelesen" werden kann. Neumanns Jugendtrilogie ist ein Beispiel dafür, wie eine nicht geringe Gruppe von Menschen dachte, aber auch dafür, wie sie denken sollte. Auf der erwähnten Liste von Carsten Gansel nimmt Frank daher unter der aufgeführten Kinder- und Jugendliteratur einen besonderen Platz ein.
©️ Der Bücherjunge
* https://www.bpb.de/themen/deutsche-teilung/ddr-kompakt/521478/literatur/ - 15:29, 04.05.2026
Li(t)teratur & Mehr zu DDR-Literatur.


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