...von Horizont zu Horizont
Dieses Buch kam zur rechten Zeit. Im Blick eine Reise nach Patagonien, für November 2025 geplant. Im September vorher: Dresden (er)lesen und dort stellte Carmen Rohrbach ihr Buch Solange ich atme vor. Am Stand der Autorin eine Unmenge Reisebücher. Und dieses hier Patagonien von Horizont zu Horizont. Es sollte ein interessanter Begleiter werden, nicht nur während der eigentlichen 10-Tage-Reise, die uns weit weniger Orte besuchen ließ. Allerdings stellte ich am Ende fest, dass auch eine Jahre zurückliegende Reise durch dieses Buch Erinnerungen zurückbringt.
Carmen Rohrbach bewegt sich in ihrem Buch aus dem Jahre 2008 von Süden nach Norden durch das riesige Gebiet Patagoniens, 1.304.000 Quadratkilometer groß, begrenzt durch den Rio Colorado im Norden und der Magellan-Straße im Süden. Das darunter liegende Feuerland wird nicht dazu gezählt, der größte Teil liegt natürlich in Argentinien.
Globetrotterin Rohrbach ist mit Sack und Pack unterwegs. Sie schläft im Zelt in den unwirtlichsten Gegenden, bei jedem Wetter. Sicher hat sie unzählige Fotos geschossen, es sind aber nicht nur die Bilder, es sind die Gespräche mit den Patagoniern, mit Argentiniern wie mit Nachfahren der Indigenen.
Es gelingt ihr auch, mit wortkargen Farmern und Gauchos ins Gespräch zu kommen. Bei gegrilltem Schafsfleisch und Mate-Tee erzählen sie von der Härte ihres Lebens, der Geschichte ihres Landes und von der tiefen Liebe zu Patagonien. hangelt sich über große Strecken entlang der RUTA 40, als Pan Americana die bekannteste Piste auf dem Kontinent, immer wieder rechts und links abbiegend. Zu Pferd, mit Auto oder Bus entdeckt sie Land, Menschen, Tiere und Pflanzen.
Wir erleben mit ihr eine Landschaft, die ohne Grenzen scheint, wo es nichts gibt außer Himmel und Erde, rau und herb.
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| Patagonische Farben - Von Horizont zu Horizont |
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| Gletscher Perito Moreno |
Leserinnen und Leser fahren mit ihr durch Feuerland, kommen an den Torres del Peine vorbei. Wir lesen vom Nationalpark der Gletscher und von Perito Moreno, lernen, warum der Fitz Roy der Rauchende Berg genannt wird und dass besagter Forscher Francisco Moreno diesen nach dem Kapitän der Beagle genannt hat. Der der dort vorbei mäandernde Rio de las Vueltas mündet in den Lago Viedma, durch das Buch lernen wir, dass der nach Antonio de Viedma benannt wird. Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat, das vom El Chalten mit einem des genannten Spaniers aus dem Jahre 1782.
„Am Ende der von zwei Bergketten begrenzten Buch erhoben sich zwei Felsgebilde wie Türme, einer größer als der andere, und ihre scharfen Spitzen überragten alle benachbarten Gipfel. Sie waren freu von Schnee und Eis, und die Indianer nannten sie El Chalten.“ (Antonio de Viedma) – Seite 122
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| Bild Thomas U. (2025) |
Carmen Rohrbach: „Ich freue mich, dass ich gleich bei der Anfahrt das Bergmassiv zu Gesicht bekomme, von dem es heißt, es sei meist hinter Wolken versteckt und an 300 Tagen im Jahr stürme, schneie oder regne es dort... Ich halte an, steige auf einen Hügel, setzte mich auf den trockenen, harten Boden und betrachte den Granitkoloss. Schön ist der kegelförmige Pfropfen eigentlich nicht, aber er beeindruckt mich durch seine monolithische Gestalt und seine glatten und stahlgrauen Wände. Ein Berg, der Macht, Stolz und Unnahbarkeit ausstrahlt.“ (Seite 123)
Nicht umsonst zählt er zu den schwierigsten Bergen der Welt. Genau der Anblick, den wir genießen, glücklicherweise bei strahlend blauem Wetter und mit Wölkchen einer Räucherkerze gleich.
In Richtung Commodoro Rivadavia fährt Carmen Rohrbach durch ein riesiges Ölfeld, hier stellt der Rezensient fest, dieses Buch beschreibt nicht nur das Land, es gibt viele Hintergründe preis. Allerdings merke ich beim Nachlesen, dass die siebzehn Jahre zwischen dem Buch und unseren Ansichten einige Veränderungen gebracht haben, denn es sind zwar unzählige Förderanlagen, das „Gewirr von von Rohren und die von Baggern aufgerissenen Hügel“ sind nicht mehr sichtbar, das Öl fließt heute in unterirdischen Röhren.
Wir erleben eine spannende wie informative literarische Reise. Bereits Gehörtes wird aufgefrischt, Neues kommt hinzu.
Reisebücher dienen vielen Zwecken: Sie bereiten Reisen vor und nach. Sie sind Erinnerungen und begleiten Vorhaben. Wenn sie dann noch so geschrieben werden wie von der 1948 geborenen Biologin und Reiseschriftstellerin, anschaulich, tiefgründig, sachliche Informationen mit Geschichten und persönlichen Begegnungen verbindend, dann erreichen sie nicht nur die Leserinnen und Leser, die ihnen praktisch und tatsächlich folgen. Sie sind auch für jene, die zu Hause bleiben, ein Leserlebnis in bunten Farben.
* * *
Ich danke Carmen Rorbach für das signierte Rezensionsexemplar und lege eine weiteres ihrer Bücher schon mal bereit.
PS: Patagonien leitet sich von „Patagones“ ab, einer Bezeichnung von Ferdinand Magellan für die einheimischen Tehuelche, oft als „Großfüßer“ interpretiert.
©️ Bücherjunge







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